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Aus der Pwvin^ialhaupisiadi.
Gießen, den 2Z. Oktober 1928.
Pfarrer Heinrich Bechtolsheimer. Don Prof. Dr. jur. ei Phil. Karl Esselborn. Wenn am 29. Oktober 1928 Pfarrer Heinrich Bechtolsheimer sein sechzigstes Lebensjahr vollendet, so blickt er zugleich auf eine mehr als zwanzigjährige Tätigkeit in Gießen zurück. Reben seiner Pfarramt rchen Wrr.famkeit entfaltete ec noch eine schriststellerische, die sich vornehmlich mit seiner rheinhessischen Heimat be- s^Jn^Wonsheim im Kreise Alzey stand seine Wiege: bort empfing er in der Volksschule seinen ersten Unterricht und wurde im Frühahr 1881 in das Kreuznacher Gymnasium auf genommen. Aach siebenjährigen Besuche verliest er es mit dem Zeugnis der Reise. Dann bezog er im Sommersrmester 1888 die Univer ität Gießen, um sich dem Studium der Theologie zu widmen, das er im Sommer 1891 mit der Fakultätsprüfung abschloß. Darauf diente er ein Jahr lang bei dem Infanterieregiment Rr. 87 in Mainz unb beiog dann das Predigerseminar zu Friedberg. Als im Winter 1893'94 die Defin t^rialpru'ung seine berufliche Ausbi'dung abaeschlvs.en hatte, wurde er zum erstenmal in Lampertheim im Pfarrdienst verwende* und daselbst am 22. April 1894 ordiniert. Am 19. Dezember 1895tarn er als Pfarrverwalter an die Landp ar el Mainz, bu sich vorwiegend aus Industriebevölkerung zu- sarnmensehte und ihm am 4. Februar 1899 endgültig übertragen wurde. Seine Ernennung zum Pfarrer der Giestener Lukasgemeinde beendigte seine dortige Tätigkeit.
Aus ihr heraus erwuchs das 1907 zum ersten- und das 1926 zum zweitenmal aufgelegte Buch „Die Seelsoroe in der Industriegemeinde", das nahezu zur Hälfte der Schilderung der Industriegemeinde des Mainzer Landes gewidmet ist und ein überaus wertvolles kultur^schichtliches Gesamtbild die'er Gegend biet"t. Dieses Buch ist indes en nicht fein erster schriftstellerischer Versuch. Schon als Oberprimaner schrieb er Auf ätze für die in München erscheinende „Deutsche Zeitung", darunter auch einen zum hundertsten Geburtstag Friedrich Rückerts (16. Mai 1883). Als Student lieferte er dem „Lugins'and". einer Unterbal- tungsbr-ilaae der „Wormser Zeitung". Beiträge ähnlicher Art. Don arIen den Aufsätzen und Beiträgen, die er zu Zeitschriften, Zeitungen, Ka- knbetn. Sammelwerken und Korrespondenten lieferte, seien hier nur erwähnt die beiden im „Hessischen Kirchenb^att" erschienenen: „Der Pfarrer in der modernen Literatur" (11. und 12. Iahrg. 1901 und 1992) und „Karl Friedrich Bahrdt" (13. und 14. Iahrg. 1903 und 1994). Im Jahre 1903 erschien seine 1925 zum zweitenmal aufgelegte Erzähl ing „Zwischen Rhftn und Donnersberg". Darin behandelt er bi? Erlebnisse eines jungen, 1809 in das französi'ch» Heer ein- «reihten Bauernsohnes aus d"m h?u'igen Rhün- Hessen, der in Spanien in Kriegsgefangenschaft geriet und 1814 über England wieder Heimkehrte, nachdem er lange als vermißt gegolten hatte. Aus einem Borlrag hervor-^aangen war di? 1905 in 1. und 2. Auflage erschienene Schrift „Rh'in- h-s'en zur Zeit der Franzosenherrfchaft". In zeitlichem Zusammenhang damit sicht de musterhafte Erzählung „Das Hungnriahr". in drren 2ltW' punkt