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sind um so trüber, al« Polen In dem Völker- b u nd s k o mm i ss a r unb in der Hafenkom- mi ssion wertvolle Helfer hat. Zwar bot das zur Neige gehende Jahr wenigstens insofern einen Lichtblick, als der in feiner Polenfreundlich­keit und Deutschfeindlichkeil direkt gefährliche Völkerbundskommissar, der Holländer van Ha­mel. obberufen wurde. Jahre hindurch hat die Freistadt gegen diesenNeutralen" gekämpft, der sich als wirksamster Helfer des polnischen Kommissars Straßburger in seinen Bestrebungen entpuppte, Danzig wirtschaftlich Polen zu unter­jochen. Seine Entscheidungen sind sprichwörtlich geworden für die einseitig polenfrcundliche Ein­stellung. er hat nicht nur dem Freistaat uner­meßlichen Schaden zugefügt, sondern auch dem Völkerbundsgedanken Stoß um Stoß verseht. Ms er wegen einer ehrenrührigen Affäre, die das größte Aufsehen erregt hat, von der gesamten Danziger Gesellschaft boykottiert wurde, und als schließlich seineneutralen" Entscheidungen von dem Haager Gerichtshof wiederholt aufgehoben werden mußten, wurde es selbst dem Völkerbund zu bunt. Er berief diesen tüchtigen Beamten, der den Völkerbund in Danzig schwer kompromittiert hat. ab und billigte ihm nur noch eine Gnaden­frist zu, damit er sich, wie es heißt, noch eine neue Stellung besorgen kann. An den kom­menden Mann, den Italiener G a r c i n a , wird in Danzig die Erwartung geknüpft, daß er sich mehr von den Gesichtspunkten des Rechts und der Gerechtigkeit werde leiten lassen.

Dies ist um so stärker zu hoffen, als Polen in seinem diplomatischen Vertreter, dem Minister Straßburger, sowie in der Zusammensetzung des Hafenausschusses weitere Möglich­keiten besitzt, um seine dunklen Ziele zu erreichen, und es nunmehr gelten wird, peinlichst darauf zu achten, daß die ohnehin weitgesteckten Grenzen des kürzlich abgeschlossenen Danzig-polni'chen Abkommens von Polen nicht überschritten werden. Dieses Abkommen ist in den bürger­lichen Kreisen Danzigs und in der deutschen Presse einer scharfen Kritik unterzogen worden. Tatsächlich hat die Danziger Linksregierung, die seit den Mahlen vom November v. 3. am Ruder ist. an den polnischen Standpunkt so weitgehende Zugeständnisse sm Interesse einer endlichen Ver­ständigung gemacht, daß die Vorwürfe nicht un­berechtigt erscheinen. Danzig habe sich freiwillig weiterer wesentlicher Svuveränitätsrechte be­geben. Es handelte sich hierbei durchweg um alte Streitpunkte, die wiederholt den Völkerbundsrat beschäftigten. So um die Frage desPort d'Attache". wie der diplomatische Ausdruck lautet, um die berüchtigte Wester Plasten- Ange­legenheit uni) die Frage derdurchberechneten" Tarife. 3n sämtlichen drei Streitpunkten hat die Danziger Linssregierung zum Schaden Dan­zigs nachgegeben und als Entgegenkommen nur polnische Konzessionen einhandeln ß>nnen, die im Vergleich zu den Verlusten Danzigs kaum ins Gewicht fallen. Polen hat auf Grund dieses Abkommens nunmehr das durch Danzig eingestandene, wenn auch nur bedingte Recht erworben, auf unbeschränkte Benutzung des San« ziger Hafens für seine Kriegsflotte, auf Ein­richtung eines Munitionslagers auf der dem Hafen vorgelagerten Westerplatte. 3n der Frage der Berechnung der Transittarife hat Polen sich allerdings zu einer wesentlichen Anerkennung des Danziger Standpunktes bequemt, dies aber wieder von so viel Voraussetzungen abhängig gemacht, daß der praktische Wert dieses Zuge­ständnisses äußerst problematisch erscheint. Polen hat durch dieses Abkommen unzweifelhaft an Terrain gewonnen, es hat sich in Danzig wei­teren Boden gesichert, von dem aus es zu neuem Angriff gegen Danzig vorgehen wird.

Daß dem so ist, dafür zeugt die Sprache, die Polen sich neuerdings gegenüber der Freien Stadt herausnehmen zu können glaubt. Der Einspruch gegen die Tagung der deutschen Histv- r i k e r in Danzig, die lediglich der geschichtlichen Wahrheit die Ehre gegeben und den deutschen Charakter der Stadt festgestellt haben, und die dreiste Beflaggung derpolnischenZüge auf Danziger Gebiet am Nationalfeiertag mit der polnische Flagge dies find Eingriffe in die Danziger Souveränitätsrechte, bte_ mit Recht von Präsident Sahm entrüstet xurückge- wiescn wurden. Damit wird es aber nicht getan feilt

Es ist bedauerlich, daß der Danziger Landtag durch die Wahlen im November v. 3. zur Untätigkeit und Anfähigkeit verurteilt ist. Die bis dahin bestehende feste Mehrheit aber hat sich nicht als widerstandsfähig genug erwie­sen, um den schweren Anforderungen der gegen­wärtigen Lage des Freistaates gerecht zu werden. Das haben die Ergebnisse der soeben stattgefun­denen Volksentscheide bewiesen. Dabei handelte eS sich um die Frage der von allen Par­teien als dringende Notwendigkeit anerkannten Verfafsungsrevision, in deren prakti­scher Durchführung lediglich die Meinungen aus- einandergehen. Zwischen den Regierungsparteien, Sr^ialdemokraten und Zentrum, ist eine Einigung auf eine Aenderu n g des Senats nach Hamburger Muster zustande gekommen, die unter der ParoleVolkswille" dem Volk zur Entschei­dung unterbreitet wurde. Die bürgerlichen Par­teien forderten aber über diese auch von ihnen tm wesentlichen als notwendig anerkannten Aende- rangen eine Auflösung des Dolkstages und Ausschreibung von Neuwahlen, sowie einige weitere von den sozialistischen abweichenden Aen- derungen. Das Ergebnis brachte zwar keiner der beiden Parteien die nvtwenküge Mehrheit von 108 000 Stimmen. Es bewies aber auf der ande­ren Seite mit aller Deutlichkeit, daß die Voraus­setzungen für Neuwahlen ohne Zweifel gegeben sind, da die S'immung im Lande heute der vom vergangenen 3ahr in keiner Weise mehr ent­spricht. Darüber hinaus besteht eine Reihe weiterer innerpolitischer Streitpunkte, auf deren Austragung Zeit und Kraft vergeudet wird, ohne sich dessen eingedenk zu fein, daß der Feind im Hause ist. Sv sind die Aussichten für die Zu­kunft Danzigs, die Aussichten für das tommenbe 3ahr innen- wie aber vor allem außenpolitisch alles andere als rosig anzusehen.

Dale« für Freitag, 28. Dezember.

Sonnenaufgang 8,04 Ahr, Sonnenuntergang 1559 Ahr. Nkondaufgang 17,44 Uhr, Mvnd- urttergang 9,58 Ahr.

1856 Woodrow Wilson, Präsident der Ver­einigten Staaten, in Staunton geboren; 1872: der For^chungsreisende 3ohn Mac Kinlay in Gawlertown gestorben; 1923: der französische Ingenieur Alexandre Gustave Eissel, Erbauer des EifselturmeS, in Paris aestorben; 1925: der Maler Ludwig Keller im Düsseldorf gefforben. 1

Industrie- und Handelskammer Gießen.

Aus der Sitzung der Industrie- und Handelskammer Gießen für die Kreise Gießen. Alsfeld und Lauter­bach vom 18. Dezember ist folgendes zu berichten:

3n Würdigung und Anerkennung der großen Verdienste, welche sich der mit Ablauf dieses Jahres aus Gesundheitsrücksichten ausscheidende Herr Kommerztenrat Grünewald (Alsfeld) während feiner 29jährigen Zugehörigkeit zur Kämmer als deren Mitglied und seit 1909 als deren stellvertretender Vorsitzender erworben hat. wird ihm durch einstimmigen Beschluß der Vollversammlung die Ehrenmitgliedschaft verliehen.

Der Herr Minister für Arbeit und Wirtschaft hat die Wiederwahl bzw. Neuwahl der nachgenannten Herren zu Mitgliedern der Kam­mer bestätigt, und zwar im

Wahlbezirk Dießen-Stadt: Kommerzienrat Heinrich Schirmer, Kaufmann Earl Röhr, Dergwerksdirektor Robert Liste;

Wahlbezirk Gießen-Land: Fabrikant Ludwig Rinn (Heuchelheim);

Wahll»ezirk Grünberg: Fabrikant Georg Stammler (Grünberg).

Wahlbezirk Alsfeld: Fabrikant Georg Dietrich Bücking VIII. (Alsfeld).

Zunr Vertreter der Kammer im Landes- eisenbahnrat Frankfurt a.M. für den Wahlzeitraum 1929 bis 1931 wurde Herr Kom­merzienrat R a m f p e ck (Alsfeld) bestellt

Die Regierung hat dem Landtag den Entwurf eines

5 leuervocauszahlungsgesehes

für das 'Rechnungsjahr 1929 zur verfassungs­mäßigen Beschlußfassung vorgelegt. 3n einer Eingabe an den Minister der Finanzen haben die Kammern grundsätzlich den Gesetzentwurf ab­gelehnt und ihrem Befremden darüber Ausdruck gegeben, daß. obwohl feit vier 3ähren die Wäh­rung stabilisiert sei und sämtliche Länder eine geregelte Gewerbebesteuerung hätten, allein tm Volksstaate Hessen eine normale Steuerveran­lagung noch nicht zur Durchführung gebracht werden könne. Die Kammern müßten daher mit Nachdruck die Forderung erheben, daß die Ver­anlagung zur Gewerbesteuer auf Grund des be­reits im Mai verabschiedeten neuen Gewerbe- steuergesetzes vorgenommen wird, wenn nicht die Ungerechtigkeiten und Härten von vier Jahren ntxf) weiter die Betriebe belasten und diese weiter völlig tm Angewissen darüber bleiben sollen, wie hoch ihre wirkliche Steuerbelastung fern wird.

Zu dem dem Landtage vvrgelegten Entwurf eines Gesetzes über die

Sondergebäudesteuer

für das Rechnungsjahr 1929 haben die Kammern an ihrer grundsätzlichen Auffassung festgehalten, daß der Geldentwertungsausgleich beim bebauten Grundbesitz eine unsoziale, sowie steuer- und wirt­schaftspolitisch höchst bedenkliche Sonberbelastung darstelle. 3m besonderen ist von den Kammern die alte Forderung erneut erhoben worden, daß wenigstens die gewerblichen Gebäude von der Sondergebäudesteuer befreit toerben.

Der dem Landtag vorgelegte Entwurf eines kirchensteuergesehes

deckt sich im wesentlichen mit dem im Vorjahre den Hand elskammern zur Begutachtung vorgeleg­ten Referentenentwurf, Es kann mit Genug­tuung festgestellt werden, daß die von den Kam­mern beanstandete Heranziehung der juristischen Personen zu einer besonderen Kirchenbausteuer im neuen Entwürfe fallengelassen worden ist. Dagegen ist dem Wunsche der Kammern, daß als Besteuerungsgrundlage unter keinen Amständen das gewerbliche Anlage- und Betriebskapital dienen dürfe, nicht entsprochen worden.

Die in dem Gesetzentwürfe über die

Besteuerung des Gewerbebetriebs im Umherziehen vorgesehene Erhöhung der Steuersätze entspricht einer langjährigen Forderung der Kammern; im besonderen haben sie begrüßt, daß ihrem Wunsche auf Heranziehung der sog. , Autoläden" entsprochen worden ist. Die im Entwürfe nicht berücksichtigte Forderung auf Besteuerung von Muster aus stellungen. wenn hierbei Verkäufe an Verbraucher getätigt werden, ist erneut er­hoben worden.

Die hessischen Industrie- und Handelskammern haben beschlossen, beim Deutschen Industrie- und Handelstag auf eine

schärfere Besteuerung der Konsumvereine und Genossenschaften

zu drängen.

Die Gebührenordnung der Gerichts­vollzieher sieht außer den eigentlichen Ge­bühren noch eine Wegegebühr vor. Die Kam­mern hatten Anlaß, sich für eine Aenderung der zur Zeit geltenden Bestimmungen über die Reise­kosten der Gerichtsvollzieher einzusetzen.

Die Kammern werden sich um eine Herab­setzung der Gebühren für Dampfkesfel- revisionen besonders für den Fall, daß mehrere Kessel auf einmal abgenommen werden, bemühen.

Auf Atuegung der Kammer hatte der Vorort eine Herabsetzung der ungewöhnlich hohen Ge­bühren für die Erteilung der Erlaubnis zur Herstellung und zum Handel mit Waffen und Munition beantragt.Darauf­hin hat der Minister für Arbeit und Wirtschaft mitgeteilt, daß er von dem Antrag für den Fall einer Revision des Arkundenstempelgesetzes Dor- merkung genommen habe. Ebenso hat der Mi­nister Vormerkung genommen von dem bereits von den Kammern wiederholt gefteitlen Anträge auf Ermäßigung der Gebühren für Reise- legitimationskarten.

Zu dem Entwürfe eines Gesetzes über die öffentlichen Anterrichtsan st alten für freie und angewandte Kunst, sowie über die öffentlichen technischen und gewerblichen Anterrichtsan st alten haben die Kammern folgende Wünsche vorge­tragen: Die Aufsicht über diese Anstalten soll nach dem Entwürfe allein dem Minister für Kultus und Bildungswesen obliegen. Am eine ausreichende Berücksichtigung der Bedürfnisie des Gewerbes bei der praktischen Durchführung der Schulaufsicht zu gewährleisten, muß auch dem Minister für Arbeit und Wirtschaft ein ent­sprechender Einfluß bei der Aufsicht über die Schulen zugestanden werden. 3n dem der Auf­sichtsbehörde beizügebenden Landesausschuh muf­fen auch die amtlichen *2}ernfÜbertretungen der Wirtschaft Sitz und Stimme haben.

Cs war der Vorschlag gemacht worden, zum Ausgleich der Beschäftigungsschwankungen im Warenh anbei und Geldverkehr die Zahlungs­termine über den Monat bzw. über die Woche zwar getrennt nach Gewerbegrup­pen zu berteilen. Die Kammer konnte dem Vor- fchlage nicht zustimmen, da bei seiner praktischen Durchführung die Nachteile die damit evtl, ver­bundenen Vortelle weit überwiegen würden.

Die jahrelangen Bemühungen der Kammer um Beseitigung der

Sonberfarife der Ohmtalbahn (Kirchhain Meder-Osleiden)

haben insofern zu einem kleinen Erfolg geführt, als im Interefse der beteiligten Wirtschafts- kreise für Holz der Klasse E ein Ausnahmetarif eingeführt werden soll, der einen Frachtnachlaß nach den fünf nächstbenachbarten Stationen in Höhe von 50 Prozent vorsieht.

An die Schaffung einer unmittelbaren Fernsprechleitung GießenBerlin, wie sie von der Kammer erneut angeregt wor­den ist, kann seilens der Reichspostverwaltung vorerst nicht gedacht werden. Beschwerden über ungewöhnlich lange Wartezeit im Verkehr mit Berlin sind dem Telegraphen amt ohne Verzug durch Fernsprecher mitzuteilen, bamit jeder ein­zelne Fall geprüft und für Abhilfe gesorgt werden kann.

Beim Deutschen Industrie- und Handelstag ist die versuchsweise Einführung einer

neuen Beförderungsweise von Eifenbahngülern, und zwar der sog. Behälterverkehr befür­wortet worden. Der Behälterwagen stellt sich dar als ein längerer Güterwagen mit eisernen Borden, ähnlich einem Niederbordwagen, der mit großen eisernen Safes oder Behältern beladen ist, in denen Fracht aller Art vom Absender bis zum Empfänger befördert wird. Die Hauptvor­züge dieses Behälterverkehrs sollen nach den Er­fahrungen, die man in Amerika damit gemacht hat, im Wegfall kostspieliger Verpackungen und Verschlüge, Sicherheit gegen Feuer, Wasser und Diebstahl, schnelleren, Wagenumlauf, Vermeidung von Zeitverlusten für Umlaben, Auf- und Ab- laden usw. bestehen.

Die Absicht der Reichspoftverwaltung, Druck­sachen, Warenproben und Geschäfts­papiere an Sonntagen künf tig nicht mehr bestellen zu lassen, bedeutet offen­kundig den

ersten Schrill zur gänzlichen Aushebung der Postbestellungen an Sonntagen.

Dir Kammern haben sich schon aus diesem Grunde für die Beibehaltung des seitherigen Zustandes ausgesprochen.

In entgegenkommender Weise hat das Haupt- zvllamt Gießen tn der allgemeinen öffentlichen Niederlage

Räume für die zollfreie Einlagerung von aus­ländischen Weinen und Spirituosen

zur Verfügung gestellt. Damit ist einem durch die Handelskammer vorgetragenen Wunsche des Vereins der Spiritus-Interessenten entsprochen worden.

Gegen die unter Führung des Verbandes der Getrttde- imb guitermißt«Bereinigungen aufge­stellten

Linheitsbedingmigen im deutschen Getreldehandel hatte die Kammer nach Anhörung ihres sachver­ständigen Mitgliedes Bedenken nicht geltend zu machen.

Zu bat vom Ei nheits verband des deutschen KartvffelhcmdelS überreichten Vorschlägen zur Aenderung der

Berliner Vereinbarungen von 1926 über die Geschäftsbedingungen für den deutschen Kar- tosselhandel

wurden nach Anhörung des sachverständigen Kammermitgliedes dem Deutschen Industrie-und Handelstug verschiedene Anregungen gegeben.

An der am 18. November b. 3. stattgehabten Prüfung für Geschäftsstenographen beteiligten sich insgesamt 14 Prüflinge, von denen acht die Prüfung bestanden.

Die Kammer macht die Exportfirmen ihres Be- jirTeS. darauf aufmerksam, daß die

Reichsnachrichtenstelle für Außenhandel in Frankfurt a.2R., Börse.

welcher die Kammer abgeschlossen ist, sämlliche den Außenhandel betreffenden Fragen in kür­zester Zeit beantworten kann. Durch diese Mög­lichkeit wird den Firmen der unmittelbare Ver­kehr mit den deutschen amtlichen Vertretungen im Ausland, welcher meist von erheblichen Ver­zögerungen begleitet ist, erspart.

noch genommen hat. sowie bis zu einem gewissen Grade über die Geschwindigkeiten Auskunft zu geben. Der Radfahrer wollte, aus der Nord­anlage bzw. dem Asterweg kommend, in die Steinstrahe etnbiegen und nach dem Oswalds- garten zu weiterfahren, wahrend der Autoführer, von diesem herkommend, die oben erwähnte Kreu­zung überqueren wollte. Der Radfahrer fuhr, wie Lies Vorschrift, im Asterweg auf der rechten Seite und war im Begriff, auf der Kreuzung den vorgeschriebenen wetten Dogen nach links zu nehmen, um die rechte Sette der Steinstraße zu erreichen, als der Zusammenstoß mit dem Auto in der Nahe des Banketts stattfand. Der Autvführer war. toenn auch nicht vorschrifts­widrig links, so Loch auch nicht vorschriftsmäßig rechts. fonLern fast in der Mitte des Fahr- dammLs gefahren. Auch ein solches Fahren wider­

Amtsgericht Gießen.

An der Kreuzung der Steinstrahe und des Asterweges sand ein gerichtlicher Augenschein statt, um festzustellen, wen die Schuld bet einem dort erfolgten Zusammenstoß zwischen einem Autofahrer und einem Radfahrer trifft Der Augenschein war um so notwendiger, als Lal- zeugen, die von der Straße aus den Unfall mit ansahen, nicht vorhanden waren, wohl aber solche, die, z. L. aus dem Fenster springend, unmittelbar nach dem Zusammenstoß an die Llnfanstelle ge­eilt und deshalb in der Lage waren, diese und Len Standort des Wagens nach dem Zusammen- stoß einigermaßen genau zu bezeichnen und auf Grund von Brems- und anderen Spuren über die Richtung und den Gang, den das Auto un­mittelbar nach dem Unfall teils auf dem Bankett

spricht den Verkehrsvorschriften. nameEch ßst Kreuzungen und Einmündungen von Straßen. Die Beweis ausnahme wurde nach dem Augen- schein im Gerichtsgebäude fortgesetzt, und die Verhandlung hatte das Ergebnis, daß das Ge­richt im ursäcAichen Zusammenhang zwischen dem ilnfaU und dem unvorschristsmäßigen Fahren des Autoführers bzw. eine Verpflichtung des­selben zum Halten annahm und ihn, der sich im übrigen einwandfrei verhalten hatte, wegen fcchr- läfliger Körperverletzung des Radfah^rs, der bei dem Zusammenstoß zu Falle gekommen war und sich nicht unerheblich verletzt hatte, zu einer immerhin empfindlichen Geldstrafe verurteilte. Auch der Radfahrer war mcht schuldlos, die Schuld des Autoführers aber die weitaus größere.

Oberheffen.

Oie Bautätigkeit in Lauterbach im Jahre 1928.

Lauterbach. 27. Dez. Wenn man einen Vergleich zieht zwischen der Bautätigkeit in unserer Stadt in den letzten Jahren, so muh man feststellen, daß sie in den beiden letzten Jahren, 1927 und 1928, bisher am stärksten gewesen ist. (Gemeint ist hierbei insbesondere die private Bautätigkeit.) In den beiden Jahren waren sämtliche Bauhandwerker bis zum Spätherbst hinein beschäftigt. 3m abgelaufenen Jahre 1928 verteilen sich die Bauten im einzelnen wie folgt:

