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Dirigenienkursus in Södel.

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bzw. ein Jahr drei Monaten.

di« LHeorie in die Praxis an HegarsJung Volker" und drei Schubert-Chören um. Hierauf chloss der Vorsitzende des Wetterau-Sänger- »undes die Tagung, dankte Herrn W e r l 6 für eine lehrreichen Ausführungen und gab der Hoffnung Ausdruck, dah in absehbarer Zeit ein Crgänzungskurs stattfinden möge, der von allen Teilnehmern lebhaft begehrt wurde.

Sprechstunden der Redaktion.

12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen.

Jür unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigefügter- Rückporto wird keine Gewähr übernommen

An;eigenousträae sind lediglich an bte Geschäftsstelle $a richten

Schöffengericht Wetzlar.

Q Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wurde ein 20jähriger Fuhrmann aus Wetzlar wegen Sittlichkeitsverbrechens, begangen an einem neunjährigen Mädchen, zu >Ve Jahren

SeMUWWimmMn erfordern stets eine sorgfältige Textgebung und Latzausstattung. Gute Satzleistungen sind nur erreichbar, wenn die Anzeigen Will genug aufgegeben werden. Der Annahmeschluh für atte Anzeigen im (Siebener Anzeiger entfallt aus den Nach­mittag vor der Ausnahme. Empsehlungs. anzeigen müssen, je nach Umfang und Satz- schwterigkeiten, zwei bis drei Tage vorher bestellt jein. Nur mit Sorgfalt und dem not­wendigen Zeitaufwand gesetzte Empfehlungen

Men den eaoiMM tolg!

Eisenbahn- Frachtverkehr werben voraussichtlich am l. Oktober 1928 neue deutsche und inter­nationale Frachtbriefe eingeführt werden. Die bisher gültigen Vordrucke können nicht aufge­braucht werden, so dass sich eine Bedarfsdeckung über den 30. September 1928 hinaus nicht emp- stehlt.

" (Sin Schaufen st erdiebstahl wurde in der letzten Vacht zwischen 4 und 5 Uhr in dem Konfektionshaus C. Frensdorf verübt. Dort zertrümmerte ein Mann von mittlerer Grösse mit einem schweren Gegenstand eine der grossen Erkerscheiben und entwendete aus der Schaufensterauslage mehrere Kleidungsstücke, mit denen er sich schleunigst aus dem Staube machte. Die polizeilichen Vachforschungen nach dem dreisten Spitzbuben sind im Gange.

* 50000 Mark in der Lotterie ge­wonnen und doch verlöre ir. Ein Ein­wohner von Vieder-Florstadt (Kreis Friedberg) besah, wie uns von dort berichtet wird, ein Los der Wohlfahrtslotterie. Vach der ersten Ziehung holte er sich eine Gewinnliste, auf der er seine Vummer nicht fand, worauf er das Los zerriss. Später merkte er, dass auf seine Vummer der Haupttreffer mit 50 000 Mark gefallen war. Trotz aller Mühe konnte er bis jetzt nicht in den Besitz des Geldes kommen, da er das Los als Aus­weis nicht mehr besitzt.

