Freitag, 4. Zanuar 1929
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
Nr. 3 viertes Blatt
stellen."
(Qtad) Pressedienst d. Weltjugendliga. De^. 28.) 3n der französischen Zeitschrift „Evolution" erschien ein Aufruf von über 100 französischen Intellektuellen unter Führung von Victor Mar- guörite zur Revision des Versailler Vertrages. Darin heißt es: „Die Besiegten willigten ein. entwaffnet zu werden auf das Versprechen hin. daß der kommende Friede auf den 14 Punkten Wilsons begründet fein werde. Dies s 'Versprechen ist nicht beachtet worden, und in gewissen Punkten haben die Alliierten die Forme l verletzt. Eine nicht minder ernste Tatsache ist, daß diese Verträge den Mittelmächten diktiert worden sind, ohne daß ihre Vertreter gehört worden sind.
Durch Artikel 231 zwingen die Sieger die Besiegten. ohne auch nur ihre Verteidigung anhören zu wollen, sich allein als für den Krieg verantwortlich zu oefermen... Eine Revision des Vn^trags der Ungerechtigkeit und der Gewalt ist notwendig." (Franks. Ztg. v. 18. Dez. 28.)
Daten für Freitag, 4. Fanuar.
1785: der Sprachforscher Jakob Grimm in Hanau geboren; — 1849: Franz Laver Gabelsberger in
München gestorben; — 1880: der Maler Anselm Feuerbach in Venedig gestorben; — 1913: der preußische General Alfred von Schliessen gestorben.
dagegen sehr zu wünschen übrig. 3n Haarschneidemaschinen ist dis Be chä'tiguna zwar bisher noch gut gewesen, neue Be e langen sind jedoch nicht eingegangcn. Der Auftragsbestand blanker Massen bestnedigte auch in diesem Monat.
Daten für SamStag, 5. Januar.
1643: der Physiker und Astronom Isaak Newton in Woolsthorpe geboren; — 1858: Fell)marschall Gras Radetzky in Mailand gestorben.
Abgänge.
• Aus der K le i ne i senind u stri e. Dia
Landwirtschaftliches Genossenschaftswesen. l
Kursus beim Landwirtschaftlichen Institut der Landesuniversität in 'Gießen. I
Wirtschaft.
Oie Reichsbank Ende Dezember 1923.
wirtschaftliche Lage d.r Eisen- und Stahkwaren- industrie des Solinger Bezirks hat im Monat Dezember gegenüber den Vormonaten kaum 2len- derunaen er ähren. 3n der Schneidwaren ndustris war das Weihnacht'g schäft wenig befr'edigend.
von 240 Genossenschaften. Eine gleichfalls sehr er- hcbl che Bestandsoermehrung haben mit 217 effektiven Zugängen die „Sonstigen Genossenschaften" zu verzeichnen. Die Zahl der Zentrahgenossenschaften hat sich um 7 gegenüber der Dorjahrsziffer vermehrt. Die Aufwärtsbewegung würde sich noch stärker ausgewirkt haben, wenn sie nicht durch Rückgängigkeit in zwei anderen Genossenschaftskategorien, den Spar- und Darlehnskasien und den Bezugs- und Absatzgenossenschaften, ihre Hemmung erfahren hätte. Diese schon im Vorjahre zu beobachtende Ruckgäng gkeit beziffert sich bei den Spar« und Duclehnskassen insgesamt auf 119 und bei den Bezugs- und Absatzgenossenschaften auf 44 effektive
Völkerversöhnung.
Don Dr. Auguft Messer, o. Professor der Philosophie und Pädagogik an der Universität
Gießen.
„Bei der Bedeutung der Stellungnahme zu der Frage der Völkerversöhnung für Len ganzen Geist unserer Volks- und 3u- genderziehung, sehe ich es." — so schreibt uns der Verfasser — „als Vertreter der Pädagogik an der Landesuniversitat als meine Pt licht an. hier Farbe zu betennm. Ich vertraue, dast Sie in dieser Frage auch eine grundsätzlich andere Auffassung einmal zu Wort kommen lassen, als die des Herrn Generalsuperintendent m Schian in feiner Silvesterbelrachtung."
