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Nr. 3 Zweites Blatt Eietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) greitag, 4. Zanuar (929

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Chinas Gchicksalsjahr.

Don unserem ^-Berichterstatter.

Nachd^ick, auch mtt Quellenangabe, verboten.

Tientsin, Dezember 1928.

Keinem Linde der Wett hat das vergangeneTahr einen größeren Umschwung gebracht als China. Noch vor einem Jahre war dasReich der Mitte" ein Spielball der Generäle. In vielen Provinzen herrschte Hungersnot und in allen größeren Städ­ten ging das Gespenst der Roten Revo­lution um. In Schanghai, Kanton und Hankau mußten Aufstände der roten Gewerkschaften mit be- moffneter Faust niedergeschlagen werden, während «leichzeilig im Morden die Schachfigur Japans, Tschangtsolin, die Hauptstadt, des Reiches be­setzt hicll und der Süden uneinig unter sich darum haderte, wer den großen Feldzug gegen den Norden Ju Ende führen sollte. Zwisä-en Fenghjuhsiang. em christlichen General und Penhsischan, dem Mustergouverneur aus Schansi, herrschte tiefstes Mißtrauen, während gleichzeitig die Stellung des eben aus Japan zurückgekehrtcn jugendlichen Gene­ralissimus, des Napoleons der chinesischen Revolu­tion, Tschiangkaischek, überaus ungewiß schien, so daß man befürchtete, auch der Sieg des Südens über den Norden würde nicht zu einer Einigung Chinas, sondern nur zu neuen Kämpfen zwischen den siegreichen Generälen führen. Dazu drohte die Intervention der Japaner und der ande­ren europäischen Mächte, die eine Wiederholung der blutigen Zwischenfälle von Hankau, bei denen das Leben und das Eigentum von Ausländern bedroht worden war, nicht gestattet haben wurden. Die chinesische Kaufmannschaft schien verzweifelt und der Kämpfe satt, und die allgemeine Stimmung im Lande t>?r überaus trübe.

Vergleicht man damit die Lage Chinas am Ende dieses ereignisreichen Jahres, so ist man überrascht, wieviel erreicht worden ist. Denn was vor einem Jahr noch als Programm, ja mitunter nur als Großsprecherei des Südens erschien, die Eini­gung ganz Chinas unter einer Regierung und unter einer Partei, das ist im letzten Jahre bis auf kleine Reibereien geglückt. China besitzt heute in d»r Nankingregierung wieder eine im ganzen Lande anerkannte Zentralgewalt, die nur noch eine Art von polizeilicher Säuberungs- aktion durchzrrführen hat, und es hat sich am 10. Oktober eine neue Verfassung gegeben, die dem Wandel der Verhältnisse auch nach außen hin Rechnung trägt. Tschiangkaischek ist heute der Staatspräsident Chinas, sein einstiger Rivale Fengh ist sein Kriegsminister, und all die verschiedenen Richtungen in der Kuomintang sind in der Zentral- gemalt so vertreten, daß sich zunächst einmal nie­mand über Benachteiligung beschweren kann. Das Vertrauen zur Zentralregicnmg und zur günstigen Weiterentr--.ä<ung der Verhältnisse in China ist dementsprechend gestiegen. Es gibt eigentlich kaum noch jemanden, der den Ausbruch eines neuen Bür- gerkrieges befürchtet, da die ausgleichende Hand Tfchiangkaischeks die Vermeidung neuer Katastro- phen garantiert. Ja, auch d i e Mandschurei, die praktisch fast zehn Jahre lang vom übrigen China völlig losgelöst war und als japanische Ko­lonie angesehen wurde, hat sich unter dem Sohne Tfchangtsolins dem Hauptreiche wieder angeschlossen und sich vorläufig wenigstens formell der Zentral-

tegierung von Nanking unterworfen: China ist also tatsächlich wieder geeint.

