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Nr. 279 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Dienstag. 27. November (928
mehrstimmig eingeübt; die mit gewohnter Sicherheit und schönem Ausdruck vorgetragenen Lieder trugen wesentlich zur Erbauung der Gemeinde bei. Auf dem Veitsberg wirkten die Schulkinder und der Gesangverein mit. Organist Lehrer Herber hatte mit den Kindern zwei Chöre eingeübt, die sich stimmungsvoll in die Feier einfügten, der Gesangverein, in Verhinderung des Dirigenten ebenfalls von Herrn Herber geleitet, sang zum Schluß: „Wie sie so sanft ruhn." Auch in Harbach, wo die vierte Feier zu ungewohnter Stern de stattfinden mußte, hatte sich eine zahlreiche Gemeinde versammelt, und die Kinder trugen einen von Organist Lehrer Faber eingeübten Chor vor. 3m Kirchenjahr waren verstorben von Göbelnrod 3 Gemeindeglieder, darunter ein Kind, in Reinhardshain 4. von denen ein Mann 91 Lahre alt wurde, in Beltershain 4, darunter ein Kind, in Saasen mit Bolln- bach 5, in Harbach 3, darunter ein Kind.
c Göbelnrod. 26. Aon. Bei der Venlo o hl des Kirchenvorstandes wurden die Mitglieder des seitherigen Kirchenvorstandes wiedergewählt, dazu als Ersatzmann für den verzogenen Lehrer Bornmann Beigeordneter Heinrich Kern. Der Kirchrnvorstand besteht somit mit aus Bürgermstr. H. Weber, Hch. Belten Vlll., Georg Weber, Konrad Blei, Heinrich Sann und Heinrich Kern, die beiden ersten sind, wie seither, auch Mitglieder des Gesamt'irchenvorstandes Wirberg. Ferner wurde von der Kirchengemeinde- dertretung noch Lehrer Allendörfer als Organist in diese Körperschaft berufen.
: Beuern. 26. Rov. Bei der hiesigen Treibjagd wurden unter Schonung des -Rehwildes 21 Hasen und 2 Füch e zur Strecke gebracht. — Die Holzhauerarbeiten werden diese Woche im Gemeindewald ihren Anfang nehmen. Dis jetzt haben sich 32 Mann dazu gemeldet. — Der hiesige Volksbildungsverein wird jetzt seine Tätigkeit für den Winter wieder aufnehmen. Es sind schon mehr:r Redner für Vorträge mit Lichtbildern gewonnen. Die von der Bevölkerung fleißig in Anspruch genommene Bibliothek ist um 82 Bände bereichert worden.
(X> @ r ü n b e r g, 26. Nov. Im hiesigen Stadtwald verunglückte heute morgen der etwa 18 Jahre alte Arbeiter Ernst Fißler, Sohn eines hiesigen Schuhmachermeisters, beim Holzfällen töd - l i ch. Der junge Mn.in stürzte beim Umziehen eines Baumes über einen Ast und konnte nun dem fallenden Baume nicht mehr rechtzeitig ausweichen. Der stürzende Baum traf den bedauernswerten jungen Menschen so schwer, daß derTodaufderStelle eintrat.
cP Grüningen, 26. Rov. Wie int „Gießener Anzeiger" schon berichtet, war die Konzession für die Autolinie Gießen — Steinberg — Grüningen —Holzheim — Gambach dem Unternehmer Schneider (Garnbach) durch das Ministerium widerruflich erteilt worden. Das Ministerium hat nunmehr die Konzession gekündigt. Vom 15. Dezember ab will die Hessische Automobil-Gesellschaft den Verkehr auf der Strecke übernehmen. Hierdurch kommt der jetzige Inhaber in große Schwierigkeiten, zumal ihm durch die Inbetriebnahme mehrerer Wagen und dutch den Dau einer Autohalle große Unkosten entstanden sind. Mit dem feitbengen Betrieb war die Bevölkerung sehr zufrieden, da durch Schneider alle Wünsche hinsichtlich des Fahrplans in weitgehendem Maße berücksichtigt wurden. Außerdem wird aller Voraussicht nach der Fahrpreis mit 6 Pf. für den Kilometer von keinem anderen Unternehmen gehalten bzw. herabgesetzt werden können. Aus diesen Gründen werden die Gemeinden kein Mittel unversucht lassen, daß der jetzige Inhaber der Konzession den Betrieb weiterführt. Die Bürgermeister der interessierten Orte haben schon diesbezügliche Schritte unternommen.
