Nr. 205 Erstes Blatt
179. Jahrgang
Montag, 2. September 1929
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Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle.
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GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
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Die Weltbank.
Don unserer Berliner Redaktion.
Rachdem nun die Annahme des Boungplanes erfolgt ist, werden die verschiedenen Organisationskomitees an ihre Arbeit herantreten, unter dem im Besonderen das Komitee zur Organisierung der Reparationsbank von größtem Interesse ist. Die neue Regelung der Reparationsfrage schließt die Durchführung verschiedener bankmäßiger Aufgaben ein, die die ganze Arbeit der äußeren Verwaltung zu leisten Hot, wie den Empfang und die Verteilung der Zahlungen und außerdem die Kommerzialisierung derjenigen Teile der Annuitäten durchführen muh, welche kommerzialisiert werden können. Die Kontrolle über die Geschäftsführung der Weltbank ist nach den Pariser Abmachungen i n d i e Hände der Zentralbanken gelegt worden. In steuerlicher Hinsicht kann die Bank nicht einem bestimmten Lande zugerechnet werden und bei der Verwendung der Reingewinne der Bank soll angestrebt werden, einen angemessenen Reservefond zu bilden. Das Gründungskapitol wird 100 Millionen Dollar ausmachen, wobei der ganze Betrag emittiert werden soll. Die gesamte Kontrolle der Geschäftsführung der Bank wird bei dem Direktorium liegen. Der Präsident der Zentralbank jedes der sieben Länder, die zu diesem Ausschuß gehören oder der von ihm vorgeschlagene Vertreter ist Direktor der Dank ex officio.
Was nun die Bank im allgemeinen betrifft, so muß zunächst darauf hingewiesen werden, daß dieselbe von ihrer Arbeit alle politi schen Ei nflüsseausschlieht. In dem natürlichen Lauf der Entwicklung darf erwartet werden, daß die Bank mit der Zeit eine Einrichtung werden wird, die sich nicht nur oder in erster Linie mit Reparationen zu befassen hat, sondern die auch der internationalen Handels- und F i n a n z w e l t bisher fehlende wichtige Möglichkeiten zu schaffen in der Lage ist. In Wirtschaftskreisen erhofft man, daß. die Dank ein immer festeres und wertvolleres Band für die allgemeine Zusammenarbeit der Zentralbanken werden wird, eine Zusammenarbeit, die wesentlich ist für die Aufrecht- erhalt um g döS" Kr cirt t ft) stemrS der Welk. Die Vorteile, die die Dank für Deutschland darstellt, ergeben sich vor allem darin, daß sie ihrer Ratur nach in der Lage ist, schon im voraus die Umsätze aus dem Wege zu räumen, welche von sich aus zu einem Transferaufschub führen kennen. Tenn einmal kann l'.e Banf von ihrer Befugnis, Kredit zu gewähren, Gebrauch macyen, um die Transferierung der Annuitäten vorübergehend zu erleichtern, und dann wird die Bank immer in der Lage sein, im Einverständnis mit der Reichsbank die auf ihrem Konto bei derselben laufend eingehenden Reichsmarkbeträge i n Deutschland anzulegen, wodurch der deutschen Wirtschaft ein Teil der Annuität wieder zugeführt werden kann und anderseits mit Hilfe oes Kreditmechanismus der Bank die fremden Devisen beschafft werden können, mit welchem die Anteile der Annuität der Gläubiger gezahlt werden müssen. Im großen und ganzen stellt diese Reparationsbank also eine Goldclearingstelle als Giro stelle der Rotenbanken dar. Lind hier zeichnet sich schon jetzt ein Weg vor, der der zukünftigen Finanzpolitik der Welt von größter Bedeutung sein wird.
Die alten Schulden.
Die Verschuldung dcröffenllichcn Wirtschaft
Berlin, 29. Aug. (Priv.-Tel.) Die zahllosen finanziellen Erhebungen der letzten Zeit, so die vom Reichssinanzministerium durchge- sührte Feststellung der Reuverschuldung der Länder, Gemeinden und Ge° mcindeverbände, wie aber auch die neuerliche Festsetzung der gesamten Reparationsschuld des Deutschen Reiches haben die Tatsache der alten Verschuldung etwas in den Hintergrund treten lassen. Aber gerade deshalb erscheint es im gegenwärtigen Augenblick notwendig, auch noch einmal diese Einzelheiten ins Gedächtnis zurückzurufen, damit man sich ein besseres Bild von der Gesamtverschul- 2 u n g Deutschlands machen kann.
