Nr. 282 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen) Freitag, 30. November {928
Turnen, Sport und Spiel.
Spielen imTumgauSeffenD.T.
-o- Unter der Leitung des 2. Gauspielwar- teS Heinrich Weisel, Turn- und Sportverein Butzbach, stand dieser Tage eine Versammlung in Gießen, die von Vertretern der Spielabteilungen aus den Gauvereinen, soweit sie an der Handballrunde teilnehmen, zahlreich besucht war. Der Gauwart behandelte in eindringlichen Worten die entscheidende Vedeu- tung. die neben dem spielgerechten Verhalten der kämpfenden Mannschaften insbesondere dem leitenden Schiedsrichter zukommt. Da von ihm letzten Endes nicht nur der sachlich einwandfreie Ablauf des Spieles abhängt, sondern in unlösbarem Zusammenhangs damit auch die Gemütsstimmungen bis hinauf zu leidenschaftlichen Erregungen auf feiten der Spieler in seine Hand gegeben sind, und da schließlich auch der Kreis der Zuschauer gelegentlich von innerer Anteilnahme zu lauten Äußerungen schiedsrichterlicher Mitwirkung mitgerissen wird, sind an den Schiedsrichter höchste Anforderungen in bezug auf sachliche und persönliche Eignung und dauernde Weiterbildung unerläßlich. Er muß selbst ein geübter Spieler sein und als solcher nicht nur die maßgebenden Spielregeln rasch und sicher beherrschen, sondern auch mitunter auftouchende persönliche Hilfsmittel einzelner Spieler unschädlich zu machen verstehen, und darf selbst keine llnruhe in das Spielfeld oder in die Zuschauer hineintragem
Der Vertreter deS 5. GaubezirckeS (Friedberg- Vuybach), Studienrat Thierolf (Friedberg), erörterte den Gegenstand in ausführlichen Darlegungen aus dem Gesichtswinkel der Leitung ter Turnvereine, denen die Spielabteilun- aen angehören. Da der Turner in seinem Bestreben zu vielseitiger körperlicher Ausbildung in verschiedenen Fachabteilungen seines Vereins mittätig wird, sollten die Pflichtspiele innerhalb einer Verbandsrunde mindestens auf einen längeren Zeitraum verteilt werden, damit er als Spieler nicht für jeden Sonntag festgelegt wird. Zu einer seelischen Entlastung der kämpfenden Mannschaften und des Schiedsrichters würde es beitragen, wenn das Spiel weniger auf die Erreichung der zwei Siegespunkte zugespiht, als bei der Freude an spielerischer Auswirkung, der damit verbundenen fröhlichen Geselligkeit und Bewegung belassen bliebe, auch die unterliegende Mannschaft müsse dazu erzogen werden, die Sieger und den Schiedsrichter in gemessenen Grenzen änzuerkennen. Zusammenfassend trat der Redner auf Grund langer Erfahrung und fortgesetzter Beobachtungen in warmen Worten dafür ein, die Derbandsspiele durch Freundschaftsspiele zu ersehen, ohne daß dabei das für Spiel und Jugend notwendige Kampfmvmcnt verlvrenzugehen brauche. Die wertvollen Anregungen waren von lebhafter Anteilnahme aller Zuhörer begleitet und sollen auf dem nächsten Gauspieltag in die Verhandlungen mit ausgenommen werten.