ch Lich, 26. Nov. Wie in den vergangenen Jahren, so versammelten sich auch diesmal wieder am Totensonntag nach Beendigung des Dormittagsgottesdienstes viele Angehörige unserer Gemeinde vor dem Denkmal der Gefallenen des Weltkrieges. Die Kapelle der Freiwilligen Feuerwehr, unter Leitung ihres Kapellmeisters Philipp Sommer, spielte ergreifende Weisen, Stiftsdechant Kahn würdigte in seiner Ansprache die Verdienste unserer Gefallenen. Der Arbeitergesangverein, unter Leitung seines Dirigenten Friedrich Textor (Garben-
Wenige Minuten später tauchten die schlanken Umrisse einer jungen Frau am letzten Treppenabsatz auf.
Ein ängstliches Forschen! — Ein leiser Schrei. Hastig kreischte ein Schlüssel, und eine Tür flog heftig ins Schloß. „Hans!"
Drinnen im Flur wurde ein eiliger Schritt vernehmbar und die beruhigenden Worte Feh- manns. „Du hast dich getäuscht, Hilde. Ich werde nachsehen!"
Das Licht des Ganges fiel breit auf die Treppe und beleuchtete einen Mann, der, nach vorne gebeugt, schlaftrunken auf den Stufen sah.
„Ioachrnr!"
Hettingen sah auf und blickte dem Doktor ruhig ins Gesicht. „Ich habe hier gewartet, damit du nicht weit zu gehen hast, wenn du mich etwa brauchen solltest."
„Joachim!" Fehmann griff nach dessen Händen und hob sie dann nach seinen Augen, aus denen eine rieselnde Flut ihm über die Wangen rannt. „Hilde, laß die Tür offen! Offen lassen, Hilde." Er zog den Freund mit sich hinein und drückte sie dann mit dem Fuße zu. „Kind, lauf nicht davon: das hier ist Joachim Hettingen — mein Freund und auch der deine. Ich habe ihm alles erzählt. Du brauchst dich nicht zu schämen"
Die junge Frau stand mit zitternd geneigtem Körper und wagte nicht aufzusehen. Joachim beugte sich über die bebenden Finger, aus deren hastendem Klopfen er die Angst dieses armen Herzens fühlte.
„Darf ich für einen Augenblick hereinkommen, gnädige Frau? Mein Rücken und meine Füße find momentan ganz steif, Hans hätte mich wohl bis zum Morgen sitzenlassen, wenn Sie sich meiner nicht erbarmt haben würden. — Alnd dann möchte ich Sie bitten, mit Hans mein Gast zu fein und mit mir in irgendein hübsches Restaurant z»i gehen. Ich habe mir diese Freude redlich verdient, denn es hat sich, weiß Gott, wirklich nicht weich gesessen, draußen auf den Brettern."
Fchmanns Augen brannten in denen Hettingens. „Wollen wir nicht hier ein kleines intimes Abendessen arrangieren?“
teich), und der Wännergesangrerein Cacilia, unter Leitung von Lehrer Dörrner, bereicherten die Feier durch stimmungsvolle Chorlieder. Am Rachmittag fand auf dem Friedhof eine Gedächtnisfeier für die Entschlafenen statt, die von dem Posaunenchor, geleitet von Herrn AI h r - han, eröffnet wurde. Stiftspfarrer Lic. Schor- lemrner hielt eine Ansprache, die drei städtischen Gesangvereine Cäcilia, Einigkeit und Roth- scher Männerchor, letzterer von Lehrer Stein geleitet, trugen passende Chöre vor. Anschließend sangen die Gesangvereine ihren auf dem Friedhof ruhenden früheren Dirigenten. Trotz der sehr schlechten Witterung war die Feier sehr gut besucht.
lllRonnenroth, 27. Rov. Anläßlich des gestrigen Totenfestes fand auch in unserem Orte eine G edenkfeier für die Gefallenen statt. Der Kriegerverein nahm mit Fahne an dem Gottesdienste teil, der Gesangverein „Liederkranz" brachte zwei stimmungsvolle Chöre zum Vortrag. Am Schlüsse des Gottesdienstes wurden von beiden Vereinen Kränze am Gefallenendenkmal niedergelegt.
