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Sie dient ihm, inh i Gegensätze in uniert ijen und geisl'gkn Wu- sich in wehrhasier <* jolfsboben stellt. So«6 Mer, Prof Scrge^ nlurnerfd)üfl;er^i Welker der Jeu I illenbung beVV h-l eine deutsche Turntu i geschenkt halte, r er erzog DeuM sundheit und Srafl u sche Arbeit zum < len. »belta £-«£ i Erziehers ü- L- id Staat- )koiva>k t-

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llr. 126 Erstes Blatt

178. Jahrgang

Donnerstag, 51. Mai 1928

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2 5leid)*«arii und 20 Veidjspfewntg für Träge» lohn, auch bei 5lid)iet» scheinen einielnerJlummmt infolge höherer Gewalt. Fernsprechantchlüsle: 51, 54 und 112

»ntchrifi für Drahwach. rid)ten Anzeigerlefcau Pol|d?etflonto.

firanfturt am Main 11686

Gietzemr Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Dmd enb Derlog: vrühl'sche Uiltversttärr-Vuch. und Stemöruderet B. tauge In Gießen. Schristlettnng und Gefchästrftelek Zchnlftraße 7.

.lauahme »oe Sijetaca fit die Tageunummer diu zum Vachmtttag vorher.

Preis fir 1 mm höhe fit Anzeigen von 27 mm »reite örtlich 8, aueoärt« 10 Reid)spfenntg. für 9ie- htomeanzeigen von 70 mm Brette 35 Beichupfemng, Vla^oorfdirtfl 30" , mehr.

Chefredakteur

Dr Friedt Will) Lange, veranttoonlich fir Dohtik Dr. Ft Will) Lange fir Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Blumschein: fir den An- jeigenteil Aurt Hillmann. sämtlich in (Liehen

Die japanische Politik in China.

Das Sturm-Zentrum Chinas hat sich von bet Mündung deS Dangtlee tDdter nördlich über Schantung bis vor die Lore bet allen Kaiser- und Hauptstadt Pekina verschoben. In drei Heerhaufen marschieren Die Marschälle heran, tun Lschangtsolin die Entscheidungs­schlacht anzubieten. Die Zahl der Marschälle ist ebenso grob wie die Zahl der Entscheidungs- schlachten, die dieser Bürgerkrieg schon gesehen hat. Unverwüstlich scheint nur bet Marschall Zeng zu fein, den die Legende einmal mit dem Beiwort des christlichen Generals geschmückt hat. Ob er der gröbere (Segenspieler Lschangtsolins ist. oder ob der Marschall der Tlanling-Regierung Lschiangkailchek daraus den Anspruch hat, das hängt vielleicht nicht einmal von den mili­tärischen Erfolgen ab. die sie abwechselnd mit- und gegeneinander erzielen. ES ist schwer zu glauben, dab die Marschälle im Duden und Aorden wirklich von einer politischen Idee besessen sind, dah sie aus Sun Vatlens Der- mächtnis schwören, dah sie wirklich China auS den Wirren des Bürgerkrieges herausführen woNen.

AlS die Japaner die Aankingtruppen auS Lfinanfu hinauswarfen. bot sich wohl die Gele­genheit, auch so etwas wie eine Einheits­front bet feindlichen Marschälle herzust^llen. Aur das japanische Kriegsministerium Weib, wie viel Japaner in der Provinz Schantung stehen. Vielleicht sind es 40000, vielleicht sind es mehr denn Japans Ziel ist doch ein anderes, als nur daS der Sicherung deS Lebens und des Eigentums der in Schantung ansässigen Japaner. Die Provinz Schantung ist nicht nur eine chine­sische Provinz schlechthin, sie ist nicht nur reich an Dvdei'schähen. sie versagt nicht nur über gute Häfen, sie ist darüber hinaus auch noch ein nationales Heiligtum. In der Procinz Schantung liegt der gröhte Denker Lhi- naS begraben, Kongsulse. der die geistige und seelische Entwicklung der Lhinesen entschei­dend beeinflußt hat.

