nD,5) an der etappenweisen Senkung der (Linke m in e n st e u c r fest, die er dein Der- neh'.-en nach jetzt aber nicht mehr auf fünf Jahre verteilt wissen will, sondern, eine gewisse Äon» seinerseits, in etwas kürzerer Zeit zur ■-in. <. i.-rung bringen will. Heber diese Punkte irl! fd-on in diesen Tagen mit den Ländern ge- - od-cn w-rden. Man erwartet, daß dann die ri'eiten an der Finanzresorm abgeschlossen werden ''innen, und dann endlich die (Reformpläne in allen ihren Einzelheiten der Oeffentlich- icit bctanntgegeben werden können.
Der Künfuhrladenschluß am Heiligabend.
Lin Beschluß des Reichsausschusscs für jozialc Angelegenßeilen.
Berlin, 4. (VDZ.) Der (Reichstags- ausfchuh für soziale Angelegenheiten nahm nach längerer Aussprache folgenden Gesetzentwurf an: Offene Verkaufsstellen dürfen am 2 4. Dezember nur b i s fünf Hhr nachmittags, Verkaufsstellen, die ausschließlich oder überwiegend Lebensmittel, Genu ß m i 11 e I oder Blumen verkaufen, bis sechs Uhr nachmittags für den geschäftlichen Verkehr geöffnet fein. Die beim Ladenschluß schon anwesenden Kunden dürfen noch bedient werden. Diese Vorschriften gelten auch für Verkaufsstellen von Konsum- und ähnlichen Vereinen, für solche auf Eisenbahngelände und für das gewerbsmäßige Feilbieten außerhalb offener Derlaufsstände. Sie gelten nicht für Apotheken, für den Markt- ve rke h r und den Handel mit Weihnachtsbäumen. Wer den Vorschriften zuwiderhandelt, wird mit Geldstrafe bestraft.
Die Annahme dieses Gesetzentwurfes geschah mit 18 gegen 9 Stimmen bei einer Stimmenthaltung. Gegen das Gesetz stimmten einige Mitglieder der Deutschnationalen Dolkspartei, der Deutschen Volkspartei, sowie die Vertreter der Wirtschaftspartei. Der Stimme enthielt sich ein Mitglied des Zentrums.
Außerdem wurde eine Entschließung des Abg. Dr. Mumm angenommen, worin die (Reichsregierung ersucht wird, unverzüglich ihre Verwaltungen anzuweisen, etwaige Lohnzahlungen und Ausschüttungen anläßlich des Weihnachtsfestes nicht am 24. Dezember, sondern a n den vorhergehenden Tagen vorzunehmen. Auch möge die (Reichsregierung in diesem Sinne auf die Länderregierungen einwirken.
Oie Arbeitslosenversicherung.
Die Frage der Beitragserhöhung.
Berlin. 4. Dez. (PT.) Aach Mitteilungen des Demokratischen Zeitungsdienstes wird sich die Aeichsregierung noch in dieser Woche mit der Vorlage des Reichsarbeitsministers befassen, die eine (Äitragserhöhung für die Arbeitslosenversicherung in Höhe von « v. H. vorsieht. Es kann damit gerechnet werden, daß sich insbesondere der Reichsfinanzminister dem Vorschläge des Reichsarbeitsministers anschließen wivd, denn der Reichsfinanzministeer ist nur nodj in der Lage, für diesen Monat Zuschüsse zur Arbeitslosenversicherung zu leisten. Zn parlamentarischen Kreisen ist die neue Sachlage bereits erörtert worden und es ist dabei die Auffassung zutage getreten, daß die Frage der Beitragserhöhung für die Arbeitslosenversicherung im Zusammenhang zu bringen sei mit bestimmten Erklärungen des Reichssinanzministers über die Finanzreform. Ob eine Beitragserhöhung von 8/* v. H. in Frage kommt, muß noch eingehend geprüft werden.
Norddeutsche Zusammenschlußpläne?