! Aus dem mittleren Horlofstal, 26. Rov. Man kann in der letzten Zeit hier immer mehr die Beobachtung machen, daß Landwirte ihre in der Nähe der Dörfer liegenden Wiesen als Viehweiden einzäunen. Die Einfriedigung ist zum Teil von sachkundigen, aus den Weidegebieten Rordbeutschlands berufenen Monteuren vorgenommen worden. Ein nicht geringer Teil des auf diese Weiden kommenden Viehes gehört der schwarzbunten Rie - derungsrasse an. Verschiedene Landwirte haben sogar die Reise nach Ostfriesland unternommen, um das Vieh dort zu holen.
Kreis Friedberg.
pb. Butzbach, 26. Nov. Anläßlich des gestrigen Totenfestes veranstaltete der Evangelische Kirchenchor eine musikalische Weiheft u n d e zum Gedächtnis der Toten unter Mitwirkung von Frau Dr. Colatz (Gießen) Sopran, Frau Studienrat Schaum (Friedberg), Alt, Herrn Marguth (Bad-Nauheim), Tenor, Polizeimajor Hofmann (Butzbach), Baß, Pros. Dr. K. Schmidt (Friedberg), Orgel, und Studienrat M. Werner (Butzbach), Leitung. Die St. Markus- kirche, in der die Veranstaltung stattfand, war dicht besetzt. Abends hielt der Zweigverein des 23. H. C. in der Aula der Stadtschule eine Feierstunde zum Gedächtnis der Gefallenen im Weltkriege ab, wobei Pfarrer Schneider die Gedächtnisrede hielt. Die Feier wurde umrahmt durch Gesänge der Gesangsabteilung des V. H. C., Gedichtvorträge des Prof. Dr. Werner und musikalische Darbietungen der Frau Prof. H o rst.
Kreis Büdingen.
I! Büdingen, 26. Rov. Der G emeinde- rat unserer Stadt Büdingen erledigte in seiner jüngsten Sitzung zunächst eine Eingabe des Verbandes deutscher Jugendherbergen, Gau Main- Rhein— Lahn- Fulda, wegen Erbauung einer neuen Jugendherberge. Der Platz wurde durch G emeinderatsbeschluh vom 21. Juni ds. Is. zwischen den beiden bereits bestehenden Herbergen auf dem landschaftlich reizvoll gelegenen „Erlenküppel" bei Büdingen schon bereit gestellt. Außerdem hat sich die Stadt be- reiterllärt, bedeutende Raturalleistungen zu besagtem Reubau kostenlos beizusteuern. — Das Arbeitsamt Gießen hat an die Stadt das Ersuchen gerichtet, zwecks Einrichtung einer Nebenstelle in Büdingen die nötigen Räume bereitzustellen. Der Gemeinderat ist damit einverstanden, daß ein Raum von den Bureauräumen der Bürgermeisterei abgeteilt und dem Arbeitsamt Gießen für die Einrichtung der Nebenstelle zur Verfügung gestellt wird. Als Miete wird der Betrag von 30 Mk. monatlich festgesetzt. — Die Feldgeschworenen sind um Erhöhung ihrer Vergütungen eingekommen. Der Gemeinderat schlägt dem Kreisamt vor, die Gebühren der Feldgeschworenen für die Gemarkung Büdingen auf die jeweilige Höhe der Tagelöhne für einen neunstündigen Arbeitstag der gewöhnlichen Tagearbeiter festzusehen. Bei einer Beschäftigungsdauer (einschl. Hin» und Rückweg) von weniger als 5 Stunden soll die Entschädigung die Hälfte der Tagessähe betragen. — Die Hundesteuer für das Kalenderjahr 1929 wurde in gleicher Höhe wie für das Jähr 1928 festgesetzt. Die Steuerfreiheit für die
„Heute nicht! Ein andermal, mein Lieber! — Heute wollen wir Menschen um uns sehen! Viele Menschen! Alnb etwas Musik haben und uns bedienen lassen! — Gott, wenn man solch schönes junges Weib hat, muh man es doch auch zeigen.
