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Wandern unsere Rebhühner?

Eine Anregung für Läger und Ornithologen.

Von Studienrat

Heber das Rebhuhn besteht eine so ausgedehnte Literatur, die Biologie, Hege und 2agd behan­delt, daß man meinen sollte, alle Probleme seines Lebens seien längst völlig klar. 2n diesen Schrif­ten spielen auch die Wanderhühner eine große Rolle, große Ketten, die im Herbst von Zeit zu Zeit und an wechselndem Ort über­raschend auftreten und rasch wieder verschwinden, ohne daß man sagen könnte, wohin sie gekommen sind. Egon öreifjerr v. Kapherr sieht in ihnen Hühner, in denen das Wandern noch als Hrtrieb lebendig ist. Das Rebhuhn ist ein Steppenvogel, der wahrscheinlich von Osten her nach der Ent­waldung Deutschlands in die auf der Rodung entstehende Kultursteppe eingewandert ist. Auch stimmt damit überein, daß die wichtigsten Beob­achtungen über Wanderhühner in Ostdeutschland und Ungarn gemacht wurden, und daß man wohl in der Annahme nicht fehl geht, daß es sich hier­bei um russische und sibirische Einwanderer handelt.

Bezüglich unserer einheimischen Reb­hühner Pflegen wir Jäger auf dem Stand­punkt zu stehen, daß es kaum ein Wild gibt, das treuer an seinem Standort festhält. Wer ein Feldrevier ein paar 2ahre besagt hat, weiß ganz genau, wo er dort Hühner zu suchen hat. 2mmer wieder wird der gleiche Gemarkungsteil zum Standort erkoren. Zweifelhaft kann dagegen die Frage sein, ob denn der Besah an Hühnern in einem 2ahre immer dem Abschuß im Bor­jahre entspricht. Mitunter ist der Abschuß in einem 2ahre weit unter der Rorm, da irgend­welche äußeren Gründe das Besagen behinderten. Die Hoffnung auf ein ganz besonders gutes Hühnerjahr hat sich häufig als trügerisch erwiesen, und man trifft kaum mehr Hühner und Ketten als gewöhnlich an. Wo ist der Heberschuh hingekommen, der doch ebenso die Stammhühner für weitere Ketten hätte abgeben können? Daß die moderne Ackerkultur die Hühnerbestände nicht günstig beeinflußt, ist so sicher, wie die Feststel­lung von Seuchen in verschiedenen Gegenden. Aber im Zusammenhang mit der oben gemachten Feststellung eines gewissen Bestandsverlustes dür­fen auch solche Beobachtungen nicht übersehen werden, wo in anderen Revieren ein unerwarte­ter Zuwachs eingetreten ist. So berichtet z. B. der in der jagdlichen Literatur bekannte Ritt-

Hölzel, Gießen.

meister v. W a h d o r f, daß in einem Revier im Borjahr die Hühnerjagd ganz mäßig war, daß der Rest außerordentlich unter dem strengen Winter 1928/29 gelitten hat und daß trotzdem dort so viele Bölker in diesem 2ahre da seien, wie seit 2ahren nicht, und er fragt mit Röcht: Woher stammen die Stammpaare?" Eine beacht­liche Mitteilung brachte ferner eine 2agdzeitung vor nicht langer Zeit. Dort berichtet ein deutscher 2äger, daß er zur normalen Zeit in Südfrank­reich an einer Hühnerjagd teilnahm, deren Er­gebnis ganz dürftig war. Darauf erfuhr er von dem 2agdherrn, daß die größten Strecken alljährlich im Rovember erzielt würden und daß dann der Wildmarkt in Paris stark mit süd- französischen Hühnern beschickt würde. Daraus ergibt sich doch ohne weiteres die Frage, woher denn nun dieser Hühnersegen stammt?

