Heben.
Nr. 260 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen) Dienstag. 5. November 1929
lfsParlei,
Netzen.
’*■ Mknrob.
en.
ien.
itett, Gießen.
5it|INl5parlei). berg.
,??ben-Linden tt'^srob. ,ter- Trunmgen.
lb einfach verbunden.
MMehmenden Stimm: l* Stimm™ abg,g[ben| °^i°gen vvrgenornmen
mirb °ls ein Wahlvor. immcn werden bei Fest:
immilfion. rat.
amles.
Bürgermeisterwahl der Bürgermeister Johannes
licher Fraucnvereine in n Nieder-Ramstadt: Ber- rngstemin: 9. Dezember
Geldlotterie zugunsten der hnenangehörigen auf den
leldlotterie zugunsten des gruppe, auf den 22. und
Englands Südtirol.
Don unserem römischen ^-Korrespondenten.
Rom, Ende Oktober.
Lange ber^r 3leiten sein Südtirol hatte, hatte England schon sein Malta. Der Kampf um die Seele der Bevölkerung ist dort nicht erst seit
zunehmen, anworten, denn auch England ist römisch gewesen. Mit demselben Urrecht" wird dann Deutschland ganz Italien einstecken, ein- schließlich Sizilien, und Spanien ein Reich zurückverlangen, in dem die Sonne nicht untergeht. Vielleicht stellt sich dann, wo zwei sich streiten,
rhn Jahren im Gange, er dauert s ch o n 3 a h r» u nd er t e und, wenn man will, Jahrtausende.
3n ein akutes, uns alle interessierendes Stadium ist er jedoch erst getreten, als das Selbstbestimmungsrecht der Völker zum heiligsten Menschenrecht erklärt, mit Krcuzzugbc- geisterung auf die stärkeren Fahnen des Krieges geschrieben und in Versailles mit anderen ausgedienten Idealen auf den Misthaufen geworfen wurde. Seither behauptet Italien, das deutsche Südtirol sei italienisch, und England, das italienische Malta, sei englisch. Folglich mühten die Südtiroler italienisch sprechen, fühlen und denken, die Malteser englisch. Cujus regio, ejus religio. Früher nannte man das Gewisser,szwang. Heute ist die Politik die Staatsreligion.
Für den Zuschauer ist es leicht, in diesem Falle einmal keine Partei zu ergreifen — das besorgen die Gegner selber, indem der Engländer plötzlich italienisch, der Italiener deutsch fühlt, denkt und schreibt. Mit anderen Worten: Italien fordert für seine Landsleute auf Malta die Muttersprache mit derselben Beredsamkeit, wie Oesterreich und Deutschland für ihre Landsleute in Südtirol oder sagen wir besser, um ja kein Mißverständnis auflo.nmen zu lassen: für ihre Stammesbrüder, Hnd England verweigert den Maltesern die Muttersprache mit denselben Begründungen, wie sie Italien in Südtirol geltend macht. Die Parallele ist so haargenau, dah man, hört man nur die Worte, ohne das Thema zu kennen, nicht sagen könnte, ob sie von einem Oesterreicher als Sprecher des Andrcas-Hoser-Bundes kommen, oder von einem Italiener der Dante-Ali- ghiere-Gesellschast. Ein Beispiel:
„Oluf diesem Boden, der in jedem Winkel unsre Kultur atmet und in jeder Volksäuherung Sitten und Gebräuche unserer Rasse, möchte man jedes Zeichen unserer Zusammengehörigkeit ausrotten und don Bewohnern das Privileg und das Recht rauben, die Sprache ihrer Väter zu sprechen. Ja, glaubt man denn mit der Aenderung der Straßennamen und mit dem zwe.hunderttausend Menschen auferlegten Sprachzwang wirklich beweisen zu können, daß dieses Land dem anderen Reiche angehöre? Glaubt man mit solchen Aeußerlich- keiten auch Herz und Seele des Volkes umgestalten zu können?"
