Nr ?06 Drittes Blatt Sietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)Montag, 51. Dezember 1928
Gießen im Jahre 1928.
In wenigen Stunden vollendet das Jahr 1928 seinen tauf und steigt aus dem Dunkel der Zukunft das neue Jahr 1929 empor. Jeder Mensch mit ernster Lebensauffassung hält in der S t u n d e d e s Jahreswechsels einmal inne auf der Dahn seines Wirkens und Planens, um rückblickend das Ergebnis des verflossenen Jahres festzustellen und juchend und hoffend seine wunscherfüllten Gedanken vorauszuschicken, dem Neuen entgegen. Eine solche Bilanzstunde am Jcchrcsschluß ist aber nicht nur den einzelnen ein bedeutsames Ereignis; gleichermaßen wichtig ist sie auch für die Gesamtheit des Volkes, für eine Bürgergemeinschaft. An den Erfolgen, die man bei einem solchen Rückblick feststellen kann, erfreut man sich noch einmal, stärkt man seinen Willen und seine Kraft zu neuem Schaffen für neue Ziele, die man im kommenden Jahre zu erreichen hofft. Diese Frucht einer besinnlichen Jahreswechselstunde ist von hohem Wert für den einzelnen, wertvoller aber noch für den, der am Werke für die Allgemeinheit mitarbeitet.
Wenn man heue die GicßenerKom munal- bilanz von 1 928 zieht, so ist als wertvollster Aktivposten zunächst zu verzeichnen, daß unser städtischer Haushalt, obwohl sehr angespannt, bisher intakt geblieben ist. Die große Bedeutung dieser Tatsache wird besonders klar, wenn man sich vergegenwärtigt, daß andere Städte, wie z. B. Hanau und Staffel, infolge der verminderten Reichssteuerüberweisungen, schwerer industrieller Rückschläge und überaus stark gesteigerter sozialer Anforderungen in erhebliche Haushaltsnöte geraten sind und sich zu beträchtlichen Kommunalsteuercrhöhungen (Kassel!) bzw. allerschärfster Aufgabcndrossellung (f)anau, wo die Steuererhöhungen nicht bewilligt wurden) gezwun- gen sahen Die übergroße Vorsicht unserer Stadtverwaltung und des Stadtparlaments bei der Gestaltung des Haushalts hat durch die Entwicklung der Dinge vollste Rechtfertigung erfahren. I n d u st r i e, Handel, Gewerbe, Handwerk und H a u s be s i tz, die Hauptlastträger der heutigen Kommunalwirtschaft, werden diesen Stand der öffentlichen Finanzen besonders begrüßen, denn er schützt sie, die auch hier bereits eine schwere Steuer- uud Soziallast zu tragen haben, vor unmittelbarer weiterer starker Inanspruchnahme. Das ist gewiß ein ansehnlicher Vorteil, auch wenn man sich heute schon zweifelnd fragen muff, ob eß möglich sein wird, ihn im neuen Jahre beibehakten zu können. Denn man darf nicht vergessen, daß unser städtischer .Haushalt 1928 schon von Beginn seiner Geltung an ein ungedecktes Defizit in Höhe von rund 250 000 Mark aufzuweisen hatte, das sich dank sparsamster Geschästsführuna in allen Verwaltungsstellen bis heut», nicht wefenllich veränderte, dessen Beseitigung die Stadtverwaltung aber im nächsten Jahre unter allen Umständen — mit Recht! — herbeiführen will. Immerhin brauchen wir uns durch diese Frage die Genugtuung über den bis jetzt unerschütterten städtischen Haushalt nicht trüben zu lassen.
Mit groffer Befriedigung kann man auch auf den Fortgang der
Bautätigkeit im Lahre 1928 zurückblicken. Auf dem Gebiete des Straßenbaues sind vom städtischen Tiefbauamt erhebliche Leistungen vollbracht worden. Der Umfang der Biirgersteigbefestigungen, die im Jahre 1928 vorgenommen wurden, beläuft sich auf 10 489 Quadratmeter, von denen 1080 Quadratmeter auf Befestigungen mit Klinkersteinen, 8432 Quadratmeter auf Zemcntplatten und 977 Quadratmeter auf Gußasphalt entfallen. Diese 10 489 Quadratmeter neuer Bürgersteige entsprechen ungefähr der (Entfernung Marktstraße/Ecke Bahnhofstraße— Schulstraße—Neuen Bäue—Gartenstraße bis Lud- wigsplatz—Kaiserallee—Grünberger Straße bis $um sog. Pröfessoreneck, und zwar durchweg beiderseitig! Die neuen Fahrbahnbefestigungen bedecken eine Fläck)e von 31163 Quadratmeter: hiervon entfallen 4820 Quadratmeter auf Gußasphalt, 15 633 Quadratmeter auf Kaltasphalt, 2040 Quadratmeter auf Groffpflaster und 8670 Qudratmeter auf Klein- pflaftcr. Die neuen Fahrbahnen im Gefamtumfang von 31163 Quadratmeter in eine ßängenentfer- nung gebracht, würde der Wegstreckte von der Mar- burger Straffe Ecke Wiesecker Weg—Walltorstraße— Lindenplatz — Kirchenplatz — Markt — Mäusburg — Kreuzplatz—Seltersweg—Frankfurter Straße bis zur Stadtgrenze von Klein-Linden entsprechen. Die Kanalbauten im scheidenden Jahre nehmen eine Länge von 635 Meter ein. Berücksichtigt man, daß das Tiefbauamt neben diesen umfangreichen Straßenbauten bzw. -Erneuerungen und Kanalbauten u. o. noch erhebliche Arbeitsleistungen auf dem Flug. Hafengelände und im Stadtwald, sowie die außerordentlich wichtige Umstellung der Müllabfuhr mit der Beschaffung von zwei Automobil- Müllwagen und von rund 3000 Mülleimern zu organisieren und zu überwachen hatte, so wird man zu geben müssen, baff im Verlaufe dieses Jahves ein zroßes Stück sehr produktiver Arbeit von dem ver- hältnismäßig nur kleinen Beamtenapparat dieser Dienststelle geleistet worden ist. Das Ergebnis des -tädtischen Tiefbaujahres 1928 steht übrigens hin- sichtlich der Straffenbauarbeiten sehr erheblich über bem Resultat von 1927, wo infolge mangelnder Finanzierungsmöglichkeiten das auf rund eine Million Mark bemessene Straffenbauprogramm für 1927 schon kurz nach feiner Inangriffnahme wieder nifgegeben werden muffte, nachdem man Arbeiten 'iir rund 190 000 Mark hatte ausführen lassen.
Eine umfangreiche Produktivität konnte auch das städtische Hvchbauamt, an dessen Spitze im Laufe dieses Jahres als neuer Leiter der Stadtbaurat ® r aber t trat, wieder entfalten. Diese Dienststelle hatte im Jahre 1928 folgende Bauten in Arbeit: den Ausbau des Kulissenhauses für das Stadttheater, die Erweiterung der Autoomnibushalle in Krofdorf, 20 Not- wohmungen an der Margaretenhütte, ein Akkumulatorenhaus für das städtische Elektrizitätswerk, eine siebenklassige Schule mit Rebenräumen in der Gabelsbergerstraffe, die Rohbauten der Gewerbeschule und der Schillerschule, die Fertigstellung der Wohnungsbauten in dec Licher- Straffe und in der Welckerstraffe, sowie die Erd- imb Fundamentarbe'ten für die 24klassige Volksschule in den Eichgärten und für das Markt- aubenrebäude. — Aus dem Gebiete der W o h - nungsbautätigkeit in Gießen, durch die das städtische Hochbauamt ebenfalls mit in An
spruch genommen wurde, ist für 1928 folgendes Ergebnis zu verzeichnen: Privatbauten 41 Häuser mit 59 Wohnunger (1927 : 39 Häuser mit 113 Wohnungen): von Genossenschaften wurden errichtet 79 Häuser mit 213 Wohnungen (1927 : 25 Häuser mit 61 Wohnungen); von der Stadt wurden erstellt 3 Häuser mit 47 Wohnungen (1927.: 10 Häuser mit 22 Wohnungen) ; durch Reichs- und Staatsbehörden wurden errichtet 2 Häuser mit 18 Wohnungen (1927: 5 Häuser mit 18 Wohnungen). Insgesamt wurden also 1923 errichtet: 125 Häuser mit 337 Wohnungen (1927: 79 Häuser mit 214 Wohnungen). Die erstellten Wohnungen verteilen sich folgendermatzen: 1 92 8: 18 Sin- zimmer, 26 Zwe zimmer, 198 Dreizimmer, 28 Dierzimmer, 50 Fünfzimmer, 3 Sechszimmer, 11 Siebenzimmer, 3 Reunzimmer. 1 92 7: 13 Einzimmer, 30 Zweizimmer, 97 Dreizimmer, 44 Dierzimmer, 25 Fünfzimmer, 1 Sechszimmer, 1 Achtzimmer, 1 Zehnzimmer und 1 Zwölfzimmer. — Baubera tungen erfolgten durch das Hochbauamt: für Grabsteine 1928 : 394 (1927 : 237). für Anstriche von Hausfassaden 60 (25), für Reklameschilder 66 (30), für Antennenanlagen 52 (27). — Mit dem Ergebnis der Arbeit des städtischen Hochbauamtes in diesem Jahre kann die Bürgerschaft wiederum recht zufrieden sein, beim auch hier ist auf allen Gebieten ein erfreuliches Dorwärtsschreiten zu verzeichnen.
Oie Wohnungsfrage
ist leider auch in unserer Stadt im Jahre 1928 immer noch ein Schmerzenskind der kommunalen Arbeit geblieben, obwohl durch die rege Wohnungsbautätig, feit viel zur Beseitigung dieser Not getan wird. Die Nachfrage nach Wohnungen zeigt die folgende Aufstellung:
Gesamt
Dringend Ohne eig.
Mit
Monat
zahl
geführt
Wohnung Wohnung
1.1. 28
1524
503
697
827
1.4. 28
1506
466
684
822
1.7.28
1533
430
695
838
1.10. 28
1544
440
708
836
1.12. 28
1303
474
572
731
Auf die
kleinen Wohnungen
(1—2 Zimmer), die
mittleren
Wohnungen (3—4
Zimmer)
und die
großen Wohnungen (5 und mehr Zimmer) verteilen sich die Wohnungsuchenden wie folgt:
a) Kleine Wohnungen/:
Monat 1.1.28
Gesamt- Dringend Ohne eig.
Mit Löhnung 181
zahl 580
geführt Wohnung 9
191
399
1. 4. 28
574
177
397
177
1. 7. 28
581
161
403
178
1.10. 28
587
165
410
177
1.12. 28
455
164
308
147
Monat
Gesamt- Dringend Ohne eig.
Mit Löhnung
zahl
geführt
Wohnung y
1.1. 28
857
279
286
571
1. 4.28
845
258
275
570
1.7.28
857
239
278
579
1.10. 28
863
245
284
579
1.12. 28
759
275
250
509
c) Große Wohnungen:
Monat
Gesamt- Dringend Ohne eig.
Mit Löhnung
zahl
geführt
Wohnung 1
1.1.28
87
33
12
75
1.4.28
87
31
12
75
1.7.28
95
30
14
81
1.10. 28
94
30
14
80
1.12. 28
89
35
14
75
Im Oktober/Rovember d. I. wurde eine Bereinigung der beim Wohnungsamt geführten Kartothek vorgenommen. Alle in dieser Zeit nicht erneuerten Wohnungsgesuche wurden abgelegt. Die für den Monat Dezember 1928 angegebenen Zahlen ergeben deshalb ein genaues Bild über die Wohnungsverhältniffe in Gießen. Unter den Wohnungsuchenden mit Wohnung sind 30 Familien, die in baufälligen Häusern wohnen, und 78 Familien, die in imhygienischen Wohnungen untergebracht sind, gezählt. Bei den Wohnungssuchenden ohne eigene Wohnung handelt es sich um Familien, die noch bei Angehörigen wohnen. oder als Untermieter untergebracht sind.
Die Dergebung der verfügbaren Wohnungen erfolgt durch den Beirat des Wohnungsamts, der aus zwei Stadtverordneten (1 Vertreter der Hausbesitzer, 1 Vertreter der Mieter) und einem Beamten des Wohnungsamts besteht. Im Kalenderjahr 1923 wurde von dem Beirat des Wohnungsamts in 48 Sitzungen über 364 Wohnungen verhandelt. Frei geworden sind: Heine Wohnungen 87, mittlere Wohnungen 72, große Wohnungen 37, zusammen also 196 Wohnungen.
Die Zahl der fehlenden Wohnungen in Gietzen muff mit 700 angegeben werden. Maßgebend für die Errechnung des Wohnungsbedarfs ist die Zahl der Haushaltungen und nicht die Einwohnerzahl. Zu den 572 Wohnung such enden ohne eigene Wohnung find die 30 Wohnungen in den 11 baufälligen Häusern und die 78 un- hygienischen Wohnungen hinzuzurechnen.
Das städtische Gaswerk
konnte im Jahve 1928 die Gas abgabe gegen das Vorjahr um rund 83 000 Kubikmeter auf 3 367 000 Kubikmeter steigern. Die größte Tagesabgabe belief sich auf 11 300 Kubikmeter, gegen 10 840 Kubikmeter Im Jahr zuvor, die geringste auf 6510 Kubikmeter (5850 Kubikmeter). Das Gasrohrnetz erfuhr eine Erweiterung einschließlich der Ferngasleitung nach Wieseck um 4090 Meter und hat nun die stattliche Lange von rund 55',» Kilometer. Reuanschlüsse wurden 35 ausgeführt. Gasmesser sind mit Ende dieses Jahres 7114 und Vorausbezahlungsgasmesser 1038 vorhanden. Das Gas für Raumheizungszwecke bürgert sich dank der Wärmeeinheiten, Die ein Kubikmeter Steinkohlengas besitzt, und des hohen Ruheffektes der in der letzten Zeit her- gestelltenRaumheizungsöfen erfreulicherweise mehr ein. Die Fe r nv er sor g u n gs a n l a ge n a ch Wieseck wurde in diesem Jahre trotz großer Schwierigkeiten durchgeführt. Die 2560 Meter lange Fernleitung transportiert das Gas unter erhöhtem Druck bis zur Gemarkungsgrenze und passiert, bevor es in das von der Gemeinde Wieseck erbaute, etwa 5y2 Kilometer lange Orts» rvhrnetz tritt, ehe Meß- und Regleranlage. Am Walltor wurde im Anschluß an dir Wiesecker Ferngasleitung eine Reglerstation errichtet, die
bei etwaigem Druckabfall im nördlichen Teil des Stadtrohrnehes den Gasdruck selbständig wieder erhöht. Die zu der gehörende
Kompressvranlage, die durch eine neuzeitige Gaskraftmaschine angetrieben wird, wurde auf dem Gaswerks Hof errichtet.
Das städtische Wasserwerk wurde infolge des trockenen und heißen Sommers, soweit das Pumpwerk Queckborn in Betracht kam. außerordentlich stark beansprucht. Die Förderung des Pumpwerks ist von 2 670 000 Kubikmeter im Jahre 1927 auf 2 870 000 Kubikmeter im Jahre 1928 gestiegen. Der direkte Zulauf aus den Brunnen- und Stollenanlagen im Stadtwald und bei Großen Bmeck ist gegen das Vorjahr mit rund 210 000 Kubikmeter fast unverändert geblieben. Die größte' Tagesabgabe belief sich in diesem Jahre auf 11 942 Kubikmeter, gegen 10 333 Kubikmeter im vorigen Jahre, die kleinste auf 6108 Kubikmeter. Das Wasser- r o h r n e h wurde um 1940 Meter verlängert und ist einschließlich der Zubringerleitungen von Queckborn und der Brunnen- und Stollenanlagen insgesamt 116,4 Kilometer lang. Die Zahl der Haus- und Gartenanschlüfse stieg um 49 auf 2822, die Zahl der Wassermesser auf über 3000 und der Hydranten auf 421. Das Ortsrohrnetz Queckborn wurde um vier Hausanlchlüsse erweitert. Die im Oktober 1927 begonnene 400 Millimeter weite Zubr.ngerleitung wurde ferlig- geftellt und die Teilstrecke Hochdruckbehälter — Moltkestraße im Mai d. I. — rechtzeitig vor der einsetzenden Trockenperiode — in Benuyung genommen; die Schlußstrecke durch die Moltke- ftraffe, Ostanlage und Marburger Straße war Ende September 1928 betriebsfertig. Das Walser wurde vom Chemischen Untersuchungsamt der Provinz Oberhessen allmonatlich bakteriologisch und im Oktober d. I. chemisch untersucht; das Wasser war immer einwandfrei und fasst ohne Keime befunden.
Das städtische Volksbad hatte sich auch im abgelaufenen Jahre eines regen Besuches zu erfreuen; die Besucherzahl hat sich um rund 6000 gehoben und ist auf 162 000 gestiegen, gegen 67 184 Besucher im Jahve 1923 nach dem Uebergang des Bades in städtischen Besitz. Auf den Kopf der Bevölkerung errechnet sich eine Frequenz von 4,66 Bädern. . Der Mehrbesuch belastet bauptsächlich das Schwimmbecken, das namentlich von der Jugend gern benutzt wird und sich an manchen Stunden als zu klein erwies. Die Erbauung einer »weiten Schwimmhalle toirf) daher immer dringen der. Der obligatorische Schwimmunterricht ist nunmehr in sämtlichen Volks- und höheren Schulen durchgeführt, und es kann mit Befriedigung festgestellt werden, daß etwa 95 Prozent der Schiller und Schülerinnen das Schwimmen erlernen. Auch von den Studierenden der Universität, die das Schwimmbad während der Semester wöchentlich 6 Stunden gemietet hatte, wurde es gern auf gesucht. Den Sportvereinen stand von Montag bis einschl. Freitag von 19 bis 2IV2 Uhr das Schwimmbecken zur Verfügung; auch hier konnte eine stetig wachsende Beteiligung festgestellt werden. Wie in den Vorjahren, wurde das Schwimmbeckenwasser durch das Chemische Untersuchungsamt der Provinz Oberhessen regelmäßig untersucht; nach der Filtrierung und Chlorung war das Beckenwasser, das täglich dreimal mngewälzt und monatlich erneuert wurde, vollständig klar, fast keimfrei und hygienisch vollkommen einwandfrei. Erfreulicherweise wurden auch die medizinischen Bäder mehr als früher benutzt; das Dampf- und Heißluftbad stand an m<mchen Tagen an der Grenze der Leistungsfähigkeit. Der Wasserverbrauch des Dolksbades stellte sich auf rund 56 000 Kubikmeter, oder je Bad durchschnittlich auf 350 Liter.
Elektrizitätswerk und Straßenbahn.
In der nachstehenden tabellarischen Uebersicht sind die Betriebsleistungen des Städtischen Elektrizitätswerkes und der Städtischen Straßenbahn im Jahre 1928 im Vergleich zu 1927 dargestellt. Die beiden ersten Zahlenkolonnen berichten über die Stromerzeugung des Elektrizitätswerkes, die folgenden vier Zahlenkolonnen über die Leistungen der Straßenbahn.
Auslandes beweisen, baff die Besprechungen unserer Stadt und ihrer Umgebung in Zeit- und Werbeschriften, der Versand der Führer, Prospekte und Stadtpläne ihren Zweck erfüllt haben und Gießen in vorteilhafter Weise bekannt geworden ist. Es wurden eine Reihe schöner Aufnahmen von der Stadt und der Umgebung, darunter auch Flugzeugaufnahmen,,hergestellt und in Kalendern und illustrierten Zeitschriften veröffentlicht. Viele Besprechungen über bessere Bahnverbindungen, hauptsächlich von Ost- nach Westdeutschland, wie über eine direkte Verbindung Gießen—Würzburg, ferner Verhandlungen wegen Verbesserungen und Reueinführung von Autolinien in der Umgebung haben im lausenden Jähre stattgefunden und erfreuliche Resultate gezeitigt. Am Dau der Autostraße Hamburg Basel (Hasraba) ist Gießen stark interessiert und in der Hasraba an hervorragender Stelle durch den Beigeordneten Dr. H a m m vertreten. An einem neu hergestellten Kulturfilm von Oberhessen hat sich unsere Stadt beteiligt, ferner wird sie in einem weiteren Film über das Lahntal vertreten fein.
Obwohl in diesem Jahre größere Veranstaltungen in Gießen nicht zu verzeichnen waren, weist doch die Statistik über den Fremdenverkehr eine Steigerung gegen das Vorjahr, hauptsächlich in der Zahl der Uebernach- tungen, auf. Während im Jahre 1927 in der Zeit vom 1. April bis 30. September 17 395 Fremde mit 24 368 Uebernachtungen in Gießen weilten, waren im gleichen Zeitraum des Jahres 1928 insgesamt 18 065 Fremde mit 27 688 Uebernachtungen hier anwesend. Diese Zahlen beweisen am besten, in welcher Weise sich die Verkehrswerbearbeit ausgewirkt hat.
Die V 0 1 k s h a 11 e , deren Rotwendigkeit zur Abhaltung von größeren Festlichkeiten sich immer mehr erweist, wurde im abgelaufenen Jahre, für eine Tagung des Landbundes, den Mandolinen- Wettstreit, den Rote-Kreuz-Kindertag. zwei Volkskonzerte des Arbeiter-Kulturkartells, ein Konzert des Konzertvereins, die Tagung der Pilgermission, das Sanitäter-Fest, das Fest der „Heiterkeit", sowie für die Feier des Reichsjugendwettkampfes benutzt. Ferner war es der Stadtverwaltung gelungen, den Zirkus Krone nach hier zu bekommen, dem der zur Dolkshalle gehörige Platz überlassen wurde. Während des Winters wird die Volkshalle in umsangreichem Maße zum Spielen von Hallentennis und außerdem zu Radfahrübungen benutzt.
Das Keuerlöschwesen.
Die städtische Feuerwehr Verzeichnis im Jahre 1928 insgesamt 12 8 Al arme. Dies« verteilen sich im einzelnen wie folgt: Kellerbrand 1, Zimmerbrände 4, Dachstuhlbrände 2, Kaminbrände 12, Autobrände 5, Werkstättenbrände 2, sonstige Brände 7, Wald- und Rasenbrände 5, auswärtige Brände 3, Decken- und Äamincin- sturz 1, sonstige Inanspruchnahme (Kellerauspumpen, Schachtdeckel einsetzen, Beseitigung von Erdfenkungen, Pferde heben usw.) 22, blinde Alarme 11, Unfug 52, Probealarm 1. Die Feuerwache besorgte ferner noch 441 Krankentransporte.
Aufgaben der Zukunft.
Aus den vorstehenden Darlegungen, denen wir einige Berichte über andere Verwaltungszweige in den nächsten Tagen noch anfchlieffen werden, geht in erfreulicher Weife hervor, daß die kommunale Arbeit in unserem Gemeindewesen auch im Jahre 1928 sehr fruchtbar gewesen ist. Dafür gebührt der Stadtverwaltung mit ihren Dienststellen, aber auch der Stadwerordneten-Versammlung für ihre verständnisvolle und sorgsam alle Möglichkeiten abwägende Mitarbeit die Anerkennung der Bürgerschaft.
Daß wir beim Jahreswechsel auch noch unerfüllte Wünsche haben, die Aufgaben der Zukunft sind, ist natürlich. Da ist zunächst das Viehhof-Projekt, für dessen Verwirklichung in den letzten Wochen wichtige Schritte unternommen wurden; man darf wohl damit rechnen, daß wir im kommenden Jahre diese städtische Einrichtung erstehen sehen. Bedauerlicherweise ist das Strahenbahnpr0jekt Gieffen-W i e s cck in diesem Jahre wieder gescheitert, man darf es aber als erfreulich bezeichnen, daß die Stadtverwaltung den Ausbau der Straßenbahn in Richtung Wieseck bis an die Gießener Gemarkungsgrenze zur Tat werden lassen will. Die Frage der Biebertalbahn und
Monat
Stromerzeugung einschl. Fremdbezug
Aus Fahrscheine beförderte Personen
Gefahrene Wagen- Kilometer
Kj. 1927
Kj. 1928
Kj. 1927
Kj. 1928
Kj. 1927
Kj. 1928
Januar
794 851
1 084 621
118 084
136 688
43 815
43 869
Februar
670 246
1093 531
110 200
133 564
42 885
40 459
März
786 001
1004 955
128 072)
118 744
125 772
44 993
43 904
April
690 624
758 180)
130109)
134 940
152 764
45 085
14108
Mai
788 263
793 922)
165 890)
165 753
164 896
48 926
44 114
Juni
798 507
773 551)
203 927)
220 514
163 880
54 628
43 968
Juli
795 334
748 439)
203 271)
155 846
187 120
48 936
44 228
August
858 360
859 453)
169 090)
141 700
156 340
44 850
43 868
September
934 794
893 082)
189 745)
135 007
138 616
44 828
44 398
Oktober
1 029 642
985 580)
181 381)
132 348
158 712
43 526
44 820
November
1 115 365
1 099 644)
180 000)
142 696
146 864
43 978
44 980
Dezember
1158 100
1 155 000)
145 000
145 540
43 860
45 520
10 420 087 +
11 249 958
1 551 485
1 720 832
1 810 756
550 310
528 236
Zus. 12 801443
Oie Derkehrswerbung.
In richtiger Erkenntnis der Wichtigkeit eines regen Fremdenverkehrs für unsere heimische Wirtschaft wurde von der Stadwerwaltung auch im abgelaufenen Jahre eine starke Werbetätigkeit entfaltet. Viele Anfragen aus allen Gegenden des Reiches und auch des
der Schaffung einer Bahnverbindung mit Krofdorf dürste unsere Stadt im kommenden Jahre wohl ernstlich beschäftigen. Aus unserem Wunschzettel für 1929 haben wir weiter vermerkt die Hoffnung auf eine ausgiebige Bekanntschaft mit der bisherigen Arbeit am Generalbebau- ungsplan, dem verstärkten Ausbau der S t r a • ßenbeleuchtung, weitere lebhafte Arbeit am


