siche Ausblicke auf ben Westerwald und namentlich auf HohensolmS geniesten wir unterwegs, so vor allem auf der großen Heiden auch Burg Greifenstein und der Wilhelmsturm in Dillenburg sind oberhalb Bermoll sichtbar. Aach 3 stündiger genußreicher Wanderung erreichen wir DellerSdorf, wo wir Aast machen können. Wenige Minuten hinter dem Ort beginnt der Nenn weg. der unS durch prächtige Waldungen auf einsamen Pfaden in 2'.. Stunden nach unserem Endziel Herborn bringt. Beim Austritt auS dem Wald haben wir erst noch einen reizenden Blick auf das Dilltal und Burg Greifenstein.
Gießen — Dahenborner Weg — Lindener Mark — Gießen.
Eine etwa 3 stündige Waldwanderung ist die folgende: Wir gehen den Schiffenberger Weg entlang blauen Keilen nach. An den Eisteichen, wo der Wald beginnt, verlassen wir die Straße und gehen nunmehr auf dem alten Wahenbvrner Weg, einer hübschen Waldschneise, weiter bis wir an eine Dank kommen, von der aus wir einen schönen Blick auf den Schiffen berg haben. An dieser Stelle treffen wir gelbe Punkte, die vom Schifjenberg herunterkommen und uns jetzt das Geleite geben. Auf verschwiegenen, wenig begangenen Waldvfaden durch den ausgedehnten Dergwerkswald oder Lindener Mark führt unS daS Zeichen, bis wir nach geraumer Zett an die Theodorsruhe gelangen, wo wir wiederum einen prächtigen Blick auf den Schis- fenberg genießen. Bald darauf kommen wir auf die Leihgcsterner Landstraße, auf der wir heimwärts wandern.
Oberheffen.
Landkreis Gießen.
: Annerod, 29. Juni. Die Pflaster- arbeiten an der Grünberger Straße im Gießener Wald gehen ihrem Ende entgegen. Gegenwärtig ist das letzte Stück, vom Bahnübergang bis zum sog. Professoreneck, in Arbeit. Die zu pflasternde Strecke beträgt vier Kilometer. Längere Zeit nahmen die Arbeiten auf der Höhe dos Wasserwerisberges in Anspruch, denn hier mußte die Straße 30 Zentimeter gesenkt werden. In kurzer Zeit wirb die Straße bem öffentlichen Verkehr wieder freistehen.
• Leihgestern. 29. 3uni. Dieser Tage hielt der Gesangverein „Liederkranz" eine Hauptversammlung in seinem Vereins- lokal „Zum Löwen" ab. Sic galt den« Abschluß des großen Gefangswetistreites, den öec Verein am so. Juni veranstalte'e. Mit Worten herzlichen Dankes an alle diejenigen, die mitgebolfen. daS Fest vor^uberciten und so zu gestalten, daß es in allen Teilen als wohlgelungen bezeichnet werden kann, eröffnete der Vorsitzende W. Jung die Versammlung. Vor allem aber feierte ec den anwesenden Dirigenten Blaß als den geistigen Leiter der ganzen Veranstaltung, dem es in erster Linie zu danken sei. daß der Gesangverein „Lieberkranz" immer mit Stolz und Befriedigung auf seinen Gesang-Wettstreit 1928 zurückblicken kann. Sehr viel Interesse fanden die zum Teil begeisterten Zuschriften von vielen wett st reit en den Vereinen, die alle die gerechte Durchführung des Wettstreites hervorhoben, teilweise auch die großartigen Empfänge in der Heimat schildern. Wenn künftig die Vereine nur noch auf einen Wettstreit gehen, wo sie unbedingte- Vertrauen dem Dirigenten des fest- gebendeir Verein- entgegenbringen können, der Dirigent aber seine Ehre darein setzt, sich dieses Vertrauens würdig zu erweisen, dann wäre die a.' . thalben geforderte Reform der Wettstreite erreicht. Es käme dann noch hinzu die gegen* F^eitige Achtung der Gesangvereine, wie sie in dein begeisterten Briefe dec „Harmonia" Gelsen« ' kirchen z. B. so treffend geschildert wurde, wonach beim Empfang der aus Oberhessen zurück- kehrcnden Sänger sämtlich« Gesangvereine der Stad! mit dem Westfalengruß grüßten, ilnb hierzulande? Jedenfalls ehrt die glänzende Durchführung des Wettstreite- den Gesangverein „Lieberkranz'' und seinen Dirigenten. Diese An« oclennung, die von allen Seiten gezollt würbe, ist der schönste Erfolg, der errungen werben konnte. So erwuchs auS den zufriedenstellenden Erklärungen des geschäftsführenden Ausschusses schönste Harmonie, und zwischen Ansprachen und Liedvorträgen gedachte man bei einem Glas Bier auch gerne des Durstes, der bei dem Fest infolge anstrengender Arbeit „verloren gegangen" war.
