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m 59 Drittes Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Dienstag, 28 Februar {928

Es zogen drei Burschen wohl über den Mein .... Roman von Erica Grupe.Lärcher.

55 Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Nach Tisch flössen die Gruppen durcheinander. Mit Rücksicht auf die alte Dame und die kostbare Einrichtung verzichteten die Herren auf ihre Stunde im Rauchzimmer. So gab es in den beiden vorderen Salons ein zwangloses Plauderstündchen, während die Dienerschaft eilig im großen Speise­saal abdeckte, um zum Tanze auszuräumen. Für einen großen Teil der Anwesenden bildete das junge Paar den mittelpunft. Man unterhielt sich über den Wohnsitz der Neuvermählten. Herr Fabrikant Amberger hatte für seine Tochter rm neuen Villen­viertel von Straßburg, nahe der herrlichen Oran- oerie, eine Villa von einer der ausgewiesenen Boche- Fcrmilien gekauft. Mit allem Mobiliar. Zu einem Spottpreise! Gott, viele dieser Boches waren hrof), wenn sie ihren Besitz noch vor der Ausweisung in Geld umsetzen konnten! Später bekamen sie ja doch nichts mehr ausbezahlt!

Melusine glitt aus den Salons. Sie war erhitzt, war ermüdet, war traurig. Als sie den Gang herab- schritt, blieb sie sekundenlang vor einer Tür stehen, die Hand bereits auf die Türklinke gelegt. Hier an dieser Stelle hatte sie damals, an jenem Dezember­nachmillag, gestanden, an die Wand zurückgelehnt, die Augen vor Erschöpfung und Erregung halb ge­schlossen, und hatte gelauscht, ob es drinnen im Zimmer gelingen würde, den jungen Freund ihres Bruders wieder zum Leben zurückzurufen?

Sonderbar, wie doch die Vergangenheit mit ihren Schatten, mit ihren Gestalten und Ereignissen im­mer wieder vor einem aufttieg und sich in die Ge­genwart drängte! .

Raymond war zu ihr hinausgetreten und patte ihr gesagt:Er ist gerettet! Wenn er nicht wieder aufgewacht wäre, Melusine, ich glaub, ich hätte in meinem Leben nie wieder ganz froh werden können!"

So eng war er schon damals mit Dietwort, ver­bunden. und dann jene Stunde droben im Lazarett von Bezay, da er in der tödlichen Gefahr lag hatte er nicht ihre Hand ergriffen und die von Dietmar! und gesagt:Was auch kommen möge, nicht wahr, wir drei wenden unzertrennlich zusam-

Turnen, Sport und Spiel.

SolKturnen im Mttelrheinlreis der Ä.T.

1 Mit'dem Volksturnen in unserem Turnkreis beschäftigte sich in Anwesenheit deS Kreisober- turnwarts Frey (Mainz) der Dolksturnaus- schuh des 9. Kreises in einer Sitzung zuRüdeS- heim a. Rh. Der vom Kreisvolksturnwart Kramb (Kreuznach) erstattete Jahresbericht nahm auch kritische Einstellung zum KrciSturn- fest in Darmstadt. Für die Zukunft müßten im Interesse einer glatteren Abwicklung der leicht­athletischen Einzel- und Mehrkämpse manche Aenderungen getroffen werden. Zunächst soll er­wirkt werden, daß diese Kämpfe bereits am Eonntagvormittag beendet sind, um nach dem Festzug die Dolksturner restlos den allgemeinen Freiübungen zusühren zu können. Der volks­tümliche Fünfkampf, der in Gießen sowohl als auch in Darmstadt zum Schluß des Festes am Montagnachmittag erledigt wurde, soll am Dormittag schon durchgesührt werden, um einen einwandfreien Verlaus dieses Massenkampfes zu gewährleisten.

Der Kreiswaldlauf die es Jahres findet am 1. April in Sachsenhausen statt, die volkstümlichen Kreismeisterschaflen wer­den am 9. und 10. Juni in Wiesbaden aus­getragen. Die Stadt Wiesbaden hat einen wert­vollen Wanderpreis in Aussicht gestellt für eine lOXlOO-Meter-Gaustaftel, die gebührenfrei ist. Ausgetragen werden in W esbaden die ftlebun- gen des Vorjahres mit Ausnahme des 10 000- Meter-Lau s und des Zehnkampfes, die auch bei den D. T.-Meisterschaften in Köln gestrichen sind.

