Ausgabe 
5.3.1929
 
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Dienstag, 5. März 1929

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Nr. 54 Drittes Blatt

Turnen, Sport und Spiel.

Leichtathletik der Sp.-Vg. 1900.

Gutes Abschneidern der 1900et beim hallensportsest in Jranffurf a. 2H.

ö. Die Erwartungen, die man auf Grund der abgegebenen Meldungen in die Frankfurter Der- anstaltung gefetzt hatte, sind durch die gezeigten Leistungen nicht nur erfüllt, sondern m>ch über* tro.fen worden. Bei der Starke der Konkurrenz gehörte schon ein beacht iicheS Können dazu, we­nigstens in die Zwischen- und Endkämpfe zu gc.angcn. Unter d.esern Gesicht winkel b.ttach et. ist das Abschneiden der SpielvereinigungSleute als recht gut zu bezeichnen.

Die beste Leistung zeigten sie in der 3x1000* Meter-Staffel, die von der FrankfurterEin­tracht". der Mannheimer Turngesellschaft, dem Sportverein Darmstadt, dem Sportverein Wies­baden und den beiden Gießener Vereinen D. f. D. und 1900 befinden wurde. Der Frankfurter W a I * mann setzte |ich baiö an die Sache, tonnte aber gegen die Mannheimer Turngesellschaft und die Sp.-Vg. 1900, für die Song es Start lief, nicht viel gutmachen. Vach der Stabübergabe behielt zunächst Peters den dritten Platz für die 1900er Mannscha.t bei, ging jedoch dann bei 300 Metern an dem Mannheimer vorbei und brachte so feine Mannschaft an die zweite Stelle. Vepperling hatte jeooch kaum übernommen, als auch schon der ausgezeichnete Mannheimer Schlußmann Lefevre zu ihm ausschoh und dem Gießener trotz tapferer Gegenwehr noch knapp 5 Meter bis zum Ziel abnahm. Eintracht siegte klar in 8:31 Min., die Mannheimer brauchten 8:39 Min.. die Gießener 8:42 Min.. eine für Hallensvortfeste sehr beachtliche Zeit. Die übrigen Mannschaften (Soortv. Darmstadt. Sportv. Wies* baden und V. s. V. Gießen) folgten weit, zum Teil überrundet, zurück.

Heber 800 Meter offen war von den 1900cm in Anbetracht der noch nicht gelaufenen 3 mal 1000-Mcter-Staf,?i nur Peters an den Start gegangen. Vach überleben gewonnenem Doria f wäre er auch bestimmt einer der Ersten des End* laute geworden, wenn er am Start nicht behin­dert worden wäre und dadurch viel Terrain ver­loren hätte. So mußte er sich mit dem fünften Platz begnügen.

50-Meter-Laus offen konnten es Seipp und Hopfenmüller trotz guten Laufs nicht verhindern, im Dorkampf Handbreite hinter dem Zweiten zurückzubleiben und damit auszuschei­den. Dagegen sehen sich Seifert und Geist durch und tarnen in den Zwischenlauf. Hier machte G e i st eine sehr gute Figur und kam als Zweiter ein. Seifert, bei dem inzwischen eine alte Zerrung aufgetreten war. konnte die am Start verlorenen 2 Meter trotz seiner Schnellig­keit auf der Strecke nicht mehr auf holen. 2m Endlauf, der den Ersten in der sehr guten Zeit von 6.2 S. siegreich sah. wurde Geist fünfter.

2n 5 mal 50-Meter-Pendelstafsel hätten die Gi'ßener läuferisch durchaus Aussichten gehabt, aus einen guten Platz zu kommen, wenn nicht schon bei Vummer 2 der Stab verlorengegangen wäre.

Cm 3070-Meter-Einladungslauf hatte der 19?0er Paul bei einer so auserlesenen Gesellschaft wie Voitze, Helber. Schaumburg und Kohn nichts zu bestellen. Er gab schon bald auf.

