Ur. 4 Viertes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen) Samstag, 5. Zaniiar 1929
Aus Natur und Technik.
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Empfängers nicht hinter denen anderer komplizierter Schaltungssysteme (wie Reflexempfänger usw.) zurück.
Dachdruck verboten!
Die Technik l"t ün verflossenen Jahr im all- gemeinen auf ruhigen Dahnen stetig jortgesch it- ten. (Ausnahmen hiervon machen nur einige Gebiete. die sich als jüngste Ki.rl>er t)eä Menschen geistes noch in der Sturm* und Drungzeit befinden.
Die Forderung nach wirtschaftlicher Erzeugung der Kraft führte zu eingehenden Unter- su-chungen auf den zahlreichen Sonderge^ielem Es schick so, als ob sich der Hochdruckdampf allgemein durchsetzt und die Dirdervruckdampf- maschine mit der Zeit ganz verdrängt. Ein starker Wettbewerber ist die Dieselmaschlne, die in steigendem Maße, U3belD.ü>ere $ur Spitzendeckung, Eingang findet. Ihr bisherrger Dac^ teil, teuereren D.ennst-vfs zu brauchen, wird durch den K o h l e n st a u b d i e s e l m o t o r vermieden, über den erstmalig in diesem Jahre berichtet wurde. In fünfzehnjähriger Entwicklnngsarbrrt waren mannigsacye Schwierigkeiten zu überwinden. Wenn die aus ihn gesetzten S>o,fmmgen in Erfüllung gehen, so ist Um eine große Zukunft vorauszusagen.
Das Bestreben, mit unseren Enecgievorräten zu sparen, führte zur Ausschau nach neuen Kra t- quellen. Sv hat man in England versuchsweise eine Kraftanlage in Betrieb 'genommen, die mit Gas aus Klärschlamm arbeitet Heber den Kläob'cker befinden sich große Det-nglocken, die das so.ist nuhl)s entweichende Grubengas auffangen und einem Gasbehälter zrfühven,^ aus dem eine Gasmaschine von 150 Pferdestärken gespeist wird. Ein geradezu abenteuerlicher Plan zur Schaffung und Ausnutzung einer Wasserkraft größten Stils in Aordasrilazur Derlorgung Aegyptens mit Energie tauchte auf. Man will vom Mittelmeer einen Stichkanal zu einer tief unter dem Meeresspiegel liegendem Senkung in der Sahara bauen und an einer Gesa llstuse von 60 Meter ein Kraftwerk errichten, das mindeftens 170 000 Pferdestärken ausnutzen soll. Aus dem sich in der Senkung bildenden See werden täglich etwa 115 Millionen Liter Wasser verdunsten, so daß der dauernde Wasserzusluß gewährleistet ist
Zu Forschungszwecken ist es der elektrotechni- schen Industrie gelungen, Höchstspannun- gen von 3 600 000 Bolt zu erzeugen, die insbesondere zum Prüfen von Isolatoren dienen. Aehnlichen Zwecken dient eine Gewitterspannungsanlage, die am Monte Generoso bei Lugano errichtet wurde, und mit der man in erster Linie Versuche zur Atomzertrümmerung durchführen teilt
Im Bergbaubetrieb ist das neue Druckluft- versahversahren einMrungsrcif gemacht worden. Die abgebauten Strecken unter Tage müssen bekanntlich wieder ausgefüllt werden, damit das Hangende nicht zu Bruch gehen kcmnr Das geschieht nach dem neuen Verfahren mit Sa:.d, der durch Druckluft mit großer Geschwindigkeit fortgeschleudert wird, und der sich so feststopft, daß er wie eine Betonmasse steht
Die Kokrr.ioetriebe haben durchgreifend: Umstellungen vorgenommen, damit sie möglichst wirt
machen suchten, was ihnen auch gelang. Die Brüder Wright, die ihre Versuche nach den srucht- lofen Verkaufsverhandlungen abgebrochen halten, sahen sich daher gezwungen, an den in Frankreich, in Italien und auch in Amerika ausgeschriebenen Wettbewerben teilzunehmen. Wilbur fuhr daher im Sommer 1908 nach Frankreich, Orville blieb in Amerika. Beide errangen in kurzer Seit nicht nur ihre alte Vorrangstellung zurück, sondern konnten zahlreiche neue Höchstleistungen erzielen. Endlich wurde ihnen auch der woh verdiente klingende Erfolg zuteil: Beträchtliche Wettbewerbs- und Ehrenpreise fielen ihnen zu. In Amerika wurden die Flieger begeistert empfangen. Die (Regierung kaufte ihnen die Erfindung ab —
auch die Versuche, die mit selbsttätiger Flugzeug st euerung gemacht worden sind.
