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Nr. 221 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gbethessen)

Srettag, 28. September (928

Stetigkeit und Wendigkeit.

Don £)r. 2lrtbur Dif.

□Dir tonnen Atoar in einzelnen Punkten der Auffassung M befannlen GeopÄitikers nicht beepttichten. Hollen jedoch die hier angebahme Erörterung von gmnblöd ich« Stagen der politischen Führung für wichtig und anregend

3n der heutigen Vage unterer Politik erscheint H immer wieder einmal geboten, an da- alte banale Wort zu erinnern: Man soll niemalt .niemals" sagen. 3n der Politik gibt es die Worte .niemals" und .unmöglich" nur in der Verbindung: 5<* ist niemals unmöglich daft gerade da» Unerwartete etnlritt. Dar es schon ein schwerer Fehler der össentlichen und der amtlichen Meinung Im alten Deutschland anzu- nehmen. daß □Hadcillaife und Zareichymne sich nie auf einen Ton würden abftimmen lassen, so wurde es in der Zeit der Aktivierung deutscher Orient Politik vollend» äu unserem Berhängnis, daß der hinter den Kulissen aUgctoaPiae Gehevn» rat Holstein zäh an dem Glauben sestyielt, rufsi- scher 'Bär und britischer Walfisch würden stch niemals auf einem gemeinsamen Boden treffen können. Anderseits gereichte es der deutschen Außenpolitik nicht zum Bort cd. baß Oesterreich allzu sorglos aus unsere unbedingte .Nibelungen­treue" rechnen konnte, weil bte Führung im Bunde dadurch Berlin entglitt.

Gewiß. e» gibt gerade b2Ute für uns Deutsche manches .niemals", an dem wir mit aller Gni- schiedenhcit festhalten möchten, wie beispiels­weise gegenüber dem Berlangen nach einem Ost- Locarno Leider aber müssen wir uns gegenwärtig halten, baß in den kehlen 10 Zähren da» deutsche .Niemals" außerordentlich an Kredit ver­loren hat. ®t haben in dieser Zeit allzuviel Wendigkeit gcAcigt, wo Stetigkeit drin­gend geboten gcio-icn wäre. Dort aber, wo eine arößere Wendigleit am Plahe gewesen wäre, haben wir die ungleich stärkeren Konkurrenten durch Stetigkeit (im Nachgeben und BorauSleisten) allzusehr verwöhnt.

Äks seinerzeit der Abgeordnete Scheide­rn a n n, jedem Deutschen aus b« Seele sprechend, ein deutsches.Niemals" gegenüber dem BcrfaUler Diktat in die symbolische Formel von der ver­dorrenden Hand kleidete, ging Hermann Mül - 1 e r bin und unterzeichnete. Und nachdem noch iu Beginn dieses 3ahre» Dr. Stresemann Jtegorild) geäußert hatte, dast die uns vertrag­lich zustehende Näumung der Nheinlande keines- salls zu einem Kuhhanbelsobjekt gemacht werden dürste, reiste derselbe Hermann Müller rmch G«.f und sagte: Niemals werden wir Nheinland­räumungen und NcparationSfrage miteinander verknilpsen lassen also wann sehen wir uns an zwei getrennte Tische zu parallelen Berhand- lungen? Und zum Uebersluh diktierte derselbe Hermann Müller bann noch dem Grafen Bern­storfs en Gegensatz zu seiner eigenen vorher m Gens gehaltenen Nebe über bte Äbrüftungs- frage den Umfall in bezug auf eine deutsche Forderung, die unser stärkstes Necht in dem uns sonst so rechtlos machenden Berfaillcr Diktat enthält. Daß wir in einem Moment, in dem Amerika durch die Öabotierung des Ab­rüstungsgedankens von feiten Englands und Frankreichs in engster Gemeinschaft so stark ver­schnupft war, durch unsere Stimmet Haltung die Gegner Amerikas mittelbar unterstützten und Paul-Boncour den Tveg fretaaben, ist abermals eine unbegreifliche Wenbigkett an einer Stelle, an ber politische Stetigkeit unbedingt zu erwarten gewesen wäre

Es mag daran erinnert werden, dah in dem Augenblick, in dem die letzten Genfer Berhand- lungen auf ein vollkommen totes Geleise gekom­men zu fein schienen, die deutsche Äirt- schast unter Führung des Neichsverbandes ber Deutschen 3nbuftrie mit ber Gründung eine« großen NuhlanbauSschusseS vor bie Oef k ent licht eit trat. Damit übernahm die B&irt- schaft eine ähnliche 3niliakive, wie sie die Politik seinerzeit ergriffen hatte, als mitten in den Stockungen der Berhanblungen von Genua die nicht deutschen Konserenzmllglieder durch das Osterabkommen von Napallo überrascht wurden.