4. Bezirk im Turngau Hessen (O.T).

Während in anderen Dezirken des Hessengaues das Hallenwettumen der Kälte wegen verschoben wurde, ist es im 4. Dezirk in der Spiehturnhalle

Das große Grauen.

Vornan von H. A. von Byern.

Lkrheber-Rechtsschutz durch Derlag Oskar Meister. Werdau.

21 Fortsetzung. Nachdruck verboten

Aus dem Zimmer, dessen Tür nur angelehnt war, drang ein dumpfes, qualvolles Stöhnen . . .

,Dinzenz!"

Er schien mich gar nicht zu hören, kniete vor dem Ruhebett, auf dem eine schlanke, lang aus- gestreckte Gestalt lag, wie im Krampf zuckte sein Aorper...

Leise zog ich die Tür hinter mir zu, trat an das halb geöffnete Fenster da gewahrte ich neben dem zierlichen Schreibtisch eine dunkle Lache ...Blut!...

Schaudernd tat ich einen Schritt nach rückwärts, trat auf etwas Hartes ein Duch, hob es auf, unwillkürlich fielen meine Dlicke auf die Zeilen.. Frau Sopherls Handschrift... mechanisch, ohne es zu wissen, was ich eigentlich tat, steckte ich das fc'.male, in rotes Maroquinleder gebundene Heft ein...

Du!... Du!" 2ch fühlte mich von einer kral­lenden Faust an der Schulter gepackt, sah in die stieren blutunterlaufenen Augen meines freun­des:Du! 2eht lag mir... derselbe Schuh... und... und grab wia i auf den Wolf g schoss n hab'..

Erst verstand ich nicht, doch bann dämmerte mir der Zusammenhang auf :

Dinzenz!" _

Sein Atem ging laut und schwer, feucht klebte das Haar an der Stirn:

21 Werwolf fag'n d' Leut', und nie hat f auf an Wolf schiaß'n mög'n... jetzt sag' mir du ...!"

Mit einem Ruck machte ich mich frei, faßte feine Handgelenke:

Dinzenz! Ein Mord war es. deine Frau hat dort neben dem Fenster am Schreibtisch gesessen, der Mörder stand draußen im Park, wir müssen nachsehen, Anzeige erstatten."

2ch sprach langsam, eindringlich, sah wie seine verzerrten Gesichtszüge sich glätteten, wie er zu begreifen anfing...

Komm!" Ganz ruhig schien er mit einem Male geworden zu sein, trat auf den Flur, schloß die Tür von außen ab und gab mir den Schlüssel: »Da, nimm ... falls i net wiederkomm'..."

Dinzenz I

Mit gesenktem Kops schritt et an dem Kaplan und dem Haushofmeister vorbei, griff nach seinem Stutzen und winkte dem 2äger. 2ackl sah mich fragend an, ich nickte nur, und nun traten wir hinaus In den Park, dessen einsame Wege» weite,

zu Lauterbach abgehalten worden. Unter der Leitung des 1. Veziristurnwarts Bastian, Alsfeld, ihm zur Seite stehend der 2. Bezirks- tumtoart Konrad Bücking, Alsseld, verlief der Gerätewettkampf glatt, und schon gegen 3 ilf)t konnte dank der umsichtigen Leitung im Berech­nungs-Ausschuß (Lehrer H. Sern, Rieder* Ohmen) die Siegerverkündigung vorgenommen werden. Zuvor sprach Bezirksvertreter Christian G u n t r u m , Schlitz, Worte des Dankes und der Anerkennung über das gute Gelingen, auch der 1. Bezirksturnwart Bastian richtete einen war­men Appell an die Turner und gab dann die Sieger bekannt. Das diesjährige Hallenwett* turnen war das erste im 4. Bezirk, das in schlich­ter Form äbgehalten wurde.

Handball im Labn-Dünsberg-Gau.

Garbenteich wieseck 4:1 (0:1).

