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Aus der Provinzialhauptstadt.

Stehen, den 5. November 1929.

provinzialausfchußsihung.

Am Samstag fand im Sitzung Ifaale des Re- aierungsgebäudcs zu Gießen eine öffentliche Sitzung des Provinzialausfchusses der Provinz Oberhefsen statt.

Als erster Punkt der Tagesordnung standen zur Verhandlung die Klagen der a) ®g. ® im - bei Wwe. zu Butzbach, b) Allg. Ortskran- kenkaf sc für den Kreis Friedberg, C) des Friedrich Kahlborn und der G. W. Küchel Erben zu Butzbach gegen die Stadt Butzbach wegen Heranziehung zu den Ge­ländeerwerbskosten bezügl. der Kleinen Wallgafse. Die Beklagte, sowie die unter c- Ge­nannten waren anwaltlich vertreten. Sn der De- weiöausnahme wurde von den Klägern geltend gemacht, daß es sich bei der Kleinen, wie auch bei der Großen Wallgafse um eine bereits be­standene Fahrstraße handele, so daß, im Vergleich zu anderen Straßen der Stadt Butzbach, nach den jetzigen Bestimmungen und den Bestimmungen des OrtsbaustatutZ ein Beitrag zu den Selände- erwerbskosten nicht erhoben werden könne. Die Zeugenvernehmung ließ jedvch erkennen, daß die genannten Straßenstrecken nur als Feldwege gelten könnten. Der Vertreter der Beklagten stützte feine Ausführungen im wesentlichen auf die Zeugenaussagen und ferner auf die gesetz­lichen Bestimmungen und die Bestimmungen des Orlsbaustatut). Es stehe ohne weiteres fest, daß im vorliegenden Falle nur ein Feldweg in Frage komme und daß nach den gesetzlichen Bestimmun­gen zu einer Straße gehörten 1. eine Abfluß­rinne zu beiden Seiten, 2. Chaussierung. 3. ein befestigter Fuhrweg. 4. die Anlage eines Wasser­laufes. Dies fei jedoch bei der Wallgosse nicht der Fall. Was das zu erwerbende Gelände an* betrifft, so ergeben sich Meinungsverschieden­heiten, die in einer späteren Sitzung geklärt wer­den sollen. Der Provinzialausschuß er­kannte zu Recht: Die Klagen werden als unbegründet abgewiesen, als sie sich gegen den Grund der Ansprüche richten. Die Entscheidung über die Kosten des Verfahrens bleibt Vorbehalten.

Die weiteren Punkte der Tagesordnung be­trafen Klagen in Fürsorgeangelegen­heiten. Zur Verhandlung kamen: 1. Die Klage des De^irk^sürsorgcvcrbandes der Stadt Worms gegen den Dczirksfürsorgeverband des Kreises Gießen wegen Erstattung der Aufwendungen für Luise Kirch aus Ringelshausen. Sn dicser Sache wurde eine endgültige Entscheidung nicht gefällt, sondern auf Deweisbeschluh erkannt. 2. Die Klage des Dezirkssürsorgevcrbandes Schwäbi ch- Gemünd gegen den Bezirksfürsorgeverband des Kreises Friedberg wegen Erstattung von Für- sorgekostcn für Katharina Dürkel. Der Klage wurde stattgegeben und der Bella t? kosten­pflichtig verurteilt, die Aufwendungen des Klä­gers für die Zeit vom 2. November 1926 bis 3. Sanuar 1928 zu ersetzen. 3. Die Klage des Preußischen Bezirksfürsorgeverbandcs Stadt Wiesbaden gegen den Bezirkssürsorgcverband Alsfeld bzw. den Landesfürsorgeverband Hessen wegen Erstattung von FürsoLgekosten für Erna Erler. Die Klage wurde als unbegründet zurück­

gewiesen und die Kosten des Verfahrens dem Kläger zur Last gefetzt. Streitwert 836 Alk.

Zeppelin-Besuch in Frankfurt.

Eine Bitte aus Gießen.

Wie aus Friedrichshasen gemeldet' wird, ist für nächsten Sonntag eine größere Süd­deutschlandfahrt des Luftschiffes Graf Zeppelin" geplant, auf der auch Frankfurt a. M. überflogen werden soll. Da die Entfernung von Frankfurt nach Gießen für das Luftschiff sicherlich kei e Rolle spielt, die Bürgerschaft unserer Stadt bisher aber nur nachts das Luftschiff über oder an Gießen vorbeifliegen sah und hier der dringende Wunsch besteht, cs auch einmal bei Tage unsere Stadt passieren zu sehen, möchten wir der Luftschifsleitung doch Die Ditte oussprechen, auf der Fahrt am nächsten Sonntag von Frankfurt aus einen A b st e ch e r nach Gießen zu machen und unsere Stadt, so­wie die Rachüarorie Butzbach, Bad-Nauheim und Friedberg einmal bei Tage zu besuchen. Die Lüftschiffleitung darf versichert fein, daß ihr für die Erfüllung die'es Wunsches der herzliche Dank unserer Mitbürger gewiß fein wird.

