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Festakt im großen Burgsaal.

Zahlreiche Behördenvertreter, Angehörige der Wissenschaft und Kunst, der Wirtschaft und andere an hervorragender Stelle stehende Männer hatten sich hier eingefunden, um das Interesse an der sehr verdienstvollen Arbeit des Gleibergvereins zur Er­haltung der Burgruine auch sichtbar zu bekunden. Frl. Rolshaußen (Krofdorf) brachte zu Beginn der Feier in wirkungsvoller Weise einen Borspruch, anschließend daran ein Gesangsvortrag.

Hierauf richtete der Dorsitzende des Gleiberg- Vereins,

Provinzialdirektor Graef, Gießen, eine Ansprache an die Festversammlung, in der er sagte: Als im ersten Drittel des vorigen Jahrhunderts die Burg Gleiberg zu zerfallen drohte, und die Burg von den Bewohnern der umliegenden Orte als Steinbruch benutzt wurde, kamen einflußreiche Raturfreunde von Wetzlar, Gießen und anderen Orten der Umgegend auf den " Gedanken, die Burg vor dem Untergang zu retten. Sie gründeten im Jahre 1837 den Ge - selligkeitsverein Gleiberg, der es sich zur Aufgabe machte, das Interesse an der Burg neu zu beleben und dem Zerfall entgegenzu­treten.

Alsbald fetzte eine rege Werbetätigkeit cm, cs wurden Mittel aufgebracht, um die dringlichsten Arbeiten vornehmen zu können und den zer­störenden Einwirkungen der Witterung und der Anwohner entgegenzuarbeiten.

Die Bemühungen des Geselligkeitsvereins Glei­berg waren von Erfolg gekrönt, und die Tätig­keit des Gleibergvereins fand die Anerkennung der preußischen Staatsregierung. Aber der Gleibergverein begnügte sich nicht mit den Er­folgen, er hatte sich allmählich eine größere Aus­gabe gestellt.

Im Jahre 1879 stand an der Spitze des Glei­bergvereins der TIniversitätsprofessor Dr Ga­re i s von Gießen, an der Spitze des Kreises Wetzlar der Landrat von Tieschowih. Den Bemühungen dieser beiden Herren ist es gelun­gen, daß vor jetzt 50 Jahren die preußische Staatsregierung das Eigentum an der Burg dem Gleibergverein zu treuen Händen übertrug. In diesem wichtigen Akt lag damals die rückhalt­lose Anerkennung für die bisherige Tätigkeit des Gleibergvereins, auf die die damaligen Lei­ter des Bereins stolz sein konnten.

Wenn wir heute dieses 50jährigen Eigentums an der Burg festlich gedenken, so tun wir es nicht, um ein Fest zu feiern, sondern um vor den maßgebenden amtlichen Stellen und vor der Oeffentlichkeit Rechenschaft abzulegen darüber, wie wir unsere vertragsmäßig über­nommenen Verpflichtungen aufgefaßt und wie wir versucht haben, sie zu erfüllen.

Die Burg Gleiberg liegt auf preußischem Staatsgebiet. Die Mehrzahl der Mitglieder des Gleibergvereins wohnt in Hessen; man hat

Geheimerat Prof. Dr. Behaghel, Gießen, sprach als Vertreter der Llniversität Gießen herz­liche Glückwunschworte und gab dabei der engen Verbundenheit zwischen Universität. Studenten­schaft und Gleiberg beredten Ausdruck.

Privatier Wohlmuth, Gießen, überbrachte als Geschenk von etwa hundert Freunden des Gleibergvereins einen Kupferstich, der den Ge­neralissimus Herzog Ferdinand von Braunschweig darstellt, der in schwerer Kriegsnotzeit 1759 in Krofdorf gewohnt, seinen Generalstab aber auf dem Gleiberg untergebracht hatte, ferner ein Bild von Professor Kramer nach einem Gemälde von Krauß als Geschenk zur Ausschmückung eines Burgzimmers.