Zu einem Gesellschaftsspiel trafen sich diese Mann­schaften am Sonntag auf dem Garbenteicher Platz. Wieseck trat in neuer und starker Ausstellung an, während Garbenteich mit zwei Mann Ersatz spielte. Trotz des fast völlig vereisten Bodens kam ein flot­tes Spiel zum Austrag, das die Gäste vor Halb­heit leicht führten und das ihnen auch den Treffer brachte. Nach Seitenwechsel rückte Garbenteich mächtig auf, drängte die Wiesccker in ihr Feld zu­rück und zog in der 45. Minute gleich. Die letzte Viertelstunde beherrschte Garbenteich vollständig, und es konnte bis zum Schlußpfiff noch drei weitere Tore erzielen. Der glatte Boden, die lange Spiel­pause und das Pech im Werfen bewährte die Gäste vor einer höheren Niederlage, obwohl Wiescck ein flinker und nicht zu unterschätzender Gegner ist. Der Schiedsrichter leitete einwandfrei.

B. f. B.

Die Ligamannschaft setzte ihren Sieges­zug fort und gewann in Herborn mit 3:1. Dem Dorspielergebnis (6:0 für D.f.D) gegenüber erscheint das 3:1 etwas knapp, findet aber in erster Linie seine Erklärung in den ungewohnten Platz- und Bodenverhältnissen. Verkannt soll jedoch auch nicht werden, daß Herborn ein sehr gutes Spiel vorführte. Während der ersten Halb­zeit war das Spiel offen und verteilt. Gießen spielte zwar den weitaus reiferen Fußball und war seinem Gegner besonders im Zuspiel über­legen. Herborn verstand es jedoch, durch Wucht unb Ausdauer die planvollen Angriffe Gießens zu zerstören. Bei Halbzeit stand das Tressen 1:1. Vach dem Wechsel forcierte V.f.B. das ohnehin schon recht scharse Tempo und drückte den Gegner zeitweise in seine Hälfte zurück. 2n gut durch­dachten und mit der nötigen Energie vorgetrage­nen Angriffen zwang es die Herborner Qkrtei- bigung jurSjergabe ih. es ganzen Könnens. Rach- bem V.f.B. trotz der eifrigen Abwehr des Geg­ners zwei weitere Tore erz'elt hatte, legten sich seine Spieler in weitgehendem Maße Zurück­haltung auf, um sich bei dem glatten Boden unb der etwas harten S rielweise der Platzmannschaft zu schonen. Sie beschränkten sich lediglich darauf, das Resultat, das denn am Schluß noch 3:1 stand, zu halten.

Die Ligareserve schlug ihren Gegner, die gleiche Herborns, mit einem etwas über­zeugenderen Resultat, und zwar mit 5:2. Das Treffen litt unter der mangelhaften Leitung des Schiedsrichters und hinterließ einen wenig guten Eindruck. V.f.B. war in allen Teilen besser als sein Gegner und gewann verdient.

Die Dritte überfuhr die erste Garben* t e ich s mit 72. Die Gäste wehrten sich mit Eifer

und Ausdauer, kamen aber gegen die routinierten D.f.Ber nicht auf.

Spielvefeinigung 1900 Gießen.

ö. Die Derbandsspiele auf dem 19H0-Sport- plah fielen abermals dem Wettergott zum Opfer. Die Platzkommission des Gaues Gießen^Wehlar erklärte wegen der starken (Bereifung den Platz für spielunfähig und setzte die Spiele ab.