Hamburg, 4. Dez. «Priv.-Tel.) Aach einer Meldung aus Schwerin soll dort am Freitag eine Konferenz von Ministern der nord - und nordwestdeutschen Länder stattfinden, auf der das Reichsvereinheitlichungsprogramm besprochen werden soll. Insbesondere will.man sich, wie es heißt, mit der Frage eines' eventuellen Anschlusses an Preußen beschäftigen und auch mit dem Plane der Schaffung eines großen nordwestdeutschen Landes, das etwa die beiden Mecklenburg, die Hansastädte und Oldenburg unter der Führung von Hamburg vereinigen werde. Wie von zuständiger Hamburger Seite dazu verlautet, hat Hamburg zu einer solchen Konferenz, von deren Einberu- funaauch nichts bekannt ist. bisher feine Ein- ladÄh erhalten.
Ein neuer ZlüchtlingstranSpori in Eydtkuhnen.
Eydtkuhnen, 5. Dez. (WB.) Der dritte Landtransport der dcutschstämmigen Bauern traf heute kurz nach Mitternacht in Eydtkuhnen ein. Er bestand aus 390 Personen, darunter 79 Kinder unter 5 Jahren und 60 Kinder im Alter von 5 bis 9 Jahren. Die Stimmung dieser Flüchtlinge war recht gedrückt. Die Sanitäter mußten ein 8 Monate altes Kind, das kurz vor Eydtkuhnen gestorben war. und eine während des Transport niedergekommene Frau in das Lagerlazarett schaffen. Der nächste etwa 600 Personen umfassende Transport wird morgen Nacht in Eydtkuhnen eintreffen. Am Mittwochabend hat sich der Bevollmächtigte des Reichskommissars, Major a. D. Rautmann, nach Berlin begeben, um dem Reichskommissar über die bisherige Arbeit des Eydtkuhner Hilfswerkes Bericht zu erstatten. '
Aus aller Welt.
Austausch-Studierende.
Der Akademische A u s t a u f ch d i e n st, der deutschen Stedierenden ein Studienjahr an ausländischen Universitäten ermöglicht, und als Gegenleistung ausländische Studierende für die gleiche Zeit an deutschen Universitäten unter- bringt, hat im jetzt begonnenen 6. Austauschjahr insgesamt 73 deutsche Studierende im Ausland und 78 ausländische Studierende in Deutschland unlergebracht. Bon den 73 deutschen Studierenden weilt der größte Teil, 56. an amerikanischen Hochschulen^ während 13 in Frankreich, 10 in England und Irland, 2 in Island und 1 in Ungarn auf genommen wurden. Bon den 78 im Austauschverfahren nach Deutschland gekommenen ausländischen Studierenden find 56 in A m e r 1 k a,
11 in Frankreich und 8 in England beheimatet. Diese Studierenden sind an 18 deutschen Universitäten untergebracht worden. Von den 56 amerikanischen Studenten allein in M ü nchen 13, in Berlin 9 und in CB 0 n n und Frankfurt je 6. Mit einer Reihe anderer Staaten hat der Akademische Austauschdienst Verhandlungen aufgenommen, und es ist zu erwarten, daß im nächsten Jahre auch mit diesen ein Austauschdienst ausgenommen werden kann. Mit England und Frankreich ist übrigens auch seit einiger Zeit ein Austausch von Lehrern durchgeführt worden, der sich bis jetzt außerordentlich gut bewährt hat, und in Zukunft weiter ausge- baut werden soll.
Lin Versicherungsbetrüger als Mörder.
Aach einer bei der Leipziger Kriminalpolizei eingegangenen Drahtmeldung ist der in Leipzig wohnende Kaufmann Kurt Tetzner, der b c i Regensburg angeblich in seinem Auto verbrannt ist, in Straßburg im Elsaß verhaftet worden. Frau Tetzner, die durch die Leipziger Kriminalpolizei verhaftet wurde, hat gestanden, daß ihr Mann einen (Unbekannten ermordet und mit dem Kraftwagen verbrannt hat. Er wollte dadurch den Anschein erwecken, als ob er selbst verunglückt sei, um auf diese Weise seine Frau in den Genuß einer Unfallversicherung zu bringen, die er vor etwa vier Wochen in Hohe von 1 4 2 0 0 0 Mk. abgeschlossen hatte. Gegen Tetzner wird bei der französischen Regierung das Auslieferungsverfahren beantragt werden. Er ist in vollem Umfange geständig, den Mord am 27. Aovember verübt
zu haben, ebenso einen Mordversuch am 21. Aovember an einem Handwercksburschen. Er beschuldigt seine Frau der Anstiftung. Tetzner wurde in das Gerichtsgefängnis Straßburg eingeliefert, von wo seine (Ueberführung nach Regensburg angeordnet wurde.