3m „Gießener Anzeiger" vom 31. Dezember 1928 (Ar. 306, 1. Blatt) findet sich eine Silvesterbetrachtung des früheren Giehenn: Professors der Theologie und jetzigen Generalsuperint-ententen zu Breslau D. Dr. Martin Schian. überschrieben: „Das 3ahr 1928". Darin stehen die Sätze: „Wenn wir doch endlich lernen wollten: Frankreich ist Deutschlands Feind in jeder Hinsicht und mit allen Mitteln. Ganz gleich, ob er freundlich redet oder grob spricht: Frankreich gönnt Deutschland nichts, auch nicht bas Brot zum Sattwerden."
Die Frage, ob denn damit nicht Haß gepredigt werde, würde wohl Herr Schian verneinen. 3hm dürfte ja in der Tat 3efu Wort geläufig sein, daß man auch „seine Feinde lieben" müsse. Indessen, es gibt doch unter und sicher noch recht viele, die sich zu dieser Höhe nicht zu erschwingen vermögen, für die es einfach eine Selbstverständlichkeit ist, daß man seine Freunde zwar lieben, ab r seine „Feinde" hassen müsse. Insbesondere für weite Kreise der Jugend wird das gelten.
Als Vertreter der Pädagogik an der Lantes- universilat glaube ich darum bei bie'ent Anlaß auch em Wort sagen zu müssen, zumal ich überzeugt bin von den hochbebeu:samen volkserzieherischen Aufgaben der Presse,
Ich halte es für meine vaterländische Pflicht, nach Kräften dafür einzutreten, daß wir entsprechend der Forderung unserer V rfassung, unsere 3ugend sowohl im Geiste unser.s Volkstums als auch im Geiste der Völkerversöhnung erziehen: ich bin auch der Ansicht, daß bie,e beiden Forderungen sich nicht widersprech n, sondern in besten Einklang gebracht werden können. und daß beide zugleich sittliche Forderungen sind. Ein seiner Verantwortung bewußter Völls- und 3ugenderzieher darf aber heute den Sah: Frankreich ist unser Feind, um so weniger aussprechen, als der Satz in dieser Allgemeinheit falsch ist. , .
Innerhalb aller Kulturvölker, auch im fran- zösttchen. ringen in der Gegenwart zwei Richtungen miteinander: die eine, die von gestern, bis da meint zwischen Staaten könne nur ein beständiges Mißtrauen herrschen; um den Frieden zu sichern, gebe es kein besseres Mittel, alS zum Kriege zu rüsten, und der Krieg sei ein un- entbehrliches und darum durchaus berechtigtes Mittel der Politik; und eine andere, die von morgen, die überzeugt ist. eine ganz große Aufgabe und Forderung christlichen Geistes sei noch unerfüllt, wenn nicht auch die Beziehungen der Völker versittlicht würden, wenn nicht das Gefühl für menschliche Solidarität die Barbarei der Kriegs ächte. Die Vertreter dieser Richtung — es ist die vielgeschmähte „pazifistische" — sind sich auch darüber klar, daß ein neuer Krieg für die Kulturnationen EuroPwS bei der Furchtbarkeit jetziger Kriegstechnik geraden Selbstvernichtung bedeuten würde; dah ferner alles darauf ankomme, den Kriegsgeist in den Völkern und in ihrer Jugend nicht fortwährend wieder zu schüren; denn einmal entfacht, ist er vielleicht nicht mehr zu dämpfen, außer durch Strome von Blut
Wenn wir nun in französischen Blättern etwa einen Sah lesen würden wie dm: „Deutschland ist Frankreichs Feind in jeder Hinsicht und mit allen (!) Mitteln", das heißt: auch mit den Mitteln „des Vertragsbruchs, des kriegerischen Lieberfalls" usw., würden dann friedllebende Deutsche nicht mit Recht sagen: „Da sieht man wieder die französischen Chauvinisten bei ihrer Heharbeit!"