Anschließend sand eine Prüfung für Schiedsrichter bn Handball statt, die vom Gauspielwart, dem Obmann für Handballspiele im Gau, Willi Mohr, Tv. 1846 Gießen, und dem Obmann der Schiedsrichtervereinigung, August Langsdorf, Tv. 1860 Bad-Nauheim, abgenommen wurde. Sie umfaßte einen schriftlichen Teil mit 20 technischen Fragen, eine Anzahl mündlicher Entscheidungen und die schiedsrichterliche Leitung von Spielen, die von Mannschaften der Gießener Vereine auf dem llniver- sitätssportplatz durchgeführt wurden. Cs erhielten die Berechtigung als Schiedsrichter im Gau Hessen für die Meisterklasse: Willi Loh, Tv. 1846 Gießen, Anton Aeichert, Tv. Wetzlar, und 3akob Horkhausen, Tgde. Friedberg: für die A-ÄIaffe; Karl Detter, Tv. 1846 Gießen: Ludwig Weickhardt, T. u. Sp.-D. Butzbach, und Paul Edelmann, Tv. Nidda: für die 8-Klasse: Emil Göbel. Tv. Nidda, Heinrich Heger. Tv. Treis a. Lda.. Heinrich Petry. Tv. Wetzlar. Adolf Hövels, Tv. Wetz- lar-Niedergirmes, Heinrich Hehler, Tv. Durg-
Gemünden, und Willi Reinhard, Tgde. Friedberg. Damit ist die Zahl der Schiedsrichter für Handball im Gau Hessen auf 32 gestiegen.
Handball-Derbandsspiele im Männerturnverein (O. T.)
Das interessanteste Spiel in der diesjährigen Handballrunte des Gaues Hessen dürfte am Sonntag das Spiel der 1. Mannschaft des Mtv. Gießen gegen den Tv. Weh.ar fein. Gelingt es den Männerturnem zu gewinnen, so ist der Gaumeister nicht mehr in Frage gestellt. Aach den letzten. Spielen zu urteilen, hat sich die Spieb- weise der Mw.er verbessert, immerhin müssen sie sich vor Lleberraschungen schützen. Das Spiel kann nur dann für sie günstig ausgehen, wen.'* die Mannschaft in stärkster Aufstellung an tritt und jeder Spieler alles aus sich herausgibt. Tv. Wetzlar hat eine äußerst flinke und zähe Mannschaft, die mit zu den besten im Gau Hessen zählt. 3m Vorspiel konnte er die Männerturner knapp mit 4:3 schlagen. Diesmal hat Wetzlar den Vorteil des eigenen Platzes. Der Ausgang des Spieles ist daher noch ungewiß.
Die 2. Mannschaft spielt gegen die gleiche vom Tv. 1846 Gießen. 3m Vorspiel waren die Männerturner unterlegen, aber bei diesem Spiel werden sie, ihrer Spielstarke nach, die Scharte wieder auswetzen.
Tabellen st and der Meisterklasse am 2 5. Aovem ber 1 928.
(Gau Hessen der Deutschen Turnerschaft.)
Spiele gew.
Mtv. Gießen 7 5
To. Wetzlar 7 4
To. 1860 B.-Nauhelm 7 3
To. 1846 Gießen 6 2
T.u.Sp. 1860 Marburg 6 0
To. Großen-Buseck 1 0
unentsch. verl. Pkt.
1 1 11
1 2 9
1 3 7
2 2 6
1 5 1
0 1 0
Handball im Turnverein 1846 Gießen.
Die 1. Mannschaft fährt am kommenden Sonntag nach Marburg, um das fällige Rückspiel gegen % u. 6p. 1860 auszutragen. Das Vorspiel konnte 1846 mit 4:2 Toren gewinnen. Inzwischen haben beide Mannschaften an Spielstärke gewonnen. Ist die Gießener Mannschaft so eifrig wie an den Dorsonntagen, bann wird ihr der Sieg wohl schwerlich zu nehmen sein.
Die 2. Mannschaft spielt auf dem Universität, sportplatz gegen die 2. des Männerturnvereins, und muß sich anftrengen, um das Resultat des Vorspieles wettzumachen.
Die 1. Zugendmannschaft fährt nach Großen^ Buseck zum dortigen Turnverein. Das Vorspiel konnte Großen-Buseck 1:0 gewinnen. Die Mannschaften sind in ihrer Spielstärke ziemlich gleich.
Handball der Sp.-Dg. 1900.