1900 vereinbarte aber ein Freundschaftsspiel mit dem spielfreien Sportverein 1 920- Heuchelheim, dem voraussichtlichen Meister der ^-Klasse (1. Gauklasse). Das Spiel fand auf dem auch stark vereisten Heuchelheimer Sportplatz statt. Die Spielvereinigung erschien, wie vereinbart, mit einer kombinierten Mannschaft (sechs Spieler der 2. Elf und zwei angehende alte Herren, ver­stärkt durch die Ligaspieler Glitsch, 2äckel und Langsdorf) und siegte über den Favoriten 3:2 (Halbzeit 3:1). 1900 hatte jederzeit das Heft in der Hand. Läuferreihe unb Verteidiger hin­derten den Platzverein an der richtigen Entfal­tung. Lediglich der Sturm der Blauweihen aus Gießen versagte. Dies wurde auch nach mehr­maligen Umftellungen nicht besser. Bis zum Wechsel erzielte 1900 drei Tore, darunter das dritte durch Elfmeter. Unmittelbar vor der Pause tarnen die Platzbesiher zu einem Gegentor, dem sie in der Mitte der zweiten Spielhälfte einen weiteren Treffer anreihen konnten, da jetzt Gießen die schlechtere Spielfeldseite, besonders im Straf­raum, hatte. 1900 lieh einen guten Teil sicherer Torchancen aus, hatte aber auch Glück, als ein Heuchelheimer Weitschuß vom Pfosten ins Feld zurücksprana. Der Gastgeber war sehr eifrig, fein 2nnenfturm der beste Mannschaftsteil. Das Spiel litt jedoch allzusehr unter der Bodenglätte.

Die dritte Mannschaft 1900s kehrte von ihrem letzten Derbandsspiel in Laubach mit einem 2:1-Sieg zurück, obwohl infolge zahlreicher Erfahgestellungen die Siegesaussichten stark ge­schwunden waren.

1900s 1. 2uge nd erhielt von Laubach am Samstag eine Absage.

Fußball in Lich.

V. s. R. Lich I leufonia Steinberg I 4:1 (2:1).

Diese Mannschaften trugen am Sonntag ein Ge­sellschaftsspiel aus. Durch den nassen Schnee war das Spiel stark behindert; es konnte sich zu Anfang nicht recht entfalten. Die Gäste drückten anfangs sehr stark; man glaubte schon an eine Niederlage. Es fehlte an offenem Spiel, dadurch konnte technisch nicht gut gearbeitet werden. Es wurde beiderseits sehr planlos geschossen, wodurch das Spiel den Reiz ver­lor. Der Sturm der Platzmannschaft schoß auch sehr unsicher aufs Tor und viel daneben.

Arbeiter-Turu- und Sportbund.

Rachdern die Aufftiegspiele zur Kreisklasse in­folge der Witlerungsverhältnisse um acht Tage verschoben wurden, trat der Vertreter des 3. Be­zirkes, die erste Mannschaft Wiesecks, am Sonntag in Rieder-Florstadt gegen die dortige erste Mannschaft, den Vertreter des 6. Bezirkes, zum ersten' Aufstiegspiel an. Schon der Anstoß zeigte, daß die jugendliche Elf der Gäste ge-cn den körperlich weit überlegenen Gegner einen schweren Stand haben würde. Wieseck mußte alles h^geben, um dem flotten Tempo der Einheimischen standzuhalten. Bereits nach 15 Minuten konnte Rieder-Florstadt den Führungstreffer buchen. Kurz vor Halbzeit konnte Wieseck durch Elfmeter den Ausgleich erzielen.

Rach Seitenwechsel blieben auch weiterhin die Einheimischen überlegen, und die Gäste mußten zeitweise mit allen Reserven verteidigen, um eine abermalige Führung zu verhindern. 2eht gelang es der linken Sturmseite der Gäste, blitz­schnell durchzubrcchen und unhaltbar für den Torhüter die Führung an sich zu reißen. Flor­stadt stellte nun um, beging aber hierdurch einen Fehler, indem es seine Verteidigung schwächte. Bei einem abermaligen Durchbruch gelang es Wieseck, feine Torzahl auf drei zu erhöhen. Wohl setzte Rieder-Florstadt zum mächtigen Endspurt an, es konnte jedoch nichts mehr am Resultat ändern.

Die Gießener Freie Tennisoereini- g u n g hatte zu Werbezwecken am Sonntag ihr erstes Turnier in der Dolkshalle angesagt. Als Gäste waren die Tennis - und Wintersportver- einigungFrankfurt erschienen. Gießen hotte als junger Verein den erfahrenen Frankfurtern gegenüber einen schweren Stand. Wohl spielten die Gäste zum erstenmol in einer Halle, wo es nicht so leicht klappte, doch allmählich merkt« man eine Besserung in ihrem Spiel. Die Resultate sind:

Sportlerinnen-Doppelspiel: Borschel, Vollmann Sorg, Ludwig 6:4, 6:8, 6:0.

