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Aus der Provinzi'alhauptfiadt.

Gießen, den 2. September 1929.

Eisenbahnerversammlung in Gießen.

Die Ortsverwaltung Gießen des Einheits- Verbands der Eisenbahner Deutsch­lands und die Ge w e rksch a f t Deu t sch er Lokomotivführer, Ortsgruppe Gießen, hatten zu einer Versammlung ins Gewerk­schaftshaus eingeladen. Gewerkschaftssekretär Denner, Wieseck, begrüßte als Leiter die recht gut besuchte Versammlung und gedachte auch der Opfer des letzten furchtbaren Eisenbahn­unglücks bei Düren im Rheinland. Referent Lorenz B r e u n i g , Berlin, behandelte das Thema: »Das Reparationsproblem, der Voungplan und die damit ver­bundene Reuorganisation der deut­schen Reichsbahn". Der Redner gab zu­nächst einen allgemeinen Rückblick über die Ge­schichte und die Leistungen unserer Eisenbahn in den letzten 15 Jahren, dabei die schweren Opfer erwähnend, die unsere Eisenbahner besonders in den letzten fünf Jahren nach Abschluß des Dawesplanes haben bringen müssen. Die Summe, die unsere Reichsbahn mit dem Abschluß des Boungplanes zu leisten hat, habe sich auf der Höhe von 660 Millionen jährlich gehalten, nöti­genfalls können die Beförderungssteuern mitein­bezogen werden. Jedoch solle man sich da keinen falschen Hoffnungen hingeben: das Reich werde kaum auf letztere verzichten können. Auch Aende- rungen im Reichsbahngeseh seien vorgesehen, und Bindungen, die rein deutsche Angelegenheiten sind, würden sicherlich nicht zu Erleichterungen für unsere Eisenbahner beitragen. Schon das Reichsbahngeseh nach dem Dawesabkommen habe Abweichungen von der allgemeinen deutschen Ge­setzgebung zum Rachteil der Eisenbahner ge­bracht: man denke an die Befugnisse des Reichs­bahngeneraldirektors in bezug auf Festsetzung der Gehalte, der Arbeitszeit, des Urlaubs und des Aufsichtsrechts. Auch nach dem Voungplan stehe der Eisenbahner rechtlich viel schlechter da als andere Volksgenossen, erinnert sei an die Abweichungen von dem Arbeiterschuhgeseh. Die Eisenbahner forderten deshalb mit vollem Recht die Beseitigung besonderer Behandlungen nach dem Reichsbahngesetz und Eingliederung in die allgemeine deutsche Gesetzgebung. Die Forde­rungen des Vortragenden wurden in eine Ent­schließung gefaßt und diese, wie auch die übrigen Ausführungen in der anregenden Dis­kussion zur Aussprache gebracht. Lokomotivführer Erle von der Gewerkschaft der Lokomotivführer warnte vor falschen Hoffnungen und forderte zur Mitarbeit auf an der Beseitigung der Män­gel, die der Voungplan bietet. An der weiteren Diskussion beteiligten sich noch die Herren Wag­ner, Hörr, Zecher und Benner. In sei­nem Schlußwort forderte B r e u n i g , Berlin, die Unterstützung aller Volksgenossen, zum Wohle unserer deutschen Reichsbahn und ihrer rund 700 000 Arbeiter und Beamten zu kämpfen. Ge­

werkschaftssekretär Benner sprach in herzlichen Worten dem Redner den Dank der Versamm­lung aus. Die folgende Entschließung sand einstimmige Annahme:

Die vom Einheitsverband der Eisenbahner Deutschlands und der Lvkomotivführergewerkschaft gemeinsam einberufene, gut besuchte Eisenbahn­versammlung des Verwaltungsbezirks Gießen hat von dem Boung-Plan und dem Stand der Verhandlungen im Haag Kenntnis genommen.

Die Versammlung begrüßte das bisherige Der- handlungsergebnis als einen wichtigen Schritt zur endgültigen Liquidierung des Weltkrieges und für die künftige friedliche Zusammenarbeit der Völker. Die Eisenbahner erwarten aber, daß bei den Vereinbarungen über die Inkraft­setzung des V»ung°Plans ihre Forderungen auf rechtliche und wirtschaftliche Glei ch - st e l l u n g mit den übrigen vergleichbaren Ar­beitnehmern Deutschlands Berücksichtigung sin- den. Die beteiligten Regierungen werden er­sucht. ihre Vertreter im Organisationskomitee an­zuweisen, daß das durch die Reichsbahngeseh« vor fünf Jahren an den Eisenbahnern be­gangene Unrecht wiedergutgemacht wird.