der nach der Mißernte das Jahres 1816 schwer um sein Fortkommen und die Erhaltung seines unb seiner Familie Besitztum ringende Dauer Adam Mühlbach steht, nachdem er es in dem französischen Heere bis zum Sergeanten gebracht hatte. Das Werk «''schien 1907 als Ar. 97 der „Wiesbadener Volksbücher" und wurde 1919 im 35. bis 50. Tausend aufgelegt. Rh-inhesien bleibt der Gegenstand, den er mit Vorliebe in geschicht'ichen Schriften, oder als Schauplatz seiner Erzählungen behandelt. Das gift von der Schrift „Das Elend der Fremdherrschaft" (1910). von seinen Beiträgen zur „Erinne- rungsschrift des hessischen Dolksschriftenvrreins zur Hundertjahrfeier 1813-1913“. worin er „Rheinhessen unter der Fremdherrschaft" behandelte. zur „Festschrift bcr P^inz Rheinhessen zur Iahrhuirder'feier 1816 bis 1916“, worin er „Die Provinz Rh: indes en in d?n beidrn ersten Jahrzehnten des Bestehens" behandelte, sowie zu der als Band 2 von „Rh?inh?s en in seiner Vergann-mhei!" ersckimenen Schrift. „Der Sudwesten Rheinhes ens in d?r geschihtsichen Zeit" (Mainz 1903). worin er die Ortsgeschichte von Steinbockenbeim und feines Geburtsortes Wonsheim darstellte, endlich auch von den Erzählungen „Ein pfälzischer Musikant", erschienen von 1913 bis 1915 in dem von ihm herausgegebenen „Sonntagsgruh". sowie von den beiden Erzählungssammlungen „Geschichten aus de- Pfalz unb ihrer Rachbarschaft" (Birken'eld a. b. R. 1914) unb „Rheinisches Land unb rheinische Leute (Gießen 1926). Endlich must noch das soeben genannte Gemeindeblatt „Sonntagsgruh“ erwähnt werden. Has zum erstenmal am 25. Dezember 1911 unb zum letztenmal am 24. Dezember 1922 erschien: Bechtolsheimer selbst ist barin mit zahlreichen erbaulichen, geschiEtlichen und erzählenden Beiträgen vertreten. Dadurch daß es ihm gelang, ältere Mitglieder seiner Gemeinde zur Mitteilung ihrer Erinnerungen zu veran- las en. hat er das Verdienst, ein gutes Stück Giebener Geschichte vor dem Untergang gerettet zu haben.
Der Erzähler Bechtolsheimer denkt durchaus geschichtlich, feine Gestalten sind aus dem Leben, wenn auch zumeist aus dem der Vergangenheit, gegriffen: sie sind Menschen von Kersch und Blut und wurzeln in der heimatlichen Erbe. Die Rebenanalhsen prvblernasi cher Raturen liegen ihm fern. Er will für das Volk schreiben und für Liebhaber von Büchern, „die nur erzählen unb nicht reflektieren", aber gerade deshalb wirb jeder gern zu seinen Büchern greifen, „der Liebe zu deutschem Land unb deutschen Leuten und Interes e dafür hat, wie die großen Weltbegebenheiten in das Leben sch'ichter Leute hincinragcn". Diese Art äu erzählen, hat ihm Leser aus allen Äcei.'en des Volkes geworben, und die Kunst, die verschiedensten Är fe zu gleicher Zeit zu ses'eln unb zu ergrei en. ist auch der Schlus el zu dem Erfolg seiner Wirksamkeit als Geistlicher.
Oberstudienrat Pros. Kutsch f.
Am 23. Oktober starb nach langjährigem, schwerem Srechtum der Oberftubienrat i.R. Pros. Ernst Kutsch. Wit ihm hat uns wieder ein Mann verlassen, der nicht nur mit unserer Stadt und ihrer geiftigen Bildung aufs engste durch Jahrzehnte verbunden war, sondern auch sich allgemeiner Achtung unb höchster Wertschätzung erfreute.