„Es weih niemand darum," warf Hilde mit dunklem Erröten ein.
„Gut! — Dann lassen wir Sie als die Braut von einem von uns beiden gelten. Wir werden Ihnen um die Wette den Hof machen, gnädige Frau. Ich bin neugierig, wer den Sieg erringt." Er nahm ihre bebenden Hände hoch und kühte sie in Ehrerbietung.
Fehmann ging nach der Türe eines Nebenzimmers und bat seine Frau mit den Augen, ihm zu folgen. „Entfchuldige uns für zehn Minuten, Joachim! Auf dem Schreibtisch findest du Bücher."
Als der Doktor kurze Zeit später wieder eintrat, sah er eine Tausend-Schillingnote neben seinem Notizblock liegen. „Joachim!" Beide seiner Hände hoben sich langsam und streckten sich Hettingen entgegen.
Der lachte. „Komm, mein Alter, mach nicht solch ein Gesicht, als hätte ich dir die schwerste Kränkung zugefügt. Cs soll nur ein Darlehen sein, das du mir bei Gelegenheit wieder zurückgeben kannst, wenn es dich drückt. Mehr nicht. Alni> nun sprich nichts weiter darüber und verdirb deiner Frau den Abend nicht, den ich euch beiden so schön als möglich gestalten will."
Alnb dann kam Hilde in schlichtem, weißem Kleid, das ihr etwas unendlich Keusches, Mädchenhaftes gab. Ihre Augen ruhten groß auf Hettingens Gesicht, wurden plötzlich starr und glasig und von quälender Angst erfüllt.
Ein Erschauern, als ob ein Kältestrom sie durchrieselte, ging über ihren Körper.
„Was ist?" Fehmann sprang auf sie zu und legte den einen Arm um ihre Mitte. „Bist du nicht wohl?"
Ihr Blick hing noch immer abwesend an Joachim. Besorgt sah Hettingen in ihr Weihes Gesicht. „Wollen' wir lieber zu Hause bleiben, gnabige Frau?"
Hunde der Fcldschühen wurde aufgehoben — Der Gemeinderot billigte den vom BittHäbmeister und der Finanzkommission eingenommenen Standpunkt bezüglich des Deamtenwohnhau- ses der Reichsfinanzverw'altung am Steinweg und genehmigte die vorliegenden Vertragsentwürfe unter dem Vorbehalt, dah die im Beschluß der Finanzkomnnssion bezeichnete besondere Airkunde spätestens gleichzeitig mit der Ausfertigung der gegenwärtigen Verträge zu- gefertigt und unterzeichnet werde. Im übrigen wurde der Bürgermeister ermächtigt, vor Abschluß der Verträge weitere Verhandlungen hinsichtlich des Verzichts auf die hypothekarische Sicherung der Darlehen zu führen. — Der Friedhof im Großendoof wird zur Zeit erweitert. Neues Gelände für ■ die erforderlichen Wege syll von dem Grundstück der Karl Hüter Ww. genommen werden. Die Eigentümerin verlangt Schadenersatz. Alnter Ablehnung des Anspruchs auf Vergütung des Weggeländes im Rahmen des Genieinderatsbeschlus- ses vom 13. September ermächtigte der Gemeinderat die Baukommisfion, über den inneren Ausbau des Friedhofes abschließend zu befinden und weitere Verhandlungen mit den beteiligten Grundbesitzern zu fuhren Es wurde ausdrücklich festgestellt, daß der Gemeinderatsbeschluß vom 13. September nur eine Regelung bezüglich des in den Friedhof fallenden Geländes vorsieht. Die Ersatzleistung für das dem allgemeinen Interesse dienende Weggelände ist Sache der Feldbereinigung. Es sollen jedoch mit der Karl Hüter Ww. weitere Verhandlungen gepflogen und nochmals eine gütliche Regelung versucht werden — Landwirt Wilhelm Kaufmann kam um Genehmigung zur Errichtung einer Sandgrube im Distritt Paulstein ein. Der Antrag wurde an die Waldkommifsion verwiesen, die in Verbindung mit dem Forstamt Büdingen dem Ersuchen dann nähertreten soll, wenn in einem abzuschließenden Pachtvertrag Sicherungen für eine größere finanzielle Ergiebigkeit der Anlage gegenüber dem derzeitigen Stand aufgenommen werden.
