Nr 205 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Aus -er Wett des Ulms.
berliner Almpremjeren.
Beginn der neuen Gpirl-eii.
A»A Berlin wird un» Qd4ret*n
TMbrcnb bie Theater noch ruhen oder sich mit r.nrr .unetquicfli^m C-ommervntcrßdltimg he-
htgmnl her $tfcn schon dir T.
- - nn Monat 3uguft IHe Lila Won» brr* rüdt mit einer Rech« guter Dortfidunom in breiter Front ror Aach bem engittchen Film, brr bie Lee schlachten bei Lorvnel und den Falflanbin<eln" schildert - er ift Y*ot kurzem unlernt Ctr ch besprochen worden — steht man emtn Tag später m dem groben Ufo» Palast am Zoo den Jtrwnmalhün -T o m Täte r fehlt jede 8puf. und da« tft. wenn man so lagen darf, das Ideal eine« Änmiiml» ft im«. Darum weil er sich nicht in bet nebulösen Beginne i einer verstiegenen Berbrecherromanlit beweg' Ion bem schlicht und einfach <babei raffiniert photographiert) ein Oreignis aus dem heutigen Herrin barftallt. Da geschaht nächtlicher» meilc in einem großen Bcrgnügungslokal mit *®o*ltopftn und RutschbahnLn em Word Und nun <t es nicht so wie bei den anderen Ber- brecherfiLmen, man fennt den TL ter nicht, es fehlt non Hm wirtlich tebe Spur Alle Berdäch- hgrn. auf die man tippt, sind imschuldig Die Mordkommittion hat sich natürlich der Sache bo- m.rcht gt. bx Kriminalpolizei verfolgt sie. ernst, sachlich und nüchtern, ohne Stuart-Webbs-Phon- t.f<trre-rn. und der Täter wird nach aufregender Flucht über be Dächer 'Derlens und raf«tber 91u!Pherfolaung er mitt dl Das b leiht alles auf leßr realem Boden und gibt eine rechte Borstel- fung davon, aus welche Wese die moderne Kn- mmolpoliAei arbeitet. Unter der Regie von Konstantin 3 David, unter Mitwirkung von Stah k-R achbaur (ber einen sehr fingen und menschlichen Kriminallommissar gibt). Fritz Kämpers (Typ des windigen Lebemanns) und Äurt Derron (eine herrliche Mare»Figur aus dem nördlichen Bersin» ist da ein lehr guter Publikums film mit allen bewährten kriminellen Spannungen auch ein wenig Liebe und Wehmut entstanden, welcher der großen Masse einmal den sehr wesentl chen Unterschied zwischen ..Ter» dnecher » und ..Knmnial^-Fifm deutlich flar» legen durste
Wie man den Kriminalfilm aber nicht drehen soll, fteigt der P o egernonKuIi-
f o r n i e n", em amerikamscher Beruss-Propo- qanba-Fllm. von dem man nicht weiß, was er ausgerechnet tm Berliner Prmius-Palast &u tun bat Gr mäßigt sich noch im Interesse der guten Sache am Anfang. er macht wenigstens feine beruflichen Phrasen, sondern *cigt lebendiae und echte Menschen Plötzlich aber — © Hvluiwvod. n AmerikaI — ist es mit der schönen Beherrschung dieses KriminaMIms M Gude, und man laßt den großen Rommel der Wildwest sensa- tionen auf den erschütterten Zuschauer los und bringt ihm noch zum Gnde eindringlich ins Be- toußtfein. daß dieser Verbrechet- und Pollzei- htm echt amerifanischer Abkunft ist.