Oer Beirugsprozeß in Gießen.
5. Verhandlungstag.
* Gießen, 26. Oft. Unter anderen Fällen kamen heute folgende Fälle zur Verhandlung:
Ein Schweinehändler trat im Februar 1925 mit H. in Verhandlung wegen Geldbeschaffung. Auf Veranlassung von H. unb R. gab er Geld- beschaffungs- unb Prolongaiionswechsel in größeren Mengen herein, ohne nach seinen Angaben dafür größere Gegenwerte zu erhalten. Dadurch wuchs in kurzer Zeit seine Schuldenlast immer mehr an; in feiner Bedrängnis unterzeichnete er immer neue Wechsel. Während er vorher schuldenfrei gewesen fein will, will er nun in eine Schuld von mehreren taufend Mark geraten fein. Von vielen Seiten in Anspruch genommen, mußte sein Haus schließlich zwangsweise versteigert werden. Mit Rücksicht auf die widersprechenden Angaben der Angeklagten wurde der Zeuge beauftragt. Kontoauszüge seiner Banken vorzulegen.
Einem Taglöhner versprach H. auf einen ein- gereichten Hypothekenbrief über 2000 Mark die Beschaffung dieses Betrages, unb zwar angeblich in spätestens drei Wochen. Außer einem Betrag von 540 Mark, die ber Zeuge aber erst nach unb nach erhielt, bekam er nichts. Dagegen wirb er jetzt von ber Deutschen Girozentrale, an die der Brief abgetreten wurde, wegen der Hypo- thekenschuld von 2000 Mark in Anspruch genommen. H. behauptet, den Brief aber nur in
Höhe der wirklichen Beleihung abgetreten zu haben. Aehnlich liegen zwu weitere Fälle. Em Invalide erhält auf einen Hypothekenbrief über 2X0 Mark insgesamt 738 Mark, auch er wird in voller Höhe des Briefes in Anspruch genommen. Ebenso ein Arbeiter, der auf einen Hypothekenbrief über 1500 Mark nur zusammen einen Betrag von 200 Mark erhalten hat.
$) veranlaßte einen Arbeiter, dem er Geld versprochen hatte, eine Grundschuld zu bestellen. Der Grundschuldbrief über 5000 Mk. wurde zunächst für die Sparkasse Rodheim bestellt. Als diese aber kein Gelb geben konnte, lieh sich H den Bries zedieren. Diesen gab er dann an einen Wirt unb Kaufmann weiter, mit dem er m Geschäftsverkehr stand. Obwohl der Zeuge auf diesen Grundschuldbrief nichts erhalten hatte, mußte er zwecks Wiedererlangung' seines Brieses dem Wirt, bcr sich auf seinen guten Glauben berief, im Verglelchsw^e 350 Mk. bezahlen. Außerdem übergab H. dem Wirt einen anderen Grundschuldbrief über 1500 Mk., auf den der Eigentümer von H. nur 10 Mk. erhalten hatte. Dieser mußte bann auch zwecks Wirderaushändi- gung seines Briefes bem Wirt einen Betrag von 500 Mk. zahlen.
In Anbetracht der vorgerückten Abendstunde wurde bann die Verhandlung abgebrochen unb auf Dienstagvormittag vertagt.
