Donnerstag, 4. April 1929
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Nr. 18 Dritter Blatt
Die Lag- im April
ketten.
*
k
'Wie fchön, wie herrlich, lieber Herr Dolden-
Hamburg zurückgekehrt. Diesem jungen Manne
„Wie schon, tote yerrticy. neoer yetr -ui kam-; ach, ich kann es noch gar nrcht fassen!
1 „Ich auch nicht so ganz: aber es ist die
volle
Wahrheit. Mir scheint, Sie haben ihr Mut ge-
Im Gegenteil, man begann, nachdem suh der . erste Sturm der Entrüstung, den Isa geschickt durch völliges Einsiedlerleben umging, gelegt l
(Fortsetzung folgt.)
zu amüsieren." ,
„Die ganze Kolonie, Isa? Irrst du dich da nicht. Diele denken anders."
Geh' mir weg mit den Moralisten. Cs sind Heißer, weiter nichts. Verblühte Frauen, deren Männer mir die Cour schneiden und die mir deshalb etwas am Zeuge flicken wollen. Haha'., wenn mein gestrenger Herr Chegemahl glaubt daß ich hier inzwischen Trübsal blase und ich ihn als demütige Büßerin empfangen werde, glücklich, daß er überhaupt geruht, heimzukchren, so irrt er sich. Das Kind soll, wenn es schon sein muh. ohne seine Anwesenheit geboren werden. Ich könnte ihn gerade dann nicht um mich vertragen. Meine Rache ist es, das) er die Geburt fernes Kindes erst zufällig von Freunden hören soll. Und überhaupt, das Kind, es ist einfach entsetz-
1 sich! Ri, wenn es doch nicht leben würde!'
verdanke ich meine Weisheit.
Run begrabe vor allem Demen törichten Stolz, und geh' zu Cggenbrecht, und sage ihm, wie unrecht er Dir damals getan hat. Andernfalls, bei Gott, ich mache mich noch auf meine alten Tage auf die Strumpfe, um die dumme Geschichte ins Lot zu bringen.
2llso such' Dir Dein Glück, und wenn Du es gesunden hast, so schreibe es Deinem
alten Onkel Luhrmann.
Bleich lehnte Brigitta Hottermann in ihrem
Sie hatte sich ihr Leben ganz nach ihrem Geschmack und Gutdünken eingerichtet.
Die Prophezeiung Herrn Amerys, daß sie nach dem Skandal der völlige Boykott der Kolonisten treffen würde, war nicht erngetrosfen. _
m°QI6cr das Heim; was wird aus der Anstalt ^Sta^will alles verkaufen, Schwester Brigitta, oder auch verpachten."
Brigitta weinte. „
„Das ist ein Freudentag, Herr Boldenkamp , agte sie dann nach langer Zeit des Stillschwei- 9Cnj|tn wahrer Freudentag, liebe Schwester. Gott erhalte Christiane Lührmann gesund, damit sie die lange Reife gut übersteht"
Später sah Brigitta noch bis tief in die Rächt auf ihrem Ballon und sah hinab auf den Pazifik.
Sie träumte von dem liebsten Mann, der ihr so nahe, so nahe war! *
Die nächsten Tage vergingen für Brigitta Hollermann im Glücksrausch. , „r _
Dann aber kamen auch wieder trübe Tage
Oie bankrotte Llhrmacherstadi.
Glashütte meldet Konkurs an. - Gin Opfer der Zndustriekonzentration. Das Kunstwerk der Lthr. — Deutsche Uhrenfabriken arbeiten für den Geschmack aller Bö ker.