Letlowvorbeck beim Prinzen von Wales.
Der Prinz von Wales hat General v. Lettow- Vorbect empfangen. Die Audienz dauerte über eine halbe Stunde.
Großfürst Kyrill zieht nach Frankreich.
Großfürst Kyrill, der sich seinerzeit zum Zaren von Rußland ausrufen ließ, will seinen bisherigen Wohnsitz in Koburg a u f g e b e n und mit seiner Familie eine Besitzung in Saint Briac in Frankreich beziehen. Man habe ihm in Koburg so hohe Steuern auferlegt, daß er sich zum Verlassen der Stadt genötigt sehe.
Eine neue Entdeckung Edisons?
Der Sekretär Thomas Edisons teilt mit, daß Edison ein Verfahren z u r Herstellung synthetischen Gummis aus der gewöhnlichen Goldrutenpslanze entdeckt habe. Der Gummi soll für den Handel für etwa 66 Cents für das Pfund herstellbar fein. Einzelheiten über das neue Verfahren werden nicht bekannt gegeben.
Sechs Todesopfer einer Brandkatastrophe.
In Port Alfred (Ontario) brannte ein Farm haus nieder. Der Farmer, ein französischer Kanadier, und fünf feiner Kinder im Alter von zwei bis zehn Jahren sind in den Flammen umgekommen. Die Mutter und drei weitere Kinder konnten sich retten.
Meirichs Agrarprogramm.
Eine Besprechung mit den Landwirtschastsministern derLänder
Berlin. 4. Dez. (WB.) Unter dem Vorsitz des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft sand am 4. Dezember 1929 im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft eine Besprechung mit den Landwirtschaftsministern der Länder statt. Zur Erörterung stand in der Hauptsache die kürzlich vom Kabinett verabschiedet« Agrarzollvorlage.
Reichsminister Dietrich legte die geplanten Maßnahmen der Reichsregierung dar. Der Druck auf die Viehpreise sei weniger auf das zollfreie Gefrierfleischkontingent als vielmehr in der Hauptsache auf die ausländische Einfuhr zurückzuführen. Erst die Kündigung des schwedischen Handelsvertrages habe die Möglichkeit geschaffen. den berechtigten Forderungen der Landwirtschaft zum Schutze der Vieh- und Fleischmärkte in zollpolitischer Hinsicht entgegenzukom- mcn. Die in der Oessentlichleit geäußerten Befürchtungen wegen der polnischen Schweineeinfuhr seien unbegründet. Die Handelsvertragsverhandlungen mit Schweden hätten inzwischen zum Abschluß geführt.
Aus den Kartoffelmärkten liege die Sache völlig im argen; erforderlich sei die Schaffung einer brauchbaren Absahorgani- f a t i 0 n durch die Erzeuger. Außerdem sei ein Standardisierungsgesetz für Speisekartoffeln in Vorbereitung Für Weizen sei der Dermah- lungszwang nicht nur eingeführt und verlängert worden, sondern er werde auch entsprechend durchges ührt. Die bisherigen Erfahrungen hätten gezeigt, daß beim Weizen ebenso wie beim Zucker eine Preismanipulation auf alle Fälle möglich
sei. Anders lägen die Verhältnisse beim R 0 g» g e n. Hier biete der Zoll keine Lösung des Problems. Die Maßnahmen der Getreidehandelsgesellschaft, die durchaus intakt seien, hätten sich für eine Stabilisierung des Roggenpreises als nicht ausreichend erwiesen.
Die M ilch- und Molkereiwirtschaft habe im Laufe des letzten Jahres eine nachhaltige Förderung erfahren. Der stärkste Hebel für die Sanierung und den Wiederaufbau der Landwirtschaft liege ohne Zweifel bei der Vieh* wirtschaft. Er sei sich jedoch darüber klar, daß im Interesse der Gesamtwirtschaft auch die östliche Landwirtschaft, vor allem der (Koggen- und Kartofselbau, unter allen Umständen am Geben erhalten werden müßten. Dem trage die Agrarvorlage der Regierung Rechnung. Wenn die Vorlage verabschiedet fei, dürfe das? Zollproblem vorerst als erledigt betrachtet werden. Die nächste Forderung sei eine grundlegende Umstellung der Landwirtschaft in bezug auf Produktion und Absatz, eine Aufgabe, der sich Regierung und Landwirtschaft mit ganzer Kraft zuwenden müßten.
