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M. 150 Erster Blatt
178. Jahrgang K
Donnerstag, 28. Juni (928
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Gietzemr Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
druck in- Verlag, vrühl'sche UnloerfilLtr-vLch and Steinörndtrei L. tauge in Sictzen. Sdfriftlefatng und Geschäftsstelle: Lchnlstrahe 7.
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Ilbefrebalteu:
Dr. Fnedr. Will) Lange. DerantwortUch für Volttlii Dr. Fr Wild Lange für Feuilleton Dr H.THynot. für den übrigen Ted Ernst Dlumlchein, für den Anzeigenteil Hurt Hill mann, sämtlich in Diehen
Das Zentrum und die Kabinettsbildung.
Scherben.
Don unserer Berliner Redaktion
Wir haben ja im Laufe der letzten 3obre mancherlei an Kabinettsbildungen erlebt. Aber Io etwas an gehäuften Unmöglichkeiten, wie diesmal, da würde auch dem alten Den Akiba Ht Sprache versagen. Dreimal ist Hermann -'XüHer so weit gewesen, dah er mit seiner Kabinettsbildung unmittelbar vor dem Abschluß f stand und jedeSmal wurde ihm der gefüllte
-echer vom Munde wieder fori geschlagen Zu- irtzt hat daS Zentrum daS unbestreitbare Serbien st gehabt, den Dater aller Schwierig- fetten au bilden Am Dienstagabend waren die >nge Io weit gediehen, dah nur noch ein etwas reinlich wirkender Streit um einzelne Minister- estel bestand, der dann aber im Laufe deS Mittel »och zu einem Prestigekampf zwischen £>ermamx Müller und dem Zentrum sich entwickelt hat.
Lid) von der Deutschen Dolkspartei
!>ehauptete man, dah sie Schwierigkeiten machen nmlle. DaS ist aber nicht richtig. Sie hat den iklein möglichen Standpunkt eingenommen, dast hie Kabinettsbildung Sache deS vom ReichS- rrälibenten beauftragten Vertrauensmannes sei mb dast die Fraktion sich ihre Stellung dazu auch wenn Mitglieder von ihr in der Regie- ring vertreten sind — von der Regierung-»' crflarung und von der Arbeit des neuen Mini- licruim* abhängig macht.
DaS Zentrum daaegen hat anders taktiert Si't hat zweimal die ihm angetragene Stelle eine* . izekanzlerS ausgeschlagen, ist dann plötz- |hdb untflcfallen und kam auf diese Forderung ■Aieflcf. in einem 2lugenblick. alS Hermann Müller ' t bereit» dahin festgelegt hatte, dast er die ■etH'img eines Dizekanzlers jcfit nicht mehr Iper geben wollte. Veranlaßt worden ist er > tetaU durch einen Wunsch de- Reichspräsidenten.
irr auch durch Bedeuten. die aus der Deutschen ' vllSpartei heraus gegen einen Vizekanzler nach- i-tzcklich geltend gemacht worden waren. 'DaS ttntnim hat eS sogar sertiggebracht. obwohl lermann Müller betonte, dast er mit den Mi- sleranwärtem unmittelbar verhandeln •rollte, f Id) immer wieder e i n zus cha l - :*n. indem eS eine unerfüllbare Forderung auf »de andere pfropfte; indem e» zwar formell auf Äbr Vizekanzler verzichtet«, dafür aber ein aus» v s^rochen politisches Ministerium verlangte, iuch das mußte Hermann Müller ablehnen, da |<r inzwischen alle anderen 21cmter vergeben hatte »ich nicht gut. ohne sich selbst zu desavouieren. ! ne Zusage zurückzieh.'n konnte
C» wird schwer, bei diesem Hin- und Her- ».zerre deS Zentrums die tiefere llrsache lediglich • i ungeschickter Führung zu sehen. DaS Zentrum tat sich in der Dezi eh ring im letzten halben Jahr 'mancherlei geleistet. Aber die Irrwege, die es digtmal einichlua. indem es angedotene Stellen cusschlua, um sie zu verlangen, nachdem sie ; ibcnrcitig vergeben waren, sind doch eigentlich inr erklärlich, wenn man eine tiefere Salti I dahinter sucht. Ne darauf hinauslief. Her- ninn Müller Mc Durchführung feines AuftrageS räerhaupt unmöglich zu machen. Od diese Vermutung richtig ist, werden erst die nächsten S ige zeigen können. Vorläufig ist jedcnfallS k tiuftcllcn, dast die RcgierungSlomSdie. die sich n den letzten Tagen vor unseren 2lugen ab- hielte, einen mehr als grotesken Eindruck machte ir.b dnst der Parlamentarismus dabet die Kosten |u zahlen hat.