Ernst Kutsch war am 17. Februar 1856 zu Lich als Sohn des dortigen Kammerdirektors Aitolaus Kutsch geboren. Aber schon als Gymnasiast tarn er nach Gießen, wo er im Frühjahr 1874 die Reifeprüfung bestand. Gießen ist er seitdem bis an seinen Tob treugebli?ben. Hier studierte er Mathematik, Physik unb Mineralogie, bestand 1880 die Staatsprüfung „für alle Klassen" und wurde sofort ordentliches Mitglied des pädagogischen Seminars. Schon nach Beendigung des Seminarjahres konnte der Direktor Schiller an das Ministerium berichten: „Ernst Kutsch ist wie 5um Lehrer geschaffen ..., er ist klar, präcis, hat seine Klasse stets voll und ganz bei der Sache, und die Schüler rühmen alle die Verständlichkeit feiner Auseinandersetzungen, er ist auch aus diesem Grunde sehr beliebt“. Dieses Urteil Schillers über den jungen Akzessisten werden alle seine Schüler bestätigen, die ihn, auch als alten Lehrer, vierzig Jahre später hören durften. Kutsch hat sein ganzes Leben — angestellt wurde er 1882 — am hiesigen Gymnasium verbracht. Sein Hauptlehrgegenstand war Mathematik, die er fernen Schülern bei aller Sprödigkeit des Stoffes meisterhaft klarzumachen und näbetxu- bringen wußte. Eine große Gewissenhaftigkeit und ein enormer Fleiß, verbunden mit seltenem Lehrgesch ick befähigten ihn dazu. Er hatte sämtliche Aufgaben des Dardeh für sich so ausgearbeitet, wie er es von seinen Schülern verlangte! Rach Ernennung zum Oberftubienrat im Frühjahr 1923 trat er nach seinem Urlaub am 16. 3ull desselben Jahres in den wohlverdienten Ruhestand. Als frühere Auszeichnungen waren Ihm 1896 ber Charakter als Professor unb 1906 das Ritterkreuz des Philippsordens 1. Klasse verliehen worden. Dec Schätzung bei Schülern, ihren Eltern und seinen Kollegen und Vorgesetzten konnte der verdiente Mann stets gewiß sein.
Aber auch außerhalb seines Berufes erfreute sich Professor Kutsch in Gießen ber größten Wertschätzung. Sein gefälliges, zuvorkommendes Wesen, das der Schärfe ganz entbehrte, gewann ihm viele Freunde. Er liebte die Geselligkeit in kleinem. vertrauten Kreise. Seine größte Erholung war ihm Gottes freie Ratur und die Jagd. Anstrengungen körperlicher Art war er stets gewachsen, in seiner militärischen Laufbahn brachte er es zum Sekondeleutnant d. R. unb erhielt die Landwehrbienstauszeichnung. /
Seit seiner Studentenzeit gehörte Kutsch bem Wingolf an, bem er in Treue zugetan war. In schwerer Zeit führte er von 1894 bis 1902 bas Rechneramt des Altherrenverbandes seiner Verbindung mit ber Gewissenhaftigkeit, die man an ihm gewöhnt war.
Seit dem Tob seiner Gattin 1912 ging es mit dem verehrten Mann langsam abwärts. Sein starker Geist unb Wille hielten ihn zwar noch länger aufrecht und stark: aber die Kriegsjahre taten auch das ihrige dazu, ihn zu zermürben. Bald nach seiner Pensionierung begannen schwere Jahre für ihn, denen jetzt ein stilles Ende beschert wurde.
An einem trüben Herbsttage, diesem Freitag, gaben ihm seine Kollegen, Freunde unb auch zahlreiche Schüler das letzte Geleit, um noch einmal zu bekennen, was sie dem Heimgegangenen verdankten. Es war ein schönes Znignis, bas der Direttor bes Gymnasiums, die Vertreter ber Altherrnschaft bes Wingolfs unb ber aktiven Verbindung, sowie ber Vorsitzende bes Philologenverbandes ablegten für bas. was Professor Ernst Kutsch gewesen war.