Kriminalfilm — es scheint ohne das Ter» brechen nuh! mehr zn gehen. Der Usn-Fllm ..Die Bacht ber f teße n öünben** ist schon im Titel efn bedenkenloser Reißer (den beinahe dte Zensur verboten hätte), ebenso wie ber Roman von Paul Rosenhavn. nach bem Hans 'Rameau Has Manuskript gemacht hat. Gr spielt zunächst in bem nicht mehr ganz unbekannte ii M.lleu der Artisten. Agenten und Tänzerinnen. bie hier ein bemerkenswert üppiges Dasein führen Dann gehen tmr auf der lasterhaften Tacht an Bord, die sich als ein Ofleonriefe mit dunkeln Grften^cn und sabelhaster Ginrichtung erweist. und hier schlingt sich nun der Kriminalfilm weiter durch Szenen in ber Bar. an Spieltischen, im Tariert. das alles und noch mehr führt dieses weiße Schiss mit sich, und die Kamera verfehlt nicht, es in sehr bemerkenswerten Aufnahmen (Gort Drews und Gdgar S. Ziefern er» und prachtvollen Bauten (3ad Ototmil) ausführlich vorzuführen Hebet allen Sch ffsszenen schwebt der rote Hauch der Ber-
brechor-Grottt und bie Stimmung dessen, was das F-lmpubiikum als -große Welt" begeifert, die mit allen typischen Filmmerkmalen geyiot wird, großen Toiletten, kostbaren Delchme n 'ehr viel Sekt und mancherte. Rackthe.t <2o daß man in dieser Umgebung von raffiniert gr'tc.lttr Auf- machung und pompöser Ozeansohrt das Cnbe erlebt in dem k»ch. trenn bie Rot der Uv'chuld am höchsten, mit HUse von Polizei kreuz e rn das Kriminelle kurz und restlos enträtselt, das auch hier nach dem eingangs erwähnten Rezept behandelt wird: vom Titer fehlt am Anfang jede Spur Brigitte Helm die sich am stärksten doch in ihrer ersten Rolle (Metropolis» erwiesen hat. w.rd immer trefflich fein, wenn sie durch bie Hand eines wirklichen Regiemeisters wie Fritz Lang gesundt toith; unter der Leitung von 3. und 2 $ le (f erstarrt sie leider in unangenehmer Maniertheit. Augn Werner- Kahle wird zu allerlei Ueocrite’gerungcn gezwungen. John Stuart, der verfolgte Un- fchuld ge bleibt lehr unpersönlich, aber dafür erfd>r n t wieder Kurt G» c r r o n . ber nn ersten Kriminalfilm angenehm auffiei. und bringt in dos ganze eine eigenartige Atmosphäre welche bie Spannung des Speis ungemein steigert. Resultat' ein tadellos obgcbilbeter Reißer
Wit bem Beginn ber Saison erscheint auch wieder R i n t i n t i n . der schöne amerikanische Schäserhunb. ddes Mal in einem Warner Brothers-Film als ..Lebensretter" (Uraufführung im Berliner Titanio-Posast». Bald erlebt man ihn als Rnsuhrer eine» Rudels wilder Hunde, dann kämpft er gegen seine früheren
Speßgesellen. wirkt sich jum Beschützer eines Liebespaares auf. spielt den Retter n höchster Hot. entlarvt die Schurken des Films und weiß 'ich durch alle Gefahren durchzubeißen. um bem Sp.ei das unvermeidliche glüclliche Gnde zu y her Wer w rd bas herrliche, edle und fchem photographierte Tier nicht immer gerne sehen? Der kostbare Hund hat auch in diesem Film das Publikum mitgerissen
Gute F.lmmanuftnptr scheinen eine Selten- he t geworden zu (em. Buch ber Groonhaum- Fi ni Die Königin feines Herzens-, uraufgekührt m Berliner Titan io-Po lost ist zu 90 Prozent bas Werk des Reg llfours 3anfon. der manchen "ergebheben Anlauf unternommen haben mag bis cs ihm gc.imgen ist mit ber z.emlich inhaltlosen Handlung ferNazuwerdea und em Lustspiel mit rcd>t netten Ginfoüen und komischen Szenen auf bie Beine zu stellen. Bial- leicht wäre ihm dos auch noch nicht möglich gewesen wenn ihm nicht Liane Haid. Köche von Rag. Serventi. Belpermann. .Ferdinand von Alten und 3da Düst zur Seite geßanben hatten, die durch ihr ftllches und flottes rtuscmmercrbetten den Beifall des Publikums beroorridtn
Die deuriche Filmfaison hat mit starkem Anlauf begonnen. Das hier besprochen wurde, ist zunächst mir bas Resultat einer einzigen Woche. Unter den vielen unwesentlichen Gr- eignifsen die sich aut diesem (bebtet# noch ab- fbtdcn. wird ma.i den Kriminalsilm der Ufa ..Bom Titer sohlt >ede Spur" als bas w cht ^ste Grgebn's buchen müssen.
