Nr. ZZ!) Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
Samstag, 29. September 1928
nationale Zukunstszahlen.
Äon Or. Pool nohrbach.
Der schweb sche Professor Brisntann hat m bet ®oknburger Handeln- und MrJi^rtAvcilund eint 2ö«rechnung darüber angestellt, wie hoch in den mittel- und westeurvpäi'chen
Ländern die IX'DölIerun^ sich vorau-sichtlich noch würde vermehren tonnen. Sr komm: bobe. für Deutschland aus etnig« 70. für England auf etwa 60 und für Frankreich auf einige 40 Millionen Der iri'che Äretfloat ist dab«. mit zu dnglnnb gerechnet 2vetm diese Grenzzablen erreicht sind, was in etwa 30 Jahren der Hall sein fonnle, so würben, nach Brisrnann, di« Ginwoftnerzah.en entweder stationär werden, oder ansangen zu fallen.
Bei seiner Berechnung macht aber Bri-rnann eine Voraussetzung die ihm nicht -uaestanden werben kann. Sr nimmt nämlich d.« mittlere
Lebens^Lnae bei den germanischen Böllern zu 60 und bei Den romanischen zu 55 Jahren an. Mit diesen Atterszahlen multipliziert er die m den verschiedenen Ländern heute mit Welt Kommenden indem er vorausseyt. day zunächst noch e.nc weitere Geburien'enkung zu erwarten ist. baft sie aber durch eine weitere Erhöhung des Durchschr.'ttsalter« kompensiert werben wird, wonach k ner Meinung 30 Jahre lang anhalten formte Dann muh natürlich, weil das Durch- Knittsalter nicht ins Sndlose verlängert wer- n kann, eine Verminderung berVoHS- a a 61 beginnen sali- die Abnahme der ®c- ourtenrate andaucrt. 3n dieser R7chnung nun ist eine der Grundzahlen, nämlich das Durchschnittsalter von 55 bis 60 Jahren, erheblich zu hoch gegriffen. Das Durchschnittsalter öst zwar bei den europäi'chen Kulburvöllern infolge der verbesserten Hyg en«. der Seuchenbekämpfung, der Abnahme der Säuglingssterblichkeit usw. in den letzten hundert Sappen bedeutend gestiegen, aber es Hegt in Deutschland. England und Frankreich doch eben erst bei 50 Jahren, eher etwas darunter als darüber.
Friedrich Itaumarwi sprach an einer berühmten Stelle seiner vor dem Kriege erschienenen ..Reu- deutich.n Wirtschaftspolitik' vom Triumph des Lebens durch die „schrittweise Zurückwersung de« Todes" im Zeitalter bet modernen Desundheitslehre! In der Tat. wenn früher für e.nen Geborenen im Durchschnitt des Boll ^ganzen dl« Wahrscheinlichkeit bestand, dah er 33 Jahre alt werden würde, und es sind beute daraus gegen 50 Jahre geworden, so Deutet da« di« Vermehrung der durchschnittlichen LebenSlänae um ein volle- Drittel. Ls rft aber sehr unwahrscheinlich, dah in verhältnis- mähig kurzer Zeit aus diesem Gebiet noch weiter so bedoutende Fortschritte gemacht Werben könnten. wie Brismann sich da« benft. Erstens ist die Bekämpfung und Verhinderung der grohen Volksseuchen, de früher immense Opser forderten, heute schon nahezu vollständig d u r ch- ie f ü 6 r t Verbesserungen von entscheidendem insluft finb aus diesem Gebiet kaum noch möglich. Zweitens wächst in den wichtigeren Kulturländern der Anteil der Grohstädte an der Defamtbevöllerung mit zunehmender Schnelligkeit. und di« Grvhstadt ist trotz aller modernen Hygiene gesundheitlich ein ungünstigeres Lebensseld als da« übrige Land. Auherdem bedeutet Ihr Wachstum gleichzeitig «irre Zunahme dersenigen Reaionen im Vollsgan-en, wo «ine direkte Unter Di lanAber Geburten gegenüber den Todesfällen stattfindet, und damit kommen wir auf den zweiten Fehler in Brismann« Berechnungen: seinen falschen Optimismus ht bezug auf die Geburtenfrequenz. Auch wenn dieser Opttmismus auch nur relativ dl. so ist er immer noch eine Quelle de« 3rr- turnt.
