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Samstag, 3X Juni l<)28

tt. 152 Erstes Blatt

178. Jahrgang

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

VniS kmd Verla-: vrLdl'fche UnfotditftipBetb- anö Siehiöniderd K tauge tu Gießen. Zchrtstlettnng und 6cfd)äft$lte!lr Zchnfffraße 7.

Die Strafanträge des Staatsanwalts im Donez-Prozeß

$ür die deutschen Ingenieure bis zu einem Jahr (Gefängnis beantragt. Die AnNage gegen Meyer fallengelassen.

ben

Die Llebernahme der Regienmgsgeschäfle

alS die Voraussetzung für

traucnäan traget die weitere ^eg

teutterlid) wird lich diele

vertreten sind.

erste Sitzung des neuen Kabinetts ging in der

Frage so gestalten, daß die ReichsratSvor läge an den Reichstag weitergelei

Moskau, 29. JanL (TB.) 3m Anschluß an die bereit» gemeldeten Anträge gegen 31 Angeklagte im SchachlyDrozeß stellte Staatsanwalt kryl « nko seine Anträge gegen die übrigen 22 Angeklagten. Er beantragte die lode» st rase gegen zwei Mit­glieder der Mo»kauer Zentrale, gegen neun füh­rende Mitglieder der Lharkower Organisation und gegen zwei weitere Angeklagte, die Spiooage- aufträge au »geführt haben sollen. Gegen die übrigen Angeklagten beantragte firt)lento Gefängnis- (trafen. Gegen den deutschen Jngenieur Otto wurden sechs Monate bi» ein 3ahr Ge- fängnl» beantragt, krylenko ließ die Anklage gegen Meyer fallen Lr beantragte gegen Bab(lieber bedingte Verurteilung.

.2 Hand als Sieger durchs Ziel au gehen Der ... .yr- ift't zufrieden.

dritten Rachmtttagsstunde au Ende. Laut Tägl. te t wird. Die Entscheidung wird dann im Plenum Rundschau ist zu erwarten, dah heute und in den | gesucht werden müssen.

deS Wettbewerb- gehindert gewesen leien.

(fine deutsche Erklärung zu den Anträgen ^rylenkos.

irischasi.^itir, i Mm mri Ji t'mn Krisis da Mwhh terium nti tiittiftw* mhen, bk *oNt V fahren btf Köglichei iljrtr Jofftntl'A bau- Da» fofl&ntn uiwr-

SiMyM » Lszeigea f*r btt logtinuwiiner bi» jun Nachmtnag vorher.

Preu s»r | mm h-de ftr Anzeiqen von 27 mm SrciU Örtlich 8, auswärts 10 Xetd)»p<nnig; für Sie« Idamean-eic.en ron 70 m Breite 35 Brichspfemng, Platzvorschttft 20' . mehr.

Chefredakteur

Dr Fnedr Dilh Lanq«. verontworilich für Politik Dr Fr wild Lange für FeinUeton Dt tz Ibpriot, für den übrigen Teil Ernst vlumichtin, für den An­zeigenteil Muri FiiOmonn. sämtlich in Clietzen

Das Provisorium.

Hach dreimaligem Start ist es nun endlich d: -marm Müller-Franken gelungen, mit einer. <-tn auch erst provisorckchen. Minifterlisie in

Berlin, 30. Juni. (Tel.) Zu her Meldunq über die Strafanträge gegen die deutschen An- gekiagten im Schachtnprvzeß wird, wie hie Mor­genblätter melden. von maßgebender deutscher Seite mitgeteilt: .Das hier be­kannte. gegen Otto vorliegende Material kann eine solche Strafe unter keinen Umstün­den a l S gerechtfertigt erscheinen lassen. SS ist zu hossen, dah daS Sowietgerrcht in mass­voller und besonnener Abwägung der vorliegen­den Tatsachen zu einem anderen Schluß kommt, aiS her Herr Staat-anwalt ÄtDk.uo. Dis deutsche öffentliche Meinung würde jedenfalls kein Verständnis dafür ausbringen, wenn d^.ö Gericht dem Vorschlag deS StaatSantvaltes folgt.

