Nr. 30 Zweites Blatt
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Dienstag, 5. Februar (929
Die Ermordung Max von Diimars
Ein Nachspiel zum Moskauer Gtudentenprozeß.
Don Dr. Karl Kindermann.
Spuk ...
Don Frank F. Braun.
Biel habe ich ja eigentlich nicht getränten, tagte Theodor Struck, und stieg polternd die Treppe hinauf, es ist auch noch früh am Abend; man kann sagen, wir waren heute solide.
Luzian nickte. Vergiß nicht, den Brief, — hick — zu schreiben. Gisela heißt sie; schreibe nicht etwa an die Schwester Ruth!
Gewiß nicht, sagte Struck. Er stand vor seiner Tür, schloß auf und trat ein. Lucian stieg eine Treppe höher.
Struck machte sich sofort an seinen Brief. Er geriet in den Rausch der Seele und fand prächtige Redewendungen. Als er sein Schreiben in den Umschlag gefaltet und frankiert hatte, entschloß er sich, es sofort auf den Weg zu bringen. Ohne Hut lief er hinaus, lehnte die Flurtür nur an und verlieh das Haus. An der Ecke war der Briefkasten. Ter Radfahrer der Post war gerade dabei, ihn zu teeren Struck hatte menschenfreundlich eine kurze Unterredung mit dem Mairn. Dann kehrte er in das Haus zurück.
Inzwischen war etwas geschehen.
Pujiait, wenig später als Struck in seiner Wohnung angelangt, hatte sich ermüdet in das Ledcrsofa gesetzt und wollte eine Zigarette entzünden, als er seststellen mußte, daß er keine Streichhölzer mehr, besaß. Er durchsuchte das Zimmer, schließlich die Wohnung und fand keine. Da entschloß er sich, seinen Freund Struck nochmals auszusuchen und sich von dem eine Schachtel zu entteihe-r.
Er war verwundert, daß Strucks Flurtür nur angelchnt war. Zögernd st'.eß er sie zurück und betrat die fremde Wohnung. Theodor..., rief er halblaut. Niemand anttoorte.e. — Luzian ließ die Tür weit offen und überschritt den Korridor. Am Ende befand sich Theodors Herrenzimmer. Luzian öffnete nach unbeantwortet bleibendem Pochen resolut. Theodor..., wollte er beginnen, aber da riß ihm ein heftiger Luftzug das Wort von den Liipen, es gab einen Krach in feinem Rücken, und Luzian wußte erschreckt: die Flurtür war zugeweht.
Er wartete. Niemand meldete sich. War er allein in der Wohnung? Peinliche Situation! So gut tonnte er den Kolle en Struck denn doch nicht. Er ging den Korridor zurück. Das Beste
Diele unserer Leser werden sich noch an den erschütternden Vortrag erinnern, den der Verfasser nach seiner Rückkehr aus Moskau hier bei uns in Gießen im Auftrage der Liga zum Schutze der deutschen Kuuur über seine furchtbaren Erlebnisse in den Gefängnissen der bolschewistischen Tscheka gehalten hat. Im folgenden berichtet er über das traurige Schicksal seines Kameraden und Mttangeklagten von Dit- mar.
Als kürzlich durch die getarnte deutsche und ausländische Presse die Nachricht von der Erschießung meines Freundes Max von Ditmar, eines der Teilnehmer am Moskauer Studenten« Prozeß, verbreitet wurde, erhielt ich eine ganze Reihe von Anfragen, die nicht bloß das tragische Ende, sondern auch die vielumstrittene Persönlichkeit des jungen baltischen Studenten betreffen. Da es mir unmöglich ist, einzeln darauf zu antworten, wähle ich diesen Weg und hoffe, durch Veröffentlichung von bisher unbekanntem Material das Dunkel, welches über dem Schicksal Ditmars schwebt, einigermaßen zu erhellen.