Kaufmann Val. Frey, Gießen, gedachte mit warmen Worten der großen Verdienste des Vor­sitzenden, Provinzialdirektor Graes, um den Gleibergverein und seine hohen Ziele. Provin- zialdireltvr G r a e f dankte herzlich für die Aus­führungen der verschiedenen Redner und gab den ihm persönlich gewordenen Dank zum größten Teile an seine Mitarbeiter im Vorstand weiter.

a ufs chnit t. _

> Holzheim, 29. Juni. Die hiesige Bru­derschaft des Jungdeutschen Ordens hatte gestern abend zu einer Kundgebung ge­gen Versailler Vertrag und Kriegs­schuldlüge in den großen Rathaussaal em- qeladen. Rach einer kurzen Begrüßung durch den Gefolgschaftsmeister Karl Jakob I u n g gab Ordensbruder Paul Seipp in packenden Wor­ten ein Bild von den ungeheuerlichen Destnn- inungen des Versailler Vertrags und den sich daraus ergebenden Härten für Deutschland. Der Redner besahte sicl) auch mit der von unseren Kriegsgegenern aufgesteltten Lüge von der Al­leinschuld Deutschlands am Weltkriege, lieber dieses Thema sprach dann auch der Ortsgeist­liche. Pfarrer Weber, der vor allem an die Versammlung den Appell richtete, endlich ein­mal aufzuräumen mit der Gleichgültigkeit hin­sichtlich dieser ernsten nationalen Sache.

Kreis Friedberg.

- Bad - NauheiIN , 30. Juni. Im Sprudelhotel fand heute nachmittag eine Kundgebung gegen die Kricgsschuldlüge statt, zu der alle bürgerlichen Parteien eingeladen hatten, und die gut besucht war. Landtagsabg. Oberstudiendirektor Dr. K e ll e r (Büdingen) hielt die Protestrede. Er hob hervor: Keine Regierung der deutschen Republik hat die AUeinschuld Deutschland s am Weltkriege an­erkannt. Alle Führer ?r Parteien von links nach rechts treten ein für die Beseitigung des Artikels 231 des Diktats. Es sei vor zehn Jahren keine andere Wahl geblieben, sich dem Zwang zu beugen. Er (Redner) selbst sei mit Scheidemann der Meinung gewesen, daß nicht unterzeichnet werden solle; aber beute frage er sich: Wäre etwa ein Frieden an der Elbe besser gewesen? Redner führte weiter aus: Vieles hoben die deutschen Regierungen durch ihre Unterhandlungen mit den ehemaligen Gegnern schon erreicht; jetzt- wollen wit mit Hindenburg, mit der jetzigen deutschen Regierung für die Beseitigung der Kriegsschuldlüge eintreten und arbeiten, Mit

Taten für Montag, 1. Juli.

Sonnenaufgang 3.47 Uhr, Sonnenuntergang 20.20 Uhr. Mo'ndaufgang 0.15 Uhr, Monduntergang 13i4646?'ber Philosoph Gottfried Wilhelm von Leib­niz in Leipzig geboren.

Bornotizen.

Tageskalender für Montag. Leicht- athletische'Meisterschaften der Universität, nachmit­tags 3 Uhr. Lichtspielhaus Dahnhofstr.:Durchs Brandenburger Tor". *

Festschrift des Gleibergvereins. Die Festschrift des Gleibergvereins. nach der ge- stern bei dem Gleibergfest viel gefragt wurde, ist jetzt noch bei dem Schriftführer des Berans, Kreiskassedirektor Schäfer (Kreisamt Gießen) zum Preise von: 1 Mk. zu haben.

" Stadttheater Gießen. Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: In der morgigen UraufführungLiebe auf den zweiten Blick" hat Oberspielleiter Hans Tannert die Spielleitung. Es wirken ferner mit die Damen Heß, Jüngling, Scherer und die Herren Arzdorf, Linkmann, Tannert.

* Preußisch-Süddeutsche Klassen, lotterte. Die Erneuerung der Lose zur nächsten Ziehung muß bis zum 5. Juli erfolgen.

