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4.3.1929
 
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Samstag

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Montag, 4. März 1929

179. Jahrgang

Nr. 55 Erster Blatt

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Die amerikanische Einwanderungsquote

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dlebstahl» zu sechs Monaten Gefängnis verur­teilt worden. Nach Verbüßung der Strafe ist er dann aus England ausgewlefen worden. Er fei dann noch Belgien gekommen und in das belgische Heer eingetreten. Er habe es ver­standen, in der Etappe zu bleiben und schnell Unter­offizier zu werden. 3n Paris sei er jedoch erkannt und als Deutscher angezeigt worden. Man habe ihn aus dem Heere ausgestoßen und in ein

Deutschen Akademie, Geheimrat Prof. Or. Oncken.

ein Lebensbild von Karl Schurz und wies

licherselt» von Heinrich Heine ob­st a m m e n. Er habe für die belgische Nationalität optiert. Er sei dann aber in die deutsche Ma­rine eingetreten, desertiert und nach Ar­gentinien geflüchtet, was er dort getrieben Hal, weih man nicht. Bei Ausbruch des Krieges sei er nach Europa zurückgekehrt. 3m Jahre 1915 sei er in London aufgetaucht. 3m Dezember dieses 3ahres ist er von einem englischen Gericht wegen Pah-

Das französisch-belgische Geheimabkommen angeblich gefälscht.

Eine sensationelle Verhaftung in Brüssel. - Oer Fälscher will den ftanzösisch-russischen VorlriegSpalt copiert und das gefälschte Dokument nach Holland verkauft haben.

Der angebliche Fälscher verhaftet

Ein umfassendes Geständnis.

Brüssel, 3. März. (Priv.-Tel.) hier wurde in der Jlaa;t zum Sonntag aus dem Bahnhof der Belgier Albert Frank-Heine unter dem ver­dacht verhaftet, die vomUtrechtsch Dagblad" ver­öffentlichten Dokumente über ein französisch-bel­gisches Militärabkommen gefälscht zu haben. Vie Festnahme erfolgte in dem Augenblick, als Heine aus dem Amsterdamer Schnellzug aus­stieg. Die Frau Heines, d e ihn auf dem Bahnhof erwartete, wurde ebenfalls festgenommen. Frank-Heine legte ein volles Geständnis ab. Nach seiner Aussage ist das veröffentlichte Dokument in allen Teilen gefälscht. Als Unterlage habe er den von der Sorojetregierung veröffentlichten französisch-russischen V o r k r i e g s o e r- t r a g benutzt. Vermittler demUtrechtsch-Dagblad" gegenüber spielte ein flämischer Redakteur here­in a n s, der flüchtig ist.

Der Untersuchungsrichter nahm heute nachmittag mehrere Zeugenvernehmungen vor. 3nsbesondere wurde die Frau Frank vernommen, die wieder freigelafsen wurde. Frank behauptete, das von demUtrechtsch Dagblad" veröffentlichte Dokument sei eine plumpe Abänderung eines allen Vertrages zwischen Frankreich und Ruhland, der von der Sorojekegietung bekountgegeben worden sei. Er habe sich mit Aktiv! st en in Verbindung gesetzt, und durch Vermittlung von waard her- r e m a n s, eine» Redakteurs der ZeitungSchelde", sei das Dokument nachUtrecht verkauft wor­den. Gegen herremans Ist ein Haftbefehl erlassen worden, der aber noch nicht ausgeführt werden konnte.

Hm Albert Frank-Seme.

Der Lebensroman eines Entgleisten.

Paris, 3.März. (WTB.) Nachdem dieNation Beige einen gewissen Albert Frank als den Fälscher der angeblichen Geheimoerträge bezelch- net hatte, veröffentlicht nunmehr das3ournal Einzelheiten über das Geständnis, das der gestern abend bei seiner Ankunst in Brüssel ver­haftete Albert Frank abgelegt haben soll. Er habe unumwunden zugegeben, dah er das vom Alrechtsch Dagblad veröffentlichte Dokument ge­fälscht habe. Frank habe erklärt:

3ch habe mich eines alten, lange Zeit vor dem Kriege zwischen zwei Staaten abgeschlossenen Vertrages bedient. Es handelt sich nicht etwa um einen Vertrag zwischen Frankreich und Belgien. 3d) brauchte nur im Text gewisse Abände­rungen vorzunehmen, um ihn der besonderen Lage Belgien» und Frankreichs anzupassen. Die Protokolle über die zwischen Vertretern der Gene- ralstäbe abgehalkenen Besprechungen habe ich gleichfalls bei diesem alten Vertrage gesunden. 3ch glaube nicht, ein großes Ver­brechen begangen zu haben. 3d) habe weder Frank­reich noch Belgien verkauft, sondern einfach mei­nen Säufer hineingelegt, und das ist doch schliehllch eine banale Betrügerei. Dieser Käufer ist ein fremder 3 ournalist gewesen, der die Dokumente an die Utrechter Zei­tung weitergegeben hat. weitere Erklä­rungen lehnte Albert Frank ab mit der Begrün­dung, dah er zu müde sei. Die weitere Verneh­mung soll heute erfolgen.

Das3ournal" veröffentlicht ferner den Lebens­roman von Albert Frank, der fast unglaublich klingt. Frank fei der Sohn eines holländischen 3üben und einer Deutschen. Er will mütter-

Kart Schurz zum Gedächtnis

Zwei Nationen huldigen den Manen des Freiheitskämpfers.

Der Minister ging bann auf baS auf bie Deuer von fünf Jahren erweiterte Notprv- gramm ein, baS vornehmlich einen Hebet an­sehen will bei ber Forderung der Milchwirt­schaft durch Zentralmolkereien in den liebet- fchuhgebieten, um die ausländische Käse- und Duttereinfuhr zu unterbinden. Auf dem Schweinemarkt gelte es, bie Preis­schwankungen auszugleichen. Der Minister wandte sich energisch gegen den Dorwurf, sich bei den polnischen Handclsver.ragsvcrhandlungen gegen die Landwirtschast versündigt zu haben. Er habe im Gegenteil durch sein Zugeständnis von nur 250 Stück Schweinen an eine einzige Zentral­absatzstelle preisregulierend wirken wollen. Mi­nister Dietrich sprach sich weiter für die Forde­rung des landwirtschaftlichen Bildungs- Wesens und bie Versorgung der Landwirtschaft mit mobernem Arbeitsgerät aus. Er setzte sich für bie Neuregelung des Pacht­rechtes im Rahmen des bürgerlichen Gesetz- bucheS ein und unterstrich zum Schluß bie staats- politische Notwendigkeit der Ostlandsied- lung.

Washington, 3. März. (WTB.) Bei ginn der heutigen SenatZsihung erhoben nator Robinson, der demokratische Führer, feierlichen Protest dagegen, daß der Senat gezwungen werde, am Sonntag zu ar­beiten und beantragte Vertagung der Sitzung bis Montag II älhr, der für bte feier­liche Einführung des neuen Präsidenten ange­legten Stunde. Da dies bedeutet hätte, dah die Wstimmung und die Annahme des Quotenauf- fdjubd dadurch vereitelt wurde, beantragten Ding- ham, Nye und Walsh Vertagung auf morgen 10 Uhr mit ber Mahgabe, dah nur eine S tunde über den Quotcnaufschub debattiert und bad Gesetz verabschiedet werden solle. Dieser Antrag wurde mit knapper Mehrheit, nämlich mit 39 gegen 36 Stimmen abge­lehnt, und der Senat vertagte sich ent­sprechend dem Antrag Robin ons. Der Quo­tenaufschub ist damit swe t ber Ko/igr.h in Frage kommt unmöglich gemacht. Senator Nye erklärte, er hoffe immer noch, Sah Hoover bie neuen Quoten nicht prokla­mieren werde. Nach dem EinwanderungSgesetz ßoll ber Präsident baS vor dem 1. April ober

am 1. April tun, widrigenfalls die neuen Quoten nicht in Kraft treten. Nach Nyes Ansicht läht dieser Wortlaut des Gesetzes Hoover genügende Handlungsfreiheit.

3m Repräsentantenhaus wurde gleich eitig die gleichlautende Resolution beraten. Chindblom und Johnson traten dringend für einen Auf­schub der Beratung ein. Laguardia betonte, dah bie amerikanische Legion sich keines­wegs für die neuen Quoten erklärt habe. Das Unterhaus nahm sodann bie Re­solution für den Quotenaufschub mit 190 gegen 152 Stimmen an. Da der Senat jedoch nicht mehr abgestimmt hat, ist die Abstimmung des Unterlaufet praktisch bedeu­tungslos.

