Einzelbild herunterladen

Samstag, 3. Mär; 1928

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Rr. 78 viertes Blatt

die Welt lacht mit ihnen.

Geschichten aus aller Welt

Trotz österreichisch-italienischer und ungarisch- ranzösischer Spannung, trotz Investigation, Be- setzungsstrett, ja trotz des Skandals in der Dow- ningstreet, zerbricht man sich in England über den Mann den Kopf, der sich einfallen läßt, einen Hund zu beißen. Glückliches Großbri­tannien!

Die Reiseliquidation des Herrn Bloem.

(r) Amsterdam.

Reichsversicherungsordnung mehr als bisher zur Geltung kommen müssen. Hier liegen eine Reihe von Aufgaben für die Haussrauenverbände. Diese

Ich bitte Sie," so heißt es in dem Brief, künftighin diesen Weg benutzen zu wollen. Ich habe mir außerdem erlaubt, für die Herrschaften zur ungestörten Erledigung Ihrer Gespräche und Unterredungen einen kleinen, intimen Salon ein­zurichten."

Auf die Bühne allerdings dürfen dieKunst­liebhaber" nicht mehr hinauf. Aber daraus wer­den sie sich wohl nicht mehr viel machen, nach­dem man ihnen sogar den kaiserlichen Schleich­weg und einen .intimen" Salon zur Verfügung

Wirtschaft.

Wochenbericht

vom Frankfurter Effektenmarkt.

In dieser Woche macht« die Beruhigung der Stimmung und die Besserung der all­gemeinen Börsensituation weitere Fort­schritte, und auf den meisten Marktgebieten konnten sich neue Kurserhöhungen durch­setzen. Diese Tatsache ist um so bemerkenswerter, als die äußeren Umstände im allgemeinen noch keineswegs günstiger geworden sind. Weiterhin verhielt sich das private Publikum fast vollkommen passiv, da die verschiedenen Pfandbriefemisfionen die von dieser Seite frei werdenden Geldmittel immer noch zum großen Teil absorbieren. Die Umsahtätigleit war daher wieder gering und beschränkte sich im wesent­lichen auf die Kulisse, die verschiedentlich etwas größere Unternehmungslust an den Tag legte. Unterstützt wurde sie darin durch die Teilnahme des Auslandes, das namentlich auf dem Elektromarkt als Käufer ausge­treten sein soll. Allgemein befriedigend wirkte der verhältnismäßig reibungslose Verlauf drr Ultimoliquidation. Die Befürchtungen hinsicht­lich seiner Ueberwindung waren allerdings schon in der vergangenen Woche ziemlich verschwunden in Anbetracht der umfangreichen Vorbereitungen am Geldmarkt. Tatsächlich trat am Lage der Prämienerklärung nur am Tagesgeldma t eine etwas verstärkte Rachfrage ein. Bereits am nächsten Tage konnte der Satz wieder auf 6 Prozent ermäßigt werden, um allerdings dann wieder auf 7 Prozent zu steigen. Einige Sorge bereitete der Börse der Geldbedarf der Reichspost, die die Auflegung einer Anleihe von 150 Millionen plane. Die in nur beschränk­tem Maße herauskommende Prämienware wurde ziemlich glatt ausgenommen, da offenbar noch einige Baissepositivnen abgedeckt werden mußten. Etwas verstimmend wirkten die Mitteilungen des Rheinischwestfälischen Kohlen- shndikates über einen Absayrückgang. Demgegenüber verwies man jedoch aus die säst unveränderte Ruhrrohlenförderung und dabei be­sonders auf die Tatsache, daß in der vergangenen Woche keinerlei Feierschichten wegen Absah- mangels eingelegt werden muhten. Günstig auf­genommen wurde der letzte Wirtschaftsbericht der Deutschen Bank, ferner die weitere mäßige Entlastung der Reichsbank nach dem Ausweis per 23. März. Eine stärkere Anregung ging von ! dem Abschluß der750000-Pfund-Anleihe der Metallbank aus, was als Beweis da­für betrachtet wurde, daß man mit Recht mit dem Wiederingangkommen der Auslandanleihen gerechnet hatte, zumal auch Reichsfinanzminister Köhler im Reichstag die Erklärung abgegeben hat, daß die Prüfungsarbeiten der Beratungs­stelle über den Anleihebedarf der Kommunen in kurzem abgeschlossen sein werden. Außerdem be­friedigte es, daß der Lohnkonflikt bei der Reichs­bahn als beigelegt betrachtet werden farm. Di« | Hauptanregung ging jedoch diesmal wieder von der starken Rachsrage nach Spezialwerten aus. So waren Metallbank und Metallgesellschaft auf den Anleiheabschluh stark verlangt und Z bzw. 6 Prozent höher. Lebhafteres Interesse machte sich ferner in erster Linie, wie schon er­wähnt, auf Auslandkäufe, für Elektro­werte, bemerkbar. Licht & Kraft, Gesfüvel,