" Auftrieb zum h e u t i g e n F r a n k - furter Schlachtviehmarkt: 96 Bullen, 250 Ochsen. 668 Kühe, 421 Färsen, 461 Kalber, 26 Schafe, 3402 Schweine.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 1. Juli 1929.

Gefährliche Pflanzen.

Sommersonne und Ferienzeit locken jung und alt hinaus ins Freie zu Wanderungen durch Feld und Au. Die Freude an der Ratur teilt sich dabei auch den Kindern mit, und un nnD- lichen äleberschwang sind sie oft geneigt, nicht nur allerlei Blumen zu pflücken, sondern auch ihre Stengel oder Blätter in den Mund zu nehmen. Eine solche Unsitte, deren sich gelegentlich auch Erwachsene schuldig machmr, kann indessen für die Gesundheit recht erhebliche Rachteile haben; denn nicht jede Blume die auf dem Felde oder im Walde wachst, ist frei von Giftstoffen. Am bekanntesten ist die Giftigkeit des Goldregens, durch den, besonders bei Kindern, schwere Dergiftungserscheinungen aus- aelöst werden können. In ähnlicher (weise wirkt die T o l l k i r s ch e, die speziell im Walde häufig mit anderen Früchten verwechselt und von Kin­dern ahnungslos verzehrt wird. Die schlimme Gistwirkung der Schierlings ist unter anderem auch aus der Geschichte bekannt Fin­gerhut und Maiglöckchen enthalten ein in der Medizin verwandtes Herzgift, das bei unvernünftigem Jndenmundnehmen der betreffen­den Pflanzen gleichfalls erhebliche Erkrankungen auslösen kann. Als Zierpflanze erfreut sich die Primel allgemeiner Beliebtheit. Soweit es sich dabei um unsere einheimischen, gelben Primeln handelt, besteht dabei keine Gefahr, Wohl aber ist die japanische und chinesische Primel, die meist in Töpfen gezogen wird, als Giftpflanze zu be­trachten. In den an der Unterseite der grünen Blätter sitzenden Drüsenhaaren der japanischen Primel befindet sich ein Giftstoff, der schon bei der bloßen Berührung mit der Hand, etwa beim Abbrechen der Blätter, austritt und meist nach Stunden, aber selbst noch nach Tagen Rötung und Schwellung der Haut, Masenbildung, ja schließlich Fieber und ernste Krankheit verur­sachen kann. Auch Augen und Rasenschleimhaut, die beim Riechen an dieser Blume mit den Gift­stoffen in Berührung kommen, können dabei er­kranken. Es ist deshalb notwendig, vor jeder Berührung mit der japanischen farbigen Primel sich in acht zu nehmen und ganz allgemein Spa­ziergänger und Kinder davor zu warnen. Pflan­zen, die ihnen nicht genau bekannt sind, zu pflücken oder gar in den Mund zu nehmen.

-Segen unserer Heimat.

Ein Rundgang durch die Burgruine unter der sachkundigen Leitung des Aniversi- tätsprofessors Dr. Rauch, Gießen, beschloß den Festakt. In dankenswerter Weise unterrichtete der Führer seine große Zuhörerschaft über Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung m der Geschichte des Gleibergs, und mit großer Span­nung verfolgte man allenthalben die interessan­ten und klaren Darlegungen des Vortragenden. Sinter dieser Leitung wurde der Rundgang durch die Ruine zu einem wahren Erlebnis.

Ein Festessen

bereinigte Dann die Ehrengäste und die Mitglie­der der Festausschüsse im Festsaale der Burg. Hier begrüßte der Vereinsvorsitzend, Provinzial­direktor G r a e f, die Ehrengäste und Mitglieder der Festausschüsse und sagte allen sowohl den Behörden für ihre bisherige Unterstützung, wie auch den Ausschußmitgliedern und allen Mit- wirkenden bei dem Feste im Rainen des Vereins herzlichsten Dank. Keiner wurde bei der Aufzählung dieser langen Liste von Freunden und Helfern des Gleibergs mit dem gebührenden Danke übersehen, die Rücksicht auf den Raum verbietet es uns jedoch, hierüber im einzelnen zu berichten. Der Redner bat, dem Gleibergver­ein und seiner Burg auch weiterhin volles Inter­esse und warme Unterstützung zu schenken.

Oberregierungrat Doebereiner, Koblenz, sprach im Ramen des Oberpräsidenten der Rheinprovinz und des Regierungspräsidenten in Koblenz dem Verein zu seinem Jubiläum herz­liche Glückwünsche aus und versicherte, daß die preußische Regierung auch fernerhin für diesen guten Dereinszweck mit Rat und Tat mitarbeiten werde.

Der Gleibergverein hat mit seiner Feier des 50jährigen Besitzes der Burg Gleiberg riesig Glück gehabt! Noch bis zur Mitte der vorigen Woche war es so herbstlich kühl trotz Juni!, daß man am liebsten den Ofen wie­der in Betrieb gesetzt hätte, der Aufenthalt in einem Restaurationsgarten aber ein Ding der Unmöglich­keit gewesen wäre. Dann trat eine Besserung der Wetterlage ein, und als am Samstagnachmittag auf der Burg Gleiberg die Jubiläumsfeier eröffnet wurde, herrschte prächtiges Sommerweter, das auf den längeren Aufenthalt im Hofe der hochgelegenen Burg Gleiberg angenehm machte.

Dem schönen Auftakt der Jubiläumsfeier mit der Aufführung des FestspielsGleiberg" von Rud. S ch in e l i n g am Donnerstagabend tm Stadt­theater folgte am Samstagnachmittag auf der Burg Gleiberg ein geselliges Bcis am - m e n | c i n , das eine ansehnliche Schar von Mit­glieder und Freunden des Gleibergvereins bis zum späten Abend vereinte. Die B u r g b e l e u ch t u n g mit Scheinwerfer und vielen Glühlampen bot einen fehr schönen Anblick der Burg, insbeson­dere von der Gießener Peripherie aus.

Am gestrigen Sonntag vormittag um 11 Uhr versammelte sich eine große Anzahl geladener Gäste in der festlich geschmückten Burg zu einem

cs auch schon damals verstanden, sich über die Landesgrenzen hinaus zu gemein­samer, fruchtbringender Arbeit die Hände zu reichen zum Ruhen der Allgemein­heit. Die Gießener Einwohner haben Einfluß auf die Erhaltung der Burg Gleiberg, des alten Wahrzeichens der Stadt Gießen, und der Preu» ßische Staat hat keinen Rachteil, wenn in der Hauptsache mit hessischen Mitteln die Burg er- halten wird.

Wir sollten aus diesem harmonischen Zusam­menarbeiten lernen, daß es immer von Rachteil ist, wenn man nicht versteht, aus der Enge herauszutreten, und wenn man an kleinlichen Gesichtspunkten festhält.

Der Gleibergverein hat mit Recht den Ra - menG e s e l l i g k e i t s v e r e i n" abge­legt, unser Ziel ist nicht die Pflege der Ge- sclligkeit, sondern die Erhaltung .unse­rer Burg" nach den anerkannten Grundsätzen der Denkmalspflege im Einvernehmen mit der preußischen Aufsichtsbehörde und darüber hinaus den Heimatpflegevereinen im besten Sinne des Wortes. Wir lieben nicht nur unsere Heimat, wir sinden auch Freude an Gottes schöner Ratur; wenn wir auf die Burg hinaufwandern und von oben auf das gesegnete Land sehen, dann geht uns vor Freude das Herz auf, wir vergessen un­sere kleinen und großen Sorgen für einige Stun­den und schöpfen aus der Ratur neue Kraft für den Kampf mit dem Leben. Man darf nicht untergehen im Alltag.

92 Jahre Geschichte des Gleibergvereins hegen hinter uns, auf die wir stolz zurückblicken dürfen. Große Aufgaben haben wir noch zu erfüllen. Bei unseren äußerst bescheidenen Mitteln können wir nur an einen langsamen Ausbau der vorhandenen und noch nicht benutz­baren Räume und an die Beseitigung von Schutt­massen denken, unter denen sicher noch sehr wert­volles Material für die Erforschung der Ver­gangenheit vergraben ist. Aber wir haben die Hoffnung, daß wir bei den maßgebenden amtlichen Stellen Interesse für die wei­teren Pläne finden, und daß man bereit fern wird, uns mit Rat und Tat zu unter­st ü h e n. Der heutige Tag soll dazu beiüragen, die Verbindung zwischen den amtlichen Dienst- stellen und dem Gleibergverein inniger zu ge­stalten und das Interesse für unsere Bestrebungen zu vertiefen. Dann wird das Gleibergfest ein Ausgangspunkt fein für einen neuen Aufstieg des Gleibergvereins zum

Ein Volks- und Heimatfest bereinigte am Rachmittag und Abend eine rie­sige Besuchermengc auf der Burg Gleiberg, wobei alles in drangboller Enge beieinander sah.

Dr. Lampe. Gießen, hielt dabei die Festrede, in der er einleitend daraus hinwics, daß es Chatten, also Hessen, waren, die diese Burg errichteten zur Verteidigung ihrer Heimat. Er malte dann seinen Zuhörern mit beredten Wor­ten im Geiste ein Bild bon dem Leben und Treiben der Burgbewohner in friedlichen Tagen und in ernsten Zeiten. Ev erinnerte an den Untergang der Ritterzeit und an den Slcbergang zu einer neuen Epoche. Die enge Verbundenheit zwischen der Gießener Uniberfität und dem Glei­berg stellte der Redner in kurzen, markanten Sätzen heraus, wobei er an die Studentenauszüge erinnerte. Er pries weiter den Gleiberg als eine schöne Stätte der Erholung und der Ausspannung bon den Alltagsmühen, dem unsere ganze Liebe gehören müsse, weil er uns ein Stück kostbarer Heimat darstelle. Mit der Aufforderung an seine Zuhörer, den Gleibergverein in seinem Streben und Arbeiten zum Ausbau und zur Erhaltung der Burg allezeit zu unterstützen, schloß der Redner seine mit lebhaftem Beifall ausgenommene Ansprache. ,

Ein historischer Festzug unter der kunst- lerischen Oberleitung des Dramaturgen Dr. R i t - ter vom Gießener Stadttheater brachte hierauf in zehn Bildern einen Einblick in die ereignis­reiche Geschichte des Gleibergs. Mit starker künst­lerischer Kraft und sehr glücklicher Hand hat der Spielleiter Dr. Ritter in Gemeinschaft mit dem künstlerischen Beirat des Stadttheaters Karl Löfs le r und bei historischer Beratung durch den Universitätsbibliothekar Dr. Wal- brach der gewaltigen Zuschauermenge hier eine Reihe von sehr wirkungsvollen Bildern vor Au­gen geführt, die mit Recht allenthalben lebhafte Anerkennung fanden. Um das Gelingen dieses historischen Kalenders des Gleibergs haben sich außer den obengenannten Herren noch verdient gemacht: Herr Kurz hoff für die Inspektion, Herr Bourgois für die Pyrotechnik, der Bauersche Gesangverein mit feilten Chorgesängen unter der Leitung seines Chor- meisters Otto Gör lach, der Orchester- verein urjter der Leitung bon Herrn Kurt Varges. Zu bedauern war nur, daß die vor­trefflichen, bon Gießener Studenten und jungen Damen mit großer Begeisterung glänzend gestell­ten Bilder bei der großen Enge des Raumes nicht so zur Geltung kommen konnten, wie sie es berbienten. Jedoch tut diese Feststellung der Leistung keinerlei Abbruch.

Im weiteren Verlauf des Festes erfreute der Gießener Iugendtanzkreis mit Son­derborführungen, die Kapelle spielte flott auf, ein Ballon wurde in die Lüfte entlassen, und an­dere Volksbelustigungsmittel boten noch reich­liche Unterhaltung.

Der Wetterprophet dos Vereins hatte mit dem schönen Wetter bis gegen 20 Uhr Recht behalten. Dann fing es wieder an zu regnen, und sogar tüchtig, aber der Verein konnte zu die­ser Stunde auf einen wohlgelungenen Verlauf seiner Jubiläumsfeier zurückblicken.

Turnen, Gpori und Spiel. Deutsche Fußballmeisierschast.

Tie Zwischenrunde.

Bei den hier Paarungen der D. F. B.-Zwi- schenrunde wurde, wie erwartet, von allen Be­teiligten erbittert gekämpft. Sieht man von der Riederlage der Münchener Bayern in Breslau ab, da die Vorausmeinungen über diesen Kampf sehr geteilt waren, so haben sich nirgends Überraschungen ergeben. Die beiden süddeutschen Spitzenklubs, der l.F. C. Nürn ­berg und die S P i e l ve r e i n i g u n g J5ürth. gewannen ihre Treffen mit klarem worunter- fchied Der ..Klub" siegte allerdings keineswegs leicht über Tennis-Borussia Berlin und mußte sich teilweise ganz gehörig strecken. Sein Sturm erfüllte nicht alle Erwartungen, wahrend die gesamte Berliner Elf sehr angenehm enttäuschte. Schließlich gewannen jedoch die (Nürnberger mit 3:1 Toren vor 18 000 Zuschauern.

Trotz des gleichzeitig in Hamburg zum Aus­trag gelangtenDeutschen Derbys" fand die Be­gegnung des H. S. V. Hamburg und der Spielvereinigung Fürth ebenfalls 28 000 Zuschauer. Die Süddeutschen gewannen glatt und sicher mit 2:0 Toren. Der Sieg ist m jeder Weise verdient.

Der dritte süddeutsche Vertreter schied durch seine 3: 4°Riederlage in Breslau gegen den ©. (S. 08 Breslau aus dem weiteren Wettbewerb aus. Allerdings mußte der Kampf beim Stande bon 3:3 Toren um zweimal 15 Minuten ver­längert werden, doch ist der Erfolg der Schlesier verdient. 'Bei den Bayern enttäuschten gerade die bekannteren Spieler, wie Hoffmann, Pöt­tinger und Schmidt II.

Westdeutschlands letzter Vertreter, der F.C. 04 Schalke, schied durch seine 1:4-Riederlage gegen H e r th a -D. S. C. Berlin aus dem Rennen. Die Westdeutschen hielten zwar bis zur Pause, bei der sie 1:0 führten, gut Stand, waren dann aber sichtlich am Ende ihrer Kunst. Berlin erzielte 5 Tore, von denen 4 gegeben wurden, und bewies somit, entsprechend den Lei-

ftunge*: der Tennis-Borussen, daß auch der Ber­liner Meister zur Zeit in bester Form ist.

Die Termine der Vorschlußrunde.

Sofort nach Bekanntwerden der gestrigen Ergeb­nisse der Zwischenrunden-Spiele um die D. F. B.- Meisterschaft hat der D. F. B.-Spielausschuß folgende Terminfestsetzungen für die am kommenden Sonntag auszutragende Vorschlußrunde angesetzt. Es treffen sich in Frankfurt a. M. Spielvereinigung tfurti) und F. C. 08 Breslau unter Schiedsrichter Kuyenz (Essen) und in Berlin (P o st st a d i o n) Hertha B.S.C. Berlin und der I.F.C. Nürnberg unter Schiedsrichter ©pranget (Glauchau). Bekanntlich findet dann das Endspiel um die Deutsche Fußball­meisterschaft acht Tage später im Stadion in Nürn­berg statt. ,

Regatta in Gießen.

(Regatta des Gießener (RuderklubsHassia" (Süddeutscher Ruderverband).

