Es bleibt die bange Jrage, ob Deutschland auf die Dauer das Uebernommene leisten kann.
-Zunächst sind die finanziellen Auswirkungen der Reparationregelung die Voraussetzung für eine dauerhafte und zweckmäßige Gestaltung unseres Steuerwesens, und das Handwerk wird gut tun, hier die Augen offen zu halten, denn es könnte sonst leer ausgehen.
Der Redner stellte dann als dringendste Erfordernisse einer Steuerreform heraus: Aenderung des Tarifes der Einkommensteuer, Senkung der Real steuern, vor allem der Gewerbesteuer, und eine Gemeindeselbstverwaltung, die Fehlbeträge nicht aus Realsteuern deckt, sondern auf breite Schultern umlegen kann. Stärkung der schwächeren Gemeinden durch die stärkeren auf dem Wege eines verstärkten Polizei- und Schullastenausgleiches, Senkung der Realsteuern durch größeren Spielraum bei der Einkommensteuer und Rückkehr zu den Miquel- schen Relationen. Ersparnisse durch die neue Reparationsregelung dürften k e i n c s s a l l s für neue Ausgaben verwendet werden. Wenn die Ersparnisse aus der Reparationsregelung nicht ausreichten, dann müsse man zu einer stärkeren Besteuerung des Alkohols greifen, aus der Frankreich jährlich 2,4 Milliarden, Deutschland aber nur 600 000 Mk. Sieht.
Morgan auf der Rückreise nach Amerika.
Paris, 1.Juni. (WTB.) Pierpont Morgan hat an Bord der „Mauretania" von Cherbourg aus die Rückreise nach den Vereinigten Staaten angetreten.
Reichsbahn und Reparationsregelung. Bon der ausländischen Kontrolle befreit.
Berlin, 3. Juni. (Priv.-Tel.) Rach der in Paris erzielten Einigungsformel in den Reparationsfragen wird sich für die Reichsbahn eine Befreiung von der bisherigen Kontrolle des Auslandes ergeben. Richt nur der Cisenbahnkommissar und der Treuhänder für die Reichsbahnobligationen werden zurückgezogen, sondern es ist auch anzunehmen, daß nach einer endgültigen Einigung über die Reparationsfrage die ausländischen Mitglieder des Verwaltungsrates aus der Reichsbahn ausscheiden werden. Der Verwaltungsrat besteht heute aus 18 Mitgliedern, von denen neun von der Reichsregierung ernannt werden, während die anderen neun der ausländische Treuhänder für die Reichsbahnobligationen bestimmt. Rach dem Eisenbahngesetz des Dawes-Abkommens hat der Treuhänder aber das Recht, von dem er auch Gebrauch gemacht hat, von den neun ihm zur Vergebung zustehenden Verwaltungsratsihen fünf an Deutsche zu verleihen. So ergab sich, daß von den 18 Ver- waltungsratsmitgliedern bisher nurvierAus- l ä n d e r waren, die sich auf Frankreich, Belgien, England und Italien verteilten. Trotzdem die Deutschen im Verwaltungsrat also die Majorität haben, ist die Befreiung der Reichsbahn vor allem durch das Verschwinden des Treuhänders und des Eisenbahnkommissars zweifellos ein erfreulicher Fortschritt. Weniger bedeutsam ist dagegen die Kürzung der von der Reichsbahn zu leistenden Reparationsabgaben von 660 auf 645 Millionen, wobei die Verkehrssteuer in Höhe von 290 Millionen Wohl auch weiterhin bestehen bleibt. Bei einem Etat von 5,5 Milliarden bedeutet eine Herabsetzung der Leistungen um 15 Mill, relativ wenig. Wie sich der neue Derwaltungs- tat später zusammensetzen wird, ist noch nicht zu übersehen.
Die Reichsbahn sucht 43 Millionen
Der Schiedsspruch für die Reichsbahnarbeiter.