''Zeichenausstellung in derGoethe- schule. Einen interessanten Einblick in den modernen Zeichenunterricht in der Volksschule konnten die Besucher der Zeichenausstellung im Zeichensaal der Goetheschule am Samstag und Sonntag gewinnen. Die Zeichenlehrerin, Frl. Grobe, hatte eine Auswahl aus den Arbeiten der Mädchenschule getroffen, die in übersicht­licher Anordnung den stufenweisen Aufbau des Unterrichts erkennen liess. Den Arbeiten aus dem fünften Schuljahr als Beginn des systematischen Zeichenunterrichts war mit Vecht die sorgfältigste Aufstellung zuteil geworden, denn vom künst­lerischen Gesichtspunkt aus sind hier die über­raschendsten Vesultate erzielt. Das Vaturzeichnen seht im sechsten Schuljahr ein. Einige verblüf­fend charakteristische Blumenzeichnungen wurden als Proben gezeigt, ebenso eine Anzahl Figuren in Skelettmanier. 3m siebenten Schuljahr beginnt die individuelle Erziehung der Begabungen. Es lagen neben exakten Vaturstudien vor allem eine Menge in modernem Sinn aus Werk­zeug und Rhythmus entwickelter Ornament­schöpfungen vor, zum Teil auch als Stickereien und Druckmuster verwendet. 3n den Klassen mit erweitertem Lehrziel endlich überraschte das plan­volle Arbeiten mit Farbreiben und deren An­wendung auf verschiedene Motive mit starkem Stimmungsgehalt. Die Ergebnisse des Vatuv- zeichnens waren daneben in äusserst sorgfältigen, aber nicht kleinlich gesehenen Blättern vertreten. So nehmen die Schülerinnen eine gründliche Vor­bildung mit auf den Weg, der sie vielfach in kunsthandwerkliche und andere Berufe führt, die nicht nur Begabung, sondern auch Vertrautheit mit den künstlerischen Grundelementen erfordern. Es ist daher zu begrüßen, dass der Zeichenunter­richt an den Volksschulen gänzlich in die Hände der Fachlehrer gelegt wurde. Dah die Ausstel­lung den Willen zu modernen Unterrichtsgrund- sähen erwiesen hat, werden alle interessierten Besucher der Goetheschule und ihrer Zeichen­lehrerin anerkennen.

LU Von der Landesuniversität Giessen Der ausserordentliche Professor an der Universität Marburg D. Dr. W. Baumga r t- ner hat den an ihn ergangenen Ruf, an Stelle des nach Halle gehenden ordentlichen Professors für Altes Testament D. Hans Schmidt, ange­nommen. .

* Don der Oberpostdirektion Darm­stadt Dem bisherigen Abteilungsdirektor der Frankfurter Oberpostdirektion, Leister, ist vom 1. April ab die Leitung der Oberpostdirektion Darm­stadt übertragen worden.

- Eine öffentliche Stadtvervrd- netenfitzung findet am nächsten Frertag, nachmittags 5.51 Uhr beginnend, im Sitzungs­saal« im Stadthaus Bergstrasse statt. Auf der Tagesordnung stehen u. a. folgende wichtigere Vorlagen: Beseitigung der Dorgärten m der Frankfurter Strasse. Umgestaltung der West­anlage. Gebührenordnung für die Benutzung der städtischen Strahenreinigung. Gebührenordnung für die Benutzung der städtischen Mullabstchr. Urbarmachung von früherem Waldgelande beim Flughafen. Wochenmarktvrdnung der Stadt Giessen. ,,,,,

" Kreisausschuß Greße n. Am nächsten Samstag, 31. März, vormittags 9 Uhr beginnend findet im Sitzungssaal des Vegierungsgebaudes dahier eine öffentliche Sitzung des Krersaus- schusses mit folgender Tagesordnung statt: 1. Be- testigung eines Flutgrabens m der Gemarkung Oueckborn auf dem Grundstück des Gas- und Wasserwerks der Stadt Giessen; 2. Turbinen- anlagc des Mühlenbesitzers Zimmer zu Grün-

Man doli neu-Wett st reit in Vie- s- c n. Der Mandolinen- und Gitarven-Berein Veapolita" veranstaltet am 5. und 6. Mai in der Volkshalle einen großen Mandolmen-Wett- streit, an dem sich 23 Vereine beteilig^ werken, während ebenso viele Vereine als Doste teil- nehmen wollen. Am SamStag, o. Mai soll m der Volkshalle ein Festtonuners statt finden, für den u a. der Bauersche Gesangverein. der Ge- fang»e«ülSeiterieit", die schäft (Tv. 1846 und Wtv.), fotoie dre Rad° sahrer-Vereine 1895 undGermania 'hre Mtt- ttHrfung zugesagt haben. Der festgebende Derem selbst beabsichtigt, schon bei dieser Gelegenheit mit einem grösseren Chor hervorzutreten. Zur Zeit wird von den Ausschüssen eifrig an der Vorbereitung des Feste« gearbeitet Man darf der Veranstaltung mit besonderem 3ntcresse ent*

tbrief-Bordrucke Mit Gültig- feit her neuen Eisenbahnverkehrsordnung unö de« neuen internationalen Uebereinkommene über den

Amtsgericht Gießen.

