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Nr. WO Zweites Blatt Süetzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gbecheflenj Samstag, 28. April (928
Wie wir den Nordpol überflogen.
jRobinfonaöe im Eis. Don Kapitän K. A. Wiltins.
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® teen H a rbour (Spitzbergen-. 23. Avril.
Auf der Luche nach einem Landungsplay
Anderthalb Stunden lang flogen wir ununterbrochen durch dichte IBoIfenmalien. nur hie und da sahen wir einen dunklen Streifen von f a st eisfreiem Wasser unter uns. Wir rechneten aus. dast wir unS in der Nähe der Berge an der Nordspitze von Svalbard (Spitzbergen) befinden mühten, wenn der günstige Wind sich nicht inzwischen gedreht hatte. Aber selbst die höchsten Spitzen der Berge muhten, wie wir annahmen. von den Wolken verhüllt sein. Wir durften nicht versuchen, unter die Wolkenbänke herabzugehen, weil wir dann leicht gegen einen Berg stohen konnten. Unter Motor hatte sehr viel Benzin verbraucht. Wir wuhten jedoch, dah unser Brennstoff noch für zwei oder vielleicht drei Stunden reichen würde und dah wir. wenn wir auf klares Wetter fliehen, keine Gefahr laufen würden. Die Schwierigkeit war nur. eine wölken- und nebelfreie Stelle zu finden. Denn wir zu weit nach Osten gingen, fo muhten wir riskieren, dah wir fellrft bei einer glatten Landung zu weit in« Innere verschlagen würden, das aber hätte einen langwierigen und anstrengenden Fuymarfch übet Berge und Gletscher bedeutet. Dingen wir dagegen zu weit nach Westen, so wären wir vielleicht gezwungen gewesen, auf See niederzugehen. Die Wolken, die südlich vor uns lagen, schienen nichtiger zu fein. Wir hielten also Kurs auf Süden zu. in her Hoffnung. Bergspihen zu entbedcn und untere genauere Position fettzustellen.
In der Tat tauchten plötzlich zwei steil ansteigende Bergspihen, die saft wie Radeln auSsahen unter uns auf. Sofort gingen wir durch ein Wolkenloch in Spiralen hinunter, um uns die Gegend au« der Bähe besser anzusehen. Heber den schweren Wolken war die Luft sehr bewegt. Zwischen ihnen und darunter herrschte Sturm. Unter Fahrzeug, da« inzwischen fast leer geworben war, tanzte wie ein Kork auf sturmbewegtem Ozean. Alles, was nicht niet- und nagelfest wat. purzelte unb raffelte in der Kabine burcheinanber. Da ich nirgendwo einen festen Griff fand, konnte ich mich kaum auf meinem <5ih halten. Gyelsons Erfahrungen und Geschick zeigten sich jetzt im rechten Lichte. Das Flugzeug bockte mit abwärtSgetich- tetcr Aase und mit voll lausendem Motor wie ein ungebändigteS Roh, aber er teufete eS zu meistern. Dicht über der eiSbesüten Wasserfläche tobte ein wütender Orkan. Dom Sturm aufge- peitschter salziger Schaum erfüllte die Luft.
Tem rode entgangen.
lieber Land herrschte dickeS Schneegestöber, unb der Schnee wurde in dichten Wolken vom Boden aufgepeitscht. Wir konnten unS kein Dill) von den ffntfemungen machen, unb al« wir einmal wirst ich ein Fleckchen glatten Schnee sahen, war e« im Augenblick auch schon wieder vorüber. Plötzlich aber tauchte ein Berg unmittelbar vor un« auf. unb um ein Haar wäre e S um uns geschehen gewesen. Rur durch einen raschen Ruck am Steuer gelang eS. mit knapper Müde bet Gefahr unb dem lobe auszuweichen. Wir legten un« jetzt In einen rechten Winkel zu der Windrichtung unb suchten an« mit Mühe unseren Weg dicht über Bern Wasser. Bald stellte eS sich heraus, bafe bet Berg, dem wir anSgewichen waren, eine Insel war. Der Augenblick, in dem wir sie gesichtet hatten, war zu kurz gewesen, um festzustellen, tea« es eigentlich war. Da unser Benzin zu Ende ging, war es da« beste, un« wieder auf
•) Dgl. bcn 'Artikel in der gestrigen Ausgabe.