Ludwig Nichter.

3n seinem 125. Geburtstage.

Don Adolf )ungjohann.

Der Klang fernes Namens löst Erinnerung aus Der Men'ch unserer Tage mit der ver- standesmäh.g.sach.ichen Einstellung muh sich, wenn dieser Maler genannt wird, zuerst einmal um­stellen. Der Name Ludw g Nichlcr gehört be­reit» zu Gmpsindungsgeb:eten. bie in ben heu­tigen künstleri'chen Programmen nicht berührt werden, unb bie sich inzwischen selbst berjenige, ber sich häufiger mit Kunstdingen bekräftigt (ober gerade er), durch historischen Nüdblid vergegenwärtigen muß.

Man entsinnt sich bann wohl der Kinbcrjahre und was so mit dieser gefühlsreicheren, soll man sagen: eigentlich menschlicheren Zeit zu- fammenbängt. Stellen wir zuerst einmal fest, dah wir unfl diese» Freundes unserer 3ugenb» zeit, oder bester gesagt: jener Schwarz-7D«H. Zeichnungen. die feinen Namen tragen, wohl zu erinnern wissen.

Bei Einigen, bereit besonders geartete Smp- findsamkeit solche Zugenbeinbrücke bleibend« im Sitm behielt, werden sich wahrscheinlich de» wei­teren manche Borstellung c.nftcllen, die der Wesensbesnmmung diese» Malers und Zeichner» ernt handfestere Greifbarkeit geben. Sr ist für fit ber vollstümllcbe wpllch deutsche Illustrator, der treuherzige und behagliche Märchen- und Idvllenschilderer. dessen remliche Linienkunst in ihrer wohlwollenden Gesinnung und kiesen Inner- achkeit manchem der Stillen im Lande" die gesuchte Erbauung brachte.

Ludwig Nicht«» Gedächtnis wird schliehlich bei demjenigen am eindringlichsten bewahrt fein, der sich auher in seine maorischen und zeichnerischen Schöpfungen auch in ferne bekannte literarische Hinterlastenschaft vergelt hat: m die Lebens­erinnerungen eines bern'chen Malers" ( lebte und beste Ausgabe von Lehre: Berlin 1922k ein an menschlichen und künstler.schen Srkennrnissen erstaunlich reiches Künftlerbuch. daS m feiner Art und Bedeutung mit den ..Iugenderinnerun» gen eines alten Mannes" feines Freundes Wil-

Die Politik und die im Hinblick aus ihre well- wlrtschaftlichen Nerbinbungen in engem Zusam­menhänge mit brr Auhenpvlltil stehe.de 2birt- schaft darf bei den Gegen-Kontrahenlen nie­mals ein: überraschende Wendung für unmöglich halten. Sie dar! aber auch ihrerseits nicht den iSinbrud erwecken, als ob ihr selbst nicht ent­sprechende Wendiglell möglich wäre Wieviel Kartenhäuser find doch in Deutschland nach Kriegsende aufgebaut worden unter ber Bor- aussetzung. bah bte Gegensätze zwischen Eng­land und Frankreich immer weiter auseinaiider- flaffen müßten. Und doch sah bie 'Welt sich plötzlich vor die Tatsache der durch das flotten- abfommen erneuerten und vertief ten Entente gestellt

