Ausgabe 
6.3.1929
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 55 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Mittwoch. 6. März 1929

I

Aus dem Reiche der Frau.

wünschen, daß diese Forderung von allen Männern an ihre Frauen gerichtet werde: denn die Frauen sind mit denVersack,sichten" nicht glücklicher, wenn sie auch oft so tun. Nur: aus dieser Forderung müs­sen auch, wenn sich einer ihrer Tragweite einmal bewußt wird, alle Konsequenzen gezogen werden! Und eine der wichtigsten ist die, die id) zu Beginn aussprach: der neuen Hausfrau muß die Möglichkeit zur Erfüllung ihrer Aufgaben gegeben werden: und diese Bedingungen dazu liegen heute nicht mehr innerhalb der vier Wände eigener Häus­lichkeit. Die neue Hausfrau, die Kaineradin, Ge- fäyrtin sein soll, muß eine eigene und vom Manne zunächst unabhängige Stellung zu den Dingen der Welt und des Lebens haben. Muß wenigstens die äußere Möglichkeit haben, auch draußen neben, nicht unter dem Manne zu stehen.

Dieser neue Stil prägt sich vielleicht nirgends sicht­barer aus als in der Stätte ihres Hausfrauen­wirkens, in Wohnung und Küd)e. Und umgekehrt sind die Tatsachen, die ich hier erörtert habe, Er- klärungsgründe für einen Zustand, der mir (so lange ich über ihn nachdenke) immer merkwürdig und erstaunlich erschienen ist. Daß nämlich nickts in unserem ganzen täglichen Leben so unverhältnis­mäßig altmodisch und unzweckmäßig ist als die Ein­richtung unserer Hauswirtschaft und ganz besonders unserer Küche. Für einen, der eine Ahnung von modernen Fabrikationsmethoden hat, ist auch das Kochbuch neuester Auflage ein mittelalterliches Do­kument. Es ist mir (bei großem Interesse und eini- I gen sachlichen Kenntnissen in der Chemie) nie recht I

klar geworden, warum die praktisch meist doä) be­gabte Frau die Technik ihrer Hauswirtschaft und Küche nicht umstellte.

Die Erörterungen vorher machen die Gründe deutlicher. Einmal bedurfte gerade die tüchtige Frau einer Kräfte und Zeit sparenden Umbildung nid)t, da ja andere Lcbenswünsche und andere Notwendig­keiten sie nicht konkurrierend in Anspruch nahmen. Ein Buch lesen, ins Theater gehen usw. kann man ja auch lassen, wenn die Zeit fehlt oder die Müdig­keit zu groß ist. Dann aber: der Hausfrau alten Schlages, die in ihrer Welt verharrte, fehlte (neben einer theoretischen Bildung) die Anschauung technischer Parallelen, die sich dem Mann aud) auf- drängen, wenn er kein Techniker und Industrieller ist. So blieb die Technik der Hauswirtschaft ganz konservativ, bis die neue Hausfrau unter den ver­änderten Bedingungen nach Arbeitsersparnis aussehen mußte. Gas und Elektrizität in der Küche sind ja nicht mehr ganz neu, bauen ihren Wirkungs- kreis aber doch noch ständig aus. In der praktischen Ausbildung der Geräte und Wirtschaftsmöbel aber haben Frauen und die beteiligte Industrie endlid) neue Wege «ungeschlagen, die in der geschickten räumlichen Anordnung der Dinge ihre Fortsetzung finden. Das Ziel ist klar: was neue Aufgaben des Lebens der Frau an Kraft zumuten, daß muß ihr in der Führung ihrer Wirtschaft erspart werden. Die abgehetzte müde Frau kann die neue Pflicht einer Bildungsträgerin nicht erfül­len und muß also abgelöst werden. Noch bleibt viel zu tun. Aber der Weg ist betreten.

Plauderei über den Gimmpf.

Don G. van der Groot.