Aus solchen Beobachtungen kann man wohl zu Vermutungen gelangen, die aber noch keine Beweiskraft besitzen. Hier mühte man sich be­mühen, durch den Versuch zu einer Klärung zu kommen. Die Vogelberingung hat in das Leben unserer Zug- und Strichvögel schon so viele Einblicke gestattet. Sollte es nicht auch möglich sein, dah man damit versuchte, sich Klarheit über das Wanderproblem unserer Reb­hühner zu verschaffen? Für 2äger, die zu­gleich ornithologisch und wissenschaftlich inter­essiert sind, dürste die Durchführung unschwer sein. Denn an geeigneten Fütterungen lassen sich die Hühner im Winter leicht einfangen, wie das ja zum Einkammern der Hühner in vielen Gegen­den schon lange üblich ist. Die Beringung ist außerordentlich einfach, kann aber nur dann als richtig bezeichnet werden, wenn die allgemein bekannten Ringe von Helgoland, oder auch von Rossitten Verwendung finden. Eine Zeichnung mit irgendwelchen Geflügelringen ist verfehlt, da dann keine Rückmeldungen zu erwarten sind. Ferner wird gerade das Huhn durch sein Be­sagen und durch die Aufmerksamkeit, die aus den bekannten Gründen der Altersunterscheidung sei­nen Ständern gewidmet wird, sehr reichliche Rück­meldungen erwarten lassen dürfen. Würde dieser Versuch in den verschiedensten Gegenden Deutsch­lands in möglichst großem Hmfang gemacht, so kann der Erfolg, eine Lösung des Wander­problems, nicht ausbleiben.

richtSvollzieher, soweit sie am 31. März 1920 be­reits angestellt waren, den ruhegehaltspflich­tigen Bezügen der Betrag von 600 Mark hin- zuge rechnet wird, für die anderen Gerichtsvoll­zieher der Betrag von 500 Mark.

Außerdem wird der 2ustizminister ermächtigt (Art. 7), an Stelle Der Reisekosten, die den Ge­richtsvollziehern nach der Reichsgebührenordnung für Gerichtsvollzieher zustehen, im Einvernehmen mit dem Finanzminister eine anderweite Ver­gütung zu gewähren. Diese Verordnung vom 13. September tritt mit Wirkung vom 1. Oktober in Kraft.

Oberhessen.

Trauerkundgebung für Stresemann in Bad-Nauheim.

2$. Dad-Rauheim, 4. Oft Heute abend fand im Sprudel-Hotel auf Einladung der hie­sigen Ortsgruppe der Deutschen Volks­parte i eine Trauerkundgebung f ü r Dr. Stresemann statt. Der Besuch aus den Kreisen der Volkspartei, der Demokratie und auch der Sozialdemokraten war sehr gut. Die Stadt­verwaltung war durch Bürgermeister Dr. A h l und Beigeordneter Kling vertreten. Der Saal war mit Grün und der Reichsflagge Schwarz-rot- gold würdig geschmückt. Landtagsabgeordneter Oberstudiendirektor Dr. K e l l e r (Büdingen) hielt die gebanfentiefe Gedächtnisrede, die in ihrer Schlichtheit und Formvollendung tiefen Eindruck machte. Er ließ anschaulich die gewaltige Größe des Staatsmannes Dr. Stresemann erstehen. Cho- pinsche Trauermusik, wirkungsvoll vorgetragen von Postmeister a. D. Stracke, umrahmte feier­lich die Gedächtnisrede.

Notar Stahl, Bad-Nauheim f.

* Bad-Nauheim, 5. Oft. Zum Ableben des Rechtsanwalts und Notars Arthur Stahl, worüber wir in der gestrigen Ausgabe schon furz berichteten, ist noch mitzuteilen: Bei Notar Stahl machten sich schon vor Jahresfrist Erscheinungen eines schweren, wie jetzt feststeht, unheilbaren Darmleidens bemerkbar. Mitte August dieses Jahres unterzog er sich in Heidelberg einer Operation, die aber eine Rettung nicht mehr bringen konnte. Am Donners­tagabend verstarb er, nachdem er vor einigen Tagen von Heidelberg nach hier zurückgebracht worden war.