Im Schiffbau gewinnt die Die elmaschine immer mehr (Raum. Der Umbau des alten Kriegsschiffes „Zähungen" zum Fernlenk- schiff, das drahtlos von einem Beg eit chiff aus nicht nur gelenkt wird, sondern auch vie c andere Defeh'e aus.üh.t. z.igt d n hohen Stand der Technik, insbesondere auch der Aachrichten- technik.
Im elektrischen Aachrichtenwesen selosti sind die Fortschritte besonders augenfällig. Die Umstellung des Fern p.echeer.ehrs vom Landauf den S e l b st a n ch l u ß b e t r i e b geht u ex- all rüstig vorwärts. In Bayern ist das Sonder- fernspiechneh der Deutschen (Reichsbahn so weit ausgebaut worden, daß auch der Fernverkehr vol kommen selbsttätig abg w ck lt w rd. DaS ist dadurch möglich geworden, daß Wech e ström zum Fernwahlen benutzt wird. Eine amerikanische Er- sindang, nach der nicht die Gefprächszahl, sondern die Gesprächsdauer berechnet wird, soll sich im Versuchsbetrieb gut bete hrt haben.
Bei der Funktelegraphie hat man dis merkwürdige Beobachtung gemacht, daß dis Wellen als Echo anscheinend aus den 'Delten- raum zurückgeworsen werden. Eine ähnliche Erscheinung tr'tt beim Emp'ang starker Sen.er auf. die säst aut dem Gegenme.idian liegen, wobei sich die auf beiden Seiten um die Erde herum- lausenden Wellen stören. Der Sprechfunk überbrückt immer weitere Ent'crnungen; so tour a bei pielstoei e Ansang deS Jahres von Berlin über Deuyork nach San Francisko gebrochen.
Im Oktober bestand der deuk'che Rundfunk fünf Jahre. In dieser Zeit hat er den Dor prur^ des Auslandes mindestens eingeholt. in manchen Punkten hat er es sogar über lügett. Hiervon [egt die Einsührung des Gleichwellenfunks des Berliner und Magdeburger Senders ein beredtes Zeugnis ab. Der Kurzwellenrund f u n t breitet sich immer mehr aus. Proben hörten wir z.D. bei der He'ertragung des Sebt-c- linemp'angs in Amerika. Einen we enttichen Fortschritt stellt die von Tee unten entwickelteSchir.n- gitterröhre dar. die in Sonderschaltungen eine erhebliche Leistungsste g.rung der Empfänger gewährleistet. Beachtung verdient auch ein neuartiger Trockengleichrichter zum Selbstladcn der Sammler, der aus oxydierten Kupferp'atten aufgebaut ist.
(Reue Wege zur (Rundfunkmu ik wrden in der Funkver'uchsstelle bei der Staatlichen Hochschule für Mustk mit dem Fe r n d i r i g i e r e n beschritten. Der Dirigent und die einzelnen Künstler können sich an ganz getrennten Orten befinden das ihnen durch Kopfhörer zugeleitete Klavierspiel des Dirigenten gibt ihnen Takt und Tempo. Ihr Spiel, das durch Mikrophone ausgenommen wird, und das sie ebenfalls im Hörer zusammen mit dem Spiel der übrigen Künstler vernehmen, wird dann irgendwo auf einen Lautsprecher gegeben. Auch der Tonsilm nach dem Triergon- Bersahren wurde versuchsweise im (Rund,unk verwendet. Es hat den Anschein, als ob hier noch bedeutende Zukun tsmög'ichkeiten offen regen.
