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Nr. '52 Drittes Blatt Lietzener Anzeiger (Seneral-Rnzeiger für Gberhellen)Samstag, 50. Zuni 1928

Wandern und Reisen Bäder und Sommerfrischen.

Zm Lahntal.

SOon Lto Sternberg.

Der preuß/che Staat hat kürzlich dem hvlländifchcn Koten Äreuj ba» Sch loh Dranicnftein in Anerkennung der großen Ter bien fte um bie deut'che Ainberfür'otge -um Gv'chcnk gemacht. Das Schloß da» 40 Jahre lang al» Strafanstalt biente, 'oll zu einem Erholungsheim für holländische Kinder eingerichtet werden.

Aehnlich wie Büdesheim bie am Ausgang des Mainzer Beckens gelegene QmqangÄpTotle zum Durchbruchstal des Rheine» bildet, liegt Diez am westlichen Rande deS weiträumigen Limburger Zedent, wo d.e Lahn m da» enge Durchbruchstal eintritt, durch das sie in wett ausfchlagenden Windungen sich dem Rhein entgegen'chlängelt. Und wie der Rhein auf jener kurzen Strom strecke von Rüdesherm bi» Koblenz zu einem der schönsten XÄIef der Welt sich ent­faltet, drängt auch bie Lahn auf ihrem Unter­lauf zwischen Diez und Riederlahnstein all ihren Zauber zu einer Szenerie von unvergleichlichen Eindrücken zusammen. Selbst darin erweist sie sich als echte Tochter de» Rheins, daß ursprüng­liche Ratur kwrt wie hier mit sichtbaren, noch in bie Gegenwart hineinwirkenden Zeugen reicher Kultur und Geschichte sich zum Bilde einer durch das Geistige gebändigten elementaren Landschaft verbindet.

Die ehemalig nattauifch-vranifche Residenzstadt Diez aibl den kraftvollen Auftakt. Drei Zeit­alter haben an ihr gebaut. Den mittelalterlichen Kern der Altstadt mit Jenen hochgegiebelten Fachwerkhäusern. Treppenaufgängen und male- rischen Winkelgassen überragt auf zwergipfeligem Dorphdrfels die phantastische Baugruppe der Rezeptur und des GrafenfchlosseS. de» Starnrn- fihe» der Diezer Grafen, deren Herrschaft wegen ihrer Fruchtbarkeit ..Die goldene Grafschaft" hieß. Der riesige, mit vier Gcktürnichen gewapp­nete Bergfried bildet das Wahrzeichen der Stadt. Bor den Toren von Altdiez - eine Schöpfung au» einem Guß die luftigen Plätze und freien Straßen der R e u st a d t mit den gebroche­nen Manfardendächern. Quergiebeln unb stilvoll geschnitzten Eichenholztüren ihrer Darockhäufer. Und schließlich da» moderne Diez: Ein Kranz von schattenumspielten Landhäusern auf den bie

älteren Stadtteile umgrünenden Schrägen und Höhen. cb'e-U von den Marmorwerken und Ka­minen der Kalkülen, die m;t dem Aufblühen der Industrie vor den bunten Lieinbrüchen der Lahn- ch'en sind. Das Danze c t har­monisch m die Landfcha't eingebettete» Stadt­bild. beb einen großartigen Rahmen gewinnt durch dierden Zernfichten auf Taunu». Wester­wald und das untere Aartal. die zahlreichen Punkte de» Park» und der zu ihm ansteigenden Straßen darbieten.

