Nr 30 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Dienstag, 5. Februar (929
Turnen, Sport und Spiel.
5. Bezirk im Turngau Hessen. (O. T.)
Di- 3. dieswintetllche B e z i r k 5 v o r t u r n erst u n d e des 5. Bezirks im Turngau Hessen, die am Sonntag in Butzbach stattfand, war von 38 Turnwarten und Vorturnern besucht. Unter der Leitung der Bezirksturnwarte Lang (Lang-Göns) und W a ck (Bad-Nauheim) wurden die Hebungen ijür das Bezirksgerätewetturnen gründlich durchgeturnt und besprochen, ferner die vorgeschriebenen Ordnungs- und Freiübungen. Die anschließende anregende Besprechung, der auch der Bezirksoertreter, Studienrat Thierolf (Friedberg), beiwohnte, galt hauptsächlich der Vorbereitung der Bezirksoer- anstaltungen dieses Jahres: des B e z i r k s g c - räteroetturnens, das am 3.März in Butzbach stattfindet, und des volkstümlichen Bezirks- turnens, dos im Vorsommer in Nieder-Mör° l e n durchgeführt wird. Die Wahl des Bezirksspiel, warts wurde bis zur nächsten Vorturnerstunde ausgesetzt. Die Goetz-Wanderung soll am Sonn- tag vor Himmelfahrt die einzelnen Bezirksvereine noch Ziegenberg führen.
Turngau Lahn-Oünsberg.
Am Sonntag fand in Lollar eine Spieler-- sttzung statt, zu der alle Handball- und faustballspielenden Vereine eingeladen waren. Vertreten waren Allendvrf mit 1. Kesselbach 2, Darbenteich 3. Kinzenbach 6, Londorf 5 und IDiefcd mit 2 Mann. Auf der Tagesordnung standen: 1. Vorrunde der Handballspiele, 2. Protest Kinzenbach, 3. Vachrunde der Handball- ipiele. 4. Faustballrunde, 5. Nächste Spieler- sihung. Zu Punkt 1 rügte Spielwart Dinier, Launsbach die beide-l Vereine Allendorf und Londorf, da sie das Spiel in Allendorf bereits um 2 Uhr auStrugen. ohne ben Schiedsrichter zu benachrichtigen. DaS Spiel zwischen Londorf und Wieseck in Wie,eck, bei dem Londorf zu spät antrat, ist, da Wieseck sich dennoch bereit) rklärte, zu spielen, für Londorf gewonnen. Punkt 2. Der Protest Kinzenbach ist berechtigt, wird aber wegen Formsehler nicht an- erkannt. Punkt 3: Die Nachrunde beginnt aller Voraussicht nach Anfang März. (Segner und Termine werden noch belairntgegeben. Als weiterer Gegner wird vorausfichllich noch Dorlar hinzukommen. Punkt 4 Faustballrunde: Gemeldet haben sich bis jetzt nur drei Mannschaften: Meldeschluß für weitere Mannschaften wahrscheinlich 15. April. Punkt 5: Nächste Spieler- sitzung nach Beendigung der Handball-Nachrunde tn Dreßen.
V. f. B.
Die Dritte fertigte ihren Gegner, Nauborns Erste, mit 6:0 ab und machte damit M« NiÄ>erlage vom Vorspiel wieder wett. Nauborn war trotz allem Eifer den technisch guten V. f. D. em unterlegen, konnte aber doch mit feinem «gekünstelten und flotten Spiel Lesallen.
Auch di« vierte Mannschaft holte einen hohen Sieg gegen di« Zweite von Nauborn Vertat# und gewann verdient mit 8L.
Lottarer Kußball.