Wer sagt das? Wer fragt das? Monsignore Seipel oder ein Alldeutscher? Rein, das sagt und fragt Professor Marotta von der Gesellschaft Dante Mighieri, indem er Malta meint. In Pisa, auf dem Kongreß für die Verteidigung der italienischen Sprache. Im nächsten Jahre wird die Gesellschaft ihren Kongreß als „feierliche Manifestation der Italianität des'Alto Adige" in Bozen abhalten. Wenn dort Italien mit derselben Selbstverständlichkeit die Berechtigung der — italienischen Sprache feiern wird, Hai — England wieder treffliche Waffen für Malta. Eine Schule für Sprachforscher, Ras- senschützler, Pazifisten und Rationalisten. Eine Schule aber aua) für das Völkerrecht, eine Schule, in der nur der Befehlshaber bestimmt, welche Sprache zu sprechen ist, ohne die Zunge dec Schüler zu prüfen.
Lehrreich, sehr lehrreich, wie Italien sein Recht auf Malta verteidigt. Am schwächsten sind natürlich, wie immer, die Argumente, die sich auf antike Ereignisse und archäologische Fundstücke stützen. Wenn Italien behauptet, Malta sei schon vor zweitausend Jahren römisch gewesen, so kann der britische Humor nur mit einer Einladung, auch London zurück-
auch der Dritte ein, der Araber, und fordert unter Hinweis auf maurische Bauten, die noch viel besser erhalten sind, als die römischen Meilensteine in Südtirol oder die römischen Soldatenlager in Köln, Malta für sich.
Auf diesem Wege kommt man nicht weiter. Aus Eroberung ein Besitzrecht herzuleiten, ist immer gefährlich, in diesem Falle besonders für Italien, denn England nennt Malta immerhin schon seit 130 Jahren sein eigen, während Südtirol als italienische Provinz noch in zehnjährigen Kinderschuhen steckt. Und England will jetzt erst das Englische als Landessprache einsühren, das heißt das Italienische ausmerzen, während Italien das Deutsche bereits vertilgt hat. In dieser Beziehung ist also die Position Englands günstiger. Ja, wendet da Italien ein, aber Südtirol war vor tausend Jahren italienisch! Und Malta, antwortet England, arabisch! In Südtirol war unter der germanischen Siedelung die italienische ' Sprache völlig erloschen, auf Malta dagegen hat sich das Arabische bis auf den heutigen Tag erhalten. In der Tat spricht der Malteser, seiner Rassenmischung entsprechend, eine besondere Sprache, einen arabisch-italienischen Dialekt, der sich ungleich weiter von der Sprache Dantes entfernt, als beis^i.lZweise die Schweizer Mundart Dorf Goethe. Und auch wer mit der Dio- geneslaterne auf den braunen, kahlen Felsen der britischen Seefestung herumsuchen würde, fände Wohl kaum einen autochthonen Eingeborenen, der von sich bekennen möchte und könnte, er fei Italiener. Fragt man die Leute aus dem Volke, was sie eigentlich seien, so antworten sie verwundert und einfach: Run, Malteser, denke ich! In den intelligenten Kreisen wird hehauptct, man stamme Wohl von den Phöniziern ab, doch sei der griechische Einschlag unverkennbar, levantinisches Blut fließe in den Adern, ob Aegypter oder Mauren die Ahnen gewesen seien, ob Spanier ober Johanniter, Vandalen oder Goten — wer wolle das sagen! Unverkennbar, am stärksten h.rvortretend ist der südilalienische Typus der Hafenstädte, nur eines sind die Malteser bestimmt nicht: Engländer. So wenig wie die „Männer mit dem Gamsbart und dem Franz Joseph auf der Porzellanpfeife" Italiener.
