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Nr. 150 Zweites Matt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Donnerstag, 28. Juni 1028

ztela Kun,

eine hisiorifche Grimaffe.

2Lm 1. August 1919 war die ^r&ietarierbifUUur in Ungarn zufammcngcd7och<-n Bela Aun tändle einen Dolen zu dem italienischen Demeter, Oberstleutnant Romanelli, in« Hotel Am m Budapest. 3r bot den Italiener, dieser möchte durch die Wiener Mission Italien« Hilfe für die flüchtenden unga rischen Bol­schewiken erwirken. Italien mochte das öfter- reichi'che Asylrecht und die Durchreise, Die. ach io «jährliche, durch- eigene Land Hilfe einer italienischen G-korlc sichern Aomancll» bemühte sich, die Stellung der gestürzten Machthaber durchzuletzen. Binnen kurzem kam die Antworte ..Italien steht auf dem Standpunkt der Mensch- lichkett. Italien versteht vollkommen die Bitte der abgedankten Bolschewiken, Italien ist beteil, die Frauen und Ainder der gestürz- 1 en Bolschewiken unter seinen Schutz zu nehmen. Diese können mit dem fahrplanmäftiaen 3ug her italienischen Mission um eit Uhr nacht» abreisen: für die Sicherheit der Frauen unö Ai über wird gesorgt. Bela Aun erhielt spät abends diese ..niederschmeltenrde" Meldung. Was schert ihn Weib, was schert ihn Aind. es ftcnbelte sich ja um sein eigenes Leben!

Wenige Minuten spater schlotterte ein minder­wertiger Mensch am Triephonapparat: Aun sprach mit seinem Wiener Gesandten: ..Ich flehe Sie an, Genosse, um Gvttee willen helfen Sie mir. mein Leben ist in Gefahr, nur Sie können Helsen, einzig die österreichische Aegierung ist imstande, mir beizustehen. Verschaffen Sie die Qinreifebetoilligunq auch für Landler und Pot (zwei andere bolschewistische Führer), sonst bleiben wir alle hier. Stur für uns und unsere Familien!"

Die Diener ungarische Gesandtschaft begann mit Hochdruck zu arbeiten. Endlich, spät nach Mlttemacht kam die erlösende Antwort. In Wien war ein Abkommen zwischen der Gesandt­schaft Bela AunS und dem Auswärtigen Amt zustande gekommen, da- Afhlrecht wurde gewährt. Doch daS genügte Dela Aun nicht; er jammerte und flehte den österreichischen Le- gationSrat Hornbostel an, er möchte, da die ita­lienische Mission die Frauen begleitet hatte, sie persönlich begleiten und ihnen wenigstens bis zur Grenze schützend zur Seite stehen Wien ge­staltete es, und der elegante Legation-rat der alten Schule Baron Hammer-Purgstall lwa- alle» ein Diplomat erleben kann!) erhielt den Auftrag, die flüchtenden Do^skvmmissäre zu be­gleiten und sie an der Grenze den Skritct.rn her österreichischen Aegierung zu übergeben.

In her füllen, finsteren Aacht raste der ge­spenstische Zug flüchten her Verbrecher über die Franz-IosefS-Brucke nach Ofen, den Blocksberg entlang auf die Fehsrvarer Chaussee, nach Aelenföld, her Vorstadtstatton von Budapest, wo inzwischen der nur auS einer Lo^smotwe und einem einzigen Pullmannwagen 1. Alaffe beste­hende 3ug bereitS unter Dampf stand. Bela Aun befürchtete, haft daS Personal unverläftlich fein, mit dem Inge etwa- geschehen lönnte; in seiner namenlosen Feigheit bat er den LegationSrat, zum LcLomotivsührer zu gehen, da- Personal sollte wissen, haft aufter den DollSkommissären auch ein Diplomat im Zuge war. Dann endlich, in der Aacht -um 2- August, fuhr der Zug an­der Station. Gin Sonderzug mit gemeinen Ver­brechern rollte in die Aacht hinaus.