nd. Nidda, 26. Rov. Das Totenfest wurde hier in erhebender Weise kirchlich gefeiert. Der Hauptgottesdienst in der Turnhcllle war aus dem ganzen Kirchspiel stark besucht. Der hiesige Kriegerverein nahm daran geschlossen mit umflorter Fahne teil, der ev angel. Kirchenchor trug unter Leitung von Mnsik- lehrer Ackermann das ergreifende Grablied „lieber den Sternen" vor. Dekan Scriba beantwortete in seiner Predigt die Frage: „Wohin sollen wir gehen?" Zum Schlüsse verlas er die Hamen der 44 im verflossenen Kirchenjahr Verstorbenen des Kirchspiels. Davon waren 28 aus Ridda, 8 aus Alnter-Schmitten, 6 aus Kohden und 2 aus Michelnau. Die am Ausgang des Gottesdienstes erhobene Kosiekte war für die Kriegsgräberfürsorge bestimmt. Rach dem Gottesdienste marschierte der Kriegerverein zu dem Kriegerdenkmal der Helden von 1870/71 und dann zum neuen Kriegerdenkmal der Opfer des Weltkrieges am Iohanniterturm und ließ mit ehrenden Gedächtnisworten je einen Kranz niederlegen. Trotz des schlechten Wetters war nachmittags der Vesuch der beiden Friedhöfe sehr stark. Die Gräber waren diesmal in besonders reichem Maße mit Zeichen der Liebe geschmückt, wie wohl in keinem der früheren Jahre. — Gestern wurde zum letzten Male Gottesdienst in der Turnhalle gehalten. Nächsten Sonntag findet die Einweihung unserer wiederhergestellten Kirche statt, wozu vom Landeskirchenamt der Präsident Prälat D. Dr. Diehl aus Darmstadt und der Superintendent Wagner aus Gießen ihr Erscheinen zugesagt haben und Ansprachen halten werden. Der evangelische Kirchenchor, der Männergesangverein „Sängerkranz" und der Arbeitergesangverein „Eintracht" werden bei der Feier Mitwirken.
Kreis Schotten.
V Gedern, 26. Nov. Jetzt wurde hier ein Verkehrsvere.in Gedern gegründet. Der Verein hat den Zweck, dem Publikum der benachbart enTörfer Gelegenheit zu verschaffen, auf bequeme Art hierher zu gelangen. Der Vorstand besteht aus Bürgermeister Müller als Vorsitzendem und Kaufmann Max Rothenberger als dessen Stellvertreter, sowie aus sechs Beisitzern. Als solche wurden Bäckermeister W.
Seine Worte brachten sie zum völligen Erwachen „Es ist nichts, wir können gehen!" Ihre Augen standen wieder groß und ruhig, nur die schmalen Hände, mit denen sie das aschblonde Haar aus der Stirne strich, zitterten noch wie im Schrecken nach.
Ehe Feßmann draußen die Flurtüre ins Schloß drückte, hielt sie ihn einen Moment am Aermel seines Mantels zurück. „Erinnere mich an etwas, wenn wir nach Hause kommen! Wer vergiß nicht, Hans! Vergiß nicht! Es wäre fürchterlich"
„Gewiß, Kind! Ich werde nicht vergessen." Sie vorsichtig unterfassend, führte er sie die Treppe hinab.
Die märchenhafte Deckenbeleuchtung des Parkhotels warf Brände von Licht auf den blattgrünen Riesenteppich des Vestibüls, über dem sich die zartsarbenen Wedel indischer Palmen zur steilgewölbten Kuppel streckten
Die breiten Glastüren zum großen Speisesaal glitten zurück, als Hettingen eine Nische für sich und feine Begleiter wünschte.