Diese Alten, heißt es in Rom, bilden die Vergangenheit, uns aber soll und wird die Jugend gehören! Richt anders denkt Lord Strick- land, der maltesische Premierminister, und wendet daher die römischen Methoden, wie sie in Südtirol beliebt sind, auf Malta an. Eine Verständigung scheint unmöglich. Lord Strickland, der übrigens mütterlicherseits Italiener, väterlicherseits Irläirder und der Geburt nach Malteser ist, wird von den italienischen Zeitungen und nationalen Gesellschaften mit einer Heftigkeit angegriffen, die sicher von den österreichischen Blättern, wenn sie auf Südtirol zu sprechen kommen, nicht überboten wird. Mit einer Leidenschaft, die man nur bewundern kann, mit einer Zähigkeit ohnegleichen setzen sich die Italiener für ihre Sprachgenossen auf der Insel ein, obwohl England noch lange nicht so radikal vorgeht wie umgekehrt Italien, sondern nur verhüten will, daß „das Englische durch das Italienische verdrängt werde". An diesem Kampf um die Erhaltung der Hauptsprache auf Malta, die ohne Zweifel das Italienische ist, dürfen sich die Malteser, und hier weicht die Parallele von Südtirol ab, von Herzen beteiligen. Sie haben eine römisch
i<«£
*>■
Häuser stürzen in Rom ...
Von Or. Gustav W. Eberlein.
Rom, Anfang Rovember.
Mit einem Ungestüm, das der Quirite des neunzehnten Jahrhunderts nicht begreift und der Fremde amerikanisch findet, wirft sich das moderne Rom Mussolinis auf das alte des Augustus, um es dem Zeitengrab zu entreißen. Mit einer Leidenschaft, die dem päpstlichen Rom unbekannt war, wird die Hauptstadt Italiens zu einer Metropole des zwanzigsten Jahrhunderts umgestaltet.
Häuser stürzen, Ruinen erstehen. Gräber offnen sich, Leitungsmaste sinken in den Staub. Berge werden zu Tälern, Täler zu Bergen. Das eine schaut in die Vergangenheit, das andere in die Zukunft — das ist das doppelte Gesicht Roms, der Stadt, die um so jünger wird, je älter sie wird. Der Roma aeterna, der Roma immortale.
Immer sind die Zeiten in der Unsterblichen durcheinandergelaufen und haben sich übereinander gelegt wie geologische Schichten, so daß ein Gang dur'ch Rom zum Querschnitt wird, aber während man bisher die Kulturen gelagert sah, wie sie nacheinander kamen, wäh- renö man vor Augen hatte, wie jedes Jahrhundert den Boden erhöht, so daß der Fuß zum Beispiel vom Straßenniveau weg glatt ins Pantheon schreitet, zu dem früher, wie man daneben sehen kann, Stufen hinaufführten, während unter mancher Kirche eine andere und unter diese wieder eine aus dem Altertum liegt, während in der Regel immer eine Generation auf die Asche der anderen baute, wird jetzt weggerissen, eingerissen, aufgerissen. Weg damit! ist die Losung. Der Verkehr fordert sein Recht und man gibt es ihm ebenso bereitwillig, wie man es ihm früher entrüstet verweigerte.
Auch anderswo fallen ganze Häuserreihen, gi- wiß, auch in Amerika schachtet man rücksichtslos aus, um Wolkenkratzer aufzubauen, aber das ist der Unterschied: dort fährt der Spaten gleichgültig in unberührten oder wenigstens jungen Boden, hier gerät er beim ersten Druck in Gräber, in Mausoleen der Geschichte, in die Wiege Roms. Das Verkehrsproblem ist deshalb am Tiber so ungleich schwieriger, weil es mit dem Riederlegen der Hindernisse nicht gelöst werden kann, weil der Archäologe bei jedem Schritt dem Architekten in den Arm fällt. Und
weil Mussolini zwar amerikanisch, gleichzeitig aber auch konservativ im edelsten Sinne des Wortes sein, ja die Große des modernen Rom mit der Pracht des alten zu Zwillingen vereinen will.
Run stelle man sich vor, daß die Stadt reißend schnell wächst, der Menschenstrvm überschwemmungsartig anschwillt, die Straßen im Zentrum zumeist aber noch nicht einmal eine Gehbahn haben und haben können, weil sie zu schmal sind, daß es noch feine Untergrundbahn und überhaupt kein anderes Verkehrsmittel als Tram und Auto gibt. Die Verkehrsadern sind infolgedessen gewöhnlich verstopft, die Fußgänger in steter Lebensgefahr, ein Blick in Den „ewigblauen Himmel" verfängt sich hilflos im engmaschigen Drahtnetz. Richt alles, was sehens würdig ist, kann auch angesehen werden.