Oie Hilfsmaßnahmen für die Landwirtschaft.

Das Notprogramm

des Reichsernährungsministers.

Winsen, 2. März. (WB.) Auf dem ersten han- nooerschen Kleinbauerntag in Winsen sprach Reichs« «mährungsminister Dietrich heute über ,Hilfs-

Maßnahmen für die Landwirtschaft". Er führte u. a. aus: ein Produktionsrückgang von 20 o. S). in der Landwirtschaft bedeute einen Ausfall in HöhederjährlichenReparationslasten und müsse auf jeden Fall vermieden werden. Mit Agitation und Schlagwortpolitik sei der Land­wirtschaft allerdings nicht zu helfen. Gesetzliche Maß­nahmen seien nur dann zu erreichen, wenn die Volksmehrheit von ihrer Notwendigkeit überzeugt worden sei. Der Minister belegte zahlenmäßig die wirtschaftliche Bedeutung der verschiedenen land­wirtschaftlichen Produktionszweige, wobei er unter­schied zwischen Gebieten, denen Hilfe zu bringen sei nur durch ftaats- und zollpolitische Maßnahmen (Getreide und Großvieh) und solchen, die nur durch i n n e r p o l i t i s che Maßnahmen gefördert werden könnten. Er griff hier besonders die Milchproduktion und die kleinen Produkte, Gemüse, Obst und Eier, heraus und erklärte, die nach Feststellung seines Dorgän- gers Schiele der Landwirtschaft fehlende eine Mil­liarde Mark könnte aufgebracht werden durch Er­höhung der Milchproduktion sowie durch Verkür­zung der Preisspanne zwischen Er­zeuger und Verbraucher, wobei eine Stabilität der Preise durch Standardware und genossenschaftlichen Absatz anzustreben sei.

pefibazillen.

Ein namhafter englischer Gelehrter, S i r D e t - feleb Moynihan seit wenigen Tagen, wenn auch nicht etwa im Zusammenhang mit diesem Vorgang, Lord Berkeley Moynihan hat vor kurzem die Behauptung aufgcftcllt, deut­sche Flugzeuge hätten im Kriege über Frank­reich Bomben mit Pestbazillen abge­worfen. Diese Behauptung, die man in Deutsch­land mit ber begreiflichen Ruhe des guten Ge­wissens ausgenommen hat, ist zunächst von dem leitenden französischen Mediziner, der gerade dieses Gebiet während des Krieges wissen­schaftlich zu bearbeiten hatte, entschieden zurück- gewiesen worden; der deutsche Botschafter in London, Dr. Sthamer, hat überdies offiziell eine kurze Erklärung abgegeben, um diese un­sinnige Beschuldigung zurüczuweisen.

Damit wäre die Geschichte erledigt gewesen, die sich ja schon dadurch als ein Erzeugnis aus dem Reiche der Fabel erweist, daß es über 10 3 ahre gedauert hat, bis jemand einen derartigen Hnfinn zu behaupten wagte. Aber bie englische Presse selbst hat nunmehr die Sache aufgegriffen und befaßt sich eingehend mit dem Ursprung und mit den Aeuherungen anderer kompetenter Persönlichkeiten zu ber leicht­fertigen Behauptung des neugebackenen Lords. Der beratende Armeepathologe, Oberst Steven­son Lule Cummins erklärt imDaily Tele­graph" mit aller Bestimmtheit, daß ihm nie­mals derartiges zur Kenntnis gebracht worden sei, und daß es auch ganz unlogisch ge­wesen wäre, mit einem solchen greulichen Kampf­mittel zu arbeiten, weil die Pest natürlich auch eine 3nfizierung der deutschen Schützengräben durch die massenhaft vor­handenen Ratten zur Folge gehabt hätte. Ber­keley Moynihan selbst versucht sich gegen die An­griffe ber englischen Presse mit einer lahmen Entschuldigung zu verteidigen, wonach in einer amtlichen Geschichte des Krieges ein Bericht des Sanitätsdienstes ber britischen 5. Armee abgedruckt sei, ber bie Mitteilung ent­halte, daß einiges Material, von einem feind­lichen Ballon abgeworfen, geprüft worden sei, und daß dabei Bazillen isoliert worden seien, die dem PestbazilluS ähnel n". Die Zuverlässigkeit dieses Berichts vorausgesetzt, läßt dieser Bericht nicht bengeringstenSchluh dafür zu, daß die bei demMaterial" vor­gefundenenpestähnlichen" Bazillen sich schon vorher darauf befunden und nicht erst am Fund­ort oder sogar im Laboratorium damit in Be­rührung gekommen sind. Jedenfalls hat nie auch nur einer von den damals Beteiligten damit die Unterstellung beabsichtigt, daß von deutscher Seite die Nachkriegserfindung des Bazillenkriegs, der in amerikanischen und englischrn Laboratorien bekanntlich seit 1919 sehr ernstlich »eprüst und wahrscheinlich vorbereitet wurde, « - r e i t s 1918 v o r w e g g e n o m m e n und verwirklicht worden sei.

