Wirtschaft.
Oie Reichsbank im Zahre 1928.
Die Reichsbank erzielte im Jahre 1928 einen Rohgewinn von 157,6 Millionen Mk. (gegenüber 149,06 Millionen Mark im Vorjahre). Die Zunahme entfällt fast ganz auf die Kreditgeschäfte der Bank und erklärt sich aus den gegenüber dem Vorjahre erhöhten Zinssätzen. 3m einzelnen haben die W-chseldistontgeschäfte 138,29 (130,71) Millionen Mark, die Lombardgeschäfte 3,91 (3,28) Millionen Mark an Rohgewinn gebracht, die übrigen Rohgewinnpositionen haben sich gegenüber dem Vorjahr nur geringfügig geändert. Die Ausgaben betrugen 132,29 (123,00) Millionen Mk., und zwar entfallen auf die Derwaltungskosten 87,56 (75,09) Millionen Mark, auf die Herstellung neuer Banknoten 6 Millionen Mk. und auf Rückstellungen für den Delkrederefonds, für Notenneudruck und für Neubauten zusammen 38,74 (47,91) Millionen Mk. Es ergibt sich demnach ein Reingewinn von 25,38 (26,06) Millionen Mark, aus dem 5,08 (5,21) Millionen Mark in den gesetzlichen Reservefonds, 5,24 (5,51) Millionen Mark dem Reich zur Tilgung umlaufender Rentenbankscheine zufließen, 14,73 (14,73) Millionen Mark zur Verteilung einer D i - vidende von wieder 12 d.$). verwendet werden, während 0,33 (0,60) Millionen Mark dem Spezialreseroefonds für künftige Dividendenzahlung
zugeführt werden.
Die Gesamtumsätze betrugen 819 906 (729 930) Millionen Mark. Der unbelastete Goldbestand der Reichsbank belief sich am 31. Dez. 1928 auf 2 729 331 7221 (1864 643 108) Mark. Die zur Golddeckung des Notenumlaufs her- angezogenen Devisenbestände bezifferten sich am 31. Dezember 1928 auf 155 273 000 (281986 000) Mark. Der Bestand der Reichsbank an Rentenbankscheinen belief sich am 31. Dezember 1928 auf 77,47 (23,64) Millionen Mark, der Umlauf auf 529,9 (716,2) Millionen Mark, ohne die Bestände der Reichebank. Vom Reich begebene Schatzwechsel sind erstmalig Ende April 1928 im Betrage von 1 Million Mark hereingcnommen worden; amJah- resschluß war ein Bestand von 51,09 Millionen Mark vorhanden. Die sonstige Wechselanlage der Bank belief sich am 31. Dez. 1928 auf 2 627 357 000 (3 128 656 000) Mark. Wechsel und Scheck? auf das Inland wurden im Berichtsjabr in Höhe von 21058,29 (20174,83) Millionen Mark, Wechsel und Schecks auf das Ausland in Höhe von 3 491,19 (2 259,64) Millionen Mark, an die Reichsbank be- ?ebene Golddiskontbankwechsel in Höhe von 59,89 197,33) Millionen Mark, insgesamt also in Höhe von 24 609,36 (22 631,80) Millionen Mark ange- kaust. An Reichsbanknoten waren am Jahresschluß 4 930 069 000 (4 564 047 000) Mark im Umlauf. Die höchste Umlaufsziffer war die am Jahresschluß.
Die Zahl der Beamten. Angestellten und Arbeiter der Dank hat sich auf 9885 am Ende des Be- richtsjahres (9938) vermindert.
Als Eigentümer der Reichsbankanteile waren am Jahrcsschluß eingetragen: 9928 (9789) Inländer mit 100 352800 (100 520 500) Mk. und 1300 (1300) Ausländer mit 22 435 300 (22 267 600) Mark.
Die Zweiganstalten haben sich durch Eröffnung zweier neuer Reichsbanknebenstellen mit Kasseneinrichtung auf 456 erhöht.
Einberufung des Zentralausfchuffes der Reichsbank.
Der Zentralausschuß der Reichs- bank ist für Montag. 4. Februar, zu einer Sitzung im Anschluß an die Generalversammlung einberufen worden.
Reichöbankbericht vom 31. Januar.
Rach dem Ausweis der Reichsbank vom 31. Januar hat sich die gesamte Ka- pitalanlage der Bank in Wechseln und Schecks. Lombards und Effekten in der Altirno-- woche um 295,8 Millionen auf 1978,2 Millionen Mark erhöht. 3m einzelnen sind die Bestände an Wechseln und Schecks um 225,6 Millionen auf 1774,1 Millionen Mark, die Lombardbestände um 61,2 Millionen auf 101,9 Mill. Mark ongewachsen. Die Anlage in Effekten ist mit 93,3 Mill. Mark weiterhin annähernd unverändert geblieben.
