jeher.
ereilte
ilki SebEepp. itf,4.4.1929.
Senes] Gölten» mt
ltOnW uitb ,"Nd
»rrai
'öciudji
«N e 'Sidjetbtit *• nionoilKtc Ifl.l). 15% 3. nLrivotges. Ifl.btrcä voir •• Tchv.Änq. HWu ÜFemevom ßrau foi.mit ra. r Ben. wirb itl.ffltuen ji? eb.Echr.Ang. ) O. b. G. «■ len bas Klub irl Römer, ul, Siebener : M, au9ftf ne Q19U ÄWP ich mit bem id beS Le- s als unwahr
miete i i WK äs«
**• rrvar. ffis •DiotfflrJi I >hon 2-Kß. r •J ö' neuen;
ttidMtan* IsmUitki'l itliiettet“ raeuhlellm
V. E'.eöeo
111
stag.S.April, nbbb,,,Ui)t% Wvend ihmneit übet mbeUtnminci' n<i uiiö beiiSt'
Verein
-iaihl.M- nnb.rrain'nB ^albipotipltiö tnßtaoO *m.hh u>>erkm<ir°v Uhr. L0l!N>" i ab 10 "br.
Äf t »* „„
h Ruder- % sport ” Gieien 1913
I"
tjpfl
Itr. 78 Zweites Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für GbsrlMn) Donnerstag. 4. April 1920
■■■■■■RHMB» «HRAMJBW «k- 1 ■ । «IIIIIII H II« II I» I WW- U IW.HWW!' rje’Tiawwmwra. 1 luu -L-±.
Sparsamkeit!
DaS deutsche Volk unterscheidet sich von den romanischen Völkern dadurch, daß es selten oder nie gelingt, ihm mit Hilfe eines Schlagworts Begeisterung für eine an sich unangenehme oder schwierige Aufgabe beizubringen. Ob das mehr natürlicher Skeptizismus gegen die künstliche Entfesselung bürgerlicher Opferwilligkeil oder mehr eine Konsequenz mangelnden staatsbürgerlichen BerantwortungSbewuhtseins ist, aus dem heraus sich die Neigung zu der bequemeren und oft vorteilhafteren Oppositionsstellung ergibt, kann dahingestellt bleiben. Jedenfalls haben wir augenblicklich eine „Sparsamkeitswelle", die sich für jede einzelne von ihren Auswirkungen betroffene Kategorie so darstellt, daß mit einiger Begeisterung die Abstriche bei andern begrüßt und mit ebensoviel Zähigkeit und Entrüstung die eigenen als unmöglich bezeichnet werden.
Dabei wird u. a. mit der Feststellung gearbeitet, daß im Etat nur ein kleiner Bruchteil nicht zwangsläufig sei. Das trifft bei näherer Betrachtung nicht zu. Zwar sind alle Ausgaben aus internationalen Verträgen und alle Aufwendungen für die Besoldung und Pensionierung von Beamten tatsächlich zwangsläufige. Aber die sachlichen Aufwendungen der einzelnen Ressorts gestatten bei individueller Prüfung sicherlich Verbesserungen und Ersparnisse, ebenso die außerordentlichen und einmaligen Ausgaben. Und hier kommt man zum Kernpunkt, zur Wurzel allen Aebels. Denn jede Partei glaubt bestimmte Leistungen, Anstellungen, Bauvorhaben, Unterstützungen und Vergünstigungen, die sie irgendwelchen eigenen Anhängern, oft aus recht demagogischen Gründen versprochen hat, bis aufs letzte i-Tüpfelchen verteidigen zu müssen und gerät damit, selbst wenn sie Regierungspartei und vielleicht sogar der Finanzmintster ihr eigenes Mitglied ist, in einen hartnäckigen Kampf gegen beabsichtigte Ersparnismaßnahmen der für den Etat verantwortlichen Behörde. Um nun einer andern Partei von ihren Programmpunkten etwas abhandeln zu können, muh der Finanzminister dartun, daß er der einen bereits etwas abgehandelt hat; und da jede einzelne um ihre Positionen kämpft, gleichzeitig aber die Forderung nach Ersparnissen an den Finanzminister richtet, so sieht er sich einer untereinander im Kampfe liegenden, chm gegenüber aber als Einheitsfront erscheinendes Gegnerschaft gegenübergestellt, mit der er nicht fertig werden kann, weil sich das negative Element de« Kuhhandels per saldo immer gegen ihn auswirkt.