Giessen, 20. März. Eine in einem benach­barten Orte begangene Milchverfälschung gröbster Art stand heute zur Verhandlung. Die Angeklagte, eine Landwirtsfrau, räumte un­umwunden ein, in drei kurz aufeinanderfolgenden Fällen der an einen Milchhändler abgelieferten Milch Wasser zugesetzt zu haben, damit die Milch, an der es ihr gemangelt habe, das mit dem Milchhändler vereinbarte Quantum erreiche. Sie behauptete aber, es habe sich nur um gering­fügige Wassermengen gehandelt. Wie das che­mische Untersuchungsamt feststellte, waren jedoch die Wasserzusähe bedeutend. In einem Falle waren über 60 Teile Wasser auf 100 Teile Milch zugeseht worden. Dazu kommt, dass das zugesetzte Wasser hygienisch durchaus nicht einwandfrei gewesen ist. Hiervon hatte allerdings die Angeklagte keine Kenntnis. An­dernfalls wäre die Strafe zwei Wochen Gefängnis bedeutend höher bemessen wor­den. Die Tatsache des Zusatzes von nicht einmal einwandfreiem Wasser beweist, welchen großen Gefahren in gesundheitlicher Beziehung die Kon­sumenten von verfälschter Milch ausgesetzt sind. Mit Rücksicht aus die Gemeingefährlichkeit, die in der Handlungsweise der Angeklagten lag, konnte daher das Gericht, trotzdem diese seither un­bescholten war und offensichtlich große Veue an den Tag legte, auf eine Ge dstrafe. mochte diese auch hoch sein, nicht erkennen.

Eine Handelsfrau aus Frankfurt a. M. sollte die über den Gewerbebetrieb im Um - herziehen bestehenden Bestimmungen verletzt haben. Sie hatte in der Vähe des hiesigen Bahnhofs von Frankfurt mitgebrachtes Obst verkauft, befand sich aber im Gegensatz zu ihrem Ehemann nicht im Besitze eines Wander­gewerbescheins. Sie meinte, wenn ihr Ehemann, der sich zufällig auf kurze Zeit in die Stadt be­geben hatte, einen solchen besitze, sei den gesetz­lichen Bestimmungen Genüge getan. Die Ange­klagte irrt aber; sie wurde in der Verhandlung eines anderen belehrt, denn ohne eigenen Ge­werbeschein durfte sie nur in Anwesenheit ihres Mannes verkaufen; sie hätte nicht einmal selb­ständig verkaufen dürfen, wenn sie als Gehilfin oder Begleiterin in den Gewerbeschein eingetra­gen gewesen wäre. Eine geringe Geldstrafe schien angebracht.

Gefängnis verurteilt.

Wegen Vergehens gegen die Reichs­versicherungsordnung stand der Ge­schäftsführer eines Wetzlarer Unternehmens unter Anklage. Es wurde ihm zur Last gelegt, als Arbeitgeber Beiträge zur Kranken-, Invaliden- und Arbeitslosenversicherung, die er den bei ihm beschäftigten Personen bereits vom Lohn ein* behalten hatte, nicht ihrem Zweck zugeführt bzw. nicht für die betr. Versicherungen verwendet zu haben. Der Angeklagte bestritt, vorsätzlich gehan­delt zu haben. Er schilderte, dass die Firma in­folge ihrer schlechten finanziellen Lage nicht ihre Arbeiter und Angestellten bezahlen konnte, auch sei inzwischen der Schaden wieder gutgemacht. Er erhält 100 Mark Geldstrafe, hilf«- weise 10 Sage Gefängnis. Der Angeklagte ver­zichtete auf Einlegung der Rechtsmittel.