Berlin, 3. Juni. (Priv.-Tel.) Durch den Schiedsspruch im Lohnkonflikt der Reichsbahn, der für diese eine Mehrbelastung von rund 43 Millionen bedeutet, ist für den Reicksarbeitsminister, der vor die Frage der Berbindlichkeitser- klärung des Spruches gestellt ist, eine außerordentlich heikle Situation entstanden. Es scheint nun, daß der Reichsarbeitsminister, der zwar die Verantwortung für die Verbindlichkeit trägt, doch nicht selbständig handelnd vorgehen will, denn eine Ministerbesprechung sott sich mit dieser Angelegenheit beschäftigen. Die Reichsbahn steht nach wie vor auf dem Standpunkt, daß ihr ohne Deckungsmöglichkeiten die Aufbringung der 43 Millionen unmöglich sei, während andererseits ein Vermittlungsoorschlag vorliegt, nach dem oom Ueberschuß der Reichsbahnabgaben üb er die Reparationsablieferungen hinaus 43 Millionen vom Reich der Bahn für einen bestimmten Zeitraum zur Deckung zur Verfügung gestellt werden. Aber auch diese Lösung ist aus prinzipiellen Gründen heftig bekämpft, da man fürchtet, daß nun nach dem Beispiel des Ruhrkohlenschiedsspruchs die Suboentionie- r u n g von Lohnerhöhungen aus Steuermitteln zur üblichen Gepflogenheit zu werden droht. Hinzu kommt noch, daß über die Ueberschüsse der Reichsbahnabgaben bereits in dem sehr angespannten Etat Hilferdings verfügt ist.
Oie Neparaiionsinterpellation der Oeutschnationalen.
Berlin, 3. Juni. Die deutschnationale Reichstagsfraktion teilt mit: Die Reichsregierung hat es durch Schreiben vom 31. Mai abgelehnt, die Interpellation der Fraktion über die Pariser Verhandlungen unmittelbar nach der Sitzung des Auswärtigen Ausschusses und vor der Abreise Dr. Stresemanns nach Madrid zu beantworten. Sie könne sich mit einer alsbaldigen Debatte über die Reparationsfrage im Plenum vorläufig noch nicht einverstanden erllären, weil dazu nach ihrer Ansicht der Abschluß der Cßcr- handlungen und das Vorlicgen des Berichtes des Sachverständigenaus- s ch u s s e s notwendige Voraussetzung sei.
Abreise der deutschen Delegation nach Madrid.
Berlin, 2. Juni. (WTB.) Heute abend verließ unter Führung des Staatssekretärs von Schubert die deutsche Delegation Berlin, um sich zur Teilnahme an der Tagung des DölkerbundSrates nach Madrid za
Oer Giinnes-prozeß.
Berlin, 1. Juni. (WTB.) 3m Stinnes- Prozeß wurde die heutige Verhandlung ausgefüllt von fast zusammenhängenden, nur durch kurze gelegentliche Fragen oeS Vorsitzenden unterbrochenen Darlegungen des Angeklagten Bela Groß, der eine ins einzelne gehende Schilderung der verschiedenen Teiltransaktionen des Kriegsanleihegeschäftes gab. Der Angellagte bekundete u. a., daß auf Grund einer Vereinbarung mit dem Angeklagten Rothmann, dessen Bruder, Rechtsanwalt Rottzmann, die Einreichung der Anleihe vornehmen und die Quittungen darüber aufbewahren sollte. Dabei kommt auch zur Sprache, daß der Angeklagte Schneid, der gegen eine Sondervergütung das Sortieren der neu eingekauften Papiere übernommen hatte, eines Tages erklärt habe, er fühle sich hintergangen und warne vor der Einreichung der Stücke, da er falsche Rummern darunter gelassen habe. Der Angeklagte Groß hat nach seiner Darstellung darin eine Erpressung gesehen und zunächst sich auf nichts einlassen wollen. Schneid hat aber, immer nach der Darstellung des Groß, sich bereit erklärt, eine Liste mit den Rummern der eingeschmuggelten Fälschst ücke schon für 500 Mark herzugeben. Groß hat, wie er bekundete, diese 500 Mark durch einen Mittelsmann an Schneid gegeben und darauf auch die Aste erhalten. Entgegen der Behauptung Schneids sei das Geschäft dann nicht etwa aufgeflogen. Er habe lediglich persönlich den Verkauf der auf dem Verzeichnis angegebenen Falschstücke veranlaßt. Rach einer Rücksprache mit Rechtsanwalt Rothmann in Hamburg, dem Sitz der Firma Stinnes, sei er dann nach Wien gefahren, wohin die Firma Stinnes ihm weitere, 100 000 Mark überwiesen habe. Damit habe er |
versucht, in Rumänien bei Banken und Sparkassen weiteres Anleihematerial zu bekommen.