Unb wenn deutsche Blatter Frankreich als den Todfeind Deutschlands bezeichnen, liefern sie dann nicht denjenigen französischen Politikern uni) Militärs Wasser auf ihre Mühledie, als französische Patrioten, ehrlich davon überzeugt sind, daß Frankreich, um sich vor einem Revanchekrieg des an Dvlkszahl stärkeren Deutschland zu sichern, dauernd die Rheinlande besetzt halten müsse.
Es ist ein immer sich bewahrendes Gesetz menschlichen Seelenlebens: Haß erzeugt Haß, und Liebe erzeugt Liebe. Welche praktische Folgerung daraus zu ziehen ist, das sollte doch eigentlich nicht zweifelhaft fein.
Zur Bekräftigung des Gesagten mochte tch noch zwei Aeuherungen aus jüngster Zett anführen, eine deutsche und eine französische.
Der evangelische Landesbischof von Mecllen- burg-Strelitz, D. Sohlen, führte kürzlich in einem Vortrag die Gedanken aus: „Pazisismus und Christentum gehören zusanunen. Das Wort „Pazifist" stammt aus dem Reuen Testament, wo Jesus die Friedfertigen selig preist. Me Paz;- fisten stehen heute der Kirche argwöhnisch gegenüber. Um so mehr haben gerade die Christen allen Grund, eine zweifelsfreie Haltung dem Pazifismus gegenüber anzunehmen. Deutschland hat gerade als Kriegsopfer einenPazisistischenWeltberuf. Darum müssen sich alle Christen und voran die Kirchen rückhaltlos ui den Dienst des Friedensgedankens
Zwar war die Mehezahl der Unternehmungen dieses Gewerbezweiges im ersten Drittel des Monats noch verhältnismäßig gut mit der Ausführung der Weihnachtsausträge beschäftigt, danach ließ die Beschäftigung jedoch stark nach. Da inzwischen neue Auftrage nur in geringem Maße eingegangen sind, steht zu befürchten, dah im 3anuar Arbeitsverlürzungen und Entlassungen Dorgcnommen werden müssen. Befr ed gend war im W.ihnachtkge ch^st led g ich der Umsatz in Bestecken, unter denen namentlich Alpakabestecke bevorzugt tourten. Die Bestellungen auf Scheren, Ra'iermes.er und Taschenmesser ließen
1. T a g.
Der Einladung des Landwirtschast'ichen 3nsti- tuts der Hess. Landesuniverji ät, des Verbandes her Hessisch«) Landtoirtschastliu)en Genossenscha> ■ ten, Darmstadt des Raiffeisen-Verbandes, Franl- j furt, und des Verbandes der Rassa iischen Land- toirtschastlichen Genvssenschasten, Wiesbaden, zu einem dreitägigen VortragskurS über ..Landwirtschaftliches Genossenschaftswesen" wurden von feiten der ge- nosser.schastlichen und landwirtscha tlichen Praxis, 1 den Genossenschastsverbanden und ihren Zentralen, den dL entlüften Körperschaften und Behörden sehr zählreich Folge geleistet. Die große Zahl von über 300 Teilnehmern beweist, wie allgemein in der gegenwärtigen Zeit die Bedeutung des Denossenschat tswesenS für die Land- toirtscha t gewürdigt wi.d.
Zu Beginn des Lehrgangs ergriff gestern Se. Magnifizenz dm: Rektor der Lantesu: i.-ersität, Pro'essor Dr. Herzog, das Wort und gab, die Bedeutung der vom La'dw. 3nstitut und damit von der Landesuni'oerlltät für die Land- wirtfchcttt und das Gerossenscha tswe'en geleisteten Arbeit würdigend, feiner Freude darüber Ausdruck, daß die Anregung zu diesem Lehrgang auf so fruchtbaren Beden gefallen ist.. Er beto:te ganz besonders, wie sehr an Stelle eines Abbaus ein Ausbau dw hiesigen, die Land- wirtschast wahrhaft fördernden Einrichtungen notwendig fei
Anschließend begrüßte der geschäftsführende Dr- reftor des Landwirtschaft!. Instituts, Pro;. Dr. Sessous, die zah reich ersch enenen Ehrengäste und Kursteilnehmer und eröffnete den Kur.us mit dem Wunsche, dah alle Tei nehmer wertvolle Anregungen für ihre Tätigkeit draußen in der Praxis hieraus a.-w'.nnen möchten.