die Suche nach dem glatten Fleckchen zu machen, das wir vorher gesichtet hatten und dort eine Landung zu versuchen Ich ersuchte ff t) e l f o n. das zu tun. Obwohl er durch die GiaSwand vor sich, die vom Schnee und Oel völlig versteht war. kaum etwa« sehen konnte, gelang es seinem Geschick doch, den Punkt wiederzusinden und dort mit bcrldben Sicherheit zu landen, mit der er vor einem Jahre unser Flugzeug in der Rächt auf dem Eise bei Poini Darrow herunter- gebracht hatte. Die Windstärke war so groh. dah der Apparat kaum breifeig Fuh, nachdem die Kufen den Schnee berührt patten, schon stillstand
Glücklich gelandet.
Wir konnten nur wenige Fuh weit sehen, aber ein Eispickel war in der Kabine zur Hand, und mit feiner Hille stellten wir feft. dah wir uns
Ferne Häuser zu entdecken. Aber in der Arktis muh man mit Sinnestäuschungen rechnen, da ferne Schatten alle mögliche, Dinge vortäuschen. Wir konnten uns gar nicht oorfteilen, dah wir da« Glück gehabt haben sollten, bei der blinden Fahrt zwanzig Meilen von einer Siedlung nie- derzugehen. Bald setzte wieder Schneetreiben bei starkem Winde ein unb verdunkelte den Horizont Aber die Sonne blieb noch immer sichtbar, und eine zweimalige Berechnung unserer Prlllion mit dem Sextanten ergab, bafe wir un« in der Rahe der Spitze des Dorgebirges von King EharleS-Lanb. nicht weit von Green Harbour befinden muhten. Allerding« schien es un« kaum heilbar, bafe wir soweit nach Süden gelangt fein konnten Man muh dabei freilich bedenken, dah wir während der beiden letzten Stunden de« Fluge« nicht in der
WUkins Flug über den Nordpol.
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auf LandeiS befanden. Der Apparat war unbeschädigt. Wir waren also in Sicherheit. Unser Dauerflug von Küste zu Küste war beendet. Zwanzig Stunden unb zwanzig Minuten waren wir ununterbrochen in der Lust gewesen. Dichte treibende Rebel hinderten uns daran, unsere Position festzustellen. Das einzige, tea« un« zu tun übrig blieb, war also, un« den Schnee von den Kleidern zu llopfen. wieder in da« Flugzeug hineinzuktiechen unb auf gute« Wetter zu warten. Wir waren übrigen« weder sonderlich müde, noch fühlten wir Unruhe, denn wir waren überzeugt, dah e« nicht mehr weit nach K i n g « b a h oder Green Harbour sein könnte. Da« einzige waS im« beunruhigte, war, dah wir knapp genug Benzin hatten, um noch eine Stunde in her Luft zu bleiben. Jedoch hätten wir im schlimmsten Fasle marschieren ober uns ein Boot Zusammenzimmern und so menschliche Behausungen erreichen können. Schliehlich hätten wir auch an der Küste warten können. bt« ein Schiff vorbeigekommen wäre. Als wir erwachten, erblickten wir die Sonne burch Rebellchleier. Wir stellten fest, bafe wir un« allem Anschein nach a u f einer Insel befanden. Jenseits einer Strecke offenen WafserS glaubten wir. in der diesigen
Lage gewesen waren, die Drist sestzu- Itcllen ober eine Dermefsung der Windstärke ober Windrichtung durch Beobachtung deS Badens vorzunehmen. Wir wuhten nur ganz allgemein, bafe wir einen wütenden Westnorbwest-Sturm gehabt hatten.
Robinjonadc im Eid.