Das größte Interesse wird allerorts dem Dild- sunk und ganz besonders dem Fernseher entgegengebracht. Die Bildfunkgeräte sind inzwischen so vereinfacht worden, daß in England. Oesterreich und neuerdings auch in Deutschland versuchsweise regelmäßig Dildsendungen durch (Rundfunksender verbreitet werden. Mit dem Fernsehen sind wir in Deutschland anscheinend hinter Amerika zurück, wo bereits drei Sender arbeiten und sogar schon besonders zugeschnittene Stücke als Hörbilder auf zwei Wellen verbreitet werden. Die diesjährige Funlausstellung hat aber gezeigt, daß auch bei uns lebhaft gearbeitet wird, und zwar mit gutem Ersolg. Man will aber nicht eher an die Oesfentlichkeit treten, ehe nicht wirklich brauchbare und dabei erschwingliche Geräte durchgebildet sind.
Aus der Fülle der Ergebnisse wissen'chaftlicher Forschertätigkeit sei der besonders interessanten Erscheinung gedacht, die sich bei hochfrequenten Schallwellen beobachten lassen. Ein durch elektrische Hochfrequenz zu Schwingungen angeregter Quarzkristall, wie er ja auch als Wellenmesser für Rundfunksender benutzt wird,
Die konstruktiven Derbesserungen des Lautsprechers und der Ueberyang zum trichterlosen System bei geschmackvoller äußerer Formengebung haben sehr roesenllich zur nunmehr oorzugsweisen Benutzung von Mehrröhrenapparaten beigetragen. Was die Beschaffung eines Lautsprechers betrifft, so ist es ratsam, mit Rücksicht aus die Qualität der Tonwidergabe nicht die ganz billigen Preislagen zu wählen, sondern solche von etwa 40 Mark an. Unter der großen Zahl der verschiedenartigsten Röhrenempfänger ist ein volkstümlicher Apparat an erster Stelle zu nennen: die Kombination von Audion und zwei Stufen Widerstandsverstärkung (auch teilweise mit sog. Mehrfachröhren). Diese Dreiröhrengeräte smd in kleinen Kästchen einfach und gefällig zusammengebaut und können von jedem Laien ohne Schwierigkeiten bedient werden. (Einheitspreis mehrerer Fabrikate 39,50 Mark einschließlich Röhren und Derbindungsschnur.) Hauptsächlich zum Lautsprecheremofang des Orts- bzw. Bezirkssenders geeignet, gelingt es auch, einige stärkere auswärtige Sender damit zu Gehör zu bringen, namentlich bann, wenn die Empfangsröhren mit einem Rückkopplungsaudion verbunden sind. Für ben Rundfunkteilnehmer, der bereits einen Detektorapparat besitzt, der aber nur ab und zu den Lautsprecher in Betrieb nehmen will, genügt die Hinzu- schaltung eines Zweifach-Niederfrequenz- bzw. Widerstandsverstärkers, eine Methode, durch welche dank der reinen Detektorgleichrichtung eine besonders klare Wiedergabe erzielt wird. Der vorgenannte Dreiröhrenapparat reicht nicht aus, um größere Entfernungen zu überbrücken und fremde Stationen scharf zu trennen. Der eigentliche Fern- empfanget muß gut selektiv sein, da die Wellenlängen in nur geringen Abständen nebeneinanderliegen, und bedarf zum mindestens einer Hoch- frequenzstufe, die der Empfangsröhre die schwachen Hochfrequenzströme bereits verstärkt zuführt. Eine Verbindung: Hochfrequenzstufe — Audion — einfache oder doppelte Niederfrequenz- bzw. Wider- standsoerstärkung wird sehr viel angewandt und genügt erweiterten Ansprüchen. (Preis etwa 60 bis 100 Mark einschließlich Röhren.) Bei sorgsältlgem Zusammenbau stehen die Leistungen eine» solchen
25 Jahre Molorsiug.
Die ersten Versuche der Brüder Wright.