Ramens der Gäste und Kar. bei'nehmen dankte Verbandsdirektor Berg (Darmstadt) für die Einrichtung dieses Vortrag'kurses und betonie sehr eindringlich, welche Bedeutung der ge.u>f en- scha ftliche, auf Selbsthilfe beruhende Zusammenschluß heute für jeden Einze landw'rt und für die gesamte Landwirtschaft besitzt. Rur durch Stärkung und Ausbau des genossen- s ch a f t l i ch e n G e d a n k e n s fei d.e L f-ng des heute für die Landwirtschaft so schwier'gen Absatzproblems möglich. Daher sei es ganz besonders zu begrüßen, daß in die en Wintersemester erstmalig brim Lanitto rt ch^ft il)en Institut ein Studiengang über landwirtscha Liebes Genossenschaftswesen eingerichtet wurde und damit Gießen in dieser Frage führend vorangegangen ist.
Den ersten Vortrag hielt Prof. Dr. Günther (Gießen) über
,'Die Grundfragen
des Genossenschaftswesens^
und führte etwa folgendes aus: Die Genosienfchast ist nicht bloß eine Kaoitalgesellschaft, eine reine In- teressengemeinschast, sondern sie ist, oder sollte es wenigstens sein, eine Personenvereinigung, eine Ge- sinnung:gcmeinschastt 3m Grunde genommen ist das Genossenschaftswesen ethisch fundiert. Es sind bei der Genossenschaft allein nicht rein wirtschaftliche Ziele, sondern auch ethische maßgebend und grundlegend. Redner kam sodann auf die Entwicklung während des 18. und 19. Jahrhunderts zu sprechen und zeigte, wie das 18. Jahrhundert jeden genossenschaftlichen Gedanken feind war. Damals herrschte die Parole: Es gibt nur den Staat und das Individuum. Alle sonstigen Zwischenorgani- sationen sind ausgeschloffen. Diese Anschauung hielt bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts an. Prof. Günther ze.gte, wie die wirtschaftliche Freiheit nur dem Starken zugute kommt, während dagegen der wirtschaftlich Schwache, der kleine Mann, durch die Freiheit eher zu Schaden kommt. Dem wirtschaftlich Schwachen ist nur durch wirt- schaftliche Bindung zu helfen. Und so wurde es langsam die Aufgabe der Genossenschaften, die Schwachen einzelnen zusammenzufassen, um dadurch schließlich wirtschaftliche Großkräfte zu erzielen. Weiter ging Redner dann auf die drei Hauptgruppen ein und untersch ed zwischen Verbraucher-, arbeite» und Unternehmer-Genossenschaften. Bei den Konsumgenossenschaften besteht die Möglichkeit einer mehr passiven, genießenden Mitgliedschaft. Die Arbeitsgenossenschaft stellt die höchsten Anforderungen an das persönliche Verhalten der Genoffen, gibt aber auch die höchsten Vorteile. Eine Mittelstellung nehmen die Unternehmergenoffenfchaften ein. In klaren Ausführungen zeigte dann der Redner, wie die Unternehmergenossenschaften, bei denen ja auch in diesem Kursus das Hauptinteresse ruht, in ihrer Entwicklung durch die Starke des Konfliktes zwi- schen Gemeinschafte- und Einzelintereffe bedingt sind. Er wies auf die besondere Lage der Landwirtschaft hin, bei der die Konkurrenz zwischen den einzelnen Nachbarn kaum in Frage kommt. Die Landwirtschaft kennt wohl Konkurrenz, aber nur mit dem Auslände und nicht mit den unmittelbaren Nachbarn. Der eigentliche Kampf zwischen den Produzenten ist auf dem Lande nicht vorhanden. Während in der Stadt der Genossenschaft starke Widerstände entgegenstehen, sind auf dem Lande die Dor- aussetzungen für die Grundlage der genoffenschaft- llchen Entwicklung viel günstiger Das zeigte sich besonders in den drei letzten Menschenaltern, in denen die Zahl der ländlichen Genossenschaften bedeutend gewachsen ist.