Diesem großen inneren Erfolge stehen beinahe ebenso große in der heutigen Zett langsamer Dertragsrevision geradezu märchenhaft anmutenbe Erfolge der neuen chinesischen Regierung in der Außenpolitik gegenüber. Die ungleichen Ver­träge, jener Stachel im Fleische der chi­nesischen Nation, gelten formal als abge­schafft, und die für die chinesischen Finow zen so überaus wichtige Frage der $ 0 11 aut 0 n 0 mie ist in einem Sinne gelöst worden, der China mit berechtigtem Stolz erfüllen kann. China hat sein Selbstbestimmunasrecht wieder. Denn alle Mächte haben sich ohne Ausnahme bereit er­klärt, diesen Zustand anzuerkennen und mit China auf Grund der neuen Verhältnisse neue Verträge abzuschließen. Und zwar nicht nur di" Mächte, die sich schon immer für die Erfüllung der Forderungen der Nationalchinesen ausgesprochen haben, sondern auch diejenigen, die sich bisher stets gegen die nationale Bewegung in China wandten: Eng­land und Japan. Ja, England hat sogar einen neuen Zolloertrag mit China geschlossen, der einer restlosen Bewilligung aller chinesischen Forderungen aleichkommt. Und wenn Japan, das einzige Land, das in der Frage der Zollerhöhung noch ernsthafte Schwierigkeiten macht, einen gleichen Vertrag noch nicht abgeschlossen hat, so ist nickt daran zu zwei- fein, daß sich nun auch Japan über kurz ober lang mit den neuen Verhältnissen wird abfinden müssen, da es sonst in eine hoffnungslose Isolierung hin­eingerät, die den japanischen Interessen in Chino nur abträglich sein kann.

Allerdings darf man nicht verkennen, daß noch nicht alle Schwierigkeiten überwunden sind, und daß es noch ein weiter W e a ist bis zur völligen Konsolidierung der Verhältnisse in China. Große

Aufgaben harren noch ihrer Losung, und die Schwierigkeiten, die gerade dem wirtschaftlichen Wiederaufbau des Landes entgegenstehen, sind noch recht groß. Die stehenden Heere, die immer noch da sind, müssen demobilisiert werden, und die Finanzverwaltung des Landes ist neu einzurichten. Es gilt, eine neue Verwaltung zu schaffen und oen stark gewandelten Rechtsanschauungen auch äußerlich in einem neuen Gesetzbuch Ausdruck zu geben. Auch in der Außenpolitik ist noch vieles ungelöst geblieben. Die Frage der rechtlichen Stel­lung der Ausländer, die Frage der Konzes­sionen der größeren Mächte, die Frage der Be­ziehungen zu Rußland und nicht zuletzt die be­reits angedeutete Frage der Gestaltung der Be­ziehungen zu Japan harren noch ihrer Lösung und werden noch viel Arbeit und Geduld kosten, ehe sie für alle Telle zufriedenstellend geregelt worden sind.

Aber wer die Ereignisse in China genauer ver­folgt hat, wird nicht daran zweifeln, daß trotz all der Schwierigkeiten die Lösung dieser Probleme nicht mehr so unwahrscheinlich ist, wie man das vor einem Jahre noch annchmen mußte. Das Jahr 1929 wird man daher in China mit einer ge­wissen Berechtigung als ein Jahr kommenden wirt­schaftlichen Aufstieges begrüßen können, das dem großen chinesischen Volke, allen Widersachern zum Trotz, die Freiheit und die Gewißheit bringen wird, daß dem vielgeprüften Lande eine Zett des Friedens und des Wiederaufbaues bevorsteht. Der große Krieg, als desien letzte Auswirkung die chine- fische Revolution anzusehen war, ist damit auch end­lich in Ostasien zu Ende gegangen, nachdem er dort fast ein ganzes Jahrzehnt länger als in Europa getobt hat. Das Jahr 1928 wird in der Erinnerung Chinas fortleben als das Jahr der entscheidenden Schicksalswende.