"weder für un» selbst noch etwa vor den Ohren d:s Auslandes dürfen wir den Ltanb- punkt vertreten, dah es für uns nur eine politisch und wirilcha'tlich mögliche Nichtlinie gäbe Stets müssen wir darauf l><dacht fein, auch an- bere Möglichkeiten zu prüfen. Ein für unsere heutigen Berbältnifie naheliegende» und besonder» bedeutsames Beispiel auf den Gebie­ten, auf denen Politik und Wirtschaft sich auls engste berühren: 3n Hinsicht auf unsere wirt­schaftlichen Beziehungen zu Amerika find zwei Aufsassung-mögllchleiten einander offenbar schroff entgegengesetzt. DaS eine Mol hören wir. das, unsere Wirtschaft sich vor ällen Dingen hüten mülle vor ber Ueberfremdungsgefahr, dah die Hereinn.ihne amerikanische. Gelbe, ein­heitlich kontrolliert und nach Möglichkeit ein- geschränlt werden müsse. Da» .mbere Mil, dah wir amerikanische Kreditbereitschaft gar nicht weil genug auSnutzen könnten, um uns über Lvasscr zu Pillen und um den ®läu- i bigerflaat an unserem Gedeihen zu interessieren. 3ebc der beiden Auffassungen kann ihre trif­tigen Gründe gellend machen, und e» hängt |

ganz von ber allgemeinen äußeren Lage ab welche Gründe größere Berechtigung bean­spruchen können. Ebenso gibt eo genug Gründe für und wider die Betätigung deutscher Wirt- scha tskreise in Nuß land für und wider engste Beziehungen iu Nordamerika ober möglichl, uvit- gehende Uneb ängigtcit vom nordamerr.'anischen Be."forgung#gcbitt durch >^ufam nenarbeiten mit Südamerika. Südafrika und Wien

Feinstes Fingerli itzcngc ühl der diplomatischen wie der wrrtscha'tlichen Führer gehört dazu. )e- weil» zwischen den beiden wichtigsten Geboten der Stetigleit und der Bknbigleit richtig z u wählen. Die dbautfeure de» Personenautos ber Außenpolitik und des Lastkra.twa icns der 'Wirtschaft müssen gleichermaßen, wenn die Wa­gen int internationalen Wettrennen nicht auf bem letzten Platz ihrer Klasse enden ober gar ju Bruch gehen sollen, auf freier Ötrede Ste­tigkeit ber Führung, bei jeder Weg­gabelung aber blitzschnell äußerste Wen dig- keit im Entschluß zum Umlenken be- weifen.

Ebenso gibt e» in ber Politik neben der lichkeit einem BertrauensrerhältniS zu den im Böllerbund |ührenben Mächten den Boden au bereiten, bie anderen Möglich eiten, die Oppo- siton ber unterdrückten Böll'e zu führen oder aus die Seite der draußen gcbliebenet zu treten. C» gibt nicht nur viele Staaten in Suro'.xr mit abweichenden und gegensätzlichen Znteres en eS gibt auch starke Mächte außerhalb Eu­ropa». die mit in Nechnunq zu stellen sind. Etwa notwendige Bersuche Politischer Umstellung kön­nen in unserer Zeit der Tech ill und de» gewaltig beschleunigten Berichts wertvolle Unterstützung von ber Seite der Wirtschaft finden, wenn sich neue Möglichkeiten der PrvdullionSerschließung und bc» Ausbau- von Absatzmärkten ergehen.

Mussolinis Kalender.

Bon unserem römischen E-Äorrefponbenten.

. Nom, Gnbe Septenrber.

2- ist immer gut, ein für allemal zu wissen, an welchem Nagel bas Festkleid hängt. Der Hausherr in Italien hat eine ganze Neihe solcher patriotischer Nägel eingeschlagen unb hangt jedes 3ahr ein: bebeutsame Tatsache dar­an. Wenn man im frommen Oesterreich klagt, daß bie Marientage gehen unb bte roten Tage kommen, wenn man In ber Schweiz festgestellt hat, daß die Festseuche sogar zwischen den Feier­tagen auftritt, so darf der Mann im schwarzen Hemd glüdlich gepriesen werden, denn ihm sind zu ben religiösen ein halbe» Dutzend oder mehr nationaler Feiertage beschert worden, an denen ihm überdies der Duce ein Geschenk überreicht.