Die deutschen Eisenbahner appellieren an alle Freunde des Fortschritts und der Freiheit, sie in ihrem Kamps um die volle staatsbürgerliche Gleichberechtigung zu unterstützen. Das Per­sonal in Stadt und Land wird aufgesordert, sich für die Durchsetzung der in der Denkschrift des Einheitsverbandes der Eisenbahner Deutsch­lands und der Gewerkschaft Deutscher Loko­motivführer aufgestellten Forderungen mit aller Energie einzusehen und sofort alles zu tun, um ihre gerechte Sache im Interesse ihrer Fa­milien und der kommenden Generationen kraftvoll zu unterstützen.

Die Versammelten geloben, ihre ganze Kraft dafür einzusetzen, um die volle soziale und staatsbürgerliche Gleichberechtigung, der Eisen­bahner Autschlands zu erkämpfen.

Bornotizen.

TageskalenderfürMontag. Schützen­verein: Ehrung der Sieger vom 30. Verbands- schießen. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Wenn d-" weiße Flieder wieder blüht.".

** Von der Landesuniversität. Der neue Rektor, Professor Dr. B r ü g g e m a n n, hat heute sein Amt übernommen.

** Straßensperrungen, mitgeteilt vom Oberhessischen Automobil-Club E. V. (21. d. D.) Gießen: Wegen Ausführung von Walzarbeiten wird die Strecke ErnrenrodSchellnhausen im Zuge der Provinzialstraße GießenGrünberg Alsfeld vom 3. September ab für jeglichen Ver­kehr gesperrt. Umleitung über HainbachElpen­rod. Die Sperre auf der Provinzialstraße LauterbachWillofsSchlitz am Rordbahnhof Lauterbach ist ab 2. September auf gehoben. Die Sperre auf der Provinzialstraße Lauterbach Alsfeld, Abteilung Lauterbach Reumaar ist ab 2. September aufgehoben.

** Aufgehobene Straßensperrungen. Das Hessische Polizeiamt teilt mit: Die Sperrung der Stephanstraße und die Sperrung der Bismarck­straße zwischen Löberstraße und Ludwigstraße ist aufgehoben.

** Schulfrei in Preußen am Tage der Zeppelinankunft. Der preußische Kultus­minister hat, einer Privatmeldung aus Berlin zu­folge angeordnet, daß am Tage der Ankunft des Graf Zeppelin" in Deutschland oder am folgenden Tage in den Schulen eine Feier stattfindet, in der die Jugend auf die Bedeutung des Weltfluges des Zeppelins hingewiesen wird. Außerdem hat der Kul­tusminister angeordnet, daß an diesem Tage der Schulunterricht ausfallen soll.

** D i e Schmückung der deutschen Kriegergräber im Auslande hat sich bekanntlich der Dolksbund Deutsche Kriegsgrä- berfürsorge zur Aufgabe gemacht. Für die dies­jährige Schmückung von Kriegergräbern zu Allerseelen, Totensonntag und Weihnachten müs­sen bereits jetzt die notwendigen Vorbereitungen getroffen werden. Der Volksbund selbst über­nimmt die Schmückung der großen Samir^lgräber, die mit meist unbekannten Gefallenen belegt sind. Zu diesem Zweck findet im September eine Haussammlung statt, die dem Opfersinn der Be­völkerung angelegentlich empfohlen fei. Im übri­gen ist auf die ausführliche Bekanntmachung im Anzeigenteil desGieß. Anz." vom Sams­tag zu verweisen.

** Falsche 20-Mark-Scheine. Ein in Elberfeld ansässiger Schreiner hat am Donners­tagvormittag in einem Zigarrengeschäft in Mainz eine Kiste Zigarren gekauft und mit einem falschen 20-Mark-Schein bezahlt. Die Unechtheit des Geldscheines wurde erst bemerkt, nachdem der Käufer den Laden bereits verlassen hatte.

Ladeninhaber machte jedoch sofort einen Polizisten auf den Mann aufmerksam. Es gelang, ihn festzunehmen. Bei einer sofort vorgenomme­nen Durchsuchung wurden noch 165 falsche 20- Mark-Scheine vorgefunden. Sie tragen alle das Ausgabedatum des 11. Oktober 1924 und die Rümmer D 734 659. Es wird angenommen, daß es dem Täter gelungen ist, auch anderwärts sein Falschgeld unterzubringen.