Mdeme Mischest unb höhere Schule.

Don Dr. Otto Hugo, M. d. ft, Erstem Syndikus der Industrie- und Handelskammer Äochum.

Gegenüber der fast erdrückenden kapitalistischen Ueberlegenheit Am rilas, gegenüber den bi Iven Ardttlsiwä.trn dcr Kulimas er des Ostens haben wir nichts als das höchste Maß der geistigen Leistungskraft d?s deutschen Volles einzusetzen. Damit ist bi? nationale Bedeutung d"r Kultur für unser Wirtscha tsleben ohne w. irres ge­geben. Ohne die tägliche Bildungs- arbei t der Schule ist b e er Dafttnslamps des deutschen Voller nicht zu bestehen. Ti? Wirt­schaft braucht Krä te in großem Maße und in allen Größenordnungen, braucht K aste zur Ar­beitsbewältigung tri? zur Führung. Tesbalb ist die Frage der Gestattung unserer Vollsschul i> düng und der Fachschulbildung von der allergröß­ten Bedeutung. Aber auch hihere Schule unb moderne Wirtschaft sind schick alhatt verwachen.

Die Pädagogen streiten sich hier um das beste Sh st e m". Was sagt die Wirtschaft dazu? Eigentlich beteiligt s e sich an diesem Streit nicht. DaS ist daS beste Zeichen dafür, daß es kein Streit für die Wirtschaft ist. Gymnasium, Realgymnasium unb Oberrea'schu'e fragen ihre volte Gleichberechtigung nebenein­ander. Es ist unsinnig, einen theoretischen Streit

über den höheren Wert d:s einen ober anderen Systems zu führen. Beide Schals)steme ind in der Lage, reife, denkende Menschen zu erziehen, und daraus kommt es an. Die Entschtt- Öung d r Auswahl der Schale muß lezten Endes nach der Veranlagung des Kindes getroffen wer'.en, nach seinen Fähigkeiten und nach je nen En.wicklungsmög i.hinten. Der eine patzt nicht fürs humanistische Gymnasium, der andere patzt nicht für die Oleersalschule. Es kommt darauf an. daß das Gymnasium in aus­reichendem M<e die reale Einstellung auf das Leben und die Wis enschasten p legt. Die Real­anstalten dürfen nicht einseitig eingeste It toctcen auf die spest ifche Erzieh ng zum Ma.h malischen, zum Raturkund ich?n. -Ue Vertiefung der gründ- legenden Bildung läßt sich in Deutsch. Geschichte. Erdkunde, in Kunst usw. mit demselben Erfolge pflegen wie In anderen Fächern. Ich bedauere eS tief, daß die höheren Schulsysteme wieder in eine Unzahl von Typen aufgelöst sind. Ich glaube, daß auch eine stärkere Zusammenfas­sung der Erziehungsarbeit mög'ich ist. wenn hier eine größere Einheitlichkeit einmal Platz greifen würde, damit der Wechsel von Schule

zu Schule keine solchen Schwierigkeiten bereitet, wie es heute der Fall ist.