Die Heilungen für die Vereinsmehr- kompf-Meisterschaft 1928 sind folgende: 800 Rieder, 3000 Meter, 4X100-Meter-Staffel, Weitsprung, Steinstoßen, Diskuswer en.

In der Zell vom 27. bis 29. April wird in Kreuznach ein Volksturn-Lehrgang abgehalten, und zwar in einer Abteilung für Verbands- und Gauwarte und in einer Abteilung für fortgeschrittene Volksturner. Reben alt­bewährten Kräften sind der Trainer der D. T., Dusch, lernet Topp, Ebel und Dr. Greg- li n g e t als Lehrer gewonnen.

Geplant ist die Herausgabe eines Hand- b ü ch l e i n s für Volksturner, das außer dem Jahresarbeitsplan auch wichtige Mitteilungen über Wettkampsbestimmungen, Re'ordbedingun- gen, Höchstleistungen usw. enthalten soll.

Aus dem S.BezIrl !mTurngauSeffeftI.T.)

bpw. Friedberg, 27. Febr. Unter Leitung von Vezirksturnwart Fritz Hartmann (Dad- Rauheim) fand gestern hier eine außerplan­mäßige Bezirksvorturner stunde für die im südlichen Vezirksgebiet gelegenen Vereine statt. Durchgeturnt und eingehend besprochen wurden die Kölner Freiübungen und die Ge­räteübungen für das am 18. März in Bad» Rauheim stattfindende Dezirksgeräte- w e 11 u r n e n. Die Vereine des nördlichen Be- zirkS treffen sich nächsten Sonntag zur gleichen Turnstunde in G a m b a ch. Dabei bietet sich Gelegenheit, näheres über die bereits getroffe­nen Vorbereitungen zum diesjährigen Dezirks- tumfeft zu erfahren, daS am 10. Juni in Wambach veranstaltet wird.

Handball der Gp.-Dg. 1900.

Gießen 1900 schlägt Wetzlarer Sportverein 6:1.

S. Rach dem Cigatrefen Wehla.er Sportverein gegen V. f. V. Kurhessen Marburg trafen sich am Sonntag die Handballer des Sportvereins mit dem Lahnkreismeister Sp.-Dgg. 1900 Gießen zu einem Privatspiel im Spilburg-Stadion. Da die Gießener in wenig starker Desehung antreten konnten (es waren linker Verteidiger, rechter Läufer und auch die rechte Sturmfeite erseht), hatte man mit einem Sieg nicht allzu stark ge­rechnet. Es zeigte sich jedoch, daß Wetzlars

Mannschaft durch langes Aussehen und den Weggang guter Spieler zurückgegangen und nicht imstande war, den 1900cm ernstlichen Wider­stand entgegenzusehen. Das Spiel litt sehr unter diesem Umstand. Einen rassigen Kampf bekam man nicht zu sehen. 15 Minuten der ersten Spielhälfte waren schon verstrichen, alS der Gie­ßener Mittelstürmer zum erstenmal unhaltbar einsenden konnte. Richt lange danach brachte der Rechtsaußen te.i zwei en Erfolg. Kurz darauf.er­zielt en die SporlvereinS-Leute durch Verwand­lung eines 13-Meter-Valles ihr Ehrentor. Auch den 19v0em wurde ein solcher Dail zugesprochen, doch der Mittelstürmer setzie ihn knapp daneben. Durch Verwandlung eines Freiwunbal es konnte er aber bald die Schürte wieder auswetzen. Rach weiterem Drängen dec Gießener vermochte deren Rechtsaußen den sich tapfer wehrenden Wetz­larer Hüter vor Halbzeit noch einmal zu schla,cn. In der zweiten Spielhälste hatten die Spieiver- einigungsleute ständig Oberwasser. Daß nicht noch mehr als zwei Tore sielen, war lediglich aus das mangelnde Verständnis in dem neu zu- fammennefteiUen Sturm zurückzusühcen. 3m all­gemeinen kann man sagen, daß die Mannschaft des Lahnkreismei,ters ihrer Ausstellung ent­sprechend zufriedenstellend arbeitete, ohne jedoch zu einer besonderen storm aufzulaufen. Die Wetz­larer brachten nichts Ordentliches zuwege und spielten zuweilen reichlich hart. Schiedsrichter Waldmann vom V. f. L. pfiff viel und im all­gemeinen richtig.