Von der erhöhten Balustrade grüßte die Musik des dreißig Mann starken Orchesters, dessen Dirigent der Zigeuneraristokratie angehörte. Ge- dÄnpftes Sprechen — verhaltenes Lachen! Ateber die Blumen hinweg, die sich auf blendend weißem Damast hochstreckten, flogen brennende Frauenblicke zu dem Kapellmeister, dessen Augen unter tiefschwarzen Wimpern verschleiert lagen
Hildes Blick ruhte auf den blütenzarten Racken und Wangen der Vertreterinnen ihres Geschlechtes, auf deren wundervoll gewelltem Haar, deren kostbaren Toiletten aus Seide, Georgette und Lamee mit dem funkelnden Geschmeide darüber.
„3ch Passe nicht herein!" dachte sie ganz entsetzt und sah an ihrem einfach schlichten weihen Kleid herab, das obendrein ihr bestes war. Wie aus- gestoßen aus der Gesellschaft kam sie sich vor und wünschte nichts, als von hier weg in ihre ärmlich stille Häuslichkeit fliehen zu können, wc» niemand als der geliebte Wann um sie war.
(Fortsetzung folgt.)
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Nachdruck verboten.
6. Fortsetzung
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der am
Oberheffen.
Landkreis Gießen.
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„Joachim!" Feßmanns Stimme flackerte in die Stille des Zimmers. „Joachim!"
An der Tür wandte sich Hettingen noch einmal nach ihm zurück. „Kann ich dir irgendwie dienen?"
Ein Stöhnen vom Sofa herüber. „Verschaff uns ein ehrliches Begräbnis — wenn es so weit ist!'
Ohne eine Erwiderung drückte der Baron die Türe ins Schloß.
Im Dunkel des Flurs tastete er sich zum Ausgang. — Was jetzt? Seine Rerven befanden sich in Rebellion Er hörte, wie Feßmann drinnen im Zimmer auf und ab rannte. Vielleicht besann er sich, was man in solcher Lage, wie er sich befand, tat. wenn man einen Freund besah. Er selbst durfte sich ihm nicht aufbrängen, muhte das Versprechen halten, das er gegeben hatte: ihn nicht mit Mitleid zu quälen und kein Almosen anzubieten.
Alnb doch muhte etwas geschehen, ehe der arme Mensch Hand an sich und sein junges Weib legte.
Er öffnete die Flurtüre, trat in das Duickel des Treppenhauses und ließ die Klinke einschnappen.
Dann blieb es still.
Ein Rachtfalter surrte gegen das hohe Fenster, welches nach dem Hof führte und eine verschwommene Helle auf die ausgetretenen Stufen warf. Ab und zu ächzte ein Stockwerk tiefer das Geländer. Ein Kinderfuß hopste irgendwo über die Dielen. Worte klangen auf unb verebbten.
Dann wieder Ruhe.
Gegen zehn Alhr kam ein müder wchritt von unten. Der Hall der Tritte schraubte sich langsam von Stockwerk zu Stockwerk hoch. Tastende Hände glitten an blankgescheuertem Holz entlang, als brauchten sie einen Wegweiser und Halt und Stütze zugleich.
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Lache VÄmzs!
Roman von 3- Schneider-Foer-stl.
Urbeberrechtsschutz Oskar Meister, Werdau i. Sa.
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X Klein-Linden. 26. Nov. Nachdem hiesige Kriegerverein sich gestern Hauptgottesdienst geschlossen betet igt hatte marschierte er trotz starken Regenwetters nach dem Friedhof zur Ehrung der Gefallenen nn Weltkriege. Alnter Vortritt der Musikkapelle des 1. Bat. Ins.-Rgts. Rr. 15 in Gießen folgte die Fahne, der die Altveteranen von 1870/71 und die übrigen Mitglieder des Vereins sich an- schlossen. Roch der Paradeaufstellung an den Kriegergräbern spielte die Kapelle das Lied „Jesus meine Zuversicht". Hierauf hielt der 1. Vorsitzende Fr. Schimmel die Gedächtnisrede und legte zum Schluß an den Gräbern
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einen Kronz nieder. Nachdem die Kapelle das Lied „Ich hott' einen Kameraden" gespielt hatte, war die einfache, aber eindrucksvolle Feier beendet. Zahlreiche Ortseinwohner hatten sich trotz des schlechten Wetters an der Feier beteiligt.
