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Hr,228 Zweites Matt Eietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberhefien) Donnerstag, 27. September |928

Asiatischer Kapitalismus.

Dc»n Dr. Alphons Nobel.

Werner Vom bart hat soeben au< der Züricher Tagung de- Qkrc.n» für SoziolpIÜtll den Rieder gang de- europäischen und den frort» schritt de- asiatischen, asrllamschen und ouftrall* sehen Kapttaftsmus seftgeftelft Er nannte den europäisch-norlamer llanisch«:, Wirrscha UyiHand 6tj.» und den der anderen 2rdte:.c Fruhkapi- ta.i«mu«

Wenn diele etwas allzu kalegorrsche Behaup­tung auch angel achten und mrt einigem Rechte kritliiert wurde, so hat Comban doch im Äcrn recht. Dr« auhercuropälichen Länder 'natürftch von den Bereinigten Staaten und gewissen Ter.en Äanaha« abge'eoen) befinden sich un Frühkapi- talrsmu«, da» hecht. in einem so organisierten und auch gcrftrg so bescha»lenen WirischaftS- zusiand, w.« er bei uns im 18. und in der ersten Halile des vorigen Jahrhundert» von den Schil- derern und Forschern dargestetlt wrrd. 3n den Webere.en Schanghais, in den indischen Kohlen t<rga>erken, in den Pap'-cr abrrkcn Singa- pores sreht es nicht ander- au-, als in den Webereren de- englischen Lancathire- um 1840 oder nn Ruhrbezirk« 1860.

Auch in der Produkt ionsarl srnden wir in Asien srühkapiraiistische Züge. S» überwiegen rdat.p primitiv« Fabre!atron«zweigc und inner­halb d.eler wieder billige Sortcnherlettung So ift dr« Tertilinbuftrie bie erste Bastion, welche der astatische Industriaii-mus besetzt hat linier besseren Bedingungen übrigen-, al» «s semer-eit in Europa gelchah. In Indien wird Baumwolle und Jute gebaut und in Ehna Baumwolle. Indien steht in der W. iptoMtion der Baumwolle an zweiter Steile, sog.e -J) hinter Amerika. Im Iutebau hat Indien sogar ein Wettmonopol. Kein Wunder, dass aui Ic.cher Grundlage sich eine grobe Textil­industrie mühe'.os entfalten kann, zumal auch hie anderen Vorbedingungen der Textilindustrie gegeben sind: ArbeitSkrä-te in groher Anzahl und mit sehr besche denen Leben-ansprüchen, so­wie der Iniandmarkt.

Aehrrftch, wenn vielleicht auch nicht ganz so g. ist e« in Lhina und Japan. Doch kre i wieder gröbere UMernehmeraiitiative und a luernder frlcifc di« ostasiarische Industrie in Bo. ii vor Indien. Die Kapitalbllduna der Te: t abrilen schritt jedenfalls überall sehr schnell vorwärts, so hab ausländische Mittel recht bald überflüssig und entbehrlich wurden. Heute ist ein ?«roher Teil der indischen und chinesischen Tettll- ndustrie in einheimischen Händen, in Japan fast ga>",. Der Prozentsatz der Heber fremdung mag in Ihuligen Indien kaum noch 50 Prozent be­tragen.

6v.br genau aber sind di« Wirkungen aus Europa auch zahienmührg bekannt. Es würde hier zu weit fuhren, die Aussuhrzissern der englischen Vorkriegszeit mit denen der lebten Jahre zu vergleichen. Was fertig« Testillen betrisst, so ist ein erheblicher Rückgang zu ver­zeichnen. Di« Lage des wichtigsten britischen Te. lbezirkes, des von Lancashire, ist auch da­nach er befindet sich sett 1921 in einer ununter- brrchenen Krise, die dadurch noch schlimmer wurde, hab 1919 im Taumel des Sieges die Fabriken von Manchester und den anderen Testil- städten sich mehr als vernünftig erweiterten. England Hai heut« an 57 Millionen Baum­wolle verarbeitende Spindeln: daS ist ein be­trächtlicher Teil des Weltbestandes von 160 Mil- l nnen überhaupt. Davon stehen heute die meisten stM und es ist wenig Aussicht, haft sie je wieder zu laufen beginnen.

