Nr 5l Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Mittwoch, 29. Zebruar (928
Aus dem Reiche der Krau.
Kinderaugen.
Don Prof. Or. (5. Adam, Berlin.
DaS Auge ist unser höchstes Gut. Es ist die Quelle unserer Freude, die Grundlage unseres Broterwerbs. Deshalb wird keinem unter unseren Kriegsbeschädigten soviel Mitleid entgegen- gebracht wie gerade den Kriegsblinden. Deshalb ist es unsere Pflicht, alles $u tun, um das Auge zu erhalten und Schädlichkeiten von ihm fernzuhalten. Cs gibt leider genug Augenkrank- yeiten, denen selbst der Arzt machtlos gegrnüber- steht; man vermehre ihre Zahl aber nicht durch Leichtsinn und Leichtfertigkeit.
Die Ratur hat das Auge wohl zu schützen gc- wustt. GS liegt in einer knöchernen Höhle, sanft in Fett eingebettet. An der Vorderseite befinden sich, wie wir wissen, die Augenlider, die sich blitzschnell schließen, wenn sich irgend eine Gefahr dem Auge nähert. Ihr freier Rand ist mit Wimpern bedeckt, um nach Möglichkeit Heine Fremdkörper und Staub dem Auge femzuhalten. Dauernd ist das Auge von der Tränenslüssigkeit überrieselt, um trotzdem eingedrungenen Staub von der Augenoberfläche zu entfernen und diese dauernd feucht zu erhalten. Würden die Lider diese Funktion nicht ausüben, so würden die Augen bald eintrocknen.
Gerade die 3ugenD Pflegt mit dem Auge aus ilnfenntmS und Gleichgültigkeit leichtsinnig umzugehen. Wie häufig lesen wir es in den Zeitungen, daß sich Schulfreunde gegenseitig durch Pustrohr oder Schießgewehr, Pfeile oder Steinwurf das Auge beschädigt oder gar gänzlich zerstört haben. Deshalb ist eine der wichtigsten Regeln, bei der Benutzung eines derartigen 3n- strumentes es nie mit der Mündung auf seinen Rebenmenschen zu halten, auch nicht im Scherz, auch nicht, wenn das Gewehr ungeladen ist. Cs muh zur Gewohnheit werden, ein solches Instrument, wenn es nicht dem Ziele zu kurz vor dem Schuh zugekehrt ist, mit der Mündung entweder nach oben oder nach unten zu halten, niemals in der horizontalen Richtung. Ein grausamer „Scherz" ist es, in Gruben mit ungelöschten Kalk Steine hineinzuwerfen, um diese zum Aufspritzen zu bringen. Spritzt etwas von dem Kalk in das Auge hinein und ist nicht sofort Hilfe zur Hand, so geht in den meisten Fällen das Auye rettungslos verloren Die Hilfe kann nur bann bestehen, daß sofort reichliche Mengen von Wasser über das Auge des Verletzten gegossen werden, sei es aus einem Henkeltvpf oder, wenn ein solcher nicht vorhanden ist, direkt aus dem Brunnenrohr. Da braucht man sich nicht zu scheuen, dah die Kleider oder die Haare nah werden, da es entschieden wichtiger ist, den Bestand des Auges zu retten
Sehr häufig dringen Fremdkörper kleinster Art in daS Auge, z. B. auf gewirbelter Strahenstaub, der Ruh einer vorbeifahrenden Lokomotive oder Aehnliches. So klein auch das Stäubchen fein mag, das auf der Hornhautobersläche haftet, die Schmerzen sind kaum erträglich, und es ist eigentlich fast verständlich, wenn der davon Betroffene durch Reiben mit den häufig nicht ganz sauberen Fingern, den Fremdkörper zu entfernen versucht. Aber dadurch wird es nur schlimmer. Wer einen Fremdkörper ins Auge bekommt, schliche daS Auge und lege ein sauberes Taschentuch darüber, das er mit einem zweiten festbindet, und begebe sich sofort in ärztliche Behandlung. Durch die schmutzigen Finger können gar zu leicht noch obendrein ansteckende Krankheiten aufs Auge übertragen werden, wenn jemand, der an einer ansteckenden Augenkrank- heit und Eiterung leidet, seine Finger mit dem Eiter beschmutzt und dann einem zweiten die Hand gibt, so können leicht auf dessen Hand die Krankheitskeime übertragen werden, die bann durch Reiben im Auge wieder an das zweite Auge gelangen Wer also irgendwelchen Augenkatarrh oder dgl. hat. sorge dafür, dah er jedesmal, wenn er das Auge berührt hat, sich sorg- faltig die Finger wäscht und unnötiges Hände- geben usw. vermeidet.