Ö AUendorf a.d.Lahn. 26. Rov. Am gestrigen Sonntag fand hier nachmittags noch eine Totengedenkfeier statt. Wegen der ungünstigen Witterung wurde sie nicht, wie ursprünglich geplant war, auf dem Friedhof, sondern im Gotteshause abgehalten. Pfarrer Becker sprach in zu Herzen gehenden Worten Der Posaunenchor der christlichen Gemeinschaft leitete d:e Feier ein mit dem Liede: „Wie sie so sanft ruhn", er begleitete den Gemeindegesang und spielte zum Ausgang: „Wo findet die Seele die Heimat, die Ruhe." Auch der Kirchenchor trug durch feine beiden Lieder: „Ruhig ist des Todes Sch'ummer" und „Schlummert sanft, euch ist wohl!" zur rechten Stimmung bei. Das bis zum letzten Platz aus allen Schichten der Bevölkerung besetzte Gotteshaus legte Zeugnis davon ab, daß in dem Gedenken an unsere Toten alle einmütig sich zusammenfanden.
X Wieseck, 26. Rov. Den Totensonntag beschloß hier eine zahlreiche Gemeinde in der Kirche mit einer Lichtbildabendfeier „3 um Gedächtnis unserer Gefallenen“. Zu Bildern von Albrecht Dürer, Rudolf Schäfer und teueren Meistern, die der vom Frauenverein gestiftete Filmostoapparat in guter Schärfe wieder- gab, sprach der Ortsgeistliche Geleitworte und brachten Konfirmandinnen passende Deklamationen zu Gehör. Aufnahmen aus dem Feld und den zerstörten Gebieten zeigten die Furchtbarkeit des Krieges, und Bilder von Soldatengräbern die Schwere der Opfer. Die Wirkung der Bilder wurde verschiedentlich durch Orgelspiel und gemeinsame Weisen, auch aus dem Gebiet des Volkslieds, gesteigert. Besonders dankbar wurde die Mitwirkung der Oberklasse empfunden, die unter der Leitung von Lehrer Petri sich wieder mit drei mehrstimmigen Chören in den Dienst im Gotteshaus stellte. Der Reinertrag des Abends, dem eine von der Schuljugend zahlreich besuchte Vorführung vorausging, fließt dem kirchlichen Fonds für Kriegerehrung zu. Verschiedene Bilder von Gefallenendenkmälern erweckten den Wunsch, in einem kleineren Kreis mit Vertretern der Ortsgruppe der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen, Der ehemaligen Kriegsgefangenen, des Frauenvereins u. a. den Stand der Kriegerehrungsfrage in unserer Gemeinde zu besprechen Alnter dem Eindruck des Abends einigte man sich zu Schritten, die bald bei dem Vorstand der Gemeinde getan werden sollen, um diese Frage einer befriedigenden Lösung entgegenzuführen.
y. Lollar, 26. Rov. Trotz des ungünstigen, regnerischen Wetters war am gestrigen Totenfeste die Kirche zu Kirchberg von Besuchern überfüllt. eeit dem Vorhandensein des G efalle- nendenkmals besteht die finnige Sitte, daß der älteste Knabe und das älteste Mädchen der fünf Kirchspielsgemeinden vor dem Denkmal im Anschluß an Den Hauptgottesdienst je einen Kranz mit entsprechenden Worten im Ramen der übrigen Konfirmanden nieberlegen; dies geschah auch gestern. Die kurze, nicht durch Regen gestörte Feier in Gegenwart der Gemeinde hinterlieh einen tiefen Eindruck.
Wirberg. 26. Rov. Am Totensonntag fanden in vier Kirchen gut besuchte Feiern statt. In Beltershain hatte der Organist Lehrer Weidt mit seinen Schulkindern zwei Choräle


