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eine rücksichtslose Personalpoll tik betrieb. Er ist 1926 wegen Krankheit auSgeschieden, hat aber damals gleich erklärt, daß er nur eine Atem­pause haben wolle. Er war ja schon seit langem der sozialdemokratische Kandidat für das Reichs- innenministerium, wo er nun nach dem preußi­schen BeispielOtbnunfl schaffen" frfl.

Oer neue Reichsarbeitsminister Rudolf Wissel

wurde 1869 in Döttingen geboren und war bis 1900 als Maschinenbauer tätig. Darauf wurde er Arbeitersekretär in Lübeck. 1938 siedelte er nach Berlin über. Aach dem Aovemberum- stürz 1918 wurde er Boltsbeauftragt er und blieb dies biS zum Februar 1919. Er wurde dann ReichSwirtschaftsminister und Dorstandsmitglied des Allgemeinen Deutschen GewerkfchaftsbunDes. Seit 21. Januar 192ö ist Wissel Schlichter für den Bezirk Groß-Berlin.

Oer neue Ernährungsminister Oietrich-Baderi

ist ein Pfarrerssohn aus dem badischen Schwarz­wald. Er steht im 49. Lebensjahr, hat Rechts­wissenschaft studiert und wurde, noch nicht ganz 29 Jahre alt, 1908 zum Bürgermeister von Kehl gewählt. 1912 trat er der Rational!iberalen Partei im Badischen Landtag bei und wurde nach der Revolution Minister deS Auswärtigen in der badischen provisorischen Regierung als Der- tretcr der Demokratischen Partei. Dies Amt hatte es bis zur Auflösung des Ministeriums 1920 inne. Dem Reichstag gehört er seit der Revo­lution an als eines der einflußreichsten Mit­glieder der Demokratischen Partei.

Oer neue Reichsjustizminister Or. Erich Koch-Weser

wurde 1875 als Sohn eines Schuldirektors in Bremerhaven geboren. Er studierte Rechts- und StaatSwissenscAften, wurde tn Delmenhorst Bür­germeister, 1909 Stadtdirektor von Bremerhaven, 1913 Oberbürgermeister von Kassel, 1919 demo­kratischer Abgeordneter zur Rationalversamm­lung. 3m Kabinett Dauer übernahm Koch im Oktober 1919 das Ministerium des Innern, das er auch in den folaenden Regierungen Müller und Fehrenbach behielt. Dagegen lehnte er es ab. im Mai 1921 in das Kabinett Wirth einzu- treten. Seit dem Rücktritt des Hamburger Bür» aermeisters Dr. Petersen vom Dorsitz der Partei steht Koch-Weser, der sich im übrigen in Berlin dem Rechtsanwaltsberuf widmet, an der Spitze der Demokratischen Partei.

Oer neue Reichsverkehrsminister Theodor von GuSrard

der Ende dieses Jahres das pensionssähige Alter von 65 3ahren erreicht, ist aus dem Derwal- tungsdienft hervorgegangen. Er war Landrat in der Rheinprovinz und später Oberregierungs- rat in Koblenz. Gr ist erst nach dem Kriege in daS politische Leben hrneingekommen, wurde 1920 in den Reichslag gewählt, setzte sich hier aber bald durch, weil die Zentrumsfraktion seine Tätigkeit als Unterhändler zu schätzen wußte. 1921 wurde er bereits einer der drei Pariei­vorsitzenden und seit 1927 ist er Fraktionsvor- sihcnder. Er hat einen persönlich sehr starken Ehrgeiz und legt schon seit langem Wert darauf. Minister zu werden, hat aber m der letzten Zeit innerhalb feiner Fraktion nicht unerheblichen Widerstand gefunden, well die Art, wie er die Partei in der Krise deS Kabinetts Marx-Strese- mann-Hergt führte, nicht sonderlich glücklich war, die a uch daS Zentrum im Wahlkampf mit erheb­lichen Derluften zu bezahlen hatte.

pariser Presseecho.

