Ausgabe 
2.9.1929
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 205 Erstes Blatt

179. Jahrgang

Montag, 2. September 1929

Eriche int täglich, auster Sonntags und Feiertags.

Beilagen:

Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle.

Monatr-Vezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspsennig sür Träger­lohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt.

Zernsprechanschliisse unterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Siesten.

Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686.

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitatr-Vmh- und Zleindruckerei R. Lange in Glehen. Zchnftlettung und Geschäftsstelle: schulstrahe 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,' für Re­klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°/ mehr.

Chefredakteur:

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Diesten.

Die Weltbank.

Don unserer Berliner Redaktion.

Rachdem nun die Annahme des Boungplanes erfolgt ist, werden die verschiedenen Organisa­tionskomitees an ihre Arbeit herantreten, unter dem im Besonderen das Komitee zur Or­ganisierung der Reparationsbank von größtem Interesse ist. Die neue Regelung der Reparationsfrage schließt die Durchführung verschiedener bankmäßiger Aufgaben ein, die die ganze Arbeit der äußeren Verwaltung zu leisten Hot, wie den Empfang und die Verteilung der Zahlungen und außerdem die Kommerzialisie­rung derjenigen Teile der Annuitäten durchführen muh, welche kommerzialisiert werden können. Die Kontrolle über die Geschäftsführung der Welt­bank ist nach den Pariser Abmachungen i n d i e Hände der Zentralbanken gelegt wor­den. In steuerlicher Hinsicht kann die Bank nicht einem bestimmten Lande zugerechnet wer­den und bei der Verwendung der Reingewinne der Bank soll angestrebt werden, einen ange­messenen Reservefond zu bilden. Das Gründungskapitol wird 100 Millionen Dollar ausmachen, wobei der ganze Betrag emittiert werden soll. Die gesamte Kontrolle der Ge­schäftsführung der Bank wird bei dem Direk­torium liegen. Der Präsident der Zen­tralbank jedes der sieben Länder, die zu diesem Ausschuß gehören oder der von ihm vorgeschlagene Vertreter ist Direktor der Dank ex officio.

Was nun die Bank im allgemeinen betrifft, so muß zunächst darauf hingewiesen werden, daß dieselbe von ihrer Arbeit alle politi schen Ei nflüsseausschlieht. In dem natürlichen Lauf der Entwicklung darf erwartet werden, daß die Bank mit der Zeit eine Einrichtung werden wird, die sich nicht nur oder in erster Linie mit Reparationen zu befassen hat, sondern die auch der internationalen Handels- und F i n a n z w e l t bisher fehlende wichtige Mög­lichkeiten zu schaffen in der Lage ist. In Wirt­schaftskreisen erhofft man, daß. die Dank ein immer festeres und wertvolleres Band für die allgemeine Zusammenarbeit der Zen­tralbanken werden wird, eine Zusammen­arbeit, die wesentlich ist für die Aufrecht- erhalt um g döS" Kr cirt t ft) stemrS der Welk. Die Vorteile, die die Dank für Deutschland darstellt, ergeben sich vor allem darin, daß sie ihrer Ratur nach in der Lage ist, schon im vor­aus die Umsätze aus dem Wege zu räumen, welche von sich aus zu einem Transferaufschub führen kennen. Tenn einmal kann l'.e Banf von ihrer Befugnis, Kredit zu gewähren, Gebrauch macyen, um die Transferierung der Annuitäten vorüber­gehend zu erleichtern, und dann wird die Bank immer in der Lage sein, im Einverständnis mit der Reichsbank die auf ihrem Konto bei der­selben laufend eingehenden Reichsmarkbeträge i n Deutschland anzulegen, wodurch der deut­schen Wirtschaft ein Teil der Annuität wieder zugeführt werden kann und anderseits mit Hilfe oes Kreditmechanismus der Bank die fremden Devisen beschafft werden können, mit welchem die Anteile der Annuität der Gläubiger gezahlt wer­den müssen. Im großen und ganzen stellt diese Reparationsbank also eine Goldclearing­stelle als Giro stelle der Rotenban­ken dar. Lind hier zeichnet sich schon jetzt ein Weg vor, der der zukünftigen Finanzpolitik der Welt von größter Bedeutung sein wird.

Die alten Schulden.