Und dennoch befiehlt der Cäsar: das alte Rom stehe auf! Da sinken die Häusergebirge zu beiden Seiten des Kapitols, da versinkt das Getto rings um das Theater des Marcellus, da geht auf das Forum des Augustus, des Rerva, des Cäsar, da wird wieder frei der tarpejische Fels, die Markthallen Trajans offnen sich... klopfenden Herzens steht man in der Rächt und sieht den Pickel laufen bei tausend Kerzen, nackte Arme wühlen im Schutt der Zeit, Kalkschwaden und ehrwürdige Paläste ziehen. Unheimlich, wie dieser Regisseur im schwarzen Hemd den Schatten befiehlt, Charon zur Umkehr zu zwingen, daß sie dasein könnten beim großen Appell an den Erinnerungstagen des Marsches auf Rom, und hintreten vor ihn und den Arm heben zum römischen Gruß: Du hast mich gerufen, Benito, hier bin ich: Augustus! In vier Jahrzehnten ist nicht so viel ausgegraben worden, wie )etzt in vier Jahren.
Die roten Bücher der Fremden kommen nicht mehr nach, die Ciceroni müssen hinzulemen, daß ihnen der Schweiß auf der Stirne steht, selbst die Professoren haben es nicht leicht, denn so manche feststehende klassische Meinung wird durch eine Palata, einen Schaufelhieb umgewvr- fen. Wo sie mit dem Finger deuteten: hier unten liegt der Tempel des Jupiter, da kommt nichts zutage als Sandstein: wo sie unbedenklich einer neuen Straßenbahnlinie freie Bahn anwiesen, da steigt ein Säulenwald herauf. Und an den vereinzelten Stellen, wo die Gelehrten sich einig waren, da stehen über Rächt niegeahnte Dinge, über deren Bedeutung sie vielerlei widerspruchsvolle Arttkel schreiben müssen.
orientierte nationalistische Partei, der Lord Strickland mit Verboten und Schikanen so etwas wie Märtyrer verschafft, nachdem sie schon beträchtliche Erfolge auszuweisen hatte. So sollte schon 1899 einmal die italienische Sprache wenigstens vor Gericht und in den Schulen abgeschafft werden. Joseph Chamberlain zig aber im Jahre 1902 aus politischen Gründen die Vorlage zurück. Auf jene Großzügigkeit verweist man heute in Rom und seht die „traurige Figur" Lord Stricklands abschreckend baneaen.
In Wirklichkeit denkt und handelt natürlich dieser Lord ebenso politisch, wie der andere, der Vater des Burenkrieges. Er weiß, daß die Sprache eines Volkes zur mächtigsten politischen Waffe geworden ist, Die mehr strategische als kulturelle Bedeutung hat. Und hätte er es nicht gewußt, so würde er es von Italien gelernt haben, das so gerne als italienisch anspricht, wo italienisch gesprochen wird. Warum, so sagt er, wollt ihr in Südtirol den Eindruck erwecken, als sei dort immer nur eure Sprache zu Hause Seewesen, warum wollt ihr der Bevölkerung nicht assen, was ihr für die meinige fordert? Weil ihr aus politischen und militärischen Gründen ein italienisches Südtirol braucht! Rein, erwidert Rom, weil Italien ein untrennbares Ganzes ist und weil infolgedessen ein Gesetz gelten muß von den Alpen bis Sizilien! Einverstanden, gibt Lord Strickland zurück, und daher wenden wir auf Malta englisches Gesetz an, denn es ist englisches Gebiet. Ein aussichtsloser Dialog. Es sei denn, man käme auf das unbequeme Selb st bestimmungsrecht zurück.
Oberheffen.