Kranlenversicherungspflicht vorübergehender Dienstleistungen.

gestellt hat. n

Die grauen Gespenster Richelieus, langst ver­storbener Minister, Gesandte und Könige lachen ' ins Fäustchen. Die Operabonnenten lachen ins Fäustchen, Paris lacht, Rouche lacht.

muß das Mitglied der Ortskrankenkasse dies ganz aus eigener Tasche bezahlen, wenn nicht die Kassensatzung bestimmt, daß die Kasse freiwillig einen Anteil davon übernimmt. Das Umge­kehrte müßte aber Platz greifen. Es ist also durchaus möglich, die ganz kleinen Fälle mehr als bisher der Selbstverantwortung des einzelnen zu überlassen. Wer die Verhältnisse bei Haus­angestellten kennt, weiß, daß gerade dort die Kasse am allerwenigsten für solche ganz keinen Fälle in Anspruch genommen wird. Ein Wegfall der jetzigen Bestimmungen würde nicht nur eine übermäßige Inanspruchnahme der Aerzte und die Verordnung überflüssiger Heil­mittel verhindern, er würde auch die viel wich­tigere Folge haben, daß ungefähr die Hälfte der Derwaltungskosten gespart werden könnte.

Da ein großer Teil der Hausgehilfinnen mo­natlichen Lohn bekommt, so ist es bei kür­zeren Krankheiten nicht notwendig, schon nach den ersten drei Tagen Krankengeld au erhalten. Das ist etwas anderes beim Handarbeiter, dessen Lohnanspruch mit dem Tage der Krankheit oder der Stunde des Einfalles aufhört. Es braucht nicht weiter ausgeführt zu werden, daß auch durch diese Bestimmung wesentliche Ersparnisse erreicht werden können.

Schließlich ist ähnlich wie bei der Erwerbs­losenfürsorge darauf hinzuweisen, daß die be­rufsständischen Bedürfnisse in der

turereigniffe sind auch versicherungsfrei, wenn sie nicht länger als drei Tage dauern. In Zweifelsfällen, die gerade bei Prüfung dieser Frage auftauchen, müssen die Krankenkassen oder die Spruchbehörden entscheiden.

Hauswirlschafi und soziale Lasten

Don vielen Hausfrauen werden die sozialen Beiträge für die Hausgehilfinnen als sehr hoch empfunden. Das trifft tatsächlich auch zu. Die Krankenkassenbeiträge sind im all­gemeinen in den letzten Jahren gestiegen. Sie haben für die Hausgehilfinnen teilweise verhält» nismäßig noch mehr angenommen. Dazu kommt, daß durch das Gesetz über Arbeitslosenversiche­rung die Bestimmung gefallen ist, wonach Haus­gehilfinnen von den Beiträgen zur Arbeitslofen- unlerstühung befreit werden konnten. Rach den jetzigen gesetzlichen Bestimmungen sind auch die Hausgehilfinnen bei der Arbeitslosen­versicherung zwangsversichert. All diese Vorgänge haben in unseren Hausfrauen­kreisen ein schmerzliches Scho empfunden, ver­schärfend wirkt, daß vielfach nicht nur der gesetz­liche Anteil, sondern die gesamten Kosten von der Hausfrau übernommen find. Diese sozialen Ausgaben treffen die Familien des Beamtentums, des mittleren und kleineren Mittelstandes be- vnders hart. Diese Schichten sind zum Teil gezwungen, sich Hilfskräfte zu halten. Es handelt ich hier nicht um Luxus- und Bequernlichkeits- ragen, sondern bei vielen Geschäftsleuten, bei Kranken und alten Leuten, bei kinderreichen Fa­milien u. a. m. ist eine unbedingte Notwendigkeit für eine Hilfe im Haushalt vorhanden. Dazu kommen die vielen Haushaltungen, die deshalb aus eine Hausangestellte angewiesen sind, weil mit den physischen Kräften der Hausfrau und Mutter in den letzten Jahren Raubbau getrieben