Die Verschuldung dcröffenllichcn Wirtschaft

Berlin, 29. Aug. (Priv.-Tel.) Die zahl­losen finanziellen Erhebungen der letzten Zeit, so die vom Reichssinanzministerium durchge- sührte Feststellung der Reuverschuldung der Länder, Gemeinden und Ge° mcindeverbände, wie aber auch die neuer­liche Festsetzung der gesamten Reparations­schuld des Deutschen Reiches haben die Tat­sache der alten Verschuldung etwas in den Hin­tergrund treten lassen. Aber gerade deshalb erscheint es im gegenwärtigen Augenblick not­wendig, auch noch einmal diese Einzelheiten ins Gedächtnis zurückzurufen, damit man sich ein besseres Bild von der Gesamtverschul- 2 u n g Deutschlands machen kann.

Die Altverschuldung aller öffentlichen Eebiets- lörperschaften wird auf 5722 Mill. Mk. geschätzt. Der Hauptteil davon entfiel auf das Reich, 2as durch die Ablösung der Kriegsanleihen und der mit den Eisenbahnen auf das Reich über­gegangenen Vorkriegsschulden der Länder etwa vier Fünftel dieser Gesamtverschuldung inne» Hat. Die gesamten Gemeinden und Ge­meindeverbände, ohne die Hansestädte, wiesen zu Beginn des laufenden Rechnungsjahres eine Altverschuldung von etwa einer Milliarde Mark auf. Bei den Ländern ist die Alt­verschuldung ganz geringfügig, zumal hier die Tilgungen in bedeutend größerem Maßstabe vorgenommen werden konnten, als es z. D. beim Reich der Fall war. Die Gesamtsumme der bisher erfolgten Tilgungen erhöht sich nach den letzten vorgenommenen Tilgungen, die fast restlos auf die Einlösung von Auslosungsrech­ten entfallen, auf über 600 Mill. Mk. Im Durchschnitt werden die Länder und Gemeinden in den nächsten 20 bis 30 Iahren alljähr­lich etwa 100 Mill. Mk. zur Zahlung der Zinsen und zur Tilgung der alten Schulden oufbringen müssen, die zu der Verzinsung und Tilgung der seit 1924 entstandenen und recht

Die Schlußsitzung der Haager Konferenz.

Das Kinanzkomiiee beendet seine Arbeiten.

Haag, 31. Aug. (WB.) Das Finanzkomitee der Haager Konferenz hat heute vormittag seine Arbeiten beendet. Das Schluß Protokoll ist fertiggestellt. Es enthält verschiedene An­lagen:

1. die Vereinbarung zwischen den Gläubiger­mächten untereinander und zwischen Deutsch-' land und den Gläubigermächten über die neue Verteilung der deutschen Leistungen;

2. die Reuregelung der Sachlieferungen, wozu eine Sinteranlage sür den Fall eines Moratoriums und der Sachlieferungen in diesem Falle, ferner eine zweite Unter» anlage über das italienisch - eng­lische Kohlenabkommen und die An­nahme eines Teiles der italienischen Quote durch Frankreich gehören;

3. ein Reglement sür die Llebergangs- periode einschließlich der gestern getroffe­nen Regelung über die Leistungen Deutsch­lands während der Zeit bis zum Inkrafttre­ten des Voung-Planes;

4. die Einigung über die Frage der Besät- zungskosten und die Gründung einer gemeinsamen Kasse sür Kosten, die nach dem 1. September aus der Besatzung entstehen.

Es wurde dem Präsidenten Iaspar überlassen, den Zusammentritt und den Tagungsort der ver­schiedenen Unterkomm issionen und eben­so Zeit und Ort für die Schlußkonferenz zu bestimmen.

In der Sitzung kam es noch einmal zu einer ziemlich s ch arfen Auseinandersetzung zwischen den Vertretern der Gläubigermächte und den deutschen Delegierten, den Reichsministern Dr. Curtius und Dr. Hilferding. Es wurde von Deutschland verlangt, daß es aus Grund von Ka­pitel 9 § 143 des Voungplanes eine Ver­zichterklärung abgebe, die sich auf alle Entschädigung slorderungen, nament- iich-folcher -eaus dem beschlagnahmten deutschen Eigentum er­strecken sollte. Man verständigte sich jedoch an­gesichts des hartnäckigen deutschen Widerstandes schließlich dahin, daß eine besondere Un­terkommission für d i e weitere Be­handlung dieser Fragen eingesetzt wird.

Die Schlußsitzung.