Die Forderungen des Zentmns.
Veracht auf daö ArbeitHminisicrinm tztflcn ben Posten VcS Innenministers Heber die Qkrbanblungcn zwildren Hermann 2ailler und dem Zentrum wird auS Zentrums- peifen folgende zufammenfastende Darstellung Ileben:
jm Anschlust an die Sitzung deS Frattionsvor- vdeS des Zentrum»» suchten die Abgeordneten igerwald und Dsscr den Abgeordneten Wüller- anlen auf und teilten ihm mit, dast durch den berstand gegen die Vrzekanzlerschast Dr. :rthS für das Zentrum eine völlig neue ifle entstanden sei. Das Zentrum sei trotz t .cher Dedenien ursprünglich bereit gewesen, in t Aegierung das Arbeitsministerium kder zu übernehmen, aber nur in der DorauS- ung. dah eS zugleich mit der Vize- nzlerschaft auch eine starke, p o • tische Stellung im Kabinett erhalte 91 diese Voraussetzung Wegfälle, müste es d- Mcbcmabme 0eS A^eitSministeriumS in der Qejicrung abl ebnen. ES wolle aber an der 2^ekanzlerfchaft das Zustandekommen der Re- !.'7ung nicht scheitern lassen. Das Zentrum werde :hcr für die Folge keinerlei Deschlüsse mehr fjm. Aufgabe des Abgeordneten Müller- Fran- ü werde es sein, zu entscheiden, welche Mi- ifterien er dem Zentrum überlassen wolle.
Ser Abgeordnete Müller-Franken hat darauf k Abgeordneten v. Gusrard und Dr. W i r t h Mißt, ob sie zur Hebemabmc eine- Ministe- NWIS in der Aegierung bereit seien. Beide heben diese Frage grundsätzlich bejaht. Ri 2ll»geordnete v. ©uerarö hak sich auf bic ttucre Frage, ob er das Derkeh r Smin i- Ictiutn übernehmen wolle, dazu bereit erklärt, lygen hat Dr. Wirth, dem der 2lbgeordnete S'Lkr»5ranIen das Ministerium für d i e tc setzten Gebiete anbot. erflärt, dah er
seine Zusage davon abhängig machen müsse, dah dem Zentrum entweder die Dizekanzler- schaft oder ein anderes politisches Ministerium -ugestanden werde.
Die Zentrumsfraktion des AcichSlageS nahm am Mittwochabend nochmals einen Bericht ihrer Unterhändler über den Stand der RegierunaS- berbanblungen entgegen. Die ZentrumSfraktwn billigte daS Dferhalten chrer Unterhändler und hält einmütig an der Auffassung fest, dah cS auf ein politisches Ministerium im Kabinett nicht verzichten kann. Danach ist die Zentrumsfraktion bereit, unter Preisgabe des AeichSarbeilsministeriumS auf den Vizekanzler post en und daS A«cheernährungsmlni- ftcrium zu verzichten, fordert dafür aber auher den beiden ihr angebotenen Ministerien ein politisches Ministerium.
Hermann Müller berichtet dem Reichspräsidenten.
Hiudcnburg an die Adresse des Zentrums
Berlin, 27. Juni. (Wolff.) Heber den Besuch de» Mbgcorbaelen Müller-Franken beim Reichspräsidenten ist folgenber amtlicher Bericht au»- gegeden:
„tibg. Müller - Franken beridylete heute nachmittag dem Herrn Rei<b»präfibenten über den reelleren Fortgang seiner Verhandlungen mit den für die Regierungsbildung in Betracht kommenden Persönlichkeiten und den Fraktionen des Reichstages, denen diese Herren nngehören. Seine Bemühungen seien dadurch auf Schwierigkeiten geflohen, dah die Zentrumsfraktion nach ihren heutigen Erklärungen daraus besiehe, entweder für den tlbg. Dr. Wirth neben dem Verhrhrsmini- fferium auch das A m 1 eine» Vizekanzler» oder an Stelle des Verkehrsministeriums ein politische» Ministerium, wie das Reichsministerium des Innern, verlange. Da seine Fraktion auf die Besetzung de» Reichsministeriums de» Innern durch den 21 bg. Seoering nicht verzichten könne, sehe er die Wetterführung aussichtsreicher Verhandlungen nicht mehr al» gegeben an. Ohne Hinzuziehung von Vertretern der Zentrumsparlei könne er eine Regierung auf tragsähigcr Grundlage aber nicht bilden. Unter völliger 21usrechterhaltung seiner gestrigen Bedenken gegen die Notwendigkeit der Erridstung de» Posten» eine» Vizekanzlers würde er bereit sein, am da» Zentrum zu gewinnen, seine Bedenken zu überwinden. Uber da» würde ihm nur
Die Kleine Entente und die Anschtußsrage.