ö. Als Verbands- bzw. Pflichtspiele sind am nächsten Sonntag für die Spielvereinigung 1900 vorgesehen: V.f.L. Wetzlar 2. Mannschaft gegen 1900 2. Mannschaft, 1900 1. 3ugend gegen V.f.L. Wetzlar 1. 3ugend, und 1900 2. 3ugend gegen Wetzlarer Sportverein 1. Jugend. Die Paarungen räumen den Spielvereinigungsleuten keine allzu großen Siegesausfichten ein. 1900s zweite Mannschaft ist lange ohne Spiel gewesen und wird sich nicht sogleich finden können, zumal eine Airzahl neuer Kräfte mitwirkt. Die Wetzlarer stellen ein geschlossenes Mannschaftsgefüge dar, sie tonnten erst vor 14 Tagen der ersten Mannschaft des V.f.B. Gießen mit 2:0 das Nachsehen geben. Außerdem spielen sie auf heimischem Gelände. 1900s erste 3ugenö ist zwar nicht schlecht, wird sich aber den routinierten V.f.L.-Leuten beugen müssen. Die zweite 3ugcnö dürfte rein spielerisch dem Wetzlarer Sportverein gewachsen fein. Dessen Vertreter werden aber wohl ihre körperliche ^Überlegenheit zur Geltung zu bringen wissen.
Handball in Großen-Linden.
Zu einem Freundschasts Piel treffen sich am kommenden Sonn ag die Jugend des Tv. Gwßen- Linden und die Jugend der Tgde. Friedberg in
Grohen-Linden. Friedberg konnte bei den vergangenen Pflichtspie en ter Jugendklasse den zweiten Platz belegen. Großen-Linden wird, obwohl es auf eigenem Platze schwer zu schlagen ist, kaum um eine Niederlage herumtommen.
Spielvereinigung 1900 Gießen.
d. 1900's Liga- und Ligareservemannschaft haben die g eichen Mannscha ton der Sportvereinigung 1911 Dillenburg in Gießen als Gegner. Es handelt sich um die Austragung ter ausgefallenen Spiele vom 11. d. M. Während man der zweiten Els des Platzvrr.ins ohne weiteres einen glatten Sieg über dm Gegner zutraut, wird es ter Ligamannschaft sehr hapern. Dillenburgs erste Els hat sich durch den Zugang von drei neuen Spielern sehr herausgemacht: das beweisen deutlich die jüngst von vieler Mannschaft erzielten Resultate und der Stand in der Spitzengruppe der Liga im Gau Gießen Wetzlar. Don tem Ausgang des Spieles am kommenden Sonntag hängt es ab, ob 1900 Gießen oder Dillenburg als Tadel'enzweiter die Dorrunde beendet. Der Platz des Tabellenzweiten ist in diesem Jahre in'ofem von Bedeutung, als auch dieser Verein Voraussicht ich bei Ein ührung des neuen Spielsystems im nächsten Spieliahr zur 1. Dezirksklasse aufrückt. Man hofft, daß zwei neue Spieler in den Reihen der Blauweißen der Mannschaft zum Vorteil gereichen, die dadurch eine merkliche Hebung ihrer Spielstärke erroar'en läßt. Ein knapper Sieg ter Vereinigten liegt im Bereich ter Möglichkeit, schon in Anbetracht des Vorteiles des eigenen Platzes.
Vor einer besonders schweren Aufgabe steht am kommenden Somllag 1900’3 dritte Mannschaft. Diele Elf, die seither nur ein Spiel verlor, muß ter zweiten Mannschaft vom Verein für Rasensviele Sich in Lich entgegen'r-ten. Lich hat im Verlauf ter seitherigen Spiele ganz ausgezeichnet abgeschnitten, was auf gutes Können schließen läßt. Der Ausgang ist völlig offen.
3ugend-Fußballspiele.
