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Verräter an Deutschlands Freiheit, wies in dem Zeitungsblatt stand, dem blöden Wisch. den der Joseph hergeschickt hatte. Alle im Ddrf hatten die Zeitung gelesen der Herr Pastor hatte sogar in der Predigt etwas davon gesagt - die einen hatten darüber geschimpft, die anderen gelacht, er selber hatte kein Wort sagen können. Die Hände in den Taschen seiner Hose zu Fäusten geballt, hatte er stumm dagestanden.

Donner und Doria!" Dem Mann im Weins­berg ging der Qltem aus. Die Hitze des Mit« tags, stark wie das Fegfeuer, war nicht so schwer zu ertragen gewesen, wie jetzt die stickige Dumpfheit zwischen den dichtbelaubten Stöcken. Die Sonne war im Sinken, aber der Berg hielt alle ihre Glut eingeschluckt.' die Sohle, die den schiefrigen Felsboden trat, wurde fast verbrannt, als ginge sie über glimmende Kohlen. Simon Dremm schnallte den Tragriemen los und lieh die Pumpe herunter. Aufstöhnend reckte er den Bücken grade; der war krumm geworden, die Schultern schmerzten. Seit Mittag waren viele Stunden vergangen. Sein Ohr fing jetzt den schwachen Klang fernen Läutens auf: das Ave. Als der Morgennebel noch über der Mosel dampfte, hatte er angefangen vierzehn Stun­den im Berg nun durfte er ans Heimgehen denken.

Steif geworden vom Tagwerk und wie zer­brochen an allen Gliedern, stieg der Winzer jetzt abwärts. Langsam schlurrten seine Schuhe mit schweren nagelbeschlagenen Sohlen über die harte Chaussee. Sehr müde war er, aber sein Auge sah doch noch die Schönheit der Land­schaft: ist es irgendwo schöner?

Es dämmerte bereits, über der Mosel webte es silbrig und ums Klostergemäuer auch. Wie schon eingeschlafen, senkten Obstbäume, die auf der Wiese standen, ihre schwerbeladenen ge­duldigen Aeste. Aus den Duchenkrvnen des auf der Seite zur Wiese hinunter bewckldeten Ab- hangs des Klosterberges kam süh das Abendlied schläfriger Vögel; Grillengezirp aus den Steinen der Weinbergsummauerungen und l.ises Frosch- gequak an der Uferböschung stimmten dazu. Es machte die Seele des Müden zufriedener. Alles, was ihn verstimmt und beängstigt hatte, ging nun zur Ruhe. (Fortsetzung folgt.)

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Nr. 5t Zweites Blatt

Mittwoch, 29. Zevruar;928

Nachdruck verboten.

1. Fortsetzung.

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wenn er sich auch besinnen sollte, die Schande, die blieb. In des Mannes Seele nagten Kum­mer und Zorn: sein Joseph, sein Sohn bei denenl Richt die, die zum Reich hielten, waren Hoch-

den Bürgermeistern mitzuteilen, daß bei Angabe der Gesamtfläche, die der einzelne Besitzer be­wirtschaftet. Hutweiden. Oedländereien usw. in Abzug zu bringen sind. Kleber die Verteilung der Beihilfen an die einzelnen Besitzer wurde beschlossen, dah die vom Staat zugewiesenen Gelder, wie es auch nach den Richtlinien ge­schehen muh, lediglich $ur Saatgutbeschaf­fung Verwendung finden sollen. Eine Aus­zahlung an die einzelnen Besitzer kommt nur anteilmäßig für das Wintersaatgut, aber nur unter gleichzeitiger Vorlage der Rechnung in Frage. Dr. geifert regte den gemeinsamen Bezug von anerkanntem Saatgut an, da dann auch der Landwirtschastskammerzuschuh gewahrt werden könne. Dem wurde zugestimmt. Den Ge­meinden des Kreises Schotten werden in den nächsten Tagen die erforderlichen Unterlagen vom Landwirtschaftsamt zugehen. Den betreffen­den Gemeinden des Kreises Lauterbach sei emp­fohlen, sich mit ihrem zuständigen Landwirt­schaftsamt in Verbindung zu setzen.

Als letzter Punkt wurde die Umstellung behandelt. Die zahlreichen Diskussionsredner be­tonten die zwingende Rotwendigkeit der U m st e l l u n g , die aber nur nach Durch­führung der Fe.dbere'migung im Rahmen eines allgemeinen Ku.turplanes erfolgen kann. Ebenso einmütig waren aber auch alle der Ansicht, daß dies nur durch weitgehende Unterstützung durch den Staat möglich ist. Der neue Minister für Arbeit und Wirtschaft bringt gerade der Umstellung das größte Interesse entgegen. Mit den betreffenden Landwirtschaftsämtern haben wegen dieser Frage schon Besprechungen statt­gefunden. Außerdem wird der Minister selbst in Kürze in grundlegenden Besprechungen mit den Vertretern der betreffenden Gemeinden in Verbindung treten.

Als Riederschlag der Verhandlungen wurde nachstehende Entschließung einstimmig angenommen:

1. Die heute auf dem Hoherodskopf versam­melte Rotstandsvertretung des Vogelsberges, so­wie die Bürgermeister der 40 In Frage kommen­den Gemeinden legen schärfste V e r w a h - rung gegen die in den ministeriellen Richtlinien zum Ausdruck gebrachte Klassifizierung der Betriebe im Notstandsgebiet ein. Sie ver­langen, daß ohne Rücksicht auf die Be­triebsgröße die vom Landtag dankens­werterweise zur Verfügung gestellten Mittel jedem Betrieb im "Notstandsgebiet zugäng­lich sind. Es ist sonst die Möglichkeit vorhanden, daß im schwerstgeschädigten Gebiet Betriebe von z. B. 41 Morgen nicht bedacht 'werden können, während Heinere Betriebe im weniger geschä­digten Gebiet, deren Besitzer außerdem vielleicht noch gute Nebenverdienste haben, den Löwen­anteil beziehen können.

2. Es wird unbedingt erwartet, daß bei der enbgültioen Verteilung durch das Ministerium sowohl die Rötst andsvertretung, als auch die in Frage kommenden Landwirt­schaftsämter gehört werden, um offen­sichtliche Ungerechtigkeiten ausgleichen zu können.

3. Weiterhin sind die Vertreter der 40 Ge­meinden von der Notwendigkeit der Um­stellung überzeug». Die Vorarbeiten zur Um­stellung können aber nur dann erfolgen, wenn ausreichende Mitte! bo*v. Staate hierzu zur Verfügung gestellt werden, da die einheimische Landwirtschaft- außerstande ist, auch nur einen geringen Seil der Kosten hierzu aufzubringen.

Inkognito.

NiandgioffenzumofghanifchenKönigsbefuch

Eigene Drahmieldung desGießener Anzeigers".

Berlin. 29. Febr. Die Tage der rauschen« Äen Feierlichkeiten für den König Aman Ullah du Afghanistan find vorüber. Der exotische Wast wird zwar noch einige Wochen in Deutsch­land bleiben, um einen Blick in unsere Wirt- Ghast Hineinzuwersen, er hat aber gebeten, dabei ®on allen offiziellen Empfängen abzusehen und ihn lediglich als Privatmann zu behandeln. Es üft das erste Ma l. daß die deutsche Republik einen König zu Gast bei sich sah. und es ist nur ,-?u verständlich, wenn dabei nicht alles ge­ll a p p t hat. Früher gab es für solche Fälle ain für allemal ein vorgeschriebenes Zeremoniell. Las nur in Kleinigkeiten abgeändert wurde, jetzt müssen wir eine neue Form dafür finöen, xvas keineswegs einfach ist. selbst wenn, wie sich eigentlich am Rande versteht, die Art der Emp­fänge auch in der Republik nicht viel anders fein kann, als im Kaiserreich. Trotzdem haben Die Kapitvlswächter der Demokratie forgcnöoll itie Stirne gerunzelt und an allen möglichen Beinigkeiten Kritik geübt. Daß wir bei der Ge°

Die goldenen Berge.

Vornan von Clara Diebig.

Lophright bh Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart.

konnte dann noch lange so fröhlich bleiben, sie war ein braves, ein gutes Kind und hübsch war sie auch!