Gicsjener Wochenmarktpreise
Es kosteten auf bem he ltiaen Wochenmarkt: Butter 190 bis 200. Matte 30 bis 35. Kiss 60 bis 140 (10 Stück), Wirsing 10 bis 20, W.ißkraut 8 bis 15, Rotkraut 15 bis 25, gelbe Rüben 10 bis 15, rote Rüben 10 bis 15, Spinat 25 bis 40, Unter Kohlrabi 5 bis 10, Grünkohl 20 bis 25. Rosenkohl 40 bis 60. Feld alat 100 bis 120. Tomaten 30 bis 40, Zwiebeln 12 bis 15, Meerrettich 50 bis 150, Schwarzwurzeln 50 bis 70, Kartoffeln 5-/. bis 5lA. Aepfel 20 bis 35. Birnen 10 bis 25, Rüsse 60 bis 100. junge Hähne 100 bis 110, Suppenhühner 100 bis 120. Gänse 90 bis 110 Pf. das Pfund: Eier 16 bis 18, Blumenkohl 60 bis 120, Salat 15 bis 20, Endivien 10 bis 30, Ober- Kohlrabi 5 bis 15, Lauch 10 bis 15, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 50 Pf. das Stück: Radieschen Bd. 15 Pf. Weißkraut der Zentner 6 bis 7 Mk., Wirsing 10 bis 12, Rotkraut 15, Kartoffeln 4,50 bis 4,70, Aepfel 20 bis 32, Virnen 10 bis 15 Mk. der Zentner.
Por notizen.
— Tageskalender für Samstag. Volkshochschule: Eröffnungsabend des Win er- semesters. 20 Uhr. in dem großen Hörsaal der Universität. — Aula des Realgymna iums: Konzert. 8 Uhr abends. — Freie Turnerschaft, Gießen: 26. Stiftungssest, 8 Uh . im (Safe Leib. — Gießener Theater-Der inigung: 2. S ijtungs'est im Kath. Dereinshaus. Anfang 8.30 Uhr. — Lichtfti.lhaus. Bahnhofstraße: „Moulin Rouge". — Aftoria-Lichtspiele: „'Die ke ne Sklavin".
— Tage stalender für Sonntag. Goethe-Bund. 1. Morgenfeier im Kammerspiel- zyklus „Die Mitschuldigen", 11.15 bis 12.30 Uhr.
im Stadttheater. — Stadttheater: „Finden Sie, daß Constance sich richttg verhält?". Anfang 18 Uhr, Ende gegen 20 Uhr. — Musikalicher Volkskunstabend in der Reuen Aula der Universität, 20 Uhr. — Zentralverband deutscher Kriegsbeschädig'er und Krie.ierhir.terbliebenen e. V. Berlin: Landesverband Hessen: „Oeffent- liche Kundgebung", nachm. 2.30 Uhr, im Kach. Dereinshause. — Bürgervereinigung „Sachenhausen", Gießen: Familien',u ammenkunft ab 3 Uhr nachm. auf der Hardtterras e. — Lichtspielhaus. Bahnhofstraße: „Mou'in Rouge". — Astoria-Lichtspiele: „Tie kle ne Sklavin“.
— Morgenfeier im Stadttheater. Die Besetzung des Lustspiels „Die Mitschuldigen" von Goethe ist: Rudolf Goll, Wirt: Hans Tannert, 'Alceste: Ingeborg Scherer, So- bfjie; Ludwig Linkmann, Kellner: Franz Arzdorf, Söller. Regie: Intendant Dr. Rolf P r a s ch. Bühnenbild Karl Löffler. Musikalische Darbietung: Collegium musicum der Universität. — Abends 18 Uhr Fremdenvorstellung: „Finden Sie, daß Constance sich richtig verhält?"
— Die nächste Operette im Stadttheater. Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Das Reue Operetten-Theater Frankfurt a. M. bringt am Mittwoch, 31. Oktober, eine Wiederholung ber erfolgreiche* Overette „Gräfin Eva". Das Theater-Publikum wird bei dieser Aufführung Gelegenheit haben, zwei weitere und in Frankfurt a. M. außerordentlich beliebte Kräfte des Reuen Operetlen- Theaters kennenzuleri'en, und zwar die Herren Rorbert Fels (Achilles) und Karl Reul (Bonhady). Für Anfang November ist die E^t- aufführung einer neuen Operette geplant. Es- ist dies „Liebe und Trompetenblasen“ von Hans Sturm und Hans Bachwih, Musik von Marc Roland.