Haag, 31. Aug. (WB.) Die Schlußsitzung der Konferenz stand zunächst unter dem formellen Vorsitz des deutschen Delegationsführers Reichs­außenministers Dr. Stresemann, der ihn mit Worten des Dankes an den belgischen Minister­präsidenten Iaspar übertrug. Iaspar stellte fest, daß die Berichte des politischen und finan­ziellen Komitees vorlägen, von der der erste be­reits bekannt und genehmigt sei, während für den zweiten die Genehmigung nachgesucht würde. Diese wurde erteilt, und hierauf erfolgte die Unterzeichnung der Schrift st ücke, die als ein Zwischendokument nicht durch die Delega­

tionsführer, sondern durch den Präsidenten und den Generalsekretär vorgenommen wurde, um dann den Gesandten der beteiligten Mächte im Haag zur Weiterübermittlung an ihre Regie­rungen ausgehändigt zu werden. Iaspar dankte Stresemann, Snowden, Mosconi, Adatschi und Ch6ron besonders. Er brachte ferner den bereits abgereisten Ministern Briand und Henderson Grüße dar und drückte alsdann den Dank der Konferenz an die Adresse des General­sekretärs Sir Maurice Hankes aus. Schließlich wurde ein Telegramm an d i e Königin der Riederlande gerichtet, in dem die Kon­ferenz aus Anlaß ihrer letzten Sitzung der Kö­nigin die herzlich st en Wünsche zu ih­rem heutigen Geburtstage ausspricht. In einer Erwiderung auf die Rede des Präsi­denten betonte u. a. Snowden, daß der Gedanke der europäischen Rekonstruktion auf dieser Konfe­renz einen großen Fortschritt gemacht habe. Um 12.55 Uhr verliehen die ersten Delegierten das Sitzungsgebäude. In diesem Augenblick spielte der ausgestellte Bläserchor das Riederlän-

Berlin, 1. Sept. (WB.) Rach den zahlreichen Sprengstosfanschlägen, die während der letzten Wo­chen in den Provinzen Schleswig-Holstein und Hannover sowie im Freistaat Oldenburg verübt worden sind, ist jetzt die Reichshaupt st adt Schauplatz eines Sprengstoffattentats geworden, heute früh kurz nach 4 Uhr erfolgte am Reichs- t a g eine weithin hörbare Detonation. Der Tatort wurde sofort in weitem Umkreis durch Schutzpoli­zei abgesperrt. Der Rordeingang des Reichstags­gebäudes birgt im rechten Flügel in den Kellerräu­men ein Zeilungsarchiv und im Hochparterre die Garderobenräume. 3m ersten Stock des Flügels bösln2en"fich"in einer Front von etwa 20 Bietern das Zimmer des Aeltestenrates, daran anschließend die Waschräume und dann die Freitreppe. Durch die Explosion wurden sämtliche im Erdgeschoß lie­genden Fenstersch iben zertrümmert, die Fenster­kreuze zum Teil herausgeschleudert, während die Inneneinrichtung nur nebensächliche Beschädigungen erlitt. 3m Hochparterre wurden ebenfalls die Fen­sterscheiben, die hier eine Stärke von 18 Millimeter haben, vollkommen zertrümmert, während im er­sten Stock nur das Fenster des Waschraumes be­schädigt wurde. Bald nach der Explosion erschienen der Polizeipräsident Dr. Weih, Regierungsdirektor Dr. Wündisch mit Kriminalkommissaren der Abtei­lung I A zur Feststellung des Tatbestandes. Es wurde festgeslellt, daß an der Rordseite des Reichs­tagsgebäudes nahe dem Portal 5 in dem Lufi­sch a ch t der Anßensront eine Spreng- stoffladung jur Explosion gebracht worden war. Es wurden zahlreiche Reste der

difche Dankgebet und anschließendEine feste Burg ist unser Gott" und mehrere Choräle. Die versammelte Menge entblößte das Haupt und brachte den einzelnen Delegierten Ovationen dar, die beim Erscheinen von Dr. Strese- ma nn einen besonders stürmischen Charakter annahmen.

Die hessische Staaisregierung an Rheinhessen.

Telegramniwcchscl mit Minister Wirth.