Der kommende Film.
Son Henny Porten
Man kann einen Brick in die Zukunft des .Films nur tun. wem, man rückblickend den Weg bei rach tel. den der Fihn seit seiner Entstehung gegangen ist Dieser Weg war dornenvoll und ftevnig. und wir dürfen die ungeheure Arbeit der Fümpioniere von damals nicht gering schätzen Verschiedene deutsche Film-Theater haben das reizvolle G<perim<*nf unternommen, dem Sublifum Ausgrabungen aus den Ougenbtagen s Frlms zu zeigen, um so den Abstand von emft und jetzt um so schärfer hervortreten zu lallei,. Wir sind leider blasiert genug, jene Filme mit einem mitleidigen Lächeln abzuiun. obwohl sie zur 3eU chrer Aufführung durchaus sensationell. ja oft bahnbrechend, wirkten.
Wie primitiv und ungeschickt die Aufnahmetechnik jener Anfangszeit war, steht noch leb host vor meinem Gedächtnis Meine erste Filmaufnahme. »ch ein halbwüchsiges Mädchen mit Hängezöpfchen und hellen 2Lugcn. aber befreit von einem wahren Feuereifer für die neue Kunst 3d) wirkte an einem Film mit, der den schwungvollen Titel .Stolzenfels am Rhein trug. 3m Verlauf der Handlung, die hi einer müden Süße dahinsivst. hatte eine Söldnerschar in die Schlacht zu ziehen. Dieses Söldnerheer bestand aus ganzen zehn Komparsen, die mit alten Thealerrequlluen notdürftig aus- stassiert waren. Die Rilterlchar machte einen recht kläglichen Gindruck GS waren richtige Don- Quichote»'Figuren. 3Hr 3weck war jedoch, eine möglichst große Heldenlchar vorzutäuschen. Schon damals war inan äußerst findig. Man ließ diese zehn Mann langsam vor dem Bildfeld ber Kamera vorbeidefilieren und. sobald sie aus dem Film heraus waren, eiligst auf der Hinterteile der 'Burg einer fchrößlich bemalten Leinwand herum laufen, und bann wieder als neue Heeresgruppe erscheinen Das Flimmern bei der Bv'fuhrung der damaligen Filme, das uns heute noch in unseren Augen brennt, schützte den smarten Regisseur davor, daß das Publikum merkte, es handele sich hier um eine Schiebung Es war eine feine Sache!
Heute find wir in unteren Monumental- und Massen filmen vielfach m (Befahr, den entgegen
gesetzten .tehlerzu verfallen. Bor lauter Aeußer- lichtetten. vor Mallenwirkungen. Ausstattung und Pomp beachten wir die Handlung zu wenig, vergessen wir die Quintellenz des Films seine Seele 11 nh dabei ist doch diese Seele dasjenige, was den kommenden Film bestimmen wird Wir ringen noch immer um die letzte Ausdruckssvrm des <FÄms Die Gut Wicklung der letzten Jahre fd-e-.nt mir jedoch darauf hmzudeuten. daß wir m einer nicht allzu fernen 3eit zu einer selbständigen und in sich geschloffenen Kun st form gelangen werden. Gerade die letzten 3ahre haben uns oft genug Bildstreifen gebracht, die wie Me.lensteine aus dem Wege der Gntwicklung des Films wirkten, Bildstreifen, bei denen man merkte, daß die Produktion darstellerisch neue Wege zu gehen bestrebt war. ober daß es ihr gelungen war. emen filmisch wirksamen Stoss von neuen künstlerischen Gesichtspunkten aus zu behandeln.