An Reichsbanknoten und Rentenbankschemen zusammen sind 693,8 Mill. Mark in den Verkehr abgeflossen, und zwar hat sich der Umlauf an Reichsbanknoten um 644,6 Millionen auf 4453,9 Mill. Mark, derjenige an Rentenbankscheinen um 49,2 Millionen auf 512,8 Mill. Mark erhöht. Dementsprechend sind die Bestände der Reichsbank an Rentenbankscheinen auf 9,4 Mill. Marl zurückgegangen. Die fremden Gelder zeigen mit 422,9 Mill. Mark eine Abnahme um 360,2 Mill. Mark.
Die Bestände an Gold und deckungsfähigen Devisen zusammen sind mit 2881,4 Mill.
Mark, im einzeln.n Gold mit 2729,2 Mill. Mark, deckungsfähige Devisen mit 152,2 Will. Mark ausaewiesen. Die Deckung der Roten durch Golo allein betrug 61,3 Proz. gegen 71,6 Proz. in der Vorwoche, diejenige durch Gold und dcckungsfähige Devisen 64,7 gegen 75,9 Proz. in der Vorwoche.
* Die amtliche Großhandelsindex- Ziffer. Die auf den Stichtag des 30. Januar berechnete Großhandelsindexziffer des Statistischen Reichsamtes ist mit 138,6 gegenüber der Vorwochs (139,0) um 0,3 Proz. gesunken. Von den Hauptgruppen hat die Indexziffer für Agrarstoffe um 0,5 auf 131,5 Proz. (132,2) nachgegeben und die In- dexziffcr für Kolonialwaren mit 125,2 (124,9) um 0,2 Proz. angezogen. Die Indexziffer für industrielle Rohstoffe und Halbwaren ist mit 133,8 (133,9), diejenige für industrielle Fertigwaren mit 158,5 (158,6) leicht zurückgegangen.
* Vereinigte Stahlwerke. Das abgeschlossene Geschäftsjahr brachte in den Haupterzeugnissen — Kohle und Koks einerseits, Roheisen, Rohstahl und Walzerzeugnisse anderseits — die bisher höchste Produktion, die in diesem Jahre zum ersten Male in voll durchrationalisierten Betrieben erzeugt werden konnte. Seit Bestehen der Gesellschaft sind insgesamt mehr als 275 Mill. Mk. lediglich für technische Umgestaltungen und Verbesserungen der Werksanlagen aufgewandt worden, während es gleichzeitig gelang, in weitem Umfange sowohl in der Produktion, wie im Verkauf und in der Verwaltung Vereinfachungen und Ersparnisse eintreten zu lassen. Der technische Ausbau der Werksanlagen und die Zusammenziehung der Produktion auf die leistungsfähigsten und am günstigsten gelegenen Betriebe wurde in Durchführung des Reubauprogramms planmäßig fortgesetzt. Insgesamt wurden im Berichtsjahr annähernd 150 Mill. Mk. für Reubauten und Betriebsverbesserungen und Erweiterungen ausgegeben. Etwas mehr als die Hälfte dieses Betrages (80 Mill. Mk.) wurde zur Durchführung des umfangreichen Kokerei-Reubau-Programms, sowie zur Erweiterung und Verbesserung der Schachtanlagen verwandt, der Rest diente zur Durchführung zahlreicher Reubauten und Betriebsverbesserungen auf den Hütten, Verfeine- rungswcrken, sowie bei deu Rohstoffbetrieben. Der Verlauf des Geschäftsjahres ist dadurch gekennzeichnet, daß die in ihm erzielte Produk- tionssteigerung durchweg auf die ersten sechs Monate deS Geschäftsjahres entfallt; lediglich in Koks ist die Erzeugung infolge des allmählichen Ingangsetzens der neuen Kokereien erst gegen Ende des Geschäftsjahres wesentlich gestiegen. In allen anderen Haupterzeugnissen brachte die zweite Hälfte des Geschäftsjahres bei zu gleicher Zeit dauermd abnehmenden Auftragsbeständen einen Rückgang der Erzeugung, wodurch das finanzielle Ergebnis des Geschäftsjahres selbstverständlich beeinflußt wurde. Diese ungünstige Entwicklung der Produktions- und Absatzverhältnisse beruht in erster Linie auf dem starken Rachlassen der Rachfrage des deutschen Jnnen- marktes. Die Aussichten des neuen Geschäftsjahres sind nicht zu übersehen. Die Anzahl der Beschäftigten ging von 198 019 auf 187 989 zurück. Am stärksten war der Steinkohlenbergbau an diesem Rückgang beteiligt. Die Lohn- und Gehaltsa''.fwendungen stiegen dagegen von 491 Mill. Mk. auf 315 Mill. Mark. Die sozialen Lasten (insgesamt zirka 57 Mill. Mk.) übersteigen die des Vorjahres um 5,8 Prozent. Der Betrag an (Steuern (zirka 63 Mill. Mk.) macht 7,86 Prozent des Aktienkapitals aus. An Steuern und sozialen Abgaben aller Art sind insgesamt rund 120 Mill. Mk. aufgebracht, d. h. etwa 15 Prozent des Aktienkapitals.