- - Grohen-Linben, 29. Juni. Die Heuernte ist in unserer Gemarkung soweit beendet. Abgesehen von trockenen Dergwiesen waren die diesjährigen Ernteerträge durchweg befriedigend, wenn auch die Quantitäten deS vorigen Jahres nicht erreicht wurden. Die Winter- s a a t c n haben sich in den letzten Wochen sehr schön entwickelt. Insbesondere verspricht der Weizen eine gute Ernte. Die Sommersaaten zeigen oft ein flottes Wachstum, was wieder zu Lagerungen führen dürfte. Der erste Schnitt des Klees ist außerordentlich ergiebig, so daß größtenteils die Luzerne zu Kleeheu getrocknet werden konnte.
D L i ch , 29. Juni. Nun ist unsere Stadt schon einige Wochen im Besitz einer tadellosen * Kleinpslasterung, deren Schaffung eine dringende Notwendigkeit war. Von Fahrzeuabesitzern aller Art wird die Neuerung sehr begrüßt. Leider aber gibt der schöne Fahrdamm jetzt vielen Kraft- fahrzeugbesitzecn Gelegenheit, mit großer Geschwindigkeit die Stadt zu durchrasen, so daß von dem Sand, der erst nach vielen Monaten allmählich in die Pflasterritzen eindringen kann, gewaltige Staubwolken aufgeworfen werden, die In den engen Straßen zu einer Plage für die Anwohner werden. Von diesen Kraftfahrzeugführern werden die an gut sichtbarer Stelle angebrachten Warnungstafeln, die Im Stadtinnern nur eine Geschwindigkeit von 12 bzw. 20 Kilometer zulasten, überhaupt nicht beachtet.
s. LI t p he, 29. Juni. Beim Mähen fand ein hiesiger Landwirt auf einer Wiese die Hülle eines kleinen Luftballons, brr nach der Aufschrift aus Brügge in Belgien stammt und somit eine Strecke zurückgelegt hat. die in der Luftlinie über 400 Kilometer beträgt. Im gleichen Wiesgrund wurde vor Jahresfrist ein Ballon gefunden, der gleichfalls aus Belgien (Grace-Derleur) hierher getrieben worden war. Daß der auf gefundene Kinderballon eine so gewaltige Strecke in der verhältnismäßig kurzen Zeit zurückgelegt hat, für die die Gasfüllung eines solchen Ballon- auSreicht. erklärt sich wohl aus den starken Westwinden her letzten Zeit
Der Zweck -er Gommerreise.
Gesundheitliche Vorsorge - Körperliche Auffrischung - Seelische Llmstellung - Nervöse Erholung.
Don Dr. W. Schweisheimer.
Einem Brauch, der sich so allgemein eingebürgert hat wie die Sommerreise, muß Richtige- zugrunde liegen. Sie ist immer ein bedeutsamer Bestandteil gesundheitlicher Vorsorge gewesen, und wird e- immer mehr, je enger und steiniger die großen Städte werden. Gewiß: viele Menschen bleiben auch gesund, ohne einige Zeit im Sommer heilsame Ratuc und Ruhe aufzusuchen. Bielen stehen die wirtschaftlichen Möglichkeiten nicht zur Verfügung, — obwohl sich mit ganz außerordentlich wenig Geld be. befo mener Einteilung auch dem anfangs scheinbar Unmöglichen Wertvolles abringen laßt. Wer c c nur einigermaßen dazu in der ßage ist, sollte bie jährliche Sommerreise festgefügt in sein Leben-Programm aufnehme- Sie ist ein wichtiges Glied hygienischer Vorsorge, — und diese ist immer wertvoller und letzten Endes auch billiger als die Rachsorge: bie Behandlung ein gelte lener Krankheiten.