Die Darlegungen des Reichsernährungsmini- sters wurden von den Landwirtschaftsmrnistern der Länder begrüßt und seine Bemühungen um die Sanierung de. Landwirtschaft mit Dank anerkannt. Die von verschiedenen Seiten im Laufe der Debatte geäußerten Bedenken und Abände- rnngswünsche in bezug aus einzelne Teile der Regierungsvorlage sollen die Grundlage bilden für die weitere Behandlung der Vorlage im Reichsrat und Reichstag.
Kommunistenkrawall im Reichstag
Reichsinnenminister Severing am Sprechen gehindert.
Das Republikschuhgeseh vor dem Plenum.
Berlin .4. Dez. (DDZ.) Aus der Tagesordnung des Reichstages steht die erste Beratung des neuen Republikschutzgesehes („Gesetz zum Schutze der Republik und zur Befrie- bung des politischen Lebens").
Abg. Pieck (Kom.) führt aus, es handele sich hier um ein Kommunistengeseh, mit dem Minister Severing das Bismarcksche Sozialistengesetz kopiert habe. Severing fühle sich als Gendarm der Bourgeoisie gegen die Arbeiterschaft, aber er werde scheitern an dem geschlossenen Widerstand der werktätigen Mas en unter Führung der Kommunistischen Partei.
Abg. Dr. (Sterling (Dn.) wirst der Regierung vor, daß sie mit dem Stahlhel in - verbot feindliche Waffen gegen die besten Deutschen angewandt habe. Der Terror gegen die Beamten beim Volksbegehren habe bis zum Aachtwächter gereicht. Der Redner fragt den Minister, ob er nicht wenigstens beim Volksentscheid die Wahl- und Gesinnungsfreiheit schützen wolle. Das neue Republikschutzgeseh sei ein Gesetz gegen die innere Freiheit und ergänze den Vvung-Plan, das Gesetz gegen die äußere Freiheit. Das Gesetz sei nicht nur verfassungsändernd, sondern Der« sassungskürzend. In traurigem Gedenken, so schließt der Redner, erinnern wir uns der Zeit, wo die Liebe des freien Mannes den Herrscherthron gründete. Heute ist es unsere Pflicht, den Willen zur Freiheit klar zu halten gegen die Tyrannei des Freistaates.
Als Reichsinnenminister Severing hierauf das Wort nehmen will, rufen die Kommunisten: „Mussolini! Henkerminister! Bluthund!". Aach den ersten Worten des Ministers ruft Abg. Neubauer (Komm.): „Sie haben den Mut. Arbeiter zu morden!" Entrüstungsrufe der Sozialdemokraten antworten. Vizepräsident v. Kardorff ersucht die Kommunisten, den Minister ruhig anzuhören. der kommunistische Redner sei ja auch ruhig angehört worden. Minister Severing durchdringt mit Mühe den Lärm und führt aus, der Vergleich mit dem Bismarckschen Sozialistengesetz fei unmöglich, denn der vorliegende Entwurf sei kein Ausnahmegesetz. Er fährt fort: ..Sie dürfen nicht vergessen" ... Darauf ruft ein Kommunist: „Daß Sie ein Henker find'" Von den Sozialdemokraten kommen stürmische „Raus"-Rufe gegen die Kommunisten. Vizepräsident Kardorff ersucht um Ruhe, aber der Lärm bei den Kommunisten verstärkt sich. Eie rufen dem Abgeordneten Dittmann (Soz ) zu: ..Achtgroschenjunge!". als Dittmann an den Vizepräsidenten herantritt. Schließlich ersucht Vizepräsident von Kardorff einen kommunistischen Zwischenruser den Saal zu verlassen. Der Lärm bei den Kommu
nisten steigert sich jedoch so, daß Vizepräsident v. Kardorff unter lautem Gelächter der Kommunisten feine n. Platz verläßt und dadurch die Sitzung unterbricht.