Da nach der Einreichung die Erledigung der Angelegenheit sehr lange auf sich warten ließ, hat dann Groh nach seiner Schilderung den Regierungsrat Steiger im Mini st e - rium für die besetzten Gebiete aufgesucht und ihn gebeten, mit Hilfe seiner guten Beziehungen auf Beschleunigung der Sache hinzuwirken. Regierungsrat Steiger stellte b e - stimmte Honorarforderungen, die schließlich vereinbart wurden. Er verlangte sogar eine Vollmacht, um offiziell als Vertreter der Anleihegeschäfts-Interessenten auftreten zu können. Rach Darstellung des Angeklagten hat Steiger durch Rothmann auch eine beschränkte Volmiacht erhalten, die ausdrücklich den Zweck seiner Tätigkeit angab. Im weiteren betonte der Angeklagte Groß, daß er persönlich an dem ganzen Anleihegeschäft kein Interesse gehabt habe, sondern damit nur den Zweck verfolgt habe, mit dem Hause Stinnes in geschäftliche Verbindung zu kommen. Dies sei ihm nicht geglückt. Rach Mitteilung Rothmanns hat Stinnes keine Kenntnis von der Tätigkeit des Angeklagten im Anleihegeschäft gehabt. Groh hat sich dann, da sein Wunsch nicht erfüllt wurde, wie er behauptet, von April an bemüht, das ganze Anleihegeschäft r ü ck g ä n - g i g zu machen. Für die tatsächliche Altanleihe aus dem rumänischen Geschäft sei Ablösungsschuld in vollem Umfange gegeben worden. Wer sie erhalten habe, könne er nicht sagen. Wahrscheinlich sei sie Rothmann als berechtigten Empfänger ausgeliefert worden.
Weiterverhandlung Montag.
Das Zeugenverhör im Zakubowski-prozeß.
Reustrelih, 1. Juni. (WB.) Im Rogens- Prozeß suchte der Rebenkläger. Rechtsanwalt Brandt, sestzustellen, welche Rolle der früher wiederholt belastete Paul Kreutzfeld in der Mordsache gespielt habe. Er erinnerte Frau Kähler an ihre frühere Aussage, daß Kreutzfeld einen starken aber schlechten Einfluß auf ihren Sohn Fritz Rogens ausgeübt habe. Sie habe Kreuhfeld als einen brutalen, zu allem fähigen Menschen geschildert, der sie zweimal geschlagen habe. Die Angeklagte Kähler bestätigt die Richtigkeit dieser Angaben. Oberstaatsanwalt Weber fragte Frau Köhler, ob ihre Aussage zutreffe, daß Jakubowski sie vor Kreutzfeld' gewarnt habe. Frau Kähler bestätigt auch dies. Dr. Brandt wies dann Frau Kähler darauf hin, daß man den Eindruck haben müsse, daß sie aus Angst vor Kreuhfeld etwas Belastendes verschwiegen habe. Frau Kähler bestritt dies: sie habe deshalb nichts verschwiegen. Rechtsanwalt Brandt fragte den Angeklagten August Rogens, ob Kreutzfeld beim Roggenmähen versucht habe, ihn anzustiften, Ewald Rogens umxubringen. Er, August Rogens, habe behauptet, daß Kreutzfeld erllärt habe, wenn er keine Stube von Rogens abbekäme und wenn auch eine Beschwerde beim Wohnungsamt nichts nutze, dann müsse eben eines der Kinder beiseite gebracht werden. Angeklagter August Rogens: „Jawohl, das hat Kreuhfeld gesagt." — Die Frage des Rechtsanwalts Dr. Brandt, ob er wisse, welches Kind gemeint war, verneinte August Rogens. Rechtsanwalt Dr. Brandt: „(Sie haben gesagt, daß Sie aus Furcht vor Kreuhfeld Jakubowski belastet hätten, Sie hätten auch geglaubt, daß Jakubowski nicht auf Grund Ihrer Aussagen hingerichtet würde, sondern daß er nur fünf bis zehn Jahre Zuchthaus bekäme." August Rogens: „Ja, das ist möglich, daß ich Angst vor Kreuh- feldt gehabt habe." Rechtsanwalt Dr. Brandt: „Also, Sie haben aus Angst vor Kreuhfeld etwas verschwiegen?" August Rogens: „Ja, das ist möglich."