Gemischtes Doppelspiel: Mielgner, Neubauer Sorg, Stoudoch 1:6, 1:6.

Sportlerinnen-Doppelspiel: Wilker, Wolter Sorg, Ludwig 3:6, 4 6.

Sportler-Doppelspiel: Milger, Kuntzemüller Steuernagel, Sprenger 6:4, 6:8, 2:6.

Sportlerinnen - Einzelspiel: Borschel Sorg 4:6, 0:6.

Gemischtes Doppelspiel: Kuntzemüller und Frau Sprenger,Ludwig 6:4, 6:8, 6:1.

Sportlerinnen-Einzelspiel: Mundt «arg 0:6, 2:6.

SporHerinnen-Doppelspiel: Milger, Vollmann Ludwig, Sorg 1:6. 1:6.

Sportler-Doppelspiel: Milger, Kuntzemuller Steuernagel, Stoudoch 9:7, 0:6, 4:6.

Im Gesamt-Ergebnis siegte Frankfurt mit 7:2.

Amtsgericht Gießen.

Zwei schlimme Mißhandlungen, die im vorigen 2ahre in Rachbarorten unter dem Einfluß des Lllkohols von achtzehnjährigen, noch nicht vorbe­straften Burschen verübt worden sind, die auch zum Teil von den Mißhandelten selbst provoziert worden fein mögen, fanden jetzt ihre Sühne, in­dem die Täter Geldstrafen von 50 bzw. 100 Mark erhielten. Dom Gefängnis wurden sie aus den bereits angedeuteten Gründen ver­schont. 2n dem einen Falle besteht zwischen den jungen Burschen zweier Rachbarorte schon lange ein gespanntes Verhältnis, das an dem fraglichen Abend durch gegenseitige Rempeleien, Fußtritte und Stockschläge vor einem Wirtshause seinen Ausdruck fand. Schließlich wurde auch zum Mes­ser gegriffen, und ein junger Bursche des einen Ortes erhielt von einem solchen des anderen Ortes einen nur zufällig ungefährlichen Stich in die Rähe der Schulter. Der Angreifer berief sich auf Rotwehr: der Vorgang aber, der diese hätte rechtfertigen können, lag zeitlich so weit zurück, daß eine solche als ausgeschlossen gelten muhte.

2n dem anderen Falle hatten 5 junge Bur­schen ihre Spottlust an einem von seiner Frau getrennt lebenden Manne, der sich eine Haushäl­terin hielt, in der ausgiebigsten Weise ausgelas­sen. Beim Dorübergehen an seinem Hause er­gingen sie sich eines Abends in den gemeinsten,

verschneite Rasenflächen vom Mondlicht fast tag­hell beleuchtet waren. Ohne zu zögern, ging mein Freund auf eine Gruppe von Douglastannen zu, beugte sich nieder:

Allerlei"

2m Ru war ich bei ihm schweigend deutete er auf eine Fußspur:

Da, hier hat er g'stand'n...

Weiter kein Wort. Wie ein Schweißhund, mit tiefem Kopf und so schnellen Schritten, daß ich kaum zu folgen vermochte, ging der Dinzenz von Andrian die Fährte aus, an einer Taxus­hecke entlang, hinüber nach der Mauer, schwang sich über das bröckelnde Gestein, kletterte, rutschte am Durgberg hinab, verschwand in dem dichten älnterholz, tauchte gleich darauf zwischen den raumstehenden Stämmen des vierzigjährigen Be­standes auf und stieg an einem Steilhang empor.

Er ist irrsinnig geworden!" schoß es mir durch den Sinn.

Aber zum Lieberlegen war keine Zeit, wir konnten nur blindlings folgen, immer im halben Trab, strauchelnd, ausgleitend. Längst lief mir der Schweiß in Strömen am Körper herunter, in kurzen, ragenden Schlägen hämmerte das Herz, und die Muskeln der Beine, die Sehnen der Kniegelenke schmerzten. Ein unsagbares Grauen schnürte mir die Kehle zusammen das Grauen vor etwas Unbekanntem, Wesenlosen... Das Krummholz begann, schütteres Latfchengestrüpp.

Wo sind wir eigentlich?" fragte ich leise.

Der 2adl zeigte nach vorn, wo eine dunkle Wand sich türmte.

Da hinauf geht's in's Seekar..."

2a, jetzt sah ich es auch, vom Mondlicht um­flossen stand das scharf gezackte Horn der Rhei- derspihe gleich dem ungeheueren Fangzahn eines Raubtieres gegen das Firmament, dämmerte nachtschwarze Finsternis in Schroffen und Schrunden.

Mein Freund blieb stehen, sah sich nach uns um.

Hier is er eingftieg'n ins G wänd, koa Stund' alt kann d' Fährt'n sein, wenn i durch Wik- dachklamm aufsteig', schneid' i eam den Wechsel ab..

Herr!..." Der 2äger bekreuzte sich.D' Wil- dachklamm, jaht mütn in d'r Rächt, dös hoaht Gott versuch'n!"

Ein kurzes, hartes Auflachen.

Gott?! Gott?! Wenn 's an Gott gab, hält' er dös net zug la^s'n! Unb benfelbign der 's tan hat, i mein', i kennn, er hat mir früher nix vergunn, auch mei' Glück net, mci Sopherl.." Die Stimme klang rauh, wie zerbrochen, ich trat einen Schritt näher, legte die Hand auf feine Schulter:

Dinzenz, und ich bitte dich, komm' heim...!"

Er sah mich an, mit einem stieren, glanzlosen Blick, um seine Mundwinkel zuckte es... Unb dann schwebten durch die hellhörige Winterluft

Klänge heran zehn, elf, zwölf Helle Schlage der Turmuhr drunten im Tal. Einen Augenblick lang blieb der Dinzenz von Andrian regungslos stehen, und nun wahrhaftig, er lächelte ein grauenvolles, verzerrtes Lächeln, beugte sich an mein Ohr.

Mitternacht! Der 19. Oktober is anbroch'n mei' letzter Tag ...!"

Sanz langsam hatte er jedes Wort gesprochen. Mir war es, als griffe eine eiskalte Faust nach meinem Herzen, presse es zusammen... Doch da schob der Dinzenz von Andrian auch schon mit einer kurzen Bewegung den Riemen des Stutzens höher, tat den ersten Tritt und Griff an der fahl beleuchteten, wohl tausend Fuß hohen, senk­rechten Wand...

Sekundenlang zögerte ich, Wahnsinn war es, Selbstmord, aber ... meinen Freund in Rot ver­lassen?! Unb da klomm ich auch schon empor. Brust und Wangen eng an das feuchte, eiskalte Gestein gepreßt, tastete nach win'igen Dorsprün- gen, Rissen, hatte nichts als den einen Gedanken: Hinauf! Da hinauf um jeden Preis! Warmes Blut riefelte mir über die Hände, für eines Herz­schlages Dauer schloß ich die Augen nein, jetzt durfte ich nicht schwach werden, jetzt nicht! Es gab keinZurück' mehr, Zaudern hieß Tod!!

Reben mir surrte mit sausendem Ton ein ge­löster Stein in die Tiefe, schlug irgendwo auf; jede Sehne spannte sich gleich einer stählernen Saite, in den Ohren brandete und brauste bas (Blut

Hoher, nur immer hoher! 2eber Begriff von Daum und Zeit war mir verloren gegangen, ich wußte nicht, wohin der Weg führte, wie lange ich schon zwischen Himmel und Erde schwebte. Ein winziger Absatz, laum zwei Fußbreit, war erreicht, ich wagte einen Blick nach unten, sah, wie 2adl, zäh und verbissen, einer riesigen Spinne ver­gleichbar, sich heraufschob. Run war er neben mir, sein Atem ging keuchend.

Glei ham ma's g'schafft!"

Und wieder weiter. Der Hut rutschte mir ins Genick, ein Windstoß riß ihn vollends herab, fauchte mir ins Gesicht, stach wie mit tausend spitzen Radeln. Die Finger waren steif, blut- überkrustet, in Fetzen hing der linke Qlermel der Lodenjoppe herunter. Aber dann, nach einer letzten, gewaltigen Anstrengung war ich droben, hatte festen Boden unter den Füßen und lehnte mich, vor Schwäche taumelnd, an eine überhän­gende Wand. Dor mir, im Wondlichte, sah ich die hochaufgerichtete Gestalt meines Freundes, nun wandte er sich um:

Du??!"

.,2a, Dinzenz, wir konnten dich doch nicht allein lassen."

Mit ein paar raschen Schritten trat er näher, stützte mich, und seine Stimme klang so weich, wie ich sie nie zuvor gehört hatte:

Alterle, das hast d' gtoagt?! Unb für mich?!"

Dann kam auch der 2ackl heran:

Kreuziteufel no am al, dadran will i denken! Ro. weil nur all's guat abgangen is."

2hr! 2hr beiden Getreuen!" Mit einem ganz sellsamen Blick sah uns der Din'enz von Andrian an, gab dem 2äger die Hand, oeugte sich ein wenig nieder:

Du Freund-! 2ch fühlte seine Lippen auf meinem Mund. ,

Dinzenz!!"

Er wandte sich ab, sprach kurz, abgerissen, in einem völlig veränderten Ton:

Hier über das Dandl muh er kommen, iS noch net 'nüber, koane Fährfn im Schnee, an andern Weg gibt's nimmer.

2ch begriff, wir hielten den einzig möglichen Zwangswechsel, der vom Seekar herauf führte, besetzt, einen anderen Weg gab es nicht; denn zur Linken fielen die mauerglatten Wände der Wildachklamm senkrecht ab, zur Rechten türmten sich überhängende Gesteinsmassen, von Schnee­wächten überragt. Wenn der Mörder kam, dann muhte er uns hier in die Arme laufen, muhteII

Mein Freund hielt den entsicherten Stutzen in der Hand, ich griff nach dem Drilling, klappte den Derschluh auf und sah durch die Läufe nein, kein Schnee war eingedrungen, mechanisch lud ich und stellte auf Kugel um. So ungeheuer stark war die Anspannung aller *71 erben und Sinne, daß ich kaum noch eine körperliche Empfindung hatte, selbst der brennende Schmerz in den zer­rissenen Handflächen schien nachzulasien, abzu- stumpfen.

.Unb bann flog irgendwo in der mitternächtigen Stille ein Ton auf, ein leises Klirren, so, wia wenn Stahl auf Stein schlägt. G.immemd glitzerte das Mondlicht auf dem schmalen, vereisten Fels­band vor uns, und unwillkürlich drückte ich mich näßer an die überhängende Wand, die nächsten Sekunden muhten die Entscheidung bringen! Wie­der dieses feine, klirrende Anschlägen vor uns, unter uns, dann tauchte eine Gestalt auf, jede Linie grell beleuchtet wie von -einem Schein­werfer: ein LInisormrock, allmodisch im Schallt, zur Seite einen Hirschfänger, den doppelläufigen Stutzen schuhberell.

Längst lag der Dinzenz von Andrian im An­schlag, da ... er schien zu wanken, ein gurgelnder Aufschrei ...

Hubertus Sllvesterü"

Der drüben fuhr auf, rih die Büchse hoch ... klatschender Kugelschlag, hell blitzendes Mün­dungsfeuer ...

Mein Freund knickte in die Knie, breitete dir Arme, als suche er nach einem Hall, rollte seit­wärts über den Abgrund hinaus ...

(Fortsetzung folgt)