Man hat seinerzeit, als wir drei Studenten vor der außerordentlichen Kommission des Obersten Gerichts von Sowjetrußland standen, Ditmar einen Provokateur genannt, der feine beiden Kameraden durch eine falsche Beschuldigung dem Henker ausgeliefert hätte. 3a, man nahm sogar an, Dilmar sei noch während seiner Studienzeit in Berlin Geheimagent der bolschewistischen Tscheka gewesen und hätte Wolscht und mich nach Moskau gelockt. 3ch habe das nie geglaubt, well verschiedene Umstände dagegen sprachen. Heine Stellung vor dem Gerichtshof, wo er in aller OesfentÜchkeit ein reuemütiges Schuldbekenntnis ablegte, mußte allerdings recht eigenartig wirken. Aber diejenigen, welche bei dem ganzen Prozeß nicht auf die Person, sondern auf den politischen Hintergrund schauten, werden schon damals gewußt haben, bah wir drei Angeklagten nur die Werkzeuge in den Händen der Sowjetrepublik gewesen sind und daß man nicht auf das Verhallen vor Gericht, sondern vielmehr auf die Vorgänge während der Untersuchungshaft sein Augenmerk richten müsse. Trotz der ..Ocfsentlichkeit" des Prozesses hat die G.P.U. diesem selbst mit den schwersten Sorgen und Befürchtungen entgegengesehen und alle nur denkbaren Vorkehrungen getroffen, um die drohenden Enthüllungen der Angeklagten über ihre Erleb- nifie in der Voruntersuchung unwirksam zu machen. Diese Erlebnisse, von denen bis heute nur ein Dell bekannt ist, entschuldigen und begründen auch die Haltung des bedauernswerten Max von Ditmar, der nicht etwa als Opfer eigener Eharakterschwäche, sondern als SpiÄizeug grausamer Methoden den Ränken der Bolschewisten erlag.
Wie man heute weiß, verfolgte die G.P.U. mit unserem Sensationsprozeß zwei Ziele, von denen sie aber nur eines teilweise erreichte. Außenpolitisch wollte sie in Deutschland Unruhen erregen und gleichzeitig die durch den Leipziger Tscheka-Prozeh zum Tode verurteilten Kommunisten freibekommen, innenpolitisch glaubte sie den Zwiespalt Stalins und Trotzkis beUegen und die feindlichen Lager im Hinblick auf die angebliche Bedrohung durch das westeuropäische Bürgertum wieder vereinigen zu können. Letzteres ist ihr nicht gelungen, obgleich man immer wieder in der Sowjetpresse daraus hinwies, daß wir drei Studenten die beiden einander feindlich gesinnten Führer durch ein Attentat umbringen sollten. Die ganze Anklage war in allen Einzelheiten so kunstvoll ausgedacht worden, daß jeder Laie von der Realität der darin enthaltenen Beschuldigungen überzeugt sein muhte.
Durch die deutsche Sektion der Komintern, an deren Spitze damals der bekannte Heinz Neumann stand, wurde auch in Deutschland die Oef- fentlichkeit zu beeinflussen versucht und öfters nt^/t und ohne Erfolg mit Vorurteilen gegen uns erfüllt. Nur die Einsichtigen und diejenigen, welche uns kannten, erklärten von vornhere'n, daß wir vollkommen unschuldig und höchstwahrscheinlich Opfer der gewissenlosen Unterfuchungs- richter der Moskauer G.P.U. seien, wie es auch tatsächlich der Fall war. Während jedoch Wolscht und ich uns mit allen Kräften gegen die heimtückischen Versuche der G.P.U., uns willfährig zu machen, gewehrt haben, war es dem estnischen Staatsbürger Max von Dii'oar nicht möglich, sich dem drohenden Verhängnis zu entziehen.