Die eigentliche Uebetgabc Bela AunS an die österreichischen Behörden erfolgte noch im Schnell­zug. Die zwei Polizeibeamten, die in Bruck an der Leitha den Zug bestiegen, nahmen em Proto­koll über die Tatsache der so bedeutenden Be­reicherung de- österreichischen BundeStchahe- auf. LegationSrat Hammer-Purgstall hatte somit seine Mission erfüllt: "Bcla Aun und Genossen tarnen endlich, wohin sie gehörten: in die Hande der Polizei.

Diese Diener Polizei schützte fie. al- sie zuerst ein paar Rächte im Diener Pvlizeigefangenen- ftau-, dann längere Zeil im Sch los) des Grasen van der Gtraaten in Aarlftein bet Daidhosen an her Thaya, später im ArankenhauS zu 6üxfctau bei Dien und schlieftlich in der Irren­anstaltSteinhof" auf den sonnigen Rängen deS

Diener Walde« »erbrachter. Am 15.3uii 1919 waren die Verhandlungen abgetchloften, die es der österreichischen Aegierung gestatteten, diese ..vornehmen Fremden" nach Rußland ab- zufchieben.

In einem toehen im Be lag für Autturpoti.it, Berlin meifterftah geschr ebenen psychologitch oertie <-n Buche Bela Aun. eine histo­rische Grimasse" hat Geza Herczeg die ntcht nur im Abstieg, sondern in seinem ganzen Leben erbärr.lliche Haltung und Aolle des einsti­gen ungarische ' Diktator- beschrieben. Vor eini- Ueberra'dbung der getarnten Dell reuerlich in Wien aufgegr: Ifen worden. Seinen Mos­kauer BrctHerren lästig geworden, muftte und wollte Bela Aun wieder einmal je gen. was er für* h.e Aevolutionierung der Dell zu tun verstünde. ..Von Aevolulion zu Revolution" lautet der Xitel eine- Buches, das Bela Aun unter dem Pseudonym BlaituS von Aolzsvary während lerne» ersten freiwttlig-unfrciwtUigen Diener AufenthalleS gc!chrieoeu hat. ..V o n Zeli e mühte hae ^uch uch'.ig ftfiften, wenn er obiektiv und ausrichrig genug wärc. sein wirk! ch?s Leben darzustellen, leine Lebensgeschichte wahrheitsgetreu zu schildern. Seit zehn Jahren spielen im Leben Bela Aunet die Zellen die Hauptrolle: hie Zelle deS Buda-

pcst<r Schubdaules. in der er während der ersten unganlaxn Revolution halbtot verprügelt wurde dte Zelle im Budapester Sammel gefangne aus der er y;r Aacht cntftiei die Zelle .m Diener Pol.zeige'angenerhaus, d.e lein erste- Alb', har- stellte, die x,elit :m Steinhof" dar. i kürzlich

Hauses und endlich die hee österrelchi-

Diener Schöllen entschieden.

Das lind hie Etapen eine- Lecenvlaufes, in dem er groteskerweise auch zu einem Blltand- teile europäischer Aachkr egspolitil wcrd.n tollte. Gin stilvolles Bild, bezeichnend weniger für Dela Aun. als sür den Zeitgeist, dem lein; Lristenz zu verdanken ist. für die Iazzalmosphäre e.ner Dell, in der eine solche Pflanze gedeihen kann Dcla Aun sitzt wieder in Irgendeiiter Zelle und streckt sich vergnügt in der Zufriedenheit über den Erfolg feines Leöensmotlos Mundu-. \ ult decipi. ergo dccip.atur." Das '4: n Leb .16- programm des ewigen Häftlings, der. ob frei oder verhaftet, immer in einer Zuchthausatmo- sphäre lebt, lautet in feiner vrimitiven lleber- setzung ..Mundus vult dccipiIch kann nichts da'ür, hast sich die Dell unbedingt be­trügen lassen will.Ergodeciphtur!" Bitte sehr, bitte gleich da- kann man Ichmi machen. Hg.

Auslandanleihen und Außenhandel

Hon Herbert (£ Hoover, Handclsminisrcr der bereinigten ßfadfen.