Aber der leichtfertige Verleumder der deutschen Kriegsführung ist sich wohl selbst nicht bewußt gewesen, mit wie großer Berechtigung er von Pestbazillen sprach. Pestbazillen freilich in ganz anderm Sinne als er sie meinte hat erselbst in das Verhältnis der Volker zu­einander getragen. Denn schlimmer als jede an­dere ®ad)e ist das Mißtrauen der Volker gegeneinander, jene obrigkeitlich genährte äln'.er- fteHung, daß das andere Volk jeder scheußlichen Handlung fähig und zu ihr bereit sei. Das ist bie wahre Pest, die den Friedensbemühungen einzelner geistig hochstehender und weitblickender Männer immer von neuem Steine in den Weg legt und die Gemüter vergiftet, den Boden für jede Verhetzung vorbereitet und die Bedeutung ber Rechtskonstruktionen, die man in den letzten 10 3ahren mühsam aufgerichtet hat, um künftigen tragischen Konflik en vorzubeugen, immer wieder entwirklicht. Gerade gebildete Engländer sollen wissen, in wie skrupelloser Weise während des Krieges unter der Leitung Lord Northcliffes in Crew House mit der Kadaver-, der Kreuzigungs- und der Legende von den abgehackten Kinderhän- den gearbeitet worden ist. Die Pestbazillen ge­hören dazu!

eines der Leitmotive seines politischen Handelns hin, die Pflege freundschaftlicher Beziehungen zwischen dem alten Vaterlande und der neuen Heimat. Amerikaner und Deutsche hätten einen geschichtlichen Gemeinbesitz traft der Tatsache, dah im Laufe des 19. 3ahrhunderts etwa 5 Millionen Deutsche mit allen Möglich­keiten, die sie in sich trugen, hinüberzogen, um in der Union eine neue Heimat zu finden. Dieser Gemeinbesitz enthalte einen Schatz von un­zerstörbaren Kulturzusammenhän­gen, als deren lebendigen Ausdruck wir das Glück gehabt hätten, in der deutschen Reichs- Hauptstadt Männer wie George Dancroft, Bayard Taylor und Andrew White als Vertreter der Amerikanischen Union unter uns zu sehen. Der Name Karl Schurz werde ein Symbol dafür sein, dah daS sympathische Ver­ständnis der beiden Völker auch in Zukunft ein unantastbarer Aktivposten in der internationalen Völkerbilanz fein wird. Nach dem Festvortrag führte der

amerikanische Botschafter Ehnrman

u. a. aus: Es ist durchaus geziemend, daß sich beide Nationen zu Gedächtnisfeiern für einen gro­ßen Mann zusammenfinden, dessen Leben beiden gehörte und dessen Taten die Seiten ihrer Volks- gesch'chte zieren. Amerika war für Karl Schurz nicht nur eine günstige Gelegenheit, sondern eine Be­rufung, und als Antwort klang die Fanfaren- ftunme des jungen Verfechters der Freiheit und der Menschenrechte durch die Lande. Er widersetzte sich der Ausdehnung der Sklaverei auf die Territorien, er brandmarkte die Einrichtung als solche, und wie zunächst mit Stimme und Feder, so später mit dem Schwerte kämpfte er für bie Abschaffung der Sklaverei und für die Verleihung des Bürger­rechts an bie Neger. Durch offene und unnachsicht-

Berlin.

Eine Schurz-Feier im Reichstag.