Laubach 1. Jugend — Sp. V?g 1900 1.3ug<md. Sp. Vgg. 1900 2. 3ugend — Großen-Duse^ 1.3jt>. Sp. Vgg. 1900 3a 3ugend — Dillenburg 2. 3gd. Garbenteich 1. Zagend — Sp. Vgg. 190 3b-3gd. Garbent ich l.Schüer - Sp Vgg. 9)) 2 Schäl r
Der Ausgang ter 3ugendspiele ist in keinem Fall vorauszusagen.
Sportverein 1920 Heuchelheim.
Nächsten Sonntag spielt die erste Mannschaft des Sportvereins 1920 in Laubach gegen F.C. Teutonia. Laubach konnte sein letztes Spiel in Lich unentschieden gestalten, was gegen die sehr guten Sicher etwa- heißen will. Auf eigenem Platz werden die Laubacher jedenfalls einen scharfen Gegner abgeben, der alles versuchen wird, die beiden Punkte in Laubach zu behalten.
Fußball in Lollar.
Am kommenden Sonntag findet in Lollar eineS ter spannendsten Spiele der Gauklasse I statt. Saubrtngcnä 1. Mannschaft muß zum fälligen Derbandspiel nach Lollar. Bei Lollar fehlen der Torwart und ter Rechtsaußen, also zwei der besten Spieler. Daubringen wird mit stärkster Aufstellung kommen. Der Sieger wird erst nach dem Schlußpfiff des Unparteiischen feststehen.
Fußballklub 1926 Großen-Buseck.
Das letzte Verbandsspiel in ter ersten Serie ter ^-Klasse wird der F. C. 1926 Großen-Buseck gegen ten Verein für Rasenspiele Lich am kommenden Sormtag in Lich zum Austrag bringen. Für Großen-Buseck ist der gastgebende Verein völlig fremd, da sich bis jetzt fein? Gelegenheit gefunden hat. die erste Mannschaft kennenzu- ernen. D. f. R. Lich hat sich in die er Runde ehr gut gehalten: Großen-Buseck wird sein möglichstes tun, um dem Platzverein einen guten Gegner abzugeben. Die zweite Mannschaft ist spielfrei, wahrend die 3ugenb in Gießen gegen Spielvereinigung von 1900 zum letzten Pflicht-
spiel antritt. Die gutbesehte 3ugend von Großen- Buseck wird sich auch in diesem Spiel durchzusetzen versuchen. Für die Kleinsten ist der Wetzlarer Sportverein mit seiner ersten Schülermann- schaft ausersehen. Das Vorspiel in Wetzlar konnte, trotzdem Großen-Buseck nur 9 Spieler zur Stelle hatte, unentschieden zu Ente geführt werden.
Spielvereinigung 1926 Leihgestern.
Die SfricBereinigung 1926 Leihgestern beschäftigt am nächsten Sonntag 4 Mannschaften. Die 1. Mannschaft empfängt die gleiche des Sport- llubs „Teutonia" Steinberg zum fälligen Verbands spiel. Leihgestern wird sich mächtig anftrengen müssen, wenn es seinen Siegeszug fort- setzen will. Die 1. 3ugendmannschaft beiter Vereine treffen sich zum Derbandsrückspiel in Steinberg. Auch hier müssen sich die Leihgestemer sehr anftrengen, wenn ter Sieg des Vorspiels wiederholt werten soll. Die neuausgestellte 2. 3ugcnt> hat die 3. 3ugend vom D. f. D. Gießen zu Gast. Der Ausgang ist offen. Hnteflimmt ist der Ausgang des Spieles ter 1. Schulerelf auf eigenem Platze gegen die 1. Schülermann- schaft des Wetzlai'er Sportvereins.
Arbeiter-Turn und Sporibund.
