Nr.257 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Mittwoch. 31 Oktober 1928
Der Transser als Preis.
Das Geheimnis, mit dem die R-ichsregierung sich gegenüber allen bisherigen Reparations- erorterungen in der Oeffentlichteit umgibt, mutet nachgerade etwas beängstigend an. Während man von London, von Paris und Brüssel aus ganz ungeniert eine sehr zielbewuhte Politik in der Reparations frage treibt, die allerdings nicht durchaus einheitlich ist, sondern in der Hauptsache den jewelligen Sonderwünschen der einzelnen Gläubigerstaaten entspricht, hüllt man sich in Berlin m ein Schweigen, das der taktischen Situation Deutschlands nicht mehr angemessen ist. Die ersten Besprechungen mit Parker Gilbert haben im Kreise der interessierten Minister statt- gesunden. das Reichskabinett hat sich nunmehr auch in einer förmlichen Sitzung damit besaßt, die Borverhandlungen über das Zusammen treten der Expertenkommission dürsten nunmehr also abgeschlossen sein, nitb immer noch gibt das Reichskabinett der Oesfenllichkeit nicht die Auhalls- punkte. über die die große englische mtZ> französische Presse schon seit Tagen verfügt. Wozu diese Geheimniskrämerei? Warum machen die verantwortlichen Reichsstellen nicht nach dem Muster der Kabinette in den alliierten Hauptstädten Gebrauch von der Möglichkeit, der Welt auch die Forderungen und Wünsche Deutschlands an den Expertenausschuß und sein Beratungsziel zu unterbreiten? Bei der- arttgen Methoden darf man sich bei uns nicht wurchern, wenn Deutschland ins Hintertreffen gerät und wenn vor allem unser Schweigen in einem Sinne interpretiert wird, der für die Einleitung und den Verlauf der Sachverstän- digenberatungen vom deutschen Standpuntt aus alles andere als günstig ist.
Einstwellen sind wir also nach wie vor darauf angewiesen, für die Beurteilung des tatsächlichen Standes der Dinge mehr auf die Stimmen des Auslands zurückgreifen, als wir es selbst wünschen. Es ist nun offenkundig so, daß man in Paris. London und Brüssel theoretisch zwar den Plan Parker Gilberts akzeptiert, der darauf hinausläust, unter gleichzeitigem Fortfall des Transferschuhes die kapitalisierte Reparationsschuld Deutschlands in einerEndsumme sc st zuseh en. daß man prakttsch aber wegen der internen Meinungsverschiedenheiten zwischen den Gläubigerstaaten die Aufgabe deS Sachverftändigen- ausschusses dahin abdrehen will, zunächst nur die künftigen Annuitäten Deutschlands, noch nicht aber das Reparations-Endkapital zu bestimmen, dessen Festlegung einem direkten Arrangement zwischen den beteiligten Regierungen Vorbehalten bleiben soll. Rach neueren Versionen sollen sich die Sachverständigen auch nach dieser Richtung hin zwar gutachtlich äußern dürfen, ohne daß aber auch nur einige Gewähr dafür gegeben wäre, daß die Regierungen sich auch ihrerseits durch ein solches Gutachten für gebunden halten. Auch über die Höhe der deutschen Jahresleistungen sind von London und Paris aus bereits ganz bestimmte Ziffern lanciert worden, die sich auf 2 bzw. 2,2 Milliarden Mark belaufen. Es wird mit ankeren Worten an uns also das Ansinnen gestellt, daß wir für einen Rachlah von 300 bis 500 Millionen gegenüber unseren gegenwärtigen Verpflichtungen das wertvollste Akti- vnm des Dawes-Planes für Deutschland, den Transferchutz, aus den Händen geben, ohne daß gleichzeitig unsere Gesamtschuld fixiert wird oder mindestens doch, ohne daß eine Gewähr dafür bestände, daß eine Endsumme fest gelegt wird, die für Deutschland akzeptabel ist.