— Dom Gießener Konzertoerein wird uns geschrieben: Prof. Joseph <5a t g e t i, der ausgezeichnete, weltberühmte Violinist, ein Schüler Hubays, Nachfolger Marteaus und Hugo Heermanns an den Meisterklassen des Genfer Konservatoriums, wird am Sonntag, 4. November, nachmittags 16.15 Uhr mit dem ersten Abonnements- konzert die Konzertsaison eröffnen. Auch im diesjährigen Winterprogramm sind wieder 10 Abonne- mentskonzerte vorgesehen. Die Preise im Abonnement bedeuten eine wesentliche Ermäßigung gegenüber der Einzelpreise. Auskunft und Anmelduna zum Abonnement in der Musikalienhandlung Ernst Ehallier. (Siehe heutige Anzeige.)
—- Musikalischer Volkskunst abend derVolkshochschule. Wir weifen nochmals auf den morgigen Abend hin. Kursbeginn Montag, den 29. Oktober, 20 Uhr, in der Universität. Näheres siehe heutige Anzeige.
— Christentums - Vorträge. Man schreibt uns: Dr. Alfred Heidenreich, ber in der kommenden Woche in Gießen einen öffentlichen Vortrag hält, steht als bekannter Mitarbeiter in der modernen Bewegung für religiöse Erneuerung. Er hat sich einem weiteren Publikum durch ein Buch „Im Angesicht des Schicksals" bekannt gemacht. Er wird am kommenden Montag sprechen zum Thema: „Das Antlitz bes kommenden Christentums". (Siehe heutige Anzeige.)
• * Stempel- und Gebührenermäßigung bei der Aufnahme von Um- schuldungsdarlehen für di« Landwirtschaft. Umschuldungsdarlehen dienen der Durchführung der Umschuldung drückender landwirtschaftlicher Schulden. Umschuldungskreditinstitut für das Land Hessen ist nach der hessischen Verordnung für die Umschuldungsbeihilfe vom 18. Juli 1928 die Hessische Landesbank (Staatsbank) in Darmstadt. Die Staatsbank wird von der Treuhandstelle sowie einem Kredit- unb einem Arbeitsausschuß unterstützt. Die hessischen Staats- und Gemeindebehörden sind verpslich»- tet, den genannten Ausschüssen sowie dem Um- schuldungskreditinstittlt jederzeit kostenlos erforderliche Auskunft zu erteilen. Der hessische Just izminister hat weiterhin angeordnet, daß füv die Beurkundung von Schuldverschreibungen und Hypothekbestellungen für Darlehen der besagten Art der gesetzlich bestimmte Stempel, sowie die als Gerichtsgebühr zu erhebende Rotarsgebühr auf die Hälfte ermäßigt werden: das gleiche gilt bei einer etwaigen Umwandlung bereits bestehender Hypotheken oder Grundschulden in eine Hypothek zur Sicherung eines Umschuldungsdarlehens. Die Slempelermäßigung wird auch für Hypothekenbriefe gewährt, die übeti das Umschuldungsdarlehen ausgestellt werden, für Vermerke auf Hypotheken- und Grund- schuldbriefen, sowie für ortsgerichtliche Schätzungen ober Abschriften. Die Gebühren für die Tätigkeit der Ortsgerichte ermäßigen sich um ein Viertel. Bare Auslagen werden von der Ermäßigung nicht betroffen.
♦* Krähenzüge. Gestern morgen zwischen 9 unb 10 Uhr überflogen riesige Züge von Krähen in großer Höhe ben östlichen Stadtteil. Sie flogen In b Richtung Norbost nach Sübwest. Die letzten Züge verschwanben 9.50 Uhr in ber Richtung nach Klein- Linden und Allendarf (Lahn).
• * Eine Prüfung für Geschäftsfteno- graphen findet in ber Inbustrie- unb Handelskammer Gießen am 18. November statt. Anmeldungen sind bis zum 10. November einzureichen. Näheres in ber heutigen Bekanntmachung.