'»scheint täglich, astet CMNtag» AN» Feiertag» settage».

rhener FamtlienblLvet

Heimo) tm Bild

Vie Scholle rtonais-rtiuestreti;

Aeichsmarii unb 20 OlchsGfeMnig für Träger» tu. auch bet Richter- >rtnen einzelner Nummern Hh höherer Gewalt. Farnsprechonlchlösse:

51, 54 unb 112

Schrift für Drahtnach» ten. leieiger slrlZe».

Psstschrckkoats:

-entturt am Mais 11886.

die Deutsche Dolksportei schon in der ersten Phase der 3iegicrunflstri|e zum Angelpunkt der Berhand» lungen gemacht hatte, wiederum in feiner entschei­denden Bedeutung herausgestellt worden. Der fal­schen Zenlrumstaktik, die im dritten Akt in zu später Erkenntnis der wahren oifuat.on, Zielen zu- streble, die sie im ersten Akt durch Srhulter-an- Schulter stehen mit den anderen bürgerlichen Par­teien mühelos Hölle erreichen kennen, ist es zu ver­danken, dah die Regierungskrisis mit einem Pro­visorium endet, und dieses Provisorium der So- ziatdemokratie mit dem Ministerpräsidenten, Innen­minister und Landlagsprastdenten in Preuhcn, mit dem Reichskanzler, Innen«, Finanz« und Wirt­schaftsminister, dazu dem Rc.chstagspräsidenten auch i m Reich zwar eine ungeheure Mochtstcl- lung cinräun , ohne aber die Frage der Vcrant» wortlichkeit so eindeutig klarzuf den, wie es nach dem sozialistischen Wahlsieg vom 20. Mai dringend wur/chcnswert gewesen wäre. DasJtabinett der Köpfe" wird zweifellos vom Reichstag m irgendeiner Form ein Dcrtrauensootum erhalten, schon weil >m Augenblick alles so gegeneinander verrannt ist, dah keiner danach strebt, Hermann Müllers Rach« folge anzutreten. Es wird dann die Möglichkeit haben, bis zum ijerbft zu arbeiten. Aber es bleibt in seiner schließlichen Konstruktion ein Behelfs- mittel, zu dem man gegriffen hat, weil sich nichts anderes bot, das aber durch etwas Besseres und End- gültiges ersetzt werden muh, sobald die Voraus- setzungen für eine Umbildung gegeben sind. Erst dann wird man die Probe aufs Erempel machen können, ob mit den Sozialdemokraten überhaupt zu regieren ist oder ob diele neue Große Koalition nicht an den gleichen Hemmungen zerbricht, an denen die Stresemannsche des Jahres 1923 scheiterte.

iStrcfenuinn selbst hat als Reichskanzler einer r-Jfcn Koalition in bem Jahre de- Unbeite K3 einen Rekord erreicht, der dem von Her-

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die weitere Regierungstätigkeit betrachtet, liebet die Vorbereitung der Regierungserklärung schreibt die .Tägl. Rundschau weiter: Es han-

5 i r m a Knapp glaubte, baß der alte rus'ifche Drundlatz. wer gut schmiert, der gut fährt, immer noch In Kraft fei. Ivie feftge- stellt wurde, habe die Firma f ch 1 e ch t oct« packte Maschinen, auch Bruchware. nach Rußland geliefert, wodurch die russische Wirt- schajt L-cld).hbii wurde. Irgendeine ' .

der deutschen Firmen mit Pari- habe nicht be­tt an ben, weil die Firmen daran schon au- ®mn-

folgenden Tagen das Kabinett sich weiter mit dem Regierung-Programm beschäftigen wird. Tßie es dem Vlatt zufolge scheint, bat da- Kabinett sich gestern auch mit der Frage belchästigk, ob es ein Vertrauensvotum fordern. ober 'ich mit der Ablehnung von Mihtrauensanträ^en Au­frieben geben soll. Man kann annehmen, dah der neue Reichskanzler die Annahme eines Vor­

©er Regierungswechsel.

Berlin, 29. Juni. (IU. Amtlich) Am 28. Juni, nachmittags, trat unter dem Vorsitz des Reichskanzler» Dr. 711 a r g da» alle Reichskabinett zn einer legten Sitzung zusammen. Reichskanzler TKarg sprach den Hldgliebnn de» Reichska'olnltt», insbesondere auch dem Infolge Krankheit abwesenden Reichsmioister Dr. Strefemann, für ihre ZUlt- wlrkung seinen wärmsten Dank ans, der vom Reichsjustizminister k) c r g t, dem Stellvertreter des Reichskanzler», zugleich namens der übrigen Rcichs- mlnlfter herzlich erwidert wurde. Am vormittag des 29. Juni übernahm Reichskanzler Mül­ler-Franken die Dienstgeschäfte im Reichs­kanzlerhause, wo ihn der Staatssekretär In der Reichskanzlei, Dr. Pünder, begrüßte und ihm die Beamten, Angestellten und fjausarbeiter der Reichs­kanzlei vorstellte. Um 11 Uhr vormittags sand so­dann im Reichskanzlerhause die erste Sitzung de» neuen Reichskabineti» statt. Rach der Vereidigung der neu hinzugelretenen Mitglieder de» Reich»kabinetl» durch den Reichskanzler trat das Kabinett in die erste Beratung Ser Regierungs­erklärung ein. An den abwesenden Reichsminl- ffet Dr. Strefemann wurde seitens de» Reichs­kanzler» mit Zustimmung de» Reichskabinett» ein Bcgrüfoungetelegramm gerichtet.

©ie erste Kabinettssitzung.

Die Vorbereitung der Regierungserklärung.

Berlin, 30. Sunt (Priv.-Tel.) Die gestrige

beit sich zunächst einmal darum, dah daS Kabi­nett sich über bk allgemeinen Richtlinien der Er­klärung einig wirb. 3m Anschluß daran ©erbot bann Die Ressorts die Au-arl»eitung der einzel­nen Teile übernehmen, und es werben bann in einer neuen Sitzung diese einzelnen Teile zu einer einheitlichen Erklärung zusarnmengesasit werbe:.. Man kann annehmmi. dah das Kabinett Müller eS vermeidet, in der Regierungserklärung vorhandene Differenzpunkte zu berühren, über die bei den interfraktionellen Besprechun­gen scharfe gegensätzliche Meinungen herrschten. Die Frage des PanzerschissbaueS wird nicht behandelt werden, sondern im TD e g <* de r Exekutive ihre Erledigung finden. 3>t bet Frage bet Amnestie wird man vermutlich eine Form wählen, die dem Reichstag selbst die Entscheidung über de Einzelheiten der Ausgestaltung überläßt. Schwierig ist die Frage der Proklamierung des 11. Augusts zum R a - tionalfciertag. 3n diesem Punkte wird weder eine Einigung im Kabinett herbei'usühren sein noch unter den Fraktionea. die im Kabinett

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lÄst degrad'.eN wird, sondern unabhängig von Idt Fraktionen sich die Persönlichkeiten imLrchen, die man als Mitarbeiter brauchen mit ihnen die großen Linien der beabsich- l--.fi Politik in einer Reg erangSerklärung zu- | st-menfassen unb für diese bann bas Ber- Mirm des Reichstags fordern: Hermann Müller Ipc sich offenbar redlich Mühe gegeben, nach löt er neuen Methode Vorzügehen. Ein ..K a - 16 a tt t der Köpfe" wurde als neues Stich- I»± ausgegeben, übrigens ein erfreuliches ßei- otchn für den gesunden Humor, mit dem unsere ^Lsboten auch in prekären Situationen nicht orr^ren, sich fdbft zu ironisieren. Die .^Köpfe" Horci an sich schon bald gefunden worden, fie II denen verzweifelt ähnlich, die vor ein 8tüc Tagen berufen sein feilten. unter dem ;Anr-enfchild der Drohen Kvaliton das deutsche -2>ü besseren Zeiten entgegenzuführen.

Übung zu befassen und sich von ihnen i» juf 3ahr und Tag im voraus festgelegtes I fr i diertProgramm genehmigen zu lassen, |io bitt das Kabinett gleich am zum BollzugS- im^'äutt der Koalitionsparleien ohne eigene 3ni-

nen lieft dah fie nicht mehr von ber Tatsache, son- bern nur noch Dort der Möglichkeit einer Per- schwörung spricht.

Der Staatsanwalt führte au», dah die Berliner RuhlandabteUnng der A. L. G. rein faufmän- nifdye Geslchlspunkte im Auge hatte, al» fie ihr Augenmerk auf da» Absatzgebiet im Donejbedm richtete, während Pari» hauptsächlich von politi­

sche» Geslchtepunkten geleitet gewesen (et

Kehlen ko stellte daraus an Hand von Aussagen OttoS fest, dah sich in der Ruhlandabtei- l u n g ber A. E. D. etwa ein Dutzend russischer Emigranten befinden. Heber die Jlcigung dieser Emigranten fönne die An­klage nicht im Fweifel leim Bleymann habe Prozertte nach Eharkow gelchickt, aber der Sow­jetstaat kenne nicht den Begriff der (Jourtage, son­dern nur den Begriff ber Schmiergeld der. Die Seele der kommerziellen Eroberung des Dvnez-Beckens fei der in Berlin lebende Balch- k i n gewesen, der auch die DeschäitSkorre'pondenz nach Ruhland leitete. Der Staatsanwalt hebt hervor, dah (ich die Anklage nicht gegen die A. G.G . sondern nur gegen einzelne Per­sonen richtete. Ärolenfn vertrat die Ansicht, dah die Leitung der A. E. (?.. selbst wenn sie gewollt hätte, nicht gegen die Psychologie der in ber russischen Abteilung arbeifcnbcn. politisch weih eingestellten Russen hätte tun formen. Auch die

richten.

r Went n Minifftt ;Ssto> M-L Dr. »arr Ä 15 ^djsmmrfkr mst Kabinette, ho6m L ',ü,n jp« oflonbere o(» nrray jJoWit in I R« unb palifiid)« Dl unb ÄicLgauljtiq Elrdtii yltüttt bob'n. bleiben.

enben Sijefa#i-r er ^uftiL Sern i.o.: Nn llüilj: n) r vernntmon. rooltung unb unb babei Ahn tut» r Minislertäii^ er 'Arbeit tmtrw Reiche»

Linken von den unbegrenzten Fähigkeiten dieses Herrn profitieren dürsten, alles durcheinanderzuwir- dein und gcgeneinanderzuhetzen. Die Kommentare, die sozialistische und demokransche Blatter der Rolle roitnncn, die der emft von ihnen mahlos Bcrflötlciie bei der Kabinettsbildung spielte, werden hoffentlich zu einer Berichtigung des merkwürdig verzeichneten Bilde» beitragen, das sich weite Kreise des deutschen Boltes von buicm Manne entworfen haben. Das Zentrum darf sich jedenfalls wiederum bei seinem enfant terrible bedanken, wenn es nicht ohne schwere Einbuße an polttsichcm Prestige aus dieser Regie» rungsknsis heroorgehr.