Arthur<stahl entstammte einer alten Fried­berger Familie. Sein Vater ist erst vor wenigen Monaten hochbetagt gestorben. In München und Gießen widmete sich der Verewigte dem juristi­schen Studium, war dann Rechtsanwalt in seiner Vaterstadt Friedberg und von 1900 ab Rechtsanwalt und Notar in Bad-Nauheim. Neben seinem Berus übte er eine vielseitige gemeinnützige Tätig­keit in den verschiedensten verantwortungsvollen Aemtern aus. Seit 1899 war er ununterbrochen Syndikus der Handelskammer für die Kreise Friedberg, Büdinaen und Schotten. Daneben war er seit fast dreißig Jah­ren ein verdienstvoller Förderer des Verkehrswesens in Hessen. Als Vorsitzender der hiesigen Ver - k e h r s k o m m i s s i o n hat er zu einer Zeit, da man die amtliche Werbetätigkeit noch nicht kannte, sehr viel für das aufblühende Bad geleistet. Außer­dem entfaltete er im Vorstand des Hessischen Verkeyrsverbandes und im erweiterten Vorstand des Derkehrsbundes Oberhes­sen, sowie im Landes-Eisenbahnrat Frankfurt a. M., eine rege Tätigkeit zur Förderung allgemein hessischer Verkehrsbelange. Er setzte sich immer wieder dafür ein, daß Ober- Hessen mehr dem Ausflugsverkehr von Bad-Nauheim aus erschlossen und mit der Monopolstellung des Taunus gebrochen werde. Auch war er der erste, der anregte, daß das Berliner Werbebureau für Bad-Nauheim sich auch in den Dienst der gesamthessischen Verkehrs- werbung stellen müsse. Als Genossenschafter war Arthur Stahl mit über die Grenzen der enge­ren Heimat in den führenden Kreisen bekannt und geschätzt. Die hiesige V o l k s b a n k, deren Auf­sichtsrat er seit 1903 angehörte, seit 1919 als Vor­sitzender, verliert mit ihm ihren geistigen Führer Und verdienstvollen Förderer.

Politisch gehörte Arthur Stahl der Demokratischen Partei an. Im wirtschaftspolitischen Ausschuß des hessischen demokratischen Verbandes war er stets ein geschätzter Berater. Sein Wtrtschastsprogramm war das der Privatwirtschaft, möglichst frei von jeder Bevormundung durch Partei und Staat. Im hiesigen Stadtparlament, dem er seit 1919 als ehrenamtlicher Beigeordneter ange­hörte, ließ er sich im wesentlichen von dem Grund­satz leiten, daß man in der Kommunalpolitik seine Entscheidungen nicht nach politischen Gesichtspunk­ten treffen dürfe. Die Arbeitsgemeinschaft der Mitte (lose Verbindung von der Deutschen Volkspartei über unpolitische Gruppen bis zu Demokraten und Zentrum) war Arthur Stahls Werf. In Fragen, die mit dieser Gruppe nicht zu lösen waren, suchte er das Interesse der Stadt mit anderen Mehrheiten zu fördern. Charakteristisch für des Verewigten so­ziale Einstellung war sein Interesse für die von ihm ins Leben gerufene Handelsschule bei der Handels­kammer Friedberg und seine rege Beachtung der neuen sozialen Aufgaben des Arbeitsamts Gießen.

Notar Stahl war nicht nur Wirtschaftler, er war auch ein geistig stark interessierter Mann, der selbst durch eifrige Lektüre immer an sich arbeitete und den Fragen der gesamten Volksbildung stets seine besondere Aufmerksamkeit schenkte.

Weite Kreise der Bevölkerung in der Stadt und darüber hinaus in hessischen Landen trauern um den Heimgegangenen und bekunden ihm aufrich­tigen Dank für sein erfolgreiches berufliches und ge- meinnützigesWirken. Die Lücke, die der Entschlafene im öffentlichen Leben hinterläßt, wird nur schwer zu schließen sein.

Landkreis Gießen.

!I 2 9II ar, 3. Oft. Ein von Marburg kommendes Auto, das den Londorfer Zug an der Heberquerung der Hauptstraße nicht recht­zeitig bemerkte, enttarn gestern abend mit knap­per Rot einem verhängnisvollen Zusam­menstoß. Immerhin wurde es rwch am Kühler gefaßt und zur Seite geschleudert, ohne daß jedoch den Insassen etwas zustieß. Obwohl der Zug sehr langsam über die Straße fährt, wäre eine bessere Kenntlichmachung des Heber­gangs, besonders zur Rachtzeit, angebracht. Unter den mehreren Autodieb stählen in letzter Zeit in Marburg war auch ein hiesiger Arzt einer der Betroffenen. Als er vor einigen Tagen abends von Marburg heimfahren wollte, war sein Wagen verschwunden. Am an­deren Morgen konnte er ihn jedoch wieder in Empfang nehmen, allerdings in Fauerbach bei Duhb ach , wo ihn die Autodiebe aus