Beträgt, wie in Deutschland, önglanb und Frank re ich. gegenwärtig da« menschliche Durch- fchnittsalter gegen 50 Jahre, und sterben folglich von jedem Tausend Menschen im Jahre zwanzig, so muh dieser fortlaufende Abgang.
wenn kein« Verringerung der Ge'amtzahi tnw treten feil, durch 20 Geburten : m Jahr gedeckt werden Die deut'chr Geburtenziffer betrug vor 50 Jahren, als das Durchschn.tt-alter allerd.ngs noch nicht so hoch war wie heute, nahezu 40 auf du« Jahr unb das Tau'end. Gegen Ende des Jahrhunderts smg sie an. merklich zu firtfen. und nach dem Krieg.- hat sich das Sinken in ein Stürzen verwande.t. 3m Jahre 1926 schnitten sich die langsam Hnfenbe französisch« und die rapid sinkende deutsche Kurve bei 195 aufs Tausend. Für 1927 liegen noch feine deutschen Abschlustzahlen vor. doch Heft man m vorläus.gen Berichten, da st wir schon aus etwas unter 19 gesunken sind. Sbendaselbft steht Gng.anb. Schweden, von dessen Zukunft Br.-mann selbst mit einiger Besorgnis spricht, ist schon aus 18 angekommen. Allerdings ist dort, wegen ausnehmend ge'undcr Lebensverhält- niffe und der bedeutenden Durchschn ttoftöhe der Lebenshaltung auch da« durchfchnttliche Tod«-- alter gröber als m Deutschland, wodurch Bris- mann )«benfaltt au seiner irrtümlichen Schätzung im ganzen gebracht worden ist.
Gs besteht frerlich die scheinbare Pavadori«. beb wir in Deutschland (unb ähnlich in England) • ii m e r noch eine Volksvermehrung von einigen 100 000 Seelen jährl ch haben. Dieser scheinbare Gewinn wird aber nicht von Dauer sein, denn er entspringt dem durch den Krieg hervovgerusenen abnormen Verhältnis der einzelnen Altersklassen im Volk. Durch die Hungerblockade, die bekanntlich auch nach der Beendigung de« Kriege« sortdauerte. und im ganzen säst eine Million von Todesfällen verursacht hat. wurden in der Hauptsache schwächere 'JJer’onen fortgerafft, deren Tod sozusagen vorweggenommen würbe, während er sch sonst auf eine Reih« von Jahren der Folgezeit verteilt hätte. Ferner fehlen in der normalen Todes-
pfkr bi« Ktnd«r. fce während der Kriegs- »ahre nicht geboren wurden Das deutsche Boll :n 'einer AachkriegLzulammensevung besteht zu «inem abnormen Prozentsatz aus 3nbi- vidue.-! unb Schichten mit emer unterburch- schnittlichen Todesrat« Sobald bi«f« Abnormität sich ausg«glichen haben w.rd - sie ist m Cmg.anb unb Frankreich, weil borr feiix Hur-.gcrolockabe statt gefunden bat. :n geringeren Maste vorhanden, als in Deutschland wirb es tn der Tat nur noch auf bem Wege einer Erhöhung des durchschnittlichen LebensaUer4 möglich sein, den Beginn des 2t ü cf gange« bet Gesamt» vockSzahl aufzuhatten. Schon bei der heutigen Geburtei^ahl von etwa 19 aufs Taufend müftte bi« durchschnittliche Lebensdauer auf etwa« über 50 Lebensjahr« steigen, wenn der Rückgang dauernd verm.eden werden soll. Dabei ist zu bedenken. dast die Geburdenratt in unteren Groft- städten weit unter 20 ist. 3n Berlin z. B. erreicht sie nicht einmal mehr 10 aufs Tausend. 3cbermann Weift, da ft bi« Vevgroftstäd.erung in Deutschland und in allen übrigen Kulturstaaten fortschreitet, und baft auch auf dem flachen Lande d« Kurve der Geburten rakft sinkt 3n Rust- land dagegen liegt d.e Geburtenziffer nocy über 40, in Po.en zwi'chen 30 und 40. ui der T'checho- slowakei zwischen 20 und 30. in Italien etwa bei 30 aufs Tausend. G« findet also namentlich im Osten ein starker bevöckerungSpoli siecher Uebcrbrud in der Richtung auf die deutschen Grenzen statt. Di« westlichen Teile Polen- Werden bald doppelt so dicht bevöllert lein, wie Ostpreuften und Hinttrpommern. Die« ganze Zahlenmaterial muft man sich ebensogut wie Haiidelsstatisttk und Heere» ah len pergegenwär- r.gen, wenn man e- unternehmen tmu. einen Blick in bi« politische Zukunft b«r Hauptoöllcr Lurvpa« zu tun.