Während der nächsten vier Tage fanden wir keine Gelegenheit, unsere Position genauer aufzunehmen. G« herrschten starke Rord- unb Rorbwestströme. wobei der Wind häufig bis nach Süd- osten schlug, um dann wieder nach Norden umzuspringen. Schlimmeres FrühlingSteetter habe ich nie in her Polargegend angetrosfen. Dier Fuh hoch setzten sich ffis und Schnee über die Kufen unsere« Flugzeuge« an. Das aber war unser Glück, beim auf diese Weise toar der Apparat fest auf dem Gife verankert. Sonst wäre bas Flugzeug sicherlich vom Sturme losgerissen unb wahrscheinlich zerschellt worden. In der windsicheren Kabine hatten wir eS verhältnismähig gemütlich. 'Wir afeen Zwiebäcke und Schokolade unb rauchten unseren kleinen Dor- rat an Zigaretten auf. Im übrigen warteten wir gebulbig barauf, bafe ba« Wetter sich wieder ausllären sollte. Aber es dauerte biS Sonnabend früh um 3 Uhr, bis wieder Flugwetter eintrat. Um 3 Uhr standen wir auf unb hatten zunächst sechs Stunden damit zu tun, Eis und Schnee sortzuschaufeln, um eine Startbahn herzustellen. Wir waren entschlossen, zunächst aufzusteigen, auS der Höhe unsere Position genau festzustellen unb unseren KurS zu bestimmen. Unser Entschlufe. mit halber Fahrt auf Packeis zu landen, erwies sich als sehr richtig. In den Kanistern befanden sich jetzt noch ungefähr 80 Liter Benzin, aber mit diesem Ballast und un« beiden an Bord wollte sich die Maschine nicht um einen Zoll von der Stelle rühren.
Abenteuerlicher Ltart.
Schliehlich flctterte ich aus dem Flugzeug heraus unb schob eS am Schwanz an. In her Tat setzte fick die Maschine endlich in Bewegung. aber eS erwieS sich als sehr schwierig, wieder einzusteigen, während sie im Gleiten toar. Zuerst hängte ich mich an da« Trittbrett unb versuchte hineinzuklettem, fiel aber halb herunter. Ehelson. her au« dem Führerstanb nicht nach hinten blicken konnte, glaube, i ch f ei schon an Bord unb stieg auf. Als er eine Wendung machte unb mich mutterseelenallein auf hem ffis liegen sah, zog er einen Krei« und landete erneut Ich liefe nun die Strickleiter herab die wir für solchen Notfall an Bord hatten.
Otto Braun.
3u feinem 10. Todestage. Don Or. (kart Walbrach.
Am Morgen beS 29. Aprll 1918 fiel an der Front unweit VMerS-Dretonneux ein zwanzig- jähriger Leutnant, der Sohn von Lily Braun, der bekannten Derfalfetin von .Im Schatten der Titanen" und .Memoiren einer Sozialistin".
Julie Doge 1 stein, Lily« Freundin, stellte 1919 aus seinen nachgelassenen Schriften ein Buch zusammen, da sie meinte, die freie und vollen- bete Persönlichkeit Otto DraunS fordere, ..was sich wenigen offenbart, allen zuteil werden zu lassen." Aber eS ist doch wohl nur eine kleine Gemeinde geblieben, die gelegentlich wieder einmal nach dem Buch greift. Man mag heute nichts mehr vom Krieg hören, man hat sich mit dem Tobe der Gefallenen abgefunden, man denkt nicht mehr, ob dieser oder jener im Feld, oder ob er .klug' genug war. sich zu drücken und geistiger oder wirtschaftlicher Kriegsgewinnler zu werden — .sich zu sparen, sich zu schonen".
Da scheint eS angebracht zu sein, am 10. Todestag Otto Brauns einen Blick auf diese Persönlichkeit zu werfen. Heber fein Bild sagt Leute- ritz- ..Unerhörter Ernst großer Ereignisse, eine fast antike Ruhe spricht aus diesem Kops, der an die frühen Standbilder der Griechen gemahnt ... dieser Kops war eine Derheifeung mit dem Feuerzeichen des Genies."
Schon aö Neun- unb Zehnjähriger arbeitete Otto Braun nach einem System unb gelangte früh zu einer inneren Einheit. Das Dewufetsein, .einmal etwas Großes zu werden, leitete ihn und erfüllte ihn mit immer gröberem Verlangen. den Kreis feinet Erkenntnis zu crtocitem. Er treibt griechische Philosophie und deutsche Literatur: Kunstgeschichte und Naturwissenschaften beschäftigen ihn. Musik und Naturschönhtiten erschlichen chm neue Welten. Und diese Fülle verarbeitet er und weife sic produktiv zu verwerten: beim Produktivität ist seine hervor- ragenhfte "Begabung. .Das biofee Studium befriedigt mich nicht.' Mit Riesenschritten gehl seine Entwicklung vorwärts. Doch bei all Dem männlichen Ernst, mit dem er sich in Menschliches und Uebetirdisches, Vergangenes und Zukünftiges versenkt, bleibt er — Kind.