Mangel an Benzin auf der Straße stehen gelassen Hattern

V Mainzlar, 4. Oft. 2n der jüngsten Ge - meinderatssihung stand als einzigerPunkt die Beratung des Voranschlages für das Rechnungsjahr 1929 auf der Tages­ordnung. Wesentliche Abweichungen zeigt der neue Voranschlag gegen den vorjährigen nicht. Cs werden in Einnahmen 38 271,81 Mk. erwartet, während die Ausgabcnseite 41271,81 Mk. auf­weist, so dah noch 3000 Mk. durch Umlage ge-

Als kostenlose Sondergabe an die Bezieher des Gießener Anzeigers wird von heute an verteilt der beliebte handliche Taschen-FahrpBara mit sämtlichen Eisenbahnverbindungen Ober­hessens und der benachbarten preußischen Bezirke, sowie mit dem zuständigen Post- und Privat-Kraftwagenverkehr.

deckt werden müssen. Der Kosten-Anteil für die Teerung der neuhergerichteten Ortsstrahe, die in diesem Herbst noch erfolgen soll, ist im Vor­anschlag nicht berücksichtigt, so daß sich die Um­lage noch um ungefähr 1000 Mk. erhöhen dürfte. Heber die Ausschlagssätze der Umlage wird der Gemeinderat in einer der nächsten Sitzungen Beschluß fassen. Die Aussaat des Win­tergetreides geht bei uns sehr langsam von statten. Infolge der andauernden Trockenheit lassen sich die zur Aussaat bestimmten Kleeäcker nicht bearbeiten, während die mit Hackfrüchten bestellten Grundstücke teilweise schon ausgesät sind. Bei der großen Futtermittelknapp­heit werden die Dickwurz nur langsam einge­kellert, um so das vorhandene Kraut restlos zur Viehfütterung verarbeiten zu können.

Kreis Friedberg.

pb. Butzbach, 4. Oft. In der gestrigen Stadt- ratssitzung wurden folgende Beschlüsse gefaßt: Der Stadtrat erhebt gegen die Rechnungen der Stadt Butzbach, des Elektrizitäts- und Wasserwerks nach Prüfung keine Beanstandungen. Ein Ge - l ä n d e st re i f e n a u s t a u s ch mit Frau Müller Witwe zwischen Ratbaus und Löwenhof wird ge­nehmigt. Der zwischen den Anwesen A. I. Trö­ster und Göthmann in der Taunusstraße liegende Fußpfad = 66 Quadratmeter groß, wird an die beiden Vorgenannten verkauft, Göthmann erhält 60 Quadratmeter, Tröster 6 Quadratmeter zum Preise von 3 Mark für den Quadratmeter. Das in die Goethestraße fallende Gelände des Grrmdstücks Georg Lenz wird zum Preise von 50 Pf. pro Quadratmeter gemäß Ortsbaustatut erworben. Für die durch nach­trägliche Beschlußfassung über die Verbreiterung der Goethestraße dem Lenz entstandenen besonderen Unkosten wird aus Billigkeitsgründen eine Ent­schädigung von 200 Mark 'bewilligt. Das in die Hochweiseler Straße fallende Grundstück wird von K. Mayer für 50 Pf. je qm erworben. Zur Deckung der im Rechnungsjahr 1928 an Vereine usw. ausgeliehenen Darlehen wird beim Mathildenstift ein Darlehen von 10 000 Mk. aus­genommen. Weiter wird die Aufnahme eines langfristigen Darlehens in Höhe von 40 000 Mk. bei der kommunalen Landesbank zu 89 Prozent Auszahlung, verzinslich zu 8 Prozent plus % Prozent Verwaltungskostenbeitrag plus t,30 Prozent Tilgung genehmigt. Der Betrag dient zur Deckung des Baugeldes für das Zwölffamilienhaus, das neu erstellt wird. Der hessische Staat will der Stadt zur Erbauung eines Wohnhauses für Staatsbeamte 24 000 Mk. zu 3} Prozent einschließlich } Prozent Tilgung als Arbeitgeber­darlehen, und 12 000 Mk. zu 3 Prozent einschließlich 1 Prozent Tilgung als Arbeitgeberdarlehen zur Ver­fügung stellen, wenn die Stadt beabsichtigt, das