Der asiatisch« Bergbau steckt ebenfalls nicht mehr so in den Anfängen, toi« man daS so gemeinhin annimmt. In Thina gibt es sehr gut ncihiencnhc Kohlengruben und. besonders in der Bähe von H a n t a u am Iangtsestuss«, gewaltige Hochofenanlagen und andere Werke der Schwer­industrie. chinesisches Kapital überwiegt hier. In Japan existieren Schwerindustrien, die sich mit vielen europäischen messen tannen, wenn auch der bekannte QHangcl Japan- an Ersen und Kohle hier sehr hemmend wirkt. In Indien ist die Sternkohlensörderung der letzten Jahre

immerhin bereit- grober als die des Saarlandes. Ebenso eristieren in Tatanagar, einer In- du<tneslad:. weiche im am.rllanllchen Mahstabe gewachen ift. gewaltige Sllcnwerke. Gründer dteser induftriel.en Metropole sind nun keine Inder, sondern Parsen, also Nachkommen jener persischen Flüchtlinge, die vor vielen Jahrhunder­ten ihre Heimat aus der Flucht vor dem fanati* lchen Is.am verliehen Diele Parsen haben es. trotz threr steinen Zahl <e« sind kaum mehr a'.S 100 000. und was will das zahlenmäßig in einem Volke von 320 M.lionen hechensi, «rtig- gebrachr, zu grohem Rc.chtum zu kommen. Schuld daran ist h.e'figkeit der Inder auf wirtschaft­lichem Gebiete. Sm solcher Parse, mit Damen Tata, gründete allo biek Gl. rfc und begann da- mit, von deutschen Iesuit.n in Bombay, unter denen au-geze-chne.e S-o.ogm waren, den Bo- den und d«e Gestein-proben unterl leben zu lassen Es stellt« sich ein sehr günstiger Stsen- und Mangangehalt heia^s. so das, grobe Anlagen wohl lohnen fonn:en. M t Hllie deutscher, eng­lischer und amerikanischer Ingenieure und Tech- ntfet wurde datm hier in IJatanagcr die erste grobe E-'enwerkftatt Indien« ins Leben geru'en. di« heute durchaus kvnkurrenz ähig ist. Leider find nach dem Kriege die deu.schen Techniker n.cht wiedes eingcfteLt worden.

Aaturltch belinden sich all« asiatischen Indu­strien, mit Sinschlub auch der japanischen, immer noch un Ä.ndfKUi&fiadtum, oder, wie Sombart sagt, im Stadium des Frühkaptta.ismus Aber tot« schnell kann diele Epoche überwunden werten! Arbetttkrä t«. Ablatzmvg.ichkeiten. technische Fach­leute sind heut« vorhanden. Woran «S vielsach am mersten fehlt, ift da- Kaptlal. Das er- scheint zunächst merkwürdig, wenn man folgen be­be denll: Indien hat nach keinen Bankaus­weisen an Golbvorräten etwa 9 TLIliarbai Mark Zum Derglech sei angeführt, das, selbst England nur 3B und Deutschland an 2 bek tzt. Aber das ist noch nicht alles Sicherlich besitzt Indien in seinen thesaurierten Gold c länden noch einmal die gleiche Summe, so hab man sagen kann, das, Indien ebensoviel Dold ausweist wie Nordamerika, närn.ich 18 Milliarden Gold­mark (der geamte, bankmäsi g auSgewi« en« Gold­bestand der Weil ist rund 50 Milliarden).

Freilich ist mit dem Golde an und für sich noch nicht viel getan. Denn sonst mühte ja ein

Land tote Indien in der ersten Reibe der kapi- t alitierten Länder stehen Doriäuiig ist des Gold leblos, es liegt unfruchtbar m den Tresoren Aber wenn c.nmal die ko lest gemachten C-mruen durch vernünftig« Sratlätigieit in d e Wirtschaft fliehen und aus Goid Geld wird, dann ist der älelergang zum Hochkapllaftsmus da.

Oie Tür nach Indien.