Ein Dezembertag im Jahre 1903. Kalt und schneidend fegt der Wind durch die Dünen bei Kilty-Hawk in Aordkarolina am Atlantischen Ozean. Ein kleines Häuflein Menschen umsteht einen seltsamen, au8_ Holz und Leinwand zusammengezimmerten Vogel. Jetzt klettert jemand hinein und nimmt etwas links Don_ der Mitte auf der unteren von zwei Trageflächen Platz. (Rechts neben ihm steht ein Benzinmotor, der nun angeworfen wird. Zwei große, rechts und links hinter den Trageflächen angeordnete zweiflügelige Luftschrauben beginnen sich zu drehen, zuerst langsam, dann bei laut knatterndem Motor immer schneller. Der Vogel beginnt vorwärts zu gleiten. Doch ist er auf der Erde. Doch plötzlich macht er sich frei, erhebt sich vom Boden und schwebt, fliegt eine ganze Strecke weit, um sanft und glatt zu landen. Der große Wurf der Brüder Wright war gelungen. Das Flugzeug begann seinen Siegeskauf.
Wilbur und Orville Wright waren die beiden Söhne des Bischofs Milton Wright zu Dayton im Staate Ohio. In dieser Stadt besaßen sie eine Fahrradfabrik. Schon in den neunziger Jahren beschäftigten sie sich lebhaft mit Flugfragen. Sie fanden in dem .Eisenbahningenieur Oktave C h a n u t c einen begeisterten Lehrer, der, von den Erfolgen Otto L i l i e n thals angeregt, mit selbstentworfenen Gleitfliegern im Hügel- gelände am Michigansee zahlreiche Flugversuche anstellte. Der jähe Tod Lilienthals am 10. Aug. 1896 war den beiden Brüdern eine Warnung, mit äußerster Borsicht und Sorgfalt ans Werl zu gehen. Das damals noch recht dürftige Schrifttum über den Bogelslug und die Flugtechnik konnte ihnen nicht viel mehr als allgemeine Fingerzeige geben; fo mußten sie denn nach dem alten Sprichwort handeln: Probieren geht über Studieren. Als besonders brauchbar fanden sie den schon von ihrem Lehrmeister angegebenen Doppeldecker, den sie jedoch ganz wesentlich verbesserten. Alle ihre Flugzeuge haben sie zunächst als Drachen untersucht, ehe sie sich ihnen selbst anvertrauten. Schon frühzeitig erkannten sie die Aotwendigleit eines besonderen Höhensteuers, das sie in Form einer verstellbaren wagerechten Fläche vor den Trageflächen anbrachten. Die nächste wichtige Erfindung war das hinter den Trageflächen angeordnete Seitensteuer, daß aus zwei senkrecht gestellten Flächen bestand. Eine der bedeutendsten Berbesserungen stellte aber die Verwindbarkeit der Haupttrage- slächen dar; durch diese war es ihnen möglich, die wagerechte Lage des Flugzeugs mit geringem Kraftaufwand sicherzustellen, ohne das Körpergewicht nach der einen oder der anderen Seite verlegen zu müssen, wie es bei allen früheren Gleitflugzeugen notwendig gewesen war. Diese drei Steuermittel: Höhensteuer, Seitensteuer und Verwindung finden sich auch heute noch, wenn auch in veränderter Form, als die wichtigsten Glieder bei allen Flugzeugen wieder. Die Wirkung wurde an unbemannten Drachen durch Steuerung mit Schnüren von der Erde aus erprobt. Mit zäher Ausdauer widmeten sich dann die Brüder der Erprobung des Gleitflugzeugs. In den Jahren bis 1903 haben sie mehrere tau- send Gleikflüge ausgeführt. Erst als sie sich vollkommen sicher fühlten, gingen sie an den Einbau eines Motors.
