Ausgabe 
5.3.1929
 
Einzelbild herunterladen

O = (jf

aOio **.= <

-o-2' s=3-'

IfrfWi

ac Ä ;

Dienstag, 5. März 1929

179. Jahrgang

Nr. 54 Erstes Blatt

Die neue Revolution in Mexiko

Ge­

ruhigen lassen wird.

Deshalb ist auch die Gegenmine, die jetzt von Belgien mit der Verhaftung des angeblichen Fälschers gelegt worden ist, eigentlich o h n e jede Wirkung geblieben, trotzdem die bel­gische Polizei sehr geschickt gearbeitet hat. Daß es erstens ein Deutscher ist. der den Betrug verursacht haben soll, gibt die'er Oluiflänrng eine besoirdere Nuance, das Leben dieses Aben­teurers läßt aber auch die Möglichkeit, dah er derartige Fälschungen begangen hat, durch- aus zu; drängt allerdings auch geradezu die entgegengesetzte Kombination auf. daß ein 3ndi-

annatjme von Anzeigen für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher.

preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re« klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig. Platzvorschrift 20"mehr.

Ehefredakteur:

Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Derantwonlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein; für den An­zeigenteil Kurt 5 in mann, sämtlich in Viehen.

Lharaklers und wegen Ihrer offiziellen Stellung aus unbedingte B e r 11 a u e n 6 ro ü t b 1 g - kett Anspruch hatte, gemacht worden ist. Die Lhesredaktion hat, wie bereit» von ihr am 26. Fe­bruar mitgeteilt worden ist. das betreffende Doku­ment miteigenen Augen' gesehen und e» eingehend untersucht, um sich nacheigenem Ge­wissen" von der AuthenzitSt zu überzeugen. Sie hat, ehe sie zur Veröffentlichung überging, mit Be­zug auf die Echtheit der auf dem Dokument ange­brachten Anterschrift da» Gutachten eines Schriftenkenner» von anerkannter Sach- kenntni» eingeholt und sich außerdem davon über­zeugt, daß die Echtheit des Dokumente» durch hoch­stehende Kollegen von unantastbarem Nus in einem so hohen Grade für wahrscheinlich angesehen wurde, dah diese, wenn ihnen da» Dokument zur Ver­fügung gestanden hätte, keine Dedenken getragen hätten, e» ihrerseits zu verössentlichen. Die Lhef- redaktion hält ferner die Veröffentlichung für ge­rechtfertigt durch die Kenntnis der Tatsachen, u)dah die befugte holländische ve- härde vor der Veröffentlichung Gelegenheit er­halten hat, sich, fall» erwünscht, von der A u t h e n - zität des Dokumente» zu vergewissern oder ver­gewissern zu lassen:

b) dah dem Erwerb de» Dokumente, von sehr hoher Seite groher wert belgemeffen wurde.

c) dah vertrauenswürdige Organe der Obrigkeit, die In dieser Angelegenheit al» vollständig befugt angesehen werden müssen, die Nichtigkeit des Inhalt» für sehr wahrscheinlich kenn­zeichneten und dah eines dieser Organe die unbe- ding^ AuthenzitSt des Dokumentes vor der ver- offenttid)ung garantiert hat und auch sowohl nach den ausländischen Dementis wie auch nach dem Dekauntwerden des sogenannten Bekenntnisses ihr der Lhesredaktion gegenüber al» absolut unantastbar auf die bestimmteste weise aufrecht erhalten Hal. weder die Direktton noch irgendein Mitglied der Redaktion oder des personal, de* Blatte, hat fernab unmittelbar oder mittelbar irgendwelche Verbindung mit einer der in B rüffel in der Angelegenheit der von dem Blatt veröffent­lichten Geheimdokumenten verhafteten perfonen gehabt. Da,Ulrechtsch Dagblad" hatte auherdem für diese Dokumente niemals auch nur einen Pfen­nig bezahlt.

Sin innerpolitischer Schachzug?

Wollte Brüssel die flämischen Aktivisten blotzstellen-

Brüssel. 5. März. (211.) Nach den neuesten Nachrichten wird Frank-Heine nicht mehr be­schuldigt. die belgisch-französischen Geheimverträge gefälscht zu haben, eS wird ihm nur zur Last gelegt, in seinem Auslandpaß Ab- änderungen vorgenommen zu haben. Nun fragt man sich, weshalb er verhaftet wurde- Wahr ist, dah Frank im Dienste des bel­gischen Spionagebureaus stand. Don eingeweihten Kreisen wird angedeutet, dah die belgische Staatsanwaltschaft mit der Verhaftung Franks einen Fehler begangen habe, da Frank für den belgischen Spionagedienst unmög­lich werde. Es geht auch das Gerücht, daß Frank bald freigelasfen wird. Alle Verantwortung für die angebliche Fälschung soll demnach auf Waard Herremans und vor allen SXngen auf die flämischen Nationalisten ab­gewälzt werden. Die ganze Angelegenheit wäre also als ein Manöver gegen die flämischen Na­tionalisten auf auf affen, deren Erfolg man feit den Maiwahlen fürchtet. Man hat schon zu be­weisen versucht, die flämischen Aktivisten ständen noch mit Deutschland in Verbindung. Frank wäre also dazu ausersehen gewesen, den Beweis dafür zu erbringen. Frank hätte die Dokumente Waard Herremans überlasten. In der Hoffnung, dah sie dem deutschen Spionagedienst übergeben würden und so die flämischen Natio­nalisten blohstellten. Die belgische Regierung war seit Januar über die Veröffentlichung des Dokuments unterrichtet, tat aber nichts, um die Veröffentlichung zu verhindern.

Haussuchungen in Brüssel.

Brüssel, 4. März. (WTD.) Auf Anord­nung der llntersuchungsbehörde ist in der Woh­nung des unter dem Verdacht, die Utrechter Dokumente gefälscht zu haben, verhafteten Jour­nalisten Frank eine Haussuchung vorgenommen worden, ebenso in der Redaktion der von Frank geleiteten ZeitschriftNouveau? Jours" und in der Wohnung des geflüchteten Redakteurs der Schelde" in Antwerpen, Waard-Herre- mans. Dabei sind verschiedene Schriftstücke und Bücher beschlagnahmt worden. Llliherdem hat die Haussuchung bei einer Stenotypistin zur Auf­findung mehrerer Abschriften des be­kannten in Utrecht veröffentlichten Dokuments ge­führt. die beschlagnahmt wurden. Der Unter­such ungsrichder hat im Laufe des Vormittags ver­schiedene Personen vernommen, die als Zeugen in Betracht kommen.

Amsterdam, 4. März. (Priv.-Tel.) Die schichten um den belgisch französischen Geheimver­trag haben in Holland eine Aufregung hervorge- rufen, für die man außerhalb nicht ohne weiteres das nötige Verständnis ausbringt, die aber an sich doch begreiflich ift. Holland hatte sich seit dem Kriege so daran gewöhnt, fich aus den ganzen europäischen Streitigkeiten herauszuhalten, batte sich eigentlich auch politisch im Vertrauen auf den Völkerbund stark desinteressiert, und der holländische Staats­bürger glaubte, daß zumal nach dem Kellogg-Pakt für ihn der Krieg eine Angelegenheit der Vergan­genheit wäre. Nun merkten die Hollander plötzlich, daß auch gegen sie die Verträge vom ewigen Frie­den nur eine Kulisse waren, hinter der sich sehr handfeste Kriegsvorbereitungen verbargen, Vorbe­reitungen, die unmittelbar auch gegen Holland ge­richtet sind. Der Holländer hat viel Talent zum Lebenskünstler, mindestens zum Lebensgenießer. Er läßt sich also nicht leicht aus feiner Ruhe bringen. Aber das, was er hier erfahren hat, hat doch sein etwas träges Blut heftig in Wallung gebracht, und die Sprache der holländsichen Zeitungen, noch wehr aber die Erregung in politischen Kreisen zeugt da­für, daß man sich auch so leicht nicht wieder be«

Albert Frank-Heine, der Abenteurer von Brüs­sel, ist als Fälscher der Utrechter Dokumente verhaftet worden. Nur so nebenbei soll er sein französisch-belgisches Miritärabkommen versaßt haben, das im Grunde genommen sich eigentlich recht gut mit der Wirklichkeit identifizieren läßt. Und deshalb klingt alles so mysteriös. V-rwun- dert könnte man beinahe fragen, warum nicht gerade im gegenwärtigen Augenblick Ignaz Thi- motheus Trebihsch-Lincoln auf den Plan tritt, um als angeblich derzeitiger Mönch vom Buddhistenkloster auf Ceylon ein neues Aben­teuer zu Inhenicrcn. 3n Brüssel und in Paris ist man begeistert. Man kann jetzt sagen, es war alles Phantasie. Leider wird das aber den Leu­ten drüben auch nicht ganz leicht fallen. Denn Frank-Heine ist ein Trebihsch-Lincoln. er ist eine dunlle Existenz, die sicher neben dem eigenen Wlllen zur Abenteuererei noch einem ande­ren Willen unterliegt, der mit dieser Person seine Schachpartie spielen will. Hinter­männer sind da. Dies läßt sich nicht ableugnen, denn da die Utrechter Dokumente ohne Frage gefälscht und zumindest falsch zusammengestellt sind, muß doch irgendein politisches Manöver dahintcrstecken, das zu diesem Zwecke angelegt war. Das Utrechter Tageblatt erklärt nämlich, dah es niemals einen Cent für diese Dokumente bezahlt habe. Umsonst wird aber Frank-Heine, der in seinem Leben niemals ein Politiker gewesen ist, nicht seine Fälschung unter­nommen haben. 3m 3ntcreffe der Franzosen oder Belgier allein wird er auch nicht gehandelt haben, denn dann hätte man ihm doch besseres Material und vor allem richtige Namen zur Verfügung gegeben. Politisch einflußreiche Kreise in anderen Ländern gibt es genug, die solche Ereignisse inszenieren können. Doch läßt sich naturgemäß im Augenblick noch nicht genau sagen, wo diese Kreise zu finden sind. Der Mann, der jetzt in Brüssel als Täter hinter Schloß und Riegel gebracht worden ist. gibt noch keine An­deutung. Mögen feine reichlich phantastischen Aus­sagen auch nur zu einem Bruchteil richtig sein, so zeigt dies eben, daß man cs hier mit dem allerdunkelsten Gebiet der Politikbeslrssenen zu tun hat.

Trotz allem hat dieses Mysterium, diese Phan­tasterei doch einen echten Hintergrund. Und das ist die Tatsache, daß eben das französisch- belgische Militärabkommen von 1920, von dessen 3nhalt niemand etwas weih, be­steht. Die Geheimdiplomatie hat auf jeden Fall den Mystifikationen und Phantastereien genug­sam Nahrung gegeben, und deshalb darf und kann die ganze Affäre nicht mit der Person Frank-Heines erledigt sein. Mag man in Brüssel jubilieren, Frank-Heine, der Fälscher und Aben- teuerer, hat eben doch Hintermänner zu feinen Partnern. Selten ist ein Geheimnis so verworren gewesen wie dieses. Selten haben die tatsächlichen Zusammenhänge mit solcher Notwendigkeit zu derartigen Mystifikationen geführt. Es ist ein Zeichen der Zeit, das als Mahner eben die Wahrheit offenbart, daß heute im Zeitalter der Technik für all solche Diplomatie fein Raum mehr ist. Man wird abwarten müssen, wie sich die Dinge weiter entwickeln werden. Man wird aber auch nachzuprüfen haben, wie die Zusam­menhänge liegen, um dieses dunkelste Dunkel der Politik klarzulegen.

Gefälschte Fälschungen?

Der Eindruck in Holland.

viduum wie jener Heine bereit ift, fich gegen ent- prechende Bezahlung zum Sündenbock ma­chen zu lassen. Denn es bleibt doch einiger­maßen unverständlich, weshalb der Mann, dessen Name schon seit Tagen in der belgischen Presse genannt wurde, der also den gegen ihn Herr- chenden Verdacht kannte, das sichere Asyl in Holland verläßt und sich nach Brüssel begibt, nur um sich dort verhalten zu lassen. Sehr viel peinlicher aber wirken die zahlreichen und alle so gewundenen Dementis, die nun chon seit Tagen abgeschossen wurden, von denen aber nicht ein einziges in unmißverständlicher Sprache abgesaßt war. Alle haben sie mehr oder minder drum herumgeredet. Wir vermissen aber immer noch die hieb- und stich­elte Erklärung, dah seit 1918 keinerlei Geheim­verträge zwischen Belgien und Frankreich be­stehen, die irgendeine mittelbare oder unmittel­bare Drohung für Holland enthalten. Solange darüber nicht absolute Gewißheit geschaffen ist, wird selbst eine Verurteilung des verhafteten Fälschers die Holländer zum mindesten nicht

Im Land der ewigen Unruhen und Revolutionen, in Mexiko, ist abermals ein Tlilitäraufftanb losgebrochen/der großen Umfang angenommen hat und den Bestand der jetzigen Regierung bedroht. Die Heiden Staaten Veracruz und Sonora mit wich­tigen Häfen und Industriezentren befinden sich in der Hand des Generals Iof6 Maria Aquirra. Daß man auch in der Hauptstadt Mexiko die Situation für sehr ernst ansieht, geht daraus hervor, daß der provisorische Präsident Portes Gil seinen Vorgänger, den früheren Präsidenten C a l lr s, zum Kriegs­minister und Oberbefehlshaber der Streitkräfte Mexikos ernannt hat mit dem Auftrag, sofort gegen die Aufständischen vorzugehen. Diese ernsten Nach­richten werden auch von dem uiüerikanifchca BcN- schafter Morrow bestätigt, der sich mit feiner Familie und seinem künftigen Schwiegersohn, dem bekannten Flieger Lindbergh, in feinem Sommerhaus in Cuernavaca zum Wochenend aufhielt, aber sofort nach Mexiko zurückkehrte. .

Soweit der Fernstehende überhaupt in der Lage ist. sich über diese unglaublich verworrenen Zu­stände in Mexiko ein Urteil zu bilden, hat man in der neuen Bewegung eine Rückkehr oder viel­mehr einen Rückfall in die altgewohnte Gepflo­genheit mexikanischer Generale zu erblicken, die Oberherrschaft an sich zu reihen. Dem Präsiden­ten Calles, übrigens seiner Parteieinstellung nach Sozialdemokrat, war es geglückt, eine Zeit- lang Ordnung und Ruhe im Lande herzustellen und aufrechtzuerhalten. Die Befestigung feiner Herrschaft hatte et jedoch dazu benutzt, einen Kulturkampf mit der in Mexiko sehr mäch­tigen katholischen Kirche anzufangen, und dieser Kampf ist bis heute nicht beendet. Beim Ablauf seines Amtstermins lehnte Calles mit großer Entschiedenheit eine Wiederwahl ab, und zu fei­nem Nachfolger wurde Obregon erwählt. Die­ser fiel jedoch noch vor seinem Amtsantritt einem Attentat zum Opfer, hinter dessen Täter Glieder der katholischen Kirche, darunter eine Nonne, vermutet wurden. 3n einem Gerichts­verfahren. das von katholischer Seite als äußerst parteiisch und willkürlich hingestellt wurde, sind Todesurteile verhängt worden, die dann auch vollstreckt wurden. Nach der mexikanischen Ver­fassung. die ein sehr umständliches und zeitrau­bendes Verfahren bei der Präsidentschaftswahl vorsieht, war die sofortige Wahl eines Nachfol- gers für den Ermordeten nicht möglich, und der Kongreß übertrug daher die Befugnisse des Ober­sten Exekutivbeamten der Republik dem jungen Parlamentarier Portes Gil. der die Zügel der Regierung bis zur Mitte des 3ahres 1930 zu führen hat.

Die Militärpartei, wenn man von einer solchen sprechen darf, stützt sich im wesentlichen auf die durch den Kulturkampf aufs höchste erregten Katholiken und auf die stets zu Unruhen neigenden Truppen, denen jede Gelegenheit willkommen ist, sich an Aufständen zu beteiligen und zu plündern. Ueberhaupt darf man Mexiko nicht mit europäischen Augen ansehen. 3n dem riesigen, von gewaltigen wllden Dergzügen zer­klüfteten Lande mit Küsten an zwei Ozeanen herrschen Zustände, die Europa gegenüber in der Entwicklung um 3ahrhunderte zurück sind. 3n- dianerstämme. die noch kaum von der Zivllisa- tion berührt sind. Hausen in ihren primitiven Hütten und kommen mit der Außenwelt wenig in Berührung, es fei denn, dah sie von auf­rührerischen Soldatenbanden heimgesucht und aus­geplündert werden. Bei ihnen mischen sich heid­nische und christliche Vorstellungen und Ge­bräuche in sonderlicher Art. Dah große Telle der so mannigfach zusammengesetzten Bevölke­rung Mexikos noch durchweg Anafichabeten sind, braucht nicht befonberß hervorgehoben zu werden. 3n tiefen Verhältni fen liegt die Erklärung dafür, dah für eine Präsidentenwahl z. D. ein ungemein umständliches Verfahren notwendig ist.

Dah auf f olchem Boden Unruhestifter und ehr­geizige Generale, die manchmal weiter nichts als Häuptlinge von Räuberbanden sind, ein zusagendes Feld der Betätigung finden.

davon überzeugen können, dah nicht doch un Verborgenen Verträge bestehen, die. wenn sie auch formell nur auf die Verteidigung abgestellt find, doch die politische und mllitärische Unab­hängigkeit Hollands gefährden.

Das Utrechisch Oagblad hält an der Echtheit fest.

Amsterdam, 4. März. (1BB.) 3m Hinblick auf die Brüffelet Meldungen, wonach der dort verhaf- tete Frank-Heine da» Geständnis abgelegt habe, dah das imAltechlsch Dagblad" veröffentlichte Ge­heimdokument von ihm herrühre, veröffentlicht das Utrechtfch Dagblad" in feiner heutigen Abendaus­gabe folgende Erklärung:

Die Lhesredaktion desUtrechlfch vagblad" hat fich zur Veröffentlichung des in Frage stehenden Dokuments auf Grund einer Eröffnung entschloßen, die ihr von einer hochstehenden hollän­dischen Persönlichkeit, die wegen Ihres

Das Geheimnis des Dokumentenfälschers von Brüssel

Belgische Vertufchungsmanöver. - Bestellte Arbeit?

ist nicht weiter verwunderlich. Ruhige und geord- nete Verhältnisse behagen solchen Elementen nicht und sie benutzen jede erdenkliche Gelegenheit, um das Land von neuem in Unfrieden zu stürzen. Die Geschichte Mexikos feit seiner Befreiung von spanischer Herrschaft ist eigentlich eine unenb- lich lange Kette von Dandenkämpsen und revolutionären Umtrieben, in denen ein soge­nannter General den andern bekämpft und be­seitigt. Eine Ruhepause brachte nut die Herr­schaft des ebenso energischen wie gewandten und klugen Porfirio Diaz. Rach seinem Tode wurde daS alte Spiel mit frischen Kräften aus­genommen und fortgesetzt. Eine zweite kurze P^fe bedeutete die Präsidentschaft von Calle S. Aber sie ist bereits zu Ende, wie Vie jüngsten Meldungen auS Mexllo zeigen. Ob es der Re­gierung des provisorischen Präsidenten mit Hilfe von Calles, der sich im Lande großen Ansehens erfreut, gelingen wird, deS Aufstandes Herr zu werden, muß abgekartet werden. Aber selbst wenn dieser Aufstand niedergeschlagen werden sollte, so zeigt doch sein Ausbruch, dah für Mexiko noch lange nicht die so notwendige und so sehnlichst erwartete Zeit der Ruhe und Ordnung angebrochen ist. Das heißblütige Volt wird wohl noch lange von inneren Wirren zer­rissen werden.

Die ersten Erfolge der Rebellen.

Neu york, 4.März. (IU.) Mexiko hat die ge - sarnte Bundesarmee mobilisiert. Die amerikanisch-mexikanische Grenze ist durch Amerika für Mexikaner geschlossen. Die Rebellen beherrschen völlig die Staaten Beta Cruz. Sonora und den 3sthmu» von Tehuanlepec. Auch scheinen Meldun­gen zuzutreffen, wonach sich ihre Macht auf den größten Teil weiterer sechs Staaten erstreckt. Die Haltung der Flotte ist unklar. Präsident Gil be­hauptet. sieben Kriegsschiffe hatten von der Regie­rung Berhattnngsmahnahmen erbeten, außerdem hätten 23 militärische Befehlshaber in 22 mexikani­schen Staaten um Befehle nachgefnchl. Ans Grund anderer Meldungen erscheint aber lehlere» ziemlich fiaglich. Die neue Bewegung, die von General Balenzuela, dem ehemaligen mexikanischen Gesandten in London onsgeht, nahm In Beta Ltuz ihren Anfang und hat sich bisher auf alle 28 Staa­ten, einschließlich Mexiko-Stadt, ausgedehnt. Acht Staaten sollen sich bisher den Rebellen unterworfen haben. Beta Lru; und verschiedene andere große Städte befinden sich in ihrer Hand. Line Anzahl von Regimentern schloß sich den Rebellen an, die sich auch sieben Im Golf von Mexiko liegender Kriegsschiffe bemächtigten konnten. Die militärische Leitung der revolutionären Bewegung steht im Nordwesten unter dem Befehl von General Manzo, der nach allerdings noch unbestätigten Gerüchten neben Beta Ltuz auch die Städte Jalapa, Orizaba und Lodoba erobert haben soll.

Rach den bisherigen Meldungen au» Mexiko trägt die Revolution einen rein militätischen Lha- ratter. Bisher hat kein Blutvergießen stattgefunden. Die aufständischen Generäle übernahmen die Staa­ten Sonora und Beta Lru; ohne Kamps. Jn der bereits gemeldeten Erklärung des Präsidenten Gil wird u. a. auch gesagt, daß der Aufstand von einet unzufriedenen Gruppe von Militärpoli- tiketn angezettelt fei und die Bundesbehör- den die Lage beherrschten. Der Gouverneur von Sonora Topete erklärt in einem Telegramm an die Associated Preß, er und sein Staat revoltierten nicht gegen die Regierung von Mexiko, sondern gegen die Beherrschung dieser Regierung durch den früheren Präsidenten Lal­le s. Sie beschuldigten Lalles noch immer, das Haupt der Regierung In der Stadt Mexiko zu sein und verlangten, daß diese Amtsoerewigung aufhöre.

Erscheint lüglich.auherF A Ä

MGietzenerAiMger

scheinen einzelnerRummern -

ZNE General-Anzeiger für Oberhessen richten: Anzeiger Gießen. v

^antfuriamCmain0ii686. vrrck und verleg: Vrühl'sche Univerfiiüts-vuch. und Steindruckerei L. Lanze in Sletzen. rchrlftleitung und GeschLftrftelle: Zchulftratze 7.

!-sZ 2 5?

> SS

J »^33

,2S Ls

: c-''- J 2 s J ^2158*8?

a

S.E 2 n "-3

»2 b;

-&C

22

a n S

=?

= -'s

6 = *

2 ZK--HA 7

?g)

_ ft n Z g>

XF=3-

4

. C n

* § 3

-c~0 5 5' ft 35» 3 2 "VSS?