Hoover ist bekanntlich erst kürzlich von dem republikanischen Parteikonvent al- A a n h i b a t für hie bevorstehenden Prä - sidentlchaft-wahlen in Amerika i.ulg:ft.'l!t worden D Aed.

Die günstigen Wirkungen von Auslandanleihen au? den Außenhandel des darlehengebenden Lan­des sind allgemein bekannt. Das Schulbeispiel cinci Landes, dellen Handelsbilanz in­folge seiner starken Abhängigkeit vom AuSlandc passiv ist. dessen Zahlungsbilanz da­gegen durch den Sinfluh der unsichtbaren Po­sten die'er Zahlungsbilanz aktiv ist. bietet Eng­land. Auslandinveftierungen wirken befruch­tend auf den Warenverkehr bet VollSwirtschaft. die diese Auslandinrrstierungen vomimmt. wäh­rend die Zins- und Amcrtisatior.szahlur.gen dieser AuSlandanleiben sich in einer Steigerung des Importhandels von Waren oder in einer er­höhten Goldeinsuhr bemerkbar machen.

Für Amerika liegt das Problem der Wir­kung von Auslandanlethen aus den Ausienhandel jebod) immerhin verwickelter, als es auf den ersten Blick erscheinen mag. Der Ausgleich zwischen den Ansprüchen Amerika- im inter­nationalen Geldmärkte und dem ZahlungSvermö- gen seiner auswärtigen Schuldner wird heute durch die Erfordernisse enormer Transfer» au» Reparationsverpflichtungen und deren Verflechtung m.t dem internationalen Schuldenproblem er chwert. Gerade in be­zug auf seine Zahlungsbilanz hat sich die Stel­lung Amerikas in der Weltwirtschaft seit dem Weltkriege grundlegend verschoben. Die un­sichtbaren Posten dieser Zahlungsbilanz, die in dem Zinsendienst aus Auslandanleihen. Divi­dendenzahlungen auS Investierungen. Versiche­rungsprämien, Maklergebühren, Touristenaus­gaben und einer ganzen Reihe anderer Finanz­transaktionen bestehen, üben einen sehr starken Öinflufi auf die Gestaltung der amerikanischen Wirtschaft au». Der genaue Wert dieser Ziffern läftt sich naturgemäß nur abschätzen. jedoch nie­mals statistisch errechnen.

Betrachten wir die Handelsbilanz der ameri­kanischen Union für das letzte Rechnungsjahr. Bei einer Warenausfuhr im Betrage von 4,809 Milliarden Dollar, und einer Wareneinfuhr in Höhe von 4,432 TliUiatben Dollar ergibt sich eine aktive Handelsbilanz von rund 377 Millionen Dollar. Berücksichtigen wir auch die Edelmelallbewegung. so erhöht sich diese» Aktivum der Handelsbilanz auf 448 Millionen. Dollar. Dieses au» seinen Waren- und Edel­metallieferungen an da» Ausland entstandene

Guthaben Amerika» wurde von feiten des Aus- lande» teilweise durch Goldverschiffungen nach Amerika beglichen, teilweise abcr auch da­durch. haft amerikanische Valuten, die sich im Auslande befanden, nach der Union zu­rück s 1 o s s e n . wo sie der Dollvwirtschast wieder zugesührt wurden.

In weiteren Aonten der Zahlungsbilanz, wie Touristenausgaben im Auslande. Zinsver- pslichtungen. Versicherungsprämien. Rücksendun­gen von Ersparnissen früherer Einwanderer usw.. verausgabte die amerikanische Wirtschaft im ver­gangenen Rechnungsjahre etwa 1,727 Milliarden Dollar, während lic au» gleichen Quellen etwa 1,465 Milliarden Dollar vereinnahmte. Aus der Differenz dieser beiden Summen ergibt sich ein Saldo in Höhe von 262 Millionen Dollar, der die oben gefundene Endsumme in Höhe von 310 Millionen Dollar auf 48 Millionen Dollar verringert