D a r m ff a b f, 31. Aug. Das hessische Gesarnt- minfferium erläßt folgenden Aufruf an das hessische besetzte Gebiet: 3m Haag sind gestern die Fristen für die Körnung des besetzten Gebietes bestimmt worden. Späte st ens am 1. 3 u l i 1 9 3 0 wird auch die Mainzer Zone und da­mit das hessische Gebiet frei sein. 3n dieser Stunde möchte ich namens der hessischen Sfaats- regierung und des ganzen Hessenlandes der Be-

Sprengslosfladung, insbesondere Teile einer Wecker­uhr und von Taschenlampenbatterien gesunden, die teilweise bis auf die gegenüberliegende Straßen­seite geschleudert worden waren. An einem Stra­ßenbahnmast, der in höhe des Sprengherdes auf dem Bürgersteig steht, wurde eine sogenannte Klebemarke vorgefunden, die das Haken­kreuz und die 3nschrist:Grohdeulsch- land erwach ei" trägt. Der von der Polizei so­fort hinzugezogene Sachverständige Dr. Richter vom Chemisch-Technischen Reichsinstitut, der auch bei der Aufklärung der früheren Sprengstosfan- schläge in Oldenburg und Lüneburg als Gutachter tätig gewesen ist, hat an Ort und Stelle eine vor­läufige Untersuchung vorgenommen. Zwar hak er bisher noch nicht die Art des Sprengstoffes genau feststellen können, nach seiner gutachtlichen Bekun­dung ist aber die Sprengslofsladung ähnlich wie die bei den Anschlägen in Oldenburg und Lüneburg vorbereitet gewesen. Ein Zusammenhang des neuesten Berliner Anschlags mit den früheren Sprengslosfatlentaten ist daher an­zunehmen. Der Polizeipräsident hat eine Beloh­nung von 25 000 Mark ausgesetzt. Bon dem Betrag sind 10 000 Mark als Belohnung für die Personen bestimmt, die zur Aufklärung des Sprengstofsan- schlags im Reichstag, insbesondere zur Festnahme der Täter beifragen. Den weiteren Befrag von 15 000 Mark erhalten diejenigen Personen, durch deren Angaben der Rachweis eines Zusammen­hanges des Berliner Anschlages mit den früheren Anschlägen erbracht wird.

Lin S-rengstoWeiM auf das Reichsiagsgebäiide

Mr Sachschaden angerichtei. Zusammenhänge mit den Bombenanschlägen in Norddeutschland?

umfangreichen Reu Verschuldung hinzukom- men. Cs ist deshalb völlig irrig, wie es vor allem im Auslände geschieht, von einer Ent­schuldung der öffentlichen deutschen Wirtschaft zu sprechen. Deshalb wird sich die deutsche Finanzpolitik noch lange, lange Zeit eine außer­ordentliche Beschränkung auserlegen müs­sen, um den gewaltigen finanziellen Anforde­rungen auch restlos Rechnung tragen zu können, und damit die deutschen Finanzen einer Sanie­rung entgegenzuführen.

Hilgenberg gegen den young-plön

Eine Kundgebung am Hermannsdenkmal.

Detmold, 1. Sept. (TU.) Am Sonntag- nachmittag fand auf der Grotenburg eine vom Reichsausschuh für das deutsche Volksbegehren einberusene Kundgebung gegen die Kriegsschuldlüge und den Voung» plan vor dem Hermannsdenkmal statt. Müdem Stahlhelm hatten sich der Westfälische Landbund, die Rationalsozialistische Arbeiterpartei, der All­deutsche Verband, der Deutschnationale Dolks- verband. die Christlichnationale Bauernpartei und die Vereinigten vaterländischen Verbände eingefunden. Geh. Rat Dr. Hugenberg be­tonte in längerer Rede u. a.:3m Angesicht dieses Denkmals, das zwei Iahrtausendc unserer Geschichte vor unser Auge stellt, wollen wir uns zu dem Bunde zusammenschließen, der diesem neuen Deutschland zustrebt. Wir wollen n ich t z u Sklaven volksfremden auswär­tigen Kapitals werden. Wir wollen uns das alte deutsche Bauernziel des freien Men­schen auf freier Scholle nicht nehmen und von niemanden die gottbegnadete deutsche Seele rauben lassen. Wenn wir auch mit dem Schwerte für diese Ziele nicht kämpfen können, so können wir doch mit der Härte unseres Her­zens und der Stärke unseres Willens dafür kämpfen. Wir wollen den Pariser Tributplan nicht, wir wollen die Lüge der deutschen Kriegs­schuld nicht mehr hören, wir wollen hinter den Schanzen unserer schlechten Verträge eine Zeit­lang die Zähne aufeinanderbeißen und das Ge­