* Ruhrgas. A.-G. und Westfälische Ferngas A.-G. Seit längerer Zeit schwebten j Verhandlungen zwischen der Ruhrgas A.-G. und der von der Provinz Westfalen und den beteiligten kommunalen Körperschaften gegründeten Westfili- schen Ferngas A.-G. über Lieferung von Zechengas zur Dersorgnung der der provinziellen Gesellschaft angeschlossenen Gebiete. Durch einen am Samstag vollzogenen Vertrag sind diese Verhandlungen ab" geschlossen worden. Hiernach verpflichtet sich die WeMlische Ferngas A -G. ihren Gasbedarf bis zu 400 Mill. Kubikmeter jährlich ausschließlich bei der Ruhrgas A.-G. zu beziehen, während, abgesehen von den zur Ruhrgas A.-G. gehörenden, direkt belieferten Konzernwerken, der provinziellen Gesellschaft das alleinige Gasverteilungsrecht in dem ihr angeschlosienen Gebiet der Provinz zustcht. Die Uebernahme des Gases erfolgt aus den zum Teil schon verlegten und zum Teil in der kommenden Bausaison weiter zu verlegenden großen Durchgangsleitungen der Ruhrgas A.-G. im südlichen und östlichen Westfalen. Der Abschluß des Vertrages setzt nunmehr die Westfälische Ferngas A.-G. in
Stand, auch ihrerseits im kommenden Frühjahr mit der Anlage und dem Ausbau des Verteilungsnetzes für die Versorgung des ihr angeschlossenen Gebietes zu beginnen.
Frankfurter Börse.
Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers".
Frankfurt a. M., 4. Febr. Tendenz: unsicher. Zu Beginn der neuen Woche bestand an der Börse wieder eine gewisse Unsicherheit. Die für heute zu erwartende Rede des Ncichsbankpräsidenten Dr. Schacht mahnte zur Zurückhaltung und hatte verschiedentllch Deckungen mit geringen Abschwächungen zur Folge. Von dem heute erschienenen Reichsbankausweis gingen keine besonderen Anregungen aus, das Geschäft beschränkte sich im allgemeinen nur auf Spezialwerte. Die Stimmung war allgemein l u ft l o s , da von dem uneinheitlichen Schluß der Nennorter Börse vom Samstag ein Druck ausging. Gegenüber den Schlußkursen vom Samstag gingen die Verluste jedoch kaum über 1,5 o. $). hinaus. Nur vereinzelte Werte traten aus diesem Rahmen heraus und hatten erheblichere Verluste aufzuweisen. Vor allem waren es Deutsche Linoleum mit minus '2,5 v. H., Zellstoff Aschaffenburg mit minus 2,75 o. H., Chadeaktien minus 3 v.H. und Danalbank mit minus 2,25 v. H. Verschiedentlich waren aber auch kleine Besserungen zu verzeichnen. So bestand vor allem für Otaoi-Minen mit 0,5 v. H. Interesse, auf den Preiserhöhungsbeschluß des Kup. > ferblechsyndikats. Auch Klöcknerwerke konnten sich etwas bessern. Kaliwerte waren bis zu 2 v. H. niedriger. Schiffahrtswerte uneinheitlich. Hapag war etwas gefragt. Nordlloyd minus 1 v. H. Am Pfand- bricfmarft war kaum Geschäft zu verzeichnen. Am Farbenmarkt waren J.-G.-Farben bei kleinsten Umsätzen 1,25 v. H. schwächer. Scheideanstalt gut behauptet. Svenska 1 Mark höher. Renten still. Deutsche Anleihen etwas freundlicher. Im Verlaufe sanden die anfänglichen günstigen Momente mehr Beachtung, so daß sich allgemein eine freundlichereStim. m u n g bemerkbar machen konnte. Auch von der nicht so ungünstigen Rede Dr. Schachts ging eine Beruhigung aus. Das Geschäft war jedoch s e h r k l e i n. Einige Deckungen brachten jedoch Besserungen bei allen Märkten bis etwa 1 v. H. Etwas lebhafter blieben Kupferwerte gefragt. Siemens lagen bis 1,5 v. H. höher. Am Geidmarkt erfuhr Tagesgeld mit 5,5 v. H. eine Erle'chterung. Am Devisenmarkt lag Spanien sehr schwach. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,2150, gegen Pfund 20,4", London gegen Kabel 4,8482, gegen Paris 124,10, gegen Madrid 31,60, gegen Mailand 92,65, gegen Holland 12,1025.