Nach der großen Reklame, welche die Bolschewisten vor Eröffnung des Prozeßverfahrens in Westeuropa veransthtteten, muhte es scheinen, als ob wir drei unsere Schuld eingestanden und dadurch der Justiz di^ berechtigte Möglichkeit zu ihrer Anklage geboten hätten. Aber die Sache verhielt sich gerade Umgekehrt: Die Richter hatten die Geständnisse im voraus „h e r g e st e l l t“, wohei s i e allerdings glaubten, die Angeklagten würden in kurzer Zeit dieselben anerkennen. Zuerst versuchte man es bei uns durch einfache Provokation, indem man die inzwischen ebenfalls erschossenen Spitzel Baumann und Gömmerich von Grünwald und daneben den Tschechen Voigt in der gleichen Gefängniszelle unterbrachte. Aber man erreichte auf diese Weise wenig. Es kam darauf an, uns zum freiwilligen Mitspielen in derbevor stehenden Pro?"ßkomödie zu bewegen, denn ohne unser Wollen war die Sache nur halb gemacht. Man wandte nachher die göltet in der Weise an, dah man uns einzeln zur Probe- erschiehung führte. Dieses Experiment hat — wie wohl so mancher andre, der heute über Max von Ditmar hart urteilLw möchte — mein armer Freund leider nicht mehr ruhig aushalten können. Er wurde infolge der beständigen Schrecken zwar nicht geisteskrank, aber doch ganz willenlos und auf diese Weise ein brauchbares Objekt für die Machinationen der bolschewistischen Politik. Nachdem er im Januar 1925 „gewonnen" worben war, versuchte man es mit Wolscht und mir bis zum 3uni erfolglos weiter. Mein einziger Protest gegen den ganzen Terror bildete eine Reihe Längerer Hungerstreiks von zusammen 57 Tagen. Erst als man sich einigermaßen sicher- fühlle, und Max von Ditmar ausreichend mit der ihm zugedachten Rolle vertraut geworden tixir, begann man den Prozeh selbst.
3ch habe damals in meiner Verteidigungsrede, die in Wirklichkeit eine Anklagerede gegen das oberste Gericht in Moskau wär, die Vergewaltigungen während der Voruntersuchung und Ditmars menschlich begreiflichen „Umfall" eingehend geschildert, aber leider wurde davon in unserer Presse wenig bekannt. Die bolschewistische Zensur sorgte dafür, dah alle Nachrichten, welche für die Sowjets unangenehm wirken muhten, nicht ins Ausland gelangten. Die bolschewistische Presse dagegen entstellte und veränderte den Der- handlungÄericht nach Belieben. Schon dadurch waren wir ziemlich isoliert, aber bei Ditmar kam noch als schwerwiegender Umstand seine estnische Nationalität hinzu. 3n jener Zeit waren die Beziehungen zwischen dem russischen Aiesenreich und dem kleinen baltischen Staat nicht gerade die besten. Auf beiden Seiten gab es größere politische Prozesse, die fast alle mit einem Todesurteil endeten, das in manchen Fällen auch vollstreckt worden ist. Wie wenig man sich in Moskau um die Hoheitsrechte Estlands kümmerte, beweist am besten der Fall des Ge-
wird fein, ich entferne mich, wie ich gekommen bin, Unb er hatte schon die Hand am Türgriff — als draußen jemand laut wurde. Luzian beugte sich zum Schlüsselloch herunter; im ungleichmäßigen Oval stand Theodor Struck. Sein Gesicht war entgeistert. Er durchwühlte die Taschen nach den Schlüsseln, und wußte, daß sie auf seinem Schreibtisch lagen. Seine Augen wurden immer kleiner; möglich, daß es eine Folgeerscheinung intens iven 2lachdenkens war. Dann drehte er sich mit einem Fluch auf dem Absatz herum und ging die Treppe wieder hinunter. Luzia t horchte. Er ■ vernahm, wie im Kellergeschoß die Klingel beim Hausmann anschlug, wie Stimmen verhandelten... und die Not gab ihm den raschen Entschluß. Er öffnete die Tür, trat hinaus, lehnte sie handbreit an, ojne sie zu schließen, und schlich sich wie ein Dieb eine Etage höher in feine Wohnung. Diese Tür schloß er fest.