Auch Kurzsichtigkeit ist ein Augenübel, das man besonders bei sehr vielen Schülern findet. Man kann wohl sagen, je mehr der Schüler liest
und arbeitet, desto mehr steht sein Auge in Gefahr, kurzsichtig zu werden Besonders gefährlich ist das Lesen und Arbeiten bei ungenügender Beleuchtung. Man sieht häufig Knaben, aber auch Mädchen, noch tief in die Dämmerstunde hinein in ihren Büchern lesen 3n dem Mähe, in dem die Beleuchtung abnimmt, nähert sich das Auge dem Buch und die dadurch hervor- gerufene Anstrengung des Auges wird dauernd größer. Aber nicht allein zu geringe Helligkeit, auch zu grohe Helligkeit kann dem Auge schädlich fein. Deshalb ist es unzweckmäßig, im Sonnenlicht zu lesen, und ganz besonders gefährlich ist es, mit unbewaffneten Augen etwa in die Sonne zu blicken Hierdurch können Schädlichfeiten entstehen,
die niemals wieder gutzumachen sind. Wir haben im Augeninnern die Linse, die genau so wirkt wie eine Glaslinse. 3eder hat wohl schon einmal eine solche Glaslinse benutzt, um das Sonnenlicht auf einen Punkt zu konzentrieren und dadurch das unter gelegte Löschblatt oder gar den Kleiderstoff zum Sengen zu bringen. Genau so wirkt die kleine Linse, die wir im Augeninnern haben, wenn die Sonnenstrahlen, durch sie konzentriert auf die 3nnenfläche des Auges fallen. Es können in der gleichen Weise Verbrennungen dort hervorgerufen werden wie bei dem erwähnten Löschpapier.
Die Entfernung des Auges von dem Buche soll stets etwa 30 bis 40 Zentimeter betragen. Wer
Gollman ein Ausgabenbuch führen?
Don Lisa Honrolh-Loewe.
Ein altes Volkswort sagt: „Wer schreibt, der bleibt." Und es gab wohl keine Hausfrau in früherer Zeit, die nicht ein gut geführtes Haushaltsbuch für unerläßlich hielt. Durch die verheerende Zeit der 3nflatü>n und der Leichtlebigkeit, die ihre Folge war (und durchaus im Gegensatz steht zu den wirtschaftlichen Verhältnissen unserer Volksgemeinschaft), ist auch die Hausfrau im allgemeinen etwas lässiger geworden. Das minutiös geführte Haushaltsbuch unserer Großmütter ist ebenso verschwunden wie die minutiöse Schrift, in der dort jede kleinste Ausgabe verzeichnet stand, vom täglichen Fleisch bis zu den Salatkräutern. Wer hat nun recht, das alte Sprichwort, die Hausfrau von früher, bei der jeder Pfennig und jeder gute Groschen genau gebucht sein mußte? Oder die moderne Hausfrau, welche, vielleicht noch beruflich beschäftigt, das Haushaltsbuch für eine unnütze Zeitvergeudung erklärt, welche der heutigen Zmt nicht mehr entspricht? Mir scheint, die Wahrheit liegt auch hier in der Mitte.