Spieloereinigurig 1900 Gießen.

Liga Dehdorf (Liga) 2:4 (1:3).

Ciaareserve Großen-Duseck I. 12:1 (6:0).

1. Jugend Wehl. Sportv. 1. Jugend 1:0 (1:0).

5. Das Freundschaftstreffen der einheimischen Cigamonnscha, t gegen die Betzdorfer £iiften Jugend 06 endete mit einer überrasa-endcn 2:4-Ricderlage des Platzvereins. Das Treffen war in der ersten Spielhälfte, durch den schnellen Wechsel der Situationen, recht interessant. Rach der Pause wurde aber der gute Eindruck durch die einsetzende harte Spielweise sehr verwischt. Betzdorf stellte eine körperlich große und kräftige Mannschast, mit guter Au.dauer und Schnellig­keit. Die Spielwei e war, wie bei fast allen west­fälischen Mannschaften, reichlich ho^. 1930 ver­fiel in denselben Fehler und ließ besonders im Angriff jedes System vermissen. Das Fehlen des Sturmführers Adelberger machte sich allzusehr bemerkbar. Das Spiel stand unter der Leitung von Busch- Buhbach. Zu Beginn drängten die Gäste etwas, verschossen aber alles. Dann kamen die Dlauweihen auf und erzielten bald bei einem schönen Angriff, durch den Ersatz­mann I a e ck e l, das Führungstor. Die Süd- Westfalen waren aber nicht müßig und erreichten durch schwaches Spiel in der Gießener Hinter­mannschaft den Ausgleich und zwei weitere Treffer. Rach dem Wechsel kämpfte 1900 lebhaft um Verbesserung des Resultats, aber die sichersten Sachen wurden von dem Jnnensturm versiebt, oder Betzdorfs Hüter stand auf dem richtigen Fleck. Rur Luft konnte durch schnellen Start einen Treffer aufholen, dem aber Betzdorf gegen Schluß einen vierten entgegensetzen kann. Bei den Einheimischen fielen rechter Verteidiger und Halbrechts fast vollständig aus. Gut spielte der rechte Läufer und linke Verteidiger. Hcbcrragenö und zugleich der beste Mann auf dem Spielfeld war der Gießener Rechtsauben Luft.

Die Ligareserve fertigte Großen-Bu- secks 1. Mannschaft mit 12:1 ab. Während die 1900er ihre Spielstärke verbessert haben, kann man dies von den Gästen nicht behaupten, denn ein jo schwaches Spiel hat man von diesen noch nicht gesehen. Das Vorspiel in Grohen-Buseck endete bekanntlich noch 4:4.

Die 1. Jugend gewann im Diplomspiel gegen die 1. Jugend vom Wetzlarer Sport­verein 1:0 und revanchierte sich damit für die

menhalien! Weil wir uns so gut, weil wir uns so völlig verstehen!" Und nun hatte der einzige Bruder sein Schicksal von dem ihren gelöst, weil er sie nicht mehr verstand! Weil es ihm innerlich viel­leicht unüberwindlich war, daß sie chr Wort dem Freunde gegenüber gebrochen hatte.

Aber Raymond nun noch den Kummer antun, Bouvier zu heiraten?Diesen hereingeschneiten Franzosen in die Familie zu nehmen," wie Ray­mond sich ausdrückte,diesm Bohemien, der so her- ausfordernd feine Künstler-Lavalliere schlang." Der hier im Grunde nur. tatenlos umhersaß und nichts arbeitete, sondern nur immer wartete, daß ,man ihn hierher berufen" würde?