Die Altverschuldung aller öffentlichen Eebiets- lörperschaften wird auf 5722 Mill. Mk. geschätzt. Der Hauptteil davon entfiel auf das Reich, 2as durch die Ablösung der Kriegsanleihen und der mit den Eisenbahnen auf das Reich übergegangenen Vorkriegsschulden der Länder etwa vier Fünftel dieser Gesamtverschuldung inne» Hat. Die gesamten Gemeinden und Gemeindeverbände, ohne die Hansestädte, wiesen zu Beginn des laufenden Rechnungsjahres eine Altverschuldung von etwa einer Milliarde Mark auf. Bei den Ländern ist die Altverschuldung ganz geringfügig, zumal hier die Tilgungen in bedeutend größerem Maßstabe vorgenommen werden konnten, als es z. D. beim Reich der Fall war. Die Gesamtsumme der bisher erfolgten Tilgungen erhöht sich nach den letzten vorgenommenen Tilgungen, die fast restlos auf die Einlösung von Auslosungsrechten entfallen, auf über 600 Mill. Mk. Im Durchschnitt werden die Länder und Gemeinden in den nächsten 20 bis 30 Iahren alljährlich etwa 100 Mill. Mk. zur Zahlung der Zinsen und zur Tilgung der alten Schulden oufbringen müssen, die zu der Verzinsung und Tilgung der seit 1924 entstandenen und recht
Die Schlußsitzung der Haager Konferenz.
Das Kinanzkomiiee beendet seine Arbeiten.
Haag, 31. Aug. (WB.) Das Finanzkomitee der Haager Konferenz hat heute vormittag seine Arbeiten beendet. Das Schluß Protokoll ist fertiggestellt. Es enthält verschiedene Anlagen:
1. die Vereinbarung zwischen den Gläubigermächten untereinander und zwischen Deutsch-' land und den Gläubigermächten über die neue Verteilung der deutschen Leistungen;
2. die Reuregelung der Sachlieferungen, wozu eine Sinteranlage sür den Fall eines Moratoriums und der Sachlieferungen in diesem Falle, ferner eine zweite Unter» anlage über das italienisch - englische Kohlenabkommen und die Annahme eines Teiles der italienischen Quote durch Frankreich gehören;
3. ein Reglement sür die Llebergangs- periode einschließlich der gestern getroffenen Regelung über die Leistungen Deutschlands während der Zeit bis zum Inkrafttreten des Voung-Planes;
4. die Einigung über die Frage der Besät- zungskosten und die Gründung einer gemeinsamen Kasse sür Kosten, die nach dem 1. September aus der Besatzung entstehen.
Es wurde dem Präsidenten Iaspar überlassen, den Zusammentritt und den Tagungsort der verschiedenen Unterkomm issionen und ebenso Zeit und Ort für die Schlußkonferenz zu bestimmen.
In der Sitzung kam es noch einmal zu einer ziemlich s ch arfen Auseinandersetzung zwischen den Vertretern der Gläubigermächte und den deutschen Delegierten, den Reichsministern Dr. Curtius und Dr. Hilferding. Es wurde von Deutschland verlangt, daß es aus Grund von Kapitel 9 § 143 des Voungplanes eine Verzichterklärung abgebe, die sich auf alle Entschädigung slorderungen, nament- iich-folcher -eaus dem beschlagnahmten deutschen Eigentum erstrecken sollte. Man verständigte sich jedoch angesichts des hartnäckigen deutschen Widerstandes schließlich dahin, daß eine besondere Unterkommission für d i e weitere Behandlung dieser Fragen eingesetzt wird.
Die Schlußsitzung.