Nach fünf Minuten langte Theodor Struck mit dem Hausmann vor feiner Woynang an. Der Verwalter reckte die Hand mit dem improvisierten Drahtdietrich und stieß gegen das Schloß vor, — da gab die Tür mit einem lächerlichen Quäktvn den Eingang frei. . Der Verwalter schloß ein Auge. Mit dem anderen schaute er Theodor Struck an. Hier spukt es wohl, Herr Doktor, sagte er heiter.
Theodor Struck stand erschüttert. Pardon, sagte er; hier, für Ihre Brmühuirg. Dann betrat er feine Wohnung, ging stracks vor den großen Ankleidespiegel im Schlafzimmer und sah den Mann da im Glas mit einem Blick abgrundtiefer Verachtung an. Pfui Deibel, sagte er, so betrunken ist der Karl!, wandte sich grußlos ab und flieg in das Bett.
Oer MaiLerhorn-Jilm.
Der Film „Der Kampf ums Matterho r n“, der jetzt imLichtspielhausBahn- hofstraße ge,eigt wird, setzt thematisch und stilistisch etwa die Linie fort, die mit den früher geschaffenen, viel verbreiteten und ziemlich populär gctoorie.;en Werken ,»Wunder des Schneeschuhs" und „Der heilige Berg" begonnen wurde.
Die stoffliche Grundlage für diesen jüngsten Ge^irgs- und Alpinisten,ilm bildet jene Absturz» katastrophe, die sich bei der ersten Besteigung des Matterhorns in den sechziger Jahren des
sandten Dirk, über den man auch in Deutschland viel gelesen hat.
Und in diese gespannte Atmosphäre war Max von Di.mar ahnungslos hineinversetzt worden. Der gegen ihn angewandte Terror, dessen Scheußlichkeit nur der ermessen kann, der ihn selbst am eigenen Leibe erlebt hat, spielte ihn den Bolschewiken und damit dem Tod in die Hände.
Kurz nach der Verkündigung des Todesurteils hatte ich Gelegenheit, wenige Minuten mit Max von Di.mar zu sprechen. Man hatte eben Wolscht abgeführt, und ich wartete, dah die Reche an mich käme. Dilmar sah schräg hinter mir, den Blick zu Boden gesenkt, nachdenklich und traurig. Wohl war uns Qlngeflagten verboten, miteinander zu reden, aber* die vier bis an die Zähne bewaffneten Rotarmisten fühlten doch in dieser Minute ein menschliches Rühren und wehrten nicht ab. Ditmar wandte sich plötzlich zu mir herum und sagte:
„Ach ja, es wird nicht alles so heiß gegessen, wie es gebraten ist. Vielleicht werdet ihr (er meinte Wolscht und mich) gerettet. Ich weih es nicht."
Ich: „Max, weißt du etwas von deiner Mutter?"
Er wurde ganz traurig und verneinte. Daraus erzählte ich ihm rasch, was ich wühle. Er bat mich, falls ich gerettet würde, seinen Angehörigen viele herzliche Grüße zu überbringen. Das fei vorläufig das letzte Lebenszeichen.
„Und was wird mit dir geschehen, Max?" frug ich ihn, indem ich wieder an die bevorstehende Erschießung erinnerte.
„Ich werde ein Gnadengesuch an die Sowjetregierung richten müssen und dann......"
In diesem Augenblick rief mich der diensttuende Offizier ab. Wir nickten uns noch kurz zu und sahen dann einander nie wieder.....
Die G.P.U. Halle Ditmar eine hohe Staatsstellung versprochen, und es scheint, als ob er dies geglaubt Hal. Aber er war eben unerfahren und zu jung und nicht zuletzt zu gut, um die Bolschewisten, mit denen er gezwungen Brüderschaft schloß, ganz zu durchschauen.