Am kommenden Sonntag fährt die 1. Mannschaft der Freien Turnerschaft Gießen zu ihrem letzten diesjährigen Serienspiel nach Praunheim. Im Vorspiel siegte Praunyeim trotz unvoll- ständiger Mannschaft mit 1:0. Wohl hat Gießen anscheinend seine innere Krise überwunden, zeigte doch die Mannschaft im letzten Spiele wieder eine geschlossenere Spielweise: sie wird jedoch am kommenden Sonntag alles hergeben müssen, wenn sie nicht unterliegen und wenn sie dem drohenden Abstieg entgehen will.
Zum Freundschaftsspiele treffen sich in Wiefeck Wieseck I und Lollar I. Beide Mannschaften lieferten sich immer spannende Spiele. Die Gaste werden wohl versuchen, die zuletzt erlittenen Niederlagen in diesem Spiele wieder auszugleicben.
Gießen Ib wird zu einem Freundschaftsspiel nach Kinzenbach gehen. Wenn die Mannschaft keinen stärkeren Siegeswillen als im Spiele gegen Oppenrod mitbringt, dürfte ihr auch in Kinzenbach eine Niederlage winken.
Billard-Spori.
Gestern weil e ter viermalige Amateur-Dillard- Weltmeister T h. Moons, Belgin in unserer Stadt. Nachmittags und abends spi.lte er im Eafe Am end als Gast des 1. Gießener Billard-Klubs eine Partie auf 1000 Bälle. Nrch Begrüßungswvrten des 1. Dorsitzenten C. Alle n d ö r f e r nahm ter Wettkampf seinen Anfang. Die erste Hälfte ter Partie spielte Dr. Schirmer, Gießen, den zweiten Teil Dr. 3eitt er, Frankfurt a. M. Herr Moons erledigte feine 1.000 Bälle in 36 Aufnahmen und etyel.e damit einen Generaldurchschnitt von 27,777. Er erreichte neben den Höchstferien von 197 und 118 Bällen weitere 5 Serien von über 50 (76, 51, 83, 73, 71), was ein beredtes Zeugnis für seine enormen Leistungen und Fähigkeiten darlegt. Seine beiden Gegner erreich en zusammen 208 Bälle, was daS Können des Weltmeisters erst im rech'en Licht erscheinen läßt. Bewundernswert war sein schönes Spiel, das er mit der größten Ruhe flüssig darbvt, denn die gesamte Spielzeit dauerte mir 3 Stunden, lieber 100 Zuschauer verfolgten das feffeinte Spiel des Meisters auf tem grünen Tisch mit größtem 3ntereffe; jeder Beobachter war von dem Spiel entzückt, das bei den schwierigsten Stellungen mit Kopf- und Piquestößen Ball an Ball reihte. Als Andenken tourte dem Meister im Kampf auf dem grünen Tuch als Sinnbild eine Radierung überreicht, die den Kampf des Meisters der Lust, des Zeppelins, mit ten entfesselten Elementen ter Luft darstellt.
Boxen.
Die teutsche wettergewlchlsmeisterschaft.
Die deutsche Weltergewichtsmeisterschaft wurde gestern in Berlin zwischen den Titelverteidigern
MM MÄMW r
Roman von 3- Schneider-Foerstl.
Urheberrechtsschutz Oskar Meister, Werdau i. Sa.
9. Fortsetzung Nachdruck verboten.
Sie errötete dunkel. „Ab und zu — als die Eltern noch lebten und große Abendgesellschaften gaben — hat ein befreundeter Professor hin und wieder Versuche mit mir gemacht. — Nur so zur Unterhaltung ter Gäste! — Später nie mehr!" „Warum hast du mir nicht davon erzählt?" 3hr Blick ruhte zwischen Furcht und Abbitte in dem feinen. „3ch wußte nicht, daß es dich interessiert! — Unb dann sagtest du auch einmal, baß wäre ter größte Schwindel, den du dir tenien könntest. — Da habe ich mir nicht mehr getraut, mit dir darüber zu sprechen."
Er nickte. „Unb heute nacht, Drunhilte?"