Die Grundlage für wirkliche Ersparnisse würde sich also erst dann ergeben, wenn die Parteien von der u m g e k e h r 1 e n Tendenz beseelt wären; statt sich gegenseitig Konzessionen für ihre Anhänger auszuhandeln, sich gegenseitig Herabminderungen beim andern abzuhandeln, um sie dann als ein Gesamtbukett von möglichen Ersparnissen dem Reichsfinanzminister zu präsentieren. Die beiden Fronten, die sich in diesem Kampf gegen- über stehen, sind ausnahmsweise nicht Regierung einschließlich Regierungsparteien auf der einen, Oppositionsparteien auf der andern Seite, sondern alle Parteien auf der einen, Regierung und öffentliche Meinung auf der andern Serie. Denn so verschieden die Einzelwünsche der Parteien sind, so selbstverständlich laufen sie alle rm Endeffekt auf eine Verneinung der notwendigen Ersparnisse hinaus. Wir haben em einziges Mal eine andere Lage gehabt; das war, als Dr. Luther mit einem starken Appell an das Der- antwortungsbewuhtsein des ganzen Volkes und die damals noch recht akute Angst um die neu- geschaffene stabile Währung sein Finanzprogramm von 1924 durchbrachte. Aber wir befinden uns
Gießener Gtadttheater.
Gastspiel des Hessischen Landestheaters : Puccinis „Bohöme".
In der Zeit von 1890 bis 1914 macht sich in der Musik eine stetig wachsende ile&erfteigerung der Ausdrucksmittel bemerkbar. Reue Klangwirkungen. neue Jnstrumentzusammensetzungen werden ausprvbiert, und die Orchester wachsen tit ihrer Besetzung in« Riesenhafte Es ist die Zeit der Mvnstrekonzerte, der Massenchore und der Tausende von Hörern fassenden Konzertsale. Den Gipfelpunkt stellt etwa (im symphonischen Schaffen) Mahlers Symphonie der Tausend dar. Zugleich mit dem immer ungemessener werdenden Drchesterapparat dehnen sich auch die formalen Dimensionen der Kunstwerke. Gewaltige Spanrungen und ekstatische Höhe sind die Kennzeichen dieser Zeit. Diese Entwicklung erzeugt einen Gegenstroni in dem Raturalismus. Die Musik kommt dieser Entwicklung nicht entgegen, denn ihr Wesen ist noch Klang, Melodie, Konsonanz. das Ideal der Romantik, und nur schrittweise kommt sie zu einer inneren Anpassung. Daß dies auf dem Gebiet der Oper am leichtesten möglich ist, ist verständlich Der Stoff bedingt hier die Haltung der Musik und trennt sv Mvärfer die romanische von der romantischen Ober. Der oder die ersten Vertreter dieser naturalistischen romanischen Oper haben wir rn Leoncavallos ..Bajazzo" und Mas^ignis .,Ca- balleria rusticana". Ihr Typ verdichtet sich bei P u e c i n i und d'Albert zum vewstischen Drama. Hier treten die naturalistischen Tendenzen entschiedener auf und bilden bei Puccmi in feiner .Boheme", die ihm Weltruf verschaffte, einen reinen Typ. Sie ist bas populärste, wenn auch nicht künstlerifchste Werk des noch Verdi bedeu- tendsten Meisters der romanischen Oper. Puc- dni verdankt seine Erfolge in erster Lime der Textwahl, die sehr geschickt getroffen ist, und seinem sicheren Theaterinstinkt. Seine musikalischen Ausdrucksmittel liegen in der Harmonik und Deklamation begründet. Die ©anätonleiter und der sich daraus ergebende häufige Gebrauch des übermäßigen Dreiklangs verbinden sich mit reicher, nationaler und klangsinnlicher Melodik. Die Musik wird so in der Hauptsache zum Farbwittel und kommt auf diese Weise den Forderungen beS Raturalismus am besten nach. Der Text- iirhalt weist aus dem Volksleben mit schlagkräftiger Handlung und krassem Schluß, der Gegenpol zur idealistischen .,Erlösungs"-Oper.