In der Zwischenpause tritt der Aeltestenrat zusammen. Nach halbstündiger Unterbrechung wird utfi 5.30 Uhr die Sitzung wieder eröffnet durch den Vizepräsidenten von kardorff, der erklärt: „Wegen schweren Verstoßes gegen die Ordnung des Hauses fordere ich die Abgeordneten Jadasch, Beut- ling und Papke auf, den Saal z u verlassen!" Diese drei kommunistischen Abgeordneten bleiben im Saale. Von den .Kommunisten wird laut gegen die Ausweisung protestiert. Vizepräsident v. Kardorff erklärt, da die Ausgewiesenen im Saale geblieben feien, unterbreche er die Sitzung um eine Viertelstunde. Bei Wiedereröffnung der Sitzung bleiben die Ausgewiefenen außerhalb des Saales. Vizepräsident v. Kardorff eröffnet die Sitzung und weist den kommunistischen Abgeordneten Maddalena aus dem Saale. Er teilt mit, daß die Abgeordneten Jadasch, Beutling und Papke sich den Ausschluß auf acht Sitzungstage zugezogen haben.
Als Reichsinnenminister Severing wieder an das Rednerpult tritt, ruft Abg. K 0 enen (Kom): „Nieder mit dem schändlichen Arbeitermörder Se vering!" Koenen wird aus dem Saale gewiesen und die Sitzung auf fünf Minuten unterbrochen. Vizepräsident v. Kardorff eröffnet die Sitzung und stellt fest, daß Abg. Koenen sich den Ausschluß für acht Sitzungen zugezogen habe. Er fordert den immer noch im Saale anwesenden Abg. Koenen auf, nunmehr den Saal zu verlassen. Abg. Koenen ruft: „Der Bluthund Severing darf nicht zum Wort kommen! Nieder mit ihm!" Die Kommunisten klatschen Beifall. Vizepräsident v. Kardorff verläßt seinen Platz und unterbricht dadurch die Sitzung. Abg. Koenen bleibt auf seinem Platz.
Die meisten sozialdemokratischen Abgeordneten nerlaffen in der Sitzungspause den Saal. Während die Publikumstribünen geräumt werden, rufen die Kommunisten hinauf: „Das ist die Freiheit der Republik! — Severing soll sich schämen. — Rot Front!" Etwa 10 junge Tribünenbesucher antworten mit dem Ruf „Rot Front", ehe sie die Tribüne verlassen. Bald darauf verlassen auch verschiedene Kommunisten mit dem Abg. Koenen den Saal. Die Sozialdemokraten lachen laut und rufen den Kommunisten zu: „Ihr Feiglinge!" Abg Koenen (K), der wäh renb der Pause den Saal wieder betreten hatte, wurde durch eine Poli^eiabteilung aus dem Hause geführt. Eine zweite Polizeiabteilung wandte sich gegen die übrigen kommunistischen Abgeordneten, um einen etwaigen Befreiungsvcr- such zu verhindern. Nach dreiviertelstündiger Pause eröffnet Vizepräsident Kardorff die Sitzung uneder und erteilt dem Minister Severing bas Wort. Ehe
der Minister zum Work kommt, tritt der Unke ftow munift Frölich vor und gibt eine Protesterklärung ab, die durch die Glocke des Vizepräsidenten übertönt wird Frölich verläßt bann den Saal. Die Kommunisten weisen auf bie leere Publikums- tribüne unb machen dem Präsibenten lärmende Zurufe. Vizepräsident von Kardorff fordert die kommunistischen Abgeordneten Stöcker, Torgier, Heckert, Rädel, Blenkle unb Dr. Neubauer zum Verlassen bes Saales auf. Die Ausgewiesenen fügen sich dieser Aufforderung nicht. Abg. Heckert ruft: „Wir denken nicht daran, diesen oauftaU zu verlaßen " Vizepräsident von Kardorff unterbricht nochmals die Sitzung durch Verlassen des Präsi- dentenstuhls. In der Pause sehen Präsident Lobe und Vizepräsident von Kardorff das Reichstagshand- buch durch. Abg. Dr. Alexander ruft: „Habt Ihr noch nicht alle beisammen, die Ihr rausschmeißen wollt?" Vizepräsident von Kardorff eröffnet bie Sitzung roieber unb weist wegen grober Drbnungsoer- letzung die kommunistischen Abgeordneten Hornle, Münzenberg, Gräf-Dresden, KippenHerg, Pfeifer und Geschke aus dem Saale. Die Kommunisten antworten mit Protestrufen. Der Vizepräsident stellt fest, daß die Ausgewiesenen noch im Saale seien. Er unterbricht die Sitzung um fünf Minuten.