Drei Arbeiter aus Wetzlar hatten sich wegen gemeinschaftlichen Diebstahls im Rückfa/l bzw. einfachen Diebstahls zu verant­worten. ES wurde ihnen zur Last gelegt, aus einem Auto, das am Llbeud des 14. Vovember 1927 vor dem Hotel Kaltwasser in Wetzlar stand, einen Koffer mit Inhalt (Wäsche und Anzüge) im Werte von etwa 500 Mark ent­wendet zu haben. Während einer der Ange­klagten Schmiere stand, gingen die anderen bei­den zum Auto, einer öffnete die unverschlossene Tür, und der andere lud sich einen Koffer auf und verschwand. In den Gärten der Schleusen- ftraße untersuchte letzterer seinen Raub, indem er einfach den Koffer mit dem Messer zerschnitt, diesen in den Schleusenkanal warf, den Inhalt an sich nahm und in seine Wohnung brachte. Anfangs wollte er, entgegen der Verabredung, die Deute alleine behalten, und sagte seinen Komplizen, der Inhalt des Koffers seien nur Stoffmuster. Doch als schließlich die Zeitungen Mitteilung Über die gestohlenen Gegenstände brachten, war es nicht zu umgehen, den anderen beiden gegenüber Farbe zu bekennen. Alle drei schafften dann die Deute in einem Sack in die Wohnung eines der Langfinger, wo fie ver­steckt wurde. Gelegenllich einer Haussuchung durch die Polizei, die bereits Verdacht gegen einen Angeklagten hatte, wurden die gestohtenen Gegen­stände gefunden. Hierbei fand man auch Wäsche­stücke, die aus einem vorher begangenen Dieb­stahl herrührten. Bezüglich des Kofferdiebstahls waren alle Angeklagten geständig. Das Urteil lautete wegen gemeinschaftlichen Diebstahls gegen einen An ^klagten auf ein Jahr Gefäng­nis. gegen die anderen, da Rückfall vorliegt. auf Zuchthausstrafen von ein 3a6~

tung die Dobelehrerin Frl. S t r i e d i n g e r be­teiligt war, zeigten, wie sich Vatürlichkeit, Schön- hett, Kraft und Lebendigkeit aus dem elementar einfachen Aufbau der Bodegymnastik ergeben. Man erlebte mit Staunen die Einfachheit der Bewegungsstruktur, die dennoch zu einem uner­schöpflichen Formenreichtum führt. In systema­tischer Reihenfolge wechselten Laus-, Schwung- und Widerstandsübungen ab. Voraus gingen einige Entspannungsübungen, welche eine ..Be­wegungsmedizin" darstellen, aber nur in kleinen Dosen verabreicht werden sollen. Die Tief- schwünge fesselten durch die Genauigkeit im Wechsel von Spannung und Entspannung und durch die ruhige Wucht, die Hochschwünge mit der Welle hatten etwas Mitreißendes, dem sich wohl kein Zuschauer entziehen konnte. Die vor- sührenden Damen zeigten eine Beherrschung und Durchbildung der Bewegung, in welcher Schön­heit. Ruhe und lebhafte Kraft gleichstark ent­wickelt waren. Bei allen Bewegungen, wie Druck- betoegung, Streichen, Seitschwünge, Achter­schwünge. Arbeitsbewegungen u. a. traten stets die gleichen Merkmale der Bodegymnastik hervor: Vatürlichkeit, Ruhe. Kraft, Lebendigkeit, über denen teilweise herrliche Leichtigkeit lag. Am Klavier begleitete Herr Hartung klar und schwung­voll im Sinne der Bewegungen.

Kirche und Schule.

Dorfkirchentag in Nidda.

nd. V i d d a , 27. März. Auf dem gestern nach­mittag imGarnbrinus" hier abgehaltenen Dorfkirchentag des südlichen Oberhessens sprach Prof. D. Hans Schmidt aus Giessen über seine Erlebnisse während eines Aufent­halts in Palästina. Vach kurzer Schilde­rung der Bodengestaltung dieses Landes be­richtete der Vortragende in fast zweistündiger Rede über das geistige und leibliche Volkstum der jetzigen Bewohner Palästinas. Eingehend hat er in den Hütten der Dauern, die teils Moham­medaner, teils Christen der verschiedenen Be­kenntnisse sind, die religiösen Erzählungen, die neckischen Schwänke und die Märchen dieser Leute, die durch mündliche Überlieferungen er­halten geblieben sind, gesammelt. Die aus ihnen sprechenden Lebensweisheiten, Willensrichtungen zum Guten und Tugenden (Gastfreundschaft usw.) zeigte der Redner an einigen Beispielen, die er von Bauern gehört hatte. Deutlich lieh sich ein jüdisch-mohammedanischer Einschlag feststellen und nicht selten eine Parallele zu unseren deut­schen Märchen finden. Der zweite Teil des Vor­trags wurde durch selbst auf genommene Licht­bilder des Vortragenden veranschaulicht und be­handelte das leibliche Volkstum in bezug auf Wohnungen, Wasserversorgung, Kleidung, Vah- tung, Sitten und Gebräuche der Bewohner Palästinas. Für die höchst lehrreichen Vortrag erntete der Redner den vollen Beifall der mehr als 100 Zuhörer. Dekan 6eriba von hier, der Vorsitzende der Dorfkirchenvereinigung, gab dem Dank der Versammlung in herzlichen Worten Ausdruck.