Die wichtigste Rolle in der Beeinflussung der Zahlungsbllanz spielt das Investierungs­kapital. Die Gesamtsumme der ausländischen Anleihen, die im vergangenen Jahre in der Union aufgelegt wurden, sowie andere Dar- lehen an das Ausland nebst Investierungen pri­vater Aatur dürfte sich auf etwa 1,981 Mil­liarden Dollar belaufen. Das Ausland zahlte natürlich auch seinerseits im vergangenen Jahre früher gewährte Anleihen zurück und nahm so­gar sewst verschiedene Investierungen in der Union vor. Die Gesamtsumme dieser Posten be­trug 1,424 Milliarden Dollar. Der Saldo dieser beiden Aapitalbetoegungcn in Höhe von etwa 557 Millionen Dollar tilgt den aktiven Saldo der Bilanz in Höhe von 48 Millionen Dollar und schafft eine passive Zahlungsbilanz in Höhe von über 500 Millionen Dollar.

Diese Summe hätte also das Ausland eigentlich zum Ankauf amerikanischer Waren aufwenden und damit einen ver stärkten Waren­export in die Wege leiten müssen. Wenn diele r ein theoretisch erwartete Wirkung zu­nächst au-blieb. so lag dies daran, haft zeitweilig ein grober Teil dieses Betrages in Form erhöhter Depot- von Au-ländem in amerikanischen Danken fest lag, von wo er erst allmählich abgezogen wurde. Zweifel­los aber haben die amerikanischen Ausland­anleihen die Exporttätigkeit der amerikantschen Wirtschaft angeregt und werden die- auch in Zukunft tun. Hätte z. D. Amerika nicht den froheren Teil der DaweSplananleihe Deutsch, and» auf sich genommen, so würde Deutschland sicherlich nicht in der Lage gewesen sein, seine

Möwe im Sturm.

Vornan von Sophie Kloertz.

Nachdruck oerbotrn.

Im Wiener Wald sprangen die Knospen. Amseln und Stare flöteten die ersten Lieder, und an allen Hängen war der Boden bedeckt mit Sünemonen, Leberblümchen. Terzetten, Krokus und Veilchen. 'Jlcbcn jeder Blute stand wie ein lichtarüner, schcr» mender Speer ein junger Halm, reckte seine Winzig­keit kerzengerade in das Licht und muftte nichts mehr van dem feuchtdunklen Grunde, aus dem fein Leden gestiegen.

Doch wie der Abend Lim, fegten Wolken aus 9lorhcn heran. Es graupelte, und zwischen Hagel und Sdjnee schlugen eisige Traufen nieder. In einem Hui waren alle frohen Farben verwischt. (Brau und häftttch lag die Nähe, nebelverhangcn die Ferne.

Frühlingsanfang stand im Aalender, ober der Winter höhnte den blonden Bruder mit heulenden Winden und mürrischen Wolkenmassen. Eisig zog es durch die Hallen des Diener Hauptdahnhafs.

Als Maria aus dem Auto flieg und die Tausend­kranenscheine aus ihrer Handtasche zählte, warf ihr der Sturm den Trauerschleier wild um Hals und Gesicht, rift ihn dann jäh in die Höhe und sie griff vergebens nach ihm. Der alle Stephan, mit den Koffern beschäftigt, merkte die Not seiner Herrin nicht. Eine andere Männerhand griff zu, faßte den flattcmhcn Streifen und legte ihn mit einemBitte schön, meine Gnädige* in ihre Hand -

Ein leichtes Reigen des Hauptes, dann schon sie den Schleier unter den Arm, hielt ihn so feil und zahlte die Autotaxe. Dabei berechnete sie im stillen, daß diese Fahrt nicht hätte fein dürfen. Sie hätte gehen sollen. Die Koffer konnte Stephan auf einer Karre herschassen.

Ach, was man alles nicht mehr durfte! Em Wun­der, haft noch das Atmen erlaubt war. Denn das noch Atmen mar mit zugeschnürier Kehle. Sie schloß sich der langen Schlange an, die vor dem Schalter stand. .Karten in Richtung Innsbruck. Bozen, Berona. Venedig."

Venedig. Morgen mittag war sie dort. War bei Elena!