wurde. r r ra

Run wird niemand etwas gegen soziale Bei^ . träge sagen, die gerecht sind und denen auch entsprechende Leistungen gegenü&er- stehen. Gerade aber unter diesem Gesichtspunkt I Wird die heutige soziale Belastung der Haus­frauen als ungerecht bezeichnet werden müssen. Bleiben wir einmal bei den Beiträgen zur Er­werbslosenversicherung, dann steht fest, daß ge­rade die Hausgehilfinnen wenig Veranlassung haben, über Erwerbslosigkeit zu klagen. Sie bilden tatsächlich nichts anderes als eine Ver­besserung des Risikenausgleiches in der gesarn- I len Erwerbslosenversicherung. Aber auch bei den Krankenkassenbeiträgen muß festgestellt werden, daß die stärkste Belastung, die die Ortskranken­kassen haben, nicht auf die Hausangestellten zurückzuführen ist. Die Verpflegung im Kranken­haus wird von allen Hausangestellten am wenig­sten in Anspruch genommen. Hier sind, wenn man I die jährlichen Gebührensummen zusammenrechnet, die Kosten der anderen Volksschichten wesentlich höher. So entsteht dann die Frage, ob und wo kann eine gesetzliche Regelung gefunden werden, um die sozialen Beiträge der Hausgehilfinnen auf das gerechte Maß zurückzuschrau- b e n. Das ist möglich, sobald man sich frei madrt von dem in 6er deutschen Sozialpolitik immer noch vvcherrschenden Schematismus sozialistischer Ruf- I fassung und anstelle dessen stärker als btther die in den einzelnen Berufen vorhandenen Rot- Wendigkeiten und Verhältnisse berücksichtigt.

Beginnen wir bei der Arbeitslosen Ver­sicherung. Als seinerzeit das Gesetz über Arbeitslosenversicherung geschaffen wurde, ist von deutschoolkspartellicher, aber auch von deutschnationaler Seite vielfach der Gedanke er­örtert worden, sogenannte Ersatz lassen zu schaffen. Diese Vorschläge haben sich auch zu Anträgen verdichtet, die aber nicht durchkamen? weil von den damaligen Regierungsparteien das I Zentrum opponierte, und weil außerdem die I Sozialdemokratie die Schaffung von Erfatzkassen aufs schärfste bekämpfte. Wären solche Grsatz- taffen «schaffen worden, dann hätte man Dabei auch die Hausgehilfinnen besonders berücksichtigen können. In demselben Augenblick aber wurden die Hausgehilfinnen nicht als Risilenausgleich für die gesamte Erwerbslosenversicherung gedient haben, sondern die Beiträge hätten niedriger angesetzt werden können.

Ebenso liegen für die Krankenversiche­rung durchaus Ersparnismöglichkeiten vor Die stärkste Belastung für Hausangestellte zeigt sich in den Großstädten, die wie Berlin und andere heute Mammutortskronkenlassen aufweifen mit 100 000, 200 000, ja 300 000 oder mehr Mit­gliedern. Die großen Ortskrankenkassen sind aber, eben weil sie so groß sind, auf Grund der vor- handenen Statistik außerordentlich teuer. Sv ergibt sich nach einer Statistik des Haupt­verbandes deutscher Krankenlasfen, daß der durchschnittliche Mitgliedsbeitrag bei eurer Kran­kenkasse bis zu 3000 Mitgliedern 59,51 Mark beträgt, daß er aber bei Krankenkassen bis zu 200 000 Mitgliedern auf 89,56 Mark unb bei Kassen bis zu 400 000 Mitgliedern auf 91,79 Mark pro Kopf steigt. Diese Kassen haben eben hohe Derwaltungskosten, weck sie auch mehr Kontroll- und sonstige Vorschriften schaffen I müssen. Würde man Ortskrankenkassen an eine bestimmte Mitgliederzahl binden und für größere Orte die Gründung von 2. und 3. Kassen ver­langen, dann würden die Verwaltungskosten so- fort herabgesetzt werden Eine solche Be­stimmung hat noch einen weiteren Vorteil Sie bewirkt einen gesunden Wettbewerb der Kaffen untereinander. Dabei mühte den Versicherungs- Pflichtigen das Recht der Wahl unter den verschiedenen Kasten des betreffenden Ortes oifen- gdaffcn werden. Beides würde zu geringeren Beiträgen, resp. zu größeren Leistungen der Kassen führen.

Es gibt nun eine weitere Reihe von Derbesse- runasvorschlügen, durch die die heutigen Kran- kenkafsenbeittäge ohne Rachtell des sozialen Zwecks herabgesetzt werden können. Dazu gehört Zahlung des Krankengeldes nur für jeden Ar­beitstag, Aufhebung der Kaffenbestimmung, wo­nach die Kasse die Wartezeit der ersten drei Tage abkürzen bzw. aufheben kann. Außerdem würde eine Bestimmung, die der Kasse die Berech­tigung gibt, durch die Satzung die Wartezeit bis aum Bezug des Krankengeldes auch über drei Tage hinaus auszudehnen für fol<$e: Olhtglicber, die während der Krankheit Anspruch auf Aort- zahlung von Lohn oder Gehalt haben, wesentliche Verbilligungen zur Folge haben-

Ein großer Teil der aufgebrachten Mittel der Krankenkasten wird für Heine der Unpäß­lichkeit und ähnliche Krankheitsfälle verwendet, während umgekehrt die großen Heilmittel bei schweren Krankheitsfällen unter Umstanden von den Krankenkassen a b g e l e h n t werden konnew Verschreibt also der Arzt ein Heckmittel, das 50 Pf. kostet, dann muh die Kaste zahlen, ver­ordnet er ein Heilmittel von 50 Mark, dann

die jedoch angesichts der langen Reisedauer und der auf ihr verzeichneten kostspieligen Fahrpreise I für Eisenbahn und Auto einigermahen erklärlich waren, sondern auch einen schonungslosen Be­richt über die Zustände in Semarang, für die niemand anders als Herr Lokhorst zur Rechen­schaft zu ziehen sei. Die Behörde zahlte Herrn Bloem die liquidierten Reisefpesen aus und rich­tete an Van Lokhorst die geharnischte Aufforde­rung, sich wegen der von Bloem an feiner I Amtsführung gemachten Ausstellungen umgehend zu verantworten.

DieseVerantwortung" fiel leider ganz, ganz anders aus, als es sich Herr Bloem und seine Behörde wahrscheinlich gedacht hatten. Mijnheer Van Lokhorst erzählte in seinem Antwortschrei­ben rücksichtslos von d«i herrlichen, durch keiner- lei amtliche Tätigkeit beeinträchtigten Freuden, die Herr Bloem als sein Gast genossen habe. Man dachte an die Liquidation, machte eine Rückfrage und ging den Angaben Dan Lokhorsts I nach. Der Ressortchef Bloem hat jetzt, bis zum Ausgang des gegen ihn eröffneten Verfahrens wegen Betrugs am Staate, Muhe genug, darüber nachzudenken, dah auch auf Java Un­treue ihren eigenen Herrn schlägt, und wer an­deren eine Grube gräbt, selbst hineinzuplurnpsen Pflegt.

Die Geheimtür der Großen Oper.

() Paris.

Paris hätte beinahe wieder eine Rovvlution erlebt. In derOpera", bekanntlich einem der altehrwürdigsten Institute der Kulturwelt.

Denn in derOpera" gibt es eine kleine, nur Eingeweihten bekannte Tür, die aus dem Publi­kumsraum Zugang zur Bühne, zu den Kulissen, zumfoyer de la danse" und zu den Anlleioe- räumen der Künstler und, was bei dieser Ge- | schichte allein ins Gewicht fällt, der Künst­lerinnen gewährt.

Schon Richelieu hatte versucht, dieselbe Tur in der Vorgängerin der heute bestehenden Oper schließen zu lassen, Kardinäle und Könige nach ihm hatten denselben Versuch unternommen. Und sie wurde auch wiederholt geschlossen, aber immer nur für einige Tage, denn Paris, das Paris der Oper-Habitues, die eine kleine Macht im Staate vorstellen, wünschte Zugang zu dem ge­heimen Weg hinter die Kulissen und ließ sich diese zwangsweise Aussperrung njcht gefallen. Es fanden Verschwörungen statt, Minister ver­loren dieser Türe wegen ihre Posten, und sie ward wieder geöffnet Zur Zeit der Romantik ging durch sie das ganze diplomatische Korps ein und aus zu den Räumen, in denen die Sterne von Ballett und Oper funkelten, und vom Fir­mament soll man bekanntlich niemanden aus- schliehen. , A

Der heutige Leiter der Pariser Oper. Herr Jacques R o u d> 6 , glaubte, mächtiger zu fein als alle seine Vorgänger. Er beschloß und schloß. In den Foyers steckte man erregt die Köpfe zusammen. In den Restaurants begann ein gefährliches Murren, in den Klubs erhob sich dunkles Drohen: Rouchs fühlte feinem ge­plagten Direktorhaupte eine gewitterschwangere Wolke nahen, sein Direktionssessel schwankte unter ihm, und siehe da: er öffnete die Tür wieder.

Das heißt, er rettete sich auf ehrenvolle Weife. Jeder Abonnent der Oper erhielt dieser Tage ein zuvorkommendes Schreiben, in dem Rouchö sich diehöfliche Mitteilung gestattet", daß er einen neuen, noch sichereren Weg geöffnet habe, nämlich den allen, ganz geheimen der soge­nanntenPassage de lEmpercur* (Ha! also auch die Rapoleone?!)

Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Die Eva von Virginia.

(a) Reuhvrk.

Die Universität von Virginia kämpft, wie man weiß, einen harten Kampf gegen die Invasion weiblicher Hörer, und, wenn es nach den Wün­schen der gegenwärtigen männlichen studentischen Vertreter ginge, so wäre das, was diese. zum Schuh gegen Frauen täten, mit dem ungarischen Numerus clausus gar nicht zu vergleichen. Die Studenten von Virginia sehen in der Frau eine Gefahr, und sie haben hierbei unerwartet von berufener Seite" Unterstützung gefunden. Der Professor M.D.Oshea von der Universllät von Wisconsin in Madison hat die Oststaaten der Union bereist, um die Dortigen Universitäten und Hochschulen hinsichtlich der in ihnen herr­schenden Moralbegriffe zu untersuchen. Sein Urteil über die Universität von Virginia ist geeignet, die gesamte Weiblichkeit der Ver­einigten Staaten, soweit sie noch emen_ Funken von Ehrgefühl im Leibe hat, aufs höchste zu empören. Professor Oshea erHärte nämlich über die Universllät von Virginia:Die Moral auf dieser Universität steht denkbar hoch. Die Be­griffe Lügen, Betrügen und Stehlen sind den jungen Leuten dieser Weisheitsanstalt fremd. DaS ist aber erklärlich, denn Virginia ist eine männliche Universität, zu der Frauen keinen Zutritt haben.What do women do to men! (Zu was sind doch Frauen imstande!) 3n Amerika herrscht bei Der Damenwelt die Mode Der langen Rägel, und es ist ein Glück, daß die Augen Professor Osheas durch dicke Brillen­gläser geschützt sind.

Der Man«, der den Hnnd beißt...