Für gewöhnlich ist, wenn die Hausfrau nicht über regelmäßige größere eigene Einnahmen aus ertragreichem Berufe verfügt, das Geld so eingeteilt, daß aus einer gewissen Summe, die sich nach den individuellen Verhältnissen richtet, Haushalt sowie eigene Ausgaben der Haussrau bestritten werden. Falsch und zeitraubend ist es nun, wenn die Hausfrau zum Beispiel jede Zehnpfennig, die sie für Fahrten oder für andere kleine Privatausgaben verbraucht, täglich ängstlich notiert. Damit kommt sie nicht aus dem ewigen Rechnen und Buchen heraus, ohne irgendeinen praktischen Zweck zu erzielen. Richtig hingegen ist es, wenn sie die ganze Summe notiert, die sie etwa wöchentlich für ihre Privatbedürf- niffe der Kasse entnimmt, wobei die Ausgaben an Fahrgeld, kleinen Geschenken, einem Casö- besuch usw. im allgemeinen sich gleichbleiben. Sie kann dann in kurzer Zeit sehen, ob sie sich diesen Betrag privat leisten darf, ohne den Haushaltsetat zu überschreiten und ohne die gesunde, ausreichende Ernährung der Familie zu kürzen. Besondere Qludgaben, wie größere Anschaffungen, Kleider, Schuhe usw., werden im allgemeinen sowieso von einem besonderen Konto bestritten werden. Solche Ausgaben müssen ohne Zweisel genau gebucht werden.
Was die reinen Haushaltsausgaben angeht, so empfiehlt sich weniger ein Ausgabenbuch, das die Hausfrau daheim auf dem Schreibtisch liegen hat. es sei denn, sie wirtschafte ganz allein ohne Personal. Hat die Hausfrau aber ein Mädchen, so ist viel praktischer das Ausgabenbuch, welches in der Küche bleibt und welches täglich die für den nächsten Tag notwendigen Haushaltsfachen zur Votierung aufnimmt. Die gute Hausfrau muß sich immer am Sage zuvor darüber klar fein, was am nächsten Sage gekocht und gebraucht wird. Am Morgen, wenn die Hausarbeit drängt, nimmt diese Heberlegung viel zuviel Zeit fort. Man schreibt, mit dem Mädchen gemeinsam überlegend, genau alles ein, was man für die Küche und das Haus am nächsten Sage brauchen wird. Einer Vergeßlichkeit begegnet man sehr leicht dadurch, daß man genau die einzelnen Gerichte durchgeht und jede fehlende Zutat aufschreibt. Genau so verfährt
man mit den geplanten Hausarbeiten, Wäsche, Silberpuhen, Seidenwäscherei usw.
Hat man auf diese Weise den Bedarf für den Sag ermittelt (am Freitag muß man schon für Samstag und Sonntag vorsorgen), so wird das Buch beim Einholen mitgenommen, und es wird sofort an Ort und ©teile der Preis daneben- gesetzt. Aus diese Weise werden die Ausgaben immer stimmen, und es wird sich hinterher das Vachdenken ebenso ersparen wie eine Differenz im Gelde. Ebenso kann man am Wochenende mit Leichtigkeit sehen, was man ausgab, wo man unpraktisch eingekauft hat und wo man eventuell einsparen kann, um das Budget nicht zu überschreiten.