Es gab einmal eine Zeit fast ist es nicht mehr wahr da hatten die Frauen keine Deine, nur schwarzbefchch.e> unter einem G.ocken- rock. Zu dieser sagenhaften Zeit führte der Strumpf ein Dasein im Verborgenen, nur dann und wann an Degen- oder Sturmtagen durfte er feine Existenz beweisen, wenn der Dock ein wenig geschürzt oder vom Winde hochgewirbelt, ihm einen kurzen ach so kurz bemessenen Ausblick in die W:lt gestattete. Aber womit konnte er dann prunken? Mit seiner Farbe? Tie war schwarz oder weiß, zuweilen auch braun, stumpf und ein.önig. Ein Aschenbrödel war der Strumpf, ein derbes, praktisches Kind seiner Zeit. Er sollte wärmen und bekleiden, nichts weiter, und dazu waren Wolle und Baumwolle, in dauerhafter Art handgestrickt, gut genug. Kraus und glatt! Schrecken unserer Kindertage, denn die Dinger kratzten an den Beinen zum Er­barmen. Wie viele heiße Tränen mögen in den Kinderstuben jener Zeit um diese praktischen, ach allzu praktischen Strümpfe geflossen fein, denn sie waren unverwüstlich, diese von der Großmutter mit Liebe selbstgestrickten kraus und glatten Strümpfe. Gl.ckliche Kinder, die heute dieser Plage enthoben sind. Sie glauben es uns nicht mehr, daß wir um Strümpfe Höllenqualen litten.

And wir Erwachsenen, die wir jetzt mit Ver­achtung auch auf die schönsten und weichsten Woll­strümpfe herabsehen, glauben wir es noch, daß in den neunziger Jahren des vergangenen Jahr­hunderts der weiße Wollstrumpf als der allein anständige galt, daß, als der schwarze Strumpf auftauchte, ein Entrüstungsschrei hörbar wurde, der einer entarteten Welt den Untergang prophe­zeite? Und dabei war es doch noch nicht so lange ,5er, daß man in der Zeit des Rokoko dem Strumpf eine Vorliebe angedeihen ließ, die den Luxus unseres heutigen Hätschelkindes bei weitem übertraf. Die reichen Damen, vor allem die Damen bei Hofe, trugen Strümpfe, die mit Edel­steinen beseht waren oder von der Hand be­

rühmter Maler geschmückt wurden. So besaß Frau v. Maintenon, die Geliebte Ludwigs XIV., Strümpfe, die der große Watteau eigenhändig verziert hatte.

Die französische Devolution räumte mit diesem Luxus auf. und da Paris in Modesragen seit jeher tonangebend war. zog die Solidität auch wieder in tc r anderen Ländern ein, und sie war so grünölia), daß der Strumpf ein Gegenstand wurde, von dem man nicht sprach, den zu zeigen, man sich schämte.

Der schwarze Strumpf wird gegenwärtig nur zur Trauerkleidung getragen. Als die Mode ihn zum ersten Male in den Handel brachte, war man eifrigst bemüht, ihn so schnell wie möglich wieder zu verbannen. Es fanden sich Aerzte, die ihn für gesundheitsschädlich erklärten und ihm zahlreiche, durch den schwarzen Farbstoff ve.u.sachte Dlutverg.ftungen zuschrieben. Aber wenn Frau Mode sich eine Neuerung in den Kopf gesetzt hat, bleibt sie hartnäckig. Sie lockte mit feinem Flor- und Seidenqewebe, und die eitlen Frauen unterstützten sie. Mit einem Male war der schwarze St.umpf die dezenteste Bekleidung, bis die farbigen Strümpfe, zuerst ebenfalls entrüstet ausgenommen, ihm den Dang abliefen.

