Hreitag, 70. November 1928
Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesseil)
Nr 282 Zweiter Matt
Geschichten aus aller Welt
die Sozialisierung des Heil
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Gemälden aufgestellt worden.
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Das größte Abenteuer.
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nehmen. Dem Flieger bieten sich hier viel größere Gefahren und Schwierigkeiten als bei der Lieberwindung des Nordpols, für den sich in Spitzbergen eine vortreffliche Basis findet, während die möglichen Ausgangspunkte am äußersten Südende von Amerika, Südafrika unb Neuseeland 'viele Hunderte von Kilometern von dem geheimnisvollere Eiskontinent der Antarktis entfernt sind. „Sn den 18 Jahren, die verflossen sind, seitdem Scott' nach dem Großen Weißen Süden steuerte," schreibt Evans, „sind erstaunliche Fortschritte in der Luft gemacht worden, aber was die Schiffahrt anbetrifst, so ist es noch etwa dasselbe und ebenso beim Menscher,, bei der Kler-
özladt lebenden Kunstmalers W i l l gereinigt und irisch gefirnißt worden sind, können sie am nächsten Sonntag (2. Dez.) zum ersten- M l in der Gemäldesammlung im Te u en Schloß besichtigt werden Eine kurze Auszählung und Beschreibung der Bilder wird Snteresse für die Sammlung wecken
Ts sind im ganzen dreizehn Gemälde, aus denen sich zunächst die Gruppe des Stifters
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Oie Reform der Reichsverfaffung ist ein Problem, da« noch lange Zeit im Mittelpunkt des politischen Interesses stehen wird. Um unserer Leserschaft ein möglichst umfassendes Bild des gesamten, mit dem Stichwort
Hessen und die Rsu- gliederung des Reichs eindeutig umschriebenen Fragenkompleres zu geben, werden auf unsere Anregung hin die berufenen Vertreter der Geographie, der Geschichte, der Wirtfchafiswisien- schafien und desStaatsrechts an unfererLandesuniverfität als beste Kenner des verwickelten Problems in einer Reihe von Aufsätzen zu ihm Stellung nehmen. Als erster wird Professor Or. Kbrte am Samstag, dem 1. Dezember, die Frage der Reichsreform von geographischen Gesichtspunkten aus erörtern.
gibt dem Reich auf, ein umfassen.des Versicherungswesen unter maßgebender Mitwirkung der Versicherten zu schaffen, und nir- geiite ist gesagt, daß es sich auf die Arbeiter- 'Haft und die ihr wirtschaftlich nahestehenden Druppen beschränken müsse. Sst nicht daraus der tehluh zu ziehen, daß es auch auf den Mittel- sland zu erstrecken ist und daß insoweit Art. 164
unstatthaft erscheinen läßt, wie dieser es tut. Lind im Ergebnis dars gesagt werden, daß die Wünsche der Krankenkassen Erfüllung auf legale Weise nur auf dem Wege einer Verfassungsänderung durch Beschluß einer Zweite ittclmehrhcit des Reichstags finden können. Freilich fehlt es an einer Stelle, die den Reichstag hindern könnte zu beschließen, daß die Erhöhung der Pflichtgrenze sich in Llebereinstim- mung mit der Verfassung befindet und dann diese Erhöhung mit einfacher Mehrheit Gesetz werden zu lassen. Demr wir haben leider nicht, wie die Vereinigten Staaten einen Gerichtshof, der über der Verfassungsmäßigkeit der Gesetze zu wachen hatte. Will eine Mehrheit die Verfassung brechen, so hat sie die Möglichkeit, es zu tun 'Aber dann brandmarkt sie sich selbst. Lind den dadurch Geschädigten bleibt auch dann ein Weg offen, auf dem sie ihr Recht finden können, ein Weg, der heute noch nicht gewiesen zu werden braucht. Denn noch besteht die Hoffnung, daß der Reichstag sich nicht dazu hergeven wird, die Verfassung, auf der sein eigenes Dasein beruht, zu verletzen und die Hand zur Vernichtung des deutschen Mittelstandes zu bieten.
und seiner Verwandten hrraushebt. Don der Hand des in Berlin lebenden Bildnismälers Georg Lampe (geb. 1858) stammt das Bild von Dr. S p r u ck, das ihn in halber Lebensgröße (Brustbild) barstellt. Von geringerem Werte sind dagegen die Bilder seiner Großeltern, des Balthasar Spruck, ein Oelgemälde, und der Christine Spruck, geb. Schneider, in Pastell; dazu klommt, wohl am unbedeutendsten, das Aquarell einer 1908 gestorbenen Tante des Stifters. Die Maler der drei letztgenannten Bilde^ sind unbekannt, machen wohl auch kaum den Anspruch auf Berühmtheit.
Von Landschaften sind zwei Pendants zu nennen: „Stalienische Landschaft mit Pferden" und „Stalienische Landschaft mit Kühen"; beide sind von Heinrich Wilhelm Schweickhart gemalt, dessen Lebenszeit zwischen 1746 und 1797 fallt; er war seit 1786 in London tätig. Auch die beiden von dem Münchener Maler Albert von Keller herrührenden Gemälde „Römerin am Wasser" und „Der Landschaftsmaler" müssen an dieser Stelle genannt werden, da sie ihr Motiv in die Landschaft hineinsehen. Aber wie so ganz anders muten sie den Beschauer an! Keller, der 1920 in der bayrischen Kunststadt gestorben ist, ist auch der Maler weiblicher Schönheit; beide Bilder sind des Zeuge. — Den il ebergang zum Genrebild bezeichnet das große ©entölte „Vornehme Leut "; es ist 1904 entstanden; eine Reproduktion erschien im selben Sahr im 44. Bande, Heft 32 der Zeitschrift „Lieber Land und Meer". Der in Düsseldorf schaffende, 1876 geborene Künsller Hermann Anger- meijer zeigt uns Kinder, die in altertümliche Gewänder gehüllt, in steifer und vornehmer Haltung die Zeit der Großeltern nachzuahmen trachten — Hierher darf auch ein Bild von Albrecht Adam (1786—1862) gezählt werden; es stellt die Szene dar, wie sich Graf Pappenheim die Reitpferde vor seinem Palais in München, Driennerstrahe, vorführen läßt. Das Bild hat enge Beziehung zu dem Stifter des Vermöchte nisses, insofern es ein Geschenk des Grafen an seinen Domänenrat Ferdinand Haas, den Großvater Sprucks, war. Adam war m feiner Zeit berühmt als Schlachtenmaler und als Darsteller edler Pferde.
Krankenversicherung und Reichsverfassung.
Äon Or. Freiherrn v. Freytagh-Loringhoven, t-.pro^i o-r derRechte an derüniversiMBreslau,
M. b. X
( Die von dem Hauptverband Deutscher Krankenfassen gestellle Forderung einer Erhöhung .der P f l i ch t g r e n z e der Kranlenversicherung ist von weiten Kreisen des Mittelstandes mit lÄ>hafter Besorgnis ausgenommen worden. Mi: Recht. Denn es handell sich hier um die Gefahr einer schweren w i r t s ch a f t l i ch en und moralischen Schädigung dieses Kerns des deutschen Dolles. Wird die Pflichtgrenze von 3€00 auf 6000 Mark Sahreseinlommen hinauf- gesetzt, so wird ein sehr großer, wahrscheinlich der größte Teil des Mittelstandes in die Zwangsversicherung einbezogen. Er wird genötigt, Beiträge zu zäh en. ÖL er e6 ichhöher sind, als die Summen, die er bisher für gesundheitliche Zwecke aufwandte, während die auf die Bedürfnisse anderer Kreise zugeschnitte- nen G e g e n l e i st u n ge n der Kassen seinen Ansprüchen nicht genügen können Snsbesondere wird seinen Angehörigen zugernulet, sich als Kassenpatienten behandeln zu lassen, was sie innerlich ablehnen, und zwar deshalb, weil der Mittelstand unter einen Zwang gestellt würde, der seinem innersten Wesen widerspricht. Sst doch stets die Selbstverantwortlich- f leit für das eigene Schicksal das Kennzeichen des Mittelstandes gewesen. Wird sie beseitigt oder auch nur beschränkt, so wandelt sich der Mittelstand zu einer Schicht, die Fürsorge empfängt und darum gar bald fürsorgegewohnt und fürsorgebedürstig wird. Besonders verderblich muß sich noch dazu die geplante Maßnahme <wf die Aerzieschaft aus wirken Die Pri- natpraxis schrumpft vollends zusammen, die Einnahmen sinken, und das letzte Ziel der Kranken
Edel und vornehm in Auffassung und Farbe ist das als „Snterieur“ bezeichnete Gemälde von Karl Albrecht (geb. 1862), das uns die Stille eines Wohnzimmers bewundern läßt. — Der Münchener Genre- und Historienmaler Hermann Kaulbach (1846—1909) zeigt einen „Schuster in der Werlstätte", eine prächtige Gestalt, die in ihrer Arbeitsstube lebendig wirkt. — Wohl das wertvollste Bild ist der unter Glas gerahmte „Estnische Bauer" von Eduard von Gebhard; es bildet, wie es scheint, einen Ausschnitt aus einem großen Gemälde des berühmten Düsseldorfers, dessen vor kurzem erfolgter Tod (1838—1927) dem reichen Schaffen des re» ligiöseu Historienmalers ein trotz seines hohen Afters allzufrühes Ziel gesetzt hat.
Neben dieser in Vorstehendem kurz skizzierten Gemäldesammlung verdankt Gießen dem Verstorbenen noch eine weitere Fülle wertvoller Kunstgegenstände, die japanischen und chinesischen Ursprungs sind und demnächst im Dölkermuseum gezeigt werden sollen Doch sind vorläufig schon einige besonders schöne Stücke daraus bei den
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Matscher Maler der Gegenwart und Dergangen- beif, und wenn darin Namen wie Hermann Kaulbach, Albert von Ke Iler, Eduard von Gebhard vertreten sind, so beweist das. teh dem Verstorbenen ein feines Gefühl für edle JUnft eigen war, aber auch daß er wußte, mit feiner Gabe in seiner Heimatstadt dankbares, entgegenkommendes Verständnis zu finden. — Nachen die Bilder von der Hand des in unserer
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schwunden. „Hat er etwa die Kasse mit- genommen?* schrie man zu ihm hinauf. Nein, erklärte der Direktor mit weinerlicher Stimme, an der Kasse werde einem verehrten Publikum das Eintrittsgeld zurückgezahlt.--
Als die ersten enttäuschten Zuhörer den Saal verlassen hatten, vernahmen sie durch die Nacht vom Hose her ein entsetzliches Gepolter und ein gellendes Hilfegeschrei. Lind man entdeckte in wenigen Minuten Cyrano in seinem Gefäng- * nis, befreite ihn lachend und — kehrte gemein- sam in den Saal zurück, der sich noch nicht geleert hatte. Ein betäubendes Gelächter empfing den gefnidten Ritter. Lachen stimmt friedlich, und Rostands „Cyrano de Bergerac" wurde vor dem aufgeräumtesten, heitersten Publikum der Welt zu Ende gespielt.--
Theater im Theater.
(k) Hchanghai.
Sa, — so schreibt der Korrefpondextt eines englischen Blattes, das sitzt nun einmal so im chinesischen Theater. Nicht allein, daß die Vorstellungen viele Stunden lang dauern und einen eintönigen Text zeigen, von dem der Europäer kaüm etwaS versteht; nicht allein, daß die Zuschauer manchmal einen halben,Tag lang aufmerksam einer Tragödie gegenüber, itzen, deren Handlung nach unseren Begriffen überhaitpt keinen Fortschritt macht, — nein, es gibt auch noch andere Eigenarten des chinesischen Theaters. Seit den Tagen der großen Revolution in China ist dieses der Kunst gewidmete Snstitut auch eine Art Trib unal geworden, in dem nicht nur große Helden der Tragödie, fonbent auch kleine militärische Lokalhelden ab und zu eine Rolle zu spielen pflegen.
Da gibt es in Tsa-pei. der Chinesenstadt von Schanghai, das K n Sin Theater. Lind ebendort gibt es einen Offizier der nationalistischen Armee. Dong-Fa-Kje. einen äußerst streitbaren Herrn. Er begab sich neulich allein in voller Uniform in das genannte Theater. Er nahm Platz und gab sich innig dem Genüsse eines unendlich fangen Dramas hin. das den Titel führt: „Eine Waise rettet ihren armen, alten Grohvate r." Ein höchst interessanter Vorwurf also. Mitten in der Darbietung jedoch wurde das Spiel plötzlich unterbrochen. Etwa 100 nationalistische Soldaten waren — ohne Eintrittskarten — in den Zuschauerraum eingedrungen und verlangten von dem herbeieilenden Direktor die besten und teuerften Plätze, die jedoch schon von anderen — zivilen — Kunstliebhabern besetzt waren. Dem unerquicklichen Disput wollte Herr Dong-Fa K e mittels seiner Dorgesehten- autorität ein Ende machen, bestieg die Bühne und wandte sich in einer äußerst höfliHen, mit viel poetischen Floskeln durchwobenen Rede an die Eindringlinge. Er kam aber nicht weit damit, denn kaum hatten diese herausgefühlt, daß der Offizier sie wieder „zur Räson bringen" wollte, begannen sie mit Stühlen und Banklehnen ein derartiges Bombardement auf den unwillkommenen Mahner, daß dieser durch einen Nebenausgang flüchten muhte.
Aber er kam nach einer halben Stunde wieder. Mit 500 Soldaten. Sn wenigen Minuten war das schönste Feuergefecht im Gange. Mit unzähligen Schußlöchem, Schatelbrücheir und eingefchlagcnen Nasen muhten die ersten Ein-
lung im Neuen Schloß gefunden haben. Sie Gefreuten eine sehr wertvolle Bereicherung der schönen Sammlung, der fte sich angliedern; denn l'e stammen zmn Teil von der Hand berühmter
düng. Nahrung usw. Aber die Erforschung des Südpolartreises eurch die Luft ist doch die Krone aller Polarabenteuer, ist das größte Abenteuer von allen. Die Entfernungen in diesem vom Ozean umgebenen, eisgepanzerten Erdteil belaufen sich auf Tausende von Kilometern, und die Flieger snrd sich flar darüber, daß sie mit einer Zwangslandung rechnen müssen und mit der Aussicht, von Robben und Pinguinen zu leben und über die eisigen Wüsten zu wandern, bis sie auf irgendeinen Walfischfänger stoßen. Sie werden auf den Flugzeugen nur das Notwendigste an Ausrüstung rnitnehmen können. Wir hatten auf der unglücklichen Scott-Expedit ton Motorschlitten mit uns. aber sie hielten die flima- tischen Anforderungen und andere Bedingungen der Eisbarriere nicht aud, und es ist möglich, daß Flugzeuge ebenfalls versagen, denn in einem Gebiet, wo 100 Grad Frost und wochenlange Schneestürme an der Tagesordnung sind, gibt es noch keine Erfahrungen darüber. Sm Fall einer Zwangslandung wird die Mannschaft versuchen müssen, nach dem Hauptlager zurückzufinden, und dann drohen ihr dieselben Gefahren, Schnee stürme. Kälte, Entbehrung, Skorbut, die Kapitän Scott und seinen tapferen Gefährte,r das Leben kosteten. Auch durch die beste Ausrüstung kann dieses größte Abenteuer nicht weniger gefährlich gemacht werden. Nur mit Zelten. Schlafsäcken, Primus-Oefen und etwas Nahrung ausgerüstet, erreichte ich unser Lager durch die Tapferkeit meiner beiden Begleiter, als wir zurückmarschierten, nachdem wir Nahrungsdepots in einem Umgreife von 225 Kilometer um den Pol gelegt hatten. Gegen Ende des Marsches, nachdem wir fast 1500 Kilometer durch das Cis gegangen waren, wurde ich vom Skorbut befallen. Gegen 150 Kilometer hatte ich noch zurückzulegen, jeder Schritt war eine Marter. Endlich brach ich, 50 Kilometer vom sicheren Port entfernt, zusammen, und wenn nicht einer mehrer Gefährten, selbst der Erschöpfung nahe, zum Lager marschiert wäre und von dort einen 2lrzt geholt hätte, wäre ich nicht mit dem Leben davongekommen. Auf solche M»enteuer müssen auch die beiden kühnen Flieger gefaßt sein, aber dafür lockt sie der höchste Preis: die Entdeckung der Geheimnisse und Wunder des einzigen großen Gebietes, das noch unbekannt ist."
durch Riesenplakate an allen Mauern und Zäunen einer hochwohllöblichen Bürgerschaft ange- zcigt, daß sie willens sei, ihr am Abend Herrn Edmond Rostands erfolgreiches Schauspiel „Cyrano de B e r ge r a c‘r in einer unerhört feenhaften Ausstattung vorzuführen. Solchem Locken kann selbst der sparsamste ftanzösi.che Rentner auf die Dauer nicht widerstehen, und so war nm Abend der Gast Hausscral bis auL den letzten Stuhl ausverkauft, der Direktor^ der Truppe rieb sich schmunzelnd die Hände und beschloß heimlich, den Aufenthalt in dieser kunstsinnigen Stadt um einige Tage zu verlängern.
Doch mit des Geschickes Mächten ist, wie man so treffend sagt, nicht gut Kirschen essen. Das Spiel nahm also seinen Anfang. Das Publikum saß mucksmäuschenstill und genoß den ersten Akt mit. einer ehrlichen Andacht, wie man sie im verrotteten Paris überhaupt nicht mehr an- trifft, und brach in begeisterten Beifall aus. als sich der Vorhang senkte. Es klatschte und trampelte mit den Füßen so lange, bis er wiederauf ging und sich die Darsteller dankend zeigten. Aber der, dem der Beifall in erster Linie galt, der, dessen Spiel den ttessten Eindruck hinterlassen hatte, der Darsteller der Titelrolle, Cyrano von Bergerac mit dem klassischen Ungetüm von Riechorgan, war nicht darunter.
Den armen Mann hatte bei Schluß des ersten Aktes ein nur allzu irdischer Schmerz überfallen. Cyrano also, in seinem Fechterwams des 17. Sahrhunderts und bewehrt mit einem langen Degen, machte sich auf die Suche. Vollkommen ortsfremd, irrte der bedauernswerte Mime durch den völlig ausgestorbenen Gasthof, ohne zu finden, was er suchte, und in der allerhöchsten Verzweiflung entschloß er sich, ins Freie hinaus- zustür-zen.
Lind er hatte sich nicht verrechnet. Er kam auf einen Hof zwischen den Häusern, und siehe da, dort winkte Erlösung. Der Schlüssel steckte außen, und ausatmend verschwand der tapfere Ritter Cyrano de Bergerac in denr engen Gelaß.
Dies besagte Gelaß gehörte einem 2lpotheker, der spät abends in seinem Laboratorium noch kostspielige Gifte braute und die pedantische Gewohnheit hat, nach getaner Arbeit sämtliche Räumlichkeiten abzuschließen, auch jenes Gelaß, das Cyrano de Bergerac barg. So tot der gewerbliche Giftmischer auch diesen Abend, ohne daß Cyrano das Llnheil gewahr wurde.
Der heitere Schluß dieser merkwürdigen Geschichte ist schnell erzählt. Nachdem der Direktor zum zehnten Male vor den Vorhang getreten war, um in Angstschweiß gebadet das immer ungeduldiger werdende und laut aufbegehrente Publikum zu beruhigen, sah er sich endlich, da er keinen Ersah für seinen Cyrano hatte, zu dem Geständnis gezwungen, der Hauptdarsteller sei auf Aütselhafte Weise spurlos ver
wesens und Verwandlung der Aerzte tn Kassenbeamte, nähert sich feiner Verwirklichung.
Die Gefahr, daß die Forderungen der Krankenkassen erfüllt werden, ist groß. Die Freien Gewerkschaften haben üjre Llnterstühung schon zuge- lagt, und damit ist die Hilfe der Sozialdemokratie gesichert. Wenn die christl. Gewerkschaften sich an- schließen, werden sich auch in den bürgerlichen Parteien Stimmen zugunsten jener Forderung linden. Die Blldung einer Mehrheit ist unter diesen Llmständen sehr wohl möglich. Demgegenüber muh jedoch betont werden, daß eine einfache Mehrheit nicht befugt wäre, die in Rede stehende Erhöhung der Pflichtgrenze zu lxeschliehen. Eine Erhöhung der Pflichtgrenze in dem geplanten Ausmaße würde im Widerspruch zu Art. 164 der Verfassung stehen und würde deshalb eine Zweidrittel- Mehrheit erfordern. Die aber wäre kaum aufzubringen.
Sn der Tat, Artikel 164 schreibt vor, den selbständigen Mittelstand in- Landwirtschaft, Gewerbe und Handel in Gefetzgebung und Verwaltung zu fördern und gegen Xlebettaftung und Aufsaugung z u schützen. Gewiß kann es streitig scheinen, wie weit solche Förderung und solcher Schuh durch staatliche Maßnahmen gewährt werden können. Wer eines ist klar: in dieser Vorschrist liegt unter allen Llmständen ein Verbot von Maßnahmen, die den Mittelstand schädigen und leine Aussaugung fördern. Da nun aber die Erhöhung der Pflichtgrenze den Mittelstand zweifellos schädigt, würde ein entsprechendes Gesetz
zurücktritt? Diese Meinung wäre unhaftbar. Die Sozialversicherung hat die Aufgabe, denjenigen Devöftcru.-.geschichten Fürso ge za gewähren, die ihrer aus wi.tschaftlichen und psychologischen Gründen bedürfen, die aus QEangel an Mitteln und Wange! an Voraussicht nicht selbst für sich zu sorgen vermögen. Daß das und nur das die Aufgabe der Sozialve.sicherung ist, ist bei der Beratung des Arluels 161 auch von sozialde.nofrattscher Seite hervor gelben w.rsen. Sene Bedingungen sind aber beim Mittelstände nicht gegeben. Seine Angehörigen haben seit jeher durch die Tat bewiesen, daß sie gewillt und im Stande sind, ihr und der Shren Schicksal aus eigener Kraft zu sichern. Tatsächlich geht es ja auch nicht darum, sondern um den Wunsch, den leistungsfähigen Mittelstand als B e i t r a g s z a h l e r !;€ ar.u ieffe i und so den Snteressen der Kassen und der jetzt Versicherten dienstbar zu machm. Da; aber steht in geradem Widerspruch zu dem Willen des Gesetzes, wie er in Artikel 161 zum Ausdruck kommt.
So bedeutet denn Artikel 161 keine Einschränkung des Artikels 164. Er stützt ihn vielmehr, intern er die Erhöhung ter Pflichtgrenze unter einem anderen Gesichtspunkt ebenso
Die Gemäldesammlung Eprua. rtlödlischcKunstsammlungimNeuenLchlotz, Lcnckenbergstratzc.
.Durch das Vermächtnis des 1928, auf einem LLoyddanrpfer in der Nähr t>on Ceylon jäh verstorbenen Gewerberats Dr. Ludwig Adolf 5 y r u ck. eines geborenen Gießeners, ist unserer öladt ein wertvolles Erbe zugefallen. Zwar lebte Dr. Spruck in Hamburg-Wandsbek, wo sich sein Dienstsch befand, aber er hat die Verbindung mit der Heimat nie abgebrochen; smd doch feine Großeltern und Eltern hier auf dem aften Friedhof begraben, bei denen er nach seinem Tode zu ruhen wünschte. Ein gutes Q^er- stondnis für Kunst, große Liebe für die Schmähest en ber weilen Welt und reges Snteresse für Ethnographie, namentlich des fernen Ostens. k»ermochten die Einförmigkeit des Berufs und bi*' Einsamkeit des Sunggesellenlebens in ihm befriedigender Weise auszugleichen. Das zeigt sich auch in demjenigen Teil des der Stadt ge- toorteneu Erbes, das in Kunstgegenständen oe- I>rht; zu ihnen gehört eine Reihe von Geralden, die jetzt vorläufig ein Heim in einem Raum der städtischen Gemäldesämm-
verfassungsändemd, um nicht zu sagen, v e r - sassungswidrig sein unb dürste mit einfacher Mehrheit nicht beschlossen werten.
Aber, so könnte man eintoenten, Artikel 161
et 1928.
Dr. Seit, twwtrdatntinlj« rth Tttartnchfr ‘^VamiiSttrhA) “Wfcbeultlgt «wddteo Tdnt lbtl /448A iKreuipl,9/io »eheraweg 68a lllllllllllllllllllllllliw
Tas „KoPPje Koffee".
(r) Amsterdam.
Herr Droog stoppel ist eine ter volkstümlichsten Persönlichkeiten des Königreichs zwischen Rhein und Kanal. Droogstoppel ist Kaffee in aller an ter Amsterdamer Börse, das Geld geht ihm scheffelweise ein, und er liebt das herrliche Leben auf Gottes schöner Erde. Man stelle sich also diesen Herrn' Droogstoppel, wie er in Muttatulis Roman „Max Havelaar" geschildert wird, mit einem kugelrunden Bäuchlein, behäbigem Gange und listig zusammengeknif- fenen Augen vor; in unzähligen holländischen Karikaturen ist er nachgezeich iet wo.den.
Lind diesem selben sympathischen Droogstoppel ist nunmehr die Petersllie verhagelt. Der niederländische Kaffeehandel sitzt trübselig in zehrender Sorge. Der K a f s e e - K o n s u m der ganzen Welt ist seit einigen Jahren ftetig zurückgegangen. Sogar in Holland selbst, dem llassischen Lande des stets, genußbrreiten „Koppje Koffee", in alleh Reife,ührern und Reisebrschrei- bungen gebührend gerühmt und gepriesen. Sm Sahre 1925 hat dieses Llyheil eingesetzt; damals tränten die Holländer rund 20 Prozent weniger Kaffee als im Vorjahre; 1926 wurden es wieder rund 18 Prozent weniger, 1927 gar weitere 30 Prozent, und der Verbrauch im laufenden Sahre 1928 ist, soweit Herr Droogstoppel das jetzt schon überblicken kann, wiederum katastrophal gesunken. Fast im gleichen Derhältnis hat dagegen ter Teegenuß zu genommen, unb Herr Droogstoppel als überzeugter Wahrer altüberlieferter geheiligter Sitte führt diese Erscheinung tatelnb auf den betrüblichen Llmstand zurück, daß feine Landsleute anfangen, mondän zu werden und einem gewissen Auslaute, das nur durch eines Wässerchens Breite vom Vaterlande getrennt liegt, die Formen ter Lebenshaftung nacfyuäffen. —
Dieselbe Statistik, die in Herrn Droogstoppel so betrübliche Gedanken erweckt, lehrt weiterhin, daß in den genannten Sahren auch *ter Genuß schärferer Labsale, als ba sind Genever, Schiedam und Hulstkamp, außergewöhnlich Angenommen hat. Vielleicht liegt das, wie die Presse meint, die immer solch imschuldige Miene zum bösen Spiel macht, an der verschlechterten, feuchten Witterung ter letzten Sahre. Vielleicht aber auch liegt darin ter Schlüssel für den zurückgegangenen Kaffeeverbrauch.
Chrano hinter Schloß und Riegel.
— Paris.
Honlerischeö Gelächter hat eine französische Wanderbühne in einem kleinen Städtchen in ter Nähe von Remies geerntet Besagte Gesellschaft hoffnungsvoller Mimen hatte ihre Zelle im größten Gasthofe ber Stabt auf geschlagen unb
Als „das größte Abenterler. das den gor» schungsreisenden heute noch bevorsteht", bezeichnet ter englische Admiral E. R. E v ans, der Begleiter Scotts auf seiner letzten tragischen Fahrt in die Antarktis, die beiden neuen Expedittonen, nach dem Südpol, die jetzt der Amerikaner Byrd unb der Australier Wi Ikins unter-