Sine Stiftung für hilfsbedürftige Mitbürger. Vorn städtischen Wohlfahrtsamt wird uns mit geteilt: Die Firma 3. Schmücker Rachf. in Gießen, Marktstraße 5. hat anläßlich ihres Geschäftsumbaus und der Reueröfsnung ihres Geschäfts dem Wohlfahrtsamt der Stadt Gießen 100 Laibe Brot zur Verteilung an Familien, bti* in laufender Unterstützung bei der allgemeinen Fürsorge steheir. zur Verfügung gestellt. Die Ausgabe erfolgte am gestrigen Frettag, und zwar wurden besonders kinderreiche Familien bedacht. Die Spende hat bei den Bedachten große Freude hervorgerufen.
• * D i e Fürsorgesprechstunbe für Gemüts- unb Seelenleibenbe findet, wie bas städtische Wohlfahrtsamt im heutigen Anzeigenteil bekanntgibt, vorläufig einmal im Monat an jeem zweiten Mittwoch statt. Die Beratung erfolgt unentgeltlich. Näheres in ber Bekanntmachung.
* * Das städtische V e r s i ch e r u n g s a mt unbbasÄrieger-yürforgeamt werben ab 1. November in bas Haus Lonyftraße 2 verlegt. Interessenten seien auf bie heutige Bekanntmachung der Stabtoerwaltung hingewiesen.
• • Die Museen sind am Sonntag zwischen 11 und 1 Uhr geöffnet.
Oberhessischer Kun st verein. Die KoUektion B ö ck st i e g e l wurde unter Einreihung zweier vom Künstler nachträglich ein» gesandter hervorragender Oelgemälde: „vensen- dengler mit Kind" unb „Glocken-Blumen“ (großen Formats) völlig mngehängt. Auch die Kiehl- s ch e n Gemälde haben einen zeltweisen Wechsel erfahren.
* * Hessen weiter frei von Maul - und Klauenseuche. Nach ber amtlichen Nachweisung über ben Stanb ber Maul- unb Klauenseuche in Hessen waren am 1. bzw. 15. Oktober alle Kreis« bes gesamten Volksstaates frei von ber Maul- unb Klauenseuche.
• • Der Kaufmannsberuf bei der Berufswahl. Obgleich der Schulentlassung-- termin noch ziemlich fern ist, werden sich viel« Eltern schon ernsthaft mit der Berufswahl für ihre Söhne beschäftigen. Die Frag«: „Soll unser Sohn Kaufmann werden?" wird rm Hinblick auf die noch immer große Stellenlosigleit vielfach mit starken Zweifeln erhoben werden. Und dennoch macht sich auch im Kaufmannsberuf immer stärker ein Mangel an Kräften bemerkbar, di« nicht den Typ des „Kontoristen" mit allgemeinen Kenntnissen verkörpern. Es bieten sich heute für junge Menschen, die die notwendigen Voraussetzungen mitbringen, wieder etwas besser« Aussichten bei ber Erlernung dieses Berufes. Entscheidend ist allerdings nicht nur, daß der junge Berufsanwärter eine Lehrstelle bekommt, sondern in noch höherem Maße, daß ihm seine Lehrfirma auch eine gute Ausbildung gewährleistet. Es ist daher allen Eltern, die ihren Sohn Kaufmann werden lassen wollen, zu empfehlen, sich vorher genaue Auskunft über die Voraussetzungen, Anforderungen und Aussichten des Kaufmannsberufes einzuholen.