Wien. 27.3unl CSU.) Dei der ersten Lesung des Handelsvertrages mit Ungarn in der Sitzung des öflerrecchttchen AationakrateS kam der sozialdemokratische Abgeordnete Dauer auch aus Aeuherungen des tschechoslowakischen und iugoslawischen Außenministers auf der Tagung per Kleinen (latente in Bukarest zu sprechen Der Aeoner führte u. a. auS, während sich Dr. Bene sch in mehr allgemeinen Worten bloh gegen den Anschlust Oesterreichs an Deutschland getoanbi habe, habe sich Dr. Marinkowitsch nicht mit einer allgemeinen Erklärung gegen den Anschluh begnügt, sondern von der Einbeziehung Oe st erreich- in ein von der Kleinen Entente ausgehendes WirlschastSsystem gesprochen. Diese Erklärungen der beiden Austenminister seien insofern beunruhigend, alS sie den Eindruck erweckten, alt» ob der Versuch gemacht werden sollte, die wirtschaftliche Aot Oesterreichs dazu zu benutzen, es von Deutschland fern» zuhalten.
Bundeskanzler Or. Seipel
erwiderte sofort auf die Ausführungen Bauers und erklärte zur Anschluhsrage folgenltol: Die Erklärungen der Kleinen-Gnte.ite-Minister stimmten vollständig überein mit der Energie, mit der sie sich bisher auch gegen den Anschlust Oesterreichs an Deutschland ausgesprochen hätten. Aeu sei nur. dast sich eine Konferenz der Kleinen Entente ganz besonders mit diesem Gegenstand beschäftigt habe. Wa» man and den Erkläruirgen herauslesen könne, sei das. dast cs nicht an der Zeit sei. auf eine Erfüllung des Anschlustgedankens zu rechnen und diesen Gedanken selbst in den Vordergrund der öffentlichen Besprechung zu heben, weil man wisse, dast zur Zeit nur eine Antwort kommen würde, oämlich: Aein. Irgendein Versuch, uns au veranlassen, dast mir unS selbst zu dem Vein bekennen, ist nicht gemacht worden.
Der Bundeskanzler berlaS sodann das Interview deS jugoslawischen AustenmittlsterS Dr. Marinkowitsch in Bukarest und hob hervor. eS sei das erstemal, dah von einem Austenminister eines der Nachbarstaaten ausdrücklich eingestanden werde, man habe bisher in einem Maste protektionistische Methoden angewandt. dah sie die e iftenz und Entw.cklungS- möglichleit Oesterreichs beeinträchtigt hätten. Man gebe bei der Kleinen Entente zu. dah Oesterreich abgeschnürt sei. dast es vielleicht mit großen Derbes erungen der Handelsverträge nicht durchkommen würde, dast man darüber hinaus noch irgendein System werde suchen müssen. Seipel erklärte weiter, er habe nichts dagegen, wenn bei Verhandlungen in Genf alle diese Ideen erwogen wurden. Die Zugchcrigkeit Oesterreichs zu einem von der Kleinen Entente ausgehenden wirtschaftlichen System werde einstweilen nur von der anderen Seite proklamiert. Dr. Seipel erklärte weiter,
er habe immer eine Süßen Politik vertreten, die Defierrvid) von politischen Bindungen besonderer Art freigehallen habe und dcshalb in früheren Jahren eine nähere Beziehung zur kleinen
Entente abgetehnt.
Die Aeuherung Marinkowitlchs. dah Oesterreich nicht in diese politische Kleine EnteMe hineinkommen soll, aber zu einem Wirtschaftssystem gehöre, das von der Politik der Kleinen Entente ausgehe, entspreche nicht der Würde und dem Ansehen Oesterreichs. Die Aeuherungen seien nicht eine Antwort auf ein Ansuchen oder eine Anregung von österreichischer Seite. Das geplante Wirtschaftssystem werbe ausdrücklich alS etwas hingestellt, das die Zustimmung aller großen Staaten. auch Deutschlands, gefunden haben müsse, bevor es in das Stadium auch nur von Angebots
möglichkeiten treten könne. Seipel schloß seine vom ganzen HauS mit Zustimmung angenommene Nede mit folgenden Worten: .Meine llebcrzeugung ist 1. dah wir im Laufe der Zeit je früher um so besser die Möglichkeit haben müssen. auS der Enge der Grenzen, die unS derzeit als Wirtschaftsgebiet gezogen sind. herauSzutreten. 2. daß die Leberzeugung hiervon, die wir schon seit langem haben unb immer wieder vertreten, immer mehr ein Gemeingut der anderen europäischen Staaten und der führenden Staatsmänner in ihnen werden wird. 3. bah wir heute noch nicht wissen. waS früher kommen wird und was später, ob eine größere oder eine kleinere Lösung des Problems möglich sein wird.