Haag, 31. Aug. (WB.) Die Schlußsitzung der Konferenz stand zunächst unter dem formellen Vorsitz des deutschen Delegationsführers Reichsaußenministers Dr. Stresemann, der ihn mit Worten des Dankes an den belgischen Ministerpräsidenten Iaspar übertrug. Iaspar stellte fest, daß die Berichte des politischen und finanziellen Komitees vorlägen, von der der erste bereits bekannt und genehmigt sei, während für den zweiten die Genehmigung nachgesucht würde. Diese wurde erteilt, und hierauf erfolgte die Unterzeichnung der Schrift st ücke, die als ein Zwischendokument nicht durch die Delega
tionsführer, sondern durch den Präsidenten und den Generalsekretär vorgenommen wurde, um dann den Gesandten der beteiligten Mächte im Haag zur Weiterübermittlung an ihre Regierungen ausgehändigt zu werden. Iaspar dankte Stresemann, Snowden, Mosconi, Adatschi und Ch6ron besonders. Er brachte ferner den bereits abgereisten Ministern Briand und Henderson Grüße dar und drückte alsdann den Dank der Konferenz an die Adresse des Generalsekretärs Sir Maurice Hankes aus. Schließlich wurde ein Telegramm an d i e Königin der Riederlande gerichtet, in dem die Konferenz aus Anlaß ihrer letzten Sitzung der Königin die herzlich st en Wünsche zu ihrem heutigen Geburtstage ausspricht. In einer Erwiderung auf die Rede des Präsidenten betonte u. a. Snowden, daß der Gedanke der europäischen Rekonstruktion auf dieser Konferenz einen großen Fortschritt gemacht habe. Um 12.55 Uhr verliehen die ersten Delegierten das Sitzungsgebäude. In diesem Augenblick spielte der ausgestellte Bläserchor das Riederlän-
Berlin, 1. Sept. (WB.) Rach den zahlreichen Sprengstosfanschlägen, die während der letzten Wochen in den Provinzen Schleswig-Holstein und Hannover sowie im Freistaat Oldenburg verübt worden sind, ist jetzt die Reichshaupt st adt Schauplatz eines Sprengstoffattentats geworden, heute früh kurz nach 4 Uhr erfolgte am Reichs- t a g eine weithin hörbare Detonation. Der Tatort wurde sofort in weitem Umkreis durch Schutzpolizei abgesperrt. Der Rordeingang des Reichstagsgebäudes birgt im rechten Flügel in den Kellerräumen ein Zeilungsarchiv und im Hochparterre die Garderobenräume. 3m ersten Stock des Flügels bösln2en"fich"in einer Front von etwa 20 Bietern das Zimmer des Aeltestenrates, daran anschließend die Waschräume und dann die Freitreppe. Durch die Explosion wurden sämtliche im Erdgeschoß liegenden Fenstersch iben zertrümmert, die Fensterkreuze zum Teil herausgeschleudert, während die Inneneinrichtung nur nebensächliche Beschädigungen erlitt. 3m Hochparterre wurden ebenfalls die Fensterscheiben, die hier eine Stärke von 18 Millimeter haben, vollkommen zertrümmert, während im ersten Stock nur das Fenster des Waschraumes beschädigt wurde. Bald nach der Explosion erschienen der Polizeipräsident Dr. Weih, Regierungsdirektor Dr. Wündisch mit Kriminalkommissaren der Abteilung I A zur Feststellung des Tatbestandes. Es wurde festgeslellt, daß an der Rordseite des Reichstagsgebäudes nahe dem Portal 5 in dem Lufisch a ch t der Anßensront eine Spreng- stoffladung jur Explosion gebracht worden war. Es wurden zahlreiche Reste der
difche Dankgebet und anschließend „Eine feste Burg ist unser Gott" und mehrere Choräle. Die versammelte Menge entblößte das Haupt und brachte den einzelnen Delegierten Ovationen dar, die beim Erscheinen von Dr. Strese- ma nn einen besonders stürmischen Charakter annahmen.
Die hessische Staaisregierung an Rheinhessen.
Telegramniwcchscl mit Minister Wirth.