Drinnen lauschte Erevette sprungbereit auf chr Eintreten. Sie hatte die junge Baronesse herankom- men hören. Aber in nichts verriet die Zofe äußer­lich ihre starke Spannung. Zuerst willfahrte sie dem Wunsch der Baronesse, die Schleppe abzuknöpfen. Von Paris her war die neue Mode gekommen, die Schleppe extra gearbeitet, in einem schmalen, lan­gen Streifen zu tragen. Ader derFischschwanz", wie man sie jetzt nannte, hinderte beim Tanze, selbst wenn man sie mit graziösem Wuft über den Unter­arm schlang. Auch war dies duftige Gemisch von Seide, Ghifjon und Spitze beim Tanze in Gefahr, von Nacybarpaaren eingehakt und zerrissen zu werden.

Daim stellte Melusine fest, als sie einen Mick in Öen runden großen Spiegel auf dem Toilettentisch warf, daß durch die Hitze sich einige der kleinen Löckchen gelöst, die zur Selle über den Schläfen saßen und ihrer hübschen hohen Stirn ein so hüb­sches Relief verliehen. Erevette bot ihr an, sie $u kräuseln. Das sei eine Kleinigkeit. Und sie log em bißchen, indem sie erzählte: bei einem Coiffeur einen Kursus absolviert zu haben.

Dann glitt sie geschickt beim Plaudern immer mehr atrf das Thema, das sie cmschneiden wollte: Es ist lächerlich, es ist geradezu schändlich, wie die neu hereingeschneiten Coiffeure suchen, den allein- gesesimen Geschäften jetzt Konkurrenz zu machen! Und dabei seien die französischen Coiffeure so sa­lopp! D, so unendlich salopp! Ueberhaupt man ist doch teilweise recht mttäuscht von den Franzosen, da man sie jetzt näher kennen gelernt hat. Beson- ders öiejenigen Familien, die gezwungen sind, Franzosen in ihr Haus zu nehmen, da es an Woh­nungen und Zimmern mangelte!"

Melusine nickte. Sie hatte schon ähnliche Klagen gehört. Crevette nahm die Brennschere und schien-

in den letzten Spielen in Wetzlar erlittenen 2:4- und 1:2-Niederlagen. Besonderes wurde von keiner Seite, Gießens Torwart ausgenommen, geboten.

V. f. B.

Liga V. f. B. Friedberg 3:4.

Liga-Reserve Vereinigte Marburg 2:3.

D. f. B. 3. Vereinigte Marburg 3. 5:0.

1. Jugend Butzbach 1. Jugend 2:1.

Das Spiel der Ligamannschaft gegen V. f. D. F r ie d b e r g auf dem dortigen Platz endete mit einem Miß r'olg: sie wurde von dem Gastgeber mit 3: 4 geschlagen. Wenn auch zu be­rücksichtigen ist, daß V. f. B. Gies en mit zwei Mann Ersah antreten mußte, so läßt doch die, wenn auch nur knappe Rieder!age ernennen, daß noch mancher Mangel zu beheben ist.

Die Ligareserve trat gegen V. s. B. M a r- burg in der angelündigten neuen Ausstellung an, muhte sich jeovch den bedeutend schnelleren Marburgern mit 3: 2 beugen. Allerdings war die Platzmannschaft. nachdem sie zweimal in Füh­rung gelegen hatte, durch das Ausscheiden eines verletzten Spielers stark benachteiligt. Die neuen Kräfte in der V. f. B.-Mannschaft liehen sämtlich gute Veranlagung erkennen, man merkte ihnen jedoch die längere Spielpause an.

Vorher hatte die dritte Mannschaft die gleiche Marburgs zum Gegner. Die Platz­mannschaft gab während deS ganzen Spiels den Ton an und siegte verhältnismähig leicht mit 5:0. Bei etwas mehr Schuhsreudig eit und Sicher­heit hätte das Resultat höher lau en müssen.

Die erste Jugend gewann ihr Diplomspiel in Butzbach nach hartem Kampf knapp, aber verdient mit 2:1.

Fußball in Heuchelheim.

Sportverein 1920 I. V. f. R. Butzbach I. 1:0.