Berlin, 3. März. (WB.) Zum 100.Geburts­tage von Karl Schurz veranstalteten bie Ver­einigung Karl Schurz Berlin und bie Gesellschaft ber Berliner Freunde der Deutschen Akademie heute vormittag im Plenarsaal des Reichstages eine Feier, an der als Ehrengäste u. a. Reichskanzler Müller, der preuhische Minister des 3nnem Grzesinski, ferner Ad­miral Behncke und Großadmiral von Tir - pih teilnahmen. Besonders bemerkt wurde die Anwesenheit von zwei Familienmitglie­dern aus dem Hause Schurz, Frau Oberstudien­direktor Schurz aus M.-Gladbach und Frau von Gaza aus Magdeburg. Nach ber Be­grüßungsansprache des Reichstagspräsidenten Lobe, der darauf hinwies, dah die vielen zu der Feier eingelaufenen Degrühungstelegramme ein Beweis dafür seien, welch großer Wertschät­zung Schurz sich zu erfreuen habe, entrollte der Präsident Der wissenschaftlichen Abteilung ber

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zeigenteil Kurt HMmann,

Kronlsurt am Main 11686. vrrck und Verlag: vrühl'sche llniverfilütz-Vuch» und Zteindruckerei K ranze in Liehen. Lchriftlettung und Geschäftsstelle: §chnlstrahe 7. sämtlich in Gießen.

liche Kritik bemühte er sich, die Handlungen und die Politik unserer Republik auf dem Niveau ihrer eigenen hohen Ideale zu halten. Karl Schurz ist Deutschlands größteGabe anAmerika. In ihm verkörpert sich auch der Charakter des deut­schen Elements in dem amerikanischen Volk. Zu sei­nen Lebzeiten war er der gegebene Wortführer und Vertreter der Deutschamerikaner, und sein Name ist ein Symbol, fein Andenken eine Inspiration für bie Zukunft geworden. Karl Schurz war jedoch mehr als nur der Exponent einer Gruppe amerikanischer Bürger, sei diese Gruppe noch so groß und wichtig. Er war ganz einfach ein amerikanischer Bürger, und seine Dienste an der Republik setzen ihn gleich nach den großen geschichtlichen Führern auf eine Stufe mit den ersten amerikanischen Bür- §ern feiner Zeit. An diesem seinem hundertsten Ge- urtstage vereinigen sich alle Amerikaner ohne Rücksicht auf Abstammung, Partei und Glauben in aufrichtiger Huldigung feines ehrenvollen Anden- kens und in tiefer, dankbarer Anerkennung feiner unschätzbaren Dienste an unserem gemeinsamen Hei­matland.

Washington.

Eine Feier im amerikanischen Bundessenat.

Washington, 3. März. (WTB.) Senator Wagner aus Neuyork, der seit Carl Schurz das erste deutschgeborene Mitglied deS amerikanischen D u n d e s s e n a t e s ist, ergriff heute, nachdem ein Geistlicher bie Sitzung des Senates mit einem Gebet eröffnet hatte, unter Zustimmung des Plenums das Wort, um bes hundertsten Geburts­tages feines großen Vorgängers zu gedenken. Senator Wagner schilderte In be­redten Worten den Kampf, den Schurz gegen den Absolutismus und die Sklaverei, für die Erhaltung der 3ndianerstämme und der ameri­kanischen Wälder sowie für Pflichterfüllung und Moral in Politik und ^Beamtentum geführt habe. Carl Schurz, einer der hervorragendsten soge­nannten 48er, habe aus seiner Heimat die große deutsche Gabe des praktischen Idealismus mitgebracht. Man werde tijm dereinst das Verdienst zuerkennen, den fort­schrittlichen Liberalismus in den Vereinigten Staaten inspiriert und zu seiner Gnttoidhing wesentlich beigetragen zu haben. Als Diplomat, General, 3ournalist, Dundessenator und Kabi­nettsminister habe Schurz jedem Amt, das er übernahm, Würde und Auszeichnung verliehen. Detuschland und die Vereinigten Staaten hätten sich vereinigt, um gemeinsam sein Andenken zu ehren. Auch Senator Blaine rühmte In länge­rer Rede die Verdienste des großen deutsch­amerikanischen Staatsmannes.

Die Mitglieder ber beutschen Botschaft wohnten der Sitzung in ber Diplomatenloge bei. Der deutsche Botschafter in Washington, v. Prittwitz und Gaffron, hat heute am Grabe von Carl Schurz auf dem Sleepy» hollow-Kirchhof in Tarrytown bei Neuyork einen Kranz mit einer Schleife in den Reichsfarben niederlegen lassen.