Der nächste Redner, Prof. Dr. Hillringhaus (Berlin) ging bei seinem whema
„6tn Sang durch die Geschichte der deutschen SenoffeuschastSNesenS^
von den wirtschafllichen und sozialen Derhältniffen aus, aus denen heraus die moderne Genoffenschafts-
Aach dem Ausweis der Reichsbank vom 31. Dezember 1928 hat die gesamt» bewegung in Stadt und Land entstanden ist. Er Kapitalanlage der Bank in Wechseln und legte die Bedeutung der Vorläufer des Genossen- Schecks, Lombards und ©heften in dec Ultimo- schfftswesens, vor allen Dingen von Victor Aim6 Woche um 883,4 Milli inen auf 2945,8 Millionen Huber, dar und zeigte dann die bleibende Bedeu- Mark zugenommen. Die Zunahme entfällt mit tung, die Friedrich Wilhelm Raiffeisen durch 693,8 Millio.: en Mark auf di: Bestände an Wech- bie Gründung und Zusammenfassung der ländlichen fein und Schecks, die auf 2327,4 Millionen QKar! Spar- und Darlehnskasien für die weitesten Kreise angewachsen sind. Außerdem sind 51,1 Millioder deutschen Bauernschaft hatte. Reben ihn tritt nen Mark an Reichsschatztoechseln angetouft wor- als Organisator ein Sohn unserer hessischen Hei- den. Die Lombardbestäide haben sich um 138,5 mat, der Begründer der größten landwirtschaftlichen Millionen auf 176,1 Millionen Mari erhöht; die Genoffenschaftsorganisation der Welt, des „Reicks- Anlage in Effekten i't mit 92,3 Millionen Mark oerbandcs der deutschen landwirtschaftlichen Ge- annähernd unverändert geblieben.
nossenschaften", Wilhelm H a a s. Als der Vater des Qln Reichsbankn oten und R ent sn- städtischen Genossenschaftswesens kann Schulze- bankscheinen zusammen sind 464.0 Millionen Delitzsch angesehen werden, über dessen genossen- Mark in den Vnnehr abgeslossen; im ei:zelnent schaftl'che Tätigkeit der Vortragende ein anschau- erhöhte sich der Umlauf an Reichsbarknoten um liches Bild entwarf. Neben dem Schulze-Deletzschschen 448,5 Millio en auf 4930.1 Millionen Mark, der- Genoffenschaftsverbande war seit 1901 der Haupt- jenige an Re ttenbankschcinen um 15,5 Millionen verband deutscher gewerblicher Genossenschaften auf 529,9 MU ionen Mark. Dementsprechend find tätig, bis die beiden Verbände 1920 sich zu dem die Bestände der Reichsbank an Rrn:anLanlfchci- „Deutschen Genossenschaftsoerband" vereinigten, nen auf 7,4 Millionen Mark zurückgega.ngen. Der Im Anschluß daran wies der Redner auf die ge- gesamte Zahlungsmittelumlauf stellte sich unter genroärtigen Bestrebungen hin, das landwirtschaft- Einbeziehung von etwa 965,0 Millionen Mark liebe Genossenschaftswesen zu einem Einheitsver- Sch-cidnnünzen und etwa 190,0 Millionen Mark bände zusammenzufassen, und sprach die Hoffnung Privatbanknoten auf rund 6315,0 Milli men Mark au5 daß sie in Kürze erreicht, werden möchten. Im gegen rund 6300 Millionen Mark Ende 1927. weiteren Verlaufe seiner temperamentvollen Aus- Die fremden Gelder zeigen mV. 8161 Millionen führungen wurde eine Schilderung der Entstehung Mark einen Zuwachs um 319,6 Mil Ionen Mark, und Entwicklung der städtischen Konsumvereins' DieDeständeanGoldunddeckungs- beweaung gegeben, die zwei Verbände aufweist, fähigen Devisen ltegefamt nahmen um den Zentralverband deutscher Konsumvereine- in 2,9 Millio -en auf 23316 Mil tenen Mark an; im Hamburg und als kleineren Verband den „Reichs- einzelnen find dir Goldbestände mit 2729,3 Mil- verdand deutscher Konsumvereine- in Köln. Auch lio .en Mark, dir Be tändr an deckungsfähi-em auf die Arbeitegenossensckaften, die in der Rach- Devisen mit 155,3 Mlltto-.en Mark ausgewiesen. krieqszeit aufs neue von Bedeutung geworden sind, Dre Deckung d e r R o t en durch Gold allein und auf die Genossenschaftsbewegung der Kolonial- betrug 5o,4 Prozent gegen 60,9 Prozent in der Warenhändler (Edeka) und andere wurde näher Vorwoche und 40,9 Prozent Ende 1927 die durch eingegangen. In feinen Schlußausführungen legte Gold und deckungsfahige Devisen 58J5 Prozeß Der Vortragende den gespannten Zuhörern dar, gegen 64^ Prozent m der Vorwoche und 47.0 was aus der geschichtlichen Entwicklung des Ge-- Prozent Ende 1927.
