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Nr. 74 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Dienstag, 27. März (928

Das Gießener Wohnungsbauprogramm 1928.

Der Finanzausschuß und die Stadtver­ordnetenversammlung unserer Stadt wer­den sich in Kürze mit dem Gießener Wohnungsbauprogramm 1928 be­schäftigen. 3n einer Denkschrift des Bei­geordneten Dr. Hamm, die uns von der Stadtverwaltung zur Verfügung gestellt wird, werden die Grundlagen für den Wohnungsbau 1928 in Gießen wie folg» geschildert. Die Red.

Zur Beurteilung des Bauprogramms 1928 ist zunächst auf den Umfang der Wohnungs­not in der Stadt Gießen hinzuweisen. Einen GraAnesser für die Wohnungsnot stellt die Zahl der Haushaltungen dar, weil naturgemäß, mit gewissen Ausnahmen, jede Haushaltung nach sstrer eigenen Wohnung drängt. Während in ganz Hessen die Zahl der Haushaltungen gegen­über der Dortriegszeit durchschnittlich um rund 14 Prozent gewachsen ist, hat sich in Gießen die Zahl der Haushaltungen nach Feststellung des statistischen Landesamts um rund 27 Pro­zent erhöht. Die Zahl der Wohnungssu­chenden beträgt in Gießen rund 1524 Fa­milien, davon haben 697 Familien keine eigene Wohnung, 827 Familien haben Wohnungen. Un­ter diesen 827 Familien mit eigenen Wohnungen bewohnen aber 32 Familien unter Lebensgefahr Wohnungen in baufälligen Häusern. Außerdem sind noch 154 vollkommen unhygienische Woh­nungen bewohnt, die nicht als baufällig be­zeichnet werden können (vollständig feuchte und verschimmelte Wohnungen, Wohnungen mit gänz­lich ungenügender Licht- und Luftzufuhr usw.), also Wohnungen, die, falls reine Wohnungsnot herrschte, gesundheitspolizeilich überhaupt nicht benutzt werden dürften. Ferner sind 72 an sich gesunde Wohnungen vorhanden, die stark über­belegt oder von Personen mit ansteckenden Krank­heiten (Tuberkulose usw.) bewohnt sind. Bon den 1524 Wohnungssuchenden werden gewünscht: 580 1- und 2-Zimmerwohnungen, 854 3- und 4» Zimmerwohnungen, 90 5- und mehr Zimmer- wohnungen.

Aus dieser Uebersicht ist zu ersehen, daß der größte Bedarf an Kleinwoh­nungen vorliegt. Dießr eben angeführte Sta­tistik gibt aber kein unbedingt klares Bild über die Wünsche der Bewerber, weil die meisten Bewerber>sich nicht auf eine bestimmte Zimmer­zahl beschränken, sondern angeben: ich wünsche eine 23-Zimmerwohnung oder eine 35-Zim- merwohnung oder eine 46-Zimmerwohnung. Das kommt daher, daß die Familien, welche überhaupt keine Wohnung besitzen und z. B. gern eine 5-Zimmerwohnuirg hätten, sich mit einer 4-Zimmerwohnung oder sogar 3-Zimmer- wvhnung äußerstenfalls bescheiden, nur um über­haupt einmal eine eigene Wohnung zu besitzen. So viel aber steht fest, daß hauptsächlich kleinere und mittlere (3- und 4-Zimmerwohnungen) ver­langt werden.

Um nun den dringendsten Bedarf an Neubauwohnungen festzustellen, muh man zu­nächst einmal die Wohnungssuchenden ausschei­den, welche eine eigene Wohnung besitzen. Ferner können die an sich gesunden Wohnungen unberück­sichtigt bleiben, welche zur Zeit überbelegt sind und von Personen mit ansteckenden Krankheiten bewohnt werden, da die betreffenden Familien unmittelbar oder durch einen Wohnungstausch eine größere Wohnung in dem Augenblick be­ziehen können, als sich die Gesamtzahl der Woh­nungen durch Reubauten wieder erhöht. Als eigentlicher Bedarf an Neubauwoh­nungen bleibt dann folgender Bedarf bestehen: 3) 697 Wohnungen für Fanrilien ohne eigene Wohnung

b) 32 Wohnungen für Familien in baufäl­ligen Häusern

c) 154 Wohnungen für Familien in zwar nicht baufälligen aber gänzlich unhygienischen ______Wohnungen zus. 833 Wohnungen.