Da wäre einmal, um den reformierten Kalender durchzubtättern, der 24 März, ber GründungSlag ber Fasci, bann der 21. Avrll als Geburtstag von Nom, verschmolzen mit bem Arbeitsfeiertag, ben ber alle Kalender am 1. Mai feierte, an die .strahlenden Tage de- Mai", an den KriegSerklärungStag nämlich erinnert der 24. unb folgerichtig der 4. November an den glück­lichen KrieaSausgang. Borher wird noch ber 20. September gefeiert, der <3rinnenmg6tag an den Einzug der italienischen Truppen in Nom, unb natürlich vor allem ber 26. Oktober, der 29. und 30. Oktober, bie Tage de» anderen Marsche» auf Nom.

Die meisten Geschenke erhält Nom an seinem Geburtstag, im üppigsten Frühling. Da werden. Grundsteine gelegt zu sozialen Nkrlcn aller Art, da fährt der Spaten in die Erde, um wieder ein Stück bc» antiken Glanzes her­vorzuholen. da beginnt man mit Straßendurch- brüchen unb Wasserleitungen unb Schi.nenlegen für neue Bahnen Die letzten Oktobertage hin­gegen bringen mit Borlicbe Denkmalsenlhüllun- gen, Srössnungsfeierlichkcllen, kurz: Bollen- bung. .Da» faserstische Negime ist ein Negirne ber Taten." Man darf den symbolischen Wert solcher positiver Handlungen bei dem empfäng­lichen Bolke deS Südens nicht gering anschlagen. Mussolini ist ein guter Psychologe.

Diesmal hat er gleich für den Nest des Anno VI und für bas ganze Anno VII diese Zahreszählung feit der Nevolution ist nicht etwa ein Gebrauchsgegenstanb für daS Festreb- nerpult. sondern amtlich unb obligatorrsch die Taten angekündigt. bie an ben genannten National ci er tagen unternommen ire Den, unb versichert, sein Arbeits?rogramm stche in ben Grundzügen auch schon für d S 3ahr Vlli unb IX fest. WaS bringt es uns?

Zunächst einmal werben am 1. Oktober zehn- tauscnb Arbeiter auf bie Straßen losge­lassen. Die Straßen finb, nach Mussolini, bet dunkle Punkt im Hellen fascistischen Staat. _3m Sturme wird diese» Heer bie Front ber ersten 1600 Kilometer nehmenI" Eine zweite Arbeiter­division wird für Sonderst raßen an gesetzt, wie die (bis jetzt so gut wie unfahrbare) Straße NomNeapel mit ihrer Autobahnverlängerung nach Valermo, die Autostraße TriestTurm und die Nivlerastraße Genua-Bentimiglia. Man lärm wirklich nicht behaupten, daß diese Ar­beiten überilüffig feien. Nom ist eher von einem Netz von Flußbetten umflarnmcrt, als der strah­lende Kern eine» StraßenstemS Aber bereit» am 23. Oktober soll die prachtvolle Bia bei Mara, die Autostraße zum Meere bet Ostia, eröffnet werben, bie nacht» über auf ihrer ganzen Länge von 25 Kilometern beleuchtet ist wie ein Stabtkorso.

Um alle Geschenke und Feierlichkeiten unter- zubringen, wirb Heu« schon der Borabenb des NommarscheS. ber 27. Oktober, her angezogen. Da gibt es unter anderem ein niedagewesenes Autodafe. Bor bem Altäre bes Batcrlanbe» am neuen Kapitol versammeln sich bte Spitzen des Staates unb bann nimmt ber Finanzminister ein Bünbel StaatSpapiere. Titel ber öffentlichen Schulb. unb verbrennt sie. Stumm, feierlich, bei präsentiertem Gewehr. Gleichzeitig wird die Masse ber StaatSpapiere in ben Gaso­metern von Ostia den Flammen übergeb«:. .Un­nötig, bie symbolische unb praktische Bedeutung dieser Tatsache zu unterstreichen."

beim von Kügeigen verglichen werden faim, von Denen es auch beeinflußt ist.

Was ist eS nun, daß seine Werke und bamii auch feinen Namen während der vergangenen hundert Jahre fo allgemein bekannt gehalten hat? Bekannter al» d.c Namen einer Neihe seiner ZertgeTwss«. von denen manche ihn an artistischem Können überragten.