Man kann auf Diez do» Taffo-Wurl anwen­den: ..Ferrara ward durch 'eine Fürsten groß" De in'eiben nassauischen Grafengeschlecht. au» dem Wilhelm von Dramen, der Befreier der Rieder- lande, hervorgegangen, entstammten auch d.e Fürsten non Raff au-Dl«» und O r a n i e n . die zugleich erbliche St : Nhalter der nieder- ländi'chen Republik waren. Sie fchenlten in Wilhelm III. England einen feiner bedeutendsten Könige und den Bereinigten Riederlanden da» noch heute regierende Kön'.gSgeschlecht. Die im Kampf mit Spanien, erftritten die Dränier ein zweites Mal im Kampf mit Ludwig XIV. den Riederländern die Freiheit. Die Doppelfkellung der nassauischen Fürsten brachte es zwar mit fich. daß sie ihre Stammlande zumeist vom Haag au» verwalten ließen. Dennoch verdankt Diez den Fürstinnen Albertine und Amalie von Rasfau-Dranien die Gründung der Reustadt und Heranziehung von Kolonisten seine ganze moderne Entwicklung. Die Fürstin Amalie, beten Mar- mor^arkophag zu den bemerken-wertesten Grab­denkmälern der Stiftskirche gehört, war es auch, die den Aufbau des Schlöffe» Dranicnftein vollendete, eines stattlichen BarockbauS, der sich auf steil gegen die Lahn abfallendem Kalkfelfen erhebt, wo einst das Ronnenkloster D i r ft c i n stand, bekannt durch die sowohl von Maeter­linck wie Gottfried Keller behandelnde &genbc von jener jungen Pförtnerin, bie von der Welttust aus der Zelle getrieben, schließlich büßend -urückkehrte, um zu finden, daß niemand ihre Flucht bemerkt hotte, weil die Himmels­königin in ihrer Bertretung und Gestalt den Pförtnerdienst versehen. Das Lustschloß, das den Romen der Erbauerin aus dem Haufe Dranicn trägt, ist das Werk des genialen Pariser Archi­tekten Da niel Marot. Die von italieni­schen Künstlern aus der Decke herausgemeißelten Stuckarbeiten gehören zu den ausgezeichnetsten

ihrer Art. Die nach Diez führende Allee von MOjäfcr.gen Linden fowie den ..Hain", einen Waldpark mit abweck elung^re.chen Anlagen, ckr.f der berühmte Gartenarch.tckt Ludwig von Stell. Heule befindet sich dort da» Kurdaus des Felke bade» Die; mit fei nm mutter- gültigen Lchmkure nrichtungen unb Lu'thütten Unter den rauschenden Buchen des Westrandes dagegen der we hevolle Shrenhain für bie im Weltkrieg Gefallenen, einer der erften unb wür­digsten in Deutschland.

Wenn Diez eine echte Schöpfung protestantischer Kultur barftcllt. zu der Johann VI., der gr. ste Bruder Wilhelm» von Dranicn. durch öin'üb- rung der Re'vrmation den Grund gelegt, voll­brachte seine Rachbarstadt Limburg ihre höchste Kulturleistung im Mittelalter. Der St. Georgsdom. der baukünstlerische Brennpunkt de» ganzen Unterlahngebiets, findet in der Kunst­geschichte nicht seinesgleichen. Ein Meisterwerk des UebergangSslilv. steigt das siebentürmige Bauwerk auf hohen Uferfelsen ..zu Ende gedachte Ratur" scheinbar aus den Wassern empor, umringt von dem Zackenwalde der giebcl- reichen Stadt. Das Grabmal seines Erbauers Graf Konrad Kurzbold stellt ein Juwel gotischer Plastik dar. Da» Kreuzreliquiar unb der Petru»- stab des BiStumS'chatzeS gehören zu den wert­vollsten byzantinischen

10. Jahrhunderts. Auch do» Diözesanmu'eum enthält beachtenswerte Kunstwerke. Richt min­der hohs» künstlerisches Interesse darf die mo­derne Basilika der Pallottiner mit ihrem vom Printip der Parabel beherrschten neuen Kirchen- Dauftii beanspruchen. Die bis ins 14. Jahr­hundert zurückreichende berühmte Chronik deS Limburger RotS'chreiberS Tilemann Elhen von Wollhagen ist als Sprachdenkmal wie al» volks­kundliches unb kulturgeschichtliches Quellenwerk von gleich hoher Bedeutung.