Das Gebiet aber. daS ihn von jeher am meisten beschäftigt hat. ist der Staat. Welt- und Kulturgeschichte. Philosophie und Literaturgeschichte, Altertum und Mittelalter, Staats- unb Privatrecht und Wirtschastskunde. all das dient ihm dazu, sich zum "Begriff vom Wesen des Staate« durchzutingen. 1909 trug er in sein Tagebuch ein: „Wir brauchen Leute, die ins Leben ein- greifen und tatkräftig sind, etwas Neues durch- zusühren. beim etwas NeueS kommt, das fühle ich. Schwer liegt es in der Luft wie Gewitterstiinmung, unb halb, recht halb wirb es hineindvnnem in di- Welt.... Donner klang schon manchmal durch die Lust, doch das große, wilde, kühne Wetter,. . das von Kleinheit unS befreit, war noch nicht. - doch bald wird es erscheinen." Und es erfchien, als 1914 der Krieg ausbrach, von dem Otto Braun meinte, er fei unserer ganzen Zeit und jedem einzelnen gegeben alS Feuerprobe, um uns alle zu Männern zu reifen, zu Männern für die später kommenden ungeheuren Jahre unb (Sreigniffe.
In einem Brief vom 2. August 1914 heifet e«: .... das Eine ist mir sicher: Deutschland kann nicht untergeben. Unb ich gründe diesen Glauben nicht wie die Prahler auf die Ueberzeugung von unserer Dollkommenheit und unseren Leistungen, sondern gerade aus dem Bewußtsein. bafe wir uns noch nicht erfüllt haben, erwächst mir diese Gewifeheit. Die Aufgabe, die uns geworden ist. ist schwer, schwerer als die anderer Doller, weil wir vielfacher, vielspäl- tiger sind...
Richt die hohe Kultur des einzelnen kann uns zur Dollendung führen: nur aus der groben Gestaltung des Lebens, der Gesamtheit, der Gemeinschaft wird uns die Erlösung unseres nähren Seins werden...
In diesem Sinne, für dieses Ziel will ich hinaus, das heiligste Gut zu schützen: Deutschland. Verächtlich und töricht scheint es mir. sich zu sparen, sich zu schonen. Die Griechen teufeten um bcn wahren Wert, wenn Aischylos es höher erachtete, bei Marathon mitgefochten zu haben, als ein Dichter zu fein. Für hie Erhaltung deutschen Wesens, für feine Erfüllung will ich kämpfen. Wer und was fönnte mich da zurückhalten!"
Leider ist es hier nicht mögllch. auch nur annähernd die bedeutsamsten Jahre seines Lebens I — als Frontsoldat — zu schildern. Wie er früher aus Büchern und Bildern alles für sich heraus» holte, um es sich mit eigenen Gedanken nahe-
zubtingen. so nimmt er jetzt daS Geschehen ringsum in sich auf. Unb all das findet feinen Niederschlag in "Briefen und Tagebüchern. Sein Lesestoff ist vielfältig: Homer und Goethe. Gras Schliessen und Bismarck. .... ich fühle, das; ich ein beschlösse cr Mensch werde und bafe bic Zeiten. Dergangcnhrit, Gegenwart unb Zukunft, mir zusammenwa^ en zu feft- gefrrmter Gestalt." — .Zwei Worte sink» eS, die ich jetzt vor allem liebe: Dienst unb Haltung. Dafe all unser Leben ein Dienst sei am Werk, heilig gefühlt, unb wir unser Dasein in vollendeter Haltung leben. Haltung, hier gelabt als durchgcbildcte Geistigkeit, innen glühend von Leidenschaft, aufien aber stahlhart gehämmert, in herrlichem Matze daS Matzlofe bergend, das scheint mir notwendig." — „... wie jedcr Teil aber bic eiserne Verpflichtung hat. fein Bestes daranzugeben, um der eigenen gerechten Sache zum Siege zu verhelfen. Hier handelt es sich um weit mehr als um das Wohl und Wehe vieler einzelner Menschen. eS handelt sich hier um die Existenz, die Freiheit unb Grotze vom Besten, was wir haben, unseres Vaterlandes, aus dem uns alles quillt unb dem wir alles verdanken." Am Weihnachtstag 1917 trägt er in fein Tagebuch feine Gedanken ein über das Höchste, was ein Mensch im Geben erreichen kann: ."Vorbild werden, ein solcher, der allein durch sein Dasein Welt unb Menschheit bestimmt.'" Gegen Ende heifet es: .Ein Mensch ist ja nicht wertvoll weder um feiner Worte, noch um seiner Taten willen, sondern nur um dessent- toitlcn, waS er wirklich und wahrhaftig i st."