Bei der wirtschaftlichen und finanziellen Entwicklung der letzten Jahre halten wir es für ganz undenkbar, daß das Reich bei einer so geringen Ermäßigung der deutschen Jahreszahlungen auf den Schuh _ber Transferklausel verzichten kann. Daran wäre nur zu denken, wenn Deutschland zur Mobilisierung seiner gesamten Reparationsschuld — die doch mindestens ursprünglich ins Auge gefaßt war — eine Anleihe erhielte, deren Zinsendienst sehr er-
tch
Ein Reiter im Dunkeln.
Von Sigismund von Radeckl.
Eine mir unvergeßliche Begegnung hatte einmal in Zentralasien.
Als junger Bergingenieur war Ich dorth.n gekommen, ohne recht zu wissen, wie. Kurz vorher hatte ich noch in Dresden mit lieblichen Ameri- kanerinnen getanzt, von denen eine so ähnlich wie Danderbilt hieß und beim Pudern ihrer Stupsnase mit den zwei großen blauen Lichtern leuchtete. Darauf sah ich in Petersburg und sah zu. wie mein Chef den gewaltigen, zentral afiati- schen Kanal projektierte. Das machte man so: zuerst wurde eine Riesenkarte von Turkestan, so groß wie die Wand, hergestellt. Allerdings war dann Turkestan, als wir später hinkamen, ganz, 00113 anders als die Karte... Sodann nahm der Chef eine dicke rote Seidenkordel in die linke Hand, einen schweren Hammer in die rechte, und trat, den Mund voller Eisennägel, prüfenden Blickes vor die Karte. Rechts oben schlug er, an einem mit der Hand bequem erreichbaren Punkt, das Ende der Kordel mit dem Ragel tief in den Fluß Syr-Darja hinein. Dann lenkte er die Kordel frisch in die Wüste und befestigte sie, knapp vor dem Pamir-Plateau, mit einem herzhaften Schlag auf den zweiten Ragel. Darauf zog er den roten Seidenkanal in neckischem Zickzack um die Stadt Khokand herum und lieh ihn kühn in die Hungersteppe fließen, wobei er sich nach mir umsah und fragte: „Wird er noch Wasser haben?" — worauf ich als treuer Untergebener eifrig nickte. Dann schwankten wir noch etwas, ob wir ihn in das Kaspische Meer oder in den Aralsee munden lassen sollten, — aber da die Kordel gerade bis zur Stadt Afschabad reichte, und man sonst in die Eckbude laufen und neue hätten kaufen müssen, so ließen wir's gut fein und machten dort Schluß. Fertig war er, der Kanal.
Dann sah ich, ziemlich nachdenklich, in der wirklichen Hungersteppe — einem Sandmeer so groß wie Frankreich, wo es nichts gab als Kamelgerippe und eine schlechtfunktionierende Tele- araphenlcitung. well nämlich die Turkmenen Draht brauchten. Milliarden Sandwellen standen re- aungslos in der Sonnenglut. Kam aber ein Wind, so fbtfl der Sand an zu fliegen, bis die Sonne nur
heblich unter der Verzinsung liegen würde, die der Festsetzung der jetzigen Reparationsleisttmgen zugrunde gelegt worden ist. Dafür kriegt man aber in der ganzen Welt keine Mittel. Denn wir können uns keinen maßgebenden Geldgeber vorstellen, der etwa mit einer zwei- bis dreiprozentigen Verzinsung seines investierten Kapitals zufrieden wäre. Solange aber Deutschland nicht positiv in der Lage ist, wenigstens einen sehr angemessenen Teil seiner Reparationsvervflichtun- gen aus seinen Warenüberschüssen abzudecken, woran bei der außerordentlichen Passivität der deutschen Handelsbilanz in den letzten drei Jahren gar nicht gedacht werden kann, sind Jahresleistungen wie die von Paris und London geforderten ohne Transferklausel beinahe etwas wie ein Ansinnen an Deutschland, wirtschaftlichen und finanziellen Selb st mord zu begehen.
Bei dieser Sachlage wäre es unseres Erachtens falsch, wenn die Reichsregierung dem
Drängen der Alliierten nachgeben wollte, nunmehr von sich aus die Initiative zur Beschleunigung der Verhandlungen über die Gestaltung des Expertenausschusses nach der personellen und sachlichen Seite hin zu ergreifen. Deutschland hat absolut keine Veranlassung, in diesem Augenblick offiziell hervor- zutreten. Das stärkere Interesse an einem Reparationsarrangement, das Deutschlands Verzicht auf den Transferschutz in sich schließen soll, besteht ohne Frage auf der Gegenseite. Will man es in den alliierten Hauptstädten ernstlich, dann mag man uns entweder konkrete Reparationsangebote machen, oder aber man mag den Widerstand gegen einen unabhängigen Sachverständigenausschuß mit umfassendsten Vollmachten aufgeben. Ein Verzicht auf die Transfer- klausel ist ein so hoher Preis, daß wir wohl berechtigt sind, dafür eine anständige und ausreichende Gegenleistung zu fordern.
Von Mer Snntz zu Lord Virkeuhead.
Englands beftbezahlier Rechtsanwalt. — „Schäbige Mnistergehälter!" — Leidenschaftlicher Golfspieler, Jurist und Schriftsteller.
Von George Croppen.
Lord Birkenhead, ein führender Mann im britischen Kabinett und in der konservativen Partei, zieht sich aus dem politi- schen Leben zurück: der englische Zeitungskonzern de Berry soll ihm für die Heber» nähme eines wirtschaftlichen Postens ein Jähresgehalt von 400 000 Mark angeboten haben.
Den rauchenden Schloten Liverpools gegenüber, mit dieser mächtigen Industriestadt durch einen anderthalb Kilometer langen Unterwassertunnel verbunden, liegt Birkenhead, eine Stadt von 150 000 Einwohnern, deren Bewohnerschaft sich im letzten halben Sälülum mindestens verdoppelt hat. Im Jahre 1847 wurde dort das erste Dock gebaut, und seitdem ist die aufstrebende Stadt ein wichtiger Platz der englischen Werft indu st rie geworden. Solche Entwicklung erzieht die Bewohner zu Arbeitseifer. Zielbewußtheit, klarem Denken und entschlossenem Handeln, und auch in der Familie des seinerzeit dort ansässigen, früh verstorbenen Advokaten Smith war man darauf bedacht, die fünf Kinder in dem betriebsamen Geist der Industriestadt auszuziehen. Unter diesen Kindern ragte schon von Jugend an der am 12. Juli 1872 geborene Frederick Edwin durch besondere Begabung, rasche Auffassungsgabe und eine schneidende, harte Intelligenz hervor: ohne diese Eigenschaften wäre es dem jungen Burschen, dessen Eltern in recht bescheidenen Verhältnissen lebten, nie möglich gewesen, in die vornehmsten Colleges der Universität Oxford einzudringen, wo man ihm eine Freistelle gewährte, und wo er die jungen Aristokraten kennenlernte, denen er später in seiner politischen Laufbahn teils als Freund, teils als Feind wieder begegnen sollte.
Frederii Edwin Smith studierte Jura und Geschichte und lieh sich, 26 Jahre alt, a ls Advokat nieder Er war unbekannt, hatte keine Verbindungen und entsprechend viel Zeit. Das erste Jahr seiner Anwaltspraxis brachte ihm nur 40(0 Mk. ein, einen Betrag, von dem man kaum leben konnte: aber er hatte dafür Muße genug, Golf z u spielen — eine Leidenschaft, der auch der Sechsundfünfzigjährige noch verfallen ist — und ein kleines Buch über internationales Privatrecht zu schreiben. Vielleicht hat es den jungen Smith selbst überrascht, welchen Erfolg dieses Buch gehabt hat: es wurde immer wieder aufgelegt, machte auf den Autor aus merksam und verschaffte chm die Führung einiger Prozesse, in denen er sein bedeutendes Redetalent der Oesfentiichkeit zeigen konnte. Als er 30. Jahre alt war, brachte ihm seine Anwaltspraxis schon jährlich 120 000 Mark ein; über das Einkommen in späteren Jahren gehen die Schätzungen
noch als feurige Kanonenkugel durch den braunen Staub schwebte. Des Abends stellten wir immer absichtlich die Petroleumlampe vor's Haus: alles was nur Käfer hieß und Flügel hatte, schoß dann aus der ungeheuren Dunkelheit auf dieses Licht zu — die Finsternis schien sich in lauter Käser zu verwandeln — sie kamen, sie kamen von allen Seiten mit einem anschwellenden Gebrause, daß die Glasscheiben zitterten und die Kalkwand in drei Minuten völlig schwarz war vorn Insekten- gef ribbel.
Dann ritten wir los und fanden beim Gebirgseingang das Dorf Vuadil, wo die Leute mit den Turbanen und Bärten wackelten und uns Ungläubigen keine Früchte verkaufen wollten. Deshalb imp:vv.si:rtcn wir mitten tm Dorf eine kleine Dermesfung. lind zwar machten wir das so: wir zielten mit unseren RwellieraHparaten immer die dicksten Melonen an und stellten die Meßlatten zwischen den üppigsten Aprikosen auf. Das wirkte. Ein Triumph der Technik: im Handumdrehen hatten wir genug Früchte für eine kleine Cholera beisammen.
Und nun ritten wir in das riesigste, menschenleerste, gottverlassenste Gebirge hinein, das je in einem Geographieatlas gestanden hat. Man konnte nur noch vertikal denken, es gab nur noch Wände und Wasser, und immer wieder Wände Es rauschte betäubend. Angenehm kühl pfiff der Wind um die Ecken. Tief in den Bergen trafen wir einen mohammedanischen Eremiten, der aus seiner selbstgegrabenen Höhle (mit Vor- gärtchen) heraustrat und uns den Weg erklärte. Doch da kam mir ein fuchsrotes Turkmenenpferd in die Quere: es steckte den Kopf zwischen die Vorderbeine, schlug aus, und traf mich genau auf den Knöchel. Ich war sofort ohnmächtig und fiel wie ein Sack Kartoffeln von meiner Stute. Die anderen mußten weiterreiten und überließen mich der Obhut jenes Helligen.
Als die Sonne am Abend ihr Gold durch die Riesenschlucht schoß, Betterte ich mit Müh und (Hot auf den Sattel, und ritt nun durch die Dämmerung stromabwärts. Cs wurde immer dunkler. Jetzt hörte man nur noch das Wasser betäubend durch die Steine rauschen.
Hoch oben sah man ein langes glitzerndes Band gefilmten Himmel. Ich war ganz allein.
Ich kam mir vor wie ein Tropfen im Meer: verschlungen von der ungeheuren asiattschen Dunkelheit I Monoton trappelte das Pferdchen
auseinander, sie bewegen sich aber alle in schwindelhafter Hohe, und man war sich damals einig, daß dieser Advokat der bestbezahlte Rechtsanwalt des Landes sei. Wenn der fast zwei Meter große, breitschultrige Rechtsanwalt Smith vor die Schranken des Gerichts trat und sein Plaidoyer mit einem Witz einleitete, um dann, scharf und doch liebenswürdig, schwungvoll, ohne schwatzhaft zu werden, eine hinreißende Rede zu halten, war Lumindest das Herz der Richter gewonnen — und solche Anwälte sind gesucht.
Ein Zufall wollte es, daß der junge Rechtsanwalt in einer öffentlichen Versammlung dem berühmten Joseph Chamberlain auffiel, dem Vater des jetzigen britischen Außenministers; der alte konservative Politiker lauschte entzückt dem ideenreichen, formvollendet en Vorttag des jungen Smith, lieh sich den Rechtsanwalt vorstellen und führte chn in die konservative Partei ein. 2m Jahre 1903, 31 Jahre alt, zog der Advokat als Vertreter des Bezirks Liverpool in das Unterhaus ein, wo er damit debütierte, daß er den liberalen Führer Lloyd George grimmig angriff, dabei aber so geistvoll, witzig, gedanken- sprühend sprach, daß die Rede fetbft dem politischen Gegner gefiel. Mil einem Schlag hatte er sich durchgesetzt, der großen politischen Laufbahn die Wege geebnet. Man gab chm hohe richterliche Hosten, er wurde hn Krieg vorübergehend I u st i z m i n i st e r, sein alter Gegner Lloyd George ließ chn damals zum Lord o f Birkenhead ernennen; wenige Jahre darauf ernannte ihn der König zum Earl und später zum Viscount Fourneaux, einem Titel, von dem bisher nur Birkenheads Sohn Gebrauch gemacht hat. Don 1919 bis 1922 war Birkenhead Lordkanzler, und seit 1927 verwaltete er das Staa 1 s se k r e t a r i a t für Indien, das er jetzt aufgegeben hat.
Im April dieses Jahres konnte man den britischen Staatssekretär in Berlin sehen, wo er so inkognito weilte, wie bekannte Staatsmänner eben zu reifen pflegen: von Journalisten interviewt, photographiert, in den Zeitungen abgebildet, von Stresemann auf einem großen Bankett gefeiert. Die britische Botschaft, die großen Wert auf dieses „Inkognito" ihres Ministers legte, beeilte sich auch mitzuteilen, daß seine Reise keinerlei polittsche Bedeutung habe: er sei vielmehr nur nach Berlin gekommen, um in Wannsee Golf z u spielen, und es kann nicht bestritten werden daß er sich diesem Sport während seines Berliner Aufenthaltes leidenschaftlich widmete. Er schlug dem deutschen Außenminister vor. seine Kräfte nicht im politischen Spiel zu erschöpfen, sondern zur Ablenkung möglichst oft hinter dem Ball auf dem grünen Rasen her
unter mir her, — es ging eine Art Pahschritt, die sogenannte „Trapatä", welche allen Pferden in Turiestan andressiert wird.
Ta — tat ata, ta — tatata ta — tatdta, klapperte es melancholisch durch oie Rocht.
Auf einmal hörte ich von weitem eine andere, fremde Trapata mir entgegenkommen. Ich hielt mein Pferd an und lauschte. Rein, es war kein Echo. Es fam immer näher. Jetzt sah ich gespenstisch ein Paar Pferdeohren und hörte die Rüstern schnaufen. Plötzlich hielt ein Reiter, dunkel im Dunklen, dicht neben mir!
„©uten Sag,'* sagte eine Stimme auf Englisch. Englisch ist in Turkestan so unbekannt wie Chal- däisch.
„Guten Tag," versetzte ich, ebenfalls englisch. „Ach — ich komme direkt aus San Franzisko. Via Peking-Llrga."
Was für ein Griff um den Erdball lag In in diesem „Via Peking-Llrga" I Warum sollte ich nicht auch kühn sein, ich tarn doch, glaub ich, aus Dresden! Lind so fragte ich unvermittelt und schlicht:
„Wie geht es Miß van der Flitt?"
„Many thanks!“ versetzte die Stimme aus dem Dunkel, ohne das mindeste Erstaunen: ausge
zeichnet. She just returned from a trip to Europe!“
„Freut mich zu hören."
Er zog die Zügel an, er hatte es eilig:
„Good bye,“ sagte ec.
„Good bye," rief ich über die Schuller zurück.
Lind die zwei Pferdegetrappel entfernten sich voneinander, bis endlich das fremde tn der Rächt verschwunden war. —
Gleich darauf zweifelte ich an feiner Existenz. Hatte ich mir diesen gespenstischen Jankee nicht bloß eingebildet? Dann wieder schien die Einsamkeit mit tausend Amerikanern geladen zu fein, und starrte mich schußbereit an... Es kam ein Wind und wehte jetzt durch die Schluchten. Fern ist nah und nah ist fern... Wo befand ich mich nur? War dieses Ganze doch nur ein Traum, eine Landkarte, und ich flog durch nächtliche Räume auf das eine goldene Lichtpünktchen zu? .. Da, — da sah ich e5 tief unten auf blinken!... Was war das? Der Knöchel schmerzte; das war das Dorf Duadll, das war die Ebene.
Lind ich rastete im Dorfe Duadll, wo das Gletscherwasser soeben anlam, wo die Zweige trunken auf den geschwollenen Kanälen schleiften.
zulaufen. Damit fand er bei Stresemann wohl ebenso wenig Gegenliebe wie mit den nebenbei geäußerten Vorschlägen, Deutschland enger an Großbritannien anzuschfiehen und ein Bünd - n i s gegen Sowjetrußland einzugehen. Ratürlich war das Golsspiel der Hauptzweck der Reise; aber Lord Birkenhead, der in England gesagt hat, das Wort „Rußland" könne man nur noch als Schimpfwort gebrauchen, wollte eS sich doch nicht versagen, auch in Berlin von seiner Bolschewistenfeindschaft zu sprechen. Während in der inneren englischen Politik er als ein gemäßigter Mann gilt, der auf dem linken Flügel der konservativen Partei steht und manchen Kamps mit den Diehards ausgefochten hat, war er in der Außenpolitik stets ein Scharfmacher, der gegen Rußland ebenso unnachgiebig wie gegen die indischen Rationalisten gewesen ist. Es ist bekannt, daß er sich in den letzten Monaten seiner Tätigkeit mit der britischen Regierung in Indien und vor allen Dingen mit dem Vizekönig nicht vertragen konnte; er ging auf die Reformvorschläge dieser wichtigen Stellen überhaupt nicht ein und verabsäumte es oft, wichtige Anfragen des indischen Vizelönigs überhaupt zu beantworten. Diese politischen Unftimmigfeitcn haben zwei eilos dazu beigclragen, daß er jetzt das Staatssekretariat für Indien aufgibt.
Ein anderer Grund für die Demission be& Staatsmannes ist in der wirtschaftlichen Lage der englischen Minister zu suchen. Sie erhalten jährlich 100.000 Mark, ein Gehalt, von dem man wohl leben kann, das Lord Birienhead jedoch als schäbig bezeichnet. Der Minister ist aus seiner Anwaltszeit verwöhnt, er liebt es. nicht mit dem Geld zu rechnen und im großen Stil der britischen Aristokratie zu repräsentieren. Bei seinem Entschluß, aus dem politischen Geben auszuscheiden, nimmt er nicht einmal auf die schwierige Lage der konservativen Partei einige Monate vor den englischen Wahlen Rücksicht; ist es doch ziemlich sicher, daß man den glänzenden Redner im Wahlkampf sehr vermissen wird. Lord Birkenhead fürchtet wohl eine Rieders age der konservativen Partei und glaubt, ein glänzendes Angebot des Kabeltruftes und der Zeitungsgruppe de Derry den zweifelhaften Aussichten eines konservativen Politikers für die nächsten Jahre vorziehen zu sollen. Sein politischer Ehrgeiz ist befriedigt. Er strebt nicht nach der Dornenkrone des Premiers, er war niemals Partei mann aus Leidenschaft, sondern stets ein kühler Rechner, dessen Ehrgeiz nicht allein auf politischem, sondern auch auf literarischem Gebiet lag. Seine meisterhaften Reden, kleine stilistische Kunstwerke, ließ er in dem Buch „Points of View" drucken, und vor einem Jahr erschien fein Buch „L a w Life and Leiters", in dem der Autor über bekannte Persönlichkeiten, über Churchill, Lloyd George und Balfour entzückende Bosheiten sagt. Ein besonderer Abschnitt des Buches Ist übrigens dem Briefschreiben gewidmet. Lord Birkenhead teilt die Ansicht von Merirnee, daß ein vollendeter Brief mehr an den Absender als an den Empfänger gerichtet fei. Besonders gefährlich für den Qlbfcnber sind nach seiner Meinung Liebesbriefe; man sollte sie am besten gar nicht schreiben. Tue man es doch, so müsse man sich vor allem hüten, „leidenschaftlich zu sein". Man müsse bedenken, daß Empfänger von Liebesbriefen diese Schriftstücke gewöhnlich aufbewahren; infolge dieser häßlichen Angewohnheit könnten die Briefe eines Tages in die Hände eines Verlegers fallen und veröffentlicht werden. — Ein vorsichtiger Mann wird sich niemals kompromittieren, weder mit seiner Liebe, noch mit einem seiner Persönlichkeit angemessenen Gehalt, noch mit der voraussichtlichen Riederlage seiner Partei.
Aus dem Amtsverkündigungsblatt.
• Das Arntßverkündigungsblatt Rr. 79 vorn 30. Oktober enthält: Straßensperre- Aufhebung. — Eröffnung des ordenttichen Lehrganges 1928/29 an den landwirtschaftlichen Schulen bei den hessischen Landwirtschajtsämtern. — Beleuchtung der Fuhrwerke zur Rachtzeit. — Schlüsselzahlen. — Wetterdienst in der Schule.
und der Vogel Dillbül zwischen Laubwerk und Lampions im Käfig hing und mir mit seiner Stimme den grünen Ziegeltee versüßte.
Allah ist groß. Aber diese Welt ist es viel- leid)! nicht einmal so. Jedenfalls nicht via Peking- ilrga.
On parle fran^ais.
Paris ist nun einmal auf den internationalen Verkehr angewiesen. Soweit es sich um Geschäfte handelt, ist der Franzose alles eher als ein Chauvinist. Bei dieser Einstellung nimmt es weiter gar nicht Wunder, daß einige Pariser Bahnhöfe zur leichteren Orientierung des deutschen Reisepublikums „Ausgang"- und „ Eingang"-Täf- lein aufweisen; eine Höflichkeit, weiter nichts. In den meiften Schaufenstern des Seine-Paradieses sieht man übrigens die einladende Aufschrift: „Man spricht deutsch", und zahlreiche Restaurants versprechen „deutsche Bedienung und deutsche Musik". -Unter der letzteren sind allerdings die Wiener Vorkriegsoperetten zu verstehn. Das tut aber nichts zur Sache; Tatsache ist und bleibt jedenfalls, daß die Pariser ihr möglichstes versuchen, ihren Gästen gleich welcher Nationalität den Aufenthalt so angenehm wie nur möglich zu gestalten. Man geht sogar zu weit auf diesem Gebiete, und die französische Presse sowie die Pariser Kleinkunstbühnen nehmen gegen die Fremden-Vergötterung energisch Stellung. Was nutzt es: Paris ist verarmt und will ausländisches Geld haben. Insbesondere die Juweliere haben es auf die valutastarken Ausländer abgesehen, und ein solches Geschäft überbot neulich alles bisher Dagewesene, indem es recht auffällig folgende Reklamelafel in der Auslage anbradjte: „English spoken! Si parla italiano! Habla espagnola! Man spricht deutsch! Magyarul beszelnck!“ Gegenüber befand sich nun ebenfalls ein Juwelenladen. Der Inhaber mußte mit ansehen, wie die wahrhaftig „internationale" Werbung seines Konkurrenten ihre Wirkung tut, und rückte nach vielem Kopfzerbrechen zu einem sinnigen Gegenschlag aus. indem er ebenfalls eine große ReBametafel tn das Schaufenster stellte. Mit Riesenlettern verkündete diese die einzige „Spezialität" deS Ge-
I schäftes: „On parle fran^aisl“
Dieses „Man spricht französisch" ftdlt bert Querschnitt des heutigen Paris dar,.«