Wohnhaus zu bauen und an die in Frage, kommen­den Staatsbeamten zu vermieten. Es wird beschlos­sen, an der Ecke Taunus- und Landgras-Philipp- Straße ein Vierfamilienhaus nach dem Plan des Stadtbauamts zu bauen. Dis Gesamtbaukosten be­tragen 56 000 Mark. Der Restbetrag ist durch Ka­pitalausnahme zu beschaffen. Zur Erschlie­ßung von Baugelände wird das Grundstück Flur VIII Nr. 440 = 423 Quadratmeter von Anna Küchel (Offenbach a. M.), sowie das Grundstück Flur VIII Nr. 439 = 448 Quadratmeter von Kon­rad Pimper Witwe erworben. Der Kaufpreis be­trägt 4,25 Mk. für den Quadratmeter. In dem Rechtsstreit in Sachen Armenfonds gegen Georg Sauerbier wird ein Vergleich, wonach Sauerbier zur Abfindung aller Ansprüche des Ar­menfonds den Betrag von 1000 Mk. herauszahlt und die sämtliche Kosten des Rechtsstreites übernimmt, gutgeheißen. Die Firma Autoverkehr hat die Erhöhung der vertraglichen Garan­tieleistungen von 4500 Mark auf 6000 Mark jährlich beantragt. Außerdem hat sie um einen ein­maligen Zuschuß von 2000 Mark und den Wegfall der Kosten für die vierteljährliche Revision gebeten. Der Stadtrat kann die von der Firma beantragte Erhöhung der jährlichen Garantieleistung, sowie die Bewilligung eines einmaligen Zuschusses und den Wegfall der Nevisionskosten nicht genehmigen. Die heutigen Leistungen an die Antragstellerin sind be­reits hoch. Hierzu wird von Stadtratsmitglied Q p - penheimer der Antrag gestellt:Sofort mit den in Betracht kommenden Gemeinden in Verhand­lungen zwecks Gründung eines Zweckver­bandes einzutreten." Stadtratsmitglied I o u tz erweitert den Antrag noch dahin, daß and) gleich­zeitig mit der Kraftverkehrsgesellschaft Hessen in Verbindung getreten werden soll.

Kreis Büdingen.

Ridda, 4. Oft. Die Versteigerung des städtischen Obstes nahm in diesem 2ahre infolge der reichen Ernte mehr Zeit in Anspruch, als in früheren Jahren. Gestern und heute wurden nur Aepfel versteigert von 573 numerierten Bäumen. Es hatten sich viele Kauf- lüstige eingefunden, infolgedessen waren die Preise verhältnismäßig recht zufriedenstellend. Der Zentner bestes Tafelobst am Daum kam durchschnittlich auf etwa 8 Mk., Wirtfchaftsobst etwa auf 4 bis 5 Mk. 2m ganzen wurden 3800 Mark gelöst, so daß die Stadtkasse eine wesent­lich höhere Einnahme für Aepfel erhält, als im vorigen 2ahre, obgleich die reiche diesjährige Dirnernte nur einen geringen Geldertrag brachte, da Honigbirnen nur mit etwa 1 Mk. und Ein­mach-- und Tafelbirnen nur mit 7 bis 8 Mk. der Zentner bezahlt wurden. Der ganze Erlös für städtische Dirnen betrug diesmal bloß 150 Mark. Die Zwetschenernte war in hiesiger Ge­markung gering. Die Stadt löste von 60 Bäumen, die einigermaßen mit Früchten behangen waren, nur 70 Mk., gegen frühere Einnahmen bis 500 Mark. Die Mirabellen, Reineclauden und Sauer­kirschen hatte die Stadt durch ihre Arbeiter selbst ernten lassen und dann im Rathause pfundweise an hiesige Einwohner abgegeben. Run soll noch in Kürze die Ernte von den städtischen Walnuß- bäumen versteigert werden. Die ganze diesjährige Einnahme der Stadt für Obst wird dann auf etwa 4500 Mk. kommen.

Kreis Schotten.