(f) London.

lieber die Frage, wie eine Zeitung gelesen werden muh, und über die, was eine Rachricht ist, tobt gegenwärtig im ganzen vereinigten Königreich ein lebhafter Streit. Angefacht wurde er durch das seltsame Testament eines Mr. Fred Hanse, seines Zeichens Großgrundbesitzer, der der Universität von Oxford 10 000 Pfund Ster­ling vermachte, mit dem Ersuchen, deren Zinsen jährlich dem zukommen zu lassen, der den Beweis I erbringt, daß er eine Zeitung verstan­desgemäß lesen könne. Man sieht, ein

Ispleen ist eine angelsächsische, keine rein ameri­kanische Angelegenheit. Cs trat also eine beson­dere Prüfungskommission zusammen, der nun Sie

I mehr oder weniger dankbare Aufgabe zufälll, I unter den zahlreichenKandidaten", die sich

I meldeten, den einzig Würdigen auszuwählen.

Im Zusammenhang damit begann nun die er­wähnte Diskussion über den Begriff der Rach- richt, und was da die Blätter der englischen Hauptstadt und der Provinz berichten, mutet zum Teil recht naiv an. ist es wohl auch, tote der Angelsachse überhaupt im Grunde seines Wesens eigentlich naiv ist. Allerdings hat er es mit dieser Raivität ja ziemlich weit gebracht...

Also die Zeitungen erteilen ihren Lesern Rat­schläge. und hierbei wird häufig das Wort eines englischen Journalisten größten Formats zitiert, der da erklärte:Wenn ein Hund einen Mann beißt, so ist das keine Rachricht. Wenn aber ein Mann einen Hund beißt, so ist dies wohl erwähnenswert." Diese Definition trifft aber nicht unbedingt zu. da das Zitat aus dem Munde des berüchtigten Rorthclisfe stammt, und da die Leser gewisser Blätter in England es wohl erfahren hätten, wenn derGroße Lord" selbst von einem Angehörigen der mensUn­freundlichen Vierbeinerrasse gebissen worden wäre... , , ,

Ein Blatt der Arbeiterpartei benutzt den Streit um den Begriff der Rachricht zu folgenden Ausführungen: Man will nicht durch die Zei­tungen erfahren, dah ein Eifenbahnzug die Kvpf- station pünktlich verlassen und ebenso pünktlich sein Ziel erreicht hat. Wohl will man jedoch er­fahren, wenn ein Zug entgleist, mit einem an­deren zusammenstöht, aus diesem oder jenem Grunde seinen Bestimmungsort nicht erreich^ oder wenn der Mann, der den Zug führt, sich weigert, weiter Dienst zu tun, bis er mehr Geld erhält. , r _.

Auch der gute Wells muh herhalten. Em Provinzblatt erklärt: Keiner wird sich besonders dafür interessieren, wenn wir berichteten: Gestern hat Herr Wells ein herzhaftes Frühstück ge­nossen, bann bis Mittag gearbeitet und nach­mittags einen kleinen Spaziergang unternom­men Wohl wird es jedoch interessieren, wenn eine' Fischgräte im Halse von Mr. Wells stecken bleibt und der Doktor zu Hilfe gerufen wird, oder wenn Herr Wells beim Betteten femes Studierzimmers eine Ringelnatter auf seinem Schreibtisch findet, wenn Herr Wells von seinem I Spaziergang nicht wieder zurückkehrt, oder wenn er sich gar dazu entschließt, als Unterhausmit­glied zu kandidieren.

Behände sollten einmal den Gedanken propa­gieren, Ersahkassen genau so wie bei den kaufmännischen Angestellten auch für Haus­gehilfinnen zu schaffen, die nach Lage der Dinge wesentliche Deittagsersparniffe für die Hausfrauen zur Folge haben würden.