Frankfurter GcLrcrvr(rörfc.
Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers".
granffurt a. M., 4. Febr. Der Produkten- markt verkehrte heute zum Wochenbeginn in ruhiger und stetiger Haltung. Das Geschäft bewegte sich auch heute in sehr engen Grenzen. Umsätze wurden kaum getätigt, die Preise konnten sich gut behaupten. Cs wurden notiert: Weizen 23,75 bis 24; Roggen 23,50; Sommergerste für Brauzwecke 24,50 bis 24.75; inl. Hafer 24 bis 24,25; Mais (gelb) für Futterzwecke 23SO bis 23,75; Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0, 33,25 bis 34,25; Roggenmehl 31 bis 31,50; Weizenklei« 14.25; AoggenKeie 15; Erbsen 35 bis 60; Ansen 70 bis 110; Heu 13,25 bis 13,75: Weizen- und Roggenstroh, dvaHtgepveht. 4.50 bis 5; Weizeir- und Roggenstroh, gebördelt, 4 bis 4,50 Mark. Tendenz: stetig.
Franksurter Schlachtviehmarkt.
eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".
F r a n k f u r t a. M., 4. Febr. Auftrieb: Rinder 1326 Stück; darunter 280 Ochsen, 76 Bullen, 586 Kühe, 354 Färsen; Kälber 398, Schafe 146, Schweine 5056. Rinder. Ochsen: vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts, jüngere 53 bis 56, ältere 44 bis 52, sonstige vollfleischige, jüngere 44 bis 48; Bullen: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 50 bis 52, sonstige vollfleischige oder ausgemästete 46 bis 49; Kühe: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwert 41 bis 45, sonstige vollfleischige oder ausgemästete 36 bis 40, fleischige 31 bis 35, gering genährte 26 bis 30; Färsen (Kalbinnen, Jungrinder): vollfleischige, ousgemaftete, höchsten Schlachtwerts 53 bis 57, oollfleischige 48 bis 52, fleischige 43 bis 47. Kälber. Beste Mast» und Saugkälber 70 bis 75, mittlere Mast- und Saugkälber 65 dis 69, geringe Kälber 58 bis 64. Schweine. Fettschweine über 300 Pfund Lebendgewicht 71 bis 74, vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 71 bis 74, von etwa 200 bis 240 Pfund Lebendgewicht 72 bis 74, von etwa 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 72 bis 75, fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund Lebendgewicht 68 bis 72, Sauen 60 bis 66. Marktverlauf: Rinder ruhig, Schweine schleppend, ausverkauft. Kälber und Schafe ruhig, geräumt.
Büchertisch.