Bor drei Jahren noch starrte man wie hyp­notisiert auf schlanke Beine, von denen man nicht wußte, ob sie bekleidet oder unbekleidet waren. Der fleischfarbene Strumpf hatte feinen Einzug gehalten, und der kurze Dock ließ sehen, was man früher ängstlich zu verstecken getrachtet hatte. Die Strümp,industrie jubelte und nahm sich des armen Aschenbrödels an. Seide, Seide und nochmals Seide von einem Schimmer und Glanz, der Frauen» und Männerherzen gleicher­weise entzückte, kam als Strumpfgewirk in den Handel, in Farben, die eine zu jedem Kleide essende Wahl gestattete. Der fleischfarbene Strumpf .st jetzt nicht mehr so begehrt, wie vor einigen Jahren. Beige-rose, fiibergrau sind die bevorzug en Töne, und wir schlüpfen mit Genuß und Wohlgefallen in diese feinen, weichen Ge-

Die neue Haussrau.

Don Dr. Hanü Hajek.

Die Hausfrau allen Schlages, die in der liebe­vollen und beinahe künstlerischen Betreuung von Wirtschaft und Küche aufging, war eine prachtvolle Erscheinung. Unumschränkte Herrscherin in ihrem Neiche, über das hinaus zu schauen sie weder ver­langte noch bedurfte. Die Außenwelt sah sie im Spiegel des Mannes: realistisch im Spiegel des Eheherrn und der anderen männlichen Wesen, die an ihrem Tische saßen, literarisch in Roman und Theater. Im übrigen wußte sie von demseind- Hd)en Leben" so viel wie ihre Mutter und ihre Großmutter: daß es für Frauen gefährlich fei. Manchmal ging ihr ein kribblicher Schauer über den Leib: JGitt! iGitt wie man im deutschen Nor­den sagt. Das genügte ihr völlig.

Für die junge Hausfrau -on heute liegen die Dinge schwieriger. Sie ist nicht in eine Tradition yineingewachsen, die sie getrost fortsetzt, sie hat sich im Gegenteil wider eine Tradition zu wehren und eine neue zu schaffen. Das fordert doppelte Kräfte. Die selbstverständliche Absperrung gegen das Leben außen ist heute unmöglich, selbst wenn die junge Hausfrau nicht berufstätig ist, wie es viele, jeden Tag mehr, sein müßen. Die Frau, welche heute ihre Kulluraufgabe, die Atmosphäre des Hauses zu ge­stalten, wirklich erfüllen will, muß eine eigene Be­ziehung zur Außenwelt haben und kann sich mit einer indirekten durch den Mann oder gar einer nur literarischen nicht mehr begnügen. Der Gesichtskreis des Mannes ist ja vielfach auch (Gott sei's geklagt!) immer enger und unpersönlicher geworden, welche Entwickelung" man Versachlichung und Speziali­sierung nennt. Der Mann vom Dutzend rocre also, ob er nun Geschäftsmann oder Beamter oder an­deres ist, gar nickt mehr in der Lage, seiner Frau die Kenntnis des äußeren Lebens zu ersetzen und zu vermitteln, denn er ist ja auf seinen Beruf spezia­lisiert.

Wem mein Urteil zu schroff klingt, der sehe sich einmal selbst um. Es ist übrigens gar nicht das erstemal in der Geschichte, daß die Frau als der seelisch bildende Faktor am Manne eine Aufgabe dieser Art zu erfüllen hat: nämlich seiner Entper­sönlichung entgegenzuwirken und ihn wieder zu einer Persönlichkeit zu bilden. Mit dem Werfe des Mannes im einzelnen hat dieser Sachverhalt wenig zu tun; es ist hier aber nicht der Ort, auseinander­zusetzen, wieso der Mann in diese Lage gekommen ist, aus der er wieder heraus muß, wenn wir nickt, wie in Amerika, zu Zuständen kommen sollen, die jede Shdtur ausschließen. Mein Protest gegen den versachlichten Mann ist also kein Angriff auf den Mann und eine plumpe Verbeugung vor der Frau, sondern ein Angriff auf die Versachlichung und Ra- tionalisiernng des Daseins. Mein Protest gegen die (leider starken) Dersachlickungsbestrebungen der Frau ist noch weit lauter, aber hat mit dem Haus- frauenthema nichts zu schaffen und klingt daher hier nicht mit.

