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Nr. 1 Erstes Blatt

179. Jahrgang

Mittwoch, 2. Januar 1929

Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags.

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Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Vie Scholle.

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Gberhefsen

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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den An­zeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen.

Neujahrsempfänge beim Reichsoberhaupt.

Oer Reichspräsident nimmt die Glückwünsche des diplomatischen Korps, der Reichsregierung und anderer Behörden entgegen.

Berlin, 1. Ian. lWB.) Der offizielle Reu- jahrstag des Reichspräsidenten begann um 10 Ahr vormittags mit der militärischen Wachtparade, die durch das Brandenburger Tor über die Lin­den und die Wilhelmstraße zum Palais des Reichspräsidenten zog und deren Mel­dung der Reichspräsident vor dem Portal des Hauses entgegennahm. Hieran schloß sich ein Morgenständchen der Kapelle des Wachtregi-- mentes im Park des Hauses, ihn 12 Ahr empfing der Reichspräsident von Hindenburg in der übli­chen Wrise dieChefs der hiesigen frem­den diplomatischen Vertretungen, zu deren Anfahrt sich in der Wilhelmstraße größeres Publikum angesammelt hatte. Eine im Ehrenhof des Reichspräsidiums ausgestellte Ab­teilung Reichswehr erwi^ den fremden Diplo­maten militärische Ehrenbezeugungen.

Oer apostolische Nuntius, Monsignore pacelli, brachte als Doyen die Glückwünsche des diplo­matischen Korps in einer Ansprache zum Aus­druck, in der es in Aeversetzung u. a. lautet:

Herr Reichspräsident! Mit einem Gefühle innerer Genugtuung versammelt sich das in Ber­lin beglaubigte diplomatische Korps anläßlich der Jahreswende von Reuem um Ihre Person. Ge­tragen von der Verehrung und Lieoe des Volkes erfüllen Sie, Herr Reichspräsident, in beson­ders bewundernswürdiger Geistes­und Körperfrische unaufhörlich Ihre so hohe Aufgabe. Wir hegen die innigsten Wünsche für die Erhaltung Ihrer kostbaren Gesundheit, damit Sie sich noch lange den Werken widmen tonnen, auf den unerschütterlichen Grundfesten der Wahrheit die Größe und das Wohl der Ration zu mehren, deren höchstes Amt Sie bekleiden. Trotz unvermeidlicher Ent­täuschungen. t'-otz schmal«H'-r H 2 m rn u n - gen, trotz zntweiüger Rückschläge schreitet die Menschheit auf dem majestätischen Wege des Friedens voran. Deutschland selbst hat sich, in­dem es gleich im Anfang dem Pakt zum Verzicht auf den Krieg als ein Mittel der na ionalen Politik b;itrat, feierlich zum friedlichen Ausbau der Beziehungen zwischen den Staaten bekannt. Möge das heute beginnende Jahr die glück­liche Lösung der wichtigen und heiklen Aus­gaben bringen, von denen die Ruhe Europas ab- hängt. Möge es so ein Meilenstein bilden auf dem erfolgreichen Pfade zum allgemeinen Frie­den und zur brüderlichen Einigung aller Men­schen auf Erden. Geruhen Sie, Herr Reichs­präsident, diese ehrerbietigen Grüße entgegenzu- r.ebmen, die wir in Ihrer Person zugleich an das ganze deutsche Volk richten. Möge die gött­liche Vorsehung, ohne deren Beistand alle mensch­lichen Anstrengungen hinfällig bleiben, gnädige Erhörung geben.

Oer Herr Reichspräsident

antwortete hierauf mit folgenden Worten:Herr Nuntius! Es ist mir eine große Freude, auch an diesem Neujahrstage wieder von Ihnen die Glück­wünsche entgegenzunehmen, die Sie im Namen des Diplomatischen Korps Hem deutschen Volke darge­bracht haben. Lassen Sie mich Ihnen dafür unb zugleich für die mir persönlich gewidmeten freund­lichen Worte und Wünsche aufrichtig danken.