Das Gastspiel des Hessischen Lan - öestheaters Darmstadt kann als recht erfreulicher Erfolg bezeichnet werden. Der Gesamteindruck war denkbar gut und packend. Mar- fiarete Jensen vom Stadttheater in Maüiz ang die Partie der Mimi mit tiefer Derinner-
Japans Hand in China.
Peking
tonkn
changhai
H \Preffegeographie N°25
* vinz Schantung.
-OST— .CHINES! 3-MEER-
i *v Vfsina. : TaiSi
a«t WdupMrd
e von Feng.
Haupt kräft^ vom
e*Tschidng-Kdi-5(hek
Pukoüty
nrm Eisenbahnzone W von d. Japanern besetzt.
M Bereich d. reak- iS? tioriaren Autsten- =■■=■ Eisenbahn "esi \ Grenze d. Pro- v,
I —MEERZZ
Kiat^thou^js inqtau— ~
Oapans Hand in China.
l Neue Kampfe in Schantung-)
O SO 500B i----- Kwff
entsin £%fi)ajren—
Kaum hörte der seit vielen Jahren tobende chinesische Bürgerkrieg auf, kaum erhielt das chinesische Reich, wenn auch nut dem Romen noch, eine Zentralgewalt in der Person der Kuomingtang-Regierung in Ran- king und schon finden wieder Kämpfe von größtem Ausmaße auf chinesischem Boden statt. Mitte Februar 1929 landeten im Hafen Lungkou (Provinz Schantung) 26 000 Mann des Marschalls Tschang-tsun- t s ch a n g, des früheren Gouverneurs dieser Provinz, und haben die Fahne des Aufstandes gegen die Rationalregierung von Ranking erhoben.
Schantung spielte in den letzten Jahren eine besondere Rolle in der chinesischen Politik. In dieser reichen, dicht bevölkerten (über 30 Millionen Einwohner, bei 150 000 qkm «und strategisch wichtigen Pro- ic in der Vorkriegszeit eine Interessensphäre Deutschlands bildete (Pachtgebiet Kiautschou), haben seit dem Weltkrieg die Japaner Fuß gefaßt. Der Eifersucht der Vereinigten Staaten von Amerika ist es auf der Washingtoner Konferenz 1922 gelungen, die Räumung der Provinz durch die Ja
paner durchzusehen. 1928 nützte Japan den chinesischen Bürgerkrieg aus, um unter dem Vorwand des „Schuhes der Interessen der japanischen Bürger" ein Expeditionskorps in Schantung zu landen und die wichtige Eisenbahn, welche den Hafen Tsingtau mit der Hauptstadt der Provinz Tsinan verbindet, zu besehen. Entlang der Bahn wurde eine 20 Meilen (32 km) breite „neutrale Z o n e" geschaffen, welche nach japanischer offizieller Erklärung „von keinem chinesischen Militär überschritten werden darf". Durch die Besetzung des Bahnknotens Tsinan kontrollieren die Japaner außerdem die wichtige Eisenbahnlinie Tientsin-Pukou, die Rordchina mit dem Vangtse-Tal und der Hauptstadt Ranking verbindet.