Es wurde sodann in der Vernehmung der Zeugen fortgefahren. Der Hofbesiher Eggert, bei dem Jakubowski während der Jahre 1924
und 1925 mehrere Male gearbeitet hat, bekundete, daß er mit Jakubowski sehr zufrieden gewesen sei. Jakubowski sei zuverlässig gewesen, er habe fleißig gearbeitet. Gelegentlich habe er es allerdings mit der Wahrheit nicht sehr genau genommen. Der Zeuge bezeichnete August Rogens als faul, verlogen und unzuverlässig, während er sich über den damals erst 15 Jahre alten Fritz Rogens kein genaues Urteil bilden konnte. Die bei ihm wiederholt bedienstet gewesene Frau Kähler sei fleißig und sauber gewesen. Auf die Frage des Vorsitzenden, welchen Ruf Paul Kreuhfeld genoß, antwortete der Zeuge: „Man hörte nichts Gutes von ihm." — Zeugin Arbeiterwitwe Karoline Wegner will am Mordnachmittag einen Kinderschrei gehört haben. Landgerichtsdirektor Peters und Oberstaatsanwalt Weber teilen mit, daß sie diesem Kinderschrei, der ein Indiz für das Todesurteil gegen Jakubowski war, keine große Bedeutung mehr beilegen. Die Zeugin gibt an, daß sie diesen Kinderschrei aus der Nähe gehört habe, und zwar als sie Milch zur Molkerei getragen habe.
Der Zeuge F a u st, der seinerzeit die Leiche des Heinen Ewald gefunden hatte, schilderte, wie er beim Frettieren auf die Leiche gestoßen sei. Aus den Angaben des Zeugen ergab sich, daß die Leiche Ewalds nach dem Verstecken unmittelbar im Anschluß an den Mord später noch einmal wieder umgebettet worden ist. — Frieda Schare n b e r g erzählte, daß Jakubowski, der zur Hochzeit ihres Bruders eingeladen war, kurz vor dem Mordtage noch einen Anzug und einen Schlips gekauft habe, da er Ewald mit zur Hochzeit nehmen wollte. Wörtlich habe er zur Zeugin gesagt: „Da wird sich der Junge sehr freuen.“ — Richard Scharenberg erklärte, Jakubowski habe darüber geklagt, daß die Kinder von der Großmutter, der Frau Kähler, sehr schlecht behandelt worden seien. Auf die Frage des Rebenklägers Rechtsanwalt Brandt: „Halten Sie es für möalich, daß Jakubowski den kleinen Ewald ermorden konnte?" antwortete Scharenburg (bestimmt): „Rein, das halte ich für ausgeschlossen." — Die Verhandlung wird am Montag fortgesetzt werden.
begeben. Mitglieder der Delegation find: Ministerialdirektor Dr. Gauß, der Leiter der Kulturabteilung des Auswärtigen Amtes, Gesandter Frey tag, Geheimrat von Weihäcker, Vortragender Legationsrat von Friedberg, Geheimrat Gür ich. ferner Konsul Re inebe ck und Legationsrat Röbel.
Reichökabinett
und Notlage der Landwirtschaft.
Berlin, l.Iuni. (WTB.) Das Reichs- kabinett setzte in seiner heutigen Sitzung die Erörterung des vom Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft zur Behebung der Rotlage der Landwirtschaft ausgearbeiteten Programms fort. Zur Begutachtung der auf dem Gebiete der Getreidewirtschaft vorliegenden Fragen wird eine Sachverständigen- Kommission eingesetzt, die ihr Gutachten innerhalb drei Wochen erstatten soll, worauf dann das Reichskabinett seine endgültigen Entscheidungen noch vor den Sommerferien des Reichstages treffen wird.