Wenn sie nur den Namen dachte, stieg ihr die Freude schon warm in bas Gesicht. Der grafte dunkle Mann, der ihren Schleier gegriffen hatte, und der vor ihr in der Reihe ftano, sah sich um. Vielleicht suchte er sie Gerade bemerkte er dies sonnige Aufleuchten, empfand es wie eine Freund- lichkeit des Augenblicks und wandte sich wieder nach vorn. Dabei sah man, daß er die Schultern ein wenig hängen lieft, als nehme eine leichte Schwäche seiner Gestalt die Straffheit.

Maria mar viel zu sehr daran gewohnt, bemerkt zu werden, um bei seinem Blick aufzusehen. Sie achtete jo wenig auf ihn wie auf einen anderen Beobachter, der dicht hinter ihr stehend mit musternden Blicken das billige Trauerkostüm mit der hohen, schlanken Gestalt und der stolzen Hal- tuna des Kopses m Einklang zu bringen versuchte.

..Auch eine von denen, der es nicht an der Wiege gelungen wurde, baß sie einmal in dem Schwarm stehen muß," sagte er sich.

Schade, haft fie nicht ein wenig den Kopf wandte. Wenigstens das Profil hätte er gerne gesehen. So muftte ihm der dicke, rostbraune Haartnoten genü­gen, der schwer im Nacken lag. Eine vollkommen unmoderne Haartracht. Die junge Tarne mußte den Mut der eigenen Pericmlichkeit haben.

Jetzt trat der große Dunkle an den Schalter heran.

Eine Karte dritter, SJencöig.' Seine Stimme hatte norddeutschen Klang. Knapp, kurz, fast wie ein Kommando wirkten die Worte.

Einen Haufen Scheine warf er vor das Fenster. Der Beamte zählte: eine Million, zwei, vier, fünf

Venedig, eine Karte erster.' Der Dunkle, im Begriff, sich zu entfernen, warf einen Blick über die Schulter zurück. Maria spürte es. als würde sie körperlich berührt, schon tauchte er in der Menge unter. In der Halle fauchte bereits der Fernzug.

..Bitt' schön. Neun Millionen Gulden.'

Neun Wie meinten Sie?' Ihre Augen wurden dunkel vor Schreck. ,Ich hab' nur fünf--e «

Müssens halt dritter fahren.'

Dritter?' Entsetzen flang aus ihrer Stimme.

Von hinten her legte jemand eine große Note vor den Schalter.Geben Sie der Dame eins erster nach Venedig und mir eins erster Rom.'

Maria wandte den Kopf, sah den Herrn er war kein Jüngling mehr, aber auch noch kein Greis sehr kühl von oben herab an und sagte:Ich habe Ihnen zu solcher Aufmerksamkeit keine Veran­lassung gegeben, mein Herr.' Dann zum Beamten: Allo dritter." Als sie die Karte bezahlt hatte, blieb nur ein winziges Sümmchen übrig.

Wie sie jetzt an den alten Diener herantrat, blieb ihr Hintermann, als sei es zufällig, dicht neben ihnen stehen und hörte sie sagen:Mußt mir das Handköfferchen an ein Abteil dritter tragen, Stephan, es hat nicht weiter gelangt.

Ganz erschrocken starrte der Alte sie an.Aber Euer Gnaden können doch net in die dritte ---

Es wird mich nicht umbringen. Und morgen bin ich bei der Elen.'

Wieder das Aufstrahlen in allen Zügen.Und wenn die Tante Durchlaucht kommt und will mich zu den Ursulinerinnen bringen mußt du einen ehrerbietigen Gruß vermelden, Stephan, und es ließe sich nicht mehr machen. Ich wäre schon über die Grenze '

Sie schritt, von dem Allen gefolgt, an den Zug. Langsam ging der Fremde hinter ihnen her. Mit Augen, die gewohnt nxiren, nicht die kleinste Note in her Erscheinung eines Menschen unbeobachtet zu lasten, verfolgte er jeden Schritt, iah auf das Heben der schmalen Füße mit dem hohen Spann, freute sich an dem Gleichmaß in Haltung und Bewegung, in jeder Wendung des Kopfes. Er stellte fest, daß das Gesicht traft seiner Perlbläste nichts Ungesundes hatte, daß die Züge in ihrer Unregelmäftifeit doch den aristokratischen Typ nicht verleugneten, daß der Mund nicht klein mar, aber die schönsten Zähne zeigte, wenn er rote eben dem alten Diener zulächelte.