Die (Nachrichten über die gelungenen Motorflüge wurden nirgendwo ernst genommen. Selbst vier Jahre später haben Fachleute nicht an die Tatsachen glauben wollen, obwohl schon im Oktober des Jahres 1905 die Kunde aus Amerika gekommen war. daß die Wrights in einem Dauerflug von fast 40 Minuten etwa 40 Kilometer zu- rüdgelegt hätten. So kam es. daß die Angebote der Brüder auf Verkauf ihrer Erfindung für eine Million Dollar von der amerikanischen und dann auch von der französischen (Regierung ab» gelehnt wurden. Inzwischen waren in Frankreich zahlreiche Männer am Werk, die in wenigen Jahren den amerikanischen Vorsprung wettzu
scbafllich arbeiten können. Die als Debenerzeug- nis anfallenden großen GaZmengen werden von den Industriebezirken als Ferngas to.i er geleitet Die Gewi mung von O e I aus Kohle weist dauernd steigende Ziffern auf.
In Deutschland sind in verstossenen Jahre zahlreiche Hochhäuser teils fertig-«stellt, tells in Qlngiifi genommen worden. Besonders bemerkenswert ist das erste Industriehochhaus Ea- rvpas, das 11 Stockwerke hohe neue Schaltwerk der Sinnens-Schuckert-Werke, A.tiengestllschast.
Das Verkehrswesen hat wichtige Fort- schrille zu verzeichnen. Die Berliner Stadtoahn wurde zum Teil bereits auf den elekt.ischen (Betrieb umgefteUL Der Firma Krupp gelang der Bau einer neuen Wechselstromlokomotive für die übliche Wechselzahl von 50 Perioden. Die Deutsche Reichsbahn hat ihre Versuche mit selbsttätiger Zug st euerung fo tge- setzt mib dabei vorzügliche Ergeb llste mit einem neuen Verfahr en zur Beeinflussung der Bremsen mit einem Lichtstrahl erzielt In Amerika hat man zur Verständigung d.'s Zugführers mit dem Schlußbremser mit Vo.t.il drahtlose Kurzwellen verwendet Zur Aachprüfung der Schienen auf (Risse hat man ebenfalls in Amerika ein neues Verfahren erprobt, bei dem von einem Prüs- toage.i ein niedrig gespannter StiDn über zwei Kontakte durch die Schienen gelei et wird. Beim Lieberfahren eines Schienen.ifses sinkt der Strom, und die Stelle wird selbfttä-ig mit Farbe bespritzt.
Die Internationale Kraftfahrzeugausstellung im Herbst in Berlin vereinte alle namhaften Werke der Welt Einen bemer- ke.iswer.en Fortschritt im Kraftwagenbau stellt die neue selbsttätige Kupplung der Aallonalen Automobilgesellschaft dar, die das Schalten und Kuppeln so gut wie überflüssig macht und für den Kraftwagen da? zu werden verspricht Was für das Fahrrad der Freilau' geworden ist
(Raketenauto und (Raketenflugzeug haben viel von sich reden gemacht Ci te (Reihe teils gelungener, teils mißglückter Versuche hat wohl zu wichtigen Erkenntiiissen geführt, gleichzeitig aber auch gezeigt, daß diese bisher versuchten (Rückstoßmittel wenig geeignet sind.
Die Luftfahrt brachte Deutschland Welt- erfolge. Der O st ° W e st - F l u g Köhls auf einer Iunkersmaschine und die glanzvolle Amerikafahrt unseres neuen Ze p pe l i n l u s ts ch i f - fes sind noch In aller Gedächtnis Die wertvollen Erfahrungen, die der Lustschiffbau Zeppelin gesammelt hat, sollen beim Bau ei res neuen Schisses verwertet werden, das 1930 seine ersten Fahrten aufnehmen soll. Auch die bisher vernachlässigten Fragen des Lu'tschi fhallenbaues wurden insbesondere gelegentlich der glänzend beschickten Internationalen Luftfahrt- ausstellung ins richllge Licht gerückt. Die technisch richtige Lösung ist die drehbare Halle, und eine solche soll auch bei Berlin gebaut werden, das als Haupthafen cmserfehen ist. Im Flugzeugbau stellt die Verwendung von Spalt- flügeln einen sehr beachtenswerten Fortschritt dar, da hierdurch die Sicherheit des Fliegens ganz wesentlich gesteigert wird. Belangreich sind
allerdings für eine erheblich geringere Summe, als sie ursprünglich gefordert worden war.