Sie haben von den Enttäuschungen und Rückschlägen gesprochen, von denen die Völker in ihrem Streben nach friedlicher Ent­wicklung getroffen werden. Seien Sie versichert, daß kein Land solche Enttäuschungen und Rück­schläge härter empfindet als Deutschland, daß trotz seiner ernsten Bemühungen um Herstellung einer wahren, auf vertrauen und Gleichberechti­gung beruhenden Friedensgemeinschaft noch immer von der Sorge um die Er­füllung berechtigterErwartungcn bedrückt wird. Mit besonderer Bitterkeit empfindet es das gesamte deutsche Volk gerade heute am Eintritt in das neue 3a(jr, daß einem großen Teil unseres Gebie­tes immer noch die Freiheit vor­enthalten wird, aus die wir nach göttlichem und menschlichem Recht Anspruch haben und deren Wiedererlangung Deutschland längst er­hoffte. Dir wollen trotz herber Enttäuschungen hoffen, daß Im neuen Jahre dem deutschen Volke die volle Selbstbestimmung zuruckgegeben wird; denn n u r zwi­schen freien Volkern können die hohen Gedanken der Verständigung, des Friedens und der Entwicklung der Menschheit voll zur Aus­wirkung gelangen.

Für die Aeborwinbun.q der Hemmnisse, die einer gesunden und natürlichen Entwicklung ent- gegenstehen, alle Kräfte cinzusetzen, ist Deutsch­land stets bereit gewesen und wird es auch toeiter sein. Zur Erreichung dieses für die Ruhe Europas entscheidenden Zieles g'hört die freie und verständnisvolle Zusammenarbeit aller Rationen. Dafür ist während des ver­gangenen Jahres mit der von Ihnen erwähnten, von Deutschland aufrichtig begrüben Anterzeich- i'ung des Paktes über den Verzicht auf den . 'rieg eine neue Grundlage geschaffen worden.

Es gilt, aus dieser Grundlage weiterzuarbeiten, um die gesunden Gedanken dieses Abkommens zu verwirklichen, die dahin gehen, die noch zwi­schen den Völkern stehenden Probleme ohne Rückstcht auf die Machtverhältnisse nach dem Grundsätze der Gerechtig­keit zu lösen und so der Welt 'diejenige Siche- rung des Friedens zu geben, die di: Gewähr ter Sauer in sich schließ!. Im Ausblick auf dieses Ziel spreche ich Ihnen, Herr Runtius, und Ihneir, meine Herren, zugleich für Ihre Slaatsober- häupter, Regierungen und Völker, im Ramen des deutschen Volles und im eigenen Ramen meine aufrichtigsten und herzlichsten Reujahrs­wünsche aus."

Rach dem Austausch der Ansprachen begrüßte der Herr Reichspräsident die einzelnen Botschaf- ter, Gesandten und Geschäftsträger und wechselte mit ihnen Reujahrswünsche. An dem Empfang nahmen Reichskanzler Hermann Müller, Reichsaußenminister Dr. Stresemann, die Staatssekretäre Dr. v. Schubert und Dr. Meißner sowie der Chef des Protokolls, Ge­sandter Köster, teil.

Empfang derReichmegierung.

Der Reichspräsidentweist auf die besondere Not der Landwirtschaft hin.

2m Anschluß hieran empfing der Herr Reichs­präsident den Reichskanzler sowie die Reichs­minister und die Staatssekretäre der Reichs­regierung.

Oer Reichskanzler

begrüßte den. Herrn Reichspräsidenten mit folgen­der Ansprache:5>err Reichspräsident l Ich habe die Ehre, am heutigen Tage Ihnen die herz­lichsten Glückwünsche der Reichsregierung zu über* m'Ueln. Sie wünscht Ihren m'-t dem. grar.Jen deutschen Volke auch im neuen Jahre Gesundheit und Wohlergehen. Die Reichsregierung ist sich mit allen Deutschen volt Stolz der Tat­fach e b e w u ß t, an der Spitze des Reiches einen Mann zu wissen, dem die ganze Welt die größte Achtung zollt für die Art. in der er sein hohes und schweres Amt ausübt.

Das vergangene Jahr ha: die Hoffnungen und Wünsche auf außenpolitischem Gebiet, die jeder Deutsche hegt, nrcht in Erfüllung gebracht. Das wird uns nicht abhalten, unablässig wie bisher an ihrer Verwirklichung zu arbeiten und auf ihre Erfüllung zu drängen, bis Rhein, Saar und Pfalz von fremden Truppen be­freit sind. Hoffentlich wird uns hierin das neue Jahr endlich weiterbringen. Die bevor- steheivde Zusammenkunft der Sachver­ständigen wird, so hoffen wir, die für Reich und Volk so entscheidend wichtige Repara­tionsfrage in Fluh bringen und damit die vormals kriegführenden Rationen der völligen Liquidierung des Krieges näherführen.