Oie deutsche Jugend von heute.
Lon Waller von Molo.
Zur (Erinnerung an da« Jahrzehnt de« Wiederaufbaue«, das (3nbc 1928 seit Kriegsende vergangen ist. erscheint unter dem Titel »Zehn Jahre deutsche Geschichte 1918 -1528' in Verbindung mit dir V.ihkregi.rung ci Veden w rk 23er ag Otto Stollbcrg. 25erlln SW68 . da» in 43 Ginzeldarstellun>«n veranschau icht. wie sich der Wiederaufsiieg im Gc üge des Staaten und der 23ersassung. in Recht und Verwaltung. in Finanz-, Wirtschaft«- unb 23er- kehr-wesen, sowie auf den Gebieten der Wissenschaften und der Künste vollzogen hat. Beste Kenner, die zum gräftten Teil an dem Wiedereu'bau Ixrvorragenben Anteil genommen haben, haben bie 23earbci- tung der einzelnen Beiträge übernommen. 3m Vachsvlgenden können Wir einen AiiS- xug au« einer ausführlichen Darlegung bringen, in der der Dichter 2valter von Molo da« 3ugendproblem behandelt.
3m allgemeinen wird .Jugend" nach Kalendertagen bestimmt. 3ugenb wären danach bie heutigen deutschen Menschen diS zu einem Alter von etwa 30 Jahren. Früher galt al« Generation, da« hatte sich so entwickelt und eingelebt, eine Zeitspanne von ungefähr 25 3ahren Auch da« ist eine greife Formel. Wir haben erfahren und erfahren c« jeden Tag neu. baft diese Zeitspanne die man mit ihren typischen Vorkommnis en eine Generation nannte, in dem heutigen verwirrenden Geschehen, tn dem wir find, viel kürzer zu fassen ist. Ich habe fett dem Zusammenbruch Generationen von fünf. drei. xtoei und einem Jahre Dauer beobachtet: daS kann auch nicht ander- fein. SinerfeitS hat sich da- Tempo allgemein enorm durch die technischen Zivi'isativnSer chrinungen ange'^izt. in d:r Kon
kurrenz und im Wiedermnholen der Länder, die an« In der Kriegszeit unb der nachfolgenden Lähmung Über,lüge tcn. Da u ist fo ilngebeur.» in den letzten zehn Jahren geschehen, um unS und in unS gewesen unb chaotilch sich klärend in uns vorhanden, baft da«. waS früher 25 Jahre an Inhalt unb Erfahrung gaben, heute auf kurze, hetzende Zeitspannen Aulammengc- preftt wird.
Daher find auch viele verschiedene Generationen in der heutigen Jugend. Die im Felde waren und heute im AuSaang der Iuaend stehen, waren von Anfang an keine einheitliche Jugend. St« war und hat sich nach ihren politischen Einstellungen und den persönlichen Schicksalen völlig verschieden eniwidclt. Dte Jugend, bie tn den 3nslationsjähren erst 18 und 20 Jahre wurde, ist wieder eine völlig andere Jugend. Auch sie zerfällt In verschiedene Generationen. Unb die Jugend, die tn den Stabilisierung«jahren 18 und 20 Jahre alt wurde, ist wieder eine ganz andere Jugend. Die. die heute unt morgen 18 und 20 Jahve alt werden, sind wieder anders. 2Denn man also von der heutigen Jugend spricht, von der deutschen Jugend der letzten zehn Jahr«, so kann auch da« wieder, wenn man möglichst umfassend und gerecht sein will, nur annähernd geschehen.