Taten für Mittwoch. 6. November

Sonnenaufgang 7.01 Uhr, Sonnenuntergang 16.26 Uhr. Monüaüfgang 12.26 Uhr, Monduntergang 19.15 Uhr.

1672: der Komponist Heinrich Schütz in Dresden gestorben (geboren 1585); 1771: Alois Senefelder, Erfinder des Steindrucks, in Prag geboren (gestorben 1834); 1833: der norwegische Dichter Ionas Lie in Eker bei Drammen geboren (gestorben 1908); 1865: der Schriftsteller Karl Alex, von Gleichen-Ruß- rourm auf Schloß Greifenstein geboren; 1893: bei Komponist Peter I. Tschaikowsky in St. Peters­burg gestorben (geboren 1840).

Gießener Wocherrmarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 210 bis 220; Matte 30 bis 35; Käse (10 Stück) 60 bis 140; Wirsing 12 bis 15; Weißkraut 8 bis 10; Rotkraut 12 bis 15; gelbe Rüben 10 bis 12; rote Rüben 10 bis 12; Spinat 25 bis 35; Römischkohl 10 bis 12; Unter-Kohl- rabi 8 bis 10; Grünkohl 20 bis 25; Rosenkohl 40 bis 45; Feldsalat 100 bis 120; Tomaten 30 bis 50; Zwiebeln 10 bis 15; Meerrettich 50 bis 80; Schwarzwurzeln 40 bis 60; Pilze 25 bis 30; Kartoffeln 4.5 bis 5; Aepfel 10 bis 15; Dirnen 10 bis 15; Dörrobst 30 bis 35; Preisel­beeren 40 bis 45; Pfirsiche 40 bis 50; Honig 40 bis 50; junge Hähne 120 bis 130; Suppen­hühner 100 bis 120; Gänse 100 bis 120; Nüsse 40 bis 50; das Stück: Tauben 70 bis 90; Eier 17; Blumenkohl 30 bis 100; Endivien 10 bis 20; Ober-Kohlrabi 10 bis 15; Lauch 5 bis 15; Rettich 10 bis 20; Sellerie 10 bis 40; das Bund: Radies­chen 15 bis 20 Pfennig; der Zentner: Kartoffeln 3,50 bis 4; Wirsing 10 bis 12; Weißkraut 5 bis 6; Rotkraut 10 bis 12; Aepfel 8 bis 12; Dirnen 8 bis 10 Mark.

Vornotizen.

Tageskalender für Dienstag. Stadttheater:Schwarzwaldmädel", 19 30 bis 22.30 115r. Gesellschaft für Erd- und Völker­kunde: Lichtbildervortrag Dr. Trinller (Berlin): Verlauf und Ergebnisse der Deutschen Zentral­asien-Expedition, 20.15 Uhr, in der Reuen Uni­

versitäts-Aula. Volkshochschule: Kursbeginn, 20 Uhr. Universitätsgedäule. Lichtspielhaus. Bahnhofstraße: ..Der Skandal in Baden-Baden" undDie blaue Maus". Astoria-Lichtspiele: Das brennende Schiff" undWenn zwei sich lieben".

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Diese Woche bringt am Freitag, 8. November, das -werte Prominerrten- Gastspiel ,Hermine Körner mit Ensemble". Die Körner erlebt auf ihrer Tournee Triumphe. Es ist außerordentlich interessant, nach Dasermann diese Schauspielerin zu sehen. Sie. die große »Frau" der deutschen Bühne, spielt eine ihrer Glanzrollen, die Herzogin von Marlborough in Scribes LustspielDas Glas Wasser". Außer­dem die Hauptrolle in SchnitzlersWeihnachts- einläufe" (aus .Qlnatol). Die heutige Opc- rettenvorstellungSchwarzwaldmädel" (Opc- retten-Gastspiele Frankfurt a. M.) beginnt um 19.30 Uhr. Mittwoch, 6. November, Georg Kai­sers »Hellseherei".