Der trug eine abgeschabte Livree, vor zehn Jah­ren hätte jeder Straßenkehrer der Residenz ihm sagen können, welch Haus seine Leute in braune Rocke mit blauen Ausschlägen kleidete, jetzt war solch Disten als werttos von einer neuen hastigen Zeit über Bord geworfen worden.

Maria Iah Um, wie fie hinter dem alten Diener durch den Gang des Wagens schritt, einen Platz suchend. Langsam ging der Herr vor den Fenstern hin. Jetzt wurde er begrüßt von einem anderen. Den kannte ste, Baron Trautendorf. Er oemetgte

Ankäufe in amerikanischen Roh­produkten vor allen P.ng.n Baumwolle. Aupser und Erdöl so stark zu steigern, wie bie­der Fall gcwe'en ist

2lu lange L'Lt betrachtet, haben die 2tu»land- aiucib- XmcriL-t* eine emiiun:c Bedeutung für t -k.urlttge Wtrt'chaltsentwicklung brr be­te: 4ten Länder Die für Wiederaulbauzwecke fremder Länder geaahrt.-n Anleihen. >ow:e d.e- je: gen Summen, dte für die Stabilisierung fremder Wahrungen Verwendung sanden haben dazu gedi.m:. die Dtrtschast-kraft hee- Auslandes zu stärken und den durch den Weltlr.eg und die darauffo.gende Inflatton stark gesunkenen Lebens­standard her iremden Länder zu heben Sie er­höhten harnst die Aauflraft dreier Lander und regten den Aonsum der Well an. Mit den zu­nehmenden An'prüchen der Aul turne, honen muft i.<r auch der Umfang des Welthandels erheben. Dies dürft? be'onderS auf Europa zutrellen. bei in der Aundealiste der Union mit an erster Stelle steh. Sm geordnete», erholtes Europa mit ft addierten Währungen bedeutet ein Eu­ropa. dellen Lebenshaltung sich dauernd ver­bessert und da» deshalb als ein immer wichtigerer Käufer von Waren aller Art aus dem

au» dieser Stärkung der europäischen Aauffraft feine Vorteile zu ziehen

In hem Umfang, in dem andererseits Ameri­ka* Rattonalreichturn wächst, und damit auch sein Lebensstandard tre terhin steigt, braucht die Union auch immer mehr Waren au» dem AuSlande. die sie selbst nicht produzieren kann. Daher muft Amerika» Einfuhr an gewissen Waren zunehmen, wenngleich diese Waren­gruppen nicht notuxnhigertoeile mit den Erzeug­nissen seiner eigenen Industrie in Wettbewerb zu treten brauchen. Schreitet die Steigerung de» Rationalreichtums her Unton in den nächsten Jahren weiter fort wofür eine Reihe von An­zeichen zu sprechen scheinen, so wird die Rachfrage nach solch wuchtigen Au-landerzeugnissen nicht nur die ständig wachsenden Zinsen au» den auch an Umfang zunehmenden Auslanddarlehen verschlingen, sondern darüber hinan» auch einen Druck in der Richtung einer erhöhten Wareneinfuhr au»üben. Diese erdichte Wareneinfuhr wird aber wiederum befruchtend auf die Au-suhr wirken.

Der Einslust der Auslandtnvestierungen ntacht sich also in der amerikanischen Wirtschaft in doppelter Weite geltend, und zwar in der Richtung einer Steigerung der Ausfuhr und einer Erhöhung der Einfuhr. Auch für die Zu­kunft ist anzunehmen, haft die durch diese Qlu6- landinvestierungen au»gelöften Kräfte in dop­pelter Richtung wirksam sein und so zum Vor­teil der gesamten Weltwirtschaft au»W)lagen werden.