dieser kleine Uhrteil im Laufe eines Menschenalterc zurücklegt, wenn man bedenkt, daß die Gesamtzahl seiner Schwingungen im Jahr eine Strecke von 46 800 Kilometer ergeben würde. Selbstverständlicl gibt es gerade unter den Uhren kleine Kunstwerke die außerordentlich kostbar sind. So zahlte der amerikanische Finanzmagnat Morgan vor einigen Jahren 260 000 Mark für eine kleine Fingerring- uhr, die er von einem deutschen Sammler kaufte Eine der wertvollsten Uhren der Welt dürfte ernt gotische Standuhr aus dem Jahre 1430 sein, die aus dem Besitz des Herzogs Philipps des Guten von Burgund stammt. Alles an dieser Uhr ist .Handarbeit, die Gehäuseteile werden durch etwa hundert Keile und Oesen zusammengehalten, da sich an dei Uhr keine Schraube befindet. Neben diesen kostbaren altertümlichen Uhren gibt es moderne Pendeluhren die ebenso teuer sind, da ihre Abweichung von der mathematisch genauen Zeit nur 0,008 Sekunden
Die blonde Frau lachte hart auf, und entgegnete kokett, an ihrer Zigarette ziehend:
Hat er etwa all die Zeit nur ein einziges Mal nach mir gefragt, Ri? Ging er nicht ohne Abschied von mir? Keinen Brief, keine Entschuldigung sand er für mich. Habe ich ihm gegenüber eine Verpflichtung? Ich verachte ihn!"
Isa, sprich nicht so von deinem Mann", wehrte ihr Ri von Salden. „Ist es ein Wunder, wenn er im Zorn von dir ging? Hast du dich nicht danach betragen? Mußte es einen Mann wie ihn nicht beleidigen, was du ihm angetan hast?
„Ri, du übertreibst, genau so, wie er es tat und dieser Mister Amerh. Sind die Ansichten der Kolonie nicht auch etwas wert? Heberall fand ich offene Arme und lebhaftes Bedauern, daß ich einen solchen Barbaren zum Manne habe, der mich einfach sitzen läßt, um sich, ohne nach mir zu fragen, monatelang in Hongkong
Die Liebe derBrigitta Hollermann Vornan von Elisabeth Ney.
^^Der Brief war ihren Händen entglitten und zu Boden geflattert.
Sie merkte es nicht. .
„Hans-Iörg, Hans-Iörg!" schluchzte fie crloft unter Weinen und Lachen zugleich. »So ist er ee ^Lange^saß sie dann in Glück versunken, bis sie plötzlich aufschreckte, da man nach ihr gerufen ^Fast mechanisch erhob sie sich und tilgte schnell die Tränenspuren in ihren Augen.
Hans-Iörg Eggenbrecht war in China.
So hatte sie sich neulich auf dem kleinen Dachgarten des Cafes nicht getauscht, als sie Hans- Iörg Eggenbrecht zu sehen geglaubt hatte.
Llnd plötzlich wußte sie, daß sie Nichts selbst zu tun brauchte, um eine Begegnung mit ihm herbeizuführen. Das Schicksal hatte es so,gefugt, daß sie ebenfalls nach China fuhr; es wurde sie nut Hans-Iörg eines Tages für immer zusammenführen, von ganz allein, ohne ihr Zutun.
Bald, ach, vielleicht schon bald!
„Schwester Gitta, Schwester Gitta! erscholl es von unten herauf.
Brigitta eilte auf den Balkon. .
„Ich komme, ich komme! rief sie hinab, und aus ihrer Stimme erklang heller Glücksiubel.
Als dann der Abend kam. sah Brigitta, wie immer, mit Herrn Boldenkamp auf der Haus- ^Boldenkamp sprach nicht und sah beinah feierlich verklärt in die Stille des Parks.
Brigitta merkte es kaum, denn auch sie war vollständig mit ihren Gedanken beschäftigt.
„Liebe Schwester Gitta", erklang es da leise von des alten Mannes Lippen. .Sie haben nur Glück, endlich das Glück gebvacht."
„Das Glück?" fragte sie, verständnislos auf- schauend. . .
Er nickte lächelnd, und sagte beinah verlegen-
„Christiane Lührmann hat nur m dem Briese, der dem Ihren beigefügt war. geschrieben, daß sie kommen toill, wenn — wenn ich sie, die alte Frau, jetzt noch haben wollte."