Daö nationolitti$d)c China slösft nach iibei vor

Die Nationalist Iche Jl.-g.erung Ehinas ist jetzt end.ich so weit, das, sie rrrnerhalb der enaeren Grenzen des Reiches keinen Widerstand mepr zu bekämpfen hat Sie kann, so ange du* Gegensätze unter den Führern nicht neue Schwierigkeiten machen, darangehen. ihre Macht zu ftab.ltfkren und vor allem den Staat au reorganif.erciL Aber «s genügt ihr nicht, sie Tdx.nl auch nationalen Ehrgeiz zu en'.wickrln, imb hl« Grenzen de­alten Reiche« wied r anzustreben. Aur so ist es woh! zu verstchen. wenn wir Plötz ich hören, dah ein« Kommission nach Lhassa ge­schickt ift, mi: dem Auftrage vom Da ! ai Lama tie Anerkennung her chin stlchen Ob.rfwheit zu perlangen, und zwar in der ultima i en fronn. hab im Falle der Ablehnung eine chinesische Militärerpedition in Aufsicht st.he Die Herren In Banking haben Mut Da- chinesisch? Besatzung-Heer ist seit 1911 aus Tibet zurück­gezogen. Inzwischen hat England sich hort sehr vorichtig cingeschlliet und möchte dies« Tür nach Indien gegen alle Seiten absperren indem es durch ein Abtommen von S.mla die 11 nab- büngigkeitTibet« anerkannte Die Chinesen haben zu diesem Abkommen geschwiegen, soianx sie nicht imstande waren, sich zu rühren. SS ist aber doch kennzeichnend, hab hc jetzt sofort ihre niemals aufgegebenen Ansprüche wieder anmel- den, auf die Gefahr hin, darüber mit Eng and m Konflikt zu kommen dem mit einer Mönchsrepu» b ik im 2corben Indi.ns viel mehr g dient »st. al# mit einer chinesischen Militärlolonie. Deswegen muh die ch.ncsische Regt rung euch damit rechnen, hab England den Widerstand des Dalai Lamas stärkt und alle Künste spielen läht. um bi1 Rück­kehr chinesischen Militär« nach Lhassa zu Der- hindern.

Arbeit für Erfinder!

Was der Menschheit noch fehlt. - feuersicheres Papier, ewig scharfe Sofien klingen. ES gibt schon einen Schuh vor dem Schnarchen.'Oer Spazierstock als Klappbank. 466250 Reichspaiente.

Don Dr. Ignah Sauer.

Feierliche Stille und ernc Atmosphäre von Weltabgeschiedenheit empsftzdet man, wenn man aus dem Trubel der Drohst ad t in den riesigen Oberlichtlaal des deutschen ReichSpatent- a m t e S tritt. An langen Tischen sitzen dort Männer jeden Aller-, die entweder in dick­leibige Attenbündel vertieft find ober mit Blei­stift und Zirkel hantieren. Die Umwelt scheint für sie versunken zu sein, si« geben in ihrer Arbeit völlig auf. Allen gemeinsam ist ein getoifler fanatischer Zug im Gesicht, der beweist, hab sie von einer fix en 3hce besessen sind. He wollen die grobe (Srhnhxntg machen, auf die die Well wartet, und für die sie mit Gold und Ehren überschüttet zu werden hoffen. .Kummer, Rot und Entbehrung kann man leicht von dem Antlitz vieler Männer ablesen, tiefe Furchen auf der Stirn beuten auf jahrelange, rastlose Gedankenarbeit hin, und Verbitterung und Ent­täuschung malen sich in den GesickftSzügen so manchen ErfinberS, der bei bet Lektüre einer Patentschrift erkennen must, hab ihm ein glück­licherer .Kollege" zuvorg «kommen ift.