Die seit Monaten laufenden Verhandlungen zwischen China und Japan, die sich um den Preis der Zurückziehung der japanischen Truppen drehten, wurden vor kurzem ivegen der ungeheuer hohen japanischen Gegenforderungen abgebrochen. In diesem Augenblick erscheint nun auf der Szene Tschang-tsun-tschang, der mit der vollständigen Riederlage, die ihm im Vorjahre seitens der Rationalarmee zugefügt wurde, sich unter wohlwollendem Schuh der Japaner in der japanischen Kolonie Dairen aufhielt. Von dort spann er die Intrigen zur Wiederherstellung seiner Herrschaft in Schantung, bis er
jetzt plötzlich auf der Spitze einer Armee wieder in China auftauchte. Durch die „neutrale Zone" der Eisenbahn vor den Hauptkräften der Rationalarmee geschützt, von japanischer „privater Seite" mit ansehnlichen Anleihen (über 10 Millionen Dollar) gespeist, gelang es ihm in einigen Tagen seine Armee auf 55 000 Mann zu erhöhen und das Gebiet zwischen dem Gelben Meer und der Eifenbahnzone, außer dem Hafen T s ch i f u . zu besetzen. Die Kämpfe spielen sich gegenwärtig in der Umgebung von Tschifu ab. das von 7000 Soldaten der Rationalarmee verteidigt wird. Bezeichnenderweise wurde in den von den Japanern besetzt gehaltenen Städten, u. a. in Tsingtau und Kiautschou. ebenfalls die Fahne Tschang-tsun-tschangs gehißt. Japan hat seine Hand im Spiel, dies ist derart offensichtlich, daß die Rankinger Regierung schon offiziell die japanische Besetzung der Unterstützung des Aufstandes bezichtigt. Die weitere Entwicklung der Ereignisse wird noch dadurch kompliziert, daß von Feng und Tschiang-kai- s ch e k. die beiden nationalistischen Heerführer, deren Truppen in Schantung stehen, jebet diese reiche Provinz für sich beansprucht. So können die Schantunger Kämpfe alle die latenten Gegensätze unter den chinesischen militärischen.Gruppierungen wieder zum Ausbruch bringen.
heute in einer nicht viel anderen Lage. Wenn es auch nicht um die Währung geht, deren Stabilität gesichert ist, so geht es doch um die Gesundheit und Ertragfähigkeit der deutschen Wirtschaft, um den internationalen Kredit und. im letzten Grunde um die Zinshöhe, die wir für die unentbehrlichen fremden Gelder aufbringen müssen. Das heißt also, um die Existenzbedingungen jedes Einzelnen.
Sprechstunden der Redaktion.
11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen.
lichung und reifem Ausdruck. Ihr Sopran hat bedeutenden Umfang und große Weichheit und Kraft. Adolf Jäger (Rudolf) war ihr ein ebenbürtiger Gegenspieler, stimmlich auf beachtlicher Höhe, schauspielerisch wirkte er oft unfrei und gezwungen. Käte Walter sah als Musette bezaubernd aus, spielte und fang mit großer Feinheit und Delikatesse. Theo Herrmanns (Collin) Baß ist ein vorzüglich geschultes Organ, das maßvoll und geschickt ausgenuht wird. Hans Komregg (Marcell) war gesanglich anfangs etwas zurückhaltend, ging aber später mehr aus sich heraus. Rudi Wünzer (Schaunard) ergänzte das Quartett in bester Weise und fügte sich dem Ganzen glücklich ein. Die übrigen zeigten, jeder an seinem Platz, in kleineren Rollen durchweg gute Leistungen.
Die Regie (Josepb Sch le mb a ch) sorgte für ein ausgeglichenes Spiel. Ramentlich das zweite Bild int Quartier latin war bewegt und farbenfreudig. Die Bühnenbilder hielten nicht das gleiche Riveau. Sie machten einen etwas vergilbten Eindruck.
Max Rudolf war dem Ganzen ein guter musikalischer Leiter, der den in der Partitur, trotz aller naturalistischer Tendenz vorhandenen Melodienreichtum herauszuarbeiten verstand. Gelegentlich wurden die Solostimmen durch allzu- starke dynamische Akzente erdrückt.
Der Beifall war sehr stark. B.