Seit der Staatsumwälzung ist ein Jahrzehnt verflossen, und wir können heute, trotz all dem Furchtbaren, das unser Volk in dieser Zeit er­litten hat. doch seststellen, daß sich unsere innere Lage gefestigt hat und daß cd vorwärts geht.

Manchmal will uns aber scheinen, als ob die Fortschritte, die wir gemacht haben, übertrieben werden unb manche ausländischen Beobachter Deutschland in einem Zustand der Blüte sehen, der nicht den Tatsachen entspricht. Denn schwere Sorgen und Schwierigkeiten lasten auf uns, und wir haben oft in kurzer Zeit Aufgaben zu bewältigen, die in früheren Epochen ein vielfaches der uns zur Verfügung stehenden Zeil erforderten.

Ich brauche nur an das ProblemReich und Lande r", an die schweren Wirtschafts­konflikte und an die Schwierigkeiten zu er­innern, die uns d i e finanziellen Lasten des verlorenen Krieges auferlegen. Wir hoffen, sie wie bisher Schritt für Schritt zu über­winden, gestützt auf die Tatkraft unseres Volkes und im Vertrauen auf die politische Erfahrung, über die das deutsche Volk, seitdem es fein Geschick selbst in die Hand genommen hat, von Jabr zu Jahr in größerem Maße verfügt. Die vielfachen Leistungen, die deutscher Wagemut und Unterneljmitngsgcift gezeigt haben, l)aben uns in der Welt wieder Sympathien und Freunde geschasst. Die Uebcrfliegung des Ozeans durch deutsche Flieger, die Fahrten des Zeppe­lin-Luftschiffes Haden bewiesen, daß die Spannkraft deutschen Geistes und deutschen Willens die alte ist. Sie sind ein Beweis dafür, daß unsere Zuversicht nicht trügt, die an dem Wiederauf- ft i c g und die Zukunft unseres Volkes glaubt. Möge auch im neuen Jahre der Weg aufwärts gehen, und möge es bessere Tage bescheren für unser Volk, dem unsere ganze Arbeit gilt/

Oer Herr Reichspräsident

erwiderte darauf u. a.:

Herr Reichskanzler! Meine Herren! Für die Glückwünsche, di? Sie, Herr Reichskanzler, na» mens der ReichSrcgierung mir in so freundlichen Worten ausgesprochen haben, sa r ich Ihnen meinen verbindlichsten Dank. Ich erwidere sie mit gleich herzlichen Glückwünschen für Ihr aller per­

sönliches Wohlergehen und für guten Erfolg Ihrer Arbeit im brgi.menden Jahr. Mein erster Gruß am heutigen Tage gilt unseren Brü­dern und Schwestern im besetzten Ge- biet, deren ich mit dem gesamten deutschen Volke in schmerzlicher Anteilnahme gedenke. Es war die schwerste Enttäuschung des vergangenen Jahres, daß die berechtigte Erwartung, die wir für die endliche Befreiung des besetzten Gebietes von sremder Militärgewalt hegten, bis heute noch keine Erfüllung fand. Mit Befriedigung begrüße ich daher Ihre Erklärung, Herr Reichs­kanzler, daß die Reichsregierung entschlossen ist, unablässig daraus zu drängen, daß Rhein, Saar und Pfalz von fremdem Druck befreit werden. Daß dies bald gelingen möge, ist der besondere Wunsch, den das gesamte deutsche Volk beim Eintritt in das neue Jahr bekundet.

Mit Genugtuung kann ich es besonders be­grüßen, daß es der tatkräftigen Mitarbeit der Reichsregierung und der Derftäniigcn Einsicht der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber gelungen ist. den Wirtschaftskampf im Indu­strie g e b i e t R o r d w e st d e u t s ch ! a n d s und in Sachsen büzulegen und den wirtschaftlichen Frieden, den wir so dringend für unseren Wie­deraufbau benötigen, zu sichern.

