Ausgabe 
6.4.1929
 
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Nr. 80 Dritter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Samstag, 6. ApriN929

Ve r -

Mehr Verkehrspolizei!

Line dringende Notwendigkeit in Gießen.

nicht gekommen ist, irgendwelchen Sinn und irgend- welche Aussicht hoben wird. Wir glauben es nicht, wenn nicht was das einzig Reale daran ist die Vereinigten Staaten sich so lebhaft betei­ligen und einen solchen Druck ausüben, daß der Abrüstungsgedanke wirklich vorwärts kommt. Bestenfalls ist das nur möglich, oder denkbar auf dem Gebiete der S e e r ü st u n g, wenn nämlich England und Amerika unter sich eine Verständi­gung finden. Aber von da bis zu einem Druck auf Frankreich in der Richtung der Landrüstung ist noch ein außerordentlich weiter Schritt. Der wird ganz bestimmt in der nächsten absehbaren Zeit von den Vereinigten Staaten nicht getan werden. Dann kann man aber, ohne besonders Prophet zu sein, auch mit Sicherheit sagen, was aus der Ab- rüstungskommission und ihren Verhandlungen im April herauskommen wird!

Taten für Sonntag, 7 April.

Sonnenaufgang 5.24 Uhr, Sonnenuntergang 18.42 Uhr. Mondaufgang 5.02 Uhr, Monduntergang 15.38 Uhr. , .

1814: Napoleon I. entsagt der Krone und wird nach Elba verbannt: 1874: der Maler Wilhelm von Kaul- bach in München gestorben: 1898: der Masset- baumeister Otto Baensch, Erbauer des Kaiser-Wu> helln Kanals, in Berlin gestorben.

Daten für Montag, 8. April.

1835: der Staatsmann Wilhelm von Humboldt in Tegel bei Berlin gestorben: 1848: der italienischer Komponist Gaetano Donizetti in Bergamo gestorben.

deln würden.

Ltm -en neuen Darmstädter Oberbürgermeister.

WSR. Darmstadt. 5. April. In nichts öffentlicher Sitzung haben sich gestern die Stadt- verordneten-Fraktionen mit der Wahl de £ neuen O b erbürgermeisters besaht. So- zialdemokrateii, Demokraten und Zentrum kamen, dahin überein, die Stelle nicht auszuschrei- b e n . sondern aus dem Kreise der vier übrigen Bürgermeister den Oberbürgermeister zu entneh­men und die sreiwerdende Bürgermeisterstelle unbesetzt zu lassen. Die Rechtsparteien beharr­ten auf ihrem Antrag auf Ausschreibung der Stelle. Am kommenden Donnerstag soll nun die Frage entschieden und gleichzeitig die Wahl des Oberbürgermeisters vorgenommen werden. Die Linke hat sich auf die Person des Bürger­meisters Rudolf Müller geeinigt, der da- mit als gewählt gelten dürfte, da die Par­teien der Weimarer Koalition über die Mehrheit verfügen.

Völkerbund und Abrüstung.

Außenpolitische Umschau.

Don Dr. Otto Hoehsch, o.64)rof. der Geschichte an der üniversiiätÄerlin, M. d.R.

Die kommenden Reichsrichttinien für das Wohnungswesen.

Don Dürgermeister Dr. Dölsing, Alsfeld.

nicht gedeckt werden kann. Die Plangestaltung hat jedoch die Möglichkeit einer späteren Zusammen­legung und bei Eigenhäusern eine Erweiterung vorzusehen.

Altersheime sind vorzusehen, wo durch chre Er- richtung Familienwohnungen freigemacht werden können. Auch Ledigenheime können vorgesehen werden. Zur Verbilligung der neu zu. erstellenden Wohnungen ist darauf hinzuwirken, daß die Ge­meinden sich selbst ausreichendes Gelände für Bau» zwecke sichern. Die Hergabe von Land soll mög­lichst in einer Form erfolgen, die spekulative Ge­winne verhindert. (Erbbaurecht, Wiederkaufsrecht u. a.) Als Ergänzung der WohrrungSfürsorge ist auch die Förderung des Kleingartenwesens von Wichtigkeit. Die Anliegerbeiträge sind möglichst niedrig zu halten, ihre Zahlung ist auf eine län­gere Frist zu verteilen.