Calderon: „Dame Kobold,"
Man hatte beschlossen, uns wieder einmal spanisch zu kommen, und siehe: es ward ein Abend voll ausgelassener und beschwingter Laune, in klassischem Gewände zwar, doch fern vom düstern Ernst der Szene um Egmont. Alba und König Philipp. Ein heiteres Madrid tat sich vor uns auf, ein Schauplatz lockerer Menteuer, als sei man in Venedig oder Paris.
Pedro Calderon de la Barea. der große Dramatiker des spanischen Barock, hat ein bewegtes Leben geführt: er war Student, Poet, Soldat, Theaterdirektor, Santiagoritter und Hof- kaplan, er war vor allem aber — und darüber wird alle übrige Profession und zufällige Lebensstellung unwichtig — einer der erlauchten Geister spanischen Schrifttums neben Cervantes und Lope. .. - obwohl er dessen unheimliche Produktion bei weitem nicht erreicht: „nur“ 73 „autos" und 108 „comedias" sind ihm mit einiger Sicherheit zuzuschreiben.
Calderons Zeitgenossen wußten, was sie an ihm hatten. Spätere Jahrzehnte ließen ihn fast vergessen. . Goethe erst. Grillparzer, E. T. A. Hoffmann und die frühen Romantiker haben ihn wieder entdeckt, ihn der Bühne wiedergewonnen,
Aus dem Amisverkündigungsblatt.
• DaS AmtsverkündigungSblatt 71 r. 2 1 vom 3. April enthält: Falsch« Reichsbanknoten. — Straßensperre. — Gas- und Wasserversorgung und Kanalisation in der Gemeinde Klein-Linden. — Verlegung der Amtsräume des Gewerbeaufsichtsamtes Gießen. — Regelung des Verkehrs auf dem Wochenmarktplatz in Gießen. — Polizeiverordnung über die Entwässerung der Grundstücke und Erlaß einer Ortssahung über die Erhebung einer Kanalbenuhungsgebühr in der Gemeinde Rödgen. — Dienstnachrichten.
seine Stellung in der Weltliteratur gegründet und ins rechte Licht gerückt. Heute wird et leider nur noch wenig gespielt. „Das Leben ein Traum" und „Der Richter von Zalamea" haben sich in etwa behauptet. Hofmannsthals ausgezeichnete Eindeutschung und Bearbeitung bat auch die „Dame K o b o ld" für unsere Bühne erobert. Man muh ihm dankbar dafür sein.
„La dama duende" gehört der Gattung der von Lope de Vega eingeführten und gepflegten Jntrigenkomödien an, die man als Mantel- und Degen-Stücke („comedias de capa y espada“) zu bezeichnen pflegt. Man kann sie etwa der italienischen Stegreifkomödie, den leichtgeschürzten Spielen Goldonis am ehesten benachbaren. Die Handlung ist nicht viel mehr als Anlaß für die Entfaltung des Theaters.
Die Freude am bunten, bewegten, musikdurch- wirkten, graziösen Spiel beherrscht die Szene. Hier ist ein ganz naiver und ganz elementarer Bühneninstinkt am Werke, der sich an romantischer Fabelei und glitzerndem Stegreif genugtut. Klassisches Theater, liebenswürdig, schalkhaft und spannend, ohne einen Schimmer der (uneingeftan- benen) Langweile, die man, leider, oft genug mit dem Ramen der Klassizität verbindet.
Die Handlung ist unbedeutend, so harmlos- geringfügig, daß man sie nicht erzählen kann, daß man an Shakespeares „Komödie der Irrungen" sich ebenso erinnert fühlt wie an Goldoni, daß man aber zugleich begreift, was gerade einen Menschen wie Hofmannsthal an Calderons Stück entzücken und zur Wiedererweckung aus Wahlverwandtschaft anregen muhte.