Paris, 29.Juni. (WTB. Funkspruch.) Soweit die Pariser Presse zur Kabinettsbildung in Deutsch­land Stellung nimmt, drückt sie sich mit Zurückhal­tung aus. Das Gewerkschaftsblatt .Oeuvre" schreibt, daß sich im Lause der Verhandlungen manches Seltsame gezeigt habe, jedoch dürfe man das Wesentliche nicht vergessen, nämlich, daß dieses von Stresemann gewollte Kabinett unter der Ministcr-Präsidentschaft von Hermann Müller in der Lage sei, wenn es trotz seines sonderbaren Aus­sehens am Leben bleibe, die Politik von Locarno weiter zu verfolgen. Der radikaleQuotidien" hebt die schwache Verbindung mit dem Zentrum hervor und folgert daraus, daß die Lage dieses Kabinetts, das sich mehr um Persönlichkeiten, als um Parteien gruppiere, schwierig crfdjeinc. Der sozialistischeP o p u l a i r e" fragt: Wird die sozialistische Leitung der Regierung so sicher- gestellt sein, wie sie unsere Kameraden wünschen? Wird die Zwischenlösung bis Oktober zur Bildung einer neuen Regierung führen, die Garantien mit Stabilität und der Kraft bietet? DerFigaro" des Parfümfabrikanten Coty schreibt, die Ernennung Hermann Mullers zum Kanzler verhindere nicht Auf­rufe zum Haß, und den ganzen Reoanchefeldzug, der in Locarno nicht vorgesehen gewesen fei, die Sozial­demokratie bleibe im Dienst des deutschen Jmperia- lismus. Der konservativeG a u l o i s" schreiot: Das Kabinett sei vielleicht nur ein Uebergangsmini- fterium. Die deutschen politischen Kreise erwarteten von ihm nur eine günstige Lösung der Rheinland­frage, eine Gesamtliquidation der Kriegsschulden und eine entscheidende Etappe auf dem Wege zur allge­meinen Abrüstung. Alsdann werde es noch immer Zeit sein, sich mit der Innenpolitik zu beschäftigen, über die sich die parlamentarischen Kreise und ihre Führer nicht hätten einigen können.

Oinghofers Oemissionsgesuch

Warum Vcla Kun nicht auögclicfcrt wurde.

Wien, 28. Juni. ($11.) Dorn Iustizminister Dr Dinghofer ist Donnerstag morgen daS Telegramm auS Karlsbad angelangt, in dem er feine Haltung tn der Bela-Kun-Frage darlegt. Bela Kun konnte, wie eS heißt, a u S juristischen und politischen Grün­den nicht au-geliefert werden. Die La­ten, die ihm von der ungarischen Regierung zur Last gelegt werden, waren zur Erhaltung der Räterepublik notwendig und beschränkten sich auf allerdings vielfach blutige Riederfchla- gung gcgcnteDoIutionärcr Hand­lungen. Einen Gegenbeweis für seine Be­hauptungen hat auch die ungarische Regierung in ihrem AuSlieferungSbegehren nicht erbracht. Es ist auch nicht erwiesen, bah Dela Kun au« persönlicher Rache gehandelt Hai.

Oesterreich hat im 3ahre 1919 bl« unga­rische Ra terepublik anerkannt und

ihren Gesandten tn Wien beglaubigt Degen ähnlicher Delikte waren von der ungarischen Re­gierung auch schon im Jahre 1919 AuSlicferungs- begehren wegen nach Oesterreich geflüchteter Dolkskommissäre gestellt worden. Damals wurde die Auslieferung auS inner- und auhenpoliti- schen Gründen abgelehnt. Die Wahrung der Ruhe im Innern war wichtiger als Dela Kun. Juristisch und volitisch ist heute die gleiche Lage. Gedacht mußte auch an d ie in Ruß­land lebenden Oesterreicher werden, die Repressalien auSgesetzt gewesen wären, wenn Bela Kun ausgclieseri worden wäre. Ein Minister darf nicht nach Pcrrtei- gefühlen, sondern nur nach der rechtlichen und politischen Lage und dem Bewußtsein der Der- antwortung für alle etwaigen Folgen entscheiden.

Auf Einladung des Bundeskanzlers beschäf­tigte sich heule abend der Ministerrat mit der durch das Demissionsangebot Dr. Dinghofers geschaffenen Situation. Im Einvernehmen mit dem Ministerrat beantwortete der Bundeskanzler das Telegramm dahin, daß er die erbetene Zustimmung zur Demission nicht ge­ben wolle, ohne vorherige persönliche Rücksprache, die in möglichst kurzer Frist stattfinden solle. Don dieser Stellungnahme ver­ständigte der Bundeskanzler sofort den Derband der Abgeordneten der Grobdeutschen Dolls­part ei.

Smith demokratischer Präsidentschaftskandidat.

Tas Parteiprogramm der Demokraten.

H o u ft o n (Texas), 28. Juni. (WTB. Funkspruch) Der demokratische Nationallonvent hat das Par­teiprogramm angenommen und den Gou­verneur von Neuyork Smith zum Präsident schaftskandidaten nominiert.

DaS demokratische Parteiprogramm beschränkt sich in der vielumstrittenen Prvh itions- frage auf die Bemerkung, daß die republi­kanische Partei nach achtjähriger Führung sich vor dem Lande entschuldigen müsse, daß ihr die Durchführung des ProhibitionsgeseheS nicht gelungen sei. Die Demokratische Partei und ihr Kandidat für die Präsidentschaft würden den ehrlichen Deriuch machen, die Prohibitions­bestimmungen zur Durchführung zu bringen. Diese Formulierung stellt ein Kompromiß der bei­den extremen Flügel in der Frage der Durch­führung der Prohibition vor. Hinsichtlich der Tariffrage wird ein Zolltarif verlangt, der einen wirksamen Wetlltewerb der amerikanischen Industrie mit dem Ausland ermöglicht, eine Sicherheit gegen Monopole gewährt und die notwendigen Steuererträge abwirft. Be­stimmend für die Festsetzung der Zollsätze muß die tatsächliche Differenz zwischen den Herstel­lungskosten im eigenen Lande und denen im Auslande sein, einschl. einer ausreichenden Siche­rung der Löhne der amerikanischen Arbeiter. Die Zolltariflasten und Dorteile müssen gleich­mäßig verteilt werden. Das Programm über die Außenpolitik erwähnt weder den Döller- bund noch den WeltschiedSgerrchtshof. Er äußert sich dagegen scharf gegenpolitischeDünd- nisse mit fremden Rationen. Außerdem wird die Erfüllung deS Armenien gegebenen Derfprechens der Einsetzung einer lokalen Selbst­verwaltung gefordert.

England und das Rheinland.

London, 28. Juni. (Tel.) DerManchester Guardian" nimmt zu der Unterhauserklärung Cham­berlains vom Mittwoch über die Rheinland- frage Stellung und schreibt, die Erklärung des Außenministers sei hinsichtlich der Bestrebungen des, polnischen Außenministers zur Erzielung eines Ost- locarnos dringend notwendig gewesen. Das Verlangen, daß Großbritannien seine Truppen auf deutschem Boden auf den Boden einer ihm befreundeten Macht belasse und sich dem dauernd bewaffneten Schutz einer aus natürlichen Gründen unbefestigten Grenze, mit der es keine direkten Interessen oerdinben, fügen solle, hätte an sich nicht ernst genommen werden brauchen, wenn dieses Verlangen nicht durch Frankreich unterstützt worden wäre. Chamberlain habe nun wirksam und nachdrücklich seine Stimme erhoben. Das Blatt schließt, es werde kein Ostlocarno geben. Die britische Regierung werde keine wei­teren Garantien übernehmen und was mehr sei sie könne die britischen Truppen aus dem Rheinland zurückziehen, wann immer f i c wolle.

Anträge -es Staatsanwalts im Oonezprozeß.

Moskau, 28. Juni. (WTB. Funkspruch.) Kry- 1 e n k o untersuchte bisher die Anklage gegen 31 von insgesamt 53 Angeklagten. Er beantragte für die Ingenieure Beresowski, Kolganow, Wassiljew, Susch- tschewski und Bojarinow sowie jür die Techniker Andrej Kolodub und Alexander Nekrassow und für Budny b i e Todesstrafe, gegen 20 Angeklagte verschiedene Gefängnisstrafen, gegen drei Angeklagte bedingte Verurteilung.

Reuige Sünder.

Moskau, 28. Juni. (WB.) Heute wurde ein Beschluß der Zentrallommifsion der Kommu­nistischen Partei veröffentlicht, wonach Sinow- jeff. Kameneff und 36 andere bekannte ehemalige Oppositionelle angesichts der Tatsache, daß fie ihre Irrtümer erkannt und sich von der Trotzki-Opposition loSye- s afl t haben, in die Kommunistische Porter wie­der aufgenommen werdc-n.

Südchina und die Mächte.

Schanghai, 28. Juni. (WB.) Der südchine­sische Minister des Auswärtigen. Wong, er­klärte, die Pekinger Derwaltungszone sei aufgehoben und unter die Provttrzial- behörde der Provinz Tschill gestellt. Die Stel­lungnahme der fremden Gesandtschaften gegenüber dieser Aerrderung habe nichts zu be­deuten. In Beantwortung einer Frage über die Anerkennung der nationalistischen Regie­rung LhinaS durch die Mächte erklärte Wang, die Anerkemrung sei nur b o n formaler® c- deutung. Alle diplomatischen Vertretungen Chinas im AuSlcrnde hätten die lüdchinesifche 5Iaggc gehißt. Wang erllärte weiter, er beab- sichtrge, die Frage der Revision der Der- träge nächstens aufzurollen und fügte hinzu.

es sei nicht wahrscheinlich, daß die Beziehungen zu Sowjetrußland in der nächsten Zukunft wieder ausgenommen werden.

Oer MandatSauSschuß und die Llnruhen auf Samoa.

Genf, 25. Juni. (WTB.) Der Ständige Mandatsausfchuß desDölkerbundes hat seinen für den Dölkerbund bestimmten Be­richt über die Unruhen auf Samoa fertig­gestellt. Der Bericht enthält einen Tadel gegen die Tätigkeit des Mischlingskaufmanns Relson, auf dessen Umtriebe nach Darstellung der neu­seeländischen Regieruno die Unruhen zurückzu- führen sind, und spricht den Wunsch auS, daß der Dertreter Reuseelauds auf Samoa jederzeit jene Befugnisse haben soll, die zur Aufrechterhaltung der Autorität der WandatSmacht gegenüber den Einge­borenen notwendig sei.

KabinettSkrisiS in Griechenland.

Berlin. 29. Juni. (LU.) Die .DAZ" mel­det auS Athen, Denizelos habe am Donners­tag unerwartet eine Kabinettskrise herbei- gefuhrt, die angeblich mit den ilnftimmiflfeiten zwischen der Rationalbank und der neuen Emis­sionsbank zu erklären sein soll. Der Staats­präsident habe die Demission des Kabinetts entgegengenommen. DaS neue Kabinett soll De­nizelos bildern Es sind Kammerauf- lüsung und Reuwahlen zu ertoarten.

Aus aller Wett.

23 Todesopfer eines schweren Eisenbahn­unglücks in England.

(Ein schweres Eisenbahnunglück, bei dem nach den bisherigen Feststellungen 23 Tote und 40, teilweise Schwerverwundete, zu beklagen sind, ereignete sich in der Röhe des Bahnhofs Darlington, als ein Güterzug mit großer Geschwindigkeit in einen Personenzug hineinsuhr, in dem sich un­gefähr 200 Ausflügler befanden. Don allen Seiten wurde den verwundeten fchuellstens Hilfe zu­teil. Das Geschrei der Verwundeten war furchtbar; besonders erschütternd waren die Leiden derer, die mit schweren Verletzungen unter den Trümmern der Waggons tagen, viele ver­wundete wurden von Aerzten und Schwestern an Ort und Stelle mit einem Rotverband versehen und in bereitstehenden Krankenautos in die in der Rahe befindlichen Spitäler transportiert, doch haben sich die Verletzungen mancher Passagiere als so schwer erwiesen, daß ein Transport nicht möglich ist. Rach Berichten von Augenzeugen war die Ducht des Zu­sammenstoßes so stark, daß die eine Lokomotive sich quer zu den Schienen stellte, während sich die andere überschlug. Die Behörden stellen eifrig Rachforschun- gen an, um die Ursache des Zusammenstoßes zu er­mitteln. Der Ausflügterzug war von Scarbo­rough nach Rewcastte unterwegs. Wiewohl beide Züge, wie gemeldet wird, in geringer Geschwindigkeit fuhren, stürzte bei dem Zu­sammenstoß die eine Lokomotive um und zwei Wag­gons des Ausflüglerzuges schoben sich ineinander.

Abschluß der Deutschen Frauentagung in Köln.

Der letzte Tag der Deurschen Frauentagung in Köln stand unter dem Motto: »Frauen und Presse!" Frau Oberin D. vTiling sprach über .Kultur. Presse und Frau". Die Dortragende ging aus von dem Gedanken der Kultur als Einheit der Seele und ihreS Werkes. Das gedruckte Wort begleite h:ute unser Leben, Schaffen und Handeln in einem Ausmaße, wie nie jUDor. Alle Lebensgebiete suchten sich heute in der Presse Geltung zu verschaffen. Die Frau beteilige sich auf allen QebenSgebictcn an diesem Ringen um Einffutz auf die Menschen. Die Presse arbeite in der Beeinflussung des Menschen unausgesetzt an Kulturgestaltung. Sie könne so kulturelle Großmacht sein, aber sie bringe auch große Gefa hren für alle Kultur mit sich. Unb hier setze die Kulturaufgabe der Frau der Presse gegenüber ein. Die Frau müsse Protest erheben gegen die G n t s e e 11 h e i t. gegen die Scheinwirklich'eit der Presse. Dann sprach Frau Else Kolshorn über »Die Frau im amtlichen Rachrichtendienst". Die Rednerin schiwerte die Entstehung der vorwiegend von Frauen besetzten Posten im Telephon- undTelegraphen- verkehr der Reichspost und die dort auftreten­den DerufSgesahren und -kämpfe. Die fortschrei­tende Mechanisierung und Rationali­sierung habe auch den amtlichen Rachrichten - dienst der Reichspost erfaßt und wirke sich nicht immer glücklich auf dieBeamtinnen aus

Die Universität Heidelberg ehrt Sven hedin.

Die naturwis enschastlich-mathematische Fakul­tät der ilniDerfität Heidelberg hat dem bekann­ten Tibet-Forscher S'ren Hedin die Würde eines DoktorS der Raturwissenschaften h. c. verliehen. Ein deutsches Sportsiugzcug beteiligt sich an dem

Rettungswerk für Robile.

Auf Initiative des schwedischen Generalvertreters der Klemm-Daimler-Flugzeugfabrik hat die deutsche Fabrik nunmehr der schwedischen Regierung zur Rettung des schwedischen Fliegers Lundbourg und der Mttglieder der Robile-Erpcdi tion eine neue Klemm Daimler - Sportmaschine Type L26 mit einem 50 P. S. luftgekühlten Salm son Motor und vollständiger Ausrüstung mit Skis und Pontons zur Verfügung gestellt. Der Aktions­radius der Maschine beträgt 1000 Kilometer, die Nutzlast 350 Kilogramm. Das Flugzeug kann auf einer Fläche von 50 Meter landen, weshalb es als besonders geeignet für den genannten Zweck ange­sehen wird. Der Ingenieur Lusser wird Freitag früh mit der Maschine von Stuttgart ab­flieg e n, um sich über Kopenhagen nach S t Ock­holm zu begeben. Die Ankunft dort wird im Laufe des Samstags erwartet.

Eine Spionageaffäre.

Unter Spionage verdacht ist an der deutsch- dänischen Grenze ein dänischer Infanteriehaupt- mann Lembourn verhaftet und nach Berlin übergeführt worden. In das lln'.ersuchungS- gefüngniS Moabit find inzwischen auch feine in Berlin verhafteten Helfershelfer trans­portiert werden. LembournS Dorgehen in Berkin läßt nach den bisherigen Feststellungen nicht auf viel Routine in der Sptonagetätiakett schließen, denn der Offizier hat sich einfach Im Kino an rin Mädchen herangemacht imb dieses beauf­tragt, für chn Auskunft über gewisse militärische Fragen einzuzichen. DaS

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Mädchen ging noch naiver Bor als ihr Auftrag, gebet und begab sich turAerfcanb zu einer hohen Reichswehrbehötde, wo man die AuSkunfthrischende schon nach ihren ersten ein­deutigen Fragen an die richtige Stelle, näm­lich zur Spionage-Abwehr brachte, wo dann allcS wettere veranlaßt wurde. Die Demrhmung des HauptmannS Lembourn hat Klarheit über die Personalien LembournS und über die Motive der Spionage gebracht. Der- nmtungen, daß zwischen Lembourn und fran­zösischen Spionagekellen Dezirhungen bestehen, scheinen sich nicht zu bestätigen. Lem­bourn s Reise nach Deutschland, die vor einigen Wochen erfolgte, war privater Ratur. Bevor er sie unternahm, bat ihn jedoch ein ihm befreun­deter dänischer Oberleutnant, zu versuchen, in Deutschland einen Agenten für dänische Svio- nagezwecke zu gewinnen. Lembourn kam dcesem Wunsche'nach, unb zwar ging er ein« Ber­liner Stenotypistin um Erforschung mili­tärischer Geheimnisse an; die Stenotypistin gab sein« Bitte an einen Bekannten weiter und der Bekannte ging kurzer Hand in« RcichSwehrministerium.

Der Blaubart von UlarfriQc

Die Spalten der französischen Presse find von Berichten über die Derbrechen deS neuen Blau­bart von Marseille angriüllt. SS scheint fest- zustehen. baß er mindesten« sech« Frauen ums Leben brachte, die auf seine Heirats­anzeigen hin mit ihm in Verbindung traten. Sine der Frauen, die mit ihm in Briefwechsel stand, ist nur durch den Zufall und nur durchihren Aberglauben vor dem schrecklichen Ende der anderen bewahrt geblieben. ES handelte sich um eine Pariserin, die mit dem angeblichen GaMard in einem Pariser Restaurant eine Zu­sammenkunft hatte. Der .Hriratslustige" legte ihr nahe, 20 000 Franken flüssig zu machen, damit sie eine kleine Dilla und ein Auto kaufen könnten und versprach ihr. sie nach Sunil zu führen, wo er Geschäfte habe. Auf feinen Dor­schlag eingehend, befragte fie eine Karten­legerin, die ihr von -inet Reise über da« Meer a b r i e t. da sonst ein Unglück auf fie warte.

(Eine deutsch-südslawische Gesellschaft In Spalato.

Rach Innsbrucker Meldungen wird sich in Spalato eine deutsch-südslawi'che Gesellschaft bilden, die eine ähnliche Tätigkeit wie die be­reits in Frankfurt a. M. bestehende deuffch- südslawische Gesellschaft entwickeln soll.

Die Gefangenenbefreiung in Moabit vor Gericht.

DaS Schöffengericht fällte daS Urteil gegen zwei Teilnehmer an dem kecken Handstreich, der die Befreiung des kommunistischen Führers Braun auS dem Gefängnis zur Folge hatte. Der Angeklagte Philipp wurde wegen vorsätzlicher Defangenenbefreiung ju sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Der Angctlagte Seifert wuroe freige'procken. In der Urteilsbegründung wird auSgeführt. buh bei dem Strafmaß berücksichtigt wurde, daß Phi­lipp anscheinend nicht die Zührerrolle in dem BefreiungSplan gehabt habe, sondern daß fein Idealismus von anderer Seite auS- genutzt worden ist: ferner auch, daß der An­geklagte sich nicht von eigennützigen Motiven habe leiten lassen. DaS Gericht habe frei von allen politischen Erwägungen die Tat zu be­trachten gehabt unb danach auch zu urteilen. Wahrend der Derhandlung hatten scch vor dem DerichtSgebäude große Massen der Parteianhän- ger der Angeklagten auf und ab bewegt. Do« Zeit zu Zeit fuhren dicht besetzt« Auto« vcftbei, deren Insassen unter den Fenstern deS Derhand- lungssaales Hoch- unb Riederrufe ausbrachten.

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Wettervoraussage.

Das vom Atlantischen Ozean herangerückte Tcef schreitet ostwärts Wetter, feine warme Lust bringt nach Mitteleuropa vor und führt zu langsamem Barometerfall. Unter der weiteren warmen Luftzufuhr werden die Temperaturen noch anfteigen, unter ihrer Begleitung wi»d e« zu einzelnen RiederlchlSgen und Dewitterstörunge» kommen.

DvrauSfage für SamStag: Bei süd­westlichen Winden wollig, auch auffceitembe« Wetter, zunächst noch Wetter Temperaturanstieg, veretnzell Riederichlägc aewitterhafter Art.

DvrauSfage für Sonntag: Wechselnd« Bewöllung mit Ausheilung, etwa« frischer, keine oder nur strichwerse geringe RiederschlSge ge- witterhaster Art.

Lufttemperaturen am 28. Juni: mittags 18 Grad Telsius, abends 1SL Grab delflus; am 2V Juul: morgens 16 Grad Eelsiu». Maximum 21 Grad Cel­sius, Minimum 7,7 Grad Celsius Crbtempera- turen am 28 Juni, abends 18,1 Grad Celsius; am 29. Juni: morgens 14,2 Grad Celsius. Sonnen- fcheindauer 7k< Stunden.