Allerheiligenmarkt in Hungen.
l. Hungen, 4. Rov. Der alljährlich hier statt- ftnbenbe und aus der Umgegend gern besuchte Allerheiligenmarkt wurde am Freitag abgehalten und übte auch in diesem Jahre seine alte Anziehungskraft wieder aus. Schon am Tage vorher waren eine große Anzahl Budenbesitzer anwesend, um sich einen guten Platz für den Markt zu sichern. Am Markttage standen zu beiden Seiten der Ortsdurchfahrt und auf dem Marktplatz eine große Anzahl von Verkauf sstän den mit Waren aller Art, und die Besucher des Marktes, welche sich in den Rach- mittagsstunden durch die Straßen schoben und drängten, hatten Gelegenheit, ihre Kauflust vollauf zu befriedigen. Auch in den Wirtschaften herrschte lebhafter Betrieb, und die einheimischen Geschäfte hatten durch den regen Marktbetrieb sicher einen guten Absatz. Für allgemeine Belustigung war durch Karussells, eine Schießhalle, durch Tanz und Kinovorstellungen gesorgt, so daß auch hier die Besucher, sowohl von hier als auswärts, auf ihre Rechnung tarnen. Der Ferkel- und Schafmarkt war durch einen Auftrieb von 468 Ferkeln und 160 Schafen gut beschickt. Der Handel auf beiden Märkten war flott, so daß die Bestände bald geräumt waren. Ferkel kosteten bis zu 6 Wochen alt 25 bis 30 Mk.: 6 bis 8 Wochen alt 31 bis 42 Mk., 8 bis 10 Wochen alt 43 bis 55 Mk., 10 Wochen alt und darüber bis zu 62 Mk. das Stück. Aus dem Schafmarkt versteigerte die Landwirtschafts- kammer, wie im Vorjahre, eine Anzahl jüngere Hümmel, wobei für drei Stück 90 bis zu 103 Mk. geboten wurden. Junge Böcke, von diesem Jahr zur Zucht, wurden verkauft für 36 bis zu 60 Mk.. ältere Hammel und Mutterschafe (Schlachttiere) 40 bis 55 Mk., trächtige Mutterschafe bis zu 60 Mk. das Stück.
jntereffante Mnzsunde bei Vad-Aauheim
= Bad-Rauheim, 4. Rov. Beachtenswerte Münhfunde sind beim Rigolen eines Rosenackers im benachbarten Ober-Mörlen gemacht worden, und zwar im Hüftersheimer Feld, wo einst der in Der Mainzer Fehde
Man wollte dem Verkehr am Corso Vittorio Emanuele, wo 42 Tramlinien miteinander rangen. eine Bresche schlagen, man riß Die Geschäftshäuser ohne Mitleid für Die goID&ringenDe Lage ab. Und was findet man in ihrem Schoße? Vier Tempel auf einmal. Folglich ist jetzt hier eine archäologische Zone: tabu! Man wollte die Via Nazionale von dem störenden Knie beim Tra- jansforum befreien und legte daher die alte Kaserne Magnanapoli um, Das heißt zur Hälfte, denn es stellte sich heraus, daß die andere, die Urhälfte, eben jene langgesuchte Marktanlage Trajans war, mehrstöckige Handelshäuser, ein Halbkreis von antiken Ladengeschäften, der die Aufgabe hatte, den abgestochenen Berg, den achten Hügel Roms zu stützen. Heberhaupt gibt es jetzt überall Luft rings um die geheimnisvolle Säule Trajans, Die mit ihren 35 Meter Höhe die Höhe der einstigen Erhebung anzeigh.
Wir können jetzt wieder ahnen, wenn auch nur ganz fein, welche Pracht hier zu den Göttern rief, bevor sie im Mittelalter von dem großen städtischen Kehrichthaufen bedeckt wurde, der übrigens sein Amt bis in unsere Zeit versah. Als Konstantin, dessen Augen alle Herrlichkeit der Erde getrunken hatten, nach Rom-kam, blieb er erschüttert auf dem Forum stehen und meinte zu seinem Begleiter, einem persischen Fürsten, er würde sich höchstens getrauen, ein solches Reiterstandbild, wie das des Trajan, zu schaffen. Worauf der Orientale: „Wozu dann einen Gaul schaffen, wenn du ihm nicht auch so einen Stall herumbauen kannst?" Und der große Gregor flehte Gott an, diesen Heiden Trajan aus dem Feuer zu erlösen und ins Paradies zu versetzen. So Überwältigte ihn das Forum.