Deshalb habe ich die Meinung, dah wir uns freihatten müssen, hinelnzugehen in eine größere oder kleinere, eine europäische mllleleuropäische oder deutsche Lösung, sobald sich uns die Tür in diesem oder jenem größeren Wirlschaslsgebiet öffnet. Aber niemals werden wir glauben, daß die mitteleuropäische Frage gelöst ist. wenn der große Staat, der da» eiizenlUche Mitteleuropa auefüllt, wie da» Deutsche Reich, bei dieser
Lösung nicht mit dabei ist.
Im weiteren Verlau c der Debatte meinte der großdeutsche Abgeordne e Dr. W o t a w a. er sei bezüglich der häufigen Erklärungen de- Bundeskanzlers nur in einem Punkt abweichender Meinung. Er glaube nämlich, daß durch eine möglichst oft geführte internationale Diskussion der Anschluh wesentlich gefördert werden könne. Die Lösung der An- fchluß'rage und die Gewährung einer kulturellen Autonomie auch für die Deutschen in Jugoslawien seien die seelischen Dorausfetzungen für eine günstige Entwicklung zwi'chcn Deutschland und Jugoslawien. Man mü'se sich fragen, ob die deutschfreundlichen Aeuherungen von jugollawücher Seite auf die politisch ungünstige Lage dieses Landes gegenüber Italien zurückzuführen seien. Der Aedner begrüßte es, daß sich die Einstellung zu außenpolitischen Fragen auch im österreichischen Parlament als eine einheitliche erwiesen habe unb ilcbcrcinftimmung darüber herrsche, daß eine wesentliche Minderung der wirrfchaftlichen Röte erst eintreten werde, wenn Oesterreich nicht nur d r wirlscha tliebe, sondern auch bic politische Eingliederung in das große deutsche Wirtschaftsgebiet vollziehen könne.
Roch kein iRückiriiisgesuch Dinghofers.
Wien, 27. Juni, iDD.) Am tl ich wird mitgetcilt, dah entgegen anderslautenden Meldungen ein Demissionsansuchen des Iustizministers Dr. Dingholer beim Bundeskanzler nicht eingetroffen ist. Auch das Telefongespräch, das der Bundeskanzler gestern nachmittag mit Minister Dr. Dinghsser geführt hat. entbleit keine Ankündigung der De- misfion, sondern lediglich den Hinweis aui einen unterwegs befindlichen Brief. Da somit der Posten des Iustizministers nicht erledigt ist. ist es im Augenblick weder notwendig noch möglich, für die Reubesetzung dieses Postens Vorsorge zu treffen. Die Klärung der Situation dürfte erst nach der Rückkehr Dr. Ding- Hof e r S von seinem Kuraufenthalt zu erwarten fein. Sollte vorher noch ein Demissionsgesuch eintreffen, so würde sich der Ministerrat sofort mit der geänderten Sachlage zu beschäftigen haben, damit dann unverzüglich die llnterharrd- lungen zwischen den Parteien des Rationalrates eingeleitet werden können.
neue Schwierigkeiten bereiten, do er wisse, daß auch in der Deutschen volk»partei die schwersten Bedenken gegen die Einrichtung de» Amte» eine» Vizekanzler» bestehen würden. Diese 'jluffaffung wurde bestätigt durch eine Mitteilung, die der Herr Reichsaußenminister am Nachmittag dem Bureau de» Herrn Reichspräsidenten zu- kommen ließ. Er sehe au» dieser Sachlage keine 41n»sicht mehr für au»sicht»reiche Verhandlungen
Der Heer Reichspräsident erklärte, daß er an sich kein Bedürfnis für die Einrichtung de» In der Verfassung und in der Geschäftsordnung der Reich»- reglcrung nicht al» regelmäßig vorgesehenen Amte» eine» Vizekanzler» anerkenne, e» im übrigen auch ablehnen müsse, in Au»übung seiner ocrfafiiing»- mähigen Rechte s i ch von einer Fraktion I für die Zusammensetzung de» Reidwkabinett» bindende Vorschriften machen zu laf- I f e n. Er ersuchte den Abg Hermann Müller- Franken, diese seine Entschtiehung der Zen- IrumefraMlon miljulellen. Abg. Müller- Franken wird dem Herrn Reichspräsidenten im Laufe de» morgigen vormittag» Bericht über seine weiteren Besprechungen mit dem Vorstand der Zentrnm»fraktion erstatten."