„WaS- war da, Hans? — Habe ich da etwas gesagt? — 3m Traum vielleicht?"
„Du hast über Hettingen gesprochen!"
„Heber Hetlingen? —“
„3a! Entsinnst du dich?"
„Nein!" — Sie versuchte, angestrengt nachzudenken.
„An gar nichts, Hilde?"
Ein verzweifeltes Schütteln des Kopses. ,,3ch weiß auch nicht, wie ich zu Bett gekommen bin.“
„3ch höbe dich her über getragen."
Sie griff nach seinen Hänten und preßte sie an die Lippen. Er bemerkte, wie müde sie war, und bat, sie sollte noch einmal zu schlafen versuchen. Gehorsam lehnte sie den Kops zurück und schloß die Augen. Als er sich nach einer Welle über sie neigte, war sie bereits fest eingeschlafen.
Er ging nach seinem Ordinationszimmer und machte, über seinen Schreibtisch gebeugt, folgende Eintragung in fein Tagebuch:
„Hier liegt er nicht! — Hier nicht! Diel weiter nach rechts — dort, wo die roten Blumen stehn!"
Ein Etwas schnürte ihm die Brust zufammen, daß er nicht anders konnte, als das Spiralen
lineal, das aus ter grünen Fllzplatte lag, zu nehmen und es in der Mitte entzweizubrechen.
Der Vormittag verging, ohne daß auch nur ein Patient erschienen wäre. Mit ter Tausend- Schlllingnote bezahlte et. ten Stapel Rechnungen, der ihn seit Monaten drückte. — Nun war er ihrer mit einem Ma.e ledig.
„3o.uchim!" sagte er vor sich hin. .,3oachiml" Mit einem verzweifelten Laut fuhr er mit den Fingern beiter Hände nach ten Schläfen.
„3ft Post für mich gekommen, Oskar?" rief 3oachim Hettingen tem Diener, ter vom Erdgeschoß nach tem Oberstock hinausstieg, §u.
Der Alte blieb stehen und neigte sich über das feinverästelte Geländer. „Gewiß, Herr Baron! Sie liegt auf 3h.em Zimmer."
Joachim lehnte den Stock an einen ter großen Palmentüb l, warf ten Hut auf ten Mahagonitisch und holle mit ein paar Sätzen ten Diener ein. „Was von Belang, Oslac? Oder nur Drucksachen?"
Der Alte machte ein gleichmütiges Gesicht. „Eine Zeitung und zwei Briese mit Firmenaufdruck! Sonst nichts, Herr Baron!"
Er konnte sich nicht tenlcn, weshalb ter junge Herr mit solchen Riefenschatten nach seinem Zimmer lief. Was dort lag, bekam er noch früh genug zu sehen. Wär was anderes gewesen, wenn er Liebesbriefe erwartet hätte. Aber da hatte es allem Anschein nach noch gute Wege.
Hettingen schnitt mit hastenden Fingern eine ter schwefelgelben Hüllen auf und überflog die Zeilen:
Sehr geehrter Herr Doktor!
Wir bedauern 3hr Gesuch um Anstellung in unserem Betriebe ablehnend beantworten zu müssen, da wir infolge andauernden Arbeitsmangels bereits mehr als em Drittel unseres Personals ent!aff en haben.
Ding-Werke,
Maschinen unb Eisengießerei, Düsseldorf.
„Nichts!"
Das Blatt raschelte zu Boten.
Sin kurzes lieberlegen, dann war das zweite Kuvert geöffnet
Herrn Dr. 3oachim Hettingen!
Unter Betrieb ist fett gestern stillgelegt.
3.QL: Dire.tvr Hildebrand-Graz, Mah.eld-Werke.
Ein Aufseufzen, dann hatte Hettingen sich wieder gefaßt. Schließlich gab es ja auch noch eine Menge anderer Firmen, denen er feine Dienste anbieten konnte. Vielleicht glückte es doch einmal 3mmer muhte er ja nicht Pech haben. Er hatte noch fünf Wochen Zeit für sich.