noslenichoftswescns für bi® Sandel lnid Geiverbe im Dezember 1928.
künftige Arbeit der Genoffenschaften gelernt wer- . _ . — ... .....
hm kiinne In dem auf Grund von Berichten preußischer
’ « r» K <n^L „ m o r Industrie- und Handelskammern und des Deutschen
Der ^lgende Redner, Prof. Dr. ' Handwerks- und Gewerbekammertags im preußi-
©te&sn, schilderte in seinem Dorttage ^en Ministerium für Handel und Gewerbe zusam-
Die ethische Bedeutung mengestellten Monatsbericht wird zusammenfassenü
öe6 (Äenossenschaftötv senö Wirtschaftslage zeigt im Dezember eins
zunächst die furchtbare Krisis in der Landwirt- weitere Abschwächung in einzelnen Pro* schäft und deren Verschuldung, die bedingt sind duktionsgüterindustrien, die sich besonders auf dem durch das Mißverhältnis der Preise tanbtoirt- Arbeitsmarkt auspräat. Die Arbeiteiofenziffer hat chastlicher Erzengnisfe zu jenen der Bedarfs- sich im Laufe des Jahres 1928 ungünstiger gestaltet und Betriebsmittel, sodann durch tu gegenüber als im Jahre 1927; ihre Kurve aeht seit November ter Dorkriegszrit um das mehrfache erhöhten steil in die Höhe und hat die Zahl von 1300 000 Steuern und Abgaben, sowie endlich durch die bereits erreichtt Infolge der Beilegung des Ar- hohen Zinssätze für die in den letzten Jahren beitetampfes an der Ruhr konnten weitere Schadi- b:anfPruchten Kredite. Hilf« kann neben den gungen des Wirtschaftsleben» verhindert werden, geeigneten Maßnahmen des Staates nur eine Die schon in größerer Zahl vorliegenden Jahres- Weitere Vervollkommnung in der Arbeit der berichte der Industrie- und Handelskammern lassen Genossenschaften bringen, billigere Darlehensver- jedoch über den Ernst unterer allgemti« mittlung, Besserung der Technik, Anwendung von nen Wirtschaftslage keinen Zweifel. Der Maschinen, glrichmäs.izere Preise, Konzentration Konjunkturrückgang, der im Herbst 1927 einsetzte, von Kapital, Arbeit und 3ntelligenz. sowie vollzieht sich zwar langsam, dennoch hat er nach schließlich die Bekämpfung unlauterer Machen» den Gebrauchsgüterindustrien und dem Handwerk schäften des Handels. Vom ethischen Gesichts- auch die Produktionsgüterindustrien und aanA be- punkt aus betrachtet führt das Genofsenschaiis- sonders die Landwirtschaft ergriffen. Auf die so wesen zur Hebung des Standesbewußtseins, deS geschwächte Wirtschaft drücken die ösfentlichelr Vertrauens auf die eigenen Krä, te, des gci.'tigen Lasten mit einem seit der Erhöhung der Dawes- und sittlichen Lebens und zum Beharren auf lasten verstärkten Druck. Es konnte trotz aller Anter eigenen Scholle. Die Weltgeschichte lehrt, ftrengungen der Regierung und der Wirtschaft die daß der Untergang des Bauernstandes ietoeilcn Ausfuhr mit der Einfuhr nicht in Einklang gebracht zu dem dw ganzen Kulturvölker geführt hat, werden. Unsere Handelsbllanz war in den ersten und deshalb ist die Erhaltung einer lebenskrästi- elf Monaten des vergangenen Jahres um aber gen Landwirtschaft ein erstes ethisches und vater- 2,5 Milliarden Mark passiv.