Ein letzter Vorschlag.
Dav Zentrum lehnt ab.
Berlin, 27 Juni. (VDZ.) Der Abgeordnete Müller-Franken teilte ben Zentrum sabgeor kn. et en Esser unb ötegertoalb den Inhalt ferner Untcr- r-'bung mit dem Herrn Reichsprälidentt-n Wort mit. Der Abgeordnete Slegerwalb erwiderte dein Abgeordneten Müller-Franken, baß die Zen- truinsfraktton fich am heutigen Tage nicht mehr auf die Schaffung be- ?lmteS eines Dizekan-lers versteift habe, fonbem als zweite Lösung m Vorschlag gebracht habe, bah man dem Zentrum an Stelle eines der lleineren Ministerien ein politifches Ministerium wie das ReichSinnen-Mlnisterium überfalfcn möge. Der Abgeordnete Müller-Franken «rtoi» derte. daß seine Fraktion auf Herrn Sevc ring als Innenminister nicht verzichten würde. Dagegen habe ihm der Abgeordnete H i l s e r - ding persönlich erflärt. daß er bereit wäre auf die ilebernabme des Reichsfinanzmini- ftcrium» zu verzichten, wenn dadurch die Regierungsbkldung gefördert teerben könnte Der Abgeordnete Stegerwäld bemerkte, baß er daS Finanzministerium in diesem Sinne als politische- Ministerium nicht anzu- sehen vermöge. Die Zentrumsfraktion nahin zu ben Mitteilungen Stellung unb ließ dem Abgeordneten Wüller-Zratcken wissen, bah sie die Vorschläge ihrer Unterhändler billige. Die fozialdenwkralische ReichSlagSsraktton nahm davon Kenntnis. Der Abgeordnele Dittmann stellte als Vorsitzender fest, daß die Fraktion einmütig an der Besetzung des Reichsnmenministeriums durch ben Abgeordneten Severing s e st h a l t e.
Eine verfahrene Situation.
Hermanti Müller gibt seinen Auftrag zurück.
Berlin. 27. Juni. tPr.-Tel.) 3m Reichstage betrachtet man die Versuche Hermann MüllerS. ein Kabinett der Troßen Koalition ohne fraf» tionsmäßige Bindungen zu bilden, numehr zunächst als gescheitert lieber die weiteren Abrichten Hermann Müller- verlautet nichts Authentisches. Es herrscht aber die Auffassung vor, daß er voraussichtlich morgen dem Rei chspräsi denten seinen Auftrag zurückgeben wird. Diele Auffassung ergibt sich daraus, daß daS Zentrum auch ben Posten deS Finanzministers «llS nicht zureichend ablehnte. den die Sozialdemokratte ihm als letzte Konzession angeboten hatte. Ob der Reichs- Präsident, trenn Müller feinen Auftrag zu- rüdgibf. leinen Beauftragten von der Aufgabe entbinden wird, ist nicht bekannt. Sollte da- der Fall sein, so rechnet man in varlamentari'chen Kreisen mit der Beauftragung eines ZentrumSmanneS.
Es wird aber auch der Gedanke erörtert, dah Hermann Müller seine Bemühungen fortsetzen könnte nunmehr in der Richtung eine- Kabinett - ohne Zentrum und der Der- tetlung der bisher dem Zentrum zugedachten Ministerien au’ die übrigen Parteien. Gegen einen solchen Plan bestehen in Kre len de: Deu i- schen DolkSpartei erheb.iche Bedenken, und auch Hermann Mütter hat seine Abneigung gegen ein Kabinett ohne Zentrum zum AuSoruck gebracht. D e die Dinge sich nun weiter entwickeln. hängt aber von der Unterredung ab, bie_ Hermann Mütter morgen mit dem Reichspräsidenten haben wrrd. Man nimmt an. dah die In itiative nunmehr beim Re ich s- vräf identen liegt. In später Abendstunde haben 'ich übrigen» überraschend die Abgeordneten Stegerwald und Esser vom Zentrum erneut zu Hermann Müller begeben. Die Besprechung war kurz vor 9 Uhr abends beendet. Auch sie hat nicht dazu ge’übrt, die zerrissenen Fäden wieder anzuknüpsen. so dah Hermann Müller nunmehr keinen anderen Weg steht, als seinen Auftrag morgen mittag dem Reichspräsidenten zurückzugeben.