** Deutsche Volkspartei. Man berichtet uns: Am Montag, 22. Oktober, hatte sich bie Frauengruppe der D. V. P. zu einer Gebenkseier des 70. Geburtstages bet verstorbenen Kaiserin Augusta Viktoria im „Schützenhaus" vereinigt. Mit Paul Wraukes Gebicht „Augusta Viktoria", Sefprochen von Fräulein B. Döring, würbe bie eier eingeleitet. Darauf aab Frau A. Kindt ein lebenbiges Bilb vom Leben unb Wirken ber verstorbenen Kaiserin. Mit Liebe unb feinem Ver- ftänbnis wußte Frau Kindt den Anwesenben bie Persönlichkeit dieser echten deutschen Frau, deren ganzes Leben im Dienst der Pflichterfüllung in Familie unb Vaierlanb gestanben, vor Augen zu führen. Ergriffen von ber Tragik des Schicksals der letzten Kaiserin folgte man den bis an bas Enbe fesselnben Worten ber Vortragenden. Fräulein Tetz la ff erfreute darauf bie Anwesenben durch einige schöne Lieber, begleitet von Frau Roloff, unb zuletzt sprach Frl. B. Döring die Pagen-Ballaben von B. von Münchhausen.
Briefkasten der Redaktion.
(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkett ber Schriftleitung.)
E. R. 15. Es handelt sich um bie Fabrikmarke der Königlichen Porzellan-Manufaktur zu Berlin, bie im Jahre 1761 von dem Kaufmann Gotzkowski gegründet unb 1763 von König Friebrich 11. angekauft unb zur Königlichen Tlanufaitur erklärt wurde. Die von Ähnen angegebene Marke (mit dem Reichsapfel) wird seit dem Jahre 1841 verwandt. Ursprünglich war die Marke der Manufaktur ein Zepter in Blau oder Braun: seit 1835 wurden die Buchstaben K. P. M. (d. i. Königliche Porzellan-Manufaktur), seit 1844 diesen Buchstaben der preußische Aoler hinzugefügt. ___________
Kirchliche Nachrichten.
Evangelische Gemeinden.
Sonntag, 28. Oktober. 21. Sonntag nach Trinitatis.
Stadtkirche. 9.30 Uhr: Pfarrer Mahr: 11: Kinder- kirche für die Matthäusgemeinbe (Erntebankfestspiel): Pfarrer Mahr: 6: Pfarrer Becker. — Iohannes- kirche. 9.30: Pfarrer Bechtolsheimer: 11: Kinderkirche für die Lukasgemeinde: Pfarrer Bechtolsheimer: 6: Pfarrer Ausfeld; 8: Bibelbesprechung im Iohannessaal: Pfarrer Lenz. — ftapeUe des Alten Friedhofs. 9.30: Pfarrer Lenz: 11: Kinderkirche: Pfarrer Lenz. — Elifabelh-Kleinkinderschule. 9.45: Pfarrer Müller. — UNefeck. 9: Beichte; 9.30: Pre- bigtgottesbienft; im Ansch uß Feier bes hl. Abendmahls. — Alten-Bufeck. 1; 2: Beichte; 2.30: hl. Abendmahl. — Kirchberg. 10: Kirckberg; 1.30: Lollar und Daubringen. — Hausen-Garbenteich. 10: Hausen; 1: Garbenteich. — Watzenborn-Steinberg. 9: Beichte: im Anschluß Predigt unb Feier bes hl. Abenbmahls (jüngere Eheleute). — Lich. 9.30: Stiftsbechant Kahn; 12.45: Kinbergottesbienst; 2: Stiftspfarrer Lic. Schor- lemmer.
katholische Gemeinden.
Samstag, 27. Oktober.
Gießen. 4.30 unb 7 Uhr: Beichte.
Sonntag, 28. Oktober. 22. Sonntag nach Pfingsten. Christ Königsfest.
Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion der Frauen; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Pre- digt, 11: Messe mit Predigt; 5.30: Christenlehre und Andacht mit Segen. — Grünberg. 9.45. Messe mit Predigt. — Hungen. 9.30: Hochamt mit Predigt. — Lich. 7.30: Hochamt mit Predigt. — Ridda. 8.30: Hochamt mit Predigt.
SonntanSdientt ». Nerrle n. Apotheken am2Ll0.A Dr. Geyer. Prof. Dr. Honigmann. Htrschapother«.
Zahnarzt: Dr. Haubach. *D