Dem Laien scheint eS zunächst untabbar. hab geistig und körperlich gesund« Menschen sich so vollständig von der DÄt -urückziehen, ihre Be­dürfnisse auf baS Aeuherste einschränken und oft in schäbiger Kleidung um her gehen, um sich ihren groben Ideen zu widmen. Seloftverftündlich

gibt es daneben noch eine Unzahl von Menschen, die nur karge Freistunden für ihr« Erfinder- tätigfeit benutzen können und Schlaf und Ge­sundheit meist einem Phantom opfern. Spricht man aber mit einem solchen Fanatiker, so kommt man zu der Ueberzeugang, hab «s tatsächllch noch eine Menge von Dingen gibt, deren Er­findung ein glänzendes Geschält bedeuten würde, und mit erwachender Teilnahme Labt man sich von all den Erfindungen erzählen, die die Welt scheinbar sehr nöftg braucht. Da fehlt eine Rasierklinge, di« nie geschlissen zu werden braucht, di« Menschheit lechzt nach einem Mittel, bas den Straftenlärrn mil- dert, noch immer gibt cs keinen Bleistift, der genau so schwarz wie Tinte schreibt, und auch der Füllfederhalter, der Tinte in drei verschiedenen Farben liefert, ift noch nicht erfunden. Eine Umwälzung auf wirtschaftlichem Gebiet würbe b.roorgenfen, wer ein chemisches Verfahren zur Her^ieilung von feuersicherem Papier ftndet, und wenn man dieses Papier mm noch mit einer sofort trocknenden Dnt« beschreiben könnte, dann wären die Hersteller von Löschpapier dem Hungertod preisgegeben. Auch d'« HauSsrau hat fo man­cherlei Wünsche anzumelden: ihr fehlt ein Bü­geleisen. daS fte nicht erst mit der Hand berühren muft. um fest zustellen, ob es Heist ge-

Wilhelm Filchner.

Von Dr. Otto Henning.

Der bekannte Aficnforscher Dr. Filch- ncr wird am kommenden Montag in i»ieb«n sprechen.

GS ist noch nicht allzulange her. haft durch hie deutsche Vresse bi« Meldung ging, her benähmt« deutsch Südpol- und Asienforscher Dr. Wil- hcf'.i Filchner sei auf seiner Expedition durch dar- innere unbekannte 2lsien von Eingeborenen euaorh.t worden. Aber ein glückliches Geschick bat den verdienstvollen Forscher dem deutschen Volle und der deutschen Wissenschast erhalten. Unlängst kehrte er nach mehreren Jahren gröhter Gntbelnun^en und Entsagungen mit reichem wissenscha tlichen Studienmaterial in sein Vater­land zurück. ....

©eine unbeugsame Willens'rast, fein öbcaliÄ- nrus für die Wissenschaft und für sein Volk sich restlos einzusetzen, haben ihm über all« Fährnisse glücklich NmoeggeMten. 2llS ein Mann der Tat, als ein unerschrockener Pionier her Wisfenschast steht Filchner beute im Mittel­punkt deS Interesses her geifugcn Well.

Den weitaus größten Tell seines Lebens hat der jetzt 51jährige Forscher - ein Münchener Kind in fremden, unerforschten oder ganz wenig bekannten Ländern, bei den llomaden- vöIkern der Mongolei und Tibets oder in her Einsamkeit des antarktischen Eises in selbst Io'er, hmaebender Arbell im Dienst« der Forschung vervracht.

Bereits mit 23 Jahren trieb «S ihn in b»e Welt hinaus. AIS junger Infanterielcudiant unternahm er ganz allein den berühmt gewor­benen Ritt über den Pamir, über das Dach der Well. In seinem gleichbenannten Erstlings­werk hat er die Erlebnisse dieses Rittes, der ihn durch Afghanistan nach Indien führte und der ein austerordentlich grobes Mab von Mut und Ausdauer erforderte, beschrieben.

Wenige Jahre fp^er zog es ihn wieder hin­aus. Von Schanghai" auS wanderte er nach der nordwestlichen chinesischen Grenzstadt Siningfu. welche er sich als Basis für feine erste grobe und bedeutungsvolle Srpedition nach Osttibet auderfeben hatte.

Für die erdkundliche Forschung äuHerst wert­voll waren die wissenschaltlichen Ergebnisse die­ser Fahrt, die m einer Reihe von Bänden und Kartenwerken niedergdegt find. Bekannt sind vor allem auch seine ersten chinesischen Fluh- ersorschungen geworden. Seine Bücher .Tschung- Kue Im Anch her Mitte" und .Quer durch Ost-Tibet" berichten über die Abenteuer und Gefahren dieser Tibekreise.