All diese Vorschläge, die in ihrer Gesamtheit eine starke Entlastung bedeuten, find zusammen- gefaßt tn einer Entschließung, die die Reichs­tagsabgeordneten Thiel, Dr. Moldenhauer, Dr. Pfeffer und Genossen im Reichstag eingebracht haben und die dem sozialpolitischen Ausschuß sich überwiesen wurde. Die Entschließung selbst ist I sich natürlich zugeschnitten auf eine Revision im | und gesamten Krankenkassenwesen. Es war deshalb notwendig, die Auswirkung dieser Forderungen auch auf die Hauswirtschaft be­sonders ßerauszufchälen. Jedenfalls sieht man bei diesen Vorschlägen, daß es durchaus möglich , a_.,.,. . .

ist, auch unter BerÜ sichtigung des Die Krankenversicherungspflicht nach der Reichs­sozialen Standpunktes ttagbare Er- versicherungsordnung besteht, wenn eine Be- sparnisse zu schaffen. Prakttsche Vorschläge wie schäfttgung, außer bei Lehrlingen, gegen Entgelt die eben gekennzeichneten sind aber jedenfalls erfolgt unb diese Beschäftigung im üorau^ nig)t wirkungsvoller als fruchtlose Krittk, wie man sie als eine vorübergehende anzusehen ist Durch eine sehr oft hören kann, mit der aber ein Erfolg Verordnung vom 17. Rovember 1913 wurde Der nicht erreicht wird. W. F. Begriff Der vorübergehenden Bdchastigung er-

--- I läutert. Danach sind von Der Krankenversiche­rungspflicht befreit Personen, Die keine berufs- mäfjige Lohnarbeit verrichten unD Die nur ge­legentlich als Aushilfen arbeiten; diese ge­legentliche Arbeit darf aber im voraus nicht mehr als eine Woche in Anspruch nehmen. Personen, die berufstätig sind und bei vorübergehender Arbeitslosigkell Aushilfe von nicht länger als drei Tagen leisten, unterliegen auch nicht dem Versicherungszwang. Außerdem bleiben vorüber­gehende Dienstleistungen versicherungsfrei, wenn sie von Personen, Die sonst keine berufsmäßige Lohnarbeit verrichten, zwar in regelmäßiger WieDerkehr, aber nur nebenher und gegen einen geringfügigen Entgelt ausgeführt werden. Als geringfügig gilt Der Lohn, wenn er für den , Lebensunterhalt während des Zeitraums, inner­sten A. I. I. Bloem, Resfortchef im Justiz- halb Dessen die Befchäfttgung in regelmäßiger departement von Java, hat einen hübschen und. Wiederkehr ausgeübt wird, nicht wesentlich ist. wie uns scheint, nicht ganz unverdienten Rein- Die Frage, ob ein Entgelt geringfügig ist. kann fall erlebt, der ihm teuer zu stehen kommen tarnt. nur im Einzelfall unter Vergleichung mit Den Er unternahm vor einiger Zeit eine Inspektions- I üfmgen Einkünften des Beschäftigten und unter reise in die Distrikte Semarang, Soerabaja und Berücksichtigung seiner Lebenshaltung entschieden Djokja und bediente sich dabei bis Semarang werden. Einen gewissen Anhalt, jedoch keine feste der Eisenbahn. Dort blieb er vorläufig 14 Tage Abgrenzung, gibt hierbei der Umstand, ob Der als Gast im Hause seines Untergebenen Dan Lohn ein Drittel Des vom Dersicherungsamt feft- Lokhorst, der ihm zu Ehren festliche Banketts gefetzten Ortslohnes übersteigt.

und herrliche Iagdpartien veranstaltete und ihm Lersicherungsfrei find dann noch Beschäftigun- schließlich, als er feine Dienstreise wieder fort- 6ic ;eman& während eines an sich beftehen- sehen mußte, sein eigenes Automobil für den gen Lohnarbeitsverhältnisses für andere Arbeit- Rest des weiten Weges zur Verfügung stellte. .x nebenher noch ausübt. Diese Leistungen Als Herr Bloem jedoch wieder in Wellevreden, ? , ttnalücksfällen, bei Verheerungen durch Ra-

feinem Amtssitz, ankam, reichte er seiner vor- I 0.....* r-----0<* 1

gesetzten Behörde nicht nur eine Reiseliqui­dation mit enormen Endsummen ein,