Berliner Börse.

Berlin, 28. März. (WTB. Funkspruch.) Die Tendenz des heutigen Frühverkehrs ist abwartend, das Geschäft wieder gleich Vull. Vorläufig werden gestrige Abendkurse gesprochen I.-G.- Farben 248 bis 248,5 und Glanzstoff 728. Am Devisenmarkt nennt man Paris gegen London 124,02, Mailand 92,40, Madrid 29,12, London gegen Kabel 4,8815 bis 4,8820 und die Reichs­mark gegen Kabel 4,1813.

- Dvgtfche Handelsschulen. Wie uns von der Schulleitung berichtet wird, schließt das Schuljahr am 30. März. Mehr als 200 Schüler haben in diesem Jahre die Vogtschen Handels­schulen in Gießen und Herborn besucht. Eine große Anzahl gut vorgebildeter junger Leute tarnt wiederum der kaufmännischen Praxis zu- geführt werden; 70 Prozent der Schulbesucher wollen in den kaufmännischen Beruf eintreten, 20 Prozent betrachten ihre Kenntnisse lediglich als wertvolle Bereicherung ihrer Allgemeinbil- bimg, 10 Prozent gehen in andere Berufe (Ge­werbe und Landwirtschaft) über. Die Fachausbil­dung in den Vogtschen Anstalten ist, wie in dem Bericht betont wird, in verschiedener Richtung weiter verbessert worden. Wan hat Sonder- unterrichtslehrgänge für wichtige Spezialfächer eingeführt, so besonders für stenographische Fortbildung, um hohe Leistungen für gut Be­fähigte zu erzielen; Leistungen bis zu 200 Silben in der Minute wurden hierbei erreicht. Ferner sind Sonderlehrgänge für Dureaumaschinen ge­schaffen worden, die gleichfalls für die Ausbil­dung der Schüler von wesentlicher Bedeutung sind Auch aus dem Gebiete der Buchführung, des Schriftverkehrs und der Handelskunde haben bedeutende Unterrichtsverbesserungen Platz ge­griffen. Die Schulentlassung findet am 30. März statt.

Aufführung der Bodefchule für Körpererziehung. Die hiesige Ortsgruppe des Bundes für Frauenkleidung und grauen- iultur hatte wie man uns berichtet, im Rahmen ihrer Frühjahrsmesse im Cafö Leib zu einer Vorführung der Bodeschule für Körpererziehung unter Leitung von Rudolf Hartung, Mit­arbeiter der Bodeschule, eingeladen, der schon das zweitemal mit einigen Schülerinnen der Dodelehrerin Frl. Striedinger - Frankfurt in Gießen an die Oeffentlichkeit getreten ist. Hartung sprach einleitend überVatürlichkeit und Lebendigkeit in der Bodegymnastik", wozu er einige Ueoungsbeisviele erläuternd ausführte. Vatürlichkeit ist gleichbedeutend mit Schönheit. Beides ist aber nur zu erreichen durch unbe­dingte Beseitigung alles Ueberflüssigen in der Bewegung, als da sind: Geziertheit, betonte Ab­sichtlichkeit und alle Arten von Hemmungen in den muskulären Funktionen. Der Vortragende zeigte an einer weitausholenden Streichbewe­gung, wie leicht durch affeltierte Handbewegun­gen, usw. eine völlige Zerstörung des Bewe­gungsbildes bewirkt wird. Die Ursache liegt nach seiner Ansicht in der zu starken Gebundenheit des Erwachsenen, des Anfängers an das Mus­kuläre. Materielle des Körpers, in welcher Art die Psyche des Kindes noch nicht gefesselt ist. Das Kind lebt unmittelbar in Bewegungen, aus denen der Erwachsene mittels falscher Gewöhn- hellen und verstandesmäßiger Reflexionen her- ausgetreten ist. Das Lebendige ist ihm ver­lorengegangen. Damit leitete der Redner über zu den Bedingungen lebendiger Bewegung, als deren wichtigste er die Kraft, den Schwung und die Genauigkeit angab. Die Kraft ist nicht von Biceps, gewaltigen Schenkeln u. a. Muslelbundeln abhängig, sondern von der Einheitlichkeit (Tota­lität) der Bewegung. Es wurde gezeigt, an Hand von zwei Hebungen, zu welcher Wucht man gelangt durch sichere Leitung des Körper- aewichts, und zu welcher freien Haltung die gut entfaltete Streckung, die Welle, fi^rt. Die folgenden UebungSgrupven. an deren Einarbei-