Solch ein tägliches Ausgabenbuch, welches nicht besonders gut geführt zu fein braucht, genügt vollkommen. Es erzieht nicht nur die Hausfrau, sondern auch das Personal zur Ordnung. Einmal kann man die Hausangestellten daran gewöhnen, jede fehlende Sache gleich ins Buch für den nächsten Sag zu schreiben, wobei die Kontrolle immer der Hausfrau verbleibt, zweitens ist man immer imstande, die Preise nachzukontrollieren, welche der Kaufmann gefordert oder die Hausangestellte wirklich auch manchmal nur angeblich gezahlt hat. Es gibt viele Hausfrauen, die aus Sorge, das Mädchen könne ein paar Pfennige zuviel aufschreiben, jede kleine Besorgung selber machen. Diese Furcht ist übertrieben. Einmal kann es sich, wenn die Hausfrau über die Marktpreise orientiert ist, nur um Pfennige handeln, ilnö man wird bei einiger Aufmerksamkeit sehr schnell sehen, ob ein Hausangestellter absichtlich betrügt, oder nicht. Zum anderen aber ist die Zeit, die man selber an andere Dinge als gerade ans Einholen der alltäglichen Lebensmittel wendet, oft viel besser zu brauchen. Es ist hier natürlich nicht die Rede von größeren Lebensmitteln, Braten, Geflügel, gutem Obst. Diese Dinge soll man nur einem besonders geschulten Mädchen überlassen und auch dann nur. wenn der Händler genau weiß, er muß daS Mädchen geradesogut bedienen, wie man selber bedient zu werden verlangt. Hat man aber ein Haushaltsbuch, fo kann man ja in jedem einzigen Augenblick die Summe beim Kaufmann nachprusen und dem Mädchen beweisen. ob es redlich war. Bestellt man telephonisch. so laffen sich die Preise auch im gleichen Augenblick Posten für Posten einzeichnen. Gewöhnlich schickt dann der Kausmann noch eine Rechnung zum Vergleich mit. Auf diese Art und Weife wird man nie die Kontrolle verlieren und kann auch die Hausangestellten zu einer gewissen Selbständigkeit erziehen. Sie können ruhig die tägliche Ausgabesumme selber bekommen und damit die Ausgaben bestreiten. Man rechnet dann jeden Sag mit ihnen ab, ehe man neue Beträge herausgibt. Dadurch entlastet man sich auch für die Zeit einer etwaigen Abwesenheit oder Krankheit. HnD das Ziel jeder Haushaltsführung sollte sein, alle daran Beteiligten zur Selbständigkeit ßu erziehen. Dies erreicht man sicher mit durch die oben geschilderte Art des Haushaltsbuches, welches geistig ent« lastet, ohne durch Pedanterie uns zu b e lasten.
Körpererziehung undHausarSett.
Don Frau Or. mcb. Edith von Lölhöffel.
Die Körpererziehung der Frau ist leider nur ein winzig kleiner Seil der großen Bewegung, die um eine Ertüchtigung des ganzen Volkes kämpft, und dabei sind doch die ft-rauen in Deutschland um zwei Millionen zahlreicher als Die männliche Bevölkerung. Welche Bedeutung muß es für die Volksgesundheit haben, wenn auch fie sich endlich zu bewußter Arbeit an ihrem Körper
aufraffen könnten.
Gewiß, äußerlich hat sich die Wertschätzung der schonen, gesunden, straffen Korperfornien überall durchgeseht, weil die Mode sich dieses neuen 3deals angenommen hat. 3ede Frau erstrebt heute die schlanke Linie und versucht mit allen Mitteln — vorn Schlankheitsbad bis zum alten Korsett — diesem Ziel nahezukommen. Aber die zweÄewußte Körperübung, die doch allein Muskelschlasfheit und Fettansatz beseitigen kann, ist den meisten Frauen. ganz besonders den Hausfrauen noch keineswegs vertraut. Sie glauben sogar, daß „die Wege zu Kraft und Schönheit die sie oft genug in Vorführungen, in Film und Bild sehen, ihnen durch ihre Bindung bei Haus und Familie verschlossen bleiben müssen und nur für berufslose, wirtschaftlich gutgestellte oder in fester Arbeitszeit berufstätige Frauen gangbar
fCl3ft denn Körpererziehung ein Luxus, ein teurer Sport, auf den die Hausfrau um ißrcr ö'amUie willen verzichten muß? Ganz gewiß sucht, jxc gesundheitlichen Forderungen, die wir für Frauen und Mütter stellen, sind auch der Sorgsamsten und Sparsamsten erreichbar und lassen sich in jeden Sagcsplan zwanglos einfügen.