A» Sonntag weilte Lollars 1. Mannschaft zur» fälligen Rückspiel in Daubringen; sie konnte mit einem 8.0-Giege nach Hause zurückkehren. Lollar ging gleich zu Beginn deS Spiels scharf los, und Daubringens Torwart muhte sein ganzes Können aufbieten, um Erfolge der Lollarer zu verhüten. Jedoch muhte er sich bis zur Halbzeit dreimal geschlagen bekennen. In der zweiten Halbzeit spielte Lollar rwch stärker überlegen, Daubringen konnte sich aus der llmtlammerung nur selten durch einige Durchbrüche freimachen. Bis zum Schluhpfiff konnte Lollar noch fünf Tore erzielen.
Laubach k. — Großen-Buseckl. 4:1 (2:0)
Am Sonntag trafen sich diese Mannschaften zum fälligen Verbairdsspiel. Da die Spieler bis zu den Knöcheln im Schnee laufen muhten, kam ein flüssiges SpiÄ mcht zustande. Einen (Straf- stvh konnte Laubach im Nachschuh bald zum Führungstreffer für sich verwandeln. Grvhen-Buseäs Drperlich schwächere Stürmer tormtcn sich in dem
MM BÄmzo l
Vornan von I Schneider-Foersti.
Urheberrechtsschutz Oskar Meister, Werdau i. Sa.
83 Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„So unerträglich ist Ihnen das Leben an meiner Seite geworden, Schwester, dah Sie den Tod einem Zusammenleben mit mir vorziehen."
Ihr Körper sank noch mehr gegen die Wand. Gin Kälteschauer machte ihn erschüttern.
.,Sie werden sich eine Krankheit holen!" mahnte er. „Ziehen Sie sich um, imü dann möchte ich Sie bitten, noch einmal zu mir herüberzulommen. Ich habe noch mit Ihnen zu sprechen."
Es dauerte lange, bis sie in trockenen Kleidern wieder vor ihm stand. Etwas verlegen, wartete sie, bis er zu reden begann. „Setzen Sie sich hier in den Lehnstuhl, Schwester! Ich werde Ihnen ein bequemeres ÄiiTen brmgen I So — ist eS nun gut? — Wollen Sie Geduld haben, wenn ich Ihnen aus meinem Leben erzähle?"
Die Hände int Schoße liegend, vermochte sie nur zu nicken. Er sah ihr auf der Lehne eineS Sesse.s gegenüber und stemmte die Fühe leicht auf den Teppich.
„Ich bin in forglofen Verhältnissen ausgewachsen! Ich glaube, ich war sogar etwas verwöhnt. Vor drei Jahren verwbte ich mich mit einer jungen Wiener Dame! Ich liebte sie unsagbar — und — liebe sie heute noch!" Draußen heulte der Sturm und rüttelle an dem Gestänge der Aprito.enspaüere, die um daS Haus liefen. Die Schwester hie.t den Kopf tief auf die Brust ae'enkt. Hettingens schwere Atemzüge drangen bis zu ihr herüber. „Datrn kant das älnglück, und ich war allein! — Ella'sen S.e mir alles andere, Schwester Ellfab-eth. Es gibt kein Zu- sammenfinden mehr zwischen dem und
mir — trotz ihrer und meiner Liebe. Die Vergangen hell ist zu stark! Als ich Sie sah, meinte
Hoheit Schnee und geblendet von der Sonne nicht zurechts inden, während Laubachs Schubkraft sich stark bemerkbar machte. Dis zur Halbzeit wurde das TorergebniS auf 2:0 für Laubach erhöht. In der zweiten Halbzeit kamen die Gäste besser auf. Im weiteren Verlaufe des Spieles muhten jedoch zwei Dusecker Spieler den Platz verlassen, so dah die Gästemannschaft nur noch neun Mann stark war. Etwas später wurde auch der Torhüter Grohen-Dusecks vom Platze verwiesen. Trotzdem
konnten die Gäste das Spiel offen halten. und kurz vor Schluh das Ehretrtor erzielen, während das Spiel mit dem oben verzeichneten Resultat abfchloy.
D.s.R. Lich I. - Iußballclub 26 Grimberg I. 9:4 (7:3).
Am Sonntag wurde dieses Punktspiel ausge-- tragen. Nach den letzten Erfolgen Grunbcrgs
HvchWl-Sli-Rennei, aus dem HoherMops.