Der Goeth e-Dund schreibt uns: Am 9. und 10. November begeht der Goethe-Burd sein 15. Sahresfest. Dem Festprogramm ist ein würdiges und bedeutsames Gepräge gegeben wor­den. Der Präsident der Deutschen Dichterakademie, Walter von Molo, hat sich in Anerkennung der erfolgreichen kulturellen Arbeit des Gießener Goethe-Dundes bereit erklärt, den Ehrenvorsitz zu übernehmen und das Fest am Samstagabend durch eine AnspracheDer Dichter und seine Zeit" zu eröffnen. Sodann hält Dr. Carl Riehen, der Skiter des Snstitutes für Thealerwifsenschaft an ter Universität Köln, einen Lichtbildervortrag über das ThemaEin Sahrhundert Bühnen- schicksal des Faust". Der besondere Anlaß zur Ansehung dieses Dortrages, der durch eine Fülle höchst selten er und prächtigen Abbildungsmate­rials das Ringen des deutschen Theaters um die szenische Fleischwerdung der Goetheschen Dich­tung zeigt, war die hundertjährige Wiederkehr des Tages der Llrauffüh.ung vo i GoethesFaust" am 19. Sanuar 1929 im Braunschweiger Landes- thealer. Am Sonntagvormittag findet im Stadt» thcater eine Goethe-Morgenfeier statt, zu welcher der in Gießen bekannte Rezitator Dr. Friedr. Castelle und die Vortragskünstlerin Frida Hummel akts Düsseldorf eingeladen sind. Die musikalische Llmrahmung der Morgenfeier, in deren Mittelpunkt die Feierrede von Dr. Fried­rich Castelle und eine szenische Ausführung der Zwiegespräche auS dem West-östlichen Divan Hatem und Suleika" stehen wird, hat der Or­chesterverein Gießen übernommen. Am Sonntag­abend findet in den Räumen des Klubs ein Ge­sellschaftsabend statt, zu dem der Gesangs- und Vortragskünstler Robert Koppel mit seinen heiteren Darbietungen und künstlerisch höchst ori­ginellen Einfällen gewonnen ist. Die vielver­sprechende Ausgestaltung dcs 15. Sahresfestes des Goethe-Bundes wird sicherlich allseitig stärkste Deterligung finden. (Siehe heutige Anzeige.)

Auszeichnung verdienter Sänger. Veteranen. Bei dem in Worms ftattgehabten Bundestag des Hesi.fchen Sängerbundes erhielten folgende Mitglieder des Bauerfchen Gesangvereins durch den Bundesoorsitzenden, Ministerialrat Dr. Siegert, Auszeichnungen: Chormeister Otto G ö r l a ch wurde für 25jährige Tätigkeit im Verein Ehrenchormeister des Hessischen Sängerbundes; der

Ehrenvorsitzende Georg Todt sowie die Ehren­mitglieder Louis Bellofs und Louis K ö h - linger erhielten für 25jährige ununterbrochene Tätigkeit als Vorstandsmitglied die Auszeichnung mit der AufschriftFür Verdienste" nebst entspre- chender Urkunde.

" Holzgeld bezahlen! Die Stadtkass« Gießen veröffentlicht in unserem heutigen An­zeigenteil eine Betanntmachung über die Holz­geldzahlung. Auf diese Veröffentlichung sei be­sonders aarimerffam gemacht.

Die Wohnungsbauten am Ku­gelberg. Zu unserem Bericht vom 30. Ok­tober über die Reubautätigkeit am Kugelberg wird uns zur Berichtigung mitgeteilt, daß diese Reubauten erstellt werden von der Hessischen gemeinnützigen Aktiengesellschaft für kleine Woh­nungen, Sitz Darmstadt (kurzHegemag"). Die Wohnungsfursorge-Gesellschast für Helsen (Zweig­stelle Gießen) ist mit der Betreuung dieses Bau­vorhabens beauftragt. Die örtliche Bauleitung liegt in Händen des Architekten Gustav Ha­mann. Es werden dort insgesamt 60 Woh­nungen erstellt, und zwar fast durchweg 3-Zirn- merwohnungen mit Bad und Zubehör. Sn den Dachgeschossen sind in jedem Block je zwei Zwei- zimmerwohiwngen untergebracht.

Lukasgemeinde. Die musikalische Abendfeier, die die Lukasgemeinde am Sonntag in der Sohanneskirche veranstaltete, nahm hei nahezu ganz gefüllter Kirche einen schönen Ver­lauf. Zrl. Emmy Schaum aus Frankfurt, die hier schon wiederholt bei kirchlichen Veran­staltungen aufgetreten ist, fang Lieder von Beet­hoven und Schubert und gewann damit, wie Immer, den Beifall der Zuhörer. Zum erstenmale trat bei dieser Veranstaltung der neugegründete GießenerVerein für christliche Musik", ein Dläserchor, in die Öffentlichkeit; seine Darbietun­gen fanden überall dankbare Anerkennung, be­sonders gelang dem Verein die Wiedergabe des Großen Halleluja" von Händel. Organist Ha­bicht, der auch die Sängerin begleitete, brachte in gewohnter Meisterschaft Kompositionen von Sohann Sebastian Dach zu Gehör.

(Schluß des redaktionellen Teils.)

Den Genuß einer guten Suppe kann man sich stets und überall auf die einfachste Weise ver­schaffen. Man wählt je nach Geschmack eine der 23 Sorten von Maggi's Suppen und kocht sie nach der jedem Würfel aufgedruckten Anweisung nur noch mit Wasser. Sn kurzer Zeit ist eine delikate Suppe fertig. 246D

Die Snnenmattierung der Glühlampe ein neuer Fortschritt.

Die Osram-Lampen 15 bis 100 Watt werden jetzt nicht mehr außen, sondern innen mat­tiert. Wegen ihrer glatten Außenfläche ver­schmutzen sie nicht und sehen am Tage wie auch abends, wenn sie leuchten, schöner aus. Außer­dem. haben sie eine gleichmäßige Lichtverteilung, wodurch störende Lichtflecke auf den Lampen- Schirmen und -Hüllen vermieden werden. 7613v

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