Nationalisierung des Handwerks in Hessen.
whp. Darmstadt, 1. Juni. Der Minister für Arbeit und Wirtschaft, Korell, hat im Einvernehmen mit dem Finanzminister den Landtag ersucht, ihn zu ermächtigen, daß zur Hingabe von Darlehen zum Zwecke der Rationalisierung von Handwerksbetrieben der Hessischen Handwerkskammer ein Betrag von 100000 Mark darlehensweise zu- nächst auf die Dauer von fünf Jahren zur Verfügung gestellt wird. Der Betrag soll im Wege As Staatstredits flüssig gemacht werden. Dem Beispiel der Industrie folgend, hat die Hessische Handwerkskammer im Anschluß an das For- e» für rationelle Betriebsführung in
Karlsruhe eine unter der Leitung eines Fachmannes stehende besondere Betriebs- beratungs- und Gewerbeförde- r u n g S st e l l e für Hessen errichtet, die der 2tename, der Berufsausbildung, dem Musterschutz- und Patentwesen und der DetriebSratto-
nalifierung dienen soll. Durch die Tätigkeit dieser Stelle soll ein großer Teil der hessischen Handwerksbetriebe lebensfähig gestaltet werden, was sich auch in steuerlicher Hinsicht für den Staat günstig auswirken werde.
Oie Münchener Stahlhelm-Tagung.
München, 2. Juni. (WTB.) Der 10. Reichsfrontsoldatentag des Stahlhelms erreichte heute mit der Abhaltung des Frontsoldatenappells und dem etwa vier Stunden dauernden Vorbeimarsch vor den Dundesführern seinen Abschluß. In der Stadt wehten zahlreiche Fahnen in den bay- rischen und in den Farben schwarzweihrot. Der ganzen Veranstaltung war schönes Wetter be- schieden. Gegen die Mittagszeit marschierten die Stahlhelmkolonnen, deren Stärke auf 100 000 Mann geschäht wurde, zu dem Appellplah am rechten Isarufer. Kurz nach 1 Uhr erschienen bie beiden Bundesführer des Stahlhelms und Generalfeldmarschall v. Mackensen. Sie schritten zuerst die Front der schwerkriegsbeschädigten Kameraden und der 35 neu einzu- weihenden Ortsgruppenfahnen ab. Der erste Bundesführer S e l d t e begrüßte sodann in einer Ansprache die anwesenden Abordnungen der Auslanddeutschen, der österreichischen Frontkämpfervereinigungen, des saarländischen Frontsoldatenbundes, der Gruppen aus den abgetretenen Gebieten und den ehemaligen deutschen Kolonien. 3n einer weiteren Ansprache erinnerte der zweite Dundesführer, Oberstleutnant a. D Düst er berg, an das Leitwort des 10. Stahlhelmtages: „Deutschlands Einigkeit, Deutschlands Freiheit". Die Veranstaltung des Stahlhelms wurde durch keinen Zwischenfall gestört.
und Ricklin wiedergewählt.
Paris, 2. Juni. (WB.) Bei Pen elsässischen Wahlen zum Generalrat waren im Oktober vorigen Jahres im Bezirk Colmar der Autonomist Ross6 und im Bezirk Dammerskirch der Autonomist Dr. Ricklin gewählt worden. Ihre Wahl war jedoch durch den Staatsrat für ungültig erk lärt worden. Bei der heutigen Ersatzwahl wurden Ross6 zmü Dr. Ricklin wiedergewatztt, Md -war ex
hielt in Dammerskirch Dr. Ricklin 1203 Stimmen, sein Gegenkandidat 1067 Stimmen; in Colmar er» hielt Rosss als einziger Kandidat 3385 Stimmen von 4123 abgegebenen gültigen Stimmen.
Aus aller Welt.
Tausend Jahre Meißen.