Solange ich noch in Rußland war — bis September 1926 — habe ich kein Mittel unversucht gelassen, um etwas über den spurlos verschwundenen Gefährten zu erfahren. Ich weih nur, dah er wenige Tage nach einem heftigen Streit mit dem Untersuchungsrichter auf einer Tragbahre aus der Zelle des Innengefängnisses der Lubjanka hevausgebracht wurde. Durch andere Gefangene vernahm ich noch, dah er nie spazieren geführt worden ist, wenigstens sah man fein aus dem Prozeh gut bekanntes Gesicht niemals auf den Eefängnishösen.
Cs kann nicht der geringste Zweifel darüber herrschen, dah ihn die G.PTtt, nachdem sie chn wie eine Zitrone ausgeprehl hatte, durch geheime, außergerichtliche Erschiehung beseitigte. Aus diese Weise ersparte sie sich einen lästigen Zeugen, den sie weder dauernd unnütz im Kerker behalten noch frei Herumlaufen lassen wollte.
Frau von Ditmar, die unglückliche Mutter meines lieben Freundes, hat mir jüngst brieflich einige Mitteilungen gemacht, die zusammen mit anderen mir zugegangenen Nachrichten jeden Zweifel in der gewissenlosen Ermordung aufheben. Der Brief ist ein wahres document humain. Darum sei er auch hier teilweise wiedergegeben:
Mein lieber junger Freund!
Da Sie bis jetzt eine so freundliche Teilnahme an dem Geschick meines lieben Jungen bewiesen haben, so wollte ich Ihnen auch das letzte, was wir von ihm hören werden, nicht vorenlhalten. Auf eine Anfrage hin, welche ich an den estnischen Gesandten in Moskau im Sommer richtete, ob irgend etwas über meines Sohnes Schicksal zu erfahren wäre, hat derselbe die nötigen Schrttte unternommen. Daraufhin hat das russische Auhenkommissarial ........ mündlich mitgeteilt, „dah Max gestorben fei, vermutlich am Herzschlage." . . . Die Gesandtschaft hat nun um eine entsprechende schriftliche Mitteilung resp. einen Toten chein gebeten, welche das russische Auhenkommi sariat zu verschaffen versprochen hat. Für uns ist er nun wirklich tot und, wie
vorigen Jahrhunderts ereignete, und der mehrere Menschenleben zum Opfer fielen.
Im Gegensatz zu den genannten Werken ist also der „Krmps ums Matterhorn" im gewissen Sinn ein historischer Film. Leider hat man sich in der Gestaltung (Manuskript: Dr. Arnold gand, bearbeitet von Nuntio M a I a f o m m a) nicht auf eine sachlich-geschichtliche Reportage der Ereignisse beschränkt, wodurch der Fllm an Wirkung gewonnen haben und zugleich ein sehr zukunftsreiches, wiewohl noch kaum erschlossenes Gebiet berührt haben würde.
Die natürliche Szenerie, die Wetträumigkeit, Großzügigkeit und landschaftliche Schönheit des hochchpinen Schauplatzes, wie auch eine gewisse handgreifliche Dramatik (im primitiven Sinne) und Spannung im Verlauf der an sich einfachen „Handlung" hätten vollauf genügt, ein in sich geschlossenes Werk reihen Berichtes zu schaffen, das gleichwohl seiner Wirkung auf das Publikum sicher gewesen wäre.
Statt dessen hat man die chronikalischen Daten nur als Grundlage freier Neuschöpfung benutzt und um die Matterhorn-Episode eine Handlung herumgeschrieben, die nicht geradezu schlecht oder ungeschickt genannt zu werden braucht, aber doch manches aufweist, was recht anfechtbar erscheint und überdies auch vom Eigentlichen, von der Besteigung und Opfer Dollen Bezwingung des Berges ablenkt.