Diese fo lange anhaftende Bollstümlrchkert be­ruht wohr im wesentlichen barm, bah er sich, ähnlich wie sein großer Borgänger Albrecht Dürer, als schlichter, naiver Menkch in an­spruchsloser. ehrlicher Art zu äußern vermochte. Ludwig Nichter schuf toentger für das Auge des Kunstkenners. Sr 'vrach zum Gemüt des einfachen München. "Während seines dreijähri­gen Aufenthalt» in 3talien (182326). bem Ziel der Sehnsucht fast aller damals jungen deutschen Künstler, war e» ihm trotz schöner Ersolge klar geworden, daß bie internationale, auf das Herv che. MonumerUale gerichtete Kunst bet Dor­tigen Landschafter nicht Diejenige Sprache redete, in ber er ausbrücken konnte, was chn über bte Besonderhe.t ber deutschen Landschaft unb ber h::nr*^cn Bewohner auszusagen trieb. Sr erkannte gleichzeitig unb früh genug das Matz 'einer formalen Begabung und die Nichtung feiner eigentlichen Neigung unb wußte sich demgemäß zu besthränkcm.

Nach Deutschland zurüdgckehrt. erhielt Nichter in Meißen an der mit der Dresdener Kunst­akademie verbundenen Zeichenschule der Por- xeOanmanufaftur die Stelle eines Zeichenlehrers. Die er 7 Jahre ver'ah. Der künstlerische Leiter diese» 3nfühlt» war Der bedeutende Maler G. F. Kersting, besten Enrfluh Nichter noch in ber inftinkriv getroffenen Wahl seines Arbeitsfeldes bestärkt haben wirb. Setn Kersting wie auch Bunge und Ga'par David Friedrich hatten ben üb/.eben Weg nach Nom uiner lasten weil fie bie ®lemenie ihrer Kunst bn eigenen Lande fan­den. n besten Landschaftsbi.'d besonders Friedrich em nordisches Empfinden überau» eindringllch zum Ausdrud brach».

Bi» zum Beginn ber bteteiger Jahre hatte Ludwig Nicht« immer noch italienische Loird- schaften. im besonderen au» der rvmachen 6cm- pagna. bevorzugt, bi» ihm im Herbst 1934 auf

einer Elbs ah rt der übermächtige Eindruck der Schönhei'ien seines Heimatlandes zum Drlebnis der deutschen Landschaft wurde. Ein Taumel von Schaffenluft läßt ihn nicht zur Nuhe kom­men. Aus drrser Ze/t ft am nt auch der skizzierte Entwurf zu dem 1837 vollendeten OelbZb der ..Uebersahvt am Schredenftein". einem seiner be­sten Werke. Bon b^rser für sein späteres Schas­sen unb bam/t für feine Beliebtheit im beutfchen Bolle fo bedeutungsvollen künstler/chen Um­wandlung schreibt er in seinenßeben»ennnerun- gen: ..Dn bi» zum Krankhaften gesteigerte Sehn­sucht nach 3tal;en war von hier an gebrochen, ober verhinderte mich wenigsten» nicht mehr, offene Augen für da» Schöne zu haben, das in meiner Nähe lag." Er fragt sich:Warum willst du denn in weiter Feme hüben, was du in deiner Nähe haben kannst? Lerne nur, diese Schönheit in ihrer Eigenart ertasten, sie wrrb gefallen, wie sie Dir selbst gefällt" Unb an anderer Stelle heißt eS weiter:Bon dieser Zeit an wandte sich mein Streben wieder ganz der heimi'chen Natur zu. Alle die tiefgehenden ®inbtücfc au» der Jugendzeit lebten damit wieder auf und erneuten stch an den nämlichen un­verwandten Gegenständen, und immer freudiger durchdrang mich dieses neue Leben"

Der Erfolg bleibt denn auch nicht aus. Nach Auflö'ung Der Meißener Schule wad er als Profe^or an die Dresdener Akademie berufen, an Der er noch vierzrg Jahre erfolgreich und. wie wir wissen, äuherft produktiv tätig bleibt.

Das formal-künstlerische Interesse tritt bei bet Betrachtung seiner in großer Anzahl verbrei­teten 9)o l^hbrnttoer off ent lüfrungen in ben mei­sten Fällen zurück. Bon feinen Gemälden schei­nen un» heute Die früheren die künstlerisch be­deutenderen zu fein. Erwähnenswert sind hier be'ondcrS le-.n Bub bes ..Waymann" (1824) (Neue PmaloLhek. München), bann von idallenischen 2anD<t)aheT ber ..Blick m das Tal bei Amalfi" (1826) «Leipzig), ein Bild, das die verschiedensten formalen Elemente in stch vereinigt. Die klas­sische. heroische Auffassung etwa deS Malers 3. A Koch, seine» Borbude» in der römischen 3eÜ. begegnet hier ber kühlen Frische ber Frührvmcü^ker unb beutet m «einer far­bigen Idealisierung schon bte späteren Land-

Am 8. Jahrestag ber Nevolution, fo spricht der Duce weiter, werde ,ch eine BoMatt an alle Schwarch.-inden erlass n. am 3. Normen,ter strömen WOCV Bauern in Nom zusammen, besonders feierlich soll bie große Zehn;adres eier de» Lie­ge» am 4 November au»'allc:r. Plötzlich redt er sich au» dem guten Hausvater zum Drltatvr. biltien

Am 6. November nimmt der Senat feine Arbeit wieder auf Äun darauf die Kammer. Beide b-ben sämtlich: Arde.trn ienigz»machen und Dann, wenn die Kammer bte vier Gimnd- mautm des safcisti'chen Staates gesetzlich fank- troniert hat: da» Gefetz über den Gro' en Nat. Me Oarta bH lavvro. die Provinzneu Ordnung und die Urbarmachung de» gesamten nationalen Ter­ritoriums bmn kann sie gehen.

Noch ein Nud höbet, er b-.diert der Ge- unb gehorsam führt Kiw den Griffel: Mitte Dezember stirbt die alle Dvl.'sveNrelung. 3m 3anuar haben die Gewer.scha'ten ihre Ber­teauenämänner für die neue Kammer, bc-t Nat bet Bier hundert, vorzufchiagen. die endgültigen Wahlen linden am 24 März, den, sehnten 3abiestig der Fascioaründung statt. Die neue LegrSla tut Periode beginnt am 21 April und in ben Nachnittagsfluirden des gleichen Ta e> lindei die dritte siscistifche Aushebung statt 3m Nldrv nach der Zrrfammen etzung des Gro »en Nates, werde ich alle biejeni *en. bie einen tvr- antwortungsvollen Posten b.lvn, nrnh Nom rufen unb Bericht geben unb Neche-,schall abk-j n über bie sechs 3ahre fUcrftischer Herrschall . .

o und zu wem ber Duce so spricht? 3it ben nächtlichen Sitzungen des sasciiüsch-n Gin - rate», der sich b*ute morgen, al8 bei Schicksal»- tag des 20. September über ber ewigen Noma au)Dämmerte fclb*r zur obersten Behörde bc* Ötaate» erlärte und Mussolinis Macht Klro entfiel auf einen Augenblick der Griffel, aber nur auf einen Au gen bl Id über die Krv e

erhob. Bei allen Gefetzentwür en. die den Thron und bie Thronfolge, bie Macht des König» und seine Privllegien detre 'en. muß fortan zmräch t ber Große Nat gehört werden 3n bidem Nat entscheidet nur eine Stimme bie des Drice, ber Ihn nach Belieben einberufen und ihm be­liebige Gesetze zur Unterleidbnunq vorlegen kann.

Gewaltig steigt ber Schatten Cäsar» über Nom herauf.

Die Frau im Völkerbund.

