dringlinDe das Schlachtfeld räumen, — so ganz nebenbei muhten auch noch 67 verletzte Zivi lsten abtransportiert werdenI — Herr Dong-Fa-Kje nahm mit seinen siegreichen Truppen die Plätze ein, gab ein herrisches Zeichen zur Bühn? hinauf, und der arme, alte Großvater wurde von der Waise zu Ende gerettet^..
Feuersichere Beheizung -er Theater.
Die furchtbare Brandkatastrophe, die vor einigen Wochen das „Theatro de Rovedades" in Madrid heimfuchte, hat das Problem der feuersicheren Beheizung unserer Theater wieder aktuell werden lassen. Man hatte damals behauptet. daß auch Zentralheizungsanlagen unter Umständen wenigstens indirät die Ursache zu Theaterbränden werden könnten. Dazu wird uns von fachmännischer Seite der Zentracheizungs- industrie mitgeteilt, daß Kleiderablagen und Magazinräume, die am leichtesten den Herd für Brandkatastrophen bilden, aus technischen Gründen meist durch örtliche Heizkörper erwärmt werden. Auch bei Lieser Beheizung bleiben die Räume von Brennmaterialien und offenem Feuer verschont, denn nur Dampf oder Warmwasser passiert in abgeschlossenen Rohren und Heizkörpern di« einzelnen Räume. Man wirft dieser Heizung gern vor, Latz sie die Gegenstände in der Räche der Heizkörper zu sehr austrockne. Dieser Borwurf ist insofern ungerecht, als schließlich jede Heizeinrichtung die Raumlust an der Stelle der Wärmezufuhr etwas über die mittlere Raumtemperatur erwärmen muh. Eine Eigentümlichkeit der Zentralheizung ist dies nicht. Sie weift aber eine genau geregelte und schon aus hygienischen Gründen mäßige Oberslächentempe- ratur auf, während z. B. jeder örtlich geheizte Ofen namentlich in der Feuerzone erheblich höhere Temperaturen aufweist und noch dazu die Gefahr der Funkenbildung in sich schließt. Ein Vorteil dieser Heizkörper ist es auch, daß sie im Verhältnis zu ihrer Wärmeabgabe nur einen sehr geringen Raum beanspruchen und sich daher viel leichter räumlich getrennt von brennbaren Gegenständen anbringen lassen als jede andere Heizeinrichtung. Die Polizei schreibt überdies noch vor, daß Heizkörper in Kleiderablagen und Magazinräumen mit unverbrennlichen Schutzmänteln zu umgeben sind, die eine direkte Berührung brennbarer Gegenstände mit den Heizflächen verhindern. Diese Verkleidung führt übrigens auch dazu, daß die Wärmeabgabe des Heizkörpers durch Strahlung, die in erster Linie zu einer Austrocknung benachbarter Gegenstände führen könnte, stark herabgesetzt wird. Der verkleidete Heizkörper überträgt seine Wärme an den Raum durch „Konvektion", d. h. er gibt sie an die warme Luft ab, die über dem Heizkörper hrchsteigt und sich gleichmäßig im Raum verteilt, dann zu Boden sinkt und als abgekühlte Luft von unten wieder an den Heizkörper herantritt.
Der fahrlässige Umgang mit glimmenden Zigaretten und brennenden S.reichhö'zern macht, ganz besonders in Garderoben und Magazinräumen, natürlich auch dir besten Sicherheitsmaßnahmen hinsäl i->. Bei solch sträflichem Leichtsinn werden Theaterbrärde niemals ausgeschlossen sein. Wenn sie dann aber zu entsetzlichm Katastrophen führen, kann jedenfalls nicht die Zentralheizung dafür verantwortlich gemacht werden. Tatsächlich verhält es sich nämlich so, daß die Beheizung des Theaters durch Zentralheizung ebenso wie die Benu^rng des eisernen Vorhanges zu den wichtigsten polizeilich vorgeschriebenen Sicherheitsmaßnahmen gehört. Dem Theaterpublikum mag es zur Beruhigung dienen, Laß die Heizungen unserer Theater keine Gefahrenquelle mehr darstellcn. Pflicht des Theater- publikums und des Personals ist es aber, durch Einhaltung der Rauchverbote und durch größte Vorsicht beim Umgang mit feuergefährlichen Dingen zur Feuersicherheit drr Theater beizutragen.
Oer neue künstlerische Tanz.
Von Margarete Wallmann.
Die Verfasserin wirkt in Berlin als Leiterin der Marh-Wigman-Schule. Die Geburtsstundr des neuen künstlerischen Tanzes fällt in die Zeit der Jahrhundertwende, jene Zeit, deren Kunst und Geistigkeit bereits Len großen Umschwung ankündigte, der sich durch den Weltkrieg und die durch ihn ausgelöste Revolution endgültig vollzog. Die Frsihellsideen. der Denker und umstürzlerischen Pläne der jungen Maler und Musiker waren die Vorläufer jenes neuen Kulturbeginnes, der damals allerdings noch nicht in seinen gewaltigen Auswirkungen verstanden wurde. Auch heute, da wir inmitten einer neuen künstlerischen Entwickelung mit ihren vielfachen Ausstrahlungen in das tägliche Leben stehen, fühlen wir mehr und mehr, welch eine ungeahnte Entwickelung der modernen Tanzkunst beschieden ist. Den Endpunkt ihrer Entwickelung können wir allerdings noch nicht genau angeben, wir wissen aber, daß der moderne Tanz nicht nur bestrebt, sondern auch fähig ist, dem unserer Zeit eigentümlichen Herzschlag in neuen Formen Ausdruck und Gestalt zu geben.
Schon heute ist der neuzeitliche künstlerische Tanz zu einem wichtigen Kulturfaktor geworden Seine tiefe Verbundenheit mit unserer modernen Kultur und seine fruchtbare Ausstrahlung in unser tägliches Geben wird immer klarer erkennbar. Das Problem des künstlerischen Tanzes vor kurzem noch eine Angelegenheit weniger bevorzugter Sachkenner — ist damit in die 3n# t cressensphäre der großen Volksmasse gerückt. Von der Primativität beä Volks reizens bis zum Raffinement des hypermodernen Gesellschaftstanzes, von der inhaUsschweren Pantomime bis zur Präzisionsmechanik der Tiller-Girls schwingt sich der Rahmen seines Begriffes.
Bis noch vor wenigen Zähren war man geneigt, den Kunsttanz als etwas Abseitiges, wenig Emsthaftes zu betrachten. Wir konnten es erleben, daß eine Tänzerin weder auf der Bühne, noch im Leben ernst genommen tourbe, da man annahm, daß chre Kunst lediglich den Zweck verfolge, Auge und Sinn des Zuschauers durch liebenswürdige Darbietungen zu unterhalten. Auch heute noch tarm man beim Laienpublikum vielfach die Ansicht vertreten hören, daß der Tanz vorwiegend graziöses Gaukelspiel fein müsse, das durch die Eleganz seiner Bewegungen in
Oberheffen.
Landkreis Gießen.
z. Rödgen, 29. Rov. Ein Sorgenkind der Gemeinde ist unsere Wasserleitung. Den ganzen Sommer über herrschte ein gewisser Wassermangel, so daß sich die Bürgermeisterei veranlaßt sah, die Wasserabgabe jede Rächt zu sperren. Trotzdem war der Hochbehälter jeden Tag gegen Abend schon so leer, daß die höhergelegenen Häuser ohne Wasser waren. Dieser üble Zustand hat sich in der letzten Zeit nicht gebessert. Man nimmt an, daß das Leitungsnetz, besonders die Hausanschlüsse, an einzelnen Stellen undicht geworden ist und daß dort viel Wasser unbemerkt entweicht. Die Gemeinde steht nun vor der Rotwendigkeit, den Uebelstand zu beseitigen. Sie will das Leitungsnetz auf seine Dichte hin prüfen und vielleicht noch eine Quelle neufassen und dem Wasserversorgungsnetz eingliedern lassen.
* Queckborn, 29. Rov. Unser Kirchturm, der einst als Dachreiter in außerordentich gefälliger Form auf dem Kirchendach errichtet worden ist, hat seit Menschengedenken zum erstenmal ein neues schmuckes Schiefergewand bekommen. Die Kosten betragen 1100 Mk. Aus der Wetterseite war der Bretterbelag derart verwittert und die Rägel so stark verrostet, daß die Deckung nicht mehr hielt und der Regen die Kirchendecke zu zerstören begann. Leider haben sich die Arbeiten so lange hingezogen, daß noch an einigen weiteren Stellen die starken Herbst- regen die schön verzierte Kirchendecke durchweichten, was bei der vorgeschrittenen Zahreszeit nicht mehr ausgebessert werden kann. — Rach dem Krieg hat hier eine starke Bautätigkeit eingesetzt. Einschließlich der kurz vor dem Kriege entstandenen Reubauten sind bis jetzt im ganzen neu errichtet: 8 ganze Hofreiten, außerdem 16 Wohnhäuser, 14 Scheuer- und Stallgebäude und verschiedene Erweiterungsbauten an Wohn- und Wirtschaf s-rebäuden. Diese rege Bautätigkeit ist einmal darin begründet, daß früher die Bautätigkeit fast ganz ruhte, die Leute teilweise in unglaublich dicht aneinandergeklebten Hofreiten und Aigen Wohnungen hausten und sich nicht entschließen konnten, aus der liebgewordenen engen Umgebung in die Freiheit vor dem Dorf zu bauen. Rachdem einmal der Dann gebrochen war, sind eine ganze Anzahl enger Hof reiten durch Kauf zusammengelegt worden, und man hat draußen auf eigenem oder getauschten, oder verhältnismäßig billig erkauftem Gelände sich angesiedelt. So sind draußen an den vier Dorfausgängen, besonders der Richtung Grünberg, neue schmucke Dorfteile entstanden. Ein Teil der E'mzelwohnhäuser ist mit Hilfe von Siedelun^- und Rentengeld entstanden. Eine schöne Erscheinung bei Reubauten ist die Mllhilse der Rachbarn, Freunden und Verwandten beim Anfahren der Baurohstoffe. Das ist eine alte schöne Sitte auf dem Dorf, die allerdings manchem bei der in den letzten Zähren verstärkten Bautätigkeit recht lästig geworden ist: aber sie macht das Bauen auf dem Land, abgesehen von anderen Umständen, doch bedeutend billiger als in der Stadt. — Bei der Kirchenvorstands- Wahl wurden die alten Mitglieder: Wilh Zost, Bürgermeister Albert, Heinr. Kcoh, Heinr. Gör- nert III., Ludw. Dörr und Ludwig Görnert I. wiedergewählt.
* Lauter, 29. Rov. Bei der Reuwahl zum Kirchenvorstand wurden die bisherigen Mitglieder: Bürgermeister 2Iff, Karl Reidt, Heinrich Schudt, Heinrich Rock wiedergewählt.
Lich, 29. Rov. Das alljährliche große Mili- tärkonzert. das von dem hie i'e.i Krieger- verein bzw. dem Bezirk Lich der K ieger- kameradschaft „Hassia" im Winter jedes Zahres veranstaltet wird, soll am 13. Za nuar 192 9 statt,indm. Dazu ist das gesam e Wusilkorps des 1. Batl. 15. Znf.-Rgts. Gießen au<kersehen, das sich in un.erer Stadt und der Umgebung allgemeiner Desiebtheit erfreut
gr. © rüningen, 29.Rov. Die Evangelisationsvorträge des Predigers Peters, die in dieser Woche allabendlich in unserer Kirche stattfinden, erfreuen sich eines guten Besuches. — Auf Veranlassung des hiesigen Kriegerver- e i n s findet am kommenden Sonntagabend in der
Dann zu schlagen versteht, daß jedoch tragische Bewegung nicht als Tanz, sondern als Pantomime und Theater anzusprechrn sei. Die Vertreter dieser Meinung können sich von der Vorstellung des allen klassischen Balletts, das bis zur 3ahrhundertwende den Kunsttanz verkörperte, nicht freimachen. Beim Ballett herrschte tatsächliche jene Atmosphäre spielerischer Oberflächlichkeit, die der damaligen Zeit eigentümlich war, die jedoch unserer ernsten, nach neuen Ausdrücken ringenden Zeit fremd bleibt.
Man kann wohl sagen, daß mit dem Sturze des alten Zaren u.ns die letzte Stätte einer wirklichen Ballettkultur verschwand. Zusamme. hang- los und entwurzelt zeigen und heute noch einzelne Vertreter dieser Schule in Solo- und En- sembletänzen eine Tanz echnik der Vergangenheit. deren tändelnde Koketterie vielleicht das Auge erfreut, aber unser Herz kalt läßt. Mll dieser veralleten Tanzkultur hat der moderne Kunsttanz nichts zu tun, ebensowenig mit den neuen Gesellschaftstänzen, mit den Rigaerrhyth- men des Zirnmy, Zazz, Charleston und Pale. Er hat auch nichts mit dem Tanz der Revue zu tun, der es vorwiegend auf sensationellen Drill und erotische Reizwirkungen abgesehen hat. Der neue künstlerische Tanz belächelt die Eitelkeit des alten Balletts, er verschmäht die großartigen und prunkvollen Kostüme der Revue, er versucht Auge, Herz und Sinn des Zuschauers ganz auf den tänzerischen Vorgang zu konzentrie.en, um ihn durch die Ausdruckskraft und Zntensität der tänzerischen Persönlichkeit zu fesseln.
Durch die Veredelung der körperlichen Geste und durch deren Erfüllung mit seelischer Substanz will der neue Tanz wirken.
Die moderne Tanzkunst erfordert eine völlige Hingabe des Tänzers an seinen Beruf, um ihn in den Stand zu setzen, den Schritt vom tänzerischen Einfall bis zur durchgearbeiteten Komposition mühelos zu tun und andererseits in der Tanzgruppe Einordnung seiner Persönlichkell in die Gemeinschaft zu gestatten. Die Laienkurse der modernen Tanzkunst sind für Menschen geschaffen, deren Bewegungsinteresse über menschliches Empfinden hinaus zum Lebensausdruck einer ganzen Generation strebt, daneben aber auch um die Möglichkeit eines Ausgleiches zum Alltag zu schaffen und die Freude an edler Bewegung um ihrer selbst willen zu bieten. Bedenken wir dann noch die Derufsausblldung für Lehrer und Tänzer, den Gruppen- und Einzelunterricht, den Sprech- und Dewegungschvr. die Geräuschrhyth-
Turnhälle ein Lichtbildervvrtrag statt. Zn seinem ersten Teil werden in 200 Bildern die Waffen des Land-, Luft- und Seekriegs und in weiteren 50 Bildern die Skagerrakschlacht 1916 gezeigt. Dieser Dortrag wird sichertich nicht nur aus die hiesige Einwohnerschaft seine Anziehungskraft ausüben, sondern auch Besucher aus den Rachbardörfern anlocken.
LJ Ronnenroth, 29. Rov. Der Kraftfahrzeugverkehr wird auch in unserem Dorfe immer stärker. Desonders beängstigend ist dieser Vermehr am O st ausgange Dorfes, wo zwei Landstraßen sich kreuzen und die Schule ihren Platz hat. Von den meisten Kraftfahrern wird dieser Straßentell mit großer Geschwindigkeit durchfahren. Man muß sich nur wundern, daß hier nicht schon ernste Unglücksfalle entstanden sind. Es wäre ratsam, daß die Ortspolizei die Höchstgeschwindigkeit für diese Straßenkreuzung auf 15 bis 20 Stundenkilometer fest- sehie und ferner veranlaßte, hier ein Wamungs- schlld mit dem Hinweis auf das Vorhandensein der Schule aufzustellen.
s. Z n h e i d e n, 29. Rov. Sell kurzem hat die Reichsbahn in unserem Bahnhof (Strecke Hungen—Friedberg) wieder den Dienst aufnehmen lassen, der durch den Abbau vor zwei Zähren eingestellt worden war. Dieser Schrllt wird allgemein begrüßt, führte doch der Umstand, daß seither keine Fahrkarten hier aus- gegeben wurden, zu vielen Mißhelligkellen, besonders für die Reisenden, die in Himgen einen Anschlußzug benutzten. Die Fahrkarten wurden fellher durch das Zugpersonal im Zuge verabreicht, aber nur solche bis Hungen. Es fällt also künftig das lästige und zeitraubende Rachlösen an der Uebergangsstatio-n Hungen, ober an der Endstation fort. Es kam sogar manchmal bei dem seitherigen Zustand vor, daß bei starker Zugbesetzung den Schaffnern die Karlen ausgingen, oder sie in der kurzen Fahrzeit nicht alle Zugestiegenen mit Karten versehen konnten, so daß die Reisenden dann in Hungen vor der Sperre warten muhten. Lediglich der Warteraum war in der ganzen Zwischenzeit geöffnet.
Kreis Friedberg.
— Friedberg, 27. Rov. Wie schon berichtet, hat der Verlauf der jüngsten Stadwerordneten- versammlung erwiesen, daß die Unstimmig- feiten zwischen Dad-Rauheim und Friedberg als beseitigt angesehen werden können. Zu dem Problem Friedberg-Dad-Rau- heim selbst, das heißt zu der vor mehreren Wochen von Dürgermeifter Dr. Ahl, Dad-Rauheim, in einem Prefseartikel „Wille und Weg" angeregten Zusammenarbeit auf kommunalpolllischem Gebiet, hat die Versammlung noch keine Stellung genommen. Zetzt hat dies aber Dürgermeifter Dr. Seyd in einem ebenfalls „Wille und Weg" betitelten Aufsatz in der Lokalpresse beider Orte vor der Öffentlichkeit getan. Die Ausiührungen sind recht interessant, zeigen sie doch, daß auch für die Friedberger Stadtverwaltung der Wille zur gemeinsamen Arbell durchaus selbstverständlich ist und daß auch zwischen den ‘Bürgermeistern beider Städte wiederholt Besprechungen in der Richtung ffattgefimben haben. Wenn es bisher vielleicht den Anschein hatte, daß man in Friedberg weniger geneigt sei für ein Zusammenarbeiten als in Dad-Rauheim, so haben die kommunalpolllischen Aussprachen in der Deutschen Vollspartei und der Sozialdemo- kratischen Partei bereits das ©egenteil erwiesen, wie wir seinerzeit berichten konnten, und auch der Aufsatz Dr. Sehds sagt klar und eindeutig, daß der Wille zur Verständigung und zu gemeinsamer Arbell in Friedberg durchaus vorhanden ift. Dr.. Sehd geht sogar noch einen Schrllt weiter, indem et als Ziel der kommunalpolitischen Entwicklung die Vereinigung beider Städte betrachtet, die kommen werde, well sie kommen müsse. Die Bautätigkeit beider Städte müsse jetzt schon auf die künftige Vereinigung sich einstellen. DaS Ergebnis einer vor wenigen Tagen zwischen den beiden Bürgermeistern stattgefundenen Aussprache kann dahin festgestellt werden, daß beiderseits nach wie vor der aufrichtige Wille fortbesteht, im Znteresse beider Städte eine großzügige ZukunftsPoli-
mik, so empfinden wir sofort, welch eine wichtige Dolle der Tanz in unserem modernen Kulturleben spielt. Er schöpft seine Kraft und seine Bedeutung einzig und allein aus der Mensch- lichkeit des Tänzers, aus dessen Anlagen und Phantasie und seinem Reichtum an äußerem und innerem Erleben.
Damit steht der moderne Kunsttanz, der nach den verbindenden Dingen der Gefühlswelt tastet und sie nach eigenem freien Ermessen in seine eigene Gebärdensprache übersetzt, in Beziehung zu unserer gesamten Lebensphilosophie. Er spiegelt in feinem Wesen die ewig sich wandelnde Bewegtheit unserer Welt wider. Rudolf von Laban, der Schöpfer und Dejrünber der modernen Tanzkunst und Tanzwis enschaft unserer Zeit hat diese wandelnde Bewegtheit der Welt einmal sehr schön „die geoffenbarte Leidenschaft des unendlichen Tänzergeistes der Welt" be- zeichnet. Das Tänzertum seiner bedeutendsten Mitarbeiterin Mary W i g m a n wurde ihm zum Deweis für die Richtigkeit seiner Lehre. Zhre lebenserfüllte, gestaltende Kraft bildete den Gegenpol zu seiner geistigen Erlenntnis. Von ihrer tänzerischen Derwirllichung ging jene Kraft der Ueberzeugung aus, durch die allein die zuerst auftretenden Widerstände gegen die neue Tanzkunst in leidenschaftliche Begeisterung umgewandelt werden konnten.
Die neue Tanzkunst ist ewig neugeborene Bewegung. Zhr iln erbau, die gymnastische Technik, ist zum künstlerischen Ausdrucksmitlel erhoben und durch die Kraft ihrer Vorstellung zur alles überwindenden Leistungsfähigk it gesteigert worden. Was in diesen Formen schwingt, ist oft in Worten nicht auszudrucken. Zeder, der die neue Tanzkunst sieht, wird sie anders erleben, jedem offenbart sich je nach seiner Aufnahmefähigkeit und je nach seinem Einfühlungsvermögen eine andere Welt. Sv bildet sich nicht nur ein neuer Tänzertyp. sondern ein neuer Menschenthp heraus, ein Menschenthp mit neuen Dafeinsmög ichkeiten und neuen Fähigkeiten zum Verständnis unserer Welt.
Unsere körperfreudige junge Generation steht ganz im Banne dieser neuen deutschen Tanzkunst, das Ausland schickt uns scharenwei e seine Schülerinnen, sogar Amerika tritt eifrig in die Spuren der in Deutschland geschaffenen Dewegungs- fultur. Das alles hat zu einem erfreulichen Aufschwung der modernen Tanzschulen geführt deren jüngste die neuerrichtete Mary-Wigman-Schule in Berlin ist, ein Zweiginstitt^t der Wiaman- Schule in Dresden. Zn ihrem neuen Heim mit den
tik zu betreiben. Dr. Sehd stimmt in seinem Aufsatz der Wahl eines „überstädtischen" Ausschusses zu, der gemeinsam mit den Vertretern der Stadtverwaltungen ein Arbeitsprvgramm ausarbeiten soll, das den beiden Stadtverwaltungen vorzulegen ist. ©aritit ist die Angelegenheit Friedberg-Dad-Rauheim in ein Stadium getreten, das bei dem guten Willen auf beiden Seiten eine segensreiche Entwicklung für beide Gemeinwesen verspricht.
Kreis Büdingen.
_ rL Büdingen. 29. Rov. Die nächste Vorführungsreise der Lehrlichtbildstelle des Kreises findet vom 3. bis 13. Dezember statt. An erster Stelle des Spielplans steht diesmal der ergreifende Film „Das große weiße Schweigen", eine Urkunde der tragisch zu Ende gegangenen Südpolarfahrt des Kapitäns Scott. Ein Märchenfilm vom „ Fische u finer Fru" trägt der vorweihnachtlichen Stimmung Rechnung. Ein Lehrfilm aus dem Reich der Industrie und ein lustiger Trickfilm beschließen das Programm. Diesmal werden möglichst an allen Drzirksorten wieder Abendvorstellungen für Erwachsene statt- | finden. Zn mehreren Gemeinden des Kreises sind diese Abende schon eine gewohnte und begrüßte , Einrichtung geworden. Sie werden von nun an 1 auch außerhalb der planmäßigen Sk^rrelfen unserem Landvolke die besten unserer großen Kulturfilme bringen.
„?“ Ridda, 29. Rov. Zum Gesangs- Wett st reit des Gesangvereins „Gänger- Irans“ anläßlich dessen 90iährigen Zubiläums stiftete der Reichspräsident sein Bild mit eigenhändiger Widmung. — Für die Beamten des hiesigen Finanzamtes wird mit beginnender Dausaison ein Wohnhaus für sechs Familien an der Straße nach Bad Salzhausen durch die Stadt errichtet. Ein Dierfamllienhaus zum gleichen Zwecke wurde bereits vor zwei Zähren erbaut. Sollte das Finanzamt in der nächsten Zell durch Verlegungen und Umgruppierungen eine Erweiterung erfahren, so wären auch die seitherigen Räume dieses Amtes unzulänglich und ein Reubau unaufschiebbar. Zn diesem Fälle ßnnte daS jetzige Finanzamt zu Wohnungen umgebaut werden.
—1— Ortenberg, 29. Rov. Zur Wahl der hiesigen K i rchengerne indeve r- tr e tung war nur ein Wahlvorschlag einge- reicbt worden. Es wurden bestätigt als Mitglieder: Heinrich Frech, August Meuer, Georg Konrad Pfeiffer, Otto Gromm, Karl Emrich, August Fahrenbruch, Heinrich Dcchmer II., Friedrich Pfeif,er II., Bürgermeister Friedrich Pfeiffer HL, August Decker, Karl Hebbel I., Georg Wiesner, Karl Meuer I., Karl Pfeiffer II., Rechtsanwalt Holzapfel, Adolf Hebbel, Zakob Emrich VII., Wilhelm Hensel, Heinrich Hofmann, Karl Lehr. Bei der Kirchenvorstandswahl wurden die seitherigen Kirchen- vorsteher Friedrich Lenz, Wilhelm Zöckel, Heinrich Streubec, Wilhelm Pfeiffer I., Henrich Suhl III. wiedergewählt. An Stelle des vcr- storbenen Kirchenvorstehers Winter wurde Lehrer Philipp Köhler gewählt.
s. Berstadt, 29. Rov. Auch hier wurde Nach uraltem Brauch „M a r k t a b e n d" gehalten. Am 26. Rovember fand früher, als Berstadt vor dem Ausbau der Bahnlinien noch von größerer Bedeutung für die Umgegend war, ein großer Krämer- und Viehmaickt, ahn.ich dem Ortenbcr'er „Kalten Markt", statt. Der Maik, ist längst geschwunden, aber der Tag wird bis heu.e gefeiert. Die Bäcker backen die sog. „Kuloppe", kleine Formkuchen, die auch in die Rachkmror.e gefahren werden. Die Spinnstubengesellschaf.en halten den Marktabend im Hause eines Mädchens, wobei die Burschen ganze Körbe voll Kuloppe stellen müssen. Dafür werden sie beim „Reujahr", das wieder im Hause eines anderen Mädchens gefeiert wird, reichlich mit Tabak und Zigarren beschenkt. Wer auf diesen Tag geboren wird, heißt im Volksmund „Maatsteck' (Marktstück) und behält diesen Spottnamen sein Leben lang.
Kreis Schotten.
□ Saubach. 23. Rov. Auf bet sog. „Halle", dem alten Marktplatz, wo auch alljährlich daS
verschiedenen Sälen und einer großen Bühne von 10x12 Meter gestattet sie durchaus künstlerische Lanzvor.ührunce.i. Eine überdachte Ter- raf.e gibt den Schülern und Schülerinnen Gelegenheit, nach den Hebungen zu ruhen. Die Eröffnung dieser neuen Schule soll Anfang Zanuar nächsten Zahres stattfinden.
Verleihung der Seinrich-Sertz-Medaille.
Zn diesen Tagen sind es 40 Zahre, daß Professor Heinrich Hertz an der Technischen Hochschule in Karlsruhe seine Entdeckung der elektrischen Wellen durch die Feststellung gefront hat, daß diese Wellen durch geeignete Vorrichtungen zurückgeworfen werden wie das Licht durch einen Spiegel, und daß sie durch Körper von bestimmter Form gebrochen werden wie das Licht von einem Prisma. Fünf Zahre später schon schied die ec hervorragende Mann, von dem die Wissenschaft noch viel hätte erwarten dürfen, aus dem Leben. Am 1. Zanuar jährt sich sein Todestag zum fünfunddreiffigste.i Wale.
Der Elekttotechn'.fche Verein und die Heinrich- Hertz-Cesell chaft zur Förderung des Funswesens halten in jedem Zahre gemeinschaftlich eine Festsitzung ab, die dem Gedenken an Heinrich Hertz gewidmet ist, und in der die Heinrich-Hertz- Medaille an eine oder mehrere Personen verliehen wird, die sich um die Förderung des Funkwesens ganz besonders verdient gemacht i haben. 3m letzten Zahre erhielt Geheimrat Mar Wien aus Zena die goldene Heinrich Hertz-Mo- ■ daille, wahrend die silberne — für Bastler — ■ nebst einem Preise von 1000 Mark an Herrn Fritz Koch aus Dresden verliehen wurde. Zn diesem ■ Zahre hat die Heinrich Hertz-Gesell'chaft einen 8 besonders hübschen und allseittg mit lebhaftem Deifall begrüßten Gedanken gehabt: Sie hat eine s besondere goldene Heinrich Hertz-Medaille Prä- | gen lassen und sie der Famllie des verstorbenen Z Gelehrten verliehen. Da Frau Hertz leider am Erscheinen verhindert war, nahm seine Tochter, Fräulein Dr. Mathi.de Hertz, die Auszeichnung entgegen.
Die jährlich zu verleihende goldene Heinrich- Hertz-Medaille wurde Herrn Professor Dr.Dark- hausen für seine Forschungen über Schwingungserregung und für seine Arbeiten über den Schall.' insbesondere über die Untersuchung nicht sinusförmiger Schwingungen und für die Schaffung eines einfachen Schallmeßgerätes zuerkannt.
Eine silberne Heinrich-Hertz-M^oille dst trt diesem Zahre nicht verliehen worden.