Zahlreiche Sonderzüge haben die auswärtigen Teilnehmer an der Iahrtausendfeier der Stadt Meißen herbeigebracht, und in den engen Straßen der alten Stadt entstand zeitweise ein fast lebensgefährliches Gedränge. Am Samstag ertönte zum ersten Male vom Turm der Frauenkirche das von der Staatlichen Porzellanmanufaktur aus Porzellan hergestellte Glockenspiel mit zartem, reinem aber doch weithin- vernehmbarem Klang. In der alten Albrechtsburg fand der feierliche Festakt statt, bei dem Oberbürgermeister Dr. Dusch die Begrüßungsansprache hielt. Stadtarchivar Dr. Gröger umrih in feiner Festrede die tausendjährige Vergangenheit Meißens und wies im besonderen auf die industrielle Entwicklung der Stadt hin, die im 19. Jahrhundert ihren Anfang nahm und noch nicht abgeschlossen sei. Grüße überbrachten sodann der Präsident des Sächsischen Gemeindetages, ferner Oberbürgermeister Dr. Dlüher im Ramen der Stadt Dresden sowie Landesbischof Dr. Ihmels im Ramen der sächsischen Landeskirche. Im Auftrag des Domkapitels des Stiftes Meißen überreichte Staatsminister a. D. Dr. von Beck eine vom Domkapitel herausgegebene Festschrift. Der zweite Tag der Tausendjahrfeier brachte den Festzug. In 80 Bildern rollte vor den Zuschauern noch einmal die tausendjährige Geschichte Meißens ab. Es erschienen noch einmal die Mannen Heinrich I., die ersten Markgrafen von Meißen und zahlreiche Typen der mittelalterlichen Stadt. Die Repräsentanten des Meißens der Reformation zeigten sich. Dann leitete der Zug langsam auf die neue Zeit über. Johann Friedrich Döttger tauchte auf mit feinen Sigeln und Retorten. Fridericianische Soldaten marschierten vorüber. Die Postkutsche rumbeite schwerfällig hinterdrein. Liitzows wilde Jäger eskortierten den alten Geheimrat von Goethe. Den Meißener Jägern in ihren schmucken grünen Uniformen folgten die Innungen Meißens im stolzen Zuge, die Fleischer, Zimmerleute, Schneider, Bäcker usw.
Der Reichspräsident auf der Ausstellung „hundert 3af)re Berliner Kunst".
Reichspräsident v. Hindenburg stattete der Jubiläums-Ausstellung des Verein- Berliner Künstler „Hundert Jahre Berliner K u n st" einen ausgedehnten Besuch ab. Der Reichspräsident besichtigte eingehend sowohl die Abteilung der Altberliner Malerei wie die Säle mit modernen Bildern.
Der Pour le Merkte für Wissenschaft und Kunst.
Der Professor der Philosophie Geheimrat Stumpf, Berlin, Frau Professor Käthe K o l l w i tz, Malerin, Berlin, und Kapellmeister Furtwängler haben den Orden Pour le Me- rite für Wissenschaft und Künste von der Freien Bereinigung von Gelehrten und Künstlern erhalten.
Der O-Zug Berlin—München überfährt ein Auto.
Der Berlin —Münchener O-Zug überfuhr bei der Station Kieritzsch, zwischen Leipzig und Altenburg, ein mit zwei Personen besetztes Automobil. Das Auto wollte — anscheinend bei offener Schranke — den Bahnübergang noch passieren, wurde aber von dem Zuge erfaßt und etwa 50 Meter mitgeschleift. ®abei explodierte der Benzintank und der Wagen geriet in Brand. Don den Insassen erlitt der Rittergutsbesitzer von Stockheim aus Zeben s o schwere Verletzungen, daß er bald nach dem Unfall st a r b, der Führer des Wagens, Mühlenbesitzer Schwarzbcrgcr aus Zeben, wurde schwer verletzt.
Oie Wetterlage.
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Wettervoraussage.
Die nordwestliche Störung hat sich ostwärts fortbewegt und beeinflußt dabei mit ihrer Südseite unsere Wetterlage. DereitS in den gestrigen Rachmittagsstunden hat unter Südwestluft die Bewölkung jugenommen und vereinzelt trat auch in unserem Dezirk etwas Regen auf. Der Heran- transport ozeanischer Luftmassen dauert zunächst fort. Infolgedessen nimmt die Wetterlage keine Beständigkeit an. Unter wechselnder Bewölkung verbunden mit zeitweiser Aufheiterung tritt auch morgen gelegentlich etwas Regen auf.
We ttervorhersage für Dienstag! Wechselnd wolkiges Wetter mit Aufheiterung, Temperaturen wenig verändert. Strichweise etwa» Regen.
Witterungsaussichten kür Mittwoch! Teils wolkiges Wetter, teils aufheiternd, tangfarM Erwärmung.