Die im Felde waren haben entweder an ihren Idealen festgehalten oder sie völlig verloren ober umgeformt. Die Jugend der Revolutions- und InslationSjahre war noch ungesicherter, sie fand gar feine festen Fundamente unb Maftstäbe mehr vor, sie lebte in einem wüsten Auf unb Ab unb muftte. wie ber erste Mensch ganz von vorne anfangen, wollte sie nicht ertrinken, ober nicht, gehemmt und toll gemacht burch ba« Hinein- strömen unb Hincinfchlagen früherer Srziehung«- metftoden, gegenseitig sich selbst vernichten. Die
Jugend nach den InllationSjahr« fand schon wieder festeren Gründ rijl«* war nun enb- gült.j verordn anher.*« ukjf au* dem Trüm- merbau'en her. t* w.ed.r ba t « mb a ifgeb üht. Au- viel Unglück, au- einem grauenvolle«. an- gedlich friedlichen Schlachtfeld, tn dem tntl Schön«-. Gutes unb verlnmmme S:r k.oft fw bist werden muhten, in da» mastiose» Leid gepflastert wurde, erhebt sich die heutige Jugend. sie fängt an. 'ich langlam Weber der Jugend zi^uwenden und verlnmden zu fühten. bie vor dem Kriege war. Aber doch völlig ander?
Sehr nchtia und rid t!eK*r begründet als es scheint, war die Hatt.i'.g un ertr Jugend im Kncg und Zulamturnbruch, sie iah eine Aegie- rung-form. bie für Immer gebaut schien, zusammen knicken. eine Regierung die immer von der Gröfte ber 2kran:u>?riung gef. roden halt«, bie dazu erzöget Hatto, bie fast gStifit * Verehrung gcnol versagt, im Augenblick ber höchsten Verantwortung he ent»og sich di 'er 2krantwortunAr ignati-n Ter nxi lun’. n- überlpmigen In b.13 ffttrem oder vert i ienes Trotzdem mußten die Aut nitiunoen in den jungen Herzen und Köpfen sein. Unb die 2Dten, In Liebe aeha'.i.'n Fü' 7er und Sr i her versag'en ebenfalls mit wenigen Ausnahmen. Hier soll nicht ton Schuld cb.-r älnschu!> «'proben werden. denn fnl^e > gibt e* nicht im grosten Geschehen, da- f.iub Formel - mit denen sich hier nicht ernsthaft operieren Liftt. wenn wir em» gestehen baft wir alle mehr oder weniger ba- rna'.s versagten und ver agen mu'iten, so ist das SelbstberstünNichkeit Ich muft U'eltenfcm je^em Gbanvini-muS auS Gerechtlg .it nu.svreaen dast kein andere» Volk der OrX* In 'o'ch zertrummcindem. gänzlich umdrehe idem Stürzen sich trotz allem so erbalxm iKlpjftrt hätte, wie sich das deutsche Volk In feinem Hcdagcn weithinleuch- tenb In X*r Geschichte aller Vationen ».währte.
GS ist ein Zeichen wahrsten und ed'ssten Idealismus unserer Jugend, dast li • sich damals, anoewidert gegen alleo Frühere get,c i alles Uebernomniene wandte. 2lder man kann nicht dauernd revoltieren, da« Leben war hart, ber Mensch muftte elfen, wollte er leben, und so begann bie 3ugenb ihr Schicksal selbst In bie Hände zu fallen. Die Jahre der seelilchen unb materiellen Inflation kamen Die Jugend sprang in die verwegensten Berufe, oder besser gesagt, in Tätigkei.en, die sie irrtümlich Bcru'e nannte, fle begann %u handeln, weil sie völlig verzweisclt unb haltlos war. bewegen wand'.e Ti« sich auch übertrieben dem zu, toa« sie Genuft nannte.