3m November 1916 verwundet, mutzte er mehr als ein Jahr in der Heimat zubtingen. Er empfindet es alS tief unsittlich, während des Krieges fich längere Zeit auszuruhen, sich zu erholen.
Erst Witte Februar 1918 konnte er endlich wieder zur Front abreifen. Ende März wird er Ordonnanzoffizier. .Du kannst Dir denken", schreibt er an den "Batet, .dafe ich mich wahnsinnig ärgere... Ich wäre viel lieber in der Front geblieben, doch man ist Soldat und mufe gehorch«!." Unb schon am 29. April fetzte der Tod seinem jungen vielvetibrechenden Leben ein Ziel.
Seine militätischen Anlagen, vor allem aber seine Behandlung der Untergebenen, die instinktiv den gebotenen Führer erkannten, und sich ihm ob
unb beschloß. koste c« was cs wolle, mich an i h r 'e st zuklammern. Wieder starteten wir, unb al« bic Maschine mit immer höherer Schnelligkeit über ba« ffis taste, kletterte ich am Schwanz ende herauf unb versuchte, mich mit der Kraft der Derzweiflung bi« zum Cockpit vorzuarbeiten. Um besser klettern zu können, hatte ich keine Handschuhe an. Meine Hände wurden daher bald vor Kälte steif und ge ühltos Bl i t bcn Zähnen bist ich mich an den Sprossen der Leiter fest um nicht abzustürzen, ffnrlfon. der ba« Gewicht am Heck da« Apparate« spürte, glaubte, bafe ich sicher an Bord sei unb stieg auf. Gerade, al« sich der Apparat vom Doben löste, glitt ich au«, erhielt einen Schlag von bem Schwänzende des Flugzeuges unb wurde wieder in bcn Schnee geschleudert. Al« ich mich vom Schrecken erholt unb den Schnee au« Augen unb Mund weggetoischt batte, konnte ich seststellen. bafe ich mit ein paar locker geschlagenen Zähnen iwch glücklich baoonqc- kommen toar. Roch jetzt, während »ch diesen Bericht schreibe, kann ich jeden Dorderzahn mit meiner Zunge zum Wackeln bringen. Aber ich hoffe, bafe meine Zähne in ein paar Tagen teicbcr fest sitzen werden.....
Fortsetzung folgt.
Weli-oliiische parallelen.
Autzenpolitifchc Umschau
Don £)r. Otto Hoehsch, o. Pros, der Geschichte an der Universität Berlin, M. d. R
Das Ergebnis der französischen Wahlen am letzten Sonntag gestattet noch kein abgeschlossenes Urteil; denn von 612 Mandaten sind erst 180 sest besetzt. Ucber 432 entscheiden erst die Stichwahlen am 29. Bei der fflaftltät aber der französischen Wahlbestiminung.n und des franzöfischim Parlciwelens mufe man sich doppelt hüten, nach bem Ergebnis der Hauptwahlen den Wahlaussall überhaupt zu beurteilen oder gar die kommende Regierung schon vorauSzusagen. Wir sprechen daher besser heute überhaupt noch nicht davon.