In der Alexander-Stöpler-Strahe wurde ge- baut: für den Arzt Dr. Lamp ein sehr ge­räumiges Wohnhaus nach den Plänen des Archi- fetten Deuter. Ferner für den Bankbeamten Hrch. Nachtigall ein Einfamilienhaus, desien Pla­nung und Ausführung dem Damneister Dettmar anvertraut war. Nebenan hat Weihbindermeister Hrch. Habermehl ein Wohnhaus mit zwei Wohnungen nebst Lackierwerkstatt erbaut. Aus dem benachbarten Bauplatz ist ein Einfamilien­wohnhaus im Rohbau scrtiggestellt für den Bahn­beamten Jak. Rausch, wozu der Bantechncker Schneider den Plan lieferte. Krankenkassenvor­steher Gg. Stoll hat sich auf dem noch ver­bleibenden Eckplatz nach dem Plan des Daur- technikers Knobloch ein Einfamilienhaus erbauen lassen, welches ebenfalls im Rohbau vollendet rfL Diesem Platz gegenüber hat der Bahnbeamte 3 o r d a n ein Wohnhaus mit zwei Wohnungen erbaut, wozu Bautechniker Kühl die Zeichmmg lieferte. Nebenan wurde für den Steuerassistenten Gg. Jakob ein Einfami'llenhaus ferttggesteltt; mit Entwurf und Ausführung war hier Architekt Sälzer beauftragt. Die Siedlun gsgesell- schaft für das Verkchrspersonal (Dahn- und Postbeamte) hat für die Ortsgruppe Lauterbach ein großes zweistöckiges Wohnhaus mit ausgebautem Dachgeschvh erstellt. Es sind hierin fünf Familien unter gebracht. Die Pläne zu diesem Gebäude lieferte die Wohnungsfür­sorgegesellschaft für Hessen, G.m. b. H., Darm­stadt, während die örtliche Bauleitung durch daS Hochbauamt aus geführt wurde. Auf dem Bau­platz daneben hat die Gemeinnützige He im- stSttenbaugesellfchaft Lauterbach unter der Leitung von Daurat Pfeiffer ein Sechsfami- lienwohnhaus fertiggestellt. 3n der Goethestraße haben sich hie beiden Weihbindermeister Fr. A x t- helm und Fr. Wenzel ein Doppelwohnhaus nach dem Plan des Architekten Reuter erbaut. In der Schillerstrahe wurde seitens der Heim- stattenbaugesellfchaft für den Daurat Pfeiffer nach dessen eigenem Entwurf ein Ein­familienwohnhaus errichtet. Die Stadt Lau­terbach erfmute Ecke Schillerstrahe-Goethestrahe ein Doppelwohnbaus für Reichsfinanzbeamte: ferner in der Bleichstrahe ein Doppelwohnhaus für Reichsfinanzbeamte, so daß also für diese Beamtenkategorie vier Wohnungen neu erstellt wurden; außerdem im Pfeiffenweiherweg a$t Notwohmungen in Form von vier Doppelflach­bauten. Außer diesen Wohnungsbauten wurde von der Stadt ein sehr schönes Freischwimmbad angelegt, das sehr idyllisch am Waldrande zwi­schen hier und Blitzen rod liegt. Die Anfertigung der Pläne, sowie die Bauleitung dieser von der Stadt geschaffenen Objekte lag in Händen des Oberbausekretärs Broun. In der Schillerstrahe wurde für den Steuerassistenten Karl Dahme r ein Wohnhaus mit Laden erbaut, wozu Architekt Reuter den Plan lieferte. Letzterer selbst hat sich an der Alsfelder Straße ein neues Wohnhaus mit den nötigen Bureauräumen errichtet. In der Bahnhofstraße ist der großstädtisch angelegte Neu­bau der hiesigen BezirkSsparkafse rohbau­fertig erstanden. An dem inneren Ausbau wird zur Zeit gearbeitet, das Gebäude soll bis zum Sommer 1929 bezogen werden. Den Entwurf hierzu lieferte Architekt Brandt, Berlin. Neben dem Finanzamt ist ein Wohn Haus neubau für den Finanzamtsvorstand im Rohbau vollendet; Ent­wurf und "Bauleitung liegt hier in Händen der NLubauleitimg I des Landesfinanzamts (Daurat Haensler, Gießen). Auf dem benachbarten Platz hat sich der Kausinann Hrch. Stöpler nach­dem Entwurf des Maurermeisters K. Wehen­dorf III. ein Einfamilienhaus errichten lassen. In der Bleichst raße wurden zwei Wohnhäuser nach den Plänen des Zimmerpoliers Kraft, Maar, für die Arbeiter Konr. Peter und Dal. Srci* ter, beide aus Maar, erbaut. Auf dem Markt­platz hat Rechtsanwatt und Notar Scheer sei­nem Wohnhaus ein neues Wansardegeschoß auf» bauen taffen, wodurch noch eine sehr geräumige Wohnung entstanden ist. Der Entwurf wurde hier von Architett Helsenbein geliefert.

In dieser Zusammenstellung sind nur die größe­ren Dauunternehmungen aufgeführt, da eS zu weit führen würde, wenn man hier alle noch ausgrsührten Erneuerungen, Umbauten und Ver­besserungen aufzählen wollte. Nach dieser Auf­stellung sind außer den Um- und Erweiterungs­bauten 23 neue Wohnhäuser und ein Vrrwaltungsggebäude (Sparkasse) mit zusammen 47 Wohnungen erstanden, die zum größten Teil schon bezogen sack'. Der Rest ist roh­baufertig und soll tm Frühjahr 1929 fertig gestellt werden.

Hoffen wir. daß es in diesem Tempo weiter­gehen möge, damit unsere Stadt mit 5000 Ein­wohnern in bezug auf die Bautätigkeit in Hessen auch weiterhin mit an der Spitze marschiert.

Landkreis Gießen.

* Klein-Linden, 27. Dez. Der hiesige MännergesangvereinEintracht" veranstaltete am ersten Feiertag abend im «Saals des GasthausesZur Deutschen Eiche" eine wohl- gelungene Weihnachtsfeier. Die unter Lei­tung des Dirigenten Köhler (®ro jCn-Cinben) vorgetragenen Chöre wurden recht stimmungsvoll zu Gehör gebracht und fanden aufmerksame und dankbare Zuhörer. Eine besondere Note «hielt