Schwester Christiane kommt, kommt nach China, nach Hongkong!" rief Brigitta, aut» ^Ia^Uebes Kind, sie kommt, wenn ich sie rufe. Unß ich habe sie bereits gerufen. Dor einer Stunde schickte ich ihr ein langes Telegramm.
voll Bangigkeit und Verzagen.
Brigitta sagte sich wieder und wieder daß es doch wohl leicht möglich sei, daß Eggenbrecht schon lange nicht mehr an sie dächte und eine andere Frau liebgewonnen habe.
Warum schrieb sie ihm nicht einfach oder gab ihm auf andere Weise ein Lebenszeichen?
Ätzer die Scheu, irgendetwas Schlimmes zu erfahren, hielt fie vor diesem Schritt zurück.
Rein, sie wollte lieber still warten, wie es das Schicksal entscheiden würde.
Herrn Boldenkamp begleitete sie Nicht mehr nach Hongkong hinab, so oft er sie auch dazu aufforderte. . _ .
Sie zitterte bei dem Gedanken, vielleicht mit Hans-Iörg Eggenbrecht zusammenzutreffen, und obwohl sie sich verzehrend nach ihm sehnte, beschlich sie doch bei diesem Gedanken stets eine unerklärliche, nervöse Angst.
So schwankte sie in einem Zustand von Gluck und Hoffen, von Angst und Verzagtheit, und voll heißen, bangen Sehnens.
Der Antwortbrief an SamtatSrat Lichrmann lag noch immer unvollendet in ihrer Schreibe- Mappe. Sie fürchtete sich, dem alten Manne ihre Mutlosigkeit einzugestehen und wußte nicht, was sie beginnen sollte.
Währenddessen verbrachte Isa Cggenbrecht nun schon den siebenten Monat im Hause Ri von
Besser als die Glashütter Uhrenfabrikanten hat es die übrige deutsche Uhrenindustrie verstanden, sich der modernen Entwicklung cmzu- passen. Im Jahre 1927 vollzog sich eine weitgehende Rationalisierung der deutschen Uhrenfabriken; kleinere Betriebe wurden von den größeren Werken aufgesaugt, so daß schließlich zwei große Gruppen übrigblieben. Die erste Gruppe steht unter Führung einer großen Aktien • Gesellschaft in Schramberg, die zweite wird von dem Ort Schwenningen aus beherrscht. Beide Konzerne arbeiten eng miteinander zusammen; sie tauschen Erfahrungen aus und versuchen, ihre Erzeugnisse weitgeheno zu typisieren. Auch sollen all die kler- nen Einzelteile genormt werden, aus denen eine Uhr zusammengesetzt wird. Ist man doch in letzter Zett sogar zur Einführung der Fließarbeit bei der Uhrenfabrikation übergegangen. Man will daraus hinarbeiten, daß jede Fabrik bestimmte -t^pen serienweise herstellt. Durch diese Aufteilung hofft man, den Preis bedeutend ermäßigen zu können.