Das Leben der Hausfrau bringt ia in der täglichen Hausarbeit schon so gesunde und natürliche Muskelübungen, wie wir sie vielleicht nur noch bei der Gärtnerin, Surnlehrerin oder Landwirt
schaftslehrerin finden können. Ein natürlicher Wechsel von Bewegung und Ruhe, tüchtiger Anstrengung und leichter Arbeit ist von selbst gegeben. Der Arbeitsrhythmus kann sich so vollkommen wie in keinem anderen Berufe dem ewigen Lebensrhythmus der Frau anpassen. Eine nach eigenem Willen gewählte Ruhepause, der im Berufsleben festgesetzten entsprechend, soll im eigenen Heim wirklich zur vollkommenen Erholung ausgenutzt werden. Denn zu Haus kann man sich eine halbe Stunde langgestreckt mit gelosten Gliedern wirklich entspannen, während für alle Bureauangestellten die Mittagspause auf dem unbequemen Arbeitsstuhl in müder, zusammengesunkener Haltung eher ein Atmungshindernis als eine Erholung wird.
Die Hausarbeit selbst ist auch so abwechslungsreich in ihrer Muskelanstrengung, daß man einseitige Heberanftrengung wirklich nicht zu fürchten braucht. Hausarbeitist gesunde, fürden Frauenkörper natürliche Leibes- Übung. Welch schöne Bewegung gibt es beim Dettenmachen. wenn in der Rumpfsenke mit gespannten Bein-, Bauch- und Rückenmuskeln Die Kissen tüchtig mit fröhlicher Oberarm kraft aus Den Schultern heraus geschüttelt unD Die Decken geglättet toerDen. Eine vollendete Streckung des Körpers, Die von den Zehenspitzen bis in die HanD emporläuft, wie es beim Staubwischen auf hohen Möbeln ober beim Fensterputzen geschieht. ist geraDezu eine Lust für Den Arbeitenden. wie für den Zuschauer — vorausgesetzt, daß sie richtig ausgeführt wird. Beim Wischen, Bohnern und Bücken müssen die BauchmiEkcln tüchtig mitarbeiten und die Fuß- und Kniegelenke beweglich nachgeben, Hnb welch wundervoller Rhythmus steckt in Der Bewegung DeS Wäscheauf- hängens, wenn der Streckung des Körpers immer wieder die Rumpfbeuge zum Korb herab folgt Aber welche Hausfrau kann sich richtig bücken und versteht diese herrliche Hebung für die Kniegelenke und für Fuß- und Beinmuskeln?
Daß einfaches, richtiges Gehen ebenfalls eine gute Körperübung ist, wird wohl jeder glauben. Die Hausfrau legt täglich bei ihrer Hausarbeit und beim Einholen viele Kilometer zurück. Dazu kommt Dann noch das Spazierengehen mit Den KinDern, bei dem auch alle Abarten Des Gehens unD Laufens, einschließlich Des Sprung- und Hindemislaufens geübt werden können und müssen. Wenn Die Hausfrauen wüßten. Daß sie auf ihren Sreppen im 3ahr mindestens einmal, die Bewohner des vierten Stockwerks sogar Dreimal zur Höhe Des Mont Blancs heraus- und herunterfteigen, sie würden es vielleicht als bewußte Sportübung mit mehr Genuß tun. UnD jeDer Markttag bringt das Steigen mit schwerem Gepäck, eine recht beträchtliche Mehrleistung!