Dagegen ist hier zu sagen, daß die neue Hausfrau auch dem nicht versachlichten, also wie ich es fordere Person gebliebenen und gewordenen Manne gegenüber nicht mehr auf dem Standpunkte der allen Hausfrau verharren kann. Denn was der neue Mann (so mir dieser Ausdruck der Kürze wegen erlaubt ist) von seiner Frau will, ist wieder etwas anderes als das Ideal des Mannes von ehe­dem. Gerade der persönliche Mann will eine ihm schultergleiche, wenn auch in einem letzten Punkte von ihm geführte, Kameradin. Nicht nur eine gute Mutter feiner Kinder und selbstverständlich eine tücktige Haufrau.

Liebe Brüder des Ordens vom Manne, wißt tbs- auch, was an Unverschämtheit ihr euch mit dieser selbstverständlichen" Forderung leistet? Was ihr der Frau, der (ich hoffe zu eurer Ehre: geliebten) Frau aufoarft? Ich bejahe eure Forderung mit euch und muß aus meiner Auffassung der Dinge sehnlich

Kinder und Tiere.

Don Sophie Landau.

Ls ist eine beliebte Dedensart. daß Menschen, die keine Siem? zu Tieren hätten, keine guten Menschen seien. Wenn die Erfahrung auch be­weist. daß diese Anschauung in ihrer Absolutheit unrichtig ist, da es zu allen Zeiten edle Menschen gab, die keinerlei innere Beziehung zu den Tieren hatten, während bei schlimmen Schädlingen der menschlichen Gesellschaft sich oft die einzigen wei­cheren Degungen irgendeinem Tier gegenüber zeig­ten. so muh diesem Problem in der Erziehung doch eine nicht geringe Wichtigkeit beigemessen werden. Ist doch der Verkehr des KindeS mit Tieren von nicht zu unterschätzendem Einfluß auf feine Gemütsentwicklung.

Im allgemeinen haben die Kleinen eine große Liebe zu allem, was lebt, ob es fliegt oder kriecht oder schwimmt, ob es bellt oder miaut, sie stehen unter dem Bann des Andersartigen. Nichts betrachten Kinder wohl mit solcher Aufmerk­samkeit wie ein Tier, denn es bewegt sich und gibt sonstige Lebensäußerungen von sich und ist doch so anders, als sie selbst. Das Kind staunt jedes Tier, daß es noch nicht genau kennt, tote ein Wunder an: ach. so siehst du aus. und es versucht, oft große Angst überwindend, eine Verbindung herzustellen. Es wlll dem Hund einen Leckerbissen überreichen, und zuckt doch jedesmal zurück, wenn er danach schnappt. Ist aber die Freund sch ast geschlossen, so geschieht es gar leicht, daß das Kind trotz seiner großen Liebe den Spielkameraden tyrannisiert. Er kann ja nichts dagegen sagen, läßt sich meistens ge­duldig alles gefallen. Das Kind, dcs sonst selbst gehorchen, sich nach anderen richten muh, herrscht. Hier muh nun eine vernünftige Er­ziehung einsetzen, denn es gibt keine bessere Ge­legenheit, das Kind zum Schutz des Schwächeren, zum Gefühl der Verantwortlichkeit für andere anzuhalten, als in seinem Verkehr mit Tieren. Wan muh ihm frühzeitig klarmachen, welche Feig­heit darin liegt, ein Lebewesen zu quälen, das sich nicht wehren, kann oder das auch zu gut­artig und geduldig ist. sich zu verteidigen, wie man das ja so häufig bei Hunden findet, die mit bewundernswertem Gleichmut sich von kleinen Händen zerren, von den Füßen treten lassen. Solche Quälereien sind, da sie meist mit Bosheit

nichts zu tun haben, nicht tragisch zu nehmen, doch muh man sie dem Kinde natürlich aufs st.engste verbieten, ihm zeigen, wie wenig es ihm gefallen würde, wenn ein starker Mensch so will­kürlich mit ihm umginge. Cs muh frühzeitig ler­nen, dah der Mensch die Pflicht hat, das Tier zu schützen, das mit ihm lebt, ihm dient.