Zu all diesen Maßnahmen hat die deutsche Uhren- industrie greifen müssen, weil ihr Absatzgebiet in den letzten Jahren bedeutend zusammengeschrumpft ist. Während früher deutsche Uhren in die ganze Welt hinausgingen, lstiben Frankreich und 31a11 en in den letzten Jahren den Weltmarkt mit billigen Uhren überschwemmt, so daß die deutsche Industrie etwas ins Hintertreffen geraten ist. In- letzter Zeit kauft das Ausland freilich wieder mehr. Allerdings bestellen die ausländischen Käufer keine typisierte Uhren. Sie verlangen Erzeugnisse, die ihren Abnehmern gefallen, und so sieht denn der Muster- raum einer großen Uhrenfabrik, die mit dem Aus- land arbeitet, wie ein kleines Museum aus. Die deutschen Käufer wollen solide Uhrgehäuse aus Eiche oder Nußbaum. Frankreich verlangt hohe Standuhren, England kauft nur Uhrgehäuse, die durch ein bestimmtes Verfahren em altertümliches Aussehen erhallen. Dem Geschmack der Südamerikaner entsprechen nur Regu- latoren, deren Gehäuse mit Aufsätzen und Holzer- nen Zierraten geschmückt sind. Bisweilen entdeckt man bei uns noch derartige prunkvolle Geschmack- losigkeiten in den guten Stuben vergangener Jahr- zehnte. In romanischen Ländern scheint heute noch immer die weibliche Lronzefigur beliebt zu sem, die in ihrer Hand eine goldglänzende Pendeluhr hält. Merkwürdige Wecker müssen für den 5 .t n e - fischen Markt geschaffen werden. Das Staufer« publikum in China will nicht durch em schrilles Klingelzeichen, sondern durch einen kleinen Spielautomaten geweckt werden, der den Schläfer mit einem Lied überrascht. Die Inder scheinen eine
Um die Facharbeiter sorgfältig auszubilden, l)at man in Glashütte eine Uhrmacherschule errichtet, die von Schülern aus allen Weltgegenden, aus Südamerika, Indien, Afrika und Australien, besucht worden ist. In unseren Tagen, in denen die Industrie auf eine weitgehende Typisierung und Verbilligung aller Gebrauchsgegenstände hinarbeitet, kann ein so kostspieliger Fabrikationsvorgang, wie er in der Feinmechanikerstadt üblich ist, sich nicht mehr rentieren. So ist denn die Glashütter Uhrenindustrie mehr und mehr zurückgegangen und steht heute vor besonders großen Schwieng-
Die „Iagd im April" könnte mit wenigen Worten geschrieben sein, wenn wir entsprechend der Auffassung der meisten Richtjäger und leider auch mancher Iäger darunter nur die eine Frage zu beantworten hätten: „Was gibt es denn jetzt zu schießen?" Denn wenn wir nur diese Frage beantworten, dann sind wir, zumal für unser engeres Gebiet, bald fertig. Das meiste Wild hat Heg 5 i , und die der Iagd freigegebenen Arten kommen meist bei uns nicht vor. In Wirklichkeit ist der April jagdlich ein recht wichtiger Monat. Denn von seinem Verlauf und von der Tätigkeit des Weidmannes in jener Zeit hängt für das Ergebnis des Iagdjahres sehr viel ab.
Rotwild und Rehwild haben Schonzeit. Die Hirsche haben abgeworfen, die Böcke dagegen haben den Aufbau ihres Gehörnes beendet und fegen. Plätz- und Fegestellen zeigen dem Weidmann, wo ein Bock seinen Wechsel hat, und er wird bald versuchen, sich über ihn Klarheit zu verschaffen und prüfen, ob er für den Abschuß in diesem Iahr in Betracht kommen durfte oder nicht. . .. ...
Die Bachen frischen. Für den Weidmann ist die führende Bache geschützt, und er wird ihre Frischlinge nicht durch Abschuß der Mutter dem Hungertode überantworten.
Die Hasen Hochzeit ist in vollem Dange. Im Gebüsch, in allem Gras und an ähnlichen Dek- kung gebenden Plätzen seht die Häsin.
Das R a u b w i l d. Fuchs. Marder. Iltis usw heckt. Infolgedessen ist seine Raubtätigkeit fetzt besonders stark. .,. . _
Auerwild und Birkwild stehen m der Balz und haben Schuhzeit.
Äe Schußzeit für Waldschnepfen endete in Hessen am 31. März, während sie m Preußen bis zum 15. April währt. Der diesiahnge Schnep- senstrich weicht in seinem Verlauf von dem gewohnten völlig ab. Eine systematische Bearbeitung der Schnepfenmeldungen aus diesem Frühjahr wird für die Frage des Schnepfenzuges und der Lager- und Zugschnepfen, von besonderer Bedeutung werden. _
Sumpfschnepfen dürfen auch in Hessen noch bis zum 15. April gejagt Werden. .