Der Sportverein 1920 hatte sich am Sonntag die Ligamannschaft des V. f. R. Butzbach zu einem Ge­sellschaftsspiel verpflichtet Sofort nach Anstoß ent- wickelte sich ein flottes Spiel. Auf beiden Seiten war die Verteidigung sehr sicher. Besonders stach das Spiel des sehr guten Tormannes der Gäste hervor, der jeder Lage gewachsen war. Das Stür­mer,p.el ließ beiderseits zu wünschen übrig. Heu­chelheim spalte in der ersten Hälfte gegen die Sonne und war dadurch etwas im Nachteil. Mit 0:0 wurden die Seiten gewechselt. In der zweiten Hälfte hatten die Einhe mischen etwas mehr vom Spiel und konnten fast durchweg drücken. Doch dem Sturm wollte es nicht gelingen, den ganz her­vorragenden Gästetormann zu schlagen. Erst ein Elfmeter brachte die Entscheidung. Mit dem knapp­sten aller Resultate konnten die Einheimischen als Sieger den Platz verlassen.

Vor diesem Spiel trafen sich die Erste von Klein-Linden mit der Zweiten des Sport- Vereins 1920. Klein-Linden siegte mit 6:4 Toren.

Wetzlarer Sp. V. - V.f.B. Kurhessen Marburg 3:4.

Wetzlar Halle zu feinem ersten Prlvatsptel nach Beendigung der Verbandsspiele sich am Sonn­tag einen starken Gegner vcrpfl.chlet. Marburg als Lahnkreismeister war ecsch.enen und stellte die im allgemeinen bessere Elf. Nur vor dem Tore waren die Marburger in Ausnutzung ihrer Vor­teile nicht besonders auf der H: he. Wetzlar zeigte sich dagegen sehr schußfreudig und hatte zunächst einen Vorsprung von 3 Toren, den die Gäste erst endgültig kurz vor Schluß aufhollen und siegreich gestalteten. Allerdings kam das 4. Tor der Mar- bürget auf nicht ganz einwandfreie Art und Weise zustande. Der Schiedsrichter hatte ein Foul im Wetzlarer Strafraum abgepfiffen, erkannte aber ein unmittelbar nach dem Pfiff erzieltes Tor noch an, anstatt Elfmeter zu geben. So errangen die Marburger einen sehr glücklichen Sieg. Beide Mannschaften hatten zahlreichen Ersatz in ihren

kette sie einige Male in die Luft, um sie abzuküh'en. Ueberhaupt, wir Elsässer sind immer übel dran! Jetzt haben wir gemeint, wenn die Boches aus ö.-m Lande sind, sink wir endlich unter uns! Und nun kommen die Franzosen und spielen sich hier als die Herren auf und holen sich überall die besten Brocken weg! Sie sind mindestens so anmaßend wie die Preußen! Mindestens! Sie glauben, sie brauchen hier nur zu erscheinen und alles fällt ihnen zu Füßen ..."

Melusine preßte im stillen die Hände im Schoße zusammen. Sonderbar, fast dieselben Worte hatte Raymond vor einiger Zeit geäußert.

Auf jedem Gebiete geht's so. Da wohnt zum Beispiel jetzt ein junger Franzos unmittelbar ne­benan von mir. Ich kenne seine Hauswirtin. Dieser Monsieur hat die Unvcrftorenheit, hier in Straß­burg in einem ganz feinen Hause zu verkehren und der jungen Tochter den Hof zu machen und derweil".

Sie unterbrach sich plötzlich. Die junge Baronesse halle eine unwillkürliche Bewegung gemacht.Habe ich Sie mit der Schere gebrannt, Mademoiselle?" Aber Melusine wehrte kopfschüttelnd ab:Ja, der­weil hat dieser französische Typ sich seine Geliebte aus Frankreich mit hergebracht! Ist es zu glauben? Man weiß ja, daß die Moral der Franzoien nicht die der alten Weiber ist! Aber ..."

Sie machte wieder eine ganz kleine umnerkliche Pause und biß die 'Zähne zusammen. Jetzt, wo sie so unmittelbar dicht über die junge Dame gebeugt stand, fühlte sie, wie ihre Worte trafen wie sie zu brennen begannen!