Die Fortschritte, die in den seither verflossenen 25 Jahren gemacht worden sind, konnten nicht sinnfälliger vor Augen geführt werden, als in der diesjährigen Internationalen Luftfahrlausstellung zu Berlin. Vom ersten Wrigthfchen Motorflugzeug bis zum drei- und viermotorigen Ganzmetall-Berkehrsflugzeug — weich' ein Weg! Unb doch stecken wir erst In den Anfängen eines Weltluftverkehrs. Die Technik schreitet mit solchen (Riesenschritten voran, daß heute wohl noch niemand Voraussagen kann, wohin uns die Entwicklung der nächsten 25 Jahre treiben wird!
W. B.
großer Beliebtheit erfreut
Die Reihenfolge, die in vorstehendem kurzen llederblick über die gebräuchlichsten Radioempsanas- apparale gegeben ist, wird auch für den Selbst - bau sich als zweckmäßig erweisen. Ein gewisses physikalisches Derständnis ist hierbei Voraussetzung, und insbesondere bei dem Betrieb von Rückkopp- lungs- und Mehrröhrenempfängern sollte man sich über die elektrischen Vorgänge unbedingt klar sein. Um wirkliche Freude an dem gebastelten Gerät zu erleben, fängt man nicht — wie so häufig beobachtet — etwa mit einer sogenannten ,,Röhren- Kunstschaltung", mechanisch nach Plänen zusammen- gestellt, an. Schon der Bau des einsachsten Empfängers ist bei vollkommenem Erfaßen der Materie sehr instruktiv, und der Ehrgeiz, das so interessant« und umfangreiche Gebiet der Hochfrequenzströme weiter kennenzulernen, wird dann den Bastler von selbst zum Bau eines Mehrröhren-Gerätes führen.
Die im Handel befindlichen Fünf- und Sechs-Röhrenempfänger sind zumeist nach dem N e u t r o d y n e - Prinzip geschallet. In ihrer modernen Form find diese Apparate so konstruiert, daß sie nur mit einem Knopf abgestimmt zu werden brauchen und die Stationen auf einer nach Wellenlängen cichbaren Skala eingetragen werden können. Die Ergebnisse sind ganz vorzüglich; infolge der scharfen Selektivität werden unter Ausschaltung des Ortssenders fast sämtliche europäischen Sender im Lautsprecher empfangen, zum Teil bei Benutzung einer Rahmenantenne. Allerdings belaufen sich die Anschaffungskosten dieser Apparate, die auch mit eingebauten Netzanschlußgeräten geliefert werden, auf mehrere hundert Mark. Als vollkommenster Empfänger schließlich erscheint der Superheterodyne-Apparat. ein Trans- ponierunasempfänger mit sechs bis zehn Röhren, der sich besonders in Amerika wegen feiner Reichweite, Lautstärke und Reinheit der Uebertragungen
Die Wahi des Empfangsgerätes.
Von Dr. Alfred Fricke.
Der Kreis der Rundfunkteilnehmer, welcher während der Sommermonate sich nur wenig vergrößert, gewinnt erfahrungsgemäß im Winter um so mehr an Ausdehnung. Mit den langen Abenden wendet sich das Interesse wieder verstärkt dem Radio zu; Apparate werden gebastelt, die alte Empfangsanlage wird verbessert, oder durch einen modernen Empfänger ersetzt. Besonders aber im neuen Jahre dürste sich die Zahl der Radiofreunde vermehren, da, wie die letzte Berliner Funkausstellung gezeigt hat, ein gewisser Höhepunkt in der Ausbildung der Empfangstechnik erreicht ist. Die heutige Vervollkommnung der Geräte, welche in der Einfachheit des Aufbaues und der Bedienung zum Ausdruck kommt, wird neben der Verbilligung vielfach dazu bewegen, eine Empfangsanlage anzuschaffen. (Dabei tauchen stets die Fragen aus: Welcher Art muß das Empfangsgerät fein, das ich mir kaufe ober baue, und wie teuer stellt sich die Anlage?