Es ist keine Uebertreibung: Noch nie hat der winterliche Hoherodskopf eine solche Menge tüchtiger Sportjugend versammelt gesehen, wie am vergangenen Sonntag. Die Skimannschaftender Hochschulen Darmstadt, Marburg, Frankfurt und Gießen traten zum Wettkampf an. Studentinnen und Altakademiker nahmen gleichfalls tcü. Zu den einzelnen Wettläufen lagen insgesamt 70 Meldungen vor.
Zünftiger Betrieb entroidette sich bereits am Samstag in den Klubhäusern. Abends begrüßte Universi- tärssportlehrer Dr. Möckelmann (Gießen). Die Marburger waren unter Professor Jeck (Marburg), die Darmstädter wiederum unter Führuni ihres Uni- versitätssportiehrers S o l l i n g e r erschienen.
Am öonntagmorgen stand das Thermometer tief unter Null. Ein eisiger Wind wehte. Den ganzen Tag über keine Spur von lauen, trotz der Sonne am strahlend blauen Himmel. Im Wald gab es durchgefrorenen Pulverschnee, für den Ski eine vorzügliche Führung. An den Hängen herrschte fester, samtner Windharsch vor. Feinpulverige Schneemengen, wie Sand, trieb der Wind darüber hin. Streckenweise war diese Schneedecke von Wind und Sonne zerformt. Dort ratterten die Ski in sausender Fahrt beim Ab- fahrtslauf.
Durchgeführt wurden Langlauf, Gelände- lauf und Sv r u n a l u u f. Ein Unfall ist zu verzeichnen. Ein Kontrollposten wurde an einer schmalen Abfahrtsstelle von einem Lauser überholt, tarn zu Fall und verletzte sich am Nasenbein.
Bei dem zwälfKilometerlangenLang- lauf mar eine Steigung von 166 Meter zu überwinden. Die Strecke ging vom Klubhaus nach Norden am Waldrand entlang, Ober-Waldstroße, Siebenahorn, Aller Ulrichsteiner Weg, Buchhorn- schneise, Grebenhainer Schutzhülle, Lauterbacher Hütte, Flößer- und Lange Schneise zurück zum Klubhaus. Dort lagen Ziel und Start nahe beieinander.
Der Langlauf der Studentenschaften wurde bewertet nach Mannschaften und Einzelleistun» gen. Mannschaften waren es sechs, von je vier Mann. Man startete in Abständen von einer halben Mtnut«. Das Starten roor noch nicht allzu lange beendet, da traf bereits Baumgarten (Darmstadt) mit einer Zett von 59 Minuten 64 Sekunden wieder ein, trotz eines Unfalls, der ihn etwa zwei Minuten gekostet hatte. In der noch kürzeren Zett von 58 Minuten 49 Sekunden folgte ihm später Frank von derselben Mannschaft, beren beiden anderen Läufer, Müller und Beyer, 1 Stunde 44 Sekunden bzw 1 Stund« 1 Minute 49 Sekunden liefen. Dopp von der ersten Gießener Mannschaft kies um einige Sekunden bester als Beyer. Sonst wurden auch die Einzelleistungen dieser Darmstädter Mannschaft von feinem anderen Läufer übertroffen. Sie war, wie im Vorjahr, überlegene Siegerin. Erfreulich ist, daß die Gießener erste Mannschaft gleich an zweiter Stelle kommt. Nimmt man die Summen der Einzelzeiten, die innerhalb der Mannschaften von den einzelnen Läufern gelaufen worden sind, so ergibt sich gegenüber der ersten' Darmstädter Mannschaft für die erfte Gießener Mannschaft ein Mehr von 22 Minuten 41 Sekunden, für die an dritter Stelle folgenden Marburger ein Mehr von 28 Minuten 38 Sekunden. Dann folgte an vierter Stelle die Frankfurter Mannschaft mit einem Mehr von 35 Minuten 27 Sekunden und als fünfte die zweite Gießener Mannschaft mit einem Mehr von 1 Stunde 24 Minuten 48 Sekunden. Auch die Altakademiker, an ihrer Spitze Dr. D o • browolny (Skiklub Gießen) sind mit guten Zeiten gelaufen.