3m Jahre 1910 verlies» die .Deutschland" als örpeh ttonSschi f d.*r zweiten deutschen Süd- polarerped.tion unter Führung Filchners den hei­matlichen Hafen In seinem Buch .Zum sechsten Erdteil" berichtet Filchner über diese antarktische ForschungSfahrt, über deren Bedeutung her grobe schwedische Polarforscher Aordenskjöld im Vorwort zu dem genannten Werk« schreibt: .....Die Entdeckung her südlichen Begrenzung des Atlantischen Ozeans, deS Prln.zregent-Lutt- voll»-Landes und des Weddell-Schell« bildet eine geographische Tat von allergrvhter Be­deutung!"

In die Heimat zurückgekehri. wird Filchner von her Universität Königsberg zum Ehrendoktor ernannt Bald stellte er sich in den Dienst einer neuen groben Ausgabe: Aoald 2 mundsen hatte ihn für feine Aordpol'ahrl anactoorben! Da brach her Krieg au- und zerstörte alle Pläne. Filchrter muhte als GeTreralftabSoftizier an die "2k ft front AIS Major kehrte er aus dem Krieg« zurück.

In den nächsten Jahren war er mit willen- schaftllchen und literari'chen Arbeiten befchäf- tiat. Sr schrieb u. a. fein prophetische- Buch ,©turm über Asien", da- jetzt in Kürze in er­weiterter und ergänzter Form unter dem Titel .Wetterleuchten im Osten" erscheinen wird, ar­beitete an einem Roman, betitelt .Hui-Hui", her da- gesamte mohammedanische Problem in hochinterellanirr Wei e bobanbclL Auch die<es Derk wird drmnächst herauSkommen

Zu Beginn dcs Jahres 1925 unterbrach eine neue grvh« Tibetreife feine Schreibvfcharbriten. Er brach zu jener bedeutungsvollen Seife auf. bk ihm beinahe zum Verhängnis gcwordm wäre. Sr sammelte in Gebieten, die bisher noch kein Europäer betreten hatte, neues, unendlich wert­volles erd- und völkerkundliches Material. Er­forschte Sitten und Gebräuche eine- unnahbaren

VolkSstannncS und entschleierte das Gebeimni- jeneS Landes. Brachte allen ©ntb. bringen und Mühseligkeiten trotzend reichen Gewinn nach Hause. Heber diese ebenso erfolgtet b« wie abenteuerreiche Reise wird Filchner an «einem Vortragsabend selbst und besser berichten Rinnen.

Wir Deutschen müssen dem groben und ver­dienstvollen Forsch« nicht allein größten Dank wissen, sondern vor allem auch besorgt sein, aus den Ergebnissen seiner Forichungs'ährten Butzen und Belehrung zu ziehen Denn darüber kann fein Zweifel bestehen dah auS der Forfchertä ig- feit Filchner- die deutsche Wirtschaft und Politik gerade im Hinblick auf die zukünftige Gestal­tung her wuÄchaitiichen und po itifd>en Derhäll- nisie in Asien größten Gewinn z,epen kann

Ewiges Löschblatt und Kinder­rätsel.

Don Max Jungnidel.

In meiner CpittdReiner Kammer, zwischen Koburg und Aeuftadt, stehl «in riefengrohcr Straus; Daldb-lumen. Der ganze Busch ist blü­hende» Himmels blau, duftende Sterne schwan­kendes Silber, wachsendes Waldwa fer, Svnnen- klerder. weih« Hochz<itsglocken. die ganzen Schwinge- und Eingetagc eine- jauchzenden Mo­nats. Und der Strauh ist wie bic Seele deS Menschen, der ihn mir brachte und der nun mit seiner zän.Iichen Geige auf dem Berge steht und feint Melodien In mein Fenster 'chickt.--

Gestern ging ich zu einem Bauern der schrieb an einem langen, umständlichen Brief. Als ich etntrat. sing er an. die Schrift mit einem Lösch­blatt trocken zu machen. Aber es wollte ihm nicht geltnacTv Dieses Wfchblatt war nämlich eine lagmpaftc Angelegercheit. GS war nicht mehr weih. GS war durch und durch Hau ixt- träte! t Der Dauer fing immer wieder an, einen weihen Puntt auf dem Blatt zu entdecken: aber es war beim besten Willen nicht möglich.--