D a r m ff a b f, 31. Aug. Das hessische Gesarnt- minfferium erläßt folgenden Aufruf an das hessische besetzte Gebiet: 3m Haag sind gestern die Fristen für die Körnung des besetzten Gebietes bestimmt worden. Späte st ens am 1. 3 u l i 1 9 3 0 wird auch die Mainzer Zone und damit das hessische Gebiet frei sein. 3n dieser Stunde möchte ich namens der hessischen Sfaats- regierung und des ganzen Hessenlandes der Be-
Sprengslosfladung, insbesondere Teile einer Weckeruhr und von Taschenlampenbatterien gesunden, die teilweise bis auf die gegenüberliegende Straßenseite geschleudert worden waren. An einem Straßenbahnmast, der in höhe des Sprengherdes auf dem Bürgersteig steht, wurde eine sogenannte Klebemarke vorgefunden, die das Hakenkreuz und die 3nschrist: „Grohdeulsch- land erwach ei" trägt. Der von der Polizei sofort hinzugezogene Sachverständige Dr. Richter vom Chemisch-Technischen Reichsinstitut, der auch bei der Aufklärung der früheren Sprengstosfan- schläge in Oldenburg und Lüneburg als Gutachter tätig gewesen ist, hat an Ort und Stelle eine vorläufige Untersuchung vorgenommen. Zwar hak er bisher noch nicht die Art des Sprengstoffes genau feststellen können, nach seiner gutachtlichen Bekundung ist aber die Sprengslofsladung ähnlich wie die bei den Anschlägen in Oldenburg und Lüneburg vorbereitet gewesen. Ein Zusammenhang des neuesten Berliner Anschlags mit den früheren Sprengslosfatlentaten ist daher anzunehmen. Der Polizeipräsident hat eine Belohnung von 25 000 Mark ausgesetzt. Bon dem Betrag sind 10 000 Mark als Belohnung für die Personen bestimmt, die zur Aufklärung des Sprengstofsan- schlags im Reichstag, insbesondere zur Festnahme der Täter beifragen. Den weiteren Befrag von 15 000 Mark erhalten diejenigen Personen, durch deren Angaben der Rachweis eines Zusammenhanges des Berliner Anschlages mit den früheren Anschlägen erbracht wird.
Lin S-rengstoWeiM auf das Reichsiagsgebäiide
Mr Sachschaden angerichtei. — Zusammenhänge mit den Bombenanschlägen in Norddeutschland?
umfangreichen Reu Verschuldung hinzukom- men. Cs ist deshalb völlig irrig, wie es vor allem im Auslände geschieht, von einer Entschuldung der öffentlichen deutschen Wirtschaft zu sprechen. Deshalb wird sich die deutsche Finanzpolitik noch lange, lange Zeit eine außerordentliche Beschränkung auserlegen müssen, um den gewaltigen finanziellen Anforderungen auch restlos Rechnung tragen zu können, und damit die deutschen Finanzen einer Sanierung entgegenzuführen.
Hilgenberg gegen den young-plön
Eine Kundgebung am Hermannsdenkmal.
Detmold, 1. Sept. (TU.) Am Sonntag- nachmittag fand auf der Grotenburg eine vom Reichsausschuh für das deutsche Volksbegehren einberusene Kundgebung gegen die Kriegsschuldlüge und den Voung» plan vor dem Hermannsdenkmal statt. Müdem Stahlhelm hatten sich der Westfälische Landbund, die Rationalsozialistische Arbeiterpartei, der Alldeutsche Verband, der Deutschnationale Dolks- verband. die Christlichnationale Bauernpartei und die Vereinigten vaterländischen Verbände eingefunden. Geh. Rat Dr. Hugenberg betonte in längerer Rede u. a.: „3m Angesicht dieses Denkmals, das zwei Iahrtausendc unserer Geschichte vor unser Auge stellt, wollen wir uns zu dem Bunde zusammenschließen, der diesem neuen Deutschland zustrebt. Wir wollen n ich t z u Sklaven volksfremden auswärtigen Kapitals werden. Wir wollen uns das alte deutsche Bauernziel des freien Menschen auf freier Scholle nicht nehmen und von niemanden die gottbegnadete deutsche Seele rauben lassen. Wenn wir auch mit dem Schwerte für diese Ziele nicht kämpfen können, so können wir doch mit der Härte unseres Herzens und der Stärke unseres Willens dafür kämpfen. Wir wollen den Pariser Tributplan nicht, wir wollen die Lüge der deutschen Kriegsschuld nicht mehr hören, wir wollen hinter den Schanzen unserer schlechten Verträge eine Zeitlang die Zähne aufeinanderbeißen und das Ge
spenst der Wirtschaftsnot, die uns von hinten erdolchen soll, rechtzeitig zum offenen Kampf stellen, dann wird der Welt in neuem Licht die deutsche Frage vor Augen stehen." — Der Vorsitzende des Bayerischen Landesausschusses für das deutsche Volksbegehren, Oberst a. D. von T y l a n d e r, erklärte, daß die im Haag vorläufig gefallene Entscheidung alles andere als ein Erfolg für Deutschland sei. Dadurch, daß Stresemann gesagt habe, wir zahlten die ungeheuren Tribute, weil wir den Krieg verloren hätten und nicht infolge der Kriegsschuldlüge, habe Stresemann den Kampf gegen die Kriegsschuldlüge als unmöglich bezeichnet. Endlich muß aufgeräumt werden mit diesem Schwindel, denn es handele sich um die Schuld der Feinde. Stresemanns Politik ziehe nur die Katastrophe hinaus, die unausbleiblich sei.