Wenn wir von dem Angelpunkt des Limburger Becken» aus den Unterlauf der Lahn weiter verfolgen, fo löst »wischen den beständig sich verschiebenden Kulissen schroff abfallender Fels­wände unb verlockender Seitentäler ein seiselndes Drtsbild das andere ab. F a ch i n g e n erscheint mit seiner weltbekannten alkalischen Mineral­quelle ; Balduin st ein mit der malerischen Ruine feiner Sverrfeste; die neu englische Gotik de» Schlofft Schaumburg, wo Erzherzog Stephan, weil er bie freiheitlichen Bestrebungen

de» Revolution»jahres 1843 unterstützte, 20 Jahre :n der Verbannung verbringen mußte. Wo aber Dörsbach- unb Geibachtal in das Lahntal mün- bcn. erhebt !ich auf hohem Waldkegel bie v.er- lürmigc K.rche des Ktotter» Arnstein, gegen­über der interessanten na'sauifchen Ta.b.irg Langenau. D.m romanii'chcn Schauplatz, wo ein Mmfteincr Mönch eines der Jr..hefien naffau'.schen Literaturwerke sLrieb unb Bren­tano» Ehrenika eines fahrenden Schülers" spielt, entreißt un» sofort da» Städtchen Rats au nr.: dem Steinfchen Schloß, der Geburtsstätte eine» der größten deutschen Staatsmänner: des Freiherm vom Stein. Kurz hinter Dausenau mit seinem febtefen Turm bann Bad Cm», da» Bad a.Ier HalSkranken. mit feinen großen und vielseitigen Inhalatorien. Se ne Erinnerungen aus den Tagen Wilhelm» I führen zu der benachbarten Flüchter Höhe mit der Steinfchen Familiengruft. An der fagenumwovenen Bur^ L a b n e a vorüber trägt die Lahn endlich bei der IohanniSkirche von Riederlahnstein dem graften deutschen Schicksalsstrome ihre Fluten zu, in denen sich seit den 'Tagen, da Vubenllufl ihren Bewohnern das Evangelium verkündigt, ebenfalls Luft und Leid der Welt gespiegelt hat.

Wanderfahrten.

Lieber vermoll Beftereborf Rennweg ßerborn.

Sine Wanderstrecke, die durch eine touristisch wenig bekannte Gegend führt ist vom B. H. E. Gießen vor einigen Jahren durch Anlage einer neuen Markierung (gelbes ItegeiuX*» Kreuz» ge­schaffen worden. Das Zeichen beginnt am 'Bahn­hof Bieber unb geht zunächst mit dem roten Kreuz gemeinsam vor der Reehmühle in den Wald. Rach kräftigem Anstieg kommen wir auf freie» Feld (die roten Kreuze haben un» in­zwischen verlassen) und bald darauf wieder in schönen Hochwald. Bor dem Waldrand prächtiger Rückblick. Am Waldende treffen wir gelbe Striche, denen wir nach recht» eine Weile folgen unb überraschende Blicke auf den Dün»berg, das Helsholz und Königsberg genleften. Der neu angelegten 'Drahtseilbahn folgend kommen wir auf die Königsberger Straße, die wir als­bald wieder verlassen, um an den Hangen de» Allenbergs entlang, die BlaSbacher Straße über­schreitend. wieder in Wald zu gelangen. Herr-

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U W U jyjiI i JrJcL Badeschriften durch die Kurverwaltung

1927: 10,300 Badaglete Wiy ^07 B 'wy

«Schlitz:

Wenn die frönbe ruben von be» Werktag» Last Unb tLrguickung bu suchst von städtischer Haft. Daun fehnend die Seele zur .lerne dringt. Wo IFiuttet Natur sie erfrticheub umschlingt. Wit kennen ein Mätzchen, das Gotte» -raub In unendttcher Wüte fetzte in» Land. Wo LUtetten geschwätzig sprudeln und springen Unb Vöglein dir goldige Lieder fingen.

> bald du vergissest des AiltugS Spur Zn gottgesegneter seiger Natur.

Wo die Stunden btr stieben in kindlichem (ülück.

Wo du träumst dich tu Märchenländer zurück. Wo 'tödlich die Angel du wirfst vom ffleftabe. Wo der Schlitzstttst dich lockt zu etauidenbem Bade. Wo Eichen rauschen cm uralte» Vteb, Wo rin reOncn dich bi» tn den Himmel zieht.

v^n belltge» Sehnen.--

O still » und komm'

In bet Schlitzet Wälder herrlichen Dom. Luftkurort hchllt» altberübmt.

Vrofvekt durch Betkedtvoerein Schlitz lDbetbesteni.

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