Der Bölkerbunb als eine 3nfiitution zum Zwecke der Erhaltung b.» 5dcbcn5 bi ber ganze., Welt ist u>:nig;ten» feiner 3 Dee nach une feiten eine mensch ich« Einrichtung zur BLtarbclt für bie Frau geeignet, wenigstens soweu ei sich nicht nur um bie Fragen Der hobc-i Polilck handelt. Und Da» ist auch heute ber Fall, wenn wir un» auch nach der bisherigen S.itwlckll.ug erst in ben kleinsten Anfängen bell ir­den. Die ersten vvrb.-reitenden Sitzungen de» Bunde» im 3obre 1919 In Pari» fandst unter Ausschluß der Frpuen statt. Damals tagte auf Einladung de» internationalen FraurnlongrZ e» unb bei Internationalen Lrga für politische Gleichberechtigung her Frauen eine Berfammlu. g In Pari», bie eine Deputation zu Wilson ent­sandte. um ihm ihr« Wünsche für bie Ber- tretung Der weiblichen 3ntrrcffen im Böllerbund borAufträgen. Dieser Schritt h.t dann auch den tatsächlichen Erfolg gchrbl. daß in Artikel Z De» Palte» die prinzipiell äußerst wichtt^e Be­stimmung formuliert wurde: .Alle Amtsstellen de» Bunde» oder seines Berwaltungsblenfte«, einschließlich des Sekretariats, find Männern und Frauen in gleichtr Weife zugä-glich.' Tat­sächlich find auch heute, besonder» im Sekreta­riat, zahlreiche Frauen bcfchä'tigt, die tcilwei'e auch wichtige leitend? Stellen innehrben. Da­gegen find Frauen bisher weder im Nat »och un 3ntcmalionalen Gericht-Hol vertreten gewe­sen. Zwar haben einige Staaten, unter ihnen Großbritannien. Austr dien, bie skanbinaoi'ch-n Staaten, Numänien unb Deutschland Frauen a-» weibliche Sachverständige ober Lon- bcrmitgliebet In ihrer Delegat on aujgenommen, ohne jedoch daß bisher ein. Frau als Boll- delegierte im Nat erschienen wäre. Deutsch­land pit 1926 Frau Dr. Gertrud Bäumer in verschiedene Bölkerbundslommll ionen entsandt.

schäften Bödlin» an. Bon den Gemälden Der Dresdner Zett wei'en wir noch neben der schon genannten, an Gefühlswerten so reichen, ro- manSr'ch beeinflußten ..Ucberfabrt am Schrecken- ftein (1837) <Dresden) auf die Iromm-be'chau- liche ..Abrndlanb'chaft^ (1842) (Leipzig» unb den ftiH-be-tncnBrauftug im Frühling" <1847) < Dresden» hin. Neben emzelnen, verstreuten Ferr.helle^i in feinen fo zahlreichen Zeichnungen, die zumeist bet ber Lebertragung in den Holz- ^hntt vergröbert wurden, erregt unter beson- t*re» Gntercfe vor allem bte zarte Fein ton ig- fett sein« reinen, klaren und ftinrrnungsvollen Aouarelle. von denen de Berliner Nahofial- gaierie ausge^ichneie Stücke besitzt

ßubtojg 3uht ber Leiter dieses Museum», hat von Nichters Kunst ge'agt:Man mag ui seiner Gemütsart eine sächsische Färbung jener bürgerlich-schlichten Gesinnung erfennai aber fie spricht zu jedem deutschen H r,7n. auch heute noch, und fie will -um Herzen sprechen, we­nig« zum Auge." Wenn man bet Nuchlerfchen Er-cheinung in allen Einzelteilen gerecht wer­den will, darf man nxdyt an dem rein Artifti- ichen das Gel amte beurteilen, ta man fo Da» eigentlich Positive seines LebenswerleS nicht ganz ersaht. 3m Vergleich mit dem zellgenöffischeu, be'chaulichen Naturfchilderer Adalbert Stift«, Der einmal als Dichter mit mal«i<chen Mitteln bezeichne: wurde, kann man Ludwig Nichter einen Mal« m t dichterischen Mitteln, ob« wie man fo sagt, einen Malerpoeten" nennen. Nkt tmm« Mc eigenartige Geistigkeit des Biebermeier» kulturhistorisch erfassen will, kann nicht an bem künstlerischen unb literarischen Schaffen diese» Malers vorbc gehen.

De heute noch bcfteherrbe BolkstÜTnlichkeil. btx F4> kine Hvlzfchnittsolgen. teige Einzelzeichnungen unb seine Gemälde «freuc-n unb bie Itch auch Darin äußert, daß die Stadt Dresden für ihren be­rühmten unb beliebten Sohn in diesen Tagen eine Gedächtnis- Ausste llung o«anftaltet. kann wohl nicht nur in ber Leichtverständlichkett ihre» Defühlsgehalts beruhen, ilnb auch mehr als in Der gewiß nicht «ttrangigen Künstlerschafl liegt hier bie Ursache in der ehrlichen Netn- her: des sich bewußt mit d« Einfachheit beschek benben, des gütigen Menschen Ludwig Nicht«.