L Melbach, 27. März. Durch die Zentral­stelle zur Förderung der Volksbildung und Ju­gendpflege wurde am Samstag und Sonntag in Södel durch Studienrat W e r l ö (Mainz) ein Dirigentenkursus abgehalten, an dem eine größere Anzahl Dirigenten der Umgebung teilnahm. Der Leiter des Kurses, der einen reichhaltigen Arbeitsplan aufgestellt hatte, ver­stand es, durch seine interessanten und lehrreichen Worte die Hörer zu fesseln und ihnen manchen Fingerzeig für die praktische Arbeit öabeim zu geben. Zunächst sprach er überDas Volkslied als Faktor des nationalen Kulturlebens". Er zeigte Wesen. Ursprung, Fortpflanzung, die Wandlung seit den früheren geistlichen Gesängen, die Einstellung auf das seelische Empfinden des Volkes und die Eigenart in den einzelnen Jahr­hunderten. Weiterhin führte er in diePhysio­logie der Stimme" ein und zeigte die Wege, die in stimmbildnerischer Hinsicht zu beschreiten sind. Der dritte Vortrag galt dem großen Komponisten Franz Schubert, wobei der Leiter die Teil­nehmer auf die Volkstümlichkeit dieses Meisters in seinen Sologesängen und Männerchören hin­wies und insbesondere zeigte, welch aufogroröent- lich tiefes seelisches Empfinden in fast allfn Liedern dieses Komponisten schlummert. Vach der Abcndpause überbrachte Lehrer Gönner im Auftrage des erkrankten Bürgermeisters die Grüße an den Leiter und die Teilnehmer der Tagung. Sodann hielt der Vorsitzende des Wetterau-Sängerbundes eine Begrü­ssungsansprache. in der er auf die Bedeutung solcher Kurse einging, durch die in höchstem Maße das musikalische Leben auf dem Lande ge­fördert und so ein großes Stück VolkSbildungs- arbeit geleistet werde. Zur Ausschmückung des offiziellen Teiles trugen die GesangvereineEin­tracht" (Södel) undLiederkranz" (Melbach) bei. Am Eonntagvorinittag führte der Leiter die Hörer in praktische Laut- und Stimmbildung, musikalische Gehörbildung und in die Art des Dirigierens ein. Sämtliche Ausführungen riefen lebhaftes Interesse hervor und ließen erkennen, in welch ernstem und zielsicherem Streben der Leiter durch jahrelange Arbell leicht gangbare Mittel und Wege gesucht und gefunden hat. Vachmittags führte er die Hörer noch tiefer in die musikalischen Schönheiten Schuberts ein und zeigte die Mittel, mit denen Schubert die tiefsten seelischen Stimmungen herausgearbeitet hat. An­schließend sichtete er den grossen Schatz der Männerchorliteratur. In der Chorstunde am Samstagabend und am Sonntag setzte bet Leiter

Aus her Provinzialhauptstadt.

Giessen, den 28. März 1928.

Licht und Schatten.