Der Geländelauf war 1,7 Kilometer lang. Von der Jugendherberge führte die Markierung in
ich, Sie mühten ihre Schwester sein, obwohl alles an ihr Licht und Blondhert ist, und Lust und Leben, was bei Ihnen in Ruhe und Abgeklärtheit in Erscheinung tritt. Sie haben gelitten, wie ich gelitten habe! Wir leiden beide noch heute. Sie um den Mann, den Ihnen der Tod genommen hat, ehe Sie ihm noch Weib sein konnten, und ich um das Weib, das niemals mein eigen war, — so sehr mein Blut <r-'f) nach ihm schrie. Schwester Elisabeth, glauben Sie, daß wir beiden Einsamen uns nicht etwas fern könnten — wenn ich Sie bitte, meine Frau zu werden?"
Es blieb totenstille in dem Zimmer. Der Wind hatte abgeflaut, nur hin und wieder rauschte das Blattwerk unten im Garten auf, und verirrte Regentropfen schlugen tickend an die Scheiben.
„Schwester Elisabeth!"
Hettingen hatte seinen Platz verlassen und war dicht vor sie hingetreten. „Ich würde Sie so glücklich zu machen versuchen, als es nur immer sein kann. Ich bin Ihnen ja fein Fremder mehr. Sie kennen mich seit neun Monaten! Keiner meiner seelischen wie körperlichen Mängel ist Ihnen fremd. Not würden Sie nicht zu leiden haben! Nie! Meine Stellung hier ist gesichert. Schwester Eli'aoeth — wollen Sie mir armen, verlassenen Menschen ein wenig Lieb« schenken?"
Ein Zittern lief über ihren Körper. DaS ,.2a", das sie sprach, war kaum hörbar.
Aber er hatte es trotzdem vernommen. Mit behutsamem Griff bog er ihr Gesicht zu sich auf. „Darf ich dich küssen, Elisabeth?"
Sein Mand traf auf ein bebendes Lippenpaar, das wie ein bleiches Nosenwunder vor ihm lag. Wie et'aas unendlich Keusches, Heiliges, das er nicht entweihen durste, gab er es schon nac> Sekunden wieder frei. „Bist du einverstanden," fragte er, wenn wir von einer langen Brautzeit aose.>n? Jetzt Haven wir Juni. Anfang Juli konnten wir Hoch'eit machen — wenn es dir so recht ist, Elisabeth!"
Wieder der Hauch eines „Ja",
einem nach Norden zu geschlagenen Bogen zu den Klubhäusern, von diesen am Westhang hinunter, zum Teil durch die Fichtenbestände auf halber Höhe. Das Ziel lag etwa 0,5 Kilometer von Breungeshain entfernt. Gewertet wurde nur noch Einzelleitungen. Darmstadt war mit Baumgarten auch hier wieder an erster Stelle. Dann folgten Frankfurt, Darmstadt, Marburg. Gießen kam erst an sechster stelle mit Neuhaus, der mit gleicher Zeit wie R i e z l (Marburg) am Ziel eintraf.
Auch beim Springen blieb der Sieg Darmstadt treu. (Baumgarten und Beyer erster und zweiter Sieger.) Ihnen folgten die beiden 211t» akademiker Mölders und Dr. S ch o p p e r, beide vom Skikluü Gießen. Verhältnismäßig Diele Sprünge waren nicht gestanden. Am Tag zuvor waren denselben Springern ihre Sprunge besser gelungen. Dies war auf den kräftigen Ostwind zurückzuführen, der die Sprungsti in der Luft von rechts packte, so daß den Springern beim Aussprung die Beine nach links weggedrängt waren und sie nach rechts überfielen. Die erreichten Weiten entsprachen den Möglichkeiten, die die Schanze bietet. Nach Beendigung des Konkurrenzspringens stellte Baumgarten mit zwei Sprüngen von 19 und 20 Meter, beide freilich gestürzt, einen Schanzenrekord auf.
Daß beim zusammengesetzten Lauf (Gesamtwertung von Lang- und Sprunglauf) Darm- ft a ö t gleichfalls Sieger bleiben mußte, kann noch dem Gesagten nicht Wunder nehmen.
Zum Geländelauf fei noch bemerkt: Frl. Brill, die mit der besten Zeit von 7,31 lief, und die an dritter Stelle angekommene Frl. Schmoll, sowie Frl. Jaeger, die außer Konkurrenz die zweitbeste Zeit lief, gehören dem Ski-Klub Gießen an, ebenso wie der 2. Sieger im All-Akademiker- Lauf, Mölders, sowie der in der 2. Altersklasse (über 40 Jahre) laufende Staatsanwalt E ch u d t.
Für die Gießener akademischen Mannschaften wird noch manche Trainingsarbett notwendig sein, mit den Darmstädtern gewachsen zu werden. Trotzdem ist M de« Gießenern ein erheblicher Aust kchomng gegea die Vorjahr«, insbeso«d«e gegen da» Rennen von 1957, zv verzeichne«.
Di« sN-spvrtlichen Besttedungen bee Untoerß» tütssportlehrers Dr. Möckelmann hoben zweifellos schon gute Früchte aettagen. In feiner Hand lag di« Rennleitunfl. U niversitätsf portlehrer Dr. Wunderlich (Gießen) stand ihm mr Sette. Ss wickelte sich alles pflnftfld) und reibungslos ab. Mitglieder des Ski-Klubs Gieße«, wie Professor Klute, Dr. 61 fl r i f o, Reg.-Baurat Man- gold, Dr. W o d o e g e, sowie etntae Gießener Studenten unterstützten, zum Teil als Kampfrichter. Das Profil des Geländelaufes war von Reg.-Äau- rat Mangold hergestellt.
Bald nach Beendigung des Sprunglaufs wurden von der Sprungschanze aus die Namen der Sieger durch Prof. Lehmann (Gießen) verkündet, oer dabei im Nomen der Univerfität Gießen zu den Teilnehmern sprach und all denen Donk sagte, die zum Gelingen des Tages beigetragen hotten. Die Gießener medizinische Fakultät hatte einen Wanderpreis gestiftet, eine Plastik von der Hand Kvddings (Gießen). Diese überreichte Pros. Lehmann der siegreichen Darmstädter Mann- schäft, die den Preis in den nächsten zwei Jahren zu verteidigen hot, um ihn endgültig behalten zn können.
Zum Santtätsdienst war m dankenswerter Weife die Schottener Sanitätsmonnfchaft erschienen.
Die Ergebniste des Rennens hoben wir gestern schon berichtet.
Er nahm ihr« Hände in die fernen und hielt ft« darin fest. „Angst mußt du nicht vor mir haben, Kind! Ich weih gar nicht einmal, wie alt du bist," sagte er lächelnd. „Willst du mit nicht etwa- von deiner Familie erzählen?"
Es war das erstemal, daß sie seit ihrem Hiersein hn Zimmer zu ihm aufsah. „Ich bin Doppelwaise! Vergangenen Monat war ich einundzwanzig. Ich habe keine Erinnerung an meine Ellern mehr. — Ich —"
„2afj nur. mein Armes," er fuhr ihr gütig über das Haar. „Du sollst nicht Gedanken wecken, die dir wehe tun. Wie müde du bist! Ich bin ein Tyrann, dich noch um zwölf Llhr nachts zu quälen. Komm, kleine Braut."
Als sie ihm vor der Türe ihres Schlasziinmers gute Nacht sagte, bat er jungenhaft demütig: „Küsse mich —1"
Die Arme zu ihm auf hebend, zog sie sein Gesicht zu sich herab und drückte ihm den Hauch eines Kusses auf den Mund. Dann stand er allein
Nachts erwachte er und drückte gewohnheitsmäßig auf die Klingel, der Schmerz, den er in der Hüfte verspürte, war rasend. Sie erschien sofort an feinem Bette und griff nach der Flasche, deren Inhalt zu Einreibungen diente. Et errötete bis an die Schläfen „Laß, Kindl — Gib mir das Oel, Ich werde es allein versuchen"
Verständnislos sah sie ihn an. „Hat die Braut weniger Anrecht an Sie, Herr Baron, als die Pflegerin? Darm mußte ich bedauern, Ihnen mein Ja gegeben zu haben"
Er sagte nichts mehr.
Sie massierte mit ihren ruhigen gleichmäßigen Bewegungen Hüfte und Schenkel, legte Watte darüber und band sie mit einer Binde fest. Wie immer, wenn die Schmerlen ihn quälten, schüttete sie etwas von einem Puloer auf den Silber löffel auf dem Nachttische uiü) reich:« es ihm.
Er schluckte es gehorsam. „Geh jetzt zu Bett, Kindl"
Eie beugte sich herab, umschloß seine Hand, und preßte ihre Lippen daraus.
sah man gespannt diesem Spiel entgegen. Die Nasenspieler mußten mit Ersatz antreten Trotzdem sanden sie sich zu einem schönen Spiel zusammen und konnten das obengenannte Resultat als Sieg buchen Hätten die Licher Grün- weißen ein besseres Kombinationsspiel vorgeführt (woran es immer fehltt, so wäre das Ergebnis leicht zweistellig getooroen.
Arbeiier-Turn- und Sportbund.
Gießen I — Naunheim I.
Gießens Kreisklassenmannschaft hatte am Sonntag zum Rückspiel Naunheims I. auf dem Trieb zu Gast. Im Vorspiel blieb Naunheim Sieger, man war deshalb auf den Ausgang des Spieles gespannt. Hatkc man ein flottes Spiel erwartet, so wurde man bald enttäuscht. Das Spiel fand ein vorzeitiges Ende, da es beim Stande 1:0 für Gießen abgebrochen wurde.
Alsfeld I — wiefeck I.
Wiesecks I., der neue Bezirksmeister, trat airt Sonntag zum fälligen Ruckfoiel in neuer Aufstellung die Reise noch Alsfeld an. Aus den Ausgang dieses Spieles war man gespannt, da Alsfeld unter allen Umständen seine letzten Niederlagen wieder wett zu machen gedachte. Nach schönem spannenden Spiel gelang es Wieseck auch diesmal, wenn auch knapp, mit 2:1 als Sieger den Platz zu d et taffen.
Wieseck II — Leun I.
Besser macht« es die 2. Mannschaft Wiesecks. die auf eigenem Platze Leun I zum Gegner hatte. Auch in diesem Spiel hat man im voraus die Gäste als Sieger angcsprochsn, man wurde jedoch eines aiiberen belehr!. Wieseck, das mit einigem Ersatz antrat, lieferte der kompletten Gästeelf ein ebenbürtiges Spiel und ging bereits nach fünf Minuten in Führung. Bei Halbzeit stand das Resultat 4:1 für Wieseck. Nach Seitenwechsel kam Leun etwas mehr auf und tonnte zwei Tore aufholen, während Wieseck seine Torzahl auf sechs erhöhte und so mit 6:3 als Sieger den Platz verließ.
Watzenborn I — Hungen I.
Am Sonntag trat Mc erste Mannschaft borr Watzenborn zum fälligen Rückspiel in Hungen an. Als kurz nach Anstoß Watzenborn das erste Tor erhielte, kam es zu Szenen, die sogar zu Tätlich- ketten gegen Watzenborn«: Spiele" führten. Dis zur Halbzeit wurde die Torzahl beiderseits auf 2:2 gestellt. Nach dem Seitenwechsel erhöhte Hungen ferne Torzahl auf 4, jedoch machten sich immer wieder sehr unliebsame Auftritte gelten!), die schließlich dazu führten, daß Watzenä»m 25 Minuten vor Schluß dos Spiel abbrach.
Wirtschaft.
Oie GeldmorMage.
Wen» auch am Geldmarkt infolge der Lb Wicklung des -Ultimo ein Anziehen der Geldsätz^ eingrtreten ist, so muß doch festgestrllt werden/ daß von einer normalen Versteifung infolge beS Ultimo nicht die Rede fei« kann. 3m Gegenteöü der Markt zeigt nach wie vor fein leichtes Aussehen, da die Banken auch Wetter sehr hohe flüssige Wittel verfügen und auch die Kasten der öffentlichen Hand infolge der großen Steuereingänge im Januar liquide sind. Chctt rakteristisch für die leichte Geld mark tversas sang ist Wohl Die Tatsache, daß die Seehandlung schon am 1. Februar ihre Geldsätze im Ausmaß von Vs bis V- Prozent auf den verschiedenen Konten herabsehen konnte. Auch die um 1 Prozent auf 7Vs bis 8 Prozent erfolgte Herabsetzung des Reportzinssahes in der abgelaufenen Berichts^ Woche Deutet ganz besonders darauf hin. WaS den Pridatdiskontmarkt anbelangt, so ist daS Angebot nach wie vor fepr gering; die Danken sind bemüht, ihr langfristiges Wechselmaterial nach Möglichkeit zu halten. Infolgedessen wird die Anspannung der Reichsbank am Januar-älttimo vornehmlich kurzfristiger Natur fein. Im Zusammenhang mit der nun schon feit bet Diskont-« ermäßigung um Vr Prozent anhaltend«, großen Flüssigkeit des Geldmarktes hat natürlich die Frage einer weiteren Diskont- »■■■■■«■»■——n—w n i ii i ■n.rww"
„Elisabeth!" mahnte er, „du sollst dich nicht als meine Sklavin betrachten! 3n vier Wochen bist du mein Weib!"
„Jetzt schlafen, bitte!" Sie drückte seinen Kop! in die Kissen und legte ihm di« Decke zurecht. „Ich lasse die Türe zu meinem Zimmer offen, dann Hove ich gleich, wenn Sie mich brauchen."
„Wenn du mich brauchst, muß «S heißenI" erinnerte er.
„Ja - Achim!"
Gr hielt noch einmal ihre Hände fest, schteL etwas sagen zu wollen und legte barm den Kops müde zur Sette.
Das Pulver tat ferne Wirkung.
Als er längst schlief, lag Schwester tUifabekh mit tränenüberftcömtem Gesichte in ihrem Zimmer auf den Knien und hob die Hände zum Himmel:
„Rur einen Tag des Glückes, o Gott! Nur eine Nacht fein Weib sein! — Dann — dann —"
Si« nahm noch dieselbe Stellung ein, als daS Morgenrot bereite durch die Fenster der Villa namt
Im kleinen Empfangszimmer der Daronm tr Bellinzona stand Leopold Richthofen, in Frack unb weißen Handschuhen, bot ihm Schwester Elisabeth im spitzenübersäten Brautkleid« und Wangen, die so schneeig waren wie die Haupte« der Berge, welche di« Schweizer Seen gürteten.
„Ich bitt dich, Kindert! Warm du jetzt nicht den Mut findest und ihrn alles eingstehst, eb's zu spät ist, gibt's ein Llnglück!" Immer wieder streichelte er ihre falten Hände, die wie Eis rn den seinen ruhten.
Sie entzog sic ihm und faltete sie vor ihm zusammen: „Poldi! Nut einen Tag des Glückes! Nur einen einzigen, wenn du mir gönnst!"
„Kirrderl, wer spricht denn vom Nichtgönneil! Schau, er verzeih: dir's ja! Er nimmt dich des- toegn grab so an sein Herz! Gr —"
(Fortsetzung folgt4