Das alte wie das neue Kapitol standen in einem Haufen elender Baracken, die den Hügel so überwucherten, daß die Fremden sich kopf- fchüttelnd fragten, wieso man denn überhaupt Den tarpejischen Fels hinuntergestürzt werden konnte. In den letzten Monaten ist diese „Aussicht" wieder hergestellt worden. 2m Marcellus- theater hatten sich mit Urväterhausrat die Trödler einquartiert, Goethes Lieblingskneipe lag daneben, die Romfahrer betrachteten sich mit kleiderzusammenhaltender Vorsicht die Volkstypen — alles dahin, dahin. „Um zu räumen.“ Mufso- Itni ist nicht kleinlich.
Und das Kapitol wird soeben durchbohrt. Ein Tunnel führt hindurch, wie durch den QuirinaL Ein anderer wird bei der Piazza Spagna hinein- getrieben. Und so schauen wir in das andere Gesicht der Stadt,
untergegangene Ort Huftirsheirn stand. ES handelt sich um Silbermünzen, die vom Direktor des Münzkabinetts beim Stadtarchiv Mainz im einzelnen bestimmt wurden. Es handelt sich zum Teil um Kölner Denare aus der Zeit des Erzbischofs Engelbert II. (1261 bis 1274); die übrigen Münzen Dürften als Kölner Denare mit kaiserlicher Prägung aus Der Zeit Ottos IV. (1198 bis 1212) ober Friedrichs II. von Hohenstaufen (1212 bis 1250) anzu- fprechen sein.
Landkreis Gießen.
§ Daubringen, 4. Rov. Dieser Tage eröffnete ter hiesige Frauen verein seine diesjährige Winterarbeit im Saale der Kleinkinder- fchule. Der erste Abend war sehr gut besucht, was Der Vorsitzende, Dekan Gußmann, besonders rühmend hervorhob. 2n feiner Begrüßungsansprache ermahnte er die anwesenden Frauen, in Der gleichen Zahl, sei es in den Betstunden oder andern Zusammeniünsten. anwesend zu sein. Aus dem 2ahresbericht war zu ersehen, daß Die Zahl Der Mitglieder rund 150 beträgt. Bei der Rechnungsablage war ein Reinüberschuß von rund 130 Mk. vorhanden. Heber die Verwendung des Betrages soll der Vorstand befinden. Für die im kommenden Frühjahr anzustellende Kranienschwester, Der Die Krankenpflege des Dorfes übertragen w.'rden soll, wird voraussichtlich ein bestimmter Teil des Ueberschusses zur Verwendung kommen. Rach Erledigung einiger DeieinsangelegenHeiten hielt Dekan (3 u ß - mann (Kirchberg) ei en Lichtbildervortrag über „Elsaß und die Doge en". Mündliche Erläuterungen trugen wesentlich zur Veranschaulichung bei, so daß der Lichtbildervortrag einen nachhaltigen Eindruck auf die Zuhörer ausübte.
gck. G r o ß e n - D u s e ck. 4. Rov. Die Volkshochschule Ober Hessen, Deren Vorträge vom vergangenen 2ahre bei Den hiesigen Landwirten großen Anklang gefunden haben, wird auch in diesem Winter mit einer Reihe von Vorträgen aufwarten. 2edoch sollen diese verschiedene Gebiete umfassen, um breitere Schichten heranzuziehen. Kommenden Sonntag wird im Saale des Gastwirts Drück ein Unter Hal tungs- unö Familien abend stattfinden. Ramhafte Kräfte der Volkshochschule haben sich zur Verfügung gestellt, um durch Konzert und Theaterspiel den Besuchern wirklich Gutes zu bieten. 2n den darauffolgenden Wochen werden Vorttäge zum Teil mit Lichtbildern über Sport, moderne Ernährung, die Bedeutung der Vererbung, das Genossenschaftswesen, Obstbau und landwirtschaftliche Stoffe gehalten werden. Cs ist zu hoffen. Daß die Veranstaltungen recht zahlreichen Besuch erfahren.