Und nun offenbarte et sich mir: Das Lösch­blatt stamme noch auS seiner Schulzeit. Heute fei er tm 60. Jahr. Seit 47 Jahren fei da» Blatt bc ihm <dxra in Betrieb. Do soll da noch ein Weiher fried Herkommen? Gr Pwwf*

nug ist, sie wünscht auch eine Pf «ff er dose, die fte füllen kann, ohne Aafc und Augen voll Pfrifer zu bekommen, und et ne nritg*- Freude toürde man hr mit einem Werkzeug l*encitm. mit dem sie die ang.br.innten Stellen von den Schüsfrln abkrotzen limnte. 24>oi kn ketxicn s>ch hie Damen bet schmutzigem Wetter iuich einer Vorrichn.-tg an h.m Automobilen, die fte t*or der Berührung mit hem SttafteTtschcnutz schützen «oll. Sin zusammenlegbarer Ae- aen schirm, eine Aft großer C.aubf uyr zur Entsernuna vv, Papter u ,h 2J» äl en . u« groben P^r.s und nn friKltätig einsetzen^«r H«mm- fchuh für Kinderwagen find Tt.ii«, für deren Erfindung eine Dlotjxi'ifl e t Iv icb:. und über alle diese Pro. lerne arube.n dt< Uänncr nach, die in dem weit rbg.schieden en Saal des Paln.iamres sitzen.

466 250 Patente find in den letzten 5 1 Jahren bei dem Reichs >.tentamt crtc.lt worden, und selbstverständlich findet man doit neben Dl.Im epvchenache de dr.inbu gen auch Patente, von deren Zwecknä ;g c.t m v, sich nicht recht überzeug n lallen will. L»>. h-t sich jemand eine Dorrichtung iuc Derhütung bc * Schna rchens p te t c.ei lasse , em a h r r h i eine Rech nvor.ichtung füi ^echnu igs n - rung bei dem Kartenspiel cr uuVn. und nn Dritter Ist floh auf sein P ttent für einen \mci- teiligen Piropfen. d r die Ohr der B de en schätzt. Man kann gctrilrit Meinung duniber fein, ob haS Patent. daS einen In einen >.lapp- flänber oder eine Klappbank t iMbartn Spazierit ock schützt h ing nd not tx :i i i g u> en ist. aber den Kinhe.-spielrei en. bet mit 2.rb- toerf für Sch llerAtugung verbunden ist. toe «n kinderreiche Famisicnväter sicher ich mit ü.it- zücken begrüben. Sin neue- Patent, aus dem man nicht recht schlau wirb, ist für ein Ka­russell erteilt worden, sicher war es leb; fdyaneng einen Automaten zu er'i tbrx. der für die Sinz Irbgtbe von Aaheln bestimmt ist W«r wäre nicht neugierig auf b 4 neue Pale t, haS einen selbsttätig sich 'u-lösenhei, Rock Haf­ter für R a hf pterlnnen vr

wer möchte nicht die Vorrichtung zur Stär­kung des Zahnfleisches knnerlerr- ? Bedeutungsvoll ift hagegm daS Patent zur Cv t Im una.>?i D ll ,'i aus den A r

Luftschif motore. daS bei de n n c u v n . t c p p e l i n erprobt werden soll. Ganz besonders 'e,- fationeÜ dürfte aber daS Paten: wirlen dai _r Leiter et ne- De: gnügun teet I>

deutschen Hafenstadt angcmcl.«t Hat. S- banbet sich nämsich um ein durchleuchtbareS Kleidung -st ück aus Gaze, das auf der Innenseite mit Rellametran-parenten perfehen ist. die bei Durchleuchtung auften sichtbar werden. Aber auch für ein geeignetes WeiHnacht.gescheick haben die Erfinder schon vorgesorgt: denn erst in dieser Woche ift beim Patentamt eine Spiel» aschuhwasse angemcld:t worden, au« her ein sigkritSslrahl als Gefchvh herausgefchleudert wird!