Dos Zentrum hat zweifellos zu spät erkannt, welch ungeheuren Fehler es begangen hatte, als es ber Sozialdemokratie, die in Preußen fest im Sattel saß, nun auch noch den Steigbügel hielt, um auch im Rc.ch sich eine ähnlich starte Machtposition zu schaffen. Daher vielleicht auch in letzter Minute bas Drängen nach einem ausgesprochen poli­tischen Ministerium. Aber bie Erkenntnis kam zu spät. Das Innenministerium war Herrn Müller nicht mehr feil, unb warum man das Amt des Reichs» finanzministers ausschlug, auf den die Sojialbemo* fratie in anerkennenswerter Selbstentäuherung ver­zichten wollte, um endlich zum Schluß zu kommen, ist völlig unerfindlich. Der Finanzminister ist im parlamentarischen Deutschland nicht minder wie vor dem Kriege stets ein eminent politisches Amt von geradezu ausschlaggebender Bedeutung gewesen. Das Zentrum hat es abgelehnt, ihn zu stellen und sich begnügt, mit Herrn von (Bu^rarb lediglich einen Horchposten im neuen Kabinett zu beziehen. Zu» gleich hat es angekündigt, daß es im Herbst auf eine Umbildung des Kabinetts yleichzeitig mit der geplanten Erweiterung ber Regierung in Preu­ßen hinarbeiten würde. Damit ist das Problem, bas

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Doch biesmal hatte bas Zentrum es anbers be- schloss, i. Bei ber Pertettung her Resiarls hatte cs keine Neigung gezeigt, bestimmte Wünsche zu äußern, verlangte bann jeboch stets bie Aemter für sich, die ber Beauftragte bes Reichsvräfibenten gerabe eben nach Ablehnung burch bas Zentrum dem Angehöri­gen einer andern Partei angeboren hatte. Dieses neckische Spiel wiederholte sich io lange, vis bas Zen» trum sich glücklich zwischen alle vorhandenen Stuhle gesetzt hatte und sich schlteßlich mit der Besetzung des Verkehrsministeriums durch seinen Fraktionsvor- fitzenden G u ö ra r d begnügen mußte. Daß dieser nnier bie Minislerkandidalen zählte, hat zweifellos zu ber überrafdjcnb ungeschickten Taktik ber Partei bei- getragen. So mangelte es an ber straffen Führung, unb Leute wie Joses Wirth durften so ungehin­dert ihr eigenes Rößlein tummeln, daß schließlich die franze Regierungskrisis in einem Kamps um die Bet­on Wirths Mi cndigcn schien. Im Lause der Der» Handlungen hatte man eine Zeitlang daran gedacht, das in der Verfassung an sich nicht vorgesehene Amt eines Vizekanzlers zu schaffen. Der Reichspräsident hatte dem jedoch widerstrebt, und Hermann Müller hatte bann unter ausdrücklicher Zustimmung ber Zentrumsunterhändler den Plan fallen lassen, um ein weniges drauf hören zu müssen, baß für Joseph Winh, ben Erwählten bes Zentrums, bem ursprüng­lich bas Derkehrsministerium zugedacht war. nur bas Amt bes Vizekanzlers überhaupt in Frage käme, wenn man auf feine Mitarbeit Wert lege. Man hat feinen Wert gelegt, Herr Wirch ist draußen ge­blieben. Und bas ist vielleicht eine der wenigen er- sreulichen Begleiterscheinungen, biefer sonst so uner- fraulich verlaufenen Regierungskrisis, baß uns nicht nur eine neue Ministerhcrrlich.'eit Joseph Wirths auf absehbare Zeit erspart bleibt sondern baß jetzt ein­mal auch feine greunbe in ben Kreisen ber

Bei ber Begründung ber Strafanträge gegen bie lvutschen Anaeilagten stützte der Staats­anwalt seine Ausführungen gegen Meyer unb Otto hauptsächlich aus die Aussagen Baschkins und KasarinowS. Meyer, Otto unb Wegner hätten sich an derSabotage» tätlgfeit beteiligt Es fei aber b.rSRech: der StaatSanwaltscha t. von der Anklage Ab­stand zu nehmen. Deshalb ztehe sie die Anklage gegen Meyer zurück. Ander- stehe es mit Otto, der in nichtöffentlicher Sitzung Auskunft über seine Zugehörigkeit zum Stahlhelm gegeben habe. Ärnlenlo widmete nunmehr dem politischen Innenleben OttoS eine eingehende Betrachtung und folgert barauA, daß Otto un­bedingt sowjetfeindlich eingestellt gewesen sei. Dies lasse sich aus seinem Verheilten während der Februar- und Oktober-Revolution erkennen. Die Unaufrichtigkeit feiner Gesinnung ergebe sich aus ber Tatsache, daß er Mitglied der Gesellschaft der Fremrdc des neuen Rußlands geworden sei, obgleich er dem Stahlhelm angehörte Diese Handlungsweise mache ihn verdächtig. Sein Treiben sei durch feine Kenntnis ber russischer. Sprache unterstützt worden,' diese -tcrjifnlÄ lasse ihn als besonder- geeignet für eine Verschwörertätigkeit erscheinen.

Der Slaateanroalt erkannte an, daß bie Tatsache ber Briefübergabe nicht unbedingt sicher erwiesen sei, ebensowenig wie bie Teilnahme au der Sabotage-Organisation. Aber er (ei ber An­sicht. baß die Ausweisung In diesem Jolle nicht genüge. Otto müsse darüber nachbenken lernen, baß angesichts seiner politischen Ansichten unb Neigungen seine Anwesenheit in ber Sowjet­union eine verlehung ber in ber Sowjet- gddjgebung sestgelealen polltischenRlcht- lin len bebeute.

Deshalb beantrage er eine Gefängnisstrafe zwischen sechs unb zwölf Monaten, wobei bem Gericht die Entscheidung über das Strafmaß natürlich vollstän- big überladen bleibe. Demnach könne bas Gericht auch auf Freisprechung erkennen.

Der Statsanwalt beschäftigte sich bann mit Bab- {lieber. Babftieber habe um bie ihm zugcbachtc Ausgabe gewußt, er habe auch zugegeben, bah er Schmieraeiber gezahlt und empfan­gen habe. Fcftgestellt sei. baß Babftieber s i ch der Bestechung fchulbig gemacht habe, beshalb beantrage er für ihn Gefängnis mit Bewähnmgs-

Ln Zusammenhang mit ber Anklage gegen K a fnrinou). für ben der Staatsanwalt ben Tob burch Erschießen beantragte, würbe bie An­gelegenheit ber A. E. G. zur Sprache gebracht. Es sei hierbei festgestellt, baß die Anklage eine gewiße Mä­ßigung gegenüber ber früheren Praxis bann erlen-

ratsche Durchfchn.ttsstaatsbura'

einer zwi'chen Lammsaeduld unb totaler iln- iEressierthett hier- unb her pendelnden Demüts- 'una hat er kaum noch zu hoffen gewagt,

ihm der Sommer überhaupt noch so etwas , i e «ine Regierung bescheren könnte, obwohl es lr Sozialdemokratie, die für dieses po- si 'chc Satyrspiel verantwortlich zeichnet, immer- kn feit sechs Wochen bekannt war. dah nach dem t-Qc6nte der Reichstagswahlen ihr die Aufgabe , dr Kabinettsbildung zufallen mußte. D^trch die erwartete Vrohe des Wahlsiegs berauscht, hat erstaunlich lange gebraucht, um aus den Ve- der Seligen wieder auf den festen Boden ft-titemer Tatsachen herabzufinden und sich nach r ijem nutzt ganz bamteten Geschäker mit dem 11 > kalen Bruder zur Linken an die undankbare t! agsarbeit der Regierungsbildung zu machen. Bk< erste Start ihres Erkorenen war gut. Her- Binn Müllet, der soAtaldemokratische Frak- t-rufübrer. lieh sich von seiner Partei Veneral- | Allmacht geben, aewth nicht ohne dah schwer« .* irtef« aus der Tagung des ParteiausfchusseS j i Werdegängen wären. Denn es sind nicht we- |l i« bie. mit Paul Löbe. dem Reichstagspräfi- ^dr ien an der Spitze, jede Koalition mit bürger- dxn Parteien ablehnen und in geschickt aus- I» tzter Oppositionsstellung abwarten wollen. I L der Sozialdemokratie die Mehrheit im Parla- Kiüt Aufällt. Dieter Ansicht entgegen hatte die p:rtei be'chlossen. sich der ihr zugesallenen Aus- I e: x nicht zu entziehen unb ihr VerttauenSmann glitte freie Hand, mit den Parteien zu verhan- tin. die er für seine Regierung brauchte.