Was die Finanzierung des Woh­nungsbaues anbelangt, so kommen auch die Reichsrichtlinien zu der Feststellung was von besonderem Interesse ist daß die öffent­liche Hand auch weiterhin bei der großen Mehrzahl der zu erbauenden Wohnungen bei der Finanzierung des Wohnungsbaues noch mitwirken muh. Vor der Bewilligung öffentlicher Mittel muh die Finanzierung des Bauvorhabens nach- gewielen sein, eine Bestimmung, die übrigens jetzt schon in den Ländern und Gemeinden einge­führt ist. Die Förderung von Wohnungsneu­bauten hat in der Regel durch Gewährung von Daudarlehen zu ermäßigtem Zinssatz zu erfolgen. Dos Privatkapital ist in möglichst h hem Umfange herbeizuziehen. Falls durch die Höhe des Hypo­thekenzinses nicht mehr tragbare Mieten entstehen, so kann die vorübergehende Gewährung von Zu­schüssen zu den Hhpothekenzinsen. oder den Mieten angebracht sein. Oeffentliche Mittel sind auch für die Wiederherstellung und Erhaltung des 'Altwohnungsraums zu gewähren. Der Dau - Herr muß unter allen Umständen einen angemessenen Beitrag an Eigenkapital beibringen.

Was das Wohnungsnotrecht anbetrifft, so kommen die Reichsrichllinien zu dein Ergebnis, daß der über den jährlichen Zuwachsbedarf hinaus­gehende, erst in Jahren abdeckbare allgemeine Fehl­bedarf an Wohnungen erforderlich macht, das Reichsmietengesetz, das Mieterschutzgesetz und das Wohnungsmangelgesetz noch aufrechtzuerhallen.

Ein erheblicher Unterschied zwischen Altbau-- und Neubau mieten ist auf die Dauer wirtschaftlich nicht erträglich. Eine Annäherung beider Mieten im Laufe einer Reihe von Jahren ist unvermeidlich. Diese ist im Hinblick auf die Sicherung einer angemessenen all­gemeinen Lebenshaltung in erster Linie durch eine Senkung der Neubaukosten anzustreben. Eine Locke­rung der Zwangswirtschaft wird nur dann in Frage kommen, wenn in einzelnen Gemeinden oder für besondere Arten von Räumen ein ausreichendes Angebot vorhanden ist. Diese Voraussetzung wird für die einzelnen Arten von Räumen gewerb­liche Räume, große Wohnungen usw. und vor allem auch in den einzelnen Teilen des Reiches, auf dem Lande und in den Städten in verschiede­nen Zeitpunkten eintreten,, so daß die Entscheidung in erster Linie den.Ländern überlassen bleiben muß. Auch bei einer Lockerung ist jedoch die Beibehal­tung eines gewissen Schutzes der Mieter notwendig. Die Bestimmungen des Mieterschutzaesetzes, die auch für den Fall der Aushebung der Zwangswirtjchaft noch einen Mieterschutz vorsehen, müssen daher auf­rechterhalten bleiben. Ferner wird zu prüfen sein, in welcher Weise im allgemeinen bürgerlichen Miet- recht die unter sozialen Gesichtspunkten berechtigten Ansvrüche des Mieters zu sichern sind.

Katholischer Lehrerverein in Hessen.

WSN. Mainz, 5. April. Der Katholische Lehrerverein in Hessen hiell in den Tagen vom 2. und 3. April hier im Konzertsaal der Lie- dertafel seine Hauptversammlung unter dem Vorsitz des Rektors Winter (Mainz) ab. Aus allen Gauen Hestens hatten sich die Vertreter der Bezirksvereine eingefunden. Der erste Tag wurde durch nichtoffizielle Sitzungen des geschaftsfuhrenden Vorstandes, des Hauptvorstandes und der Fursorge- kasse, sowie durch, eine Vertreterversammlung ausge­füllt, wobei wichtige Berufsfragen zur Debatte stan­den. Am Dienstagabend fand ein offizieller Be° grüßungsabend statt. Der Mittwochvormillag war einem Gedächtnisgottesdienst in der St. Donlfazius- Kirche für den verstorbenen Ehrenvorsitzenden S ch o o n gewidmet, wobei der Landtagsabgeordnete Domkapitular Lenhart (Mainz) die Gedächtnis­rede hielt. Dem Gottesdienst schloß sich um 11 Uhr die Hauptversammlung an, zu der Bischof Dr. Ludwig Maria Hugo von Mainz, Ministe­rialrat Hofmann vom Ministerium für Kultus und Bildungswesen aus Darmstadt, Oberreglerungs- rat Dr. S e y f e r t h, Bürgermeister Dr. E h r h a r d (Mainz) usw. erschienen waren. Die Festrede hielt Akademiedirektor Professor Dr Ruderscheldt (Bonn) über das ThemaDas Berufsechos des katholischen Lehrers". Den Abschluß der Gesamtfeier bildete am Mittwochnachmittag eine Besichtigung des Domes.

muß man sich aber auch in der Abrüstungsfrage die Situation klarmachen und entsprechend danach handeln!

Wenn die Zeiten sich ändern, haben sich auch die Methoden zu ändern, mit denen man zu arbeiten hat. Diesen Methoden muß zugrunde liegen, was wir eben die offensive und aggres­sive Völkerbunds Politik Deutsch­lands nannten, die jetzt nötig geworden ist. Schon bei der Minderheitendiskussion der letzten Ratssitzung hat sich das gezeigt. Jetzt kommt mit der endlich zusammentretenden Vorbereitenden Ab­rüstungskommission in dieser wichtigen Frage doch etwas, was entscheidenden Charakter an sich trägt. Man wird an dieser Kommission und ihren Verhandlungen ganz bestiinmt abmesien kön­nen, ob die danach abzuhaltende eigentliche Ab­rüstungskonferenz, zu der man ja über allen die- fen vorbereitenden Kommissionen überhaupt noch

Der Reichsarbeitsminister hat vor kurzem dem Reichstag einen Entwurf von R e i ch s r i ch t - linien für das Wohnungswesen zugehen lassen, der eine Zusammenfassung aller für das Problem des Wohnungswesens in Betracht kom­mender Gesichtspunkte enthält.

Der Entwurf des Reichsarbeitsministers geht da­von aus, daß schwerste Mißstände im Wohnungs­wesen Deutschlands seit Jahrzehnten bekannt ge­wesen seien, und daß die Vorkriegszeit diese nicht beseitigt habe. Dieses Erbe aus unserer wirtschafllich besten Zeit belastet schwer die heutige deutsche Woh- nungspolitik. Dazu kommt in der Nachkriegszeit das völlige Mißverhältnis zwischen dem Wohnungs­neubau und der Zahl der Eheschließungen und den neugegründeten Haushaltungen. Deutschland zählt nach den vorgenommenen Erhebungen eineMil - kion Familien ohne eigene Wohnung. Das Endziel der Wohnungspolitik in einem Stultur- ftaat, jeder Familie die eigene Haushaltung in der eigenen Wohnung zu ermöglichen, und ihr dadurch eine gesunde Lebensführung, ebenso wie die Erhal­tung und Stärkung der Arbeitskraft zu sichern, wäre angesichts eines solchen Notstandes auch in normalen Zeiten schwer und erst in Jahrzehnten zu erreichen gewesen. Heute unter der Last außer- ordentlicher Zahlungen an das Ausland bei der Verarmung des deutschen Dolksvermögens und an­gesichts einer Reihe anderer Aufgaben von grund­legender Bedeutung kann ein Plan für die deutsche Wohnungspolitik nur die Be­kämpfung der allerschlimmsten Not­stände für die nächsten Jahre ins Auge fasten. Als solche Maßnahmen werden bezeichnet:

Herausnahme der Haushaltungen und Familien, die bisher mit anderen Haushaltungen zusammen in überbelegten Wohnungen untergebracht waren. Räumung der abbruchreifen Wohnungen und Her­ausnahme der Familien aus den Elendsvierteln, die dringend gesundet werden müssen. Herausnahme besonders der kinderreichen Familien aus über­füllten Wohnungen. Schaffung neuer Wohnungen für gewerbliche Arbeiter an den durch Umschichtung und Rationalisierung der Betriebe sich ergebenden Standorten. Festhaltung von Landwirten und Land- arb'eiiern auf dem flachen Lande durch Ansiedlung auf eigener Scholle. pf r

Der durch den zahlenmäßigen Ueherschutz der all­jährlich neugegründeten Haushaltungen bewirkte laufende Zuwachs des Bedarfes an neuen Woh-

I nungert beträgt zur Zeit für die Zeit von

1927 bis 1930 225 000

1931 bis 1935 250 000

1936 bis 1940 190 000

von 1941 an tritt ein starker Rückgang ein. Dazu konnnt ein Rückstand von 500 000 bis 550 000 Woh­nungen. Weiter besteht ein durch Mangel und Unterbrechungen in der Bautätigkeit entstandener ! Ersatzbedarf für abbruchreifen Altwohnraum und auf die Dauer nicht brauchbare Not- und^Be- hclfswohnungen. Er beträgt zur Zeit wohl 300 000 Wohnungen und erhöht sich jährlich um meitdrc 30 000 Wohnungen. Die ständig wiederkehrenden Nachrichten über drohende Hauseinsturze zwingen hier zu einem verstärkten Eingreifen.

Ein weiterer Bedarf entsteht für die anberroeitige Unterbringung der bisher in überfüllten Wohnun­gen lebenden Familien. Dadurch werden jedoch m großem Umfange die bisherigen Wohnungen tur eine anderweitige Belegung frei. Insgesamt sind ungefähr 750 000 überbelegte Wohnungen mit fünf Millionen Bewohnern vorhanden. Endlich ist vor­dringlich ein weiterer Bedarf für die An- und Um- I siedln ng von gewerblichen und landwirtschaftlichen Arbeitern und die Ansiedlung von besitzlosen -.and- wirten. Dieser beträgt zur Zeit für die gewerbliche

I Gütererzeugung insgesamt 160 000 und für die An­siedlung von Landwirten und Landarbeitern jcchr- lich 15 000 Wohnungen. Hierbei werden allerdings an anderen Orten zür Deckung des übrigen Bedarfs eine erhebliche Anzahl von Wohnungen freu

Der hieraus sich ergebende Gesamtbedarf kann im Laufe der nächsten Jahre angesichts der starken Auslandlasten und der schwierigen Lag« des inlan- dischen Kapitalmarktes nicht entfernt gedeckt werden. Es müssen deshalb die dringendsten Notstände m möglichst gleichmäßiger Weise zunächst einmal be°

I feitigt werden. , . .

Bei bet Bedarfsdeckung sollen nach den rom» menden Reichsrichtlinien nach Maßgabe der Dringlichkeit Familien aus überfüllten Wohnun­gen mit mehreren Haushaltungen uno mit zahl» I reichen Kindern, vor allem aus baufälligen und gesundheitsschädlichen Wohnungen, in den zuerst »u erstellenden Aeuwohnungen, oder in leer wer­denden angemessenen Altwohnungen untergebracht werden. Die Wohnungen müssen in ®et)<iuoen I erstellt werden, die den heutigen hygienischen

Grundsätzen entsprechen, insbesondere hinreichende Belichtung und Belüftung erhalten. Diesen For­derungen entspricht am besten cher Flachbau im weiteren Sinne. SogenannteGroßhauser sollen in der Regel auf vier Wohngeschosse beschrankt werden. Es ist immer Gewicht darauf zu legen, daß eine wirtschaftlich tragbare Miete erzielt wird. Gegen sog. .Kleinstwohnungen bestehen an , sich wohnungspolitisch schwere Bedenken. Mit

Rücksicht auf die gedrückte Wirtschaftslage sind . sie da zuzulassen, wo auf andere Weise dringender

Wohnungsbedarf heute für kleine Haushaltungen

Am 15. April wird die vorbereitende Ab­rüst ungskommtssion nun ihre Arbeit in Genf beginnen. Amerika und Rußland werden da­bei vertreten sein. Bekanntlich ist es der Standpunkt Frankreichs, daß dabei einheitlich die Fragen der Rüstung zu Land, zu Master und in der Luft behandell würden, während Amerika und England an den Fragen der Landrüstung ein geringes In- teresse haben und die Seerüftungsfrage zusammen mit Japan wie bisher für sich erörtern wollen.

Für die letztere, die ©cerüftung, ist die Lage die: Amerika hat im Februar das neue Flotten- aesetz mit fünfzehn Kreuzern zu je zehntausend Tonnen für drei Jahre angenommen und zwar so, daß der Bau sofort in Angriff genommen wird. Amerika arbeitet zielbewußt und beschleunigt auf die sogenannte Parität zur See mit Eng­land hin, di« praktisch, sowie sie erreicht wird, zuungunsten von England wirkt, weil dieVer- I einigten Staaten ihre Flotte ja bei weitem nicht so über die Erde zu zersplittern brauchen wie England das zu tun gezwungen ist. England bestreitet, daß es sich an diesem Wettrüsten aur See beteilige. Indes hat seine Admiralität zwei Kreuzer für 1928, die mit achttausend Tonnen geplant waren, jetzt mit lehntausend Tonnen, also entjprechend dem Typus Amerikas in Bau gegeben. Wie bekannt, dreht es sich in dem Wettbewerb um die Kreuzer, U-Boote u. dgl. kleinere Schiffseinheiten-, das Verhältnis tm Antenschiffbau ist ja festgelegt. Für 1929 hat die Admiralität zwei Millionen Pfund Ersparnisse am Budget gebracht und zwar auf dem Neubaukonto. Man will die Frage des Wettrüstens mit Amerika, in dem man von vornherein den kürzeren Atem hat, in der Schwebe halten, und außerdem will man für die Wahlen ein möglichst gutes, d. h. sparsames Budget bereit haben. Aber nach der letzten Erklärung des Ersten Lords der Admi­ralität, Bridgeman, sollen tm neuen Budgetjahr doch drei neue Kreuzer erstellt werden'.

Gleichzeitig vollzieht sich em W e ttrusten zwischen Frankreich und Italien. Mussolini antwortete auf die Mitteilungen vom englisch-französischen Nüstungskompromiß mit der Erklärung, daß Italien die Gleichheit mit der stärksten Seemacht des Ko nt t nenb (also Frankreichs, nicht Englands selbstverständlich) anstrebe. Danach wurde das Bauprogramm für 1929 um neun Kreuzer, Torpedoboote und U-Boote erhöht. Frankreich wieder hat eine v/challmsmaßig kleine Bauoorlage (ein Kreuzer, ^chs Torpedo- jäger, sieben U-Boote) angenommen. Im Senat würde zur Begründung herangezogen, die An­nahme der italienischen Vorlage und der neue deutsche Zehntausend-Tonnen-Kreuzer. Auch im Mittelmeer ist man also zwischen Frankreich und Italien im vollen Wettrüsten? . . .

3u Lande ist es vor allem Frankreich, das die militärische Rüstung vorwärtstreib , mit einer großen Militärvorlage, die sich jetzt voll aus=> wirkt, und seinem Befestigungsplan an der Ost- grenze, d. h. g e g e n Deuts ch l a n d. Hier exi­stiert sogar ein Befestigungsabkommen zwischen Frankreich und Belgien, das nach einem einheit­lichen Plan die ganze belgische und französische | Grenze gegen Deutschland befestigen will, einen -eil der belgischen Linie sogar vollständig dem fran,)o= fischen Generalstab unterstellt Nur noch eine Ein- Jtbeit: die Gesamtausgaben für Heer und Manne in Frankreich sind in Goldfranken gerechnet von 1913 bis zu dem jetzigen Voranschläge für ^29 von 1700 Millionen auf 2300 Millionen gestiegen. Frank- reich gibt heute fast 200 Millionen Goldmark für Rüstungen mehr aus, als es an ^p^ottonsein- nahmen erhält? Das ist doch nun, an dieser Zoh qesehen, die Sinnlosigkeit als Prinzip. Man» preßt aus Deutschland Geld zur "WederheHtellungi und verwendet diesesGeld f u r Ji u ft u ng e n, bie es nach der Zusage des Versailler Vertrages und des Völkerbundes in diesem Umfang überhaupt nicht mehr geben sollte. Von den nulitarstchen Rüstungen Polens, Belgiens und ähnlicher Staa­ten sprechen wir schon gar nicht. -

Haben dann die Reden, die wir von der nächsten Woche an in Gens hören werden, überhaupt einen Sinn? Die Russen werden wieder mit ihrem Abrüstungsentwurf kommen und d i c A b r u ft u n g schlechthin verlangen. Dann wird von der fron-; zösischen Seite wieder das Lied kommen, d^ar nicht aus dein Munde von Paul-Boncour weil der fein Amt beim Völkerbund für Frankreich nieder üctcgt bat aber eben sicher von einem anderen ?rar§ösischen Delegierten: daß die erste Sortierung sei und bleibe die Sicherheit und daß, wenn diese befriedigt sei, selbjtverstandlich dann die Ab­rüstung einfach folgen werde. Und dann W man mit irgendeinem neuen D er t a g u n g 2 be­schmutz wieder auseinander. Soll dieses Spiel nun örtlich Jahr um Jahr so weiter gehen? Es L doch alles seine Grenzen?, Die Abrustungssrage ist. nachdem die Sicherhettsfrage vollstandlg ge- löst ist einfach die Zentralfrage für den Völkerbund. Bringt er sie nicht voran, so erweist er sich als u n fähig im Sinne seiner ganzen Begründung und der Idee, der Organisator und Garant eines bau emben Friebens in Europa ZU sem.

Allmählich aber wird bie Lage dafür ret, oa« aus dieser Ueberzeugung und Austastung die tti d>en Sonfequen3en WO«"« ben. Für Deutschland müßten diese dann^ liegen, daß es seine Dölkerbundspolitik hier (aber d^ gilt auch für alle anderen Gebiete) nun aggressiver ansaßt, als es das bisher getan bat Man kann es verstehen, daß Deusichlands Vertretung in Genf, nachdem Deutschland s^ehlich eingetreten war, sich zunächst der Atmosphäre dort, wie man es ausdrucktanpaßte und erst S e 9 zu nehmen sich bestreben mußte. Das ist.aberjetzt vorbei? Deutschland hat gar keine ^anlassung, dem Völkerbund und seinem Sekretariat über «chwie rigkeiten hinwegzuhelfen, weil es mal so Sitte ist, daß man mit größte Höflichkeit Zusammenstöße vermeidet und alle Gegen atz z aplanieren und zu glätten strebt Wir haben den Völkerbund nicht begründet und wir haben uns auch nicht in ihn gedrängt. Die Mttgliedsck)aft m ihm hat Deutschland bisher sehr wenig oder nichts gebracht. Und die Voraussetzung für ein vertrauensvolles Zusammenarbeiten DeAsthlm^ mit den beiden wichtigsten Hauxtstaaten der and^ ren Sette, mit England und Frankreich, ist durch Chamberlain und Briand zerstört worden. Dann

Der Krafttahrzeugvertehr in Gießen hat im Lause der letzten Jahre autzerordentlicy stark zugenommen. Daneben ist auch dec Radiahrer- verkehr in starkem Anwachsen begriffen. Diese 'Ausdehnung des Kraftfahrzeug- und des Rad- lerverkehrs tritt am aus,ästigsten m einigen Burchsoyrtsstraßen der Innensiadt und in den nach den Aussallsstrahen führenden 'Verbindun­gen zutage. Daß mit dieser Entwicklung des Fahrvertehrs die Gefahrenmomente für die Fuß­gänger. aber auch für die Kraftfahrer selbst in erheblichem Maße gesteigert wurden, liegt auf der Hand. Die zahlreichen Unfälle der letzten Zeit sind dafür hinreichend beweiskräftig. Zum Glück sind die meisten dieser Unfälle noch verhält­nismäßig glimpflich abgelaufen, jedoch ist der Personenschaden und die Einbuße am Maienal nicht gering zu veranschlagen. Eine ganze Anzahl dieser Unfälle hat ihre Ursache darin, daß manche Kraftfahrer in der Stadt ost mit einer Geschwin­digkeit fahren, die das zulässige Maß. sowie die im eigenen Interesse und mit Rücksicht auf die Fußgänger gebotene Vorsicht erheblich überschrei­tet. In zahlreichen anderen Fällen haben die Unfälle ihre Ursache in mangelnder Uebersicht- stchkeit an wichtigen Straßenkreuzungspiinkten. Zur Erhöhung der allgemeinen Sicheri'cit ist es erforderlich, daß dieser Gefährdung der Fuß­gänger und der Kraftfahrer selbst toirlfamer als bisher entgegengetreten wird.

Neben einer ausreichenderen Kontrolle der ,vayrt geschwindigkeit rücksichtsloser Kraftfahrer durch mit Stoppuhren ausgerüstete Verkehrsschutzleute er­scheint es uns vor allem geboten, daß an den Brennpunkten des Straßenverkehrs und insbesondere an den unübersichtlichen Straße nkreuzungen ft ä n b i g c V e r kehrsPolizeiposten eingerichtet werden. Als stärkste Gefahrenpiinkte dieser Art feien hier bei spielsweife nur genannt das Walltor Ecke Nord und Dftanlage, die Kreuzung GartenftraßL.Südan läge, die durch zahlreiche Unfälle schon lehr benö­tigte Straßenkreuzung Goethestraße/Sudanlage, die Ecke Südanlage/Frankfurter Straße, das Neuftädter Tor, der starke Verkehrspunkt Schulstrahe/Ecke Sonnenstraße, Kreuzplatz,Ecke Neuenweg und der Straßengabelpunkt Moltkestraße/Licher «traße Kaiserallee. Mit Ausnahme der Ecke Sübanlage ' Frankfurter Straße, wo aber nur zu gewissen Stunden ein Verkehrspolizeibeamter den Heber wachungsdienst versieht, sind alle eben erwähnten .Gefahrenstellen des Straßenverkehrs ohne die not­wendige verkehrspolizeiliche Aufsicht. Wenn wir auch an sich der Meinung find, daß man nicht wegen jeder Sache nach der Polizei, rufen, fonderii bis zu einem gewissen Maße auch auf die Einsicht und die Selbstdisziplin der Bürger vertrauen soll, so erscheint es uns aber doch angebracht,, für die obenerwähnten Straßenkreuzungen eine ständige U Überwachung durch die Verkehrs Polizei zu fordern. Leider muß man eben mit der Tatsache rechnen, daß nicht alle Kraftfahrer, aber auch nicht alle Radler und Fußgänger die er forderliche Einsicht und Verkehrsdisziplin bekunden und dadurch an ihrem Teil zur Ausschaltung Ober Minderung der Gefahren beitragen.

Wir wissen, daß unserer Gießener Polizei-' verwaltung die hier gerügten Zustände bekannt sind und daß sie gerne bereit wäre, im In­teresse der allgemeinen Derkehrssicherheck die er­forderlichen Maßnahmen zu treffen. Cs ist uns aber auch bekannt, daß dem Polizeiamt einige im Verkehrsdienst ausgebildete Polizeibeamte zur Erfüllung der oben erwähnten Sicherungsnot' Wendigkeiten fehlen. Dieses Minus an Beamten mit Spezialausbildung in der Verkehrsüber­wachung kann nicht aus dem ohnehin schon knappen Bestand der Sicherheitsvolizeimannschaft unseres Polizeiamtes ausgefiillt werden. Es erscheint vielmehr erforderlich, die Abteilung Verkehrs­polizei beim Polizeiamt durch einige Verkehrs­polizeiwachtmeister von der Schupo in Butzbach oder aus einer anderen Stadt für dauernd zu verstärken. Wenn durch diese Derinehrung auch eine gewisse Steigerung des Pvlizeikostenzuschus- ses der Stadt Gießen zu den Lasten der staat­lichen Polizei verursacht wird, so erscheint uns diese wohl nicht allzu hohe Mehrausgabe gering und erträglich angesichts der Gewährleistung einer erhöhten Verkehrssicherheit in Unserem Gemem- wesen. Die berufenen Behörden lPvlizeiamt, Stadtverwaltung und Innenminister) würden sich ein besonderes Verdienst erwerben und den 'Bei- fall weitester Bürgerkreise erhalten, wenn sie im Sinne unserer Anregung baldmöglichst Han-