Das Handwerk zum Volksbegehren gegen den 8oung-plan.
Berlin. 31. Aug. (WB.) Die Vorstände des R e i ch s v e r b a n d e s des Deutschen Handwerks- und Gewerbekammer- t a g c s haben auf einer gemeinschaftlichen Sitzung für die Handwerks- und Gewerbekammern, für die Fachverbände und die übrigen im Reichsverband des deutschen Handwerks vereinigten Vertretungen des Handwerks den Beitritt zum Reichsausschuß für das deutsche Volksbegehren mit der Begründung ab - gelehnt, daß die Entscheidung über die Annahme oder Ablehnung des Voung-Planes eine rein politische Angelegenheit sei, die über die Zuständigkeit der beruflichen Dertre- tunaen des Handwerks hinausgehe. Diese Stellungnahme der Spihenverbände des deutschen Handwerks deckt sich mit dem Standpunkt, den der preußische Handels mini st er in einer vor kurzem getroffenen Entscheidung eingenommen hat, daß öffentlich-rechtliche Körperschaften des Handwerks keinen Verbänden angehören dürfen, die über die Wahrnehmung wirtschaftlicher Interessen hinaus sich allgemein politisch betätigen und die parteipolitische Reu» tralität verletzen.
Eine Kundgebung des Fungdeuischen Ordens.
Rcichsminister Dr. Dietrich spricht.
Dresden, 1. Sept. (WB.) Die Großballer Sachsen des Jungdeutschen Ordens veranstaltete in Dresden eine mitteldeutsche Kundgebung, die durch eine wirtschaftspolitische Konferenz eingeleitet wurde. Den Höhepunkt der Veranstaltung bildete am Sonntagmittag eine Kundgebung im Zirkusgebäude, das mit schwarzrotgoldenen, schwarzweißroten Fahnen sowie den sächsischen Farben geschmückt war. Nach einer Rede des Ordenshochmeisters M a h r a u n , der in den Vordergrund den Kampf gegen die internationale Pluto- fratie stellte, ergriff Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft D r. Dietrich das Wort. Er unterstrich die Notwendigkeit, das Einigende hervorzu heben und das Trennende zurückzustellen. Der Minister ging sodann auf die Bauern frage ein und beklagte sich, daß die Notlage der Landwirtschaft vielfach unter dem Gesichtspunkt reiner Schlagworte behandelt werde. Als Bismarck seinerzeit das Reich schuf, mußten Millionen Deutsche draußen stehen. Das Ziel aller muß es jetzt sein, ein neues Reich zu schaffen, das allen, die deutscher Zunge sind, eine Heimat sei über die gegenwärtigen Grenzen hinweg. Nach der Zertrümmerung der österreichisch-ungarischen Monarchie hätten die Deutschen in ganz Europa heimgefunden und sähen in Berlin ihre Zentrale. Auch die innerpolitischen Gegensätze müßten aufhören. Im Iungdeutschen Orden erblicke er, so erklärte der Minister, eine Schar deutscher Männer, die dazu geschaffen seien, die Kraft ihrer Ideen in die Tat umzusetzen und zu verwirklichen. Nach einer Reihe weiterer Ansprachen schloß die Kundgebung mit dem gemeinsamen Gesang des Deutschlandliedes. Begrüßungstelegramme hatten u. a. gesandt Reichsverkehrsminister Stegerroalb, die früheren Reichsminister Dr. Külz und Koch-Weser sowie die sächsischen Minister Richter und Weber.