Ein lebenswichtiger Zweig unserer Volkswirt­schaft leidet ganz besonders,

die Landwirtschaft, namentlich im öst­lichen Deutschland. Ihr wieder aufzuhelfen und sie wieder in die Sage zu fetzen, ihre Aufgabe, die Docksernährung Deutschlands zu erzeugen, zu erfüllen, wird eines der dringlichsten Pro­bleme der nächsten Monate fein. Mit schwerer Sorge um die eigene Existenz und um die 3ur fv.iiit ber v, wi'.L.n L/ ij;uiilid)cn jnueit bilden die deutschen Landwirte, die Großbesiher ebenso wie die mittleren und Kleinbauern, auf das neue Jahr. Deshalb wiederhole ich Ihnen, Herr Reichskanzler und der Reichsregierung gegenüber die dringliche Bitte, in Er­kenntnis der Wichtigkeit dieser Frage alle Kräfte für die Vehebung derRot der de utschenLandwirtschafteinzu setzen. Mit Ihnen, Herr Reichskanzler, bin auch ich. wie schon eingangs angedeutet, der Auffassung, daß trotz aller Schwere der Zeit unsere innere Lage sich gefestigt und gebessert hat. Ja es Wick mir sogar scheinen, daß Gegensätze, die unser Volk so unheilvoll durchziehen, sich ge­mildert haben oder wenigstens nicht mehr in solcher Schärfe zutage treten wie früher. Möge bas deutsche Volk auch im kommenden Jahre fortfahren, im Gedanken an das Vaterland und seine Zukunft persönlichen und politi­schen Widerstreit zu überwinden und zu überbrücken. Dann wird auch unserem schwer­geprüften Volke Gesundung und eine bessere Zu­kunft beschieden sein, an die ich mit Ihnen. Herr Reichskanzler, unerschütterlich glaube."

Hierauf begrüßte der Herr Reichspräsident jeden einzelnen der Reichsmini stec und der Staatssekretäre. Gegen 1 Ähr empfing der Herr Reichspräsident den Reichstag Zprändenten Löbe und den Vizepräsidenten des Reichstages Graes, die ihm die Glückwünsche des Reichs­tages zum neuen Jahr Übermittelien. Dann über­mittelten Minister Dr. Steiger und die Ge­sandten v. P r c g e r, Dr. Gradnauer, Dr. B o s l e r und Boden dem Herrn Reichspräsi­denten die Glückwünsche des Rcichsrots. Die Glückwünsche der Heeresmacht überbrachten der Chef der Heeresleitung, General der Infanterie Heye, und der Chef der Marineleitung, Ad­miral Räder. Später überbrachte noch Gene­raldirektor Dr. Dorpmüller die Glück­wünsche der Deutschen Reichsbahngesellschast und Vizepräsident der Reichsbank Dreyse die Glückwünsche des Reichsbankdirettvriums.

Die Glückwünsche Oesterreichs und Angarns.

Berlin. 31.Dez. iWTD.) Reichspräsi­dent v. Hindenburg und der österreichische Bundespräsident M i k l a s haben anläßlich des Jahreswechsels herzliche Glückwünsche ausgetauscht. Das Telegramm des Reichspräsidenten hatte fol­genden Wortlaut:Zum Jahreswechsel spreche ich Ihnen, Herr Bundespräsident, meine aufrich­tigsten und herzlichsten Glückwünsche aus. Möge das neue Jahr auch Ihrem Lande Glück und Segen bringen.

Gez.: Reichspräsident v. Hindenburg."

Der Bundespräsident hat folgendermaßen ge­drahtet:Es ist mir ein aufrichtiges Bedürfnis, Euer Exzellenz an der Wende des neuen Jahres die wärmsten und aufrichtigsten Glückwünsche für Ihre Person und Ihre Familie, sowie für das Blühen und Gedeihen des großen deutschen Brudervolkes auszusprechen. Während des vergangenen Jahres war es Lester- reich vergönnt, ungezählte Angehörige des Deut­schen Reiches in seinen Grenzen zu begrüßen. Möge die dadurch bewirkte neuerliche Festi­gung der Bande des Gei st es und der

Kultur auch für die Zukunft mächtig fortwirken und die besten Erfolge zeitigen.

Gez.: Bundespräsident Miklas."

Reichspräsident v.Hindenburg hat an den ungarischen Reichsverweser, Admiral v. H o r t h h, folgendes Glückwunschtelegramm ge­richtet:Eurer Durchlaucht sende ich anläßlich des Jahreswechsels aufrichtigste Glückwünsche. In alter Gesinnung.

Reichspräsident v. Hindenbur g."