Die Feldhühner paaren sich und beginnen mit dem Gelege, wenn sich ihnen genügend Deckung bietet. . „ . .
Die Wildtauben stellen sich in allen Drei I Arten wieder ein, von denen die Ringel-
Copyrigtit by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale). 22 Fortsetzung Nachdruck verboten.
Brigitta ließ für kurze Zeit das Schreiben sinken und sah gedankenverloren vor sich hin.
Hatte sie unrecht getan, als sie die Lie^ dieses sympathischen, ernsten Mannes zuruckwies?
Ich konnte doch nicht anders; ich liebe ja immer nur den einen Hans-Iorg! flüsterte fie ^Hastig ^l'egle sie nun den Brief fort und öffnete den des alten Sanitätsrats. Er lautete:
Liebe kleine Gitta, Du braves, tapferes
Was meine alte Christiane kann, darf iw mir als Dein Onkel erst recht erlauben. Ich nenne Dich einfach ebenfalls Du. ^Bist mir nun einmal ans Herz gewachsen, liebes Richt- chen. Wenn ich des Abends so einsam mit der Pfeife in meiner gemütlichen Klause sitze, betreut von der alten Jürgens, so kommt es wohl vor, daß wir beiden 2llten ins Plaudern geraten Gesprächsthema ist dann die Brigitta Hottermann, die auszog, um das Glück zu guck' nur nicht gar so erstaunt auf das Briefblatt, und denke nicht etwa, daß der alte Onkel da närrisches Zeug zusammenfaselt. Ich bleibe dabei. Brigitta Hottermann zog aus. um das Glück zu suchen. . . , -
Wirst es gewiß finden, Heine ©üta. Denn wenn Du es auch noch nicht ahnst, er ist dir be-
Kannst* Surgut raten? Oder ahnst Du schon ^Oleht, Du kannst es nicht. So Witt ich es Dir verraten. Weih ich es doch auch erst seit gestern mit einiger Bestimntthett.
Doktor Hans-Iörg Eggenbrecht. der Bose- wicht, der Herzensbrecher, ist gefunden! Er ist in China, und so viel ich weiß, treibt er ui Schanghai sein ehrsames Handwerk als approbierter Arzt.
Was sagst Du nun, hebe Richte >
Siehst Du, und dies ist der Grund, daß ich mich, sonst allen Briefschreibereien abhold, sofort an den Schreibtisch setzte.
Alles andere überlasse ich nun Dir selbst» Du wirst am heften wisten. wie Du «ne»w nung herbeiführen willst. Wie ich alles erfuhr, will ich Dir nun auch noch berichten.
Es war auf einer Aerzteversammlung. Zufällig sah ich dort einen jungen Kollegen, von dem ich weih, daß er viel in Eggenbrechts Gesellschaft wellte. Er war lange Zeit im Rheinland als Assistent eines Sanatoriums tätig gewesen, und ist erst dieser Tage nach
Geräumige Werkstätten, in denen Uhrmacher mit unendlicher Geduld und Sorgfalt Rädchen und Schrauben zusanunensetzen, Läden, in denen Hunderte von Weckern, Wanduhren und Taschenuhren ticken — an diese Bilder denkt man, wenn der Name der Stadt Glashütte genannt wird. Wer die Vorstellung von dem betriebsamen, mtt Aufträgen aus aller Wett reichlich versehenen Uhrmacherzentrum ist leider überholt. In den letzten Monaten sind viele Werkstätten geschlossen worden: unter den geschickten Händen der fleißigen Mechaniker entstehen keine Uhren mehr, denn die kleinen Wunderwerke der Technik finden nicht genügend Absatz. Zusammenbrüche und Betriebsstillegungen sind an der Tagesordnung. Sogar die Stadt Glashütte hat jetzt ihren Bankrott erklären müssen! Nicht einmal die Zinsen der Anleihen, die die Stadt in den letzten Jahren aufgenommen hat, können bezahtt werden, und die Gläubiger werden ihre Hand auf das Gemeindevermögen eines Ortes legen, dessen Name weltberühmt ist. Schon vor einigen Jahren ging es dem Ort nicht gerade glätt- zend. Damals griff die Kreishauptmannschaft Dresden ein und ernannte einen Regierungs- kommifsar, der für die Sanierung von Glashütte sorgte. Die Notlage der Glashütter Uhreninduftne, die die sozialen Losten der Gemeinde dauernd an« wachsen ließ, hat nun den finanziellen Zusammenbruch des Städtchens herbeigeführt.