2lber' auch dieser, das 2$kinrrftanranf. ber Frauenbeine-Kult. da« Au osahren au« Grvst- mannSsucht. ber KlcidunaslussuS bie Nachahmung ber Filmhclden männlicher und weiblicher Art. genährt burch eine Prelle, die sich diesen Dingen entweder albern und falsch predigend entgegen- Warf unb dadurch neu reizte, oder durch eine Pvesse voll Acvuescnsation, Die sich allzu eilfertig umstellte, um Geschäfte zu machen, um den . 2tn» schluft nicht zu verpassen, all das war letzten Gndes wieder nur Nachahmung von Hehrr- nommenem unb Altem. Die Jugend aedärdete sich genau so wie bie .Helden" in oberflächlichen, altmodischen Qtomancn. in denen bie Lebe weit ge-.ci at war. genau so spieftoüraerliL wie die erwachsenen vpieftbürger vor Dem Kriege, wie sich tn den Inflationsj ahren auch viele würdelose unb ebenfalls haltlose Alte benafrimn. Warum deswegen unsere Jugend anklagen7 Wir all« sitzen immer unb saften damals auf der Anklagebank. Die dunkelst« Zeit tarn. Die Zeit brr Schieber, der Post- und Gisenbahndiebstäbl«. ber Porio- kallendiebe. dieser armen, fleiium. verführten Jungen. bie .leben" wollten aleichgültig. ob si« am nächsten Tage schon im Gefängnis saften.
Di« Auspcitschung der 2lett>cn. der sich ins riesenhaste ''cia.mN* G,isteiizkampf tri-hen für die Aelteren ScheinblÜ en neuer Lebenskraft. Man glaubte, erfahren zu haben, haft nur ber am Leben bleiben könne, unb sich durchsetzte, ber lebigllch an sich dachte. Die materiellen Dinar kamen immer mehr zur Herrschaft, die 2votz-
Drei Tiere stellen sich vor!
Don Paul Sipper.
Der groteske Marabu.
Die menschliche Sucht. Vergleiche zu ziehen Mvischcn Tieren und uns, tobt sich an diesem Bogel besonder- aus. Wcmi der Marabu bewegungslos in seinem Käsig steht, km Kopf zwischen die Schultern und den Schnabel an« Weiche Brustgefieder gebettet, dann heiftt es: .Sieh, welch ein Philosoph!" Stolziert er aber um sein zementierte- Wasserbecken, gravitätisch, unö nickt dabei mit dem Kopf, fo lagt gewift irgendein Beschauer: .Ist ba« nicht bet alte Kanzleisekretar au« einem Bild von Spitzweg. der leibhaftige Dureaukrat?" Vatürlich hält man den Marabu stets für falsch und verschlagen, weil er Jo ein böses Auge' hat. und jedermann ist von seiner abgrundtiefen Hästlichkeit vollkommen überzeugt.
Gewift nach ällhetischen Gesetzen verdient der Marabu nicht bie Bezeichnung .schon", besonder« Wenr. sein Kropf Muttot und prall in ber Sonne leucht.:t. Aber man muft bie Tiere eben al« Mbftänbige Lebewe'en betrachten: waS un« frift- llch erscheint unb übertrieben, ist zweckmäftig. für ihr Dasein erforderlich.
Alle- Denken de« Marabu ist nur daraus gerichtet, seinen nie versagenden Hunger zu füllen. Wenn am tropischen Fluft di« Geier gierig an der Beute hacken, stöftt er psellschneN den bewehrten Schnabel vor und holt sich sein Teil. »r schreibt unbekümmert zwi chen den Krokodilen zum Fischfang, verschmäht e« auch nicht, eint junge Panzerechle zu veripei en und fliegt auf gewaltigen Schwingen. Hals unb Schnabel weit auSgestreckt. In unbeschreiblich schönem Flug über die Steppe, neuer 2kahrung entgegen.
Steht man im Berliner Zoo!ozischen Garten längere Zeit vor seinem Gehege unb beobachtet den scheinbar im Stehen schlafenden Riesenvogel. dann hebt sich plötzllch da- Lid. ein kaltes alafcrnc« Auge starrt au« grinbiqem Kopf: der Schnabel Ha ft au« Vanbcr. hör zonial, und bleibt geweitet, fast eine Viertelstunde lang. DaS ist unheimlich unb ohne die Möglichkeit eines 2Serglrich«.
Gefleckte Anmut.
Kein Tier schreitet so .tänzerisch unb gespannt zugleich, keine« schnellt mit eleganteren Sprüngen vom Boden ftinauf in« Geäst de«
Käsig«, al« der weibliche Leopard. Unter seinem glänzenden Fell zucken die MuSkeln in kraftvoller Verhaltenheit, und wenn zwei Leoparden im LiobeSfpiti sich balgen, gleiten die Körper gleichsam schwerelos nebeneinander, übereinander. aufwärts und quer durch den 2taum.
Man sieht dem zierlichen Kopf, der toetft- leuchttnden Kehl«, um dis sich halSbandariig bie schwarzen Tupfen reiften, nicht den Blutdurst an. der in dieser Raubkatze wohnt. Aber eine Ahnung überkommt un«. wenn wir die Fütterung betrachten und die Gier, mit der die Leoparden da« Fleisch zersetzen. Sie Wersen ihre Beute oft im lleberfchwang der Leidenschaft in die Luft, fangen sie im geöffneten Rachen auf und toben selber zum K etter bäum, wo sie endlich ihr Mahl beginnen. Hernach putzt sich ba« weibliche Tier sorgsam Gesicht. Kehle und HalS, so anmutig wie ein Kitzchen den Milchbari, schnurrt, streckt sich längelang auf dem schrägen Rundholz. läftt Beine und Schwanz abwärts baumeln unb schmiegt den Kopf bequem in die Astvergabe- lung.
Den schönsten Anblick aber bereitet die Lev- pardenmutier. wenn sie ihren Kindern zärtlich« Spiele zeigt, geduldig Pfoten. Leib unb Schweif den Zähnchen der wilden Brut darbietet unb schlieftlich bie Raubtiernatur in den Kleinen weckt, indem sie langgestreckt durch den Käfig schicicht. ben Jungen entgegen, um plötzlich mit einem weiten Satz über die Verdutzten fttntoeg- zufpringen. SS dauert gar nicht lange, dann schleicht auch die Kleinen täppisch gegen ihre Mutter, und manchmal versuchen sie zu fauchen, nur baft wir Menschen nicht dabei er'chrecken, sondern belustigt schmunzeln, weil bloft ein dünnes Piepsen au« ihren Mäulchen bringt
Manchmal steht die Levpardin des Dresdner Zoologischen Garten« hoch oben am Käsigdach, eine gewaltige Göttin. Sie läftt keinen Dllck von ihrer Brut, und gebannt folgen bie Augen jeder Bewegung unten im Stroh
Wunder der Farbe
3m städtischen Tierpark zu Hamburg sah ich vor Jahren zum erstenmal den Tukan, und seither fache ich in jedem Vogelhaus vor allem anderen nach diesem Wundertier. Die Ratur har ursprünglich wohl nur einen schlichten Raben au« ihm erichaffen wollen, besann sich jedoch, verlängerte den Schnabel zu übernatürlicher Gröftc und Dicke und schüttere papageienhafte Buntheit über ba« Tier. Gewift haben die ilr-
völker seiner Heimat, die 3nfa« unb Azteken, die Schmuckfedern de« 23ogel« für ihre Stickereien und ®ctoänbcr verarbeitet.
Kopf. Hal« und Schnabel leuchten tn unerhörten Farben Da« Schnabelungetum ist an der Oberkante tiefrot. wird bann schrrienb gelb unb verlöfcht in sattem Orangeton. An ber Spitze de« Schnabel- ist ein gröfter schwarzer Fleck, ebenso dort, wo der Schnabel in ben Kopf einmündet. Weil nun ber Kopf k bst mit schwarzen Federn bedeckt ist unb deshalb ba« Auge bie'e« Farbenfanatikcrs nicht genügend auffallen würde bat der Tukan an d.efer Stelle ein dottergelbe« Dreieck. Der Aug-enring in der Mitte ist blau- leuchtend. bi« 3ri« grün, sie erscheint zuweilen tiesschwarz. Die Unterteile de« Halses schimmert wieder in Gelb, unb die plumpen kurzen Ständer sind bellblau.