Gleichzeitig ist beim Reichspräsidenten nach­stehendes Telegramm des Reichsverwesers ein­gegangen:Anläßlich des Jahreswechsels bitte meine wärmsten und innigsten Glückwünsche ent­gegenzunehmen. Mit herzlichsten kameradschaft­lichsten Grüßen.

Reichsverweser v. H o r t h y." Mjahrserlasse an dieWehmacht Berlin, 31. Dez. (WTB.) Aus Anlaß des Jahreswechsels sind folgende Reujahrserlasse an die Wehrmacht ergangen:

An die Wehrmacht!

Der deutschen Wehrmacht entbiete ich zum Reuen Jahre meine herzlichsten Wünsche und Grüße! Es war mir eine Freude, im abgelaufe­nen Jahr Heer und Marine bei ihrer ernsten und verantwortungsvollen Arbeit sehen und ihre guten Leistungen anerkennen zu können. Ich habe die feste Zuversicht, daß die Reichswehr auch im neuen Jahr ihre Schuldigkeit tun wird.

Der Reichspräsident, gez. v. Hindenburg."

Qln die Wehrmacht!

Asien Offizieren, Unteroffizieren und Mann­schaften, allen Beamten. Angestellten und Ar­beitern der Reichswehr meine herzlichsten Reu- jahrsgrüßel Der Wille läßt sich nicht in Fesseln schlagen. Geist ist unabhängig von Starrheit der äußeren Form. Wicken und Geist zu schulen ist unser bester Dienst am deutschen Volk.

gez. Groener, Reichswehrminister." An das Reichsheer!

Allen Angehörigen des Reichsheeres meine besten Glückwünsche zum Reuen Jahr. Wir wol­len weiter unsere Pflicht tun.

gez. Heye, General der Infanterie und Ches der Heeres­leitung."

An die Reichsmarine!

Zum Jahreswechsel spreche ich der Reichs­marine meine besten Wünsche aus. Auch im kommenden Jahre werden wir unsere Pflicht erfüllen, einig im Ziel und fest im Glauben an Deutschlands Zukunft I

gez. R a e ö e r.

Admiral, Dr. h. c. Ehef der Marineleitung."

Aeujahrsempfang in Darmstadt.

Hessen erwartet im neuen Jahre die Befreiung seines Gebietes.

Darmstadt, 1. Ian. Im Staatsministerium fand heute vormittag ein Reujahrsempfang statt, zu dem eine größere Anzahl Persönlichkeiten aus allen Kreisen der Bevölkerung erschienen war, um mit dem Staatspräsidenten und den Ministern Glückwünsche auszutauschen. Anwesend waren neben den Vertretern hessischer Zentral- und Lokalbehörden die Leiter der Reichsbehörden in Darmstadt sowie Persönlichkeiten der Politik, Kunst, Wissenschaft, Wirtschaft und Presse.

Staatspräsident Or. Adelung richtete an die Versammelten folgende Ansprache: Das Jahr 1923 ist im Schoße der Zeiten ver­sunken. An der Schwelle des neuen stehen wir mit Wünschen, deren Erfüllung wir vom kommen­den Jahr erhoffen. Die Wirkung der Rach­kriegszeit, die Deutschland bedrückt, lastet vor allem auf dem Hessenlande, das zehn Jahre nach dem Friedensschluß i m m e r noch f a st zur Hälfte von fremdem Kriegsvolk besetzt ist. Das dahingegangene Jahr hat uns die ersehnte Erleichterung und und Befreiung leider nicht gebracht: Wirtschaft und Kultur bleiben auch bei uns fürderhin be­hindert und gehemmt. Es wird deshalb wohl überall verstanden, wenn hier an Deutschlands Westmarl in erster Linie der Wunsch levendig ist, daß der Weltfriedensgedanke immer mehr Gemeingut aller Völker werde und so die Vor­bedingungen geschaffen werden für ein gedeih­liches Zusammenleben der Rationen. Hessen wünscht vor acken Dingen die baldige Be­freiung seines Gebiets und aller deut­schen Landesteile von den Lasten der fremden Besatzung, die uns Wirtschaftlist und kulturell schwer benachteiligen, und die eine ständige Ge­fährdung des Friedens bilden, ilnö Hessen wünscht ferner, daß seine durch die Besatzung verursachten besson deren Röte auch über­all in Deutschland Beachtung und Ver­ständnis finden und die Bereitwilligkeit aus­lösen. diese Bürde mit uns tragen zu helfen. Ich bin gewiß, daß sich tn diesen Wünschen nicht