ES ist ein wundersames Spiel zwischen zwei Elementen, dem strahlenden, freundlichen Licht und den dunklen, beengenden Schatten. Heber- all begegnen wir ihm, aber nur selten haben wir Zeit, es zu beachten; immer ist es reizvoll, aber nur das Auffällige prägt sich uns ein. Da fällt das Licht machtvoll durch breite Fenster­scheiben in einen Raum, flutet über Möbel hin, wirft ein brelles Band von Sonnengold auf den Boden und springt zur Decke, flackernde Kringel malend. Dicht daneben aber kauern sich oic Schatten hin, verstecken sich hinter scharf­kantigen Schränken und lassen sich in weiche Bolster fallen, bemühen sich um einen Farbton und bringen es doch nur zu gebrochenen Farven.

Licht und Schatten! Strahlenfülle fällt in ein geräumiges Zimmer des Krankenhauses. Helle Wände, weiße Wäsche, Blumen. Also Licht, das doch Symbol der Freude ist. Aber mit schmerz- verzerrten Zügen ruht in den Kissen eine Frau. Sage und Rächte hindurch hat sie sich in Qualen gewunden, bis man sie diesem Asyl zuführte. Die Blicke sind wie erloschen, kein Hoffnungs­schimmer leuchtet aus ihnen. Vorbei! Ganz ruhig denkt die Frau dieses Wort, und sie hat doch auch einmal dem Leben entgegengefiebert und konnte nicht genug der Freude und des Lichts an sich raffen. Sie denkt nur noch: Ich bin so müde, und es ist gut, wenn es bald vorüber ist. Licht? Schatten?

Zur selben Stunde in einer stillen Gastwirt­schaft. Durch bunte Fensterscheiben zwängt sich nur mattes Licht herein. Der Raum ist in Schatten gehüllt; kaum dah die weißen Tücher auf den Tischen den Raum ein wenig freundlicher und lichter gestalten. 3m Winkel, der die dun­kelsten Schatten aufweist, ein junges Paar. Sie hatten einander bei den Händen, sehen einander in die Augen, und es ist, als ob Funken aus diesen Augen sprühen, so viel Glück ist in ihnen, so viel gegenseitige Bewunderung. Heimliche Liebe, die süsseste von allen, die hier ihre Zu­flucht gesucht hat. Schatten? Was kümmern sie! Licht ist um die beiden, viel Licht, dass sie die Schatten brauchen.

Es sind überall Gegensätze im Leben und in der Vatur. Aber jede Kreatur hat ihr Recht auf ein wenig Licht und Freude. Die Schatten kommen von selbst. Und nur der weih das Licht und die Freude recht zu schätzen, der sie beide besah und im Dunkel gehen muh. Vur allzuschnell verkehrt sich das eine in das andere, aber schneller und leichter ist der Sturz als das Steigen.

Daten für Donnerstag, 29. März.

Sonnenaufgang 5,45 Uhr, Sonnenuntergang 18,23 Uhr. Mondaufgang 10.39 Uhr, Mond- untergang 3,09 Uhr

1735: der Märchendichter Johann Karl August Musäus in Jena geboren (gest. 1787); 1826: der Sozialist Wilhelm Liebknecht in Giessen ge­boren (gest. 1900); 1840: der Afrikareisende Emin Pascha (Eduard Schnitzer) in Oppeln ge­boren (gest. 1892); 1863: der Schriftsteller Georg Frhr. v. Ompteda in Hannover geboren; 1918: Der Vovellist Tim Kröger in Kiel gestorben (geb. 1844).

Bornotrzen.

Tageskalender für Mittwoch: Stadttheater: 7.30 UhrBrand im Opernhaus" (Ende 9.15 Uhr). Bund der Kolonialfreunde: 8 Uhr, Cafe Leib, Protestversammlung gegen die Annektion Deutsch-Ostafrikas. -- V. f. B.: 8.30 Uhr, Vereinsheim (Waldsportvlatz) Monats-Der- fammlung. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: ..Pat und Patachvn in Pelikanien'. Astoria-Licht- spiele:Der Grenzreiter".

Volkshochschule. Kommenden Freitag- abend Schluhabend des Wintersemesters. Näheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich.