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eMails um Lllinor.

Roman von Senta Neckel.

Copyright bei Greiner & Co., Berlin NW 6.

11. Fortsetzung Nachdruck verboten.

ilnö Iules Smith wußte genau, wie man das machen konnte, er hatte sich in seinem Kopf alles zurecht gelegt und er handelte ganz klar und bewußt. Liebevoll strich er über seine Brust- lasche, hier hielt er seinen kleinen Apparat ver­borgen, ein kostbares Ding, mit dem man bei jedem Tageslicht Aufnahmen machen konnte, mit dem man knipsen konnte, ohne daß der andere etwas davon merkte. Lind dieser Heine Apparat war heute abend zweimal in Tätigkeit getreten und Zules Smith verwahrte in seiner Kassette zwei Aufnahmen, die, wie er wußte, der alte Stanley mit Gold aufwiegen würde, wenn er sie bekäme aber er würde sie nicht bekommen!

Ellinor hatte Mabel zu einer Taxe gebracht. Jetzt hieß es, ohne Verdacht zu erregen, von ihr frei zu kommen.

Ein Gedanke schoß ihr durch den Kopf. Sie lachte leise.

Armer George, nun wirst du wieder einmal von mir mißbraucht, ober es geht nicht anders!"

Mabel war schon in das Taxi gestiegen und erwartete, daß Ellinor nachkäme. Ellinor ergriff plötzlich Mabels Hand, neigte sich ganz dicht zu ihr und flüsterte:

George Wellton beobachtete uns, es ist besser, Sie fahren allein, ich komme nach!"

Ehe Mabel antworten konnte, hatte Ellinor den Schlag zugeworfen und rief dem Chauffeur die Adresse zu.

Der Wagen sauste davon.

Ellinor sah sich um. Gott sei Dank, sie war allein, auch dec unheimliche Smith war nirgends zu sehen. Sie ahnte nicht, daß Iules Smith soeben mit schadenfrohem Schmunzeln die dritte Platte in seine Kassette schob.

Wenige Minuten später sauste der Lift mit Ellinor zum fünfzehnten Stockwerk. In einem kleinen Zimmer erwartete sie Chung Li mit den bestellten Kleidern.

Llnbernerkt verließ Ellinor nach einiger Zeit den Madison Square Palast, niemand achtete auf die Dame im schlichten Pelzmantel, die aussah, wie tausend andere Frauen in Reuyork.

Zules Smith schrieb an diesem Abend noch lange in seinem kleinen Hotelzimmer, und als er den Brief spät in der Rächt in den Kasten steckte, da wußte er, das nun der schönste Skandal im Gang war und daß der Wettlauf um Ellt- nor nun wohl andere Formen annehmen würde, als es sich der alte Stanley gedacht hatte.

Zules Smith sollte recht behalten: Der Skan­dal kam in Gang. Der Skandal ließ sich nicht mehr aufhalten. Er wanderte vom Stenogramm­block der Sekretärin in die Schreibmaschine, von der Schreibmaschine in die Setzerei, aus der Setzerei in den Rotationsmaschinenraum, vom Rotationsmaschinenraum in die Falzerei, in der Falzerei wurde er gebündelt und schließlich wan­derte dev Skandal in Form von riesigen Zei­tungsbündeln in die Oeffentlichkeit.

Expreßzüge brachten den Skandal durch ganz 11. S. A. Telephone klingelten ihn nach Reuyork und das Heer der Zeitungsverkäufer heulte ihn durch die Straßen!

All about Ellinor! Die größte Sensation! Bluff, Bluff! Die entzückendste Frau des Iahr- hunderts! Alles lacht über Ellinor!" Za, der Skandal war im Gange! Alles lachte über El­linor. Manhattan lachte, Hoboken lachte. Zer­setz City schüttelte sich vor Lachen!

Diese Ellinor! Sollte man es glauben? Diese Ellinor hatte den größten Erfolg auf dem Broad­way, den cs jemals gegeben hatte! Zm Frack war sie in die Metropolitan Opera gegangen keiner hatte sie erkannt! Irgend einem Dandy (Ramcn waren ja leider in dem Bericht nicht ge­nannt!) hatte sie beim Spiel 20 000 Dollar abge­luchst, und der Zdiot hatte nicht gemerkt, mit wem er spielte. Eine Frau hatte dieses Teufels­mädchen ausgcführt und diese Frau hatte sie für einen Kavalier gehalten. Man konnte noch ster­ben vor Lachen!

Als Bobby Carlton die Morgenausgabe der Evening Review in die Hand bekam, stieß er einen so lauten Iuchzer aus, daß Phil schreckens­bleich in das Schlafzimmer gestürzt kam, weil er dachte, seinem Herrn sei etwas zugestoßen.

Bobby tobte im Bett herum, wie ein Wilder.

Phil," schluchzte er vor Lachen,Phil, ich glaube, ich werde verrückt!"

Phil sah seinen Herrn bekümmert an:

Cs hat den Anschein", sagte er dann resigniert.

..Phil." schrie Bobby,Phil, hast du schon mal einen Menschen gesehen, der ein kompletter Zdiot ist? Aein? Run, dann schau mich mal ganz ge­nau an, ich bin einer!"

Phil erkundigte sich mit unendlich zarter Stimme, ob er vielleicht einen Eisbeutel wünsche.

Aber Bobby antwortete nur mit einem wie­hernden Gelächter.

Phil hatte einmal irgendwo gelesen, daß man Zrre möglichst sanft und zart behandeln müsse, da sonst das größte Llnglück geschehen könne.

«Mr. Carlton," sagte er in einem Ton. wie vielleicht ein Großvater zu seinem schwachsinni­gen Enkelkind sprechen würde,Mr. Carlton, kann ich irgend etwas für Sie tun?"

Bobby schnappte nach Luft. Die Tränen liefen ihm stromweise das Gesicht herunter, so hatte er gelacht.

Das Telephon!" keuchte er.

Phil stürzte ins Äebenziwmer und holte den Apparat.

Verbinde mich mit Mr. Wellton!"

Phil gehorchte.

Rach wenigen Minuten hatte er die Verbin­dung hergestellt.

Bobby tutete in den Apparat:

Hallo, George, hallo, bist du da? So, selbst am Apparat? George, Herzensjunge, ich wollte dir ja nur sogen, daß du das größte Kamel bist, das auf Gottes Erdboden herumläuft! Warum ich dich am frühen Morgen schon be­leidige? Ach George, lies die Geschichte von Ellinor in der Morgennummer derEvening Review", und wenn du sie gelesen hast und dann noch behauptest, ich hätte Llnrecht, dann zahle ich dir die 20 000 Dollar zurück, die du verspielt host, du Idiot!"

Bobby knallte den Hörer in die Gabel, ehe George antworten konnte.

Phil," flüsterte er ganz leise,Phil, hol' was Gutes aus dem Keller, mir ist ganz schwach vor Lachen!"

Zur selben Stunde tobte auch ein anderer im Bett, aber diesmal nicht zum Vergnügen!

Iulis Smith war außer sich! Wie hatte das passieren können? Sein ganzer schöner teuf­lischer Plan war zerstört! Wie waren seine Bil­der, die er eigenhändig in den Brief gelegt hatte mit einem ausführlichen Bericht, der dem alten Stanley den Hals brechen sollte, in die Hände von Stanley gelangt? Er hatte den Brief selbst geschrieben, er hatte die Adresse selbst aus­gefüllt, er hatte schon tausendmal die Adresse seiner Redaktion geschrieben, er konnte sich nicht geirrt haben! Irgend ein Schuft muhte die Hand im Spiel haben. Seine Bilder waren ge­stohlen worden, seine Bilder prangten in der Morgenausgabe derEvening Review".

Lind derHerald", für den die Sache bestimmt gewesen war, hatte nichts gebracht, gar nichts!

Iules Smith schellte nach der Bedienung. Er drückte seinen Daumen so hart auf die Klingel, daß es ihn schmerzte, aber dieser kleine Schmerz tat ihm sonderbar wohl.

Das Kursbuch!" schnaubte er.

Sein Auge fuhr suchend die Spalten entlang. Wenn er den Frühexpreß nahm, konnte er am Abend an Ort und Stelle sein. Vielleicht traf er die Herren noch beim Abendtisch an, dann konnte seine grandiose Idee noch einigermaßen gerettet werden. Die Hauptsache war ja ver­pufft, immerhin bestand die Möglichkeit, daß man die Sache'noch einigermaßen arrangieren konnte. Man mußte ihm beimHerald" doch dankbar sein, wenn er Material brachte, daß man gegen Mae Stanley verwenden konnte.

In sliegender Hast packte Iules Smith seinen Koffer. Er nahm nur wenig Sachen mit, denn er war fest entschlossen, die Jagd nach Ellinor nicht aufzugeben, er hielt ja die besten Trümpfe in der Hand. Er wußte die Rümmer von Etti- nors Wagen, er wußte, wem der Wagen ge­hörte, eine kleine Rachfrage bei der Polizei hatte genügt, um festzustellen, daß die kleine rote Limousine NY 1124 Miß Mary Kington gehörte, und daß Miß Mary Kington in der Winsloestreet eine kleine Villa besäße. Lim diese kleine Villa war Iules Smith gleich am nächsten Tag wie ein Spürhund herumgeschlichen, und wenn er auch von Ellinor nichts gesehen hatte, so hatte ihm allein schon die Anwesenheit Chung Lis genügt, der in der Garage gestanden hatte und den Wagen abgespriht hatte. '

Run saß Ellinor in der Falle, er brauchte sich nicht zu beeilen, er hatte sie sicher. Er wollte nut' noch seinen ehrgeizigen Traum erfüllen, mit einem Schlag berühmt zu werden, mit einem Federzug sich an die Spitze der Herald-Reporter zu stellen, mit einem Federzug Mac Stanley, den Zeitungskönig, zum Zittern zu bringen.

Der erste Angriff war abgeschlagen worden. Durch wessen Schuld, das mußte erst festgestellt werden, aber Iules Smith, der sein Leben lang gehungert hatte, der durch alle Höllen der Erde gegangen war. und der keine Achtung mehr vor der Anständigkeit hatte, dieser Iules Smith war kälter als Cis und härter als Stahl, er würde die Sache schon zwingen.

Smith bestellte telephonisch eine Karte zum Expreß, befahl dem Hotelchef sein Zimmer zu reservieren, bis er in den nächsten Tagen wieder- käme. und als er in das wartende Taxi stieg, da sah er aus, wie ein würdiger Gentleman, der sich zu seinem Office begibt. Wenige Minuten

später trugen ihn die ratternden Räder des Expreß Philadelphia entgegen.

Roch vom Zuge aus telephonierte er mit der Redaktion des Herald und kündete sein Kommen in wichtiger Angelegenheit für den Abend an!

Ein junger Postbote aber, aus der 67. Street in Philadelphia ahnte nicht, daß er durch seine LInachtsamkeit, die ihn einen für denHerald" bestimmten Brief an dieEvening Review" ab­liefern ließ, mit dem Geschick dreier Menschen Fangball gespielt hatte. Dieser junge Postbote lehnte am Abend dieses denkwürdigen Tages am Fenster seiner dürftigen Wohnung. In der Ferne glühten wie funkelnde Feuerwerke die be­leuchteten Fenster des riesigen Zeitungspalastes der Evening und des Herald. Er ahnte nicht, daß er an diesem Abend ein wenig Schicksal ge­spielt hatte... Run dauerte die Konferenz im Zimmer Austen Weellys, des Chefs desHerald", schon über eine Stunde, und immer noch schall­ten erregte Stimmen aus dem Zimmer. Austen Weekly hatte alle maßgebenden Herren zu sich gebeten, um mit ihnen gemeinsam zu beraten, was man in der Angelegenheit Mac Stanley unternehmen könne. Vor einer Stunde hatte ein Bote von der Evening Review einen Brief ge­bracht und die erregte Debatte im Zimmer Austen Weeklys war eine Folge dieses Briefes.

Wir können nichts machen, meine Herren, man hat uns in einer Art und Weise die Hände gebunden, daß es einfach unmöglich ist. der An­gelegenheit näher zu treten. Mac Stanley ist schlau, Mac Stanley ist der gerissenste Hund des Iahrhunderts. Man muh ihn bewundern, wie er sich jetzt aus der Affaire zieht. Smith hatte die Sache schon richtig berechnet: wenn wir die Sache so aufgemacht hätten, wie er es sich ge­dacht hatte, dann hätte es dem alten Stanley den Hals gebrochen. Es wäre ja etwas schuftig gewesen, aber immerhin ..

Weekly qualmte eine dicke schwarze Brasil und lief wie ein gefangener Löwe auf und ab.

Selbstverständlich muß man bei der Post recherchieren, wie es kommen konnte, daß der wichtige Brief in Stanleys Hände kam. Stanley hat selbstverständlich die kompromittierenden Bil­der seiner Tochter an sich genommen, man kann cs ihm nicht verdenken. Den Text, den dieser gute Smith dazu geschrieben hat, schickt er mir eben und appelliert an meine Anständigkeit, die Sache nicht zu bringen! Stanley appelliert an meine Anständigkeit, was bleibt mir übrig? Donnerwetter, dann ist es allerdings aus, warf der Feuilletonchef ein,sehr, sehr schade, so eine nette kleine Spitze gegen die ganze Ellinor-Angelegenheit hätte ich gern gebracht, selbstverständlich in anständigen Grenzen!"

Das ist es ja eben, schnaubte Weekly wieder, es wäre wirklich sehr nett gewesen, wenn man eine kleine Glosse über den Ellinor-Rummel ge­bracht hätte, aber der Smith hat einem ja alles vermanscht. Es ist für ein seriöses Blatt ausgeschlossen, mit unvornehmen Mitteln zu ar­beiten, und die Methode dieses Iules Smith ist absolut unvornehm. Sie ist unmöglich, und das hat Stanley gewußt, und nun packt er uns an der Ehre und bindet uns dadurch die Hände. Die Rennbahn nach Ellinor ist uns gesperrt, meine Herren, schade, auch Ihnen, wir lassen uns nichts nachsagen!"

(Fortsetzung folgt.)

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