Nach dieser Pause eröffnet unter lauten Ah-Rufen Präsident Lobe die Sitzung. Er erteilt dem Minister das Wort. Die Abgeordnete Frau O v e r 1 a ch (Kom.) ruft: „Die arbeitenden Frauen klagen Sie an!" Frau Ooerlach wird aus dem Saale g e - wiesen und fügt sich der Aufforderung.
Jteidyditmenmimfler Severing
kann sich endlich verständlich machen und führt aus: Das vorliegende Gesetz richtet sich gegen alle» die mit Gewalt unb mit Beschimpfungen die Staatsordnung oder den Staat bekämpfen. Dabei wird kein Unterschied zwischen rechts und links gemacht. Wenn man von rechts und links sich entschlösse, den politischen Kamps nur mit geistigen Waffen zu führen, dann hätten wir ein Republikschuhgesetz nicht nötig. Oluf die Interpellation wegen des Stahlhelmverbots werde ich im (Ausschuß die Antwort erteilen. Der westdeutsche Stahlhelm wollte eine in-erpolitische Macht aufrichten, um einen Kampf gegen die Staatsordnung nach mussolinischem Muster zu führen. Eine zweite Interpellation fragt nach den Kosten, die das Reich für die Agitation gegen das Volksbegehren aufgewandt hat. Wir weichen dieser Frage nicht aus. Die Reichsregierung steht zu diesen Ausgaben, für die sie demnächst beim Haushaltsausschuß Indemnität nachsuchen wird. In einem Rachtragshaushalt werden 500 000 Mark ange- sordert werden. Die Ausgaben für die Aktion gegen das sinnlose Volksbegehren stehen aber in keinem Verhältnis zu den Kosten, die Herr Hugenberg mit seiner Aktion selbst dem Reiche aufgebürdet hat. Das Volksbegehren ko stet 600 000 Mark und der Volksentscheid wird ungefähr 2,5 Millionen losten (Lebhaftes Hort! Hört!) Der Stahlhelm- sührer hat bereits mehrere neue inner politische Volksbegehren angekündigt. Wir werden eine Revision der Reichsstimmordnung und des Volksentscheides nach der Richtung Vorschlägen, daß, wer so leichtsinnig Volksbegehren herauf- beschwort, auch für die Kosten aufkom- men muß. (Lebhafter Beifall bei der Mehrheit.)
Rach kurzer Debatte wird die Vorlage dem Rechtsausschuß überwiesen.
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Wettervoraussage
Infolge vorübergehenden Luftdruckanstiegs und etwas mehr kontinentaler Luftzufuhr hat sich heut« morgen das Wetter in Deutschland etwas beruhigt, und vielfach ist Aufheiterung eingetreten. Es wird jedoch bald wieder eine Verschlechterung kommen, denn der Kern eines kräftigen Tiefdruckgebietes, der Barometerstände von unter 715 mm aufweift, liegt heute morgen über Irland. Bei dem sehr engen Iso- barenverlaus herrscht über den ganzen britischen Inseln und dem nordwestlichen Frankreich stürmisches und regnerisches Wetter. Mit dem raschen Weiterzug der Störung wird auch bei uns unter Barometerfall bald wieder Bewölkung aufkommen und erneute Niederschtagsiäkigkeit einsetzen, wobei die Luftbewe- gung zunimmt und stellenweise stürmischen Charakter bekommt.
Wettervoraussage für Freitag. Erneute Wetterverschlechterung, meist wollig und trübe, mild, vereinzelte Riederschläge, lebhafte südwestliche Winde.
W i 11erungsaussichten für Sams- t a g. Vielfach wollig, vereinzelte Schauern, mild, jedoch später etwas kühler.
ßufttemperaturen am 4. Dezember: mittags 11,3 Grad Celsius, abends 11,8 Grad: am 5. Dezember: morgens 8,2 Grad. Maximum 12,6 Grad, Minimum s Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe anl 4. Dezember: abends 8,1 Grad: am 5. Dezember: morgens 7,2 Grad. — Niederschlag 0,8 mm.
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