Oberhessjscher lurnerfdwfterfag Marburg

Begünstigt vom herrlichsten Sommerwetter fand am SamStag her Oberhefsische Turner­schaf t e rt a g In Marburg statt. Don vorn­herein war an dem zahlreichen Erscheinen der auswärtigen Turnerschaften und der vielen Al­ten Herren zu sehen, daß große Begeisterung für die Sache herrschte.

Um 11 Uhr stellte sich der Lok al-D.E. Marburg geschlossen im Stadion auf zur Aus­führung der allgemeinen Freiübungen. ES war ein erfreulicher Anblick, die fein cnisgedach- ten Freiübungen von durchtrainierten Aörpern au-gesührt zu sehen. Run folgten abwechslungs­reiche Spiele. Ucbcrall. wohin man schaute, sah man Interessantes. Hier turnten einige am Reck, dort am Barren: wieder einige spielten mit Medizinbällen. Gespannt folgte man dem Anstrag der 4 X100 Meter-Staffel, au» der her Stammtisch auswärtiger D. E.er al- Sieger hervorging. Den Höhepunkt des Dormittag» bil­dete das Handballspiel zwischen Schaum- burgia-Saxvnia und Philtppina-Tuiskonia, ha» Schaumburgia-Saxonia mit 7:1 gewann.

Anschließend fand da» F e st e f f e n In den Stadtfälen statt. Bunt durcheinander saft man da: frischte alte Freundschaften auf und schloß neue. Während he» Esten» ergriff DerbandLbruder Re­gierungsrat Janssen, Sa ro-Thuringiae. Han­nover, das Wort, indem er der Freude Ausdruck

sich so beflissen, wie er es nur vor besonders ausge­zeichneten Personen tat. Und der andere grumte wieder, ruhig, ohne die geringste Unterwürfigkeit. Dennoch den Eindruck machte er nicht, als (ei er selber ein hoher Aristokrat. Eher ein Selfmademan der modernen Geldaristokratie.

Damenabteil?' fragte Stephan und sah verzagt auf seine Herrin.

Konnte er in dies Tohuwabohu ihren Handkoffer stellen? (Eine junge Frau mit Dienerin und drei Rangen, von denen zwei sich um eine Apfelsine stritten der Saft floß über ihre Finger, wäh­rend bas dritte Kind, noch im Steckkissen, ver­drossen quäkte. Aus der halboffenen Tür roch es dunstig und säuerlich.

Um Gates willen. Nicht dahinein!' Nichtraucher?'

Drei Plätze waren belegt, niemand zu schem Di« Reisenden standen noch vor dem Zug, erhandelten Lektüre, ließen die Augen zum letztenmal über Wiener Typen hingehen, nahmen Abschied von der einstmals so seligen Stadt, die langsam herabglitt von ihrer Märchenhöhe.

Ja, dort den Fensterplatz, der nicht belegt ist, den nehme ich.'

Drei' Minuten später saß fie am Fenster und sah mübe und still hinaus in die Halle, die schon vom elekttischen Licht durchglüht war. Man hörte durch das Fauchen und Schnauben her haltenden, durch das Rasseln und Gellen der fahrenden Züge hindurch dumpfen Donner. Ein Frühlingsgewitter mit Schnee und Hagel stand über der Stadt. Es würde wieder bitterkalt werden.

Da reckte sie sich in den Schultern und atmete auf. Morgen morgen wenn sie hier froren und über glitschenden Asphalt trippelten, mit un­sicheren Schritten, mit verfrorenen Gesichtern, dann war sie im sonnigen Süden. Dann fuhr sie durch die schmalen Kanäle der Dogenstadt. Dann leuchtete der Dogenpalast auf und draußen das blaue, offene Meer, und irgendwo am Eanale Grande dort an der Piazzetta, wohnte Elena, und bei Elena war Zuflucht und Heiterkeit, war Geboraenheit, war Liebe und Zörttichkeit. Der konnte so entzückend wie Elenaagen:Du mein Ioujou, du mein ganz kleines, mein ganz goldenes Ioujou" ?

(Fortsetzung folgt)