Die Wahlbewegung hat den Fortgang des amerikanisch-französischen Gesprächs nicht gestört, nicht stören dürfen. Am 20. ist der französische Gegenvorschlag gegen Kellogg« Anregung in London, Tokio. Berlin. Rom und Washington überreicht worden. Frankreich kann darin nicht anders al« dem allgemeinen Derzicht auf den Krieg im amerikanischen Sinne zuzustimmen. Aber cs macht erneut feine bekannten Dorbchaltc. Diese betreffen daS Recht her legitimen Verteidigung, die Freiheit von den Derpflichtungen des Paktes, wenn er von einem der Beteiligten gebrochen wird, die Dorbchaltc aus bcmDölker- bunb, Locarno unb anderen Verträgen unb schliefe!ich die Universalität Da« letztere heifet, bafe 'Frankreich die Gültigkeit abhängig macht vom Beitritt aller Staaten, nicht nur der grofeen. sondern auch her kleinen Mächte
DaS ist in etwa« anderer Anordnung der alte Standpunkt Frankreichs von Hau« aus ES will nicht Acchtung des Kriege«, sondern .Sicherheit" der Verbündeten des Weltkriege«. sowie sie im Versailler Vertrag begründet wurde. ES richtet so. wenn man es sich durchdenkt, seine Vorbehalte vor allem gegen Deutschland — in der Prcsfekommenlierung werden auch gleich die Artikel 42 bl« 44 de« Versailler Vertrags herangezogen — unb c« nimmt so her Idee Kelloggv auch den letzten praktischen "Wert.
Run haben die anderen Staaten zwischen dem Vorschlag Rordarnetila« unb dem Frankreich« sich zu entscheiden Die deutsche Regierung hat abschliefeenb dazu noch nicht Stellung genommen. Aber wie Deutschland sich zu stellen hat. ist gar kein Zwci'ell Und Europa wird ja nicht vergessen dürfen, dafe die erste Macht der Welt hier spricht, bafe aus diesem Vorschläge Kelloggs, vielleicht mit Vorbehalten unb Einschränkungen, bestimmt etwas zustande kommen wird. Das Amerika von heute ist ein an»
seiner Anspruchslosigkeit, Ruhe und beilpicUoscn Tapferkeit unbedingt unterordnen, würden sehr gelobt, unb von seinem »vorbildlichen Wirken" spricht die Todesanzeige deS Balailion«. Gin Kamerad schrieb an den Vater: „Aus einem Beet zwischen blühe den Blumen haben wir chn gebettet, bis her Wagen zur Beerdigung kam. Friedlich war fein Gesicht unb unverletzt "
Zwei „Ober* marsch eren nach Genf.
Zwei Oberkellner, Leute, benen daS Lausen tagsüber nicht« Ungewöhnliches ist. find auf den originellen Einfall getommen, eine Fufetour von Berlin nach Gens zu unternehmen. So, tote sie in ihrem Beruf tätig sind, ohne Kopfbedeckung, im Frack mit schwarzer Binde, begannen sie dieser Tage einen „Spaziergang". Eine grotze Zahl von Freunden, Kollegen unb Schaulustigen hatte sich schon zeitig im Klublokal der Sektion Berlin des Internationalen Genfer Verbände« der Hotel- und Restaurantanzestelllcn, von wo her Start erfolgte, eingefunden. Ein Dutzend Photographen und Filmoperaieure machte eifrig Aufnahmen von den beiden Untemehmungs- lustigen, die übrigens den gröfeten und den kleinsten „Ober" her Sektion repräsentieren, denn der eine, Oskar Ritz'che, ist nicht weniger al« 2,02 Meter grofe unb 31 Jahre alt. während sein „Mitläufer", Reinhold Wirt, nur 158 Meter mifet und 27 Jahre zählt Rachdem die opw« lente „Henkersmahlzeit" eingenommen und die Verträge mit der Sektion unterzeichnet waren, widmete der Geschäftsführer her Sektion den beiden Kollegen freundliche Abschicdswortc und wünschte ihnen glückliche Reise und besten Erfolg. Punkt 1 Uhr erfolgte im Beisein einer grofeen Menschenmenge der Start. Die bisher im Zoo- Restaurant beschäftigten Oberkellner, die toeifee Armbinden und Plakate mit der Aufschrift „Berlin—Gens" trugen, erreg en auf ihrem Vfegc durch die Strafeen Berlins naturgemäfe überall grofees Aufsehen. Sie sind verpflichtet, keinerlei Fahrgelegenheit zu benutzen und erwerben ihren Unterhalt lediglich durch den Verkauf von 2n* sichtskatien. Die 1500 Kilometer lange Route führt über Potsdam. Bitterfeld. Halle, Wetie- burg, Fulda. Hanau, Frankfurt a. M., Mainz, Worms, Heidelberg, Zürich, Luzern, Bern nach Genf, wo die beiden Läufer 2Hittc Juni einzu- treffen gedenken.