Beinahe spurlos sind die letzten zwanzig Jahre an der sächsischen Uhrenstadt vorübergeganaen. 3000 Einwohner zählte Glashütte im Jahre 1910, und 3100 wohnen heute dort. Wohl machte sich in den Jnflationsjahren ein Wandel bemerkbar: der Export der Uhrenindustrie wuchs, neue Arbeitskräfte mußten eingestellt werden. Die letzten Jahre haben diese Entwicklung wieder rückgängig gemacht; die Betriebe haben sich wieder verkleinert, die Stadt ist in ihre beschauliche Ruhe zurück- gekehrt. Don seinem Denkmal auf dem Marktplatz blickt Ferdinand Adolph Lange, der Begründer der Glashütter Uhrmacherei, noch immer auf die sauberen, gutgepflasterten Straßen. Mit staatlicher Unterstützung hatte Lange unter Einsetzung seines privaten Vermögens den damals unbekannten Ort Glashütte um 1850 herum zur fach, fischen Uhrenstadt gemacht. Aus seiner Lehre gingen die Meister hervor, die die kostbaren Taschen- Uhren — sogenannte Präzisionsuhren — herstellten. Wer nicht nur die Taschenuhren wurden in Glashütte angefertigt, sondern auch alle em- zelnen Uhrteile, mtt Wsnahme der Zifferblätter und Spiralfedern, wurden dort fabriziert. Die Glashütter Uhren genosien bald Weltruf. Jeder Käufer wußte, daß eine Uhr, die in Glashütte hergestellt war, zwar nicht überaus billig fein konnte, aber dafür unbedingt zuverlässig war. Besondere Mühe gab man sich stets mit der genauen Regulierung der Uhren, in den verschiedensten Temperaturen. In Eiskammern und in Wärmeöfen, in denen die Uhr eine Temperatur von 36 Grad aushallen mußte, wurde die Regulierung vorgenommen.
All die kleinen Telle, aus denen sich eine Uhr zufammenfetzt, werden von Heimarbeitern in mühseliger Arbeit angefertigt Müssen doch bisweilen Zäpfchen hergestellt werden, von denen die schwächsten den 800.Tell eines Millimeters mefien.
taube in diesem Winter in erstaunlich großer Zahl durch die Eichelmast zum llebertointcrn veranlaßt wurde. , ,
Mag so der Iäger auch einmal Gelegenheit haben, eine Bekassine mit nach Hause zu bringen oder den rufenden Täuber anzuspringen oder zu locken, so bleibt doch die Wildpflege die Haupt tätigkeit des Weidmannes. Hierin bietet sich ihm ein reiches Tätigkeitsfeld.