Die Richtungslinien des kommenden Films müssen aus den Grsahrungen der Bergongenhett fließen, sie muffen die Kenntnisse der Gegenwart vertiefend und erweiternd lanasam vorwärts toei- ben. Ich hm gegen alles lieber haftete. Sprunghafte und Unvermittelte. Ich möchte für organisches Wachstum und für vorsichtigen Fortschritt em treten. Unter selbstverständlicher Ausnutzung der ständia neu aufkommenden Verbesserungen der Fckmtechnu muffen wir doch immer daran denken, baß die Technik nicht da» Maßgebende ist. sondern nur das Rahmenwerk, das wir mit unterem Seifte erfüllen müssen 3n unserem technischen ,>eit» alter stehen wir ja leider zu leicht vor der Gefahr, im Technischen das Alleinseligmachende zu sehen. Di'- 3cgctfierung. die uns heute noch ob unserer Grtolge in der Technik umfangen hält, wird in naher Zukunft vielleicht schon zum gleichmäßigen Du'.S'chtag verebben, der die Welt erfüllt, ohne 6aß wir feiner achten Die Technik bleibt stets an die Schwere des Stofes gebunden, mag auch ihr ureigenstes Wesen darin bestehen, diese Schwere des Stosses zu überwinden Leicht und flüchtig jedoch und stets aufs neue sich verjüngend sprudeln die Ideen im Reiche der Kunst
Aus unseren früheren Fehlern haben wir bereits heute' wertvolles gelernt. Wir wissen, daß
Man dreht einen Hörfilm.
Vdn poo( (fßmunß Hahn
Wern etwa» 'stelle» erfunden ist, braucht die rteffentsichkeft eine Weile, um sich daran zu gr mahnen. Auch beute noch Pin wewahnung^prnzest in Akten
Man kennt ha*- Ari.rgon Verfahren. .lachteute und Halblaien wissen bereit» um do» Wie. Aber ma» bedeutet bo»9 <f* fehlt der erfte Att der Vern ahn ung. man muß fchwarz auf weist lesen: e» wird ein Horsilm gedreht. Der Jargon au» Reu- Babel »berg muß die Analogie hergeben
Die Analogie stimmt übrigens. Die Ion# werben auf normalen Filmstreifen exponiert; bei wird ent- wickelt und kopiert, geschnitten und vertrieben. Cin Regisseur, ein Operateur hatten bie Hande im Spiel, auch ein Dramaturg war dabei, auch ein Manuskript lag vor, ein Hörspiel- Manuskript.
Dieje» aber, da? „Hörspiel", stammt nicht au» fste.i-Vabelsberg, sondern rom Rundfunk. Hör- spiel nannte man zunächst die aus dem Sender gespielte dramatische Szene. Dann kamen die „Führungen', die Reportagen de? „wandernden Mikro- Phon»*, Hörberichte, Horbelchreibungen, Improoisa- rionen de» epreditr», Dialoge mit Leuten de» Schauplätze», vorausbestimmler Weg de» Mikrophon», sinnvoller Ablauf der Beschreibung: Beschreibe -spiel. Also diese Gattung nennen die Leute vom Rundsunk nun eb e n f a 11 » „Hörspiel". Da» iß noch nicht diskutiert worden.
Ist solche Hör-Reportage eine Szene' Die Leute vom Riindfunk haben Instinkt. Sie wollen von der „«•jene' Io«, hinaus au» dem Senderaum: das 'Wifrophon geht auf (?ntbecfung«reifen, die Hörer AU Hause „geben mit*. Mag man e» Spiel nennen.
Aber nun laßt der Frankfurter Sender so eine teportage (Beschreibung einer Autofabrik» al» Hör- [,Im dredn . die Reportage soll hnert werden, verleib- bar sein, — em praktischer srall, ein SchriUchen roetter, ein Versuch
Unb nun tft es wirklich ein Hor-Spiel, die Im- prooisation fällt weg 1 :r Sprecher.
sonst srifchfrolilich hinter dem Mikrophon her (hinein- geschwatzt und vergeßen» setzt sich hin unb schreibt auf Oteunb nog Vorstudien da» Beschreibe- Manuskript, in Auftritte gefaßt, mit Dialogen, Pulen- fpiegeleien nor dem Monstrum „Betrieb , Aufbau ber ttzerauschskalen usw Rur ein Schrittchen.
lf» kommen die Leute non der Iriergon-IFeiell- schast. Registeur, Operateur. Hilfspersonal, kommen mit dem großen Hosten unb Batterien und Schach fein voll Regativfilm», Sätaufweler nterben engagiert, da-.- Befchreibespiel wird inszeniert. Der Beschrcibesilin wird gedreht. Der große schwere Saften lauft auf ktzurnm,rollen, die Batterien ebenfalls, man rollt sie durch die langen Sale, in denen „bas Band lauft", setzt ein Mikrooben an langer Leitung au», al» würfe man eine ringel Dockt die Apparate auf em Lastauto, fahrt langsam Fabrik- lwse ab, still rollt der Film im Kasten Zwischendurch filmt man auch optisch, so daß Bild und Ion synchronistisch ripomert werden Das Mikrophon ersteigt bit- Dach, „des Werke» Rinnen", der Reklamechef selbst beschreibt dem Spreckter da» Auto- Keich Viele Szenen werden auch „'m Interieur" gedreht, die Apparate stehen im Fimmer, still rollt der Film im Mafien, da» Mikrophon aber steht irgendwo ander», in der Buchhaltung, im (Impfangeraum, bangt im Toreingang, belauscht den Pförtner. Man dreht überall, stellt bie ganze Fabrik auf ben Mopf, ber Regi'ieur bat Hörer über den Obren, dirigiert, sorgt für Vordergrund. Hinter- gründ, übertöne, Untertone, schaltet Dialoge in» Brausen der Transmissionen, laßt Etsenbaynzuge oorbeibröbnen, — er filmt da» lonroerf der Industrie.
Und dann „ld)rfibet er, klebt zusammen, komponiert. komprimiert, gibt dem Finale den letzten dramatischen Schliss. —
Morphologie de» Film», de» Funk» ..Film- fünf".
Denn ber Triergon Regisseur nrhenbe auch op- tisch aufmmmt, ist da» wieder ein Schrittchen. (Dewitz, der Seb-Hor-Film ist schon bekannt Aber hier wird ein neugeidiaffener Hortpiel-Film — illustriert Die 5timimttel kreu.zen sick, queren sich, au» hen Kreuzungen erwachsen rasend schnell neue Formen, neue Mittel.
Rur die Jupiterlampen müssen au* dem Spiel bleiben, sie brummen zu laut Do» ist vorerst die Grenze
Ein ^ilm-Bekenninis Thomas Monns.
©ein» Ansichten über den Film hat Thomas Mann in einer Antwort auf eine Rundfrage niedergelegl die er in ..Schünemanns Mvnats- hclten ee-roffentlrcht. Die Antülnahme an dieser . modernen Lebcnscrtcheinung" sei ihm zu einer .he teren Passion" geworden lagt er. .Ich besuche '.hr häufig .^i'.mhäuler und werde des musikalisch gewürzten Schauvergnügens stundenlang nidH müße, weder dann, weni es sich nm Reisebilder und wilde Welt handelt, noch wenn bie lebendige Leitung, genannt .Wochenschau voraeführt wird, noch wenn irgendein tnckhaster Spaß, eine packende S-churterei. eine rührende Liebesgeschichte vorüberziechl. besetzt mit Schaus Vie lern fre ausdrucksvo l hübsch unb an- genehm sein müssen und eitel fein dürten. aber niemals unnatürlich. Was bie Geschichte de- trifft, so bart sie sogar weitgehend owern sein, solls. wie heute fast immer der Fall, die Albernheit ober Sentimentalität ihres Srtindungs- gerüsts eingebettet ist in ein lebenswahres und wirstichkritsochtos s*en>sch-mimifches Grtinbung*- bctail durch welches da» Menschliche in hundert GinKlmomcntcn über die vrimittve Unwahr- haftigteit ber Defamtveranstaltung triumphiert"
Thomas Mann hält es für verfehlt, wenn man an ben Film d e Maßstäbe der Kunst legt. .Gr ist nicht Kunst" schreibt er. .er ist Leben und Wüttfichkeit. und 1ei"c Wirkungen find in ihrer bewegten Stumm hei!, senlotionell im Ber- gleich mit den geistigen Wirkungen der Kunst- <■» find die Wirkungen die Leben und Wirklich' feit auf ben unbeteiligten Zuschauer üben. besänftigt durch die Bequemlichk.'i' ber Umstände unb das Bewußt ein des gestellten Schauspiels, txrßörft unb auf gehöht durch Musik. Sogen Sie mir doch warum man im Einema jeden Augenblick weint, ober vielmehr beult wie ein Dienstmädchen' Ist das bie Verfassung, in der man von einem Kunstwer' scheidet, einer Malerei ben Rücken wendet em Buch au» brr Hand legt
Mittwoch, 29. August 1928
Wiederholungen ün Film dm große Gefahr für die Wirkung hüben Wir fühlen, daß es darauf onkommt. mit dem Leben in engster Beziehung zu bleiben Auch der moderne Mm dort mch: durch eine lleve,Häufung des Inhaltes ober durch eine Ueberstc »rrung der technischen Ausdruck-in,ttd zu einer Arabeske de» Alltags werden Ne in ihrer abstrakten UnwirAichkeit dem 3uM>ovcr nicht seelisch nahe kommt unb ihn unbefriedigt läßt Der moderne Film muß im Takte unterer 3eit schwingen er muß bUhmäßiger Ausdruck des ureigensten Leden» unterer Fett sein. Gr muß Nr (yegrntptm wie m einem Spiegel reflektieren
D.eser Spiegel sott »edoch den Blick nach oben zwmgen Aus birlein Grunde muß der Film stets menschlich wertvolle Schicksale behandeln. Gr darf nicht tm Banalen und Rtchks- «apenben verflachen, muß vielmehr leibst im Lustspiel die menschliche Linie zu wahren willen Ich stehe auf dem Standpuiitte daß der .Film am besten das wahre Gesicht seines Landes trägt. Richt dem verwaschenen, verfchwommenen Aller- weftsfüm wird die Zukunft gehören, sondern dem aus den nationalen G'g.m»umlichkeften fließenden und bie Gigcnart des Produktionslandes zeigenden S<m. Aus diesem ibrunbe halte ich Ne Russen auf hem Wdifttmmarkt für viel beachtenswerter als Ne Amerikaner In bewußter Betonung des nationalen Sharakters ihrer Filme stellen sie das wirkliche Leben mit zwingender Realität unter neuen künstlerischen Gesichtspunkten dar Gs war her nationale (^dar.ikterzua. der meinen Filmen bie Schranken de» Auslandes öffnete Meine arößten Grsvlge nn Auslände te erte ich in ttzpisch deutschen Dramen und Lustspielen, wie ..Ä a m nt« r m ii f IT. .'Blutter unb K t n b", ..Wehe, wenn si« los- g e l a s s e n".
Gs muß Aufgabe ber fommenben Filmkunst fein, die schönsten Traume und heilten Gmpfin- düngen her Menschheit bilbmäßia zu behandeln Rur so kann der Film eine wahre (boote Aufgabe erfüllen, völkerverföhnenb zu wirken unb b»e zerrissene Menschheit auf* neue zu einen.
Man Höri in unseren Tagen soviel vom sprechenden Film. QDcim der Tonftlm bedeutet. daß uns das Sprechdrama voller Ratür» lichkett, b h also mit hem vollständig gesprochenen Tert des Autors auf her Leinwand erscheinen soll, so würbe ich bartn nicht nur keinen Forlisch r itt. sondern eher eine Beeinträchtigung bes ureigensten Wesens bes Films erblicken. Obtooßl her heutigen Filmkunst das einbrucksvolle Moment bet Sprache mangelt, besitzt her moderne Film sehr viele wirkungsvollere mmrische Aus- brucksmöglichkeiten o(» das Sprechdrama Ihm gelingt es meinem Empfftiben nach, seelische Regungen inimflch oft besser auszubrücken. al» dies Worte zu tun vermögen. Unb fmb tote nicht aerobe im Augenblick hofftet Grgrtfsenhett stumm. fehlen uns nicht im Moment hochsteii Staunens im toahrtten Sinne die Worte? Infolge feiner Stummheit zwingt her Film bei Fuschauer — unb zwar selbst ben primitivsten 'Zuschauer —, sich in seinem Geiste einen Dialoo zurechtzuleaen, her zwischen den handelnden Pertonen stattfindd. Daher regt her stumme Film an unb macht ben Beschauet oft ganz von selbst zum Dichtet.
Aus dem Roiizbuch eines Zilmregiffeurs.
Don David Chalmers.
tmrb gewünscht: Gine weiße Wolle, ntm- desteps zwei Kilometer lang unb emen Kilometer breit, drei Hühner, eine Flotte von Fluazeugen. drei Flugicugzusommenstöße (wirklich», zepn Flio- berfträufie. ein arohe* rotes Flugzeug mit beut- schem erlernen Ktou«
Dos finb Ne Farven, bie ber Regisseur benutzt. um einen Film zu machen, genau tmr ber Malet Farben für cm« ,teichin>ng gebraucht Da» unb Gofteen Moores schauspielerische Begabung bilben ben Anfang zu bem Film
em Theater verläßt^ Gs ist wahr alte Herten meinen trenn m AlteHeidrtdetg .0 affe Bur- schenhcrrlichkeit" ae’ungen wird, aber bei S ha ke- f p« a rr. bei Kleist, bei Hauptmann tun auch fie es nicht. Die Kunst ist kalte Sphäre, man lege, was man tonlte. |ic ift eine Welt her Dergeistigung und hohv, yicbertragimg. eine Welt d.» Stils. Nr Handschrift, bzt pcrtlinlichsten Formgebung, objcftive Woft. B.-rstandeswolt. Dageg. ii em Liebespaar der Leinwand, zwei blfb- hubsche junge Leute, bie in einem wirklichen Garten mit wehenk-eo Gräsern .auf ewig" von- einanber Abschied nehmen. ->u einer Müfikbcgloi- hmg. bie au» dem Schmeichclhastesten kompiliert ist. wa» aufzutreibrn war wer wollte da toiber- steben. wer riefte Nicht toonntg rinnen, was quillt? Das ist Stoft. das ist d^rch nichts hin- buidjgcgangcn. da» fehl aut- erster, wärmet, herzlicher Hand, bas wirkt wie dtoiebd unb Rießwurz, mc Träne hftelt im Dunkeln, in würdiger Heimlichkeit betreibe ich fie mit bem Zeigefinger aus dem Backenknochen."
Der Film hat nach Mann» Anschauung nichts mit bem Drama zu tun. sondern ist in seinen besten Wirkungen episch^ daher rühre auch bie ileberlegenßeit bet Russen auf be'em Gebiet, Ne nicmal» große Dramatiker, stets aber boTtorvagcnbc SrzüNcr waren. Auch von feinen eignen Filmersahrungen ploudrrt bet Dichter unb gesteht, baß er bisher mit bem Kino nicht viel Gluck gehabt habe Bei ber Ttetlilmung der .B u d b « n br o o k S" habe man, statt zu erzählen, ein glei-chgültiges Äadhn<r*n6brama batau» gemacht unb von bem Roman säst nichts übrig gelosten außer den Personennamen. Der Gebaute, den ,3a uherbe r g“ auf Ne Steht- toanb zu bringen, ben ein Berliner Regisseur batte stellt wohl zu große g.'ifhge unb materielle Vorherangen. mehr Aussicht darauf, ein guter Film zu werden dürft- .Kövioliche
ße i r hohen. .Da» ist (eicht unb sollte geringen". schreibt Mann. .Ss finb bantbar« Rollen da. sogar Ne unfehlbare eines schonen Hundes, unb trotz ftofflichm- Räche von .Alt-Heidelberg" föraite hei glücklicher Wahi brr Darstelter unb reizvoller Inszenirtung bie freundliche Geschichte auf ber Leinwand ihr Glück machen"