Und ist es nicht eine große Frivolität, wenn so ein junger Franzos ich glaub, er nennt sich Professor der Musik" seine .Hand nach einer jun­gen Dame von unserem elsässischen Adel ausstreckt, für die gerade der reichste und vornehmste Lands­mann aus dem Elsaß aut genug wäre, und dann bringt er sich gleich seine petite komme mit, und charmiert mit der die übrige Zeit herum, die er nicht in der Familie zu bringt und den Hof macht?"

Es begann ihr fast leid zu tun, wie sie jetzt beim Blick in den Spiegel sah, daß die Baronesse lang­sam, aber immer mehr erblaßte. Ihre Lippen wa­ren schneeweiß. Ihre hübschen Züge bekamen etwas Starres. Sie saß da wie gelähmt. Ohne nur mit der Wimper zu zucken.

Melusine war innerlich an der Stelle getroffen, an der sie in ihrer Liebe am verwundbarsten war!

Reihen, der sich aber bei Marburg kaum, bei Wetzlar sehr bemerkbar machte. mw.

Arbeiter-Turn- und Sportbuud.

Rattuheim I Schwalheim I 12:1.

Raunheim hatte im Aus stieg, piel den Weister des 6. 'Bezirkes au Gast. Schwalheim, nur mit neun Mann spielend, wehrte sich gut, trotzdem gelang es Raunheim, bis Halbzeit vier Tore zu erzielen. Rach Halbzeit konnte Raunheim noch achtmal einsenden, dem die Gäste kurz vor Schluß das Ehrentor entgegensetzen konnten.

wicscck I Lollar I 4:2 (1:1).

Wieseck hatte Lollar zu Gast. Die Einheimischen in stark verjüngter Aufstellung, die Gäste in alter Form, lieferten sich ein spannendes Spiel. Vom Anstoß weg lag Wieseck in Front. In der 15. Minute konnte Wieseck durch Elfmeter in Führung gehen, der vom Gästetvrwart unbedingt gehalten werden konnte. In der 40. Minute ge­lang es Collar, aus einem Gedränge den Aus­gleich zu erzielen. Mit 1:1 ging es in die Pauke. Rach Wiederanstoh ging Collar aus sich heraus. Bald konnte Wiesecks H. R. durch schönen Fern- schuß das zweite Tor siir seine Farben buchen, dem Collar kurz darauf den Ausgleich entgegen­setzte. Jetzt kam Wieseck mehr auf. Bis zum Schluß gelang eS den kleinen Stürmern, noch zweimal erfolgreich zu sein, dem Collar nur eine Anzahl Ecken, aber keine Erfolge entgegensetzen konnte.

wieseck II Odenhausen I 9:0.

Vorher spie.ten Wieseck h gegen Odenhaufen I. Hier gelang es den Einheimischen, den Reuling, der aber gute Ansätze im Spiel zeigt, mit 9:0 abzusertigen.

Gießen I Marburg I 6:0.

Gießen hatte Marburg zu Gast. Beide Mann- schäften lieferten sich ein schönes Spiel, in dem die Einheimischen ein kleines Plus hatten. Bis Halb­zeit gelang es ihnen, in gleichmäßigen Abständen viermal einzusenden. Nach Halbzeit kam Marburg mehr auf, doch wollte es im Sturm nicht klappen. Gießen gelang es bis zum Schluß, noch zweimal zu Toren zu kommen unö das Resultat auf 6:0 zu erhöhen

Gießen Ib Kinzenbach I 2:0.

Vorher spielten Gießen Ib Kinzenbach I 2:0. Beide Mannschaften zeigten ein flottes Spiel. Gie­ßen, technisch besser, konnte bis Schluß das Spiel mit 2:0 für sich entscheiden.

Großen-Linden 1 Wetzlar I 4:1.

Großen-Linden hatte Wetzlar zu Gast. In einem schönen Spiel, in dem die aufstrebenden Ginhelmi- schen zeitweise überlegen waren, gelang es üjnen, viermal einzusenden. Als Wetzlar sah, daß alle Mühe keinen Erfolg hatte, brachen sie kurz vor Schluß bei obigem Stande das Spiel ab.