Die Eroberung Schantunas sollte die Kriegs­beute Japans sein. DS hat aus diese Deute in Washington 1922 zunächst verzichten müs­sen. wie es 1915 unter dem Druck der Grost- mächle, die seine Bundesgenossen waren, aus die berüchtigten 21 Forderungen an China ver­zichten muhte. Japan hat darin eine geschichtliche Hebung, heule auf etwas zu verzichten, was es sich morgen mit gröberer Äraftanftrcngung dau­ernd halt. Als es 1894 im Krieg gegen China Port Arthur und Dalny erobert hatte, muhte es im Frieden von Shlrnonosoki daraus verzichten. Zehn Jahre spater wurden sie abermals, diesmal gegen Russland, erobert, das nach der Rieder­lage von Mulden die tatsächliche Oberherrschaft Japan- über die Mandschurei anerkennen musste.

AlS Japan in den Krieg gegen Deutschland eintrat, bestand seine militärische Qlufgabe darin, die Deutschen ans K i a u t s ch a u zu vertreiben. Das war bei dem Krästeverhältnis kein Kunst­stück. aber es war das Sprungbrett für Japan, um sich im eigentlichen China sestzu- sehen. Wenn sich Japan dann noch einmal in Washington beugte, so war auch das nur ein rein taktischer politischer Schachzug. der das stra­tegische Ziel, die Eroberung der Pro­vinz Schantung, unverändert liess. Solange das chinesische Sturmzentrum im Vangtsetale lag. konnte Japan der Befreiung Chinas durch die chinesischen Marschälle mit verschlungenen Armen zusehen Als aber die Sübtruppen über Lchan- tung vorstiessen, als sie die Truppen Tschang- tsolins vor sich her trieben, lösten sich die ver­schlungenen Arme: Japan lieh Truppen landen, so das; die Provinz Schandung heute einem ja­panischen Heerlager gleicht.

Lschangtsolin war geschlagen Schon wurde aus dem fernen Osten gemeldet, bah er im Begriff sei, die ehemalige Hauptstadt zu räumen, um sich nach der Mandschurei zurückzuziehen. So­fort muhten wir aus Tokio hören, dass Japan keine Kämpfe in der Mandschurei z u l a s s e n werde. Lschangtsolin hatte nach der Strahenschlächtcrei in Tsinansu den Marschällen Feng und Tfchiangkaischek angeboten, ihre ge­samte militärische Kraft für die Verteidigung SchantungS einzufehen. Ob Japan diese Drohung ernst genommen hat oder nicht, jedenfalls hat es bte diplomatischen und finanziellen Minen in Peking springen lassen. Lschangtsolin. der gestern allein auf weiter Flur stand, dessen Truppen auSeinanderliesen, bekam mit einemmal wieder Rückgrat. Er konnte die Schangsitruvpen schlagen, er konnte Feng zurückdrängen. Hub nun sollen auf beiden Seiten zweimal 100 000 QRann versammelt fein, um über das Schick- s a l Pekings zu würfeln.

Japan hat allen Marschällen mitteilen lassen, ssah Schantung als Kriegsschauplatz aus- scheide, waS aus dem Militärischen ins Poli­tische übersetzt bedeutet, dah Japan s i ch s e i n e s Besitzes sicher fühlt. Selbst der Einspruch der Bereinigten Staaten muh durch die Ereignisse überholt sein, während von einem englischen Einspruch überhaupt nicht die Rede war. Es kennzeichnet die Lage, dah ausgerechnet Tschitscherin dieser Lage in Moskau die Vertreter der Sowjetpresse zu sich berief, um ihnen zu erklären, dah Rußland das Eingreifen Japans und anderer Großmächte in China nicht billige. Das klingt fast wie ein schlechter Scherz, denn gerade Moskau hat so gründlich in die chinesischen Wirren eingegriffen, dah schon mehr

als eine eiserne Stirn dazu gehört, sich über die Eingriffe anderer Grohmächte zu entrüsten.

Es ist möglich, daß TIchang.so.in Peting oer» leidigen und hallen kann. Aber der Bürgerkrieg wird dann nur wieder einmal für einige Zeit in sich verblu en, bis die Marschälle wieder Gell) au't e lei, um Truppen für neue Feldzüge und En.icheidungsich!achten zu sammeln. Dah die Festsetzung Japans in Schantung bas chinesische Volk auswüh.t, dah cS Kräfte für den Wider­stand in Form des yeiujd.agen Verruss mobil macht, daS alle« kann zutreffen, aber diese Kraft wird nicht ausreichen, um Japan die Deute zu entreissen. Indem Japan nach Schantung ging, öffnete es für feine schnellwüchsige Be­völkerung ein Ventil. Wenn heute 10 000 Ja­paner in Schantung find, so werden es bald 20 000 und 100 000 sein. Der chinesische Bürger­krieg wirb von ben Marschällen trotzdem weiter- geführt werden. Das Sturmzentrum um Peking kann sich auch wieder nach Süden verschieben, wo allerdings gröhe.e Reibungsflächen vor­handen sind als im Rorden.

Japanischer Vormarsch in der Mandsckiurei.

Tokio, 30. 2fial. (IU.) «in Ueberfall mandschurischer Banditen auf eine japa­nische Grenzwache in ÜDtca, die in Stärke von einem Leutnant und 20 mann nachdcrmand- j d) u r e l verschleppt worben sind, hat ernste Folgen gezeiiigi. Japanische Truppen sind auf brei­ter Front von Korea aus in die mandschurei eingerückt. Die chinesifchen Behörden in der mandschurei erbaten sich, die Freilassung der ver­schleppten japanischen Soldaten zu bewerkstelligen. Sie baten aber dafür um die Aushebung des über ihr Gebiet verhängten Belagerungszustan­des. Die Japaner gaben daraufhin einen ablehnen­den Besd)elb Ivie verlautet, sollen die mandschuri­schen Banditen, hinter denen man In der IHanb- schurei lebende koreanische 3 reif djärUr

vermutet, den Offizier der gefangengenommenen ja­panischen Grenzwache ermordet haben. Jn allen Städten der mandschurei hat der japanische Vor­marsch grösste Erregung hervorgerusen. Die Japaner verhängten über mufben und andere Städte den Kriegszustand.

Rußlands Mobilmachung 1914.

Sin interessanter Beitrag zur Kricgdschttldsrage.

Paris. 30. Mai. (WB.) Bekanntlich hat baS 3uftiAminifterium durch ein Dekret dem pazi­fistischen Schriftsteller George Demartlnal das Tragen der Ehrenlegion für fünf Jahre verboten. Armand Charpentier beschäf­tigt sich nun in dem Mittagsblatt .La Rumeur" mit dieser Angel genheit und schreibt .Weshalb diese Strenge? Lediglich weilDemartino! schreibt, dass Russland dadurch, dass eS am 30. Juni 1914 die allgemeine Mobilmachung angeord­net habe, den Krieg entfesselt habe. Der französische Botschafter in Petersburg vom Jahre 1914. Paläologue, hat nun aber in seinem Buch. .La Russic des Tzars" aus Seite 391 tatsächlich erzählt, dass Minister 6 a- fanoff am 30. 3ufi 1914 um 4 Uhr den Zaren gezwungen hat, den Mobilmachungs­befehl zu unterzeichnen. .Rikolcms, der wohl wusste," so schreibt Paläologue, .dass diese Mobilmachung die Mobilmachung des franzö­sischen Heeres nach sich ziehen würde und es dadurch zur Entfesselung deS Welt­krieges kommen muhte, hat mit Tränen in den Augen unterzeichnet und ausgerufen: .Denkt an die Derantvortung, die auf mich zu nehmen Ihr mir anraict. Denkt daran, dass es sich darum handelt, Millionen und Aber- mitlionen Menschen in den Tod zu jagen." .Kann man jetzt." so schreibt Charpentier, .auch Pauologue von der Liste der mit der Ehren­legion ausgezeichneten Personen streichen? Das wäre doch spassig."

Dor Bildung der Reichsregierung.

Don unserer Berliner Redaktion.

Berlin, 31. Mai. Danz langsam kommen die Besprechungen über die Reubildung der Regie­rung jetzt hoch ins richtige Fahrwasser; insofern wenigstens, als die recht voreilige bürgerliche Linke eingrsehen hat, dass sie mit ihrem Heber­et fer mehr schadet a l s nützt und infolge­dessen auch schweigsam geworden ist, um abzu­warten. was die Gegenseite tut. Die Gegen­seite, das sind in diesem Falle die Sozial­demokraten, die ja parlamentarisch gesehen die Sieger der Wahlschlacht waren und deshalb die Verantwortung für die weitere Entwicklung zu tragen haben. Sie müssen sich entscheiden, ob sie die Regierungsbildung übernehmen wollen, sie müssen versuchen, nach ihren Mitteln eine Mehih.it zustandezubring n. die übrigen Parteien haben vorderhand keine andere Ausgabe, als ab^utoarten, wie die Dinge innerhalb der Sozialdemokratie gehen und welche Schritte von dorther erfolgen.

Gerade die fanatischen Anhänger der Grossen Koalition sollten doch nicht vergessen, dass in den letzten Jahren immer die Sozialdemokraten es gewesen sind, die sich der Teilnahme an der Regierung versagt haben. Weshalb? Letzten Endes doch deshalb, weil es ihnen unbequem war. Massregeln vertreten zu muffen, die sich politisch für eine Regierungspartei als unum­gänglich erweisen, die aber bei den Wählern nicht populär erschieiurn. Ob es diesmal anders geht, müssen wir abwarten. Die sozial­demokratischen Führer sehen ein. dass sie mit ihren über 150 Mandaten nicht weiter im Schmollwinkel sitzen und Opportunitätspolitik treiben können, sie sind bereit, sich auf die Re- gierun gsbank zu setzen, nm dm Nachweis zu er­bringen, inwieweit sie es wirklich besser machen können als die anderen.

Aber sie sind ihrer Fraktion keineswegs sicher. Sie wissen, dass der Zuwachs von 25 Mandaten nach der radikalen Seite hin geschlagen ist, und gerade aus Sachsen ist frifdbeS Blut ge­kommen, das sich von den Kommunisten mir durch ganz geringe Farbtönung unterscheidet. Diese Sachsengänger wollen vielleicht über eine Ver­bindung mit dem Zentrum und den Demokraten mit sich reden lasten, die Deutsche Volkspartei aber ist ihnen der leibhastige Teufel. Sie würden sich gerne mit den Kommunisten liie­ren. Dazu fehlen ihnen aber die Voraussetzungen einer Mehrheit. Was sie also positiv wollen, wissen sie selbst nicht. Sie wissen nur negativ, dass sie gegen die Grosse Koalition sind, und es wird sich jetzt- zeigen müffen, wie gross ihre Stärke innerhalb der Parteiorgani­sation ist. Sie verlangen die Entscheidung eines auherordentlichen Parteitages.

Die Fraktionsvorslhetrden allerdings glauben sich sicher genug, um trotz dieses Widerspruches ihren Willen durchzusetzem Behalten sie mit ihrer Auffassung recht, erst dann kann an die Frage herangegangen toerben, ob der Gedank der Grossen Koalition praktisch realisierbar ist.

Wieder wird es sich dabei darum handeln, ob die Sozialdemokraten sozialistische Politck machen oder im wesentlichen die Linie der Mitte fortsetzen wollen. Die Parteien der Mitte können deshalb gar nicht anders taktieren, als dass sie die Einladung der Sozialdenwkratie a b to a r t en. Es wäre aber töricht, wenn sie inzwischen den Daumen drehen. Es ist sogar wohl anzunehmen, dass sie sich auf diese Wendung vorbereiten und alle Vorkehrungen treffen, um nachher nicht als einzelne Gruppen der Sozialdemo- Iratie gegenüberzustehen, sondern a l s eine g e- schloss ene Einheit, die sich über ihre For­derungen im klaren ist, mit den Sozialdemokra­ten verhandeln. Reue Richtlinien aufzustellen, davon können die Erfahrungen der Dergangen- cheit abfchrecken, in das Prokrustesbett lässt sich alles hineinzwängen. Aber die entscheidende Frage muh von den Sozialdemokraten beant­wortet werden, welchen Kurs sie steuern wollen. Wenn sie darauf abkommen, dass die bürgerlichen Parteien nur ein Feigenblatt am sozialdemokratischen Regierungsshstem sein sollen, dann wird trotz aller Bemühungen aus der Grossen Koalition nichts werden.

Ein Block der Mitte.

Vereinigung der liberalen Parteien oder liberale Arbeitsgemeinschaft?

Eigener Drahtbericht desGiessener Anzeigers^.

Berlin, 31. Mai. In einem Teil der Presse konnte man seit Bekanntwerden der Wahlresul­tate unter verschiedenen Gesichtspunkten bas Motiv ab gewandelt sehen, wie sich wohl im künf­tigen Reichstage eine engere Verbindung der .liberalen" Parteien, also der Deutschen Dolkspartei und der Demo­kraten, anbahnen liesse. Das Thema wird jetzt wieder glcichzeitrg von der Kölnischen Zeitung, dem Hamburger 5remben6[att und der Rational­liberalen Korrespondenz behandelt. Beide grossen Blätter plädieren für eine Vereinigung, um in der Mitte des Parlaments einen festen Block zu schaffen, der zentripetale Tendenzen auslösen unb den Wittelparteien das durch die Wahlresultate und die ausserordentliche Stär­kung der linken Flügelparteien beeinträchtigte Schwergewicht zurückzugeben. Dabei ist die .Köl­nische Zeitung" offenbar für eine einfache Ver­einigung. während das .Hamburger Frem­denblatt" Bedenken gegen eine z u enge Bindung zu haben scheint und nur von einer .engeren Fühlung" spricht. Die parteioffiziöse Rationalliberale Korrespondenz stellt ihrerseits fest, dah ein von einem Berliner Mittagsblatt behaupteter Wunsch nach Bildung einer Ar­beitsgemeinschaft zwischen beiden Par­teien. etwa nach dem Muster der zwischen Zen­trum unb Bayerischer Dolkspartei beftefcenben jedenfalls nicht von der Volkspartei ausgehe, sondern zuerst in der demokratischen Presse geäußert worden f«, es j« von

fetten der Volkspartei zu einer solchen Frage auch schon deshalb bisher keine Stellung ge­nommen worden, well die Fraktionell noch nicht zusammengetreten sind.

Von der Parteibureaukratie auf beiden Seiten wird daS Bestehen solcher Bestrebungen vvr- läuflg In Abrede gestellt. Da» ist ganz begreiflich, denn um irgendwelche konkreten Tat­sachen handelt eS sich ja vorläufig noch nicht. Aber dass z. B. Theodor Wolff, dessen Stel­lungnahme bei der Gründung der Dentokratlschen Partei nach dem llmsturz einen erheblichen Ein­fluss auf den damaligen Zerfall deS Liberalismus in zwei Parteien ausgeübt hatte, in seiner letzten Betrachtung einem engen Zusammengehen ober einer Bereinigung dieser Parteien daS Wort redet, und dass führende Blätter auf bet andern Seite, wie oben angegeben, diesen Gedanken- gang von sich auS propagieren, lässt doch Schlisse auf die Ansicht mindesten» in einem Teil der Politiker beider Parteien zu. die eine aufmerk­same Verfolgung dieser Entwicklung notwendig machen.

Natürlich gibt es in dieser Fraae wie in allen übrigen ein Für und Wider. 'Aus demokratischer Seite wird von einem Zusammenschluss ober a ch nur von einer 'Arbeitsgemeinschaft, wie sie ,a h e sogenannte Liberale Vereinigung seit I. lj» ren anstrebt, eine Abwanderung der iinksdemokrati- schen Elemente zur Sozialdemokratie befurchtet. Bei der Dolkspartei rechnet man ebenso mit dem Weg­fall einiger wirtschaftlich rechtsgerichteter schw r- IndustrieUer Kreise. Aoer man glaubt, dass das Feh­len eines Kampfes in der Mitte de» liberalen Bür» iiertums zugleich eine verstärkte Anziehungskraft die- er Volksgruppe bedeuten würde, dass dabei die Lil» ung von Splitterparteien unwahrscheinlicher gc- macht und künftige Regierungsbildungen erieichte t würden. (Eine solche vorläufig auf 70 Mandate, in Zukunft voraussichtlich eben durch ihre Anziehungs­kraft vielleicht auf 80 bis 100 Köpfe anwachfende Partei würde nach diesen Gedankengängen als min­destens gleichwertiger Äomparent nicht nur dem Zentrum, sondern auch den beiden grossen Flugei­parteien gegenüberfteben unb die Entscheidung über den Regterungskurs in der Hand halten. Diesen Kreisen in beiden Lagern des Liberalismus scheint der Zeitpunkt, wo diese Frage einer 'Bereinigung ober mindestens einer Arbeltsgemelnswast der Milte behandelt werden muss mag auch die Lösung heute unb morgen noch nicht gefunden werden grabe durch die gemeinsamen Verluste des liberalen Bürgertums nähergerückt zu fein.

Oie Bauernparteien im Reichstag.

Eine Fusion unwahrscheinlich.

(Eigener Drahtbericht desGiessener Anzeigers^.

Berlin, 31. Mai. Mit besonderem Inter­esse werden selbstverständlich in diesen Tagen all die Meldurrgen aufgenommen, die von Ar­beitsgemeinschaften und Fusionierungen der Par­teien wissen wollen. Rach der relasiv radikalen Veränderung der politischen Lage durch die Wahlen müssen natürlich Darteifusionierungen irgendwelcher Art zustandegebracht werden, wollen vor allem solche Parteien, die nicht fraktivnSberechtigt sind, eine gewisse Geltung im Parlament erreichen. Dah sich da­bei das öffentliche Interesse besonders lebhaft den Gruppierungen der Bauern im Reichstag Autoenben würde, war vorauSzusehen. Airs ble­iern Grunde hat sich auch die Kombinasionslust recht schnell diesem Probleme zugewandt und schon hin nach der Wahl schwirrten die wider­sprechendsten Gerüchte in der Lust. Alle diese Gerüchte sind jedoch blosse Kombinationen. Sv sensationell es wäre, wenn sich die Bauern- gruppen von den Deutschnationalen trennen wür­den, um eine ges chlossene Bauern­partei im neuen Reichstag zu bilden, unb damit über 23 Sitze zu verfügen, so aussichtslos ist es doch wiederum, die verschiedenen Bauern- gruppen unter einenHut zu bringen, zumal sie sich im Lause der Zeit politisch so stark aus­einandergelebt haben, dass man wohl mit Recht von Oppositionsgruppen innerhalb der Bauern sprechen kann, lins wird somit auch von zuständiger Seite der Dauerngruppen erklärt, dass biS heute keinerlei Verhandlungen in der Richtung einer Fusion eingeleitet worden wären, dass es aber auch niemals zu einer solchen Ver­bindung kommen formte, da sich namentlich die grössten Gruppen der Bauernpartei für ein ge­trenntes Marschieren von vornherein ent­schlossen hätten.

Beginn der Verhandlungen über die Regierungsbildung.

Berlin, 30. Mai. (Priv.-Tel.) Der Reichs­präsident von Hindenburg wirb, dem Vorwärts" zufolge, Im Laufedes morgigen Tages dem Brauch bes parlamentarischen Systems entsprechend, als ersten den Reichstagspräsi- dentenLaebe empfangen unb sich von ihm über die politische Lage, wie sie durch den Dahlaussall entstanden ist, berichten lassen. Mit dem Empfang des Reichstagspräfidenten durch den Reichspräsiden­ten werden die offiziellen Verhandlun­gen über die Bildung der neuen Regierung er­öffnet, ohne dass ihnen bisher inoffizielle Berhand- langen vor ausgegangen wären.