** Zur 300-Jahr-Feier des Darm« städter Gymnasiums. Aus Anlaß der Feier des 300jährigen Bestehens des Darmstädter Gym­nasiums läßt die Historische Kommission für den Volksftaat Hessen ein Heft der Hessischen Biographien als Festgabe erscheinen, das eine Reihe von Lebens­bildern hervorragender Direktoren, Lehrer und ehe­maliger Schüler des Gymnasiums enthält. Dieses im Hessischen Staatsverlag zu Darmstadt erscheinende Heft wird sicher von allen ehemaligen Angehörigen des Darmstadter Gymnasiums begrüßt werden. (96 Seiten.)

** Achtung, Invalidenversicherung! Durch die neue Gesetzesänderung steht nunmehr auch solchen Witwen von verstorbenen Versicherten die Witwenrente zu, deren Ehegatte bereits vor 1912 verstorben oder dauernd invalide im Sinne des Ge­setzes war. Es wird deshalb den in Betracht kommen­

den Witwen (evtl, auch Witwern) empfohlen, ^lnträtz auf Hinterbliebenenrente bei der Bürgermeisterei bcs Wohnortes zu stellen, selbst wenn ein etwaiger frühe­rer Antrag auf Grund der alten Bestimmungen schon einmal zur Ablehnung kam. Nähere Auskünfte in dieser Angelegenheit erteilen die Bürgermeistereien, die Landesversicherungsanstalt und deren Kontroll­beamte.

**HerrenlosesGut. Am 27. Juli d. I. rourba im Schiffenberger Wald in einem Gebüsch bei den Eisteichen ein noch gut erhaltener dunkel­blauer Kindersportwagen ohne Verdeck, mit dem Zeichen I. R. G. M. Nr. 866466, gefunden und sicheraestellt. Anscheinend ist er ungefähr drei bis vier Tage vorher an die Stelle gelangt. Der Eigen­tümer konnte trotz allen Bemühungen bis jetzt noch nicht ermittelt werden. Personen, die ihr Eigentums­recht geltend machen bzw. sachdienliche Mitteilungen über den Eigentümer machen können, werden ge­beten, sich bei der Kriminalpolizei, Zimmer 67, zu melden.

** Deffentlidje Bücherhalle. Im August wurden 1171 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 866, Zeitschriften 15, Ju- gendschriften 57, Gedichte und Bramen 6, Länder­und Völkerkunde 65, Kulturgeschichte 10, Geschichte und Biographien 86, Kuüstgeschichte 13, Naturwissen­schaft und Technologie 21, Heer- und Seewesen 2, Haus- und Landwirtschaft 2, Gesundheitslehre 3, Religion und Philosophie 4, Staatswissenschast 7, Fremdsprachliches 14 Bände. Nach auswärts tarnen zwei Bände.

** Einheitskurzschrift im hessischen Staatsdienst. Nach einem Beschluß des hessi­schen Gesamtministeriums haben die in der Zeit vom 1. Oktober 1928 bis 31. März 1930 in den Vorberei- tungs- oder Probedienst bei jier Staatsverwaltung eingetretenen oder noch eintretenden Personen den oorgeschriebenen Nachweis der Kenntnis in der Einheitskurzschrift (mindestens 120 Silben lesen und 80 Silben schreiben) längstens bis 31. März 1931 zu erbringen.

* Kriegerverein Gießen. Auf dem gestern in Offenbach a. M. abgehaltenen Schluh- schießen des achttägigen Hassia-Verbandspreis- schießens der Kriegcrkameradschaft Hassia hat sich die Schietzabteilung des Kriegervereins Gießen (vertreten durch die Mitglieder Kaufmann Wil­helm Georg, Zugführer Wilhelm H a i n b a ch, Lokomotivführer Heinrich M o o h und Bäcker­meister Schilling) unter sehr starker Kon­kurrenz die Landes-Derbandsmeisterschaft mit 547 Ringen geholt: der damit verbundene Wander- preis ist im nächsten Jahre zu verteidigen.

Sprechstunden der Redaktion.

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Oie Oberst ist - wie übrigens alte Sorten der Waldorf-Astoria - eine Zigarette von aus­gesprochen süddeutscher Eigenart. Sie'hat ihren Beinamen wohl verdient:

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