Die Regie (Mario B o n n a r d und Nuntio Malasomma) bringt eine große Anzahl sehr gelungener Aufnahmen, eine Folge von Szenengruppen, die auch allen denen sehenswert erscheinen werden, die dem Stofflichen dieses Films wenig Reize abgewinnen können, allen allo, die nicht in erster Linie sportlich interessiert sind, und die vor allem den sportlichen Ehrgeiz, jenes „Ideal", von dem der (historisch beteiligte) Engländer Whymper einmal spricht, nicht begreifen können. Eine vielfach vorzügliche Aufnahmetechnik versöhnt mit manchen Aegiemängeln, wie sie sich etwa in der Stilisierung der Eitel, in der überflüssigen Häufung von Großaufnahmen, in der sehr bedenklichen Erscheinung der Kreuze und in der Fehlbesetzung der weiblichen Hauptrolle finden.
2m übrigen bringt die persönliche Darstellung eine Anzahl tüchtiger Leistungen aufs Bild, die durchaus anzuerkennen sind. Vornehmlich ist der
es bei unS Sitte ist, läuteten die Sterbeglocken für ihn von der Kirche, wo Max konfirmiert wurde. Zweifler gibt es auch jetzt noch, die an die Wahrheit der Nachricht nicht glauben, weil in dieser Hölle dort doch alles Lüge ist, und wenn man auch gern daran zweifeln wollte, muh es doch nun endgültig mit dem jahrelangen Hoffen und Warten vorbei fein. — An den Herzschlag kann ich nicht glauben, höchstens in dem Fall, wenn er durch seine Peiniger zu Tode gequält worden ist. Aber viel eher ist anzunehmen, dah man ihn einfach beseitigt hat. Ein Termin, wann der Tod ihn ereilt hat, ist nicht gesagt worden, es kann kürzlich gewesen sein oder schon vor Jahren, — das weih Gott allein, auch alles das, was der arme Junge durchgemacht hat, bis es zwn letzten Kamps gekommen ist! Darüber werden wir gewih nicht eher Klarheit haben, als einmal in der Ewigkeit, wo wir hoffen, einander wiederzufinden."........
Soweit die Mutter. Der Freund aber hat nur den einzigen Wunsch hinzuzufügen, daß diese Tragödie überall bekannt wird und allen, die davon vernehmen, das wahre Gesicht des Bolschewismus enthüllt, um andere vor einem ähnlichen Schicksal zu bewahren. Er ist überzeugt, daß er auf diese Weise im Sinne des unschuldig Hingemordeten handelt, dessen Grab zwar unbekannt ist, der aber im Andenken aller weiterleben wird, die ihn gekannt und mit ihm gelitten haben.
Verein der Freunde des humanistischen Gymnasiums.
W. Am Samstagabend fand im Physikalischen Hörsaal eine Versammlung des Vereins der Freunde des humanistischen Gymnasiums statt. Professor Dr. Büchner, Darmstadt, sprach über »Horaz als Reisebegleiter in Italien".
Die Schönheiten des LebenS und der Welt fc richtig zu schätzen und zu würdigen, in seiner Abgeklärtheit sich über die Mihlichleiten und Unbequemlichkeiten einer Reise, wie sie im Altertum einmal unvermeidlich waren, mit Würde und Humor hinwegzusetzen, sich nie die gute Laune verderben zu lassen, versteht niemand so gut wie Horaz, unser Reisebegleiter. Und seine gute Laune überträgt sich von selbst auf den Redner, sie zieht auch die Versammlung in ihren Dann.