Dem Laien hierfür einige Richtlinien zu geben ist der Zweck dieses Aufsatzes.
Als batterieloser, einfachster und billigster Empfänger sei zustächst der D e t e k t o r a p p a r a 1 genannt. Obwohl dieser durch die Bevorzugung des Lautsprecherempfanges, welcher nur mittels Rohren- gerät ermöglicht wird, etwas in den Hintergrund gedrängt ist, erfüllt er doch da feinen Zweck ausreichend, wo man sich — in der Nähe einer Sendestation — mit Kopfhörern begnügen will. Die Entfernung darf bei einer Röhrenleistung des Senders von 0,7 bis 1.5 KW bis zu etwa 15 Kilometer, bei 4 KW Röhrenleistung bis zu etwa 70 Kilometer und bei Stationen mit noch größerer Energie, z. B. 20 KW, etwa 200 Kilometer betragen. Dabei ist nicht die Voraussetzung einer Hochantenne gemacht, besser natürlich, wenn sie vorhanden Wird der Apparat fertig gekauft, so stellen sich die Kosten aus etwa 10 bis 20 Mark einschließlich Detektor. Hierzu kommen die Kopfhörer mit 10 bis 12 Mark, ferner (wie auch für andere Empfänger erforderlich) An-
Rückblick mtf die Technik des Jahres 1928.
Von Wilhelm Buchmaun.
tennenlitze, Schnüre, Klemmen, Stecker, Erdleitungsdraht ufw., zusammen etwa 3 bis 5 Mark.
Für alle übrigen Empsänger, die Röhrenapparate, ist gemeinsam, daß fremde Stromquellen benötigt werden. In Deutschland sind heute zumeist noch Batterien im Gebrauch: ein Akkumulator kostet je nach der «Anzahl der Zellen und der Ampere-Stunden 10 bis 40 Mark, eine Anodenbatterie 6 bis 18 Mark. Bei mittlerer Inanspruchnahme hat die Anodenbatterie eine Lebensdauer von etwa 6 bis 8 Monaten; der Akkumulator muß nach etwa drei- bis oiermonatlichem Betrieb aufgeladen werden. Der Vollständigkeit halber feien die Heizelemente (Preis etwa 2 bis 3 Mark) erwähnt, welche dann in Frage kommen, wenn nur eine oder zwei Rohren mit kleinem Stromverbrauch (ohne Lautsprecherbetrieb) zu beheizen sind. — Wie in Amerika schon länger, so geht neuerdings auch bei uns die Tendenz dahin, die elektrische Kraft aus dem Leitungsnetz zu entnehmen, um die Batterien überflüssig zu machen. Es gibt hier mehrere Methoden, die zu beschreiben in diesem Rahmen zu weit fuhren würde. Nur soviel möge gesagt sein, daß sich unter den Netzanschlußapparaten für die Zukunft wohl die Gattung durchsetzen wird, welche als selbständiges Vorsatzgerät sowohl Beheizungsstrom liefert, als auch zur Speisung der Anoden dient. Diese Typen haben vor solchen, die mit dem Empfänger zusammengebaut sind, den praktischen Vorteil, daß sie gesondert beschafft (da meistens ,dsr Empfänger bereits vorhanden ist) und beliebig an verschiedene Empfangsapparate und Verstärker an- geschlossen werden können. Außerdem ist es bei getrennter Apparatur leichter möglich, eine etwaige Fehler- oder Störungsquelle zu finden und zu> beseitigen. Einer allgemeinen Einführung der Netzanschlußgeräte stehen zur Zeit noch die nicyt geringen Anschaffungskosten entgegen, wobei abu andererseits zu bedenken ist, daß Batterien ersetzt- , : bzw. geladen werden müssen. Die Preise für Netz- apparate zur Entnahme des Heiz- und Ano^n- । stromes bewegen sich etwa zwischen lo0 bis 2o0 1 Mark, für solche zur Entnahme des Anodenstromes | allein zwischen 80 bis 150 Mark.