(D Schotten, 4. Oft. Die Bezirksspar- fasse Schotten hielt dieser Tage im hiesigen Rathaussaal ihre diesjährige Mitgliederver­sammlung ab, die vollzählig besucht war. Der Direftor der Kasse, Bürgermeister Menget, be­grüßte die Erschienenen, besonders die geladenen Gäste, Kreisdirektor Dr. I a n n als Vertreter der staatlichen Aufsichtsbehörde und Justizrat Dr. Reh, den Vorsitzenden des hessischen Sparfassenverbandes. Beide Herren danften für den Willfommengruß und sprachen anerfennenbe Worte für die Leistungen der Kasse. Die Versammlung ehrte das Andenken der im letzten Jahr verstorbenen Vertreter Kanzlei­rat Z i n s e r und Gemeinderat Neumann (Schot­ten). Die Rechnung für das Rechnungsjahr 1928

wurde unbeanstandet genehmigt. Ein eingehender Geschäftsbericht wurde der Versammlung von dem Direktor erstattet. Danach sind die Einlagen bei der Kasse erheblich gestiegen und haben die Million überschritten; fast die Hälfte der Vor­kriegseinlagen ist wieder erreicht. Der Umsatz der Kasse, der Kontokorrentverkehr hat sich günstig wei­ter entwickelt. Die Rücklage der Kasse ist auf zirka 54 000 Mk. gestiegen, über die Hälfte der Dorkrie'gs- rücklage, angesammelt in 5 Jahren nach dem Ende der Inflation. Für gemeinnützige Zwecke sind zirka 1000 Mk. gegeben. In den Schulsparkassen ist auch gut weitergesammelt, ein Betrag von über 15 000 Mk. ist durch die Kinder zusammengetragen worden. Der Reingewinn aus 1928 wurde im wesentlichen der Rücklage zugeschlagen, er betrug über 11800 Mark. Eine Revision der Kasse durch den Derbandsrevisor hat kürzlich stattgefunden, ohne daß wesentliche Beanstandungen erhoben wurden. Die Aufwertungsfrage der Kasse wird in Kürze zu Ende geführt werden. Eine kleine Aende- rung der Satzung der Kasse wurde genehmigt, ebenso der Voranschlag über die Verwaltungskosten im kommenden Jahr. Die Versammlung bewilligte eine größere Summe zur Prämiierung, von Dienst­boten, die 5, 10 und mehr Jahre bei der gleichen Herrschaft im Dienst standen. Justizrat Dr. Reh hielt dann ein eingehendes Referat über die Be­deutung der Girozentrale und über den Zusam­menschluß der beiden hessischen Bankinstitute, der Hessischen Girozentrale und der Kommunalen Lan­desbank. Von dem Zusammenschluß erhofft man günstige Rückwirkungen auf die gesamten Verhält­nisse im Sparfassenwesen. Bei der Girozentrale ist eine eine besondere Abteilung als Oeffentliche Bau­sparkasse gebildet worden. Sie bezweckt, die Bau­sparer zusammenzufassen und ihnen durch verbilligte Darlehen und durch Gewährung einer Lebensver­sicherung besondere Vorteile zu gewähren. Es wer­den über diese Bausparkasse noch besondere, auf- klärende Vorträge gehalten werden. An Stelle des verstorbenen Dorstandmitgliedes Zinser würde Kontrolleur Gras als Ersatz bestimmt. An bte Ver­handlungen schloß sich ein gemeinsames Essen im Hessischen Haus", bei dem Kreisdirektor Dr. I a n n treffliche Worte auf Vaterland und Heimat sprach.

= Volkartshain, 3. Okt. Vom herrlichsten Herbstwetter begünstigt feierte der Schottener Zweigoerein der Gu st ao -Adolf-Stif­tung hier sein Iah res fest. Der Besuch mar außerordentlich gut, zumal es das erste kirchliche Fest war, das in unserer kleinen, kaum 200 Seelen zählenden Gemeinde stattfand. Die Festpredigt in unserem schlichten, die Menge der Festteilnehmer kaum fassenden Dorfkirchlein hielt Pfarrer Trapp (Ulrichstein), der in packender Weise sprach und die Herzen der Festgemeinde für die hohen Aufgaben der Gustav-Adolf-Arbeit zu erwärmen wußte. In der Nachoersammlung auf einem prächtig gelegenen Platz neben der Kirche begrüßte zunächst der Orts- geistliche Pfarrer Fritsch (Herchenhain) im Na­men der Kirchengemeinde die auch von auswärts zahlreich erschienenen Festteilnehmer und den Dekan des Dekanats Schotten. Dekan Widmann (Ge­dern) überbrachte sodann die Grüße des Dekanats und sprach über die Wichtigkeit der Diaspora-Arbeit. Die Festansprache hielt wiederum Pfarrer Trapp (Ulrichstein), der aus eigener Erfahrung über das deutsch-evangelische Leben in Oesterreich sich ver­breitete und einen wannen Appell zur Mitarbeit am Werfe des Gustao-Adolf-Vereins an die Ver­sammlung richtete. Zum Schluß erstattete Pfarrer Fritsch (Herchenhain) als Schriftführer des Zweig­vereins den üblichen Jahresbericht. Die Feftkollekten ergaben den in Anbetracht der Kleinheit der Ge­meinde recht ansehnlichen Betrag von 36 Marf, welcher hauptsächlich der oberhessischen Diaspora­gemeinde Herbstein zugewendet werden soll.