Schwarz« Federn bedecken gleichmäftig den Körper. Der Bürzel ist hellrot, die SchwMiz- dccttedem sind wein Liebet die Hälfte der Länge be« Vogel« fällt auf feinen Schnabel Bei aller Diffonanz in den Proportionen ist der Tukan schön, berm seine grellen Farben schlieften sich im ganzen zu wohltuender Harmonie...
©er Sechssitzer.
Don Hans 2Rieb<ra.
Da« war eine ziemlich komplizierte Geschichte mit dem Auto 3on hatte es zu verkaufen. Er fuhr also ach Berlin und wohnte da irgendwo im Hotel. Auf der Strafte traf er zu- fällig Bob.
.Das tust du denn hier?" fragte Bob
.Ich will «inen Sechssitzer verkaufen", sagte Ion.
.Teufel noch mal.“ staunte Bob. .und ich will einen Sechssitzer laufen. Da« trifft sich ja —“
.Hein, mein lieber Junge', unterbrach Ion .Ich will dich nicht betrügen. Der Wagen ist. unter uns getagt, Gerümpel. Von auften sieht er allerdings ganz passabel aus."
.Ach so“, tagte Bob
Unb Ion bemühte sich um einen Käufer. Herr Schonkeding war nutzt abgeneigt
.3000“, tagte Ion
.2000“ sagte Schonkeding. Unb kaufte allo den Sechssitzer für 2500 Mark.
Am nächsten Abend trafen Bob unb Ion sich wieder
.Ich habe meinen Wagen verkautt“. sagte Ion.
.Und ich habe billig einen gekauft." sagte Bob, .für 3300 Mark Sieh ihn dir doch mal an."
Ion sah sich den 2Ikmen an .Um Gottes willen." sagte er, .das ist ja mein Sechssitzer."
.Da« Gerümpel?"
.Jawohl, da« Gerümpel. Du hast ihn von Schonkeding getauft?**
.Ich habe ihn von Schonkeding". ftammelte Bob und lehnte sich gegen die Wand
3on überlegte .Hör' mal zu." sagte er. .bi« Sache ist nicht hofsnungSloi- Wir können sogar noch «in biftchen dran verdienen" Unb er besprach ben Fall mit Bob
Dann ging er ans Telephon unb ries Schonkeding an.
.Herr Schonkeding * sagte er. .Sie haben da gestern einen Sechssitzer von mir gekauft Ach rauft ibn unbedingt Zurückkäufen."
.Geht nicht inehr." sagte Schonkeding. .ist schon weiteröerkaustk"
.Teufel." fluchte Ion. .ich muft ihn unter allen Uinflänbcn zurück haben."
.Und was würden Sie zahlen?"
.3500"
.5000". forderte Schonkeding.
.Allo 5000“. gab Ion nach.
.Ich will versuchen, ihn zurückzukausen". sagte Schonkeding, und hängte an.
Und Schonkeding ging au Bob .Hören Sie mal." sagte er. .Sie haben ba g-stern einen Locht sitzer von mir gekauft, ich will ihn zurückkaufen."
Bob schüttelte bcbenHUft ben Kopf
.Ich geb« Ihnen 3700, bann haben Sie 400 Wart verdient.'
.4000“ sagte Bob .unb in bar.“
Schonte ding kaufte ben Wagen zurück und zahlte 4000 Mart in bar. Dann kurbelte er ihn an, fuhr ins Hotel unb fragte nach Ion
Der Portier blätterte in feinem Buch ,'Xb- gereist." sagte er, .soeben abgereift, unbekannt wohin."
L chc.nl eding tiumett«, wankte zurück in seinen Wagen. Kurbette ihn an.
Aber: ba war nicht» mehr anzukurtzekn. Und 10 Minuten später zogen zwei Pferde Ions Sechssitzer zu Müllem ann & 6o. Ankauf von Altmetallen zu soliden Preisen. —