Run sollte man Doch wirklich meinen, Daß diese gesunde Arbeit die fleißigen Haus rauen und guten Hausmädchen besonders geschmeidig, straff und schön macht. Aber leider ist das Gegenteil der Fall. Man sieht als Aerztin wohl viele straffe Mädchengestalten, aber recht wenig kräftige, schlanke Frauenkörper. An der Hausarbeit liegt aber diese Verunstaltung nicht, nicht einmal an den Veränderungen durch die Mutterschaft, denn ein gesunder Frauenkörper kann die natürliche Mutterschaftsleistung ohne, Einbuße an Schönheit und Leistungsfähigkeit vollbringen, wenn er nur planvoll geübt wird. Aber gerade dieses Heben des Körpers im täglichen Leben hat Die Frau nicht gelernt Sie kann zwar haus- wirtschaftlich-einwanD'rei. arbeiten, macht Dabei aber ungeheuerliche gymnastische Fehler. Einige Beispiele sollen Das zeigen: Die Frau steht am Herd oder am Plättbrett mit schlaffen Beinmuskeln, das Fußgewölbe hängt, anstatt sich kräftig zu spannen, und Der Fuß knickt nach innen ein. Wenn sie den äußeren Fußrand fest aufsetzen und Das Fußgewölbe anspannen würde, brauchte sie weder Den Senkfuß noch Krampfadern zu fürchten, denn Muskelspannung wirkt der Blutstauung entgegen. Das gleiche gilt für das
in dieser Entfernung nicht lesen kann, muß zum Arzt gehen und sich eine passende Brille verschreiben lassen.
Vielfach klagen die Kinder auch darüber. Daß sie beim Lesen und Arbeiten Kopfschmerzen und Augenschmerzen bekommen: auch hier kann eine Störung des Auges vorliegen, die nur Der Augenarzt beurteilen unD eventuell durch eine Drille beseitigen kann. Richtig ausgewählte C0rillen schädigen daS Auge nicht, im Gegenteil, sie stärken eS.
Wichtig ist es. bei einer späteren Derusswahl an Den Zustand des AugeS zu denken. Wer schlechtes Sehvermögen hat, sollte keinen Teruf wählen, der hohe Anforderungen an die Sehschärfe stellt, wie etwa Feinmechaniker oder Buchhalter u. Dgl. Für manche Berufe, wie Förster, Chauffeur, Seemann, wird ganz besonders hohe Sehschärfe vorausgesetzt. Wer nicht tadellose Augen hat, betrage vor Der Berufswahl die Be- russberatung oDer seinen Schu'arzt, denn derjenige, der seinen Beruf nicht voll aussüllen kann, ist sich selbst und anderen eine Last.
Der neueJrHjahrshutisiründloö
Don Anne Beer.
(Rachdruck verboten.)
Man hat sich Darauf besonnen, Daß Strohhüte eigentlich recht kleidsam sind. Daß besonders glänzendes Stroh sehr vorteilhaft ist, und Darum bringt man entzückende kleine Modelle • aus Exotengesiechten, Cellophanborten unD glänzend gelacktem japanischen Stroh. Die Hüe ans diesen Geflechten sind fast ausschließlich in kleinen Formen gehalten: Der kleine, schmale Glockenrand wird von Den vollständig ranDlofen Kappen immer mehr in Den Hintergrund gedrängt, Da auch diese durch verschiedenartige Mater.alver- toenDung in Der mannigfachsten Art variiert sind. Exoten- und Cellvphankap^i, Die ranDlos Den Kopf umschließen, garniert man mit einem schmalen SamtbanD ober einer aus Bast eingeftidten Blume. Doch sieht man selten nur ein Material verwendet: Kombinationen aus zwei verschiedenen Materialien sind Die vorherrscl.e.ide Moderichtung, Da durch Die Verarbeitung von glänzenden und stumpf ausseheirden Stossen Die wirkungsvollsten Efsekte erzielt toerDen. Darum steht auch Filz mit seinem weichen Glanz immer wieder an hervorragender Stelle: eine eng den Kopf umschließende, unregelmäßig am Rande geschnittene Kappe ist aus schwarzen Filzstreisen mit ©Ire- st o,s blenden abgesetzt, und wird durch zwei große Drillantknöpse verziert: die