spenst der Wirtschaftsnot, die uns von hinten erdolchen soll, rechtzeitig zum offenen Kampf stellen, dann wird der Welt in neuem Licht die deutsche Frage vor Augen stehen." Der Vor­sitzende des Bayerischen Landesausschusses für das deutsche Volksbegehren, Oberst a. D. von T y l a n d e r, erklärte, daß die im Haag vor­läufig gefallene Entscheidung alles andere als ein Erfolg für Deutschland sei. Da­durch, daß Stresemann gesagt habe, wir zahlten die ungeheuren Tribute, weil wir den Krieg verloren hätten und nicht infolge der Kriegs­schuldlüge, habe Stresemann den Kampf gegen die Kriegsschuldlüge als unmöglich bezeichnet. Endlich muß aufgeräumt werden mit diesem Schwindel, denn es handele sich um die Schuld der Feinde. Stresemanns Politik ziehe nur die Katastrophe hinaus, die unausbleiblich sei.

Das Handwerk zum Volksbegehren gegen den 8oung-plan.

Berlin. 31. Aug. (WB.) Die Vorstände des R e i ch s v e r b a n d e s des Deutschen Handwerks- und Gewerbekammer- t a g c s haben auf einer gemeinschaftlichen Sit­zung für die Handwerks- und Gewerbekammern, für die Fachverbände und die übrigen im Reichs­verband des deutschen Handwerks vereinigten Vertretungen des Handwerks den Beitritt zum Reichsausschuß für das deutsche Volksbegehren mit der Begründung ab - gelehnt, daß die Entscheidung über die An­nahme oder Ablehnung des Voung-Planes eine rein politische Angelegenheit sei, die über die Zuständigkeit der beruflichen Dertre- tunaen des Handwerks hinausgehe. Diese Stellungnahme der Spihenverbände des deut­schen Handwerks deckt sich mit dem Standpunkt, den der preußische Handels mini st er in einer vor kurzem getroffenen Entscheidung eingenommen hat, daß öffentlich-rechtliche Kör­perschaften des Handwerks keinen Verbänden an­gehören dürfen, die über die Wahrnehmung wirtschaftlicher Interessen hinaus sich allgemein politisch betätigen und die parteipolitische Reu» tralität verletzen.

Eine Kundgebung des Fungdeuischen Ordens.

Rcichsminister Dr. Dietrich spricht.

Dresden, 1. Sept. (WB.) Die Großballer Sachsen des Jungdeutschen Ordens veranstaltete in Dresden eine mitteldeutsche Kundgebung, die durch eine wirtschaftspolitische Konferenz eingeleitet wurde. Den Höhepunkt der Veranstal­tung bildete am Sonntagmittag eine Kundgebung im Zirkusgebäude, das mit schwarzrotgoldenen, schwarz­weißroten Fahnen sowie den sächsischen Farben geschmückt war. Nach einer Rede des Ordens­hochmeisters M a h r a u n , der in den Vorder­grund den Kampf gegen die internationale Pluto- fratie stellte, ergriff Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft D r. Dietrich das Wort. Er unterstrich die Notwendigkeit, das Einigende hervorzu heben und das Trennende zurück­zustellen. Der Minister ging sodann auf die Bauern frage ein und beklagte sich, daß die Notlage der Landwirtschaft vielfach unter dem Ge­sichtspunkt reiner Schlagworte behandelt werde. Als Bismarck seinerzeit das Reich schuf, mußten Mil­lionen Deutsche draußen stehen. Das Ziel aller muß es jetzt sein, ein neues Reich zu schaffen, das allen, die deutscher Zunge sind, eine Heimat sei über die gegenwärtigen Grenzen hinweg. Nach der Zertrümmerung der österreichisch-ungarischen Mo­narchie hätten die Deutschen in ganz Europa heim­gefunden und sähen in Berlin ihre Zentrale. Auch die innerpolitischen Gegensätze müßten aufhören. Im Iungdeutschen Orden erblicke er, so erklärte der Minister, eine Schar deutscher Männer, die dazu geschaffen seien, die Kraft ihrer Ideen in die Tat umzusetzen und zu verwirklichen. Nach einer Reihe weiterer Ansprachen schloß die Kundgebung mit dem gemeinsamen Gesang des Deutschlandliedes. Begrüßungstelegramme hatten u. a. gesandt Reichs­verkehrsminister Stegerroalb, die früheren Reichsminister Dr. Külz und Koch-Weser so­wie die sächsischen Minister Richter und Weber.