Ein Spiel mit Worten, mit Figuren, mit Situationen. Fechterspiel, Schattenspiel, Liebesspiel: alles in einem. Intrigenspiel, Rüpelspiel und nächtlicher Spuk mit Grandezza ineinandergeflochten und zu gutem Ende entwirrt. Die Tapetentür und der bewegliche Schrank, der die entscheidenden Spielräume verbindet, ist ein beliebtes Requisit der spanischen Barockdramaturgie und zugleich Angelpunkt der szenischen Gestaltung. Verfolgung und Flucht, Liebe und Eifersucht, Belauschung und Vertauschung, OHummerei und listiger Briefwechsel sind die wichtigen Elemente im Aufbau der Akte.
Alles geschieht geflissentlich vor den Augen der Zuhörer, und was man nicht zu sehen bekommt, wird ins Publikum hinein erzählt, alles aber in kindlicher Komödiantenfreude, der das Theater Wirklichkeit genug ist, um das Leben in seiner Realität nur von ferne zu spiegeln oder hinter romantischen Schleiern vorüberflattern zu lassen.
Die begabte Regie Taunerts traf den un- schweren, lustspielmäßig beschwingten Ton des
Schießbuden und Publikum.
Kürzlich sand ein schwerer AlnglücfdfaK vor dem Gießener Schöffengericht seine Sühne. Am 22.Mai 1928 wurde durch einen Schuh au« der Schießbude des Albert K. aus Sch. der Sohn des Landwirts Karl Schmidt I. th Kaulstoh, Wilhelm Schmidt, getroffen und sv schwer verletzt, daß er nach längerem Siechtum am 19. August 1928 in der Gießener Klinik verstarb. Die Schießbude hatte bei dem Prämiie- rungsmarkt in Gedern Aufstellung gefunden. Der Schuß war aus einem zu Schießbudenzwecken umgearbeiteten Karabiner mit 6 - Milli - rneter-Geschoh in das Publikum hinein beim Laden des Karabiners losgegangen und hatte den vor der Bude stehenden Verletzten getroffen.
Cs wirft sich die Frage auf. ob das Schieß- budenwesen auf Volksfesten mit den notwendigen Sicherungen umgeben ist und insbesondere, ob es überhaupt geduldet werden kann, daß in Schießbuden mit derartigen gefährlichen Schußwaffen gearbeitet werden ftarf. Wenn auch im vorliegenden Falle die Feststellung getroffen werden konnte, daß einzig und allein die unvorsichtige Handhabung des Gewehrs durch den Schießbudeninhaber bzw. feinen Sohn beim Laden die älrsache des Unglücks war — er hatte das Gewehr beim Laden vorschriftswidrig gehalten und der Schuß war ihm hierbei los- gegangen —, so muh man sich doch sagen, daß jedenfalls nur die allerschärfste Kontrolle derartigen Fahrlässigkeiten einigermaßen Vorbeugen könnte.
Rach den Angaben von Personen, die damals sich die ganze Einrichtung angesehen hatten, beftanben. aber auch weitere Gefahren. Es wurde nach Ringscheiben geflohen, die auf 031 e i- platten sahen. Letztere hatten einen Flächeninhalt von etwa 25 bl5 30 Quadratzentimeter. Wenn ein Schuß auch noch an dieser Bleiplatte vorbeiging, so konnte er durch die Rückwand der Bude durchdringen und vorübergehende Personen ebenfalls verletzen.
