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5.3.1929
 
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Nr. 54 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)

Dienstag. 5. Mär; 1929

polen und seine Minderheiien.

Don Or. E. von Wevman.

Wieder einmal, wie schon bisher so oft wird die europäische und die deutsche Oeffentlichkeit durch die Vorgänge im Polnischen Ostoberschlesien auf einen der Krebsschäden des Versailler Frie­dens hing lenkt, das den Frieden Europas stö­rende Te.h-ltnis zwischen der polnischen Staats­nation und den gewaltsam in das grohpolnische Reich eingegliederten Minderheiten.

Der im Jahre 1919 wieder erstandene polnische Staat ist einer der heterogensten Länder Europas. Selbst die ihn tragende polnische Station stellt kulturell keineswegs ein geschlossenes Ganzes dar. Die an preußische Zucht und Organisation ge­wöhnten preußischen Polen stehen den von Rußland lange grknebelten Kongreßpolen durchaus nicht sympathisch gegenüber, während die unter der österreichischen Herrschaft zu weit­gehender Selbstbestimmung gelangten galizi­schen Polen ein drittes Element darstellen.- Dieses seiner Freiheit so lange beraubte Volk war nach seiner Staatswerdung keiner weisen Mä­ßigung fähig und belud seinen neu gegründeten Siaat mit einer großen Anzahl feindlich gesonne­ner Minderheiten. Heute stellt das polnische Volkstum nur etwas über zwei Drittel der Ge­samtbevölkerung dar, denen fast ein Drittel Minderheitsvölker gegenüberstehen.

Wenn auch die Ukrainer als zahlenmäßig stärkste Minderheit innerpolitisch der polnischen Regierung am meisten Kopfzerbrechen machen, deren außenpolitische Resonanz sich in dem Ver­hältnis Rußland Polen widerspiegelt, so glaubt man in Warschau doch, und wohl mit Recht, in Deutschland den gefährlichsten Geg­ner zu haben. Der polnische Korridor ist eine offene Wunde am Körper Deutschlands, die sich bei Fortbestehen des Status quo nicht schlie­ßen kann. Polnischerseits glaubt man der hier drohenden Gefahr gemäß der Regel, daß der Hieb die beste Parade ist, damit zu begegnen, daß man in Ostpreußen Stimmung für einen Anschluß an Polen macht. 3ft doch jetzt seit der für Polen vernichtenden Abstimmung seit 1920 einige Zeit verflossen.

Anders liegen die Verhältnisse in Ober­sch l e s i e n. Hier siedelte seit langem zwar ein vorwiegend polnisches Volkstum, aber die Bin­dung Oberschlesiens an das Reich war doch eine wesentlich festere als diejenige der übrigen preu­ßisch-polnischen Gebiete. War doch die Provinz Posen erst seit dem Ende des achtzehnten Jahr­hunderts unter preußische Herrschaft gelangt, während Oberschlesien als Teil Schlesiens bereits Ächrhunderie zum Reich gehörte. Hier hat denn auch die polnische Propaganda weit schwerer und später Fuß fassen können, als in Posen und Gnesen.

Weit mehr als die historische Verknüpfung wirkte sich jedoch die Industrialisierung Oberschlesiens im reichserhaltenden Sinne aus. Einmal war es der durch letztere bedingte ständige Zustrom deutscher Clemente, deutschen Kavitals und deutscher Kulturgüter, der in Oberschlesien der großpolnischen Propaganda die Waage hielt. Weiterhin bedeutete aber die zunehmende Prole- tarisierung des oberschlesischen Polentums ganz automatisch eine Abwendung von den nationalen zu den sozialen Problemen. Die Aufstandszeit peitschte zwar unter innerpolnischer Propaganda die nationalistischen Instinkte der polnischen Ober­schlesier teilweise auf. Aber der auf die Zer­stückelung folgenden wirtschaftlichen Rot gegen­über verblaßten in kürzester Zeit derartige Re­gungen. Heute denkt in Westoberschlesien dem­gemäß auch kein Mensch mehr an einen Anschluß an Polen. Bezeichnend dafür ist z. D. der stän­dige Rückgang der polnischen Stimmen für die preußischen Landtagswahlen in Westoberschlesien. Und den ostoberschlesischen Polen, denen es wirt­schaftlich noch weit schlechter geht, ist natürlich auch schon ein Licht aufgegangen, warum es eigentlich so trostlos im Lande aussieht. Darüber

können auch die von Regierungsseite unterstützten polnischen Aufständigenverbände nicht hinweg- täuschen, die, je schlechter die Stimmung im Lande ist, desto lauter ins Horn der Propaganda stoßen. Immerhin genügte der polnischen Regie­rung die Propaganda dieser Verbände nicht. Man brauchte einen Sündenbock, um das oberschlesische Volkstum über die wahren Ursachen der Rot hinwegzutäuschen. Der war natürlich leicht ge­funden. Die noch im Lande ansässigen D.'utscAn mußten herhalten. Lieber die Min^rrheitenrechte setzte man sich, wie gar nicht anders zu erwarten war, ohne weiteres hinweg.

Im Westen steht somit das Polentum trotz seiner aggressiven Gebärden und trotz des polni­schen Volksdrucks, der in die schwach besiedelten ostdeutschen Rachbargebiete einzubrechen droht, dank seiner wirtschaftlichen und organisatorischen Unterlegenheit dem deutschen Volk im Grunde genommen doch definitiv gegenüber. Anders im O st e n. Hier fjat der polnisch« Staat zwar das ungleich größere Minderheitengebiet in »ein Territorium miteingeschlossen. Aber derselbe Um- stand, der im Westen die Assimilierung der neu­erworbenen Gebiete erschwert, nämlich der kul­turelle Abstand zwischen Deutschen und Polen befördert im Osten die Polonisierung. Die polnische Station ist im nahen Osten, im weiß­russischen, litauischen und teilweise auch dem ukrainischen Lebensraum in ähnlichem Sinne Kulturträger, wie es die baltischen Deut­schen weiter nördlich in Estland und Lettland gewesen sind. Hier wie dort war die Zahl der ansässigen Polev bzw. Deutschen niemals sehr bedeutend, aber solange die alteingesessenen Völ­ker in kultureller Beziehung weit unter den hevv- schenden anders nationalen Schicht standen, blieb die Machtstellung letzterer gewahrt. Diese Stel­lung, die im Baltikum der Vergangenheit an­gehört, hat sich das Polentum in seinen Ost- marken bewahrt.

Aeuherlich ruht hier die polnische Machtstellung auf zwei Pfeilern: der katholischen Kirche und der sozialen Struktur. Man kann sich in West- europa kaum einen Begriff davon machen, eine wie enge Verbindung zwischen der katholi­schen Konfession und der Zugehörigkeit zu einer Rationalität im nahen Osten besteht. Ieder, der den polnisch-weißrussischen Lebensraum auch nur etwas kennt, hat es erlebt, daß die dortige Landbevölkerung eine Frage nach der Rationa­lität mit der Entgegnung: ich bin Katholik be­antwortet. Die Vormacht des Katholizismus im Osten war im Mittelalter und Reuzeit der pol- nische^Staat, und so bedeutete der Kampf gegen die orthodoxe Kirche Rußlands immer gleich­zeitig eine Polonisierung der neuerworbenen Ge­biete. Polnische Ethnographen lagen demgemäß auch die östliche Grenze des polnischen Volkstums vielfach ganz einfach mit der konfessionellen Grenze zwischen orthodoxer und katholischer Kon­fession zusammen und umschließen so einen großen Teil des weißrussischen Volkstums. Die zarische Regierung war sich natürlich über die Zusammen­hänge zwischen Polentum und Katholizismus vollkommen im klaren, und ihr Kampf galt daher unterschiedslos beiden Elementen. Im heutigen Polen haben wir nun auch bezeichnenderweise als die bewußteste Minderheit im Osten die Ukrai­ner, die orthodoxer Konfession sind und daher der Kolonisierung in ganz anderer SOeise Wider­stand leisten können, als die katholischen L i - lauer oder W e i ß r u s s e n. Entscheidend ist stets für die Minderheiten, ob sie sich gegen das Hineinziehen in den polnischen Kulturkreis weh­ren können.

Die zweite Stühe des Polentums im Osten ist die soziale Schichtung. Ex existiert nur eine polnische Intelligenz im Lande, und jeder Weiß­russe, Ukrainer oder Litauer in Polen, der es zu Amt und Würden bringen will, sicht sein Vorbild im polnischen Lehrer, Pfarrer, Arzt

Franz Werfel: Paulus unter den Juden".

Erstausführung

am Frankfurter Schauspielhaus.

Obwohl kaum ein Zweifel daran bestehen kann, Laß diese dramatische Legende nicht das ge­schlossenste Werk Werfels' darstellt, daß bei- spielsweise die Historie von Iuarez und Maxi­milian sich als theatralisch und dichterisch un­gleich stärker und überzeugender erweist, so wird doch die große Vision, der bedeutende ideelle Anlaß zu diesem Slposteldrama nicht ver­kannt werden dürfen. _

Werfel versucht hier aus einem unendlich sprö­den Sloff die innere und äußere Situation der (historisch gewordenen) Welt einzufangen, wie sie in einer jener seltenen Sternstunden der Mensch­heit so nannte es Stefan Zweig sich offen­bart. In einem der Buchausgabe angeschlossenen Argument heißt es: ..... nichts Geringeres

will dargestellt werden als der entscheidende Augenblick, in dem das Christentum sich loslost von seiner Mutterwelt." Man kann schon an der ideenmäßig sehr klaren Formulierung der Fabel des Stückes erkennen, welche Schwierig­keiten sich aus dem Versuch ergeben müssen, diesen entscheidenden Augenblick einer _ großen geistigen Wende in einer einzigen Gestalt, in einer dramatischen Figur, in einer Rolle zu spiegeln.

Denn durchaus ist das Ganze im tiefsten Grunde nur auf diese eine Gestalt des Paulus gestellt und angewiesen. Es gibt dann im Per­sonal wohl Haupt- und Rebenfiguren, aber doch kein eigentlich innerlich ernstzunehmendes Gegenspiel. Wenn man hinzufügt, daß Werfels Paulus zwar allenthalben ein prophetischer, ekstatisch entzündeter und bekennerischer Mensch, aber auch jederzeit eine mehr rhetorische als dramatische Gestalt ist, und daß er sich außer­dem nicht überall mit der Deutlichkeit aus­spricht und zu erkennen gibt, wie sie auch in einer Legende wünschenswert erscheint, so ist damit wohl schon der Haupteinwand gegen das Stück bezeichnet.

Eine bedeutende Vision dies sei wiederholl und nachdrücklich unterstrichen liegt zugrunde;

eine Fabel von welthistorischen Aspekten, wie sie nicht jedem einfallen und aufgehen konnte. Der Schauplatz der sechs großen Bildet, Ierusalem, stellt die großlinigen Kulissen einer klassischen SDelt, einer geschichtlichen Konstellation von im­ponierenden Slusmaßen um die legendäre Be­gebenheit, die quellenmäßig aus der Apostel­geschichte (Kap. 8, 9) und der altjüdischen Ueber- lieferung zu belegen ist: in Ierusalem liegt der Schnittpunkt zweier feindlichen Kulturen: hier vollzieht sich die auf Auseinandersetzung und Entscheidung drängende Begegnung deS wahr­haft weltbeherrschenden römischen Imperiums mit dem kleinen, auf sich selber angewiesenen, in sich selber ruhenden, mit uralter Tradition ge­sättigten und von ihr allein lebenden Iudenvolk. Mittenhinein in diese mit Zündstoff geladene Atmosphäre der aufeinandertreffenden alten Weltanschauungen gerät die von neuem Geiste, neuer Offenbarung erfüllte und getragene Apostelgestalt: Paulus, welcher ehemals Saulus war, welcher sein Damaskus erlebte, Rabbi Schaul, welcher, allein mit sich und seiner Ide«, gegen den festgefügten Thora-Turm der ortho­doxen Iuden das revolutionierende Bekenntnis wagt. Iesus, der Christus, ist über dem Gesetz." Der trotzig und unerschütterlich in der Schule der Iuden, inmitten der gelehrten Rabbunirn, feinem alten, wiedergefundenen Lehrer Garna- liel ins Gesicht die unerhörte Lästerung und Ketzerei mit fester Stimme verkündet:Run ist die Thora ungültig, denn eine neue Welt hebt an. Israel aber hat seinen Messias getötet."

Man begreift aus der Slufführung nicht min­der als aus dem Buche, welche Schwierigkeiten dem Versuch entgegenwachsen muhten, die also umrissene Fabel dramatisch zu entfalten, nach den strengen und unbestechlichen Gesehen der Bühne zur Geltung zu bringen. Es macht Mühe, die innere Linie der sechs Bilder in der Fülle der Figuren und des handlungsrnähigen Beiwerks nicht zu verlieren. Aebenmotive überwuchern, unterbrechen und lenken ab. Die Auseinander­setzung zwischen dem römischen Procurator und den israelitischen Priestern und Qlelteften ist vielfach eindeutiger, llarer und dramatisch wirk­samer als das oft ein wenig störrische Bekenner- tum und die manchmal fast eigensinnig wirkende Isoliertheit der Zentralgestall. Zwar bringt die nicht ungeschickte Einbeziehung des Paulus in

oder Gutsbesitzer. Am eigenen Volkstum sestzu- halten. ist innerhalb der weih-roten Grenzpfähle für die östlichen Minderheiten gleichbedeutend mit einem Verzicht auf feinere Leocnsgestaltung. Eine ähnliche Assirnilierungstrast bewies vor dem Kriege z. B. das Magharentum gegenüber den sogar auf wesentlich höherer Kulturstufe stehen­den deutschen Äotoniften in Ungarn.

Haben wir es im östlichen Polen also mit räumlich und zahlenmäßig zwar sehr verbreiteten Minderheiten zu tun, so darf demgegenüber nicht vergessen werden, daß hier das polnische Volks­tum sich in vollem Angriff befindet. Ihm zu widerstehen, haben die weißrusfischen und litauischen Elemente im Reich deS weißen Adlers wenig Ausficht. Cs muß nun davor gewarnt werden, die Kraft deS polnischen Staates wegen feiner zahlenmäßig starken Minderheiten zu sehr zu unterschätzen. Gerade in Deutschland ist diese Ansicht weit verbreitet, aber gerade in Deutsch­land hat man allen Anlaß, den Verhältnissen s o wie sie wirklich sind, inS Auge zu sehen und sich nicht in der Illusion eines durch die polnische Wirtschaft ruinierten Polens allzusehr zu wiegen.

Oer zweite Panama-Kanal.

Di« Vereinigten Staaten treiben, das muh ihnen der Reid lassen, wirklich Weltpolitik auf weite Sicht. Sie können sich das freilich auch leisten, da sie im Weltkriege sich nicht nur von ihren Schulden befreit, sondern darüber hinaus noch Milliarden Kapitalien angesammell haben, die nun gewaltsam nach Betätigung schreien. Wir stellen diese tiefsinnige Betrachtung an, well sie sich geradezu aufdrängt als Reaktion auf zwei Beschlüsse, die der Senat in den letzten Tagen gefaßt hat. Er hat zunächst bewilligt, daß d i e amerikanischen Truppen auch wei­terhin in Stilaragua verbleiben, obwohl nach dem Riederwerfen der angeblichen Revo­lution eigentlich nicht der leiseste Anlah dazr^ mehr vorhanden ist. SDenn man aber dazu den weiteren Beschluh hält, dah die Mittel zur Vermessung des Nikaragua-Kanals bewilligt wurden und der Präsident die Ermäch­tigung erhielt, unverbindliche Verhandlungen mit der Regierung von Slifaragua über das Kanal- pro>tt aufzunehmen, dann sind die Zusammen­hänge ziemllch klar.

Der Staat Panama wurde ja 1903 künstlich geschaffen, nur um den Steinigten Staaten die Beherrschung des Kanals möglichst bequem zu machen. Solange Panama eine Provinz des süd­amerikanischen Staates Columbia war, bestand immerhin die Möglichkeit gefährlicher Skrbin- dungen. Ein eigener Staat Panama aber war von vornherein als Kolonie der Ver­einigten Staaten aufgezogen, war billiger und für die Beherrschung des Kanals sicherer. Der Kanal ist gebaut uni) seit Iahren in Be­trieb. Aber den Amerikanern genügt et heute schon nicht mehr. Zwar können auch die größten Kriegsschiffe ihn noch befahren. Der Verkehr ist nicht entfernt fo angewachsen, dah ihn der eine Kanal nicht bewältigen könnte. Es find also lediglich strategische und machtpoli­tische Gründe, die überhaupt den Gedanken eines Parallelkanals entstehen lassen konnten.

Auch das wieder ein Milliardenobjekt. Aber in solchen Dingen sind die Amerikaner nicht kleinlich. Sic wissen, was der Kanal für ihre Seeherrschaft bedeutet, dah durch ihn die Voraus- sehungen gegeben sind, die Flotten im Atlanti­schen und im Stillen Ozean zusammenzuballen, dah aber jede (Störung des Kanals im Kriege auch gleichzeitig die Lähmung der Stoßkraft der amerikanischen Flotte bedeuten müßte. Deshalb der an sich phantastisch anmutenbe Gedanke eines zweiten Kanals. Die Skreinigten Staaten haben sich schon vor Iahren eine Flottenstation am Stillen Ozean von Slifaragua bewilligen lassen, haben auch Costa Rica durch Verträge gebun­den, so dah jede Gefahr einer Konkurvenz an­derer Weltmächte das heißt Englands oder I a p a n s ausgeschaltet ist. Um so eher be­

ben sofort entbeckten und niebergetoorfenen Auf- ftanb ber jüdischen Zelotenpartei gegen die rö­mischen Eroberer dramatische Akzente und kräf­tige Spannung in die legendäre Szene; abft das fünfte Bild lebt nur von der wohl eindring­lichen, doch undramatifchen Meldung von den ersten Iudenprogromen in Alexandria, Sidon und Stom, denGeburtswehen des Messias", und von ber theatralisch wirksamen, aber im Grunb« sehr unwichtigen Episobe, bah ber Hohe Priester im Augenblick, ba er zur höchsten rituellen Weihe­handlung eingekleidet werden soll, die Rachricht vom freiwilligen Tode feines rebellischen Sohnes auf sich nehmen und nun, ba aller Augen auf ihn gerichtet finb, seinen Schmerz bemeiftem unb vergessen muh,bah er ein Mensch ist".

Die Aufführung des Schauspielhauses, von Fritz Peter Buch inszeniert, war als Ganzes von bemettendtoerter Qualität, zumal wenn man be­rücksichtigt, dah sie gewissermaßen zwischen zwei Intendanten gemacht wurde. Sie war auf Klä­rung, auf Herausarbeitung der Richtlinien, der dramatischen und theatralischen Akzente bedacht. Die Regie hatte in diesem Sinne manches ge­strichen, hatte aber auch eben um des Theaters willen manches stehen gelassen, was, wie jene vorletzte Szene, von der wir sprachen, am ehesten hätte fallen können.

Im übrigen erstrebte die Regie jene groh- linige Sttlisierung in Raum und Gebärde, eine gewisse klassisch« SKonumentalität ber Szenen- führung, wie sie die besten Aufführungen des Frankfurter Schauspiels immer ausgez.ichnet Hat. Die ausladenden, plastischen und raumfüllenden Dekorationen des ungemein befähigten Bühnen­bildners Ludwig Sievert gaben der drama­tischen Legende sinnfällig Gestalt, Halt, Stimmung unb Umrif). Für unser Gefühl haftet merkwür­digerweise überhaupt die lebendigste Erinnerung der Aufführung an einem Augeneindruck: jenem von steil ansteigenden Häuserfronten begrenzten Strahenbilde, dessen eintöniges, verwaschenes Grau, mit einem hohen bleifarbenen Himmel darüber, von zwei ober drei überaus fein ab- gestimmten Farbslccken lichtblauen, rostroten, taubenfarbenen Gewänbern prachtvoll belebt würbe.

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Für Den Paulus hatte man in Lothar Re- walt, einem von Berlin kommenden, sehr

steht, wenn man das Geld opfern will, die Möglichkeit, vollkommen ungestört einen paralle­len Kanal au bauen unb sich dadurch gewisser­maßen selbst Konkurrenz zu machen, allerdings dafür bie Sicherheit einzutauschen, dah im Kriegs­fall bie beiben Flottenhälften je nach Rotwendig- keit Im Osten ober im Westen a l s geschlos­senes Ganzes in bie Wagschal« geworfen werben können.

Aus der provinzialhauptstadi.

Gießen, den 5. März.

Frei» SaniMkolonne vom Holen Kreuz.

Die Ausstellung. die die Freiwillige Sani- tätskolonne anläßlich der Reichs-UnfaUoerhütungs- Woche am 2. und 3. März im Depot am Kanzlei- berg veranstaltet hatte, wurde an den beiden Tagen von etwa 400 Personen besucht. Dem in das sani­täre Hilfswesen noch nicht Eingeführten wurde durch diese Ausstellung vor Augen geführt nicht nur die bei Unfällen anzuwendenden Hilfsmittel, sondern recht eindringlich auch die Gefahren, die die berufs­tätigen Menschen täglich bedrohen, Gefahren, denen aber auch jeder Etraßenpassant ausgesetzt ist. Reichs- versicherung-amt und Berufsgenossenschasten wiesen in lebenswahr ausgeführten Plakaten auf diese Ge­fahren hin.

Eine groß« Zahl packender Plakate bedeckte die Wände des Ausstellungsraumes. Eine Fülle von Unterrichtsmaterial für die Ausbildung gewahrte einen Einblick in all das, was ein Sanitäter bei Ausübung seines Dienstes wissen muß.

Besonderes Interesse erregten bie in großecv Anzahl ausgestellten Geräte, bie ber Kolonne sowohl bei kleinen gewerblichen Unfällen, wie bei umfangreichen Katastrophen, Bränben usw. zur Skrfügung stehen. Sieben Transportgeräten, Tragen. Brechwerkzeugen usw. waren ausgestellt Scheinwerfer für nächtliche Unfälle, Sauerstoff­apparate, Gasmasken, naturgetreu ausgeführte Modelle von Zelten, ausgerüsteten Güterwagen und Transportgeräten, ferner bie verschiebensten Derbanbmaterialien unb Gebrauchsmittel für bie erste Wundbehandlung. Die ausgestellten Ver­bandpäckchen unb -kästen mit brauchbarem In­halt führten ben Beschauer zu bet Ueberzeugung, bah auch im kleinsten Haushalte ohne große Ko­sten für etwaige klein« Unfälle vorgesorgt wer­ben kann.

Es ist zu wünschen, daß sich derartige Ausstel­lungen öfters wieberholen mochten unb namentlich ben Gewerbe-, Höheren unb Volksschulen zu­gänglich gemacht werben.

Die von ber Kolonne unterhaltene Verleih- anstatt von allen ber Krankenpflege bienenben Gegenständen verbient besonberes Interesse; sie würbe bei bem burch ben harten Winter hervor- gerufenen hohen Krankenstand viel in Anspruch genommen.

Die Ausstellung hat bewiesen, bah di« Giehener Freiwillige Sanitätskolonne vom Sloten Kreuz mit den ihr zur Skrfügung stehenden Einrich­tungen auf der Höhe und imstande ist, der ärzt­lichen Skhandlung wirksam vorzuarbeiten.

Oer OhnmachtSansall.

Der Ohnmachtsanfall, der zu ben häufigsten Unfällen des täglichen Lebens gehört, kann aus den verschiedensten äußeren Anlässen eintreten. Besonders nervöse Menschen pflegen leicht in Ohnmacht zu fallen. Dah schlechte Luft in von Menschen erfüllten Räumen zur Ohnmacht führt, ist ebenso bekannt wie der Ohnmachtsansatt, der nach größeren Blutverlusten sich einstellt. Auch das Einatmen giftiger Gase, insbesondere von Leuchtgas oder Kohlenoxydgas, kann zu einer Ohnmacht Veranlassung geben. In allen diesen Fällen handelt es sich um eine plötzliche Blutleere des Gehirns. Sie gibt sich kund durch blasses Aussehen des Gesichtes, Flimmern vor den Augen, kaltem Schweiß auf der Stirn und führt schließlich zum Umfallen des betreffenden Men­schen. Handelt es sich um eine derartige Ohn­macht, so ist der Kranke zunächst nach Mögttchkeit von allen einengenden Kleidungsstücken, wie

temperamentvollen unb beweglichen Schauspieler, eine glückliche, auch äußerlich angemessene Ver­körperung gefunben; seine Leistung, innerhalb ber im Buche festgelegten Grenzen, war über­zeugend: er machte fühlbar, was bie Apostel- gestalt hier kennzeichnend umgeben muß: selbst­geschaffene, undurchdringliche Vereinzelung und das fast fanatische Bekenntnis zu seiner neuen Idee.

Taube, bet greisenhafte Patriarch Gamaliel, bleibt immer ber große Sprecher unb feinsinnige Darsteller, als ben man ihn kennt unb liebt auch in dieser Rolle, bie ihm kaum die volle Entfaltung seiner Persönlichkeit gestattet.

Ganz ausgezeichnet ist L e n g b a ch als ber ber Procurator Marullus, mit einem markan­ten Romerkopf unb jener kühlen, glatten, stets höflichen unb fast immer ein wenig ironischen Ueberlegcnßcit seiner Station; mit jedem Wort im Bewußtsein ber ungeheuren Macht, bie hinter ihm steht, in jedem Wort aber auch ein Diplo­mat, den Demard Shaw gemacht haben könnte, wenn er nicht von SSkrfel wäre.

Gut unb echt auch ber Hohe Priester Spa­niers, der milde, biedere Petrus Impeko­vens. Recht farblos dagegen ber Stadthaupt­mann Stromers, zu theatralisch ber Rabbi Huna von Franz Schneider. Unter ben Char­gen: Arie, Engels, Walbis.

Der Beifall klang matt unb spärlich.

Dr. Th.

Hochschulnachlichten.

Der a. o. Professor bet alten Geschichte Dr. S3iftor Ehrenberg in Frankfurt hat ben an ihn vor längerer Zeit ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl für griechische Geschichte unb Epi­graphik an ber deutschen Universität in Prag als Rachfolger von Prof. H. Swoboda zum bevorstehenden Sommerjemcster angenommen. Zur Wiebetbesehung des durch das QTbleben des Professors L. Milch an ber Universität Bres­lau erlebigten Lehrstuhls ber Mineralogie ist ein Ruf an ben ordentlichen Professor Dr. Kurt Spangenberg in Kiel ergangen.

Dem Professor an der Universität Bern und Ches der Polizeiabteilung am Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement Dr. jur. Ernst 2) e la q u i s ist ein Lehrstuhl für Strafrecht und Strafprozeß an der Universität Hamburg angeboten worden.