Vor einigen Wochen hat einer der Männer, bic bk ungeheure Energiequelle deS Blitze- au«- nutzen wollen, bieses Unterfangen mit dem lobe hüben müssen Wenn dies« Vemuhungen gelingen sollten, dann würbe die Luftelektrtzität in Den Dienst der Erben arbeit gestellt toerben, und man könnt« unserer Erbe ungeheure Spannkräfte zuführen Gewalttaer Reichtum winkt aber Nm Mann, der ein Element rasch und billig tn bc« heute noch so frltene Radium umtoanbeln könnte. Richt immer aber sind grob« Erfin­dungen von Forschern und Gelehrten gemacht worben, zuweilen ist gerade schlichten und wen.g gebildeten Leuten ein« umwälzende Entdeckung tn den Schoft gefallen. So war es bei der Er- fin hu nabe« LöschpaplerS. die in « net enpftschen Papierfabrik gemacht tourde. Ein Ar­beiter vergaß nämlich, der Mass«, au« der bas Papier heraestellt wird, Leim zuzusetzen. D.e un- fertifl« Mass« kam in die Maschmeir. und man wollte baS au« diesem Teig entstandene Papier al- unbrauchbar fort werfen, da entdeckte man. bah biescS Papier Tinte aufou'auaen vermochte, ohne hast bie Schrift habet verloscht wurde Der Fehler seine« Arbeiter« brachte dem Fabrikan­ten reichen Gewinn, denn bald begann er Lösch­blätter rm groben zu fabrizieren. Durch Zufall tourde auch da« Kobaltblau gefunden, ein

fo bequem ein ganze« Dutzend Löfchblättcr fawen, aber er hat sich schon so an da« Ding gewöhnt. Er benutzt es immer wieder, auch wenn« die Schrift verwischt. Weih Gott eine solche An­hänglichkeit war mir noch nicht vorgekommen.

Rachrnittag« ging ich In den Wald und suchte Erdbeeren. Die Zeit verging mir tn Glück und Frieden. Ich vergesse die Welt. Gin Mund voll Waldbeeren schmeckte mir süher al« der lüftest« Dein.

Am Abend lah ich durch« Schmiehefen st er: Der Schmied, «in kräftiger, starkknochiger K<rl. und seine Frau, ein dicke« rotzopftges Weib, zantten sich nach allen Regeln her Schimpferei. Jetzt wurden sie handgreiflich, machten Rtng- kampf. Der Schmied sauste mit aller Kratt geg-n den Kachelofen. Der Lsten schwankte und schlug um. Eine Welle ftanten die beiden we an ge­nagelt. Dann ging der Mann mit schnellen Schritten au« dem Hau«, hrn zum Dorikruitz Rach einer Welle kam er toi-der. ein Fäftck en Bier unterm 2tan und ein Kerzenlicht In der Hand. Drinnen, in der Stube, stand mit ver­schränkten Arrnen immer noch die Frau sprach­los norm Ofen.

Der Schmied zündete da« Licht an, stellte da« Bieriah auf den Stuhl, da« brennende Licht daraus, holte zwei Kaf e.ftas en zapfte da« Fast an. und bei Bier und Licht bauten bie beiden den Oien wieder auf und taten gerade so. al« ob nicht« geschehen wäre. So fnedluh. fo engc.1 riedftch bauten die beiden wieder den Cf en In die Stubenhähe hinein. Mm« Hau« flog eine Eule tote die Seele e ner verfluchten Äarten» f «Negerin.

Am nächsten Morgen traf ich. in darben Holz­pantoffeln. ein Deine« Schulmädchen auf der Dorfftrafte. Es zupfte mtch am Rock, stellte s'ch lachend hin und sagte: .Holter die Polter geht « über den Boden. Hat da« Maul voll Mensckxn- fleifch. Was ist da«?" Ich fing an nachzu­denken. Da lief da« fleinc Schulmädchen kichernd davon und rief: .DaS ist der Holzpantof'el." Ich stand lange versunken da, sah noch ihre ren­nenden frühe, hörte noch da« Klappern Ihrer Pantoffel.--

Und meine ganze Kindheit kam grost aus dem Sonnerllicht heraus und umtanzte mich auf der Dortstr nfte.