(jungen I Raunheim 5:3.

Hungen I mußte sich in Raunheim, dem Meister der 2. Bezirksklasse, in ebenbürtigem Spiel mit 5:8 geschlagen bekennen.

Gerätetoellkampf hi Mefeck.

Am öomuag land tn Wieseck ein Geräte» wettkamps zwischen dem 3. und fl. Bezirk statt. ES war die erste Veranstaltung dieler Art, und man muß sagen, daß fle ein Ersvlg war. Eine stattliche Zuschauerzahl folgte mit sichtliuem Jnlerefte der einzelnen Hebungen. Wenn auch die Wertung nur einen kleinen Unterschied im Kräfteverhältnis zeigte, so muß man doch sagen, daß der 3. Bezirk ein erhebliches Plus für sich in Anspruch nehmen konnte. Das Resultat zeigte an den einzelnen Geräten solgende Punktzahlen:

Pferd

Reck Bar en F e'u.bungen

3. Bezirk

351 Punkte

359

392

180

6. Bezirk

330 Punkte

330

364

179 h

(Sejamtie uliat

1282 Punkte

1-03 Punkte

Sie hätte die Kraft besessen, über seine nicht eben­bürtige Herkunft und Erziehung hinwegzusehen. Sie hätte den Mut gehabt, ihn hier in die Gesellschaft zu lancieren, ihm eine Position zu schaffen. Sie hätte den Glauben des liebenden Weibes gefunden, sich ihn als Gatten zu erzwingen trotz Abwehr und Bedenken. Aber nun? Sich selbst als Stufen­leiter zu gesellschaftlicher und beruflicher Zukunft zu sehen? Sich schmählich hintergangen sehen, noch vor der Hochzeit? Mit ihren Küssen auf den Lippen ging er zu seiner Geliebten zurück, und aus ihren Armen eilte er wiederum zu ihr.

In all diesem Schwall von Empfindungen fühlte sie plötzlich mit deutlicher Klarheit, daß diese junge Zofe sie genau zu kennen schien und diese ganze Er­zählung mit Vorbedacht und wohlüberlegter Absicht getan habe.

Sie lehnte sich jetzt tief an die zierlich geschwun­gene Lehne des Rokokostuhles vor dem Toiletten­spiegel zurück. Crevette neigte sich diskret herab.

Sie befinden sich nicht wohl, Mademoiselle? Darf ich 3r>nen Odeur reichen?" Und dann sprengte sie ihr leicht einige Tropfen Eau de Cologne über die Stirn.

Aber Melusine zwang sich zur Selbstbeherrschung. Furchtbar war ihr dieser Einblick in Bouoiers Ge­meinheit. Schmählich war ihr Vertrauen zu ihm ge­täuscht worden! Und doch über all der Flimmer- vollen Empörung sand sie wieder ausrafsend die Er­kenntnis: sie war vor dem entscheidenden Schritt einer Ehe bewahrt worden! Ja, vor wieviel Un­glück und Schmach und Herzeleid hatte diese kleine fremde Zofe sie behütet!

Crevette stand einige Schritte hinter ihr und ver­hielt sich in diskreter Abwartung. Dieser abscheu­liche Bouvier hatte es ganz zweifellos verstanden, die junge Baronesse zu umgarnen, weil sie von bie­tet Mitteilung so tief betroffen war. Der Neid, die weibliche Neugierde, mit der die kleine Grisette seit Jahr und Tag das Schicksal der Baronesse, der jun­gen Dame aus gutem Hause, verfolgte, wandelte sich jetzt in Mitgefühl, in Teilnahme und den unbeding­ten Wunsch: ihr helfen zu können.

Melusine wandte sich zu chr herum und sah ihr zmn ersten Male ruhig und aufmerksam ins Gesicht: ,Lch verstehe Sie, Mademoiselle! Sie sagten das alles eben, um mich zu warnen! Sie sind sich be­wußt, was Sie tun. Es handelt sich bei dem, was Sie mir sagen, ohne Zweifel um einen Monsieur Bouvier. Haben Sie ganz unbestreitbare Beweise für fein Verhalten?" (Fortsetzung folgt.)