Anders liegen die Dinge, wenn Kinder, die bereits verständig genug sind, um Schmerz zu begreifen, Tieren, größeren ober kleineren, ab­sichtlich irgendein Leid zufügen. Hier zeigt sich dann sehr deutlich die verschiedene Veranlagung der Kinder. Wer hätte es nicht schon erlebt, wie Kinder Vögel. Schmetterlinge oder auch einen Hund, eine Katze quälten, well sie wußten, daß sie einem andern Kinde keinen größeren Schmerz antun konnten, als das Martyrium des wehr- lo'en Geschöpfes mit ansehen zu müssen. Hier ist die allergrößte Strenge am Platze, denn das darf man Wohl ohne Einschränkung sagen: ein Kind, das Freude daran hat, Tiere zu quä­len, oder durch seine Grausamkeit gegen Tiere andere Kinder zu schrecken, wird in seinem spä­teren Leben rücksichtslos und brutal handeln. Von blutdürstigen Despoten, wie Nero, Karl IX. von Frankreich, wird erzählt, wie sie schon als Kinder Freude an den Qualen hilfloser Tiere hatten, und die Gerichtsakten zeigen, baß viele Mörder schon in früher Jugend arge Tierquäler waren.

Natürlich ist es außerordentlich schwierig, die Beweggründe der Kinder richtig zu erkennen. Eine Jagd auf eine Katze hat oft mit Grausam­keit nichts zu tun, der älebermui muh sich irgend­wie Luft machen, da springen unb werfen sie hinter einer Katze her. Auch Neugierde und Langweile können die älrsache der Tierquälerei sein. Man möchte einmal sehen, wie die Katze ohne Schwanz ausschaut, was die Dogelmutter tun wird, wenn man ihr die Eier aus dem Nest nimmt, wie die Fliege ohne Flügel sich fort- bewegt.

Das Quälende in der Dehandlungsweise von Tieren und Insekten," sagt Fröbel. ..welches wir in sehr gutmütiger, gu'.gemeinter Absicht beson­ders bei jungen Knaben finden, hat in dem S. reden des kleinen Knaben seinen Grund, sich das innere Leben des Tieres zur Einsicht zu bringen, sich den Geist desselben anzueignen. Aber Nichtlellung, Mißleitung bieses Triebes. Derkennung desselben kann später solche Knaben

wohl zu wirllichen verhärteten Tierquälern ma­chen!" Daher heißt es auf der Hut fein, das Mitleid des Kindes muh geweckt werden, ohne dessen Degungen es später auch zur Menschen- quälerei übergehen könnte, man lehre es alles tierische Leben ehren.Dicht auf leere Mitleid- ilebung, nicht' auf eine Impf-Schule fremder Schmerzen ist's abgesehen," äußert sich Jean V a u l in seiner Lewana,sondern auf eine Re­ligionsübung der Heilighaltung des Lebens, des allwaltenden Gottes im Baumgipfel und im Menschengehirn. Tier-Liebe hat wie die Mutter- Liebe noch den Vorzug, dah für keinen Vorteil der Erwiberung und noch weniger des Eigen­nutzes entsteht, und zweitens, dah sie jede Mi­nute einen Gegenstand und eine Tlebungsminute findet."

Die Liebe zum Tier, zur Kreatur lebt glück­licherweise in den meisten Kindern, sie darf nur nicht durch älngeschick.ichkeit verschüttet werden. So soll man die Kleinen nie, um sie abzuhärten, dazu zwingen, dem Schlachten beizuwohnen. Wo­zu soll man ihnen das Schauspiel des Leidens und S erbens vorführen, das sie entweder ent­setzt oder üjnen zur Sensation wird, die sie sich dann womöglich eines Tages in ungeeignetster Weise selbst zu verschaffen suchen?

Fälle, in denen das Kind bewußt Tiere quält, sind nicht so zahlreich, wie es wohl beim flüch­tigen Hinsehen scheinen mag, es lebt ja mit ihnen so innig wie mit feinen menschlichen Spiel­kameraden. Daher sieht man oft, wie es beim Tode eines feiner Lieblinge tieftraurig ist, sich gar nicht vorstellen kann, wie das Leben ohne rhn weitergehen soll, und sich nur schwer an ein neues Tier gewöhnt. Manche Kinder finden einen gewissen Trost darin, ihrem Gefährten noch einen letzten Liebesdienst zu erweisen, der. so rührend er sein mag. oft einer gewissen Komik nicht entbehrt. So erzählt Storm, wie seine zwei kleinen Jungen tiefbetrübt über den Tod ihres weihen KaninchensDine" neben der Geih- blattlaube knieten und mit ihren rotkarierten Taschentüchern eifrig auf dem kleinen, frischen, seltsam glänzenden Grabhügel herumrieben. Auf des Vaters Frage, was sie da machten, guckte der Kleine auf und sagte, während fein Gesicht so fröhlich leuchtete wie droben kaum die Hebe Himn-elssonne:Wir polieren Dine sein Grab mit Spucke."

So spiegelt sich in der Beziehung zum Tiere die ganze Vielgestaltigkeit der kindlichen Seele,

toebc. die sich der Haut so glatt anschmiegen, und freuen uns. wenn sich auch andere, denen wir gefallen wollen, sich daran erfreuen. Frei­lich. es sind nicht immer schlanke, gutgeformte Deine, die in den schönen, farbigen Seiden­strümpfen stecken, und mancher Aesthet wendet den Blick mit Grausen. Es hat eben alles seine Licht- und Schattenseiten, der kniefreie Dock und auch der so beliebte Seidenstrumpf, denn Dauer­haftigkeit kann man ihm nicht mehr zugestehen. Eire einzige Laufmasche und die Pracht ist dahin. Unb eine einzige solcher Laufmaschen wird vielleicht heute ebenso beweint, wie ein ganzer dauerhafter, kraus und glattgestrickter Strumpf der Bergangenhrit, zum mindesten von denen, die sich eine Neuanschaffung nicht ohne einige Schwierigkeiten leisten können.

Noch ist die Herrschaft des farbigen Seiden­strumpfes unbestritten, bleibt der kurze Rock und es ist vom Standpunkt ungehemmter Be­weglichkeit im Zeitalter des Sportes nicht an­zunehmen, dah er sich wieder beträchtlich ver­längert -- so wird auch der Strumpf der Dame ein Objekt besonderer Sorgfalt derer bleiben, die an ihm interessiert sind.

Hausarbeit und Körperpflege.

Don M. Schneider.

älnferc Zeit legt außerordentlichen Wert aus Körperpflege. In der Tat kann ein gepsleg.es Aeuheres Der Schönheit an Eindruck gleichkom­men. Ein guter Eindruck ist jedoch schon ein hall' ber Sieg Der Persönlichkeit, und keiner Frau ist es deshalb zu verdenken, wenn sie alles daranseht ihn zu erreichen.

Schwer hat es freilich in dieser Hinsicht die selbsttätige Hausfrau, denn d.r Kampf gegen Staub und Schmutz mit Hilfe von Besen. Scheuertuch und scharfen Reinigungsmitteln ist der erklärte Feind eines gepflegten Aeuheren. Jedoch auch seinem verderblichen Einfluß läßt sich durch geeignete Maßnahmen entgegenarboiten.

Da sind zuerst die armen, werktätigen Hände. Sie müssen in der heißen Waschlauge die Wäsche säubern, sie müssen den Abwasch bewältigen, sie müssen Obst unb Gemüse für den Winter ein­machen unb was ihnen sonst noch für Arbeiten, die entschieden alle nicht zu ihrer Verschönerung beitragen, zugemutet werden.

Bei all diesen Arbeiten, feuchter Verrichtung, ist es nicht möglich, Handschuhe überzuziehen, wie es zur Schonung der Hände bei Denjenigen getan wird, die dem Kampf gegen den Staub gelten. Ein Mittel gibt es jedoch, das sich recht gut be­währt hat, das ist das Einreiben der Hände vor Beginn der Arbeit mit einem Stück frischer But­ter, in der grober Zucker verknetet wurde. Dies energisch betrieben, schützt die Hände vor Den Angriffen Der Reinigungsmittel. Nach BeenDi- gung Der Arbeit werden sie gut mit warmem Wasser und milder Seife geschrubbt und hierauf mit einer Mischung von Glyzerin. Zitronensa't und Honig, alles zu gleichen Tellen, eingerieben, wobei die Haut noch feucht sein muß.

Bei trockenen Verrichtungen ist es ratsam, Handschuhe überzuziehen und die Nägel im besonderen auf folgende einfache Weife zu scho­nen. Ein Stück weicher Seife wird zur Hand ge­nommen und mit Den Nägeln in diese hinein­gekrallt. Dabei bcibt von der Seife in den Nä­geln so viel zurück, daß es dem Staub unmög­lich ist. sich unter sie zu sehen. Sie können nach Beendigung Der Arbeit Dann leicht mit Der Bürste ausgebürstet und, um ein Einreißen zu verhüten, mit Vaseline eingerieben werben.

2luch Das Haar muß gegen Den Staub ge­schützt werben. Tücher, um den Kopf gebunden, wirken meistens nicht schön, sind heiß und rutschen leicht herab. Besser ist ein nettes, zierliches Häubchen aus waschbarem Stoff, das das Haar

unb eine richtige Leitung auf diesem Gebiet wird reichen Gewinn bringen.

Gute Hausmannskost.

Don Luise Holle.

Gedämpftes Sauerfleisch. 6 Personen. 1 Kilogramm Rindfleisch. Schwanzstück. Salz, eine Zwiebel, eine Tomate, ein Stück Sellerie. Möh­ren, vier Pfefferkörner, «Lorbeer, Gewürzlörner, 1 Liter Walser, 1 \ Liter Es ig. Das geklopfte Fleisch wird mit Gewürzen. Suppengrün und kochendem Cssigwasser 2 bis 3 Stunden fest zugedeckt gedünstet. Darauf schmeckt man die Beize mild ab, fügt mit Sahne etwas Mehl zur Bindung hei. Nach Geschmack etwas Rotwein. Beigabe: Kartosfcl.löße oder Makkaroni.

Schifsermahlzeit. 6 Personen. Am Abend vor dem Gebrauch weicht man l/2 Kilogramm gute gelbe Erbsen ein, wässert auch 1 Kilogramm Pökelfleisch und kocht beides für sich am folgenden Tage weich. Das Pökelfleisch wirb alsdann fein gehackt und die Erbsen durch ein Sieb ge­strichen. Man schneidet drei große Zwiebeln klein- würflig, brät sie in 50 Gramm Butter gar, gibt Den Erbsenbrei und Das gehackte Fleisch hinzu und gibt soviel kochendes Wasser an das Ge­richt, dah es eine breiartige Beschaffenheit er­hält. Zum Schluß toür't man die Steife mit i/2 Teelöffel Maggis Würze, richtet sie berg­förmig an und umlegt sie mit gerösteten Brot­scheiben und dünnen, leicht angeöratenen S^eck- scheiben. Statt Erbsen kann man auch ohne Salz gekochte Kartoffeln nehmen. Die man feinstampft.

*

Fisch labskaus. 6 Personen. Ein beliebiger billiger Seefisch, von Dem man 1 Kilogramm braucht, teirD nach dem Dorrichten in Salz­wasser gar gekocht, aus Haut unb Gräten gelöst und in kleine Stückchen gelegt. 30 Stück große Kartoffeln kocht man gar und stampft sie fein, um sie danach mit Dem Fisch zu vermischen. Dann brät man 150 Gramm feinwürflig ge­schnittenen Speck mit vier feingeschnittenen Zwie­beln gar und gibt beides an Die Mischung, ver­setzt Vs bis Liter kochendes Wasser mit 1/» Teelöffel Maggis Würze und verrührt das Ge­richt damit. Es wird mit Salz und feinem Pfeffer abgeschmeckt und sofort cmgerichtet. r ,