Allgemein verbindlich für derartige Schief buben gegebene Vorschriften sind nicht zu ermitteln. Hat der Inhaber einmal seine Konzession, die er ja sicherlich nur nach Prüfung seiner persönlichen Zuverlässigkeit und seiner Einrichtungen erhält, dann kann er überall auf den Jahrmärkten mit Genehmigung der Orts- Polizei fein Gewerbe betreiben. So besteht die Gefahr, daß der Inhaber einer solchen Konzession sehr leicht und ohne Kontrolle überall die Erlaubnis erhält. Es scheint bringend geboten, daß im Interesse der öffentlichen Sicherheit ganz bestimmte strenge Vorschriften erlassen üx-rben und baß insbesondere das benutzte Schiehwerkzeug auf m i n b e r gefährliche Waffen beschränkt wird. Wir haben ja jetzt das neue Schuhwaffengesetz, und so sollte man meinen, daß in Schießbuden jedenfalls feine anderen Waffen benutzt werden dürfen, als solche, die auch nach § 1 der Ausführungsverordnung freigegeben sind. Dann bestünde wenigstens auch einige Einheitlichkeit, und die gefährlichsten Waffen wären ausgeschlossen. Ob allerdings Teschings mit gezogenem Lauf bei einem Kaliber b i s zu sechs Millimeter noch als so ungefährliche Waffen angesehen werden können, wie dies die Aus- fübningäbeftimmunaen tun, dürfte doch- recht zweifelhaft sein. Man sollte auch diese Schuh' Waffe in Schießbuden nicht zulaslen. Dor allen Dingen aber müßten die Schießbudenbesitzer, ihre Bedienung und auch das an Schießbuden sich beteiligende Publikum einer ausreichenden Beaufsichtigung und Kontrolle unterliegen. Die Marktpolizei müßte, wenn sie schon
Stückes, seine improvisierende, tänzerische Gebärde, seine graziöse Flüchtigkeit und schwebende Stimmung ausgezeichnet. Man spielte die Sira- henszenen reliefartig vor malerischer Portalfront (die Dekoration ist von Löffler geschmackvoll entworfen) und rollte die beiden Rachbarzimmer mit bet geheimnisvollen Tür geschwind auf offener Szene herüber und hinüber. Das Ganze wird räumlich durch einen feststehenden weiten Bogen, stimmungsmäßig durch die kleine Bühnenmusik nach zeitgenössischen Werken von P r a e t o r t u ü und Pureell zusammengehalten; in der Jntey- öantcnloge hatte Käpellmeister Dauer ein Orchesterchen aufgebaut, das unter seiner Leitung artig begleitete.
Also: eine sehr hiwsche, saubere Aufführung mit guten Regieeinfällen. Etliche Textuneben- heilen und äußere Hemmungen sind als kleine Schönheitsfehler zu werten und sollten sich ab- schleifen.
Donna Angela: Maria Koch; sie ist Dame Kobold und luftige Witwe auf spanisch mit Mantilla, Spitzen, hohem Kamm und Blumen hinterm Ohr, eine echte Lustspielsigur besten Stils, spritzig, sprudelnd, listig und zärtlich, beweglicher Mittelpunkt der lockeren Szenerie.
Arzdorf war ihr Partner. Don Manuel: junger Offizier ohne Furcht »md Tadel, jedoctz ans der Provinz und also dem verliebten Spuk der Hauptstadt nicht auf den ersten Hiev und Stich gewachsen; ihm steht die treuherzige Ritterlichkeit wie die hilflose 'Verwirrung gut zu Gesicht und er gewinnt das Abenteuer mit Ehren und lieblicher Beute.
Sehr lustig war Baftö, fein Diener Cosme, nicht ohne Furcht und Tadel, ein Lcckai aus bem Geschlechte des Sancho Pausa, ein drolliger Rüpel von der Art, wie sie durch Shakespeares Stücke stolpern; allen Leuten eine Augenwetde und Ohrenschmaus.
Zwei Kavaliere find als Brüder der Angela zu nennen; Don Juan: Walter Ebert-Grassow, ein galanter Grande, wie ihn Velasquez gemalt haben könnte; Don Luis: Otto Knur, ein junger Heißsporn. Jngedorg Scherer macht das neckische, kecke und kupplerische Kammerkätzchen Isabel sehr niedlich, und Trude Heß gibt anmutig Donna Beatriz, die Muhme der Angela.
•
Uebrigenä spielt auch ein leibhaftiges Pferds chen mit, auf dem Don Manuel angeritten kommt; man ist im Stillen froh, Wenns wieder drautze'l ist und sich manierlich benommen hat.
Zwei Stunden vergehen im Flug; der Beifall kommt von Herzen und ist verdient^ _ DivThi