Ist eS aber nicht notwendig, die Jugend auf der höheren Schule für denspäterenBecuf spezi isch zu erziehen? Das lehne ich grund­sätzlich ab. Qlrer etwas möchte ich doch un er-* streichen. Soweit es irgenbicie im Rahmen bet Schule mögttch ist, muß daS Erziehungsziel in den neueren Sprachen darauf eingestellt werden, daß bie Jungen diese Sprachen spre­chen lernen. Wir sind gezwungen, bie Jungen hinauszuschicken in die Welt. £e.:te sehen Sie in Amerika, Frankreich, England Hunderte von deut­schen Werkstudcn e.i, die sich drei Jahre verpf üb­ten. dort zu arbei.en. Hette schicken wir junge Kräfte hinaus, nicht nur. damit sie lernen, son­dern damit sie für uns arbeiten. Wir wachsen in das Weltwirtschaft ich? so t e bin ein, datz unserem Rachwuchs S^rachenkenntni se Eiter not tun. Unseren Wirischaftskamp'l Lünen wir nicht auf dem Boden des verb.iebenen Deut­schen Reichs al'ein führen, sondern der führt un8 in die Fremde hinein. Richt; ist schädlicher für die po'iiische Entwicklung b?r Dor r egSzeil gewesen, als die Tatsache, daß wir di? dettche Jugend zu sehr zu Hause behalten haben. Viel­leicht wäre uns manches Po iiischs Vorurteil er­spart geblieben, wenn gleich den jungen Eng­ländern, Amerikanern usw. die jungen Deutschen in die Welt hinausgegangen wären und sie in Wirklichkeit kennengelernt ten. Ich glaube, es ist eine große Aufgabe in dieser Be­ziehung gestellt.

Es wäre auch gut, wenn es gelänge, durch die Schule eine gewis e Weltfremd,eit der Ration gc'enübcr wirtschcisili ' en Fragen zu überwinden. Ich emp ind? es als ein außero. dent ichcs Manko, daß nicht einmal der gebi det? Deutsche über unsere volkswirtscha t icke Lage un erlittet ist. Cs sind immer nur Ausnahmen, di? toi en, wie bie Dinge l e en. Don einem Privathaushalt weih jeder Men.ch. datz nicht mehr ausgegeben werden darf, als Einnahmen vorhanden sind. Ein Dolk, das ein jährliches De istt von 7 Milliarde 1 aufzu­weisen hat, mutz sich ruinieren. Dessen sind sich nur weniae Deutsche bewußt. Gut wäre es, wenn es möglich wäre, Raum und Zeit in be: Schule dafür zu schassen, um Wirtschaftskunde mit zu pflegen. Ich g'aube, die Schule von heute tat auch eine nationale Aufgabe zu erfüll n. daS ist die Pflege der Achtung und b ? 8 Respektes vor der deutschen Flagge, der Flagge der Vergangenheit wie der der Gegenwart. Der Schüler hat nicht das Recht, darüber Gericht zu sitzen, welches die richtige 5J a g q e i st. Wir kommen über den Flaggenstreit, über bie un­selige 3er p.i terung nicht ctitoig, wenn nicht die Jugend zur Einttcht gebracht wird. Das muh sich jeder einsichtsvolle Mensch sagen.

Ich möchte noch ein Wort sagen zu dem, was nun aus der Jugend werden soll. Da stehe ich vor der Frage: Ist es gut, daß man so vie.e junge Menschen zum Matur, zur Reife bringt, wie es der Fall ist? Die Frage kann ich nur verneinen, vom Standpunkt der Wirtschaft aus. Wer das Elend kennt, wie es mir täglich entgegentritt, tote viele Tausende von Menschen in Deutschland, denen die Schule eine höhere Bildung gegeben hat, zu ung'ücklichen Menschen

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GSs ist erstaunlich

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dnß die konsequent durch geführte Rationalisierung; gestattet, für 5 Pf. eine Zigarette herzustellen, die der Qualität nach 6 Pf. kosten müßte. Dabei duldet die Zigaretten-Fabri­kation keinerlei Surrogate. Erspar­nisse am Tabak oder Un Vollkommen­heiten der technischen Herstellung würden sofort im Geschmack des Fertig- Fabrikates zu spüren sein.

Deshalb ist es vollkommen zweck­los. Rezepte und Methoden anzuge­ben. Das zuverlässigste Mittel. Sie als Greiling-Raucher zu gewinnen, ist die Bitte: Vergleichen Sie Grei­ling-Auslese mit Goldmundstück zu 5 PL mit jeder beliebigen anderen Marke und üben Sie strengste Kritik. Stellen Sie am Geschmack der Zigarette fest, welche Fabrik die besteingerichtete sein muß.