Der unmi' elbare gesundheitliche Zweck der Sommerreise geht in verschiedener Richtung, nach der körperlichen Seite, nach der seelischen und nach dem Zwischenglied zwischen beiden, der nervösen Sei e. Körperlich soll durch die Reise in freier Lust und stadtentfernter Natur zunächst allgemeine Kräftigung und Gesundung angebahnt werden. Wanderungen, größere Touren, Schwimmen, Rudern, Tennisspielen und andere sportliche Betätigung sollen für die untertoertig gewordenen Muskeln und die einrostenden Gelenke zum Iungbrutmen werden. Falsch ist es, dabei allzu rasch und kräftig vorzugehen. Mancher Wißet,olg einer Sommer- teife wurzelt in der anfänglichen Hebertret» b u n g der ungewohnten körperlichen Anstrengung. Der nichtgewöhnle Städter kann nicht dieselbe Leistung vollbringen wie ein Bergführer ober ein Schwimmeister. Wollen allein nützt noch nichts Wichtiger als ein kühner Wille ist hier ein bedachtes Training. Aber auf jeden Fall sollte die Zeit des Sommetutlaubs zu körperlichen Hebungen benützt werden. auch bei älteren, weniger leistungsfähigen Personen, die mit steigenden Spaziergängen ihrer Kraft gerecht werden können.
Für die inneren Organe bedeutet eine solchermaßen nutzbringend angewandte Zeit gleichfalls eine unschätzbare Auffrischung. Es müssen nicht unbedingt die stärkeren Reize von Gebirge oder Meer sein, auch in den mittelhoch gelegenen Waldgegenden ist grundlegend Gutes zu erzielen. Für Lunge und obere Luftwege ist das Eintauchen in frische, staub- und bendirifreie Lust die Darbietung des fördernden Elementes. Chronische Katarrhe, Grippe- und Crkältungsfolgen. die feit Monaten feft» hafteten und mit allen erdenkbaren Medikamenten und Behandlungsarten nicht gebessert werden konnten, sind oft rn wenigen Tagen und für dauernd verschwunden. Dabei ist zu beachten, daß im geschlossenen Zimmer der Einfluß des geänderten Klimas so gut wie gar nicht zur Geltung kommt. Die Forderung, viel ins Freie zu gehen, und sonst bie Fenster möglichst viel geöffnet zu halten, hat burch neuere physiologische Llntersuchungen innerhalb unb außerhalb eines Zimmers auch in Hellsiimaten ihre wissenschaftliche Bestätigung erfahren.
Für bas Herz unb das Gefäßsystem bedeutet die Llmstellung bet Lebensweise eine willkommene und notwendige Entlastung. Die scharfe Inanspruchnahme durch die Hast des täglichen Berufslebens wird einige Zeit ab gern Ubert. Infolgedessen arbeiten auch bie Organe bes Stoffwechsels: Darm, Rieten, Leber usw. besser: im Körper angehäuste Stoffwechselreste schwinden allmählich. Das ist nicht einer der letzten Gründe, warum man nach einer gelungenen Sommerreife sich so allgemein erfrischt und befreit fühll. Die viele freie Luft und Sonne läßt die Haut erstarken unb widerstandsfähig werden.
Sonne, Wald, schöne Ausblicke. Meer ober Gebirge, das Fehlen von Häusecketten. Farben unb Lichter, — bas sind Einzelbestanblei le bet günstigen seelischen Einwirkung deS Sommer» aufenthalles. Die gebotene Abwechslung befriedigt einen angeborenen Trieb deS Menschen. Et ist herausgenommen aus dem Rundlauf gleich- bleibender Derufsgedcinkengänge. Der einzelne verhält sich dabei verschieden: der eine ist am liebsten a llein mit der Ratur, der andere wird durch das Kennenlernen fremder Menschen angeregt, dem dritten geben die Geselligkeit, Musik und Tanz bie ersehnte geistige und seelische Entspannung. Für die seelische Zufrieden-
Mrcie Büdingen.
£2, R i d d a, 29. Juni. Sestern wurde hier die Wanderhaushaltungsschule nach Beendigung eines sechswöchigen AuSbildungskursus mit einer Ausstellung der von den Schülerinnen angefertigten Wäsche- und Kleidung-- stücke, sowie feiner, selbstbereiteter Torten und anderer Backwaren geschlossen. Die Arbeiten und Speisen erregten die Bewunderung der Beschauer. Ramentlich die Damen tonnten ihre volle Befriedigung über die Leistungen der Mädchen aussprechen. Von einer Schluhfeier mit Bewirtung der Teilnehmer hatte man diesmal unter Berücksichtigung der Zeitverhältnisse abgesehen. An dem Haushaltung-unterricht, der von der Lehrerin Erna Streckhard au- Darmstadt erteilt wurde, nahmen 14 Schülerinnen der hiesigen Mädchenfortbildungsschule tell. Sie besuchten die Schule im letzten Pflichtjahre und sind nun vom weiteren Llnterricht befreit. Leider war die Zeit für die in der Landwirtschaft tätigen Schülerinnen nicht günftig gewählt. Der Besuch der Haushaltungsschule wäre sonst stärker gewesen.
s L i h b e r g, 29. Juni. Gestern nachmittag ereignete sich tm hiesigen Steinbruch ein schwerer LInglückssall. Es lösten sich plötzlich große Erdmassen loS und stürzten herab, den Vorarbeiter unter sich verschüttend Der a^ Dedern herbeigerufene Arzt stellte bei dem Verunglückten verschiedene R i v p e n - quetschungen fest.
Kreis Alsfeld.
r. Ober-Ohmen. 29. Juni. Die Diblio- thek des hiesigen Volks bl ldungs Vereins erfuhr dieser Tage durch eine Stiftung der
heil ist Befriedigung des Abwechselungsbedürf- nifses von derselben Bedeutung wie für die körperliche Gesundheit e.ne abwechslungsreiche Ernährung. Ständig gleichförmige Ernährung mit nut einem lebenswichtigen RahtungSbestandteil führ! zu schweren Krankheiten: sie können nur Heilung finden, wenn dec Rahrung die fehlenden Stoffe zugesehi werden. Auch Seele und Geist müssen von Zeit zu Zeit grundlegend andere Reize dargeboten bekommen, soll nicht Ermüdung, Erschlaffung und schließlich Erkrankung etntreten. Die gänzliche Llmstellung auf der Somrnerrerse scha ft einen solchen Reiz. Seine Spuren haften noch lange fest, — so lange vielleicht, bis schon wieder die Strahlen der näcbst- jährigen Erholungsfahrt im voraus als seelische Reizlörperbehanblung zu wirken beginnen.
Das gilt vor allem für jene Berufe, bei denen daS Seelenleben sich infolge geistiger Anstrengung ober häufiger Erschütterung bes GemüteS crnplinblichec unb gegen günstige wie ungünstige Reize emp änglicher geworben ist. Ablenkung von ben gewohnten Gebankengängen ist bringend notwendig. Der auf weiter Strecke, aber enger Bahn sonst festgehaltene Geist kann sich anderen Gedankengängen, umfassen deren Gesichtspunk en zuwenden. Ern fühlbarer Gewinn an innerer Befreiung und verstehender Klarheit ist die Folge, Abwendung aus Reizbarkeit, Mißmut unb Bedrückung, Wiedererlangung von seelischer Ruhe, Gelassenheft und Güle.
Damit schwinden auch die nervösen Hemmungen und Verklemmungen, btt erkannt, aber nicht angreifbar, daS Leben bes Berufshastenben so unbefriebigenb gestalteten. Biele verarbeitete Menschen laufen ständig mit einer Art von schlechtem Gewissen, einem inneren Schuldgefühl herum, ohne daß sie auch bei bewußtem Rachdenken einen zureichenden Grund dafür auffinden könnten. Es ist die Liebe rarbeitun g des Geistes, die Lieberanstrengung der nervösen Leitungen im Körper, die sich auf solche Weise äußert. Das wird besser und schwindrt — ebenfalls ohne daß ein zureichender Grund zu erkennen wäre —, we m die Wirkungen der Ruhe und seelischen Llmstellung auf der Erholungsreise zur Geltung gelangen. Besonders wichtig ist hier ausreichender und tiefer Schlaf, brr Verfämnles nachhvlen läßt. Es ist eine Eigentümlichkeit des nervösen Menschen, sich nur schwer zum Fortgehen au entschließen, — also eine Scheu gerade dessen, der es am nötigsten hätte, vor dem Weg zur Heilung. Diese Lln- entschlosfenheit muß aus eigener oder fremder Kraft überwunden werden.
Die Besserung des gesamten Nervenzustondes gibt sicb nach Rückkehr in das Berufsleben am deirtlichsten In der Steigerung der Arbeitsfähigkeit zu erkennen. Die Ermüdungserscheinungen sind geschwunden, Gehirn unb Nervenleitungen arbeiten rascher. Auch absolut betrachtet, ist infolgedessen die Zeit der Ausspannung kein Verlust für die Arbeit, — so daß die Ausrede der „mangelnden Zeit" niemals zu Reck»! besteht. Was an Zett der Nerven- erholung und Körperaufsrischung gewidmet wird, das wirb mit Sicherbeit burch bte darnach gesteigerte Leistungsfähigkeit wieder erseht. Man wundert sich oft, wie leicht nach einer Erholungsreise Arbeiten vonstatten gehen, bte vorher nicht vom Platz zu rücken waren, ohne daß man sich etwa während der Erholungszeii auch nur in Gedanken mit ihnen beschäftigt hätte. Das Nervensystem ist insgesamt auf einen höheren Grad der Leistungsfähigkeit gehoben, unb bas macht sich in jeber Einzelfrage praktisch geltenb. ES kommt nicht darauf an, baß man möglichst lange Zeit arbeitet, sonbern daß tn einet bestimmten Zeiteinheit ein möglichst großes Ar- beilsmaß unb dieses möglichst gut geleistet wird. Dazu sind Nerven, bie von Zeit zu Zeit aus- geruht werben, Voraussetzung.
Don Bedeutung ist bte Auswahl des Ortes, den man auf der Sommerreife auffucht. Zwei Lieberlegungen find dafür entscheidend: zum ersten muh man sich klar darüber fein, was man vorfinden will, ob Haupt- sächlich Natur und Ruhe, ober Sport, ober lebhaftes Gesellschaftsleben: für allzunervöse Menschen ist bei letzterem Wunsch am ehesten die Gefahr des Mißgriffes gegeben. Zum zweiten muß man sich auch darüber klar sein, welchen Grundcharakter die aufgesuchte Landschaft haben soll: ob Gebirge oder Meer, Wald ober Kurort. Hierfür geben zuweilen engere gefunb- heilllche Notwenbigkeiten ben Ausschlag.
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Frau Marie Pr 1 ester von her eine schöne Bereicherung. Die Dame übermittelte dem Verein, deren Mitglied sie ist, ungefähr 50 gebundene und geheftete Werke von Kant, Leibniz. Scho- penhauer. Diefe Neuerwerbung des Vereins wird von bet Mitgliederschaft allseitig begrüßt. Lieberhaupt hat die Bibliothek, bie sich reger Inanspruchnahme erfreut, in ben beiben letzten Jahren gute Fortschritte gemocht. So gingen in biefer Zeit Bücheripenben ein von ber Deutschen Dich- ter-Gebächtnisstiftung in Hamburg, von bem ehemaligen Vorsitzen den O. Jager hier 100 bzw. 70 Vänbe. vorn Kosmos 20 Vänbe unb von bem VolkSverbanb bet Dücherfreunbe tn Berlin ein Banb.
Kreis Lauterbach.
' Lauterbach. 30. Juni. Arn 1. Juli kann bte Firma Wenzel & HooS, mechanischeWe- berei, Lauterbach. auf ihr75jähriges Bestehen zurückblicken. Von Georg Wilhelm Wenzel unb Karl HooS im Jahre 1853 gegtünbet mußte die Firma tm Jahre 1881 den Tod von Karl HooS beklagen, an besten Stelle sein Sohn Levnharb Hoos trat. Georg Wilhelm Wenzel, in Anerkennung seiner Verdienste um die Textil- industrie Oberhes'enS und seiner jahrzehntelangen Tätiakeit alS Mitglied des Prooinsiallanb- tages unb Provinzialausschusies zum Kommet- ztenrat ernannt, verstarb im Jahre 1904. fast 82 Jahre alt. nachdem 1900 sein Sohn Wilhelm Wenzel an seiner Stelle in die Firma eingetreten wat. Einen weiteren schweren Verlust hatte die Zirma zu beklagen, als ihr der inzwisc^n eben- falls zum Kommerzienrat ernannte Leonhard L)vos im Jahre 1921 durch ben Tob entrissen würbe. Nachdem er bas Unternehmen mit großer Llrnstcht durch bte Fährnisie bet KriegSzeit hin-
burchgeführt hatte, während Wilhelm Denzel vom Anfang bis zum Ende des Weltkrieges an der Front weilte, erlag er in wenigen Monaten einem plötzlich auf trete.tben schweren Leiden. Die jetzigen Inhaber. Sohn unb Entel bet Grünber. Wilhelm Wenzel unb Leonhard HooS, haben es gleichfalls verstanden, ihr Unternehmen, getreu den alten Trabitionen. auch durch die Nachkriegs- verhältnisse hinburchzubringen unb ihm feinen alten, guten Ruf unb den feiner Erzeugnisse zu erhalten. Dem Schwiegersohn von Wilhelm Wenzel, Dr. Rothamel, wurde anläßlich des 75- jährigen Bestehens bet Firma Prokura erteilt.
ch ßauterbad), 29. Juni Nachdem während deS Frühfahts verschiedene Male beobachtet worden war. bah Singvögel offenbar an Gift eingegangen waren, fielen in einer ber verflossenen Nächte acht junge Gänse beS £terrn Krömmelbein X einem ähnlichen Streich zum Opfer. Wie ber Besitzer burch ßlnfcnbcn eines ber verenbeten Tiere an baS Unter* suchungSinstitut in Gießen fest stellen lieft, sind bie Gänse an mit Strychnin vergiftetem Weizen eingegangen. Man hofft, ben Täter halb zu fassen unb zur Verantwortung zu ziehen.
chEichenrod,29.Juni. Dor einigen legen fiel beim Holzfuhren Johanne- 61-üjj von hier oberhalb Gngelrob so unglücklich vorn Wagen, baß belbe Räber be- belabenen Fuhrwerk- ihrn unterhalb be- Knies über die Beine gingen. Er trug einen schweren Unter- schenkelbruch bavon. Dr. Bruchhäuser von Ulrichstein legte ihm an Ort unb Stelle einen Notverbanb an. Man brachte ben älteren Mann auf einem rasch her bei geschafften Fuhrwerk nach Hause.
Preußen.
Eiaisberaiung in Wetzlar.
? Wetzlar, 29. Juni. Die Stadtoerord- netcnDetf ammlung beschäftigte sich, wie bereits kurz gemeldet, am DienStag in einer Dauersitzung von vormittag» 9 Uhr bis abend« 7 Uhr mit ber Beratung beS stäbttschen Etat - für 1 9 2 8. Dies« r schließt im Entwurf in Einnahme und Ausgabe mit rund 4 700 000 W k. ab. Zur Deckung des durch Realsteuern auf- zubrinaendm Fehlbetrags hatte bie Stabt* Verwaltung bie Erhebung von 625 Prozent Gewerbesteuer vom Ertrag und 2500 Prozent von der Lohnsumme, sowie von 300 Prozent Zuschla- zur staatlichen Grundvermögenssteuer vorgeschlagen: daS bedeutete eine Erhöhung ber ®runb- vermögenSsteuer um 50 Prozent Der Etat schloß gegenüber bem Vorjahre in feiner Gesamtsumme mit einem Mehr von tunb 700 000 Wk. ab Bürgermeister Dr. Kühn gab in einer mehr al« einftünbigen EtatSrede der Versammlung einen Einblick in die Einnahmen und Ausgaben bet Stadt, begrünbete besonder« bie Erhöhung ber Etatssummen im einzelnen unb stellte fest, haft diese in erster Linie burch zwangsläufige Er- Höhungen herbeigesührt sind, so u. a. durch Ne Erhöhung ber Beamten-, Angestellten- und sonstigen Löhne, burch bie erheblichen Mehrausgaben des SchuletatS, durch ein Mehr an Zinsen usw. Weiter gab der Bürgermeister noch ein Bild über die Vermögenslage der Stadt, au« bem hervorging, baß bas bewegliche unb unbewegliche Verm ögen mit runb 16,6 Millionen bewertet wirb, dem eine Schuldenlast von 9.6 Millionen gegenübersteht. In der letzteren sind zum Teil noch flüssige Anleihegelder enchalten, bie für Anlagen bestimmt sinb, bie teils erst begonnen. teils noch nicht in Angriff genommen sinb. Wettere dringende Pläne, die ber Bürgermeister kurz anbeutete, sinb mit Rücksicht auf ben angespannten Etat unb Delbmarft vorläu'lg Aurückgestcllt. In der eingehenden Besprechung durch die einzelnen Parteien wurden dec EtatS- entwurf und die beantragten Steuersätze einer eingehenden Llnlersuchung unterzogen. Besonder« die geforderten Mehrbewilltgungen fanden bei keiner Partei. Weber auf der Rechten, noch auf der Linken, Llnterstützung. Don verschiedenen Rednern wurde besonders darauf hingewiefen, daß die Unterlagen für da« Istergebni« von 1927 noch nicht vorhanden sind, um gerade in bezug auf bie Berechnung ber Realsteuern einen richtigen Lieberblick zu haben, deren Isterttag allgemein höher angenommen wurde, al» der vorjährige Etatsentwurf es vorfah. Auch bie ftäbti- schon Eigenwirtschaften unb bie Verkehr«-A-G. wurden in ben KreiS ber Besprechungen einbe- Svgen, befonber« in bezug auf ihre Rentabilität. 2lus ber Debatte ist erwähnenswert bie Absicht ber Stabtverwaltuna. neue Projekte zur Verbesserung ber Schulverhältnisse an ben Volksschulen in Angriff zu nehmen In ber Spezialberatung d?s Etats würben bis auf Kleinigkeiten die angesetzten Beträge für richtig befunden, wobei die Feststellung von Wichtigkeit ist. baß bie Verwaltung schon von sich aus. um eine Bilanzierung brs Etats in ber heutigen Höhe zu erreichen, fast alle sächlichen Ausgaben um 25 Pro* zent herabgesetzt hatte. Stabtrai Winkelrnan« gab als Antwort auf bie Feststellungen verschiedener Redner über bie zu erwartende Höhr ber Realsteuern noch Aufklärungen, bte bie Richtigkeit ber von ben einzelnen Jtebnem errechnet» Summen vom Standpunkt der Verwaltung einer Kritik unb Berichtigung unterzogen. Da Stadtv. Kauer im Namen ber VolkÄxrrtet. ber Demokraten. bes Zentrums unb ber Deutschnasionalen eine Erklärung abgegeben hatte, baß biefe Parteien glaubten, auch für ben bieSjahrigen Haushllt ohne Erhöhung ber Realsteuersätze au»zufommen und mir beren vorjährige Höhe zu bewilligen beabsichtigten, eine Erklärung, bie burch die Rebner brr Lln- politifchen Liste, sowohl als auch ber SPD. unterstrichen würbe, erklärte Bürgermeister Dr. Kühn, baß er feine Schwierigkeiten machen wolle, jedoch darauf Hinweisen müsse, bah er voraussichtlich gezwungen sei. ber tm fommenben Herbst neuzuwählenben Stadtterorbnetenversamm- lung einen RachlragSetat vorzulegen. Die bewilligten Steuersätze setzen sich nunmehr zusammen aus 250 Prozent Zuschlag zur staatlichen ®runtnxtmögen8fieuer, 625 Prozent Gewerbesteuer trom Ertrag unb 2500 Prozent Lohnsummensteuer. Das Soll dieser Steuern ist im Etat mit rund 320 000 Mk bei ber Grund- Vermögenssteuer und 620 000 Mk. bei ber Gewerbesteuer unverändert stehengeblieben
Kreis Wetzlar.
2 Wetzlar, 28. Juni. Die von der hiesigen ©tcottxerwaUung feit kurzem eingerichtete 3er- w?^^"g^bEamtenfchule erfreut sich eine« guten De'uches. Die Tettnchmer setzen sich au« ^Beamten unb Angestellten ber Stabt Wetzlar, ber KreiSverwaltung und ber Aemter de« Äteifel Zusammen. An bem ersten Lehrgang nehmen 45, an bem zweiten 23 Verwaltungsschüler teil-