)( Ruppertsburg, 4. Okt. Dieser Tage vollendete der in der hiesigen Gegend weithin bekannte Makler 2 ost Meckel sein 80. Le­be n s j a h r. Er erfreut sich noch körperlicher und geistiger Frische und macht noch immer seine ge­wohnten Gänge in die Rachbarorte. Da er Vete­ran des Feldzuges 1970/71 ist, so erhielt er an feinem Geburtstage ein Glüickwunschschreiben und ein Bild des Reichspräsidenten v.Hinden­burg mit dessen eigenhändiger Unterschrift.

I Ober-Lais. 4.Okt. Die Versteige­rung des Gemeinde ob st es erbrachte nicht ganz die erwarteten Beträge. Das Angebot ist bei der guten Obsternte zu groß. Roch geringer war der Erlös bei der Obstversteigerung der Pro- vinzialstraßenverwaltung, bei der der Zentner Aepfel am Daum mit etwa 1,50 Mk. bezahlt wurde. Die Kartoffelernte ist beendet und brachte im aUgemeinen befriedigende Er­träge. Ausfälle entstanden nur da, wo in der Hauptsache rote Kartoffelsorten gebaut worden waren, die infolge der Trockenheit fast völlig versagten. Dagegen haben die gelbfleischigen Sor­ten zum Teil recht gute Erträge aufzuweisenl. Die große Futterknappheit veranlaßt die Vieh­halter, einen Teil ihrer Viehbestände abzuschaf­fen. Da teilweise des Erlöses wegen, aber auch int Hinblick auf die Anspannungsmöglichkeit, meist 2ungvieh veräußert wird, dürste die Schädigung der Viehzucht, die in diesen Verkäufen liegt, sich besonders im kommenden 2ahre bemerkbar machen. Die Dickwurzernte wird etwas weiter ausgedehnt, um die anfallenden Blätter­massen besser als Viehfutter verwerten zu können und so die 2nangriffnahme der Heuvorräte wei­ter hinauszuschieben. Mit dem Eintritt küh­lerer und regnerischer Witterung, der mit dem Abflauen der Erntearbeiten zusammenfällt, hebt sich die Frequenz der Omnibuslinie wieder sehr. 2n den letzten Tagen war der Wa­gen meist sehr gut besetzt. 2mmer mehr wird das Vorhandensein dieser Verbindung als außer­ordentlich wertvoll empfunden, zumal durch Bei­behaltung des bisherigen Fahrplanes die gün­stigen Anschlüsse an ine Züge erhalten bleiben«

JL Herchenhain, 4. Oft. Am letzten Sonntag ist in Kelsterbach bei Mainz Pfarrer Heinrich Koller zu Grabe getragen worden, der auch in hiesiger Gemeinde von 1892 bis 1903 segensreich gewirkt hat und darum im hiesigen Kirchspiel Herchenhain, Hartmannshain, Sichen­hausen allezeit in bestem Andenken stehen wird. Als Pfarrer Koller anfangs der 90er 2ahre nach hier kam, sah er feine Aufgabe auch darin, den damals noch in sehr bescheidenen Verhältnissen lebenden Gemeindegliedern durch Heimarbeit Lohn und Verdienst zu beschaffen und rief darum damals mit anderen die Papierwarenfabrik Her­chenhain ins Leben. Als erster Obstzüchter im Herchenhainer Pfarrgarten ist Pfarrer Koller auch allgemein bekannt geworden. Als der frühere Großherzog Ernst Ludwig im September 1902 den Vogelsberg besuchte, weilte er mit Gefolge längere Zeit im Pfarrhause. So sind mit dem Ramen des nun verewigten, allgemein hochge­schätzten Seelsorgers in unserer Gemeinde allerlei Erinnerungen verbunden.