Im Walde sind Pirschsteige zu rechen und Hochsitze zu bauen. Beide Einrichtungen dienen nicht nur der Erlegung des Wildes, sondern sie gestatten eine viel ungestörtere Beobachtung; das Wild wird nicht so leicht vergrämt und bleibt vertrauter als wenn es alle Augenblicke ver- pirscht wird. r
Der Winter war lang und streng. Das Schalenwild hat monatelang jede Grünäsung entbehren müssen. Wenn die Frühlingssonne nun den Boden aufgetaut hat. und es allenthalben zu sprießen beginnt, dann nimmt es mit Begier das langentbehrte Grün an und füllt sich den Pansen nach Möglichkeit. Alljährlich ist dieser Aesungs- wechsel für das Rehwild besonders kritisch, da mit ihm sehr oft Verdau n'Störungen verbunden sind, die zum Eingehen schwacher Stuac, besonders Böcke, führen. Eine sehr günstige Wir- kung übt hier das Kochsalz aus. das daher dem Schalenwild in verschiedener Form gereicht zu werden pflegt. Das vom Wild geleckte Salz beeinflußt seinen ganzen Stoffwechsel günstig, hat infolgedessen bei den männlichen Tieren einen besseren Geweihaufbau zur Folge und macht alle Tiere widerstandsfähiger. Man knetet Viehsalz mit steinfreiem Lehm zu Lehmsulzen, bestreut beim Holzfällen stehen gebliebene Stocke Salz, das beim Regen einsickert, und stellt Swckiulzen her oder man legt an den Wechseln Salzsteine aus, wie sie im Bergbau sich ergeben oder wie fie als Rebenprodukt beim Salzsieden entstehen. In der Literatur sehr empfohlen wird das Aufstellen von Leckpsählen. Fichtenstangen werden so in den Boden geschlagen, daß sie etwa 1,40 Meter in die Höhe ragen. Oben auf ihnen wird irgendwie auf einem Tischchen 0. ä. ein Salzstein befestigt. Das Salzwasser sott dann am Stamm herunter- riefeln und hier geleckt werden. Alle Methoden führen zum Ziel, die Hauptsache ist, daß überhaupt etwas geschieht. In Revieren, in denen das Wild das Salz nicht kennt, dauert es häufig geraume Zeit, bis es sich an seine Aufnahme
hatte, für die junge Frau lebhaftes Bedauern zu empfinden. Man schalt Cggenbrecht hartengherzig, gefühlsroh, daß er sie so lange allein lassen konnte und sich so brüsk von ihr abgewandl hatte — von ihr. seiner angetrauten Frau.
Isa Eggenbrecht beherrschte bald nach tote vor die Salons, und war in allen Dingen tonange- b^Wie sie sich kleidete, so kleidete sich die hiesige Damenwelt; und eine geschickte Schneiderin erfand immer neue Wunderwerke von entzückenden Kleidern feinster chinesischer Seide, die Isas Zustand geschickt zu verbergen wußten.
Somit ahnte niemand, daß Isa (Sggcnbreajt ui nunmehr zwei Monaten ein Kind erwartete.
Eines Abends, als die beiden Frauen allein auf der Hausterrasse saßen, da Salden in den Klub gegangen war, nahm Frau Ri die Freundin ' ernstlich ins Gebet. ..
.Du mußt deinem Mann nun enollcy Die Wahrheit schreiben. Isa", drängte sie ängstlich.
1 „Er wird es dir sonst nie verzeihen. daß du ihm deinen Zustand verschwiegen hast."
besondere Vorliebe für die nüchterne deufi'che Bureau-Uhr zu haben. Obwohl die Vereinig- ten Staaten eine eigene Uhrenindustrie besitzen, beziehen sie teure Standuhren zum großen Teil aus Deutschland. Die Amerikaner verlangen Uhren mit vollen, viertelstündlich wechselnden Klangakkorden.
Ein scheinbar systemloses Durcheinander von Schrauben, Rädcheii und Zahnrädern glaubt der Besitzer einer Taschenuhr vor sich zu haben, wenn er das Uhrwerk betrachtet. Besteht doch eine Taschenuhr aus ungefähr 170 verschiedenen Teilen, von denen jedes Schräubchen eine starke Arbeitslast zu bewältigen hat. 432 OOOmal schlägt der Anker täglich an Das Ankerrad. Ein anderer Uhrteil, die ,Unru^, macht stündlich 180 000 Schwingungen; sic legt dabei ungefähr 30 Kilometer zurück. Wenn die Unruh bei jeder Schwingung nur eine Abweichung von einer zehntausendstel Sekunde aufweist, geht die Uhr täglich um 43 Sekunden nach oder vor. , matqem Man kann sich ungefähr vorstellen, welche Strecken | betragt.