Es gibt an der Mosel viel schöne Mädchen, dunkelhaarig und dunkeläugig, aber die Schönste von allen war die Maria aus Porten. Ihre Schönheit war in der ganzen Umgegcnb bekannt. Die kam daher, so erzählte man sich's. daß die Brernm. als sie mit diesem Kind ging, oft fromm hinaufgewandert war zu dem Kirch­lein, das oben auf dem Klosterberg inmitten eines Friedhofes steht. Dort hinauf trägt Mun­den, das Dorf, das schrägüber von Porten an der anderen Seite der Mosel liegt, seine To­ten. Aus diesem Dorf war die Brernm ge­bürtig und ihre Eltern waren da oben be­graben: ihr Vater, ein Winzer, wie alle hier sind, ihre Mutter eine der Frauen, wie auch sie eine war: die heiraten jung, tun ihre Ar­beit. gebären viele Kinder und sterben noch nicht sehr alt. Wenn Anna Dremm nun den Sta­tionsweg, der von Munden stell und sonnig durch Weinberge führt, hinaufklomm, betete sie bei jeder der sieben Stationen inbrünstig em Gebet für die Seelen ihrer Verstorbenen und zugleich ein Gebet für das neue Leben, das sie trug. Unb während sie auf den Gräbern der Eltern bas llnfraut rupfte, hatte sie fub viel Gedanken gemacht sie erzählte es nach­mals, brei Knaben hatte sie schon, nun wollte sie gern ein Mädchen haben, eine Tochter, die ihr beistand im Haushalt und einst auch auf ihrem Grabe das Unfraut ausrupfte Sie erbat das bann flehentlich vor dem Bild Der heiligen Jungfrau, das guabenspendenb rm alten Kirchlein hängt; sie wandte ihre sehnenden Blicke nicht von dem ab. Und das Mädchen, das ihnen geboren wurde, war darum so schön wie em Bild. . O r. S.

3a. die Maria! Der unter der Last der Pumpe im glühenden Sonnenbrand keuchend Da- herschreitenbe lächelte. Aber bann wischte er sich mit ber von ber sprihenben Brühe besprenkelten Hanb über bie Stirn, bie nicht schwitzte von Feuchtigkeit war nichts mehr im Körper unb seufzte: wenn er nur mit fernen drei Ael- testen mehr Glück gehabt hätte! Neun Kin­der hatte sein Weib ihm geboren, nun waren

Ablauf wichtiger Lohnsteuerfristen.

Das Reichsfinanzministerium weist darauf hin. daß am 2 9. Februar die F rist a b l ä u f t, innerhalb der die Arbeitgeber den Finan.zämtern Uoberweisungslisten für 1927 über bie außerhalb des Ortes ber '-Betriebs* ftätte wohnhaft gerne jenen Arbeitnehmer einzurei- djen haben. Bis zum gleichen Tage haben die Ar­beitnehmer, für die 1927 Steuermarken verwendet worden lind, ihre otenertarten mit Einlagebogen an das Finanzamt abzuliefern. Ferner wird. dar­auf aufmerksam gemacht, daß Anträge auf E r - ftattung von Lohnsteuer für 1927 bis zum 31. März beim Finanzamt ein gereicht werben muffen.

l.genheit auch unsere Reichswehr gezeigt haben, leuchtet ihnen gar nicht ein; alte Schlagworte vonMilitärspielerei" unb was sonst bazu ge­hört. sind toicber in Kurs gefetzt, obwohl ber < önig von Afghanistan doch selbst feine Vor­liebe zum Militär dadurch betonte, bah er in voller Uniform feinen Einzug in Berlin hielt.

Jnbefsen, das finb Dinge, die mehr an ber Peripherie liegen. Ein Punkt verdient jedoch ernsthafteste Beachtung, well er gerabezu typisch für die innere Unwahrheit unseres ganzen pal.tischen Lebens ist. Die sozialbemokra- tische Stabtocrorbnetcnfraftlon ' erlinö hat sich an bem Empfang, ben Berlin i >m König bereitete, nicht beteiligt, weil s e, wie sie öffentlich erklären ließ, ber Meinung v ir, baß die Art ber Aufnahme ben Eindruck ei iermonarchischen Demonstration" n icbte. Ausgerechnet in Berlin, wo bie So» z' ilbemokraten eigentlich alles zu fa^en haben u.ib die Geschicke der Reichshauptstadt im wesent­lichen nach ihren Wünschen geleitet werden. Richt genug damit, haben sie auch in ihrer Presse keine Gelegenheit unaenuht vorübergehen lassen, um ben Kmig und seine Umgebung in ber g'bäsiig- sten Weife anzugreifen, nur um baburch bei ihren Lestrn in guten Geruch zu kommen unb um bie Konkurrenz ber Kommunisten ausm- schalten. Wären bie Sozialdemokraten reine Oppositionspartei, dann wäre es schließlich ihr gutes Recht, so zu handeln. Aber das sind sie eben nicht. Der sozialdemokratische Ministerpräsident Braun lädt den König von Afghanistan zu einer Hokjagd ein. die nur deswegen abgesagt wird, weil es Aman Ullab kein Vergnügen macht, auf zahme SSMcbe zu schießen. Der sozialdemokratische Reichstagsvrösident Löbe lädt den König zum Frühstück ein unb besucht mit ihm in der Ehrenloge die Ober. Der sozial­demokratische Stabtbernrbnefen* Vorsteher Hl-t im Verlmer Ra'hans die 5öonnenrs machen. Das hindert aber die Partei wicht, sich in ein republikanisches Mäntelchen zu bullen und den Besuch zu boykottieren. Ein solches Reben-inanber ist unmnqTidj. Eine Partei, die ihr-n Anteil an der S' aatsvo'-antwor'lich''ei t be- anfp'"cht. muß auch den Mut haben, daraus bie K-mseciuenzen zu ziehen unb auch Dinge zu tun. bie ihr vielleicht nicht s"hr svmdrtthllch sind. Sonst setzt tie sich d"t G^>ahr aus. daß ihr in aller Oeffen*lichk"it einmal der V^rtourf des Mangels an Ehrlichkeit und der Angst vor den Wählern gemacht wird.

Die Notlage der Landwirtschast im oberen Vogelsberg.

Wie bekannt, hat der Hessische Landtag die Wünsche ber Rotstandsvertretung erfüllt und dankenswerter Weise zur Beschaffung von Saatgut für bie Llnwettergeschädig- ten im Bogelsberg ben Betrag von ins­gesamt 230 000 Mark zur Verfügung gestellt. Am Sonntag fanb nun auf bem Hoherobskopf unter dem Vorsitz von Fortbilbungsschullehrer Steinmann (Herchenhain) eine Versamm­lung ber Rötst andsvertretüng, so­wie der Bürgermeister ber 40 durch Unwetter schwer geschädigten Gemeinden des Vogelsberges statt. Außerdem war das Landwirtschaftsamt Ridda durch Direktor Dr. He Isert unb bie Landwirllchaftskammer burch bas Vorstanbsmit- glied C e 11 a r i u s (Schotten) unb mehrere Ver­trauensmänner vertreten.

Die Versammlung beschäftigte sich in erster Linie eingehend mit ben Richtlinien, die bas Ministerium für Arbeit unb Wirtschaft. Abteilung für Ernährung unb Lanbwirtschaft, für bie Verteilung ber Beihilfen ber» ausgegeben hat. Sie war einmütig ber Ansicht, baß bie Klässifizierung abzulehnen sei. ba bei ben im Vogelsberg herrschenden eigenartigen Wirtschaftsverhältnissen gerade bei dieser Art ber Verteilung bei ben Besitzern mit über 40 Morgen Grundbesitz unbillige Härten unb Un­gerechtigkeiten entstehen müßten. Der Vorsitzenbe teilte eingangs bazu schon mit. baß er von bem Minister für Arbeit und Wirtschaft ermächtigt worden sei, ber Versammlung unb vor allem

Oberheffen.

Landkreis Gictzcn.

g. Klein-Linden, 28. Febr. Dieser Tage fand im Turnerheim die ordentliche General- Versammlung des hiesigen Spar - und Darlchcnskasscnvereins e. ö. m. b. $). statt, die sehr gut besucht war. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Kaufmann Hermann Jung, leitete die Versammlung. Direktor Wilh. Fey er­stattete den Geschästsbericht, aus dem zu entnehmen ivar, daß sich die Kasse auch im abgelaufencn Ge­schäftsjahr sehr gut weiter entwickelt hat. Die Spareinlagen, die sich im vorigen Jahre auf 57 000 Mk. beliefen, haben sich im abgelaufencn Geschäftsjahr bereits verdoppelt. Gin erfreu liches Bild zeigte auch der vor einigen Jahren ein­geführte Kleinfparmarkenverkehr, der die Summe von ca. 11000 Mk. aufwies. Der G e - samtumsatz der noch verhältnismäßig jungen Kasse belief fid) im verflossenen Jahre auf über 600 000 Mk. Die Gesuche um Daudarlehen konnten sämtlich berücksichtigt werden. Von Nichtmitgliedern sind bis heute 40 000 Mk. eingezahlt worden. Bei den Wahlen wurden bie satzungsgemäß ausscheiden- ben Vorstandsmitglieder einstimmig wiedergewählt. An Stelle des durch Wegzug- ausscheidenden Auf­sichtsratsmitglieds Ehr. Lenz, wurde der Kohlen­händler Heinrich Weigel gewählt. Die von bem Kassenrendanten Julius Jung vorgetragene Bi­lanz wurde einstimmig genehmigt. In der außer­ordentlichen Generalversammlung des Gesangvereins .Harmonie" wurde be­schlossen, am 16. und 17. Juni eine Rheintour zu unternehmen. Der Verein beabsichtigt, Samstag, 16 Juni, nachmittags, unseren Ort zu verlassen, um am Abend in Nieder-Jngelheim mit einem ihm be­freundeten Gesangverein einen Rheinlieder-Abend zu veranstalten. Am Sonntag wird dann von In­gelheim aus die Rheinfahrt unternommen. In die öleisekasse ist bereits der ansehnliche Betrag von 350 Mark eingezahlt worden. Es haben fid) wieder zehn neue Mitglieder angemeldet, die einstimmig auf­genommen wurden.

y Watzenborn-Steinberg. 28. tfebr. Am Sonntag feierte unser K i r ch e n g e s a n g » verein seinen diesjähr gm Familien­abe n b unb in Verbindung damit sein fünf­jähriges Bestehen. In seiner Begrüßungs­ansprache wies ber Vorsitzende, Pfarrer Stau­bach. auf bie hohen "Verbienste hin. bie sich der Dirigent bes Vereins. Karl Sommer, im Laufe bieser Jahre um denselben durch seine treue Arbeit erworben hat, unb überreichte ihm als äußeres Dankeszeichen bas stimmungsvolle, bekannte BildSchäfers Sonntagslieb". Der Abend stanb ganz unter bem Einbruck des 100. Todestages von Franz Schubert unb war als ..Schubertabeud" ausgestaltet. Einleitend behan­delte der Dirigent in einem sehr klaren Licht- bildervortrageSchuberts Leben unb musika­lisches Schaffen". Die nun folgenben musikali­schen unb gesanglichen Darbietungen ließen ein sehr geschickt zusammengestelltes Programm er­kennen. bas eine gute Liebersicht über Schuberts Werk bot. Leistungen solcher Art. wie sie ba ge- I boten würben, bür ten in unseren Lanbgemeinben selten sein. Das Orchester, bas aus einer Anzahl Gießener unb hiesiger musikalischer Kräfte be- stanb, bie Cello- unb Flötensoli ber Herren Hermann und Günther- Gießen unb bie gesanglichen Darbietungen des Vereins gaben Proben reichen Könnens und schufen ben ge­spannt lauschenden Hörern Stunben innerster Erhebung. Bei dem anschließenden Äiffcetrinlen überbrachten Bürgermeister Schäfer im Ramen des K.rchenvorstandes unb Pfarrer Steiner» Hausen im Ramen des Brudervereins Hausen dem Verein ihre Glückwünsche. Der erhebende Abend wird lange in ber Erinnerung derer weiter­leben, bie ihn miterlebten.

Bg. G r o ß e n - B u s e ck, 28. Febr. An der über die Wieseck führenden sog. Schmiedbrücke ist gelegentlich des heftigen Sturms vor vierzehn Tagen ein Teil der Schutzmauer einge- ft ü rzt. Es hat sich nunmehr herausgestellt, daß auch das Gewölbe beträchtliche Schäden aufweist. Der Verkehr über die Brücke ist daher für Fuhrwerke und besonders für Lastautos gesperrt worden. Er wird durch die Kaiser- und Bahnhof sttaße umgeleitet. Da die offenbar schon sehr alte

Ein Hoffnungsstrahl ließ das Gesucht de-- Man­nes jünger erscheinen, mit einem Aufatmen blickte ber Winzer umher: ließ es sich denn nicht gut an? Des Wurmes war man Herr geworden, unb ber Behang war ausreichend Jetzt nur noch fleißig gespritzt! Unb als hatte er sich schon auf einer Saumseligkeit ertappt, faßte seine Hand nach bem Schlauch, ber wie em sich Win- benber Wurm aus der Pumpe herabhing.

Hinauf und hinab, unterm kletternden Schuh Seprafsel ton Schiefer, bie Schultern geduckt unterm Tragriemen, ber wie ein Joch druckt, brennender Durst in brennender Sonnenglut. Zwischen bie Reben fliegt zerstäubender Strahl, bas Grün der Blätter überzieht sich wer^blauttch, und auch die Beeren der Träubchen bekommen den gleichen Anhauch. Und auch ber. ber ba spritzt. Vom beizenden Staub tränen die ent­zündeten Augen. ,f t

Simon Brernm atmete schwer; die Kehle war ihm wie zugeschnürt vom Dunst zwischen den Stöcken Cs mochten an fünfzig Grad und mehr noch fein im glühheihen Ofen des Wemberas. Aber daran dachte ber Mann letzt nicht; er dachte an seine Tochter. Wie froh die Stimme ber Maria geklungen hatte! Die konnte ja auch noch froh fein, die war knapp siebzehn. Als er so jung gewesen war. hatte er s auch noch uicht empfunden, wie hart doch eigentlich bas Leben ist. In jungen Jahren ist es em Spaß, im Weinberg zu klettern, man ist ohne Verschnau» len oben und ebenso schnell wieder unten, man fühlt kaum, daß man ein Herz hat. das pocht. Jetzt ging es schwerer hinaus, man mußte lang- famer tun, Schritt für Schritt. Es war saure Arbeit im Weinberg nein, seine ^od>ter sollte es nicht so schwer haben! Er wollte nicht dagegen sein, wenn Tie sich eine- Stelle suchte in einem Haushalt ober in einem Hotel, vielleicht ms Bad Bertrich ging: da hatte sie's leichter. Sie

es nur mehr sechs. Der Toni unb ber Aloisius waren im letzten Kriegsjahr gefallen, beide noch so sehr jungen Brüder fast auf einen Tag. Sie waren begraben irgendwo. Aber daß sie in ge­weihter Erbe lagen, bas hoffte er; um sie trug er weniger Leid. Aber der dritte, ber dritte, ber Joseph!? Der war am Rhein, aber an welchem Ort sich ber jetzt herumtrieb, bas wußte er nicht. Er wollte es auch gar nicht mehr wissen. Wozu brauchte ber sich zu jenen zu schlagen, bie bie rheinische Republik aus­riefen? Gehörte man nicht zum Reich in guten unb bösen Tagen? Jetzt in den bösen erst recht. Der ist ein schlechter Mensch, ber seinen Herrn im Stieb läßt, well es bem nicht mehr so gut geht wie früher. Unb faule Tage hatte ber Joseph sich immer gern gemacht. Dem möchte es passen, in einem Haufen mitzulaufen, ber mit Müßiggang, wenn nicht mit Schlimmerem, bie rheinische Republik ausrief, von ber jeber. ber anstänbig bachte, nicht gern hörte. Vein, von der rheinischen Republik wollte hier im Dorf, wollte kein Mensch an ber ganzen Mosel was wissen. Dazu hatte man nicht seine Söhne hingegeben, hatte nicht in Scharen bie Ausgewie- fenen durchkommen sehen

ter fuhren Schiffe verzweifelter Männer, toei- nenber Frauen, schreienber Kinder - , war nicht umsonstbesetztes Gebiet". Zu Koblenz auf bem Ehrenbreitstein wehten nachcinanber bie Flag­gen frember Rationen, zu Trier trieben bie Spahis mit ihren Lanzen harmlos gehende Bür­ger vom Bürgersteig. Man hatte so viel ge­litten. Und jetzt, wo es mit den Fremden um ein weniges besser ging, wo doch wieder Fried­lichkeit herrschte, man unbelästigt seiner Arbeit nachgehen konnte, jetzt brachten bie. die ber Mann im Weinberg fluchte plötzlich ganz laut: die verfluchten Saukerle, bie Gott verdammen möge, bie brachten nun neue Unruhe ins Land. Rein, bie Anna sollte nur schweigen, er wollte nichts hören von ihrem:Der Joseph ist ja noch so jung unb unverständig, sie Haben , ihn nur beredet, der besinnt sich schon wieder"

Französische Sachlieserungspläne

Ein Projekt für die franzöfifchen Kolonien.

Bei dem vor kurzem gemeldeten Projekt zweier französischer Wirt chaftler. des Senators Lern- inert) und des Direktors Weber der französi­schen Ausbeutung llompagnie vonKamerun handelt °ks sich, wie wir erfahren, zunächst um einen rein Drivatwirtschaftlichen Vorschlag, auch Deutsche Sachlieferungen für den Weiterausbau französischer Kolonialgebiete nutzbar zu machen. An sich ist es nur zu natürlich, daß solche Driüatcn französischen Pläne, wie c anscheinend Hier auch der Fall ist, wenn sie auf einigermaßen l'olibcn ©runblagen beruhen, auch von der fran« zwischen Regierung gebilligt unb unterstützt Iverben. Bei der ständig wachsenden französi- fchen Quote für deutsche Reparationslieferungen ° lachen sich ja immer mehr Schwierigkeiten auf ^anzösischer Seite für ihre volle Ausnutzung bemerkbar, so daß die Pariser Regierung alles Juteresse an der Begünstigung privatwirtschaft- löcher Projekte hat, Die w e dieses anscheinend y.ud) in Zusammenarbeit mit französischer In­dustrie deutsche Sachlie erungeu für die Kolo­nien nach Frankreidj ziehen wollen. Dazu kommt noch, daß wenigstens der französische Abnehmer «uch gewisse Vorteile zolltechnischer und anderer Tllatur aus den deutschen Sachlieserungen aus- nutzen will. Trotzdem tut man gut. auf die praktischen Möglichkeiten solcher Projekte keine »;llzu großen Hoffnungen zu sehen. Abgesehen Davon, daß man erst einmal die weitere Ent­wicklung des von der französischen Reg eräug Mht der Kammer zugeleiteten Gesetzentwurfes iiber bie Ausnutzung deutscher Sachlieserungen abtoarten muh. Dabei muß noch klargestellt teer» Sen, daß ehemalige deutsche Kolonien, die ßrtzt von Frankreich als Mandatsgebiet verwaltet werden, nach den bisherigen Ab» l»mmen für deutsche Sachlieserungen selbstver- f.änblid) nicht in Frage kommen. Die größte Schwierigkeit bereitet aber deutschen Sachliese- eungen nach Frankreich bie immer mehr wach- ffende Sorge ber französischen In­dustrie vor ber dadurch entstehenden deut­schen Konkurrenz. Auch die Finan­zierung ist auf französischer Seite, wie man beobachten kann, nicht ganz einfach. Vor allem »ms diesem Grunde hat inan deshalb versucht, langfriftige Lieferungsverträe.e unb Bindungen mit deutschen Firmen einzuc,e>en, was aber nrcht nutet allen Umständen wünschenswert ist. 2m allgemeinen kann eine deutsch-französische Zu- lammenarbeit auf die Gebiet ber Sachlieferungeu cTmch für unsere Interessen günstig sein, wenn bie Ginüxmbfreie Qualität der Ptose.te gesichert ist unb ber deutsche Vertragspartner völlige LIleichberechtigung erhält. Mau wird wohl noch einige Zeit warten müs'eu, ehe weitere Einzelheiten über das Projekt Lemmerh-Weber ffrststeheu. über das übrigens schon seit längerer ^eit Verhandlungen gehen.