In glücklicher Mischung brachte Prof. Büchner moderne und antike Reifeverhältnisse. Wir begleiten Horaz, der aus seinem Esel auf der Dia Appia dahrnzieht. Grobe Fuhrleute, schlechte Gasthäuser, mihliche Abenteuer und Ungeziefer, nichts kann feine Freude stören, Wir sehen di« heutigen Reisenden im „Rapido", dem modernen Schnellzug, dieselbe Straße fahrend, wir lernen die Tatkraft Mussolinis kennen, der die neue Eisenbahn so rasch zur Vollendung brachte und der Campagnia und den Pontinischen Sümpfen (nördlich und südlich von Rom), ihre Gesund- hettsgesährlichkeit nahm, sie in fruchtbares Ackerland wandelnd. Wurde auch bad Gesicht bet Gegend In etwas geändert, die innere Kolonisation, die sich da zum Vorteil des Lande- vollzieht, sie befriedigt alle, denn bas Alte war hier nicht das Gute.
Der Redner schildert den Reiz der Gärten Roms, der zahllosen Brunnen. Schwer sind alle diese Schönheiten zu erreichen, denn Rom heißt nicht umsonst die Stadt der sieben (und noch mehr) Hügel. Immer greift er auf Horaz zurück, der einmal einen aufdringlichen Begleiter mit der Aufforderung abschreckte, ihn über den gelben Tiber zu den Gärten des Hügels Ianikulus zu begleiten. Horaz, der das Leben nahm, wie es kam, und chm immer die besten Seiten abgewann, getreu seinem Grundsatz: „Nah bei der Stadt (Rom), aber auf dem Lande, da möchte ich leben," vertauschte das schöne Tivoli, die Albaner Berge, sein ihm von Mäzen geschenktes Landgut oder den Aufenthalt an Der See (bei Bajä und Tarent) höchst ungern unb; nur auf Drängen feiner Freunde mit dem Menschengedränge, dem Gewühle der Großstadt.'
mit sparsamen Mitteln wirkenden Eindringlichkeit; der Rollen des Garrel (Luis Trenker) und des Whymper (Peter Voß) zu gedenken; dis beiden zeigten überdies rein sportlich ein sehr beachtliches Können. Von den Chargen feien Paul Graetz und Mac 2a g le n genannt.
Der Film war am ersten Abend sehr gut besucht und dürfte auch fernerhin eine lebhafte Anziehungskraft ausüben. —r—
Oie tthr.
Don Hans Biebaa.
„Das ist eine schöne Uhr", sagte der Hausierer. „Echt Silber, zehn Steine im Werk, unb sie geht wie ein Chronometer."
Schonkeding besah sich die Uhr, öffnete den Deckel.
.Kostet?"
.Zwanzig Mark", sagte der Hausierer, ,eS ist ein Gelenheitskauf".
Schonkeding bezahlte zwanzig Mark und bekam die Uhr.
Fünf Stunden ging sie ausgezeichnet. Dan« blieb sie stehen.
Schonkeding schüttelte sie. Da tidte sie sechs Minuten. Und blieb stehen. Schonkeding nahm einen Schraubenzieher, stocherte im Werk herum. Die Uhr ging drei Minuten. Dann blieb sie stehen. Schonleding nahm Maschinenöl, schönes, weißes Maschinenöl, goß es hinein. Die Uhr ging zwei Minuten. Dann stand sie.
Da ging Schonkeding zu seinem Freunde Pusch. „Ich habe", sagte er, „hier eine Uhr zu verkaufen. Echt Silber, zehn Steine im Werk. Unb sie geht wie ein Chronometer."
Pusch besah sich die Uhr. .Kostet?" fragte er.
„Zwanzig Mark."
„Nein, schüttelte Pusch den Kopf, »zehn Wart würde ich geben.“
Schonkeding nickte. Pusch gab ihm zehn Wart und nahm die Uhr.
Drei Tage ging Schonkeding seinem Srainbe Pusch aus dem Wege. Dann traf et ihn aus der Straße.
„Die Uhr ist vorzüglich", sagte Pusch.
„Wie?" stotterte Schonkeding.
„Ja", nickte Pusch, .zuerst blieb sie allerdings stehen. Aber da habe ich sie aufgezogen/1
„Unb nun?“ fragte Schonkeding,
„Nun geht sie."