Als er eine Stunde später das A.teitszimmer des Vaters betrat, fand er diesen in einem heftigen Wortwechsel mit zwei Qlttionären ter Warner Dahn. Mit einem kurzen Grüßen verschwand er eilig im Zimmer des Direktors.
„Was gibt ed denn?" fragte er erstaunt, als nebenan die Stimmen immer lauter und aufdringlicher wurden.
„Sie machen Pleite!"
„Wer?"
„Die Herren von ter Larner Bahn!"
„Nicht möglich!"
„Doch! Die Sache ist sehr fatal und kann möglicherweise für uns zur Katastrophe werten."
„Wir sind Gläubiger?"
„Hauptgläubiger! 3m Höchstfälle werden uns zwanzig Prozent bleiben! Alles übrige ist verloren!"
Hettingens Gesicht war bis in die Mundwinkel fahl geworden. Don drüben kam die dunkle Stimme des VaterS tote das dumpfe Gröhlen eines gereiften Stieres. Die beiten anderen mengten sich darein, etwas weniger laut, — mit mehr Zurückhaltung, und zuletzt nur mehr in ter "Verteidigung begriffen.
Damr schwiegen sie ganz.
Eine Tür fiel hell ins Schloß! — Es blieb unheimlich ruhig nebenan.
3oachim Hettingen horchte, hob ten Kopf und ging hinüber. „Vater — erlaube —"
Er erschrak, als dieser ihm das Gesicht zuwandte. Eingefallen, entfärbt und mit dicken blauen Wulsten unter den Oku gen sah es ihm entgegen. „Du wünschest?"
„Erlaube mir die Frage, wie es steht!"
„Was steht?"
„Die Sache mit der Larner Dahn!"
„Ach so! —" Es tollte gleichgültigen Ton haben. Aber 3oachim hörte das verhaltene Beben in ter sonst so sicheren Stimme und sah die Zerfahrenheit ter schlanken Hände, welche die ungeheure Erregung nicht zu meistern vermochten.
Der Bankier fühlte das heimliche Milleid des Sohnes.
„Seit wann interessierst du dich für Zahlen und Obligationen?" fragte er spottend.
Jäh schoß ein tiefes Rot in das noch eben blasse Siegftirdgesicht. „3n diesem Falle gehen unsere 3ntereffen zusammen, Dater!"
„Wirklich?" Der alte Baron lachte verhalten auf. „3ch hoffe, es wird zu regeln sein. Mach dir also vorläufig keinerlei Kopfzerbrechen darüber. "2Degen einiger hunderttausend Schilling verkracht das Haus Hettingen noch nicht!"
„Vater!" Joachim fühlle, daß er tem Manne vyr ihm jetzt etwas sagen muhte, das ihm seine Zusammengchörigkell mit ihm bewies. Er zog die texten Absagebriefe aus ter Tasche und reichte sie über den Tisch.
Mit einem Achselzucken bekam er sie toieter zurück. „Du siehst, daß es so geht, wie ich dir prophezeit habe. Die Welt ist groß! Versuch es anderswo!"
Mit einem Nicken war die Unterredung beendet.
Als 3oachim die Kaianlagen betrat, spürte er einen dumpfen Schmerz in den Schläfen. Zahlen tanzten vor seinen Aargen, verschwommen unb flitzten wieder auf. Noch nie hatte er ein Schwin- dclgefühl empfunden, aber jetzt drückte ihn etwas schwer auf die Bank, die ihn am nächsten stand.
Den Kopf weit nach hinten gebogen, ten Rücken gegen die harte Lehne gestemmt, sah et und suchte Ordnung in sein Gedankenchaos zu bringen.--
Arbeiter, die heimwärts gingen, weckten ihn aus seinem Brüten. — Es war Zeit, nach Hause zu gehen.
(Fortsetzung folgt.) k