— Bernhard Diebold: Der Fall Wagner. Eine Revision. Frankfurt a. M., Frankfurter Societäts-Druckerei. Abteilung Buch- Verlag. (543) — Aus dem Zustande zivilisierter! Barbarei, spricht Richard Wagner einmal aus, könne die wahre Kunst sich nur auf den Schul-, tern unserer großen sozialen Bewegung zu ihrer Würde erheben, sie habe mit ihr ein gemeinschaftliches Ziel, beide könnten es nur erreichen, wenn sie es gemeinschaftlich erkennen. .Diese- Ziel ist der starke und schöne Mensch: die Revolution gebe ihm die Stärke, die Kunst die Schönheit!" Die nationalistischen Herrschaften, die seit einer Reihe von Jahren Bayreuth und die Festspiele für ihre politischen Zwecke ausschlach- ten. wollen von diesen Worten des Meisters nichts wissen. Richard Wagner hat seit seiner Verbannung aus Deutschland im Jahre 1849 als Revolutionär eine Wandlung dur^emacht, doch blieb seine Teilnahme an der politischen Er- scheinungswelt insofern rein künstlerischer Ratur, als er unter ihrer formellen Aeußerung auf ihren rein menschlichen Inhalt blickte. Diebold stellt in seiner klugen, feinspürigen Weise die Rückwärtscrei, wie sie in Bayreuth um sich gegriffen hat, in ein klares Licht. Es darf aber nicht verschwiegen werden, daß Siegfried Wagner des öftern mündlich und schriftlich erklärt hat, er selbst habe mit den Reaktionären nichts zu tun. Als der Gießener Oberrabbiner Dr. Benedict Levi vor der ersten Parsifal-Aufführung Richard Wagner im Hause Wahnfried fragte, tote er mit seinem Sohne Hermann zufrieden fei, erwiderte der Meister: „@r ist mein alter ego!" Hermann Levi (in Gießen geboren) zählte zum engsten Freundeskreise Wagners. Als Münchner Generalmusikdirektor war ihm vom Königs Ludwig der Auftrag erteilt worden, den Parsifal^ in Bayreuth zu dirigieren. — Diebold kommt inj feiner Schrift zu einer Exposition des Falle- Rietzsche-Wagner. .Snobisten und kritische Läuse, übernehmen immer nur das jeweilig neueste Schlagwort. Sie begrüßen für ihre Zwecke die ilmtoertung der Moral, die uns den Weg zu einer neuen Epoche frei machte. Sie glauben ohne Vorbehalt an Riehsches »Modernität . Doch sie vergessen den Anlidemokraten und Massenhafter, den unsozialen Verkünder des Herren-i menschentums, den Woller zur Macht — dessen großartigste Gedanken und der berechtigte ©ei»1 ites-Aristokratismus vom Weimarer Kreis der Elisabeth Förster-Riehsche beinahe so nationalistisch ansgelegt werden, wie die Wagnerfcheiy Heldennamen von den Bayreuthern." Diebold analysiert Rietzsches Schmähschrift gegen Wagner. „Der Ueberschwang von Liebe Riehsches zu Wagner (im Jahre 1876) und der lleberschwang von Hohn des Philosophen gegen den Meister vom Bayreuth (im Jahre 1883) flössen aus der glei-i chen seelischen Quelle Rietzsches: seiner WesenS- ähnlick^eit mit Wagner." Diese ^WesenSähnlich- feit“ führt Diebold aus ihrer scheinbaren Problematik mit überzeugender Beweiskraft zu positiver Gewißheit. Die Abschnitte .Umwertung, der Musik", „Kunstdämmerung", .Der große^ Stil", ^Reues Pathos" überraschen durch eine Fülle von Ideen, sie offenbaren im eigentlichen Sinne des Worts: Spezi aliftifche Kritik.
A. B.
Letzte Nachrichten.
Staatspräsident Adelung zum Konflikt Bayern-preußen.
® a r m ff a b t, 4. Febr. (TU. Drahtmeldung.) Der hessische S taatspräfibent äußerle sich, über ben bayerischen Vorfall befragt, folgendermaßen: „Ls ist unerfreulich und unerwünscht, daß am gleichen Tage zwei prcffc- besprechungen in Berlin ffatfgefunben haben, bei bet einen, wo der Reichrauhenminister Dr. S trefe- mann gegen Ausführungen Poincar6 s Stellung nehmen mußte, während in ber anberen bet preußische Ministerpräsident Angriffe gegen Bayern abzuwehreu g«-j nötigt war." Der Staatspräsident brückte sein größt« Erstaunen über die bayerijchen Ausführungen aus und erklärte, baß biefe nicht geeignet feien, den verlauf der verhanblungen zu fördern. Ls mflfty bae Bestreben fein, einen anderen IBeg, alt den de» Streites zur Beilegung von Streit1" fragen zu finden. Der Ton, der von Bayern ange-' wendet würde, feiunerktärlichundunmSg- l i ch; er ist geeignet, da» deutsche Ansehen auf# schwerste zu diskreditieren.
Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse
Die hinter ben Papieren angeführten Zistern geben die Höhe bet zuletzt ^beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 6,5 Prozent, Lombarüzinsfuß 7,5 Prozent.
Berlin. 2. Februar
a. M
Devisenmarkt Berlin—Frankfurt
Telegraphische Auszahlung.
französische Noten ...... Holländische Noten...... Italienische Noten ...... Norwegische Noten..... Deutsch Tellerr , 4100 Knmeo Rumänische Noten......
Schwedftche Noten ...... Schweizer Noten ....... Spanische Noten ....... Tschechoslowakische Noten . • Unaariftbf Noten
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Berlin, 2. Februar
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