: — : Beuern, 4. Rov. Zu Der bevorstehenden Gemeinderatswahl sind in unserem Dorfe 5 Wahlvorschläge eingereicht worden, die die nachfolgenden Ramen aufweisen: Wahlvorschlag I. 1. Phil. Wilhelm Somme r l a d , Kriegsbeschädigter. 2. Ludwig Muhl, Maurerpolier. 3. Otto Konrad Sommeriad, Maurer. 4. Karl Hofmann 11., Maurer. 5. Friedr. Strack, Maurer und Karl Funk, Maurer. Wahlvorschlag II. 2oh. Karl Belloff, Landwirt. 2. Ludwig Stein II., Landwirt. 3. Konr. Wilh. Wißner, Landwirt. 4. Konrad Krämer, Landwirt. Wahlvorschlag III. 1. Phil. Karl Damm, Landwirt und Steinbruchsbesitzer. 2. Aug. Ranft, Landwirt und Glasermeister. 3. 2oh. Heinrich Funk, Landwirt und Steinhauer. Wahlvorschlag IV. 1. Daniel Ludwig Sommerlai), Gemeinderechner. 2. Philipp Arnold, Schreinermeister und Landwirt. Wahlvorschlag V. 1. Wilh. Fuhr, Steinbruchsbesitzer. 2. 2ohannes S ch u g, Mühlenbesiher. 3. 2oh. Karl Funk, Zimmermei- ster. Wahlvorschlag 11 und III sind miteinander verbunden. — 45 2ahre sind es her, Daß unser Kirchendiener und Glöckner Heinrich Schneider fein Amt in unserer Gemeinde versieht. Mit vorbildlicher Pflichttreue und Gewissenhaftigkeit hat sich der nun im 74. Lebensjahre stehende Mann der Ausübung seines
Der Cäsar befiehlt: es werde eine moderne Stabt! Gestern erging der Befehl, gestern. Heute reißen sie schon Die Straßenbahnschienen aus dem Herzen Roms. Das ganze Zentrum innerhalb Der Mauern soll stillgelegt werden. Das heißt: kein Pferd, kein Handwagen, keine Tram mehr. Rings um die Stabt ein Straßenbahnring mit Rabienlinien in bie Dorstäble, im 2nnem nur Asphalt und Gummi.
Am Ponte Milvio ersteht das Forum Mussolini. Soeben seht sich der ungeheure Ducemonolith aus den Marmorbrüchen von Carrara ttberauswärts in Bewegung. 2m Mittelpunkt des Stadions wird er aufgestellt werden, wie das Reiterstandbild Trajans, nein, Mussolinis, soeben in der Arena von Bologna aufgerichtet wurde. Dieser neue Circus maximus faßt 136 000 Zuschauer, doppelt soviel wie das Kolosseum, das jetzt im Scheine von drei Millionen Kerzen durch die Rächt leuchtet. Alles wird kolossal. Benito fordert die Flavier in die Schranken. Mit Pa- leftren und Turmgaragen.
Auf dem Gianicolo, man traut seinen Ohren und Augen nicht, ersteht das Symbol des musso- linischen Roms, ein hundert Meter hoher Turm in Form eines Liktorenbündels. Heber den Geschmack läßt sich nun einmal nicht streiten. Dieses Wahrzeichen wird vom Meer und von den Bergen aus sichtbar sein, es leuchtet mit seiner flammenden Gloriole den nächtlichen Flugzeugen, es enthält ein mondänes Lokal, und seine Seele ist ein riesiger Auszug, der den Hügel mit dem Trasteverequartier verbindet...
Paprika.
Erinnerung einer Krankenpflegerin.
Von Suse von Hoerner-Heinhe.
Er hatte einen unaussprechlich ungarischen Namen, und darum nannten ihn feine Freunde Paprika. Ich lernte ihn kennen, als ich eines Abends zornschnaubend aus dem k. u. k. Feldfpital lief, um im Feldkino tröstliche Gedanken zu suchen. Das war im Jahre 1917 im Tale der goldenen Bysteritz, nahe von Kirlibaba.
Neben der Tür vom Fekdkino stand ein junger ungarischer Offizier. Er lehnte bequem und nachlässig mit dem Rücken an der Wand, blickte auf feine sehr blank geputzten Stiefel, rauchte, bewegte den Kopf im Takt und schien vollkommen in die Kinomusik versunken zu fein, die auch da draußen zu hören war. Neben mir stand ein alter Pattent qug dem Feldfpital. Es war der Nafenfchuß.