randlose Kappe, aus Cellophan und Filz, besteht aus zwei schräggeteilten Hälften des Kopfes, auf den sich schräg eine kleine hochgestellte Krempe legt; für Damen, Denen Die dicht um Den Kops liegend« Kappe nicht steht, arbeitet man den oberen Kopf durch Einlagen von Stoff, Band oder Filz auf Strohhüten etwas breiter aus. Kleidsamer für diese Form ist eine schräggestellte Kappe auS Cellopvanbone mit breiten, eingesetzten Blenden aus breitem Groarainband, das oben weit und faltig drapiert ist. Mutzenartig, ohne Schirm ausgearbeiiel, ist eine randlose Kappe, um Die sich am oberen Kops ein breiies BanD aus Stroh schlingt, während Der untere Rand mit einem breiten Filzbande eingeiaßt ist. Die seitlich dicht am Kops hochgebogene Form, sowie Die gleichmäßig dicht am Kopf hochliegenden Krempen erfreuen sich wegen ihrer KleiDsamkeit unD ihrer flotten Wirkung größter Beliebtheit: Der Kopf ist Heller, Der Rand dunkler oder aus anderem Material, so daß ein immer wechselndes Bild geschahen wird. Fesche Kombinationen gibt cs aus Stroh und Filz; so wird der Kopf aus Filz, der dicht an Den Kops gelehnte Rand auJ Exoten- oder Paillasfon- unD Ceilophanstroh gearbeitet, oder umge ehrt. Zur Belebung wählt man große Radeln in viereckiger und Würfelform: diese in Den zum Hut passen Den Schattierungen. An Filzhütchen wird Die Krempe gern — über dem Abschlußrande des Kop es be.jn ,e. D — seitlich hochgestellt und durchschlungen, so Daß Die Enden schlci.euartig verknüpft sind, oder sie werden nur nebeneinander gestellt und mit Schmuck- nadeln festgehalten. Sehr fesch wirkt eine links sehr hochgestellte, rechts flach umgebogene Krempe
Gehen. Man muß seine Gelenke gebrauchen, wenn sie beweglich bleiben sollen. Lockere Kniegelenke und federnde Fußgelenke bewahren uns vor Steifigkeiten und Gclenkschmcrzen. Bauchmuslel- spannung ist bei jeder Arbeit notwendig, ganz besonders beim Stagen und Gehen. Wenn man aber nicht arbeitet, braucht man sich auch nicht vor Dem „Schaden tun" und dem „Ausrenken", ebensowenig vor Dem Hängcleib zu fürchten. Ratürlich soll man aus Den Schultern heraus mit beiden Armen gleichmäßig tragen und schwere einseitige Lasten niemals über dem Leib, sondern auf der Hüfte ausstühen.
Das gleiche gilt für das Kinder tragen, die im Reitsitz auf der Hüfte leicht zu halten sind und niemals den Hängeleib verursachen können. Selbst das Sitzen müssen die meisten Frauen erst richtig lernen. Hohles Kreuz und knapper Sitz auf Der Stuhlkante machen Kreuzschmerzen und Stiche zwischen den Schultern. Deshalb soll man lieber wirklich fest auf seinem Stuhl sitzen, das Krcuz anlchnen, aber die Brustwirbelsäule beweglich lassen. Durch krampfhaftes Anpressen des Kinns wird die Dlutversorgung im Kopf behindert und Kopfschmerzen sind die Folge. Außerdem gibt cs das häßliche Doppelkinn. 3st es ein Wunder, wenn die jahrelange falsche Arbeitsweise den Körper verunstaltet?
Aber die Hausfrauen können sich dazu erziehen, daß ihre Arbeit harmonische, gesunde Leibes- Übung wird. Vielleicht werden sie gymnastische Anleitung dazu brauchen, wenn sie ihr Körper- gefühl nicht zu entwickeln celernt hab?" Aber alle Fraueniurnvereinc und Gvmnastillchnlen haben fchon solche Frauenkurse. Sollte man nicht das Kaffeekränzchen in einen Tnrnzirkel umwandeln können? Cs wäre nicht teurer, aber Dah'tr viel gesünder und brächte der Hausfrau täglich in ihrer Arbeit vielfältigen Segen — und damit ihrer ganzen Familie. Rur eine gesunde, lebensfrohe Frau kann Glück und Freude spenden!