I wäre auch weiter alles gut gegangen, jtci-n St*rv Müller auch außerhalb seiner eigenen BJx ei. natürlich mit der gebotenen Delikatesse. Kri feiner Ellen! o gen frei freit geziemend Gebrauch i e ia<frt hätte. Leider hat er sich überraschend Mricll aufs Glatteis abdrängen lassen unb kam |V prompt zu Fall, sobald einmal die Frak- H m mit seiner »igciien falschen Methode gegen ,u operieren begannen, «itelcfr grolcSk-lacher» Les Schauspiel sich in dieser ersten Phase der ^A-erungskrisis abwickelte, sahen wir schon. Sie f-Vte dank der ungeschickten Berhandlungstaktlk . designierten Reichskanzlers und der robusten H flöpfigfeit seines Parteigenossen auf dem Thron Ek Borufsen mit einem eklatanten Mißerfolg. M e zu erwarten war. gelang es 5>errn Müller- tallen nicht, die Fraktionen auf die berüchtigten r tunkte seines sauber ausgeklügelten Regie- i U piprogrammd zu einen. Die Große Koalition IJl damit ins CS aller, unb Hermann Müller ging ? fci daran, eine Regierung zu bilden, die sich t-'lchliehlich auf die sog Parteien von ieimar, also Sozialdemokraten. Demokraten Zentrum stützte, wobei er allerdings noch die Mitwirkung der Batzrischen Volks- eie i rechnete und hoffte, daß S t re le - a n n auch ohne Bindung feiner Partei als sog. MiHminister die Verwaltung des kitzligen aufoen- btitischen RefsortS in fctänben behalten würde 1t te Hoffnungen trogen Die Bayern gaben frrwn Müller einen Korb, ihnen schmeckte die teimarer Koalition zu sehr nach ZenttaliSmus. .Xrb auch Strefemann dachte nicht daran, für ef o schwach fundiertes Kabinett das Feigen- abzugebcn Ein Telegramm auS Bühler- Ike. dem Erhvlungsau'enlhalt des Außenmini- rückte mit erfreulicher Energie die Situation Brtter zurecht, die man im Berliner Tohuwabohu ric im Begriff war. sich heillos verjähren zu

!t-. i Müller erfolgreich angestrebten enl gegen- r« ht war. Binnen zweimal vterundzwanzig ^»den hatte er damals sein Kabinett bei- tunen; Hermann Müller Hal an der Lösung i gleichen Ausgabe fast ebenloviel Tage herum- -ydtert Es war also nur klug von ihm, alS > : efrnc falsche Scham die an sich für einen | f^jskanzler in spe nicht sehr schmeichelhafte I tcon, die Strefemann ihm aus seinen prak- stzen Erfahrungen heraus erteilte, slch zunutze ttr. und den neuen, dritten Start nach dem «L-.-.-mannschen Rezept anlegte. Das hieß kurz i -d bündig, nicht die Fraktionen mit der Regie-

antroortungsDoOt tai- siiiher durch dar. .¥« lidjer unb lofialt ir­rt e? troi rsichosil'chen yrikbvZ ah es möglich enden Slasien, der w beschädigten zu bmm für bas Men naiv» intens zu danken mir

Bedürfnis Ht. ersirnliches W* tonb, der, wie w71

eichrpraMl auch * Dr. b. c.

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