Die diesjährige Regatta des Ruderklubs ..Has­sia" am Samstag und Sonntag ist sehr gut verlausen. An den beiden Tagen war schönes Wetter, was natürlich wesentlich dazu beitrug, daß sich trotz einiger anderer Veranstaltungen viele Zuschauer eingefunden hatten. Die beiden beteiligten Gießener Vereine konnten aus verschiedenen Rennen als Sieger hervorgehen, und zwar der Gießener Ruderklub ..H a s s i a" im Anfänger-Vierer, 2. Jungmann- Vierer und Jungmann-Achter; der Waffer- IportvereinHellas". Gießen im Jung- mann-Einer und im Leichtgewicht-Schüler-Vierer. Ausführlicher Bericht folgt morgen.

(LS.Dezirlsfest des Arbeiter-Turn- und Sportbundes.

Das diesjährige Bezirksfest des Arbeiter- Turn- und Sportbundes 9. Kreis 3. Bezirk fand Samstag und Sonntag in Heu­chelheim statt. Samstag nachmittag gegen 4.30 ilfjr begannen die Wettkämpfe, die Sonntag vor­mittag fortgesetzt wurden. Die sportlichen Sonder- vorführungen am Samstagabend waren für Heu­chelheim ein Ereignis. Die Wettkämpfe ergaben gute Einzelleistungen auf allen Sportarten, Näheres im morgigen ausführlichen Bericht.

tartem Beifall dankte die Versammlung dem Redner ür seine sachlichen, eindrucksvollen Ausführungen. Begeistert wurde das Deutschlandlied gesungen. Fol­gende Entschließung sand einstimmige An­nahme:Die heute im großen Saale desSpru­delhotels" zu Bad-Nauheim versammelten Männer und Frauen der verschiedensten Berufsstände und Parteien erheben feierlichen Protest gegen die allen geschichtlichen Tatsachen widersprechende, im Artikel 231 des Versailler Diktats dem deutschen Volke auf- gezwungene Lüge von der Alleinschuld Deutschlands am Kriege, die der Grundstein für das System der Ausbeutung Deutschlands bildet. Sie fordern die Einberufung eines Sachoer st ändigenaus- s ch u f f e s, der über die Verantwortung am Welt kriege ein unparteiisches Urteil abgeben soll. Sie fordern die sofortige be d i n g u n g s l o s e R a u- rnung der besetzt en Gebiete, die Rückgabe des Saarlandes und die Anerkennung des Anspruchs des deutschen Volkes auf Kolonialbesitz. Sie lehnen jede fremdstaatliche Kontrolle als des deutschen Volks unwürdig und für es unerträglich ab."

Ein Universitäts-Institut für gerichtliche Medizin.

Frankfurt a. M., 30. Juni. Am Samstagmit­tag wurde in Anwesenheit zahlreicher Vertreter der Behörden, der Aerzteschaft und der Wissenschaft das neugegründete Jnskitut für gerichtliche Medizin an der Universität Frank­furt eröffnet. Nach einer kurzen Ansprache des De­kans der Medizinischen Fakultät, ProfessorB l u n - schli, der auf die Bedeutung des neuen Instituts hinwies, hielt Professor Vorkastner, der Direk­tor des Instituts, einen Vortrag überWerden und Wesen der gerichtlichen Medizin". Anschließend verkündete der Rektor der Universität, Prof. H e i m- berget, die Verleihung der Würde eines Ehren­bürgers der Universität an Otto Goldmann, der sich um. das Zustandekommen der Stiftungen außer­ordentlich verdient gemacht hat. Prof. Kockel (Leipzig) überbrachte die Glückwünsche der Deut­schen Gesellschaft für gerichtliche und soziale Medi­zin. An den feierlichen Akt schloß sich ein Rundgang durch das neue Institut.

Das Gleiberg-Jubiläum

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

> Saubringen, 28. 3uni. Ein weiteres Stück unseres Straßennetzes, die Stein- straße, ist nun auch kanalisiert worden. Zur Zeit wird die Straße, die am Schulhaus vorbei­führt, neuhergesteUt. Heute morgen ver­unglückte ein hiesiger Arbeiter in unserem Q u a r z i t st e i n b r u ch. Beim Wegspringen vor einem herabfallenden Stein fiel er so unglücklich, daß er sich am Unterarm die Schlagader