ländisches Gebot. Der Entwicklungs- und Untergang der Staaten wird unter dieser Beleuchtung * Weitere Herabsetzung d e s Privat- für das alte Rom, die italienischen Hondelsreprr- diskonts. Der Privatdiskont hat an der gestrigen blifen, Spanien, die Niederlande gezmgtt und Die Dorfe wiederum eine Ermäßigung erfahren. Er ist Derhaltnisse von England und Deutschland be- um D $ QUf 6>/8 v $ fQr beide Sichten herab- sprochen. . gesetzt worden.
Don den drei acohen Devollerungsstufen ist " *"Die landwirtschaftlich en Genossen- nur ter Stand öer Dauern der uralte von ^cho^enamJahresbeginn. Rach der Sta- gleichmäßiger und sicherer Wahrung, wogegen ÖC5 Reichsoerbandes der deutschen landwirt- sich ter städtische Mittelstand und zum Teil auch schaftlichen Genoffenschaften waren am 1. Januar die Arbeiterschaft besonders aus den landlrchen 1929 vorhanden: 115 Zentralgenoffenschaften, 20 551 Kreisen erneuern und bte Großstädte ohne die Spar, unö Darlehnskassen, 4632 Bezugs- und Ab- Dinnentoanderung vom Lande her Massengräber satzgenossenschaften, 4330 Molkereigenossenschaften, bedeuten. Rach dem Kriege hätte man sich öer 768 sonst.ge Genossenschaften, zusammen also Kullur der Oeötäntereien annehmen sollen, in 40 396 landwirtschaflliche Genossenschaften. Das be- dem Sinne, wie et als das befriedigendste und deutet gegen das Vorjahr insgesamt einen Zuwachs herrlichste für ein Volk am Ende ter saust- Don M Genossenschaften. Diei Bestandvermehrung Tragödie so tief ergreifend zum Ausdruck ge° be5 patres 1927 hat sich damit mehr als verdrei- langt. Aber in Deutschland wird felbft in ge- ;QÄt. Wie in 1927, steht auch in dem soeben abgebildeten Kreisen die ethische und gesundheitliche [aufenen Jahre das Molkereigenossenschastswesen an Bedeutung des Bauernstandes noch immer zu erner Stelle, und zwar mit einem effektiven Zugang wenig begriffen. Gelingt es, durch die genossen- _ . - ..... -..... '
schaftliche Bewegung mehr Landwirte auf der Scholle zu erhalten, und öamit dem deutschen Vaterlante eine glückbringende 3nnenstruktur im Wirtschaftsleben, sowie bauernde Dolkskraft^ zu sichern, so werden die Genossenschaften, weit über ihre rein materiellen Ziele hinaus, selbst zu Trägern hoher, ethischer Gedanken. Und wie ihre Arbeit in Deutschland schon in den Zeiten vor dem Kriege für andere Staaten vorbildlich war, so wollen wir sie nun weiter ausbauen und in Anpassung an die erschütternden Verhältnisse von heute ihrer Höchstleistung und Vollendung entgegenfügten. Bei aller Anerkennung der wirtschaftllchen Wichtigkeit der Ausfuhrindustrie soll unsere Zukunft nicht wieder auf dem Wasser liegen. Wir freuen uns, daß die Uni» versität Gießen anderen Bildungsstätten auf dem Gebiete der Förderung des Genossenschaftswesens vorausschreitet, womit sie verständnisvoll den ethisch so hochwertigen Bauernstand ehrt, und ungewollt auch ftch selbst.
lieber den Vortrag des letzten Redners des heutigen Tages, Prof. Dr. M o m b e r t, toer» i ten wir morgen berichten.