Rechnet man dann schließlich noch, daß von den Familien ohne eigene Wohnung 33 vorläufig

Die goldenen Berge.

ZRoman von Clara Diebig.

Copyright by Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart. 24 Fortsetzung. Nachdruck verboten.

3hr macht Euch rar", sagte Bremm und versuchte ein Lächeln. Er hatte den jungen Dreis gern: der war ein tüchtiger Jung, der beste von den drei Brüdern, und die zwei andern, die waren auch nicht schlecht. Das wäre wohl einer, dem er die Maria zur Frau geben möchte, wenn der sie verlangte. Aber der würde wohl schoi vergeben fein, drüben gab's ebenso wie hüben in Porten, so wie allüberall, mehr ledige Mädchen als Burschen. Und der Kaspar war nach dem Tode seines Vaters nun selber Besitzer, hatte ein schönes Stück am Klosterberg drüben beste Lage und hatte wohl auch sonst noch was. Er fragte ja auch nicht einmal mehr nach der Maria. Auch jetzt nicht. Der Vater wartete vergebens darauf. Aber nach dem Stand im Warmenberg fragte er.

, Don drüben sieht et gut bei Euch aus", meinte Kaspar.Wie seid Ihr zufrieden?"

Gut", murmelte Bremm. Er suhlte sich plötzlich zurückgehalten, von dem zu sprechen, was seine Seele so niederdrückte, daß er nicht mehr Zufriedenheit, nicht mehr die frühere Arbeitslust sand. Der junge Winzer stand da, so aufrecht, so kräftig, mit breiten Schultern, es blickte ihn etwas so Helles, Sicheres aus dessen Augen an 0, der war sicher sehr zu. fneben 1 daß er sich scheute, von seinen Sorgen zu sprechen. Der Dreis würde es ja auch ebensogut wissen, wie traurig es zur Zeit mit dem Weinhandel stand, wie doppelt schwer es jetzt für den Wmzer war. So sagte er nur:Aber ich wünschten doch, et wär manches anders."

Dat wünschten ich Euch und mir auch , Jagte der junge Mann, sein eben noch Heller Blick wurde dunkel. Wir haben jetzt all nix zu lachen. Wohin man hört, überall datselbe. Ich war jetzt in Irter, bei der Versteigerung im Bürgeroerein, genug Tische mu Proben, und Herran genug, probiert wurd auch genug und gespuckt genug der ganze Boden vom Saal war bespauzt aber gekauft hat kaum einer was. Der Auktionator hat auf den Tisch gc|d)Iagen. ^um Ersten, zum Zweiten und 3um er hat sich mächtig umgeguckt, tn alle Ecken, kein Mensch hat

noch bei ihren Eltern oder Verwandten einiger­maßen günstig untergeoracht sind, so kommt man auf die tatsächlich fehlende Zahl von 800 Wohnungen. Würden diese 800 Wohnungen in 5 Jahren zu erbauen fein, so wären jährlich 160 Wohnungen zu bauen. Wenn es also mög­lich wäre, vom Jahr 1928 ab jedes Jahr 160 Wohnungen zu bauen, so könnte mit einer Be­hebung der dringendsten Wohnungsnot im Jahr 1933 in der Stadt Gießen gerechnet werden. Zu berücksichtigen ist dabei allerdings, daß sich die Zahl der Haushaltungen durch Zuzug in der Stadt Gießen ständig vernrehrt, ebenso aber auch die Zahl der baufälligen Hauser und der unhygienischen Wohnungen. Trotz dieser Tat­sache möchte ich aber an der Zahl von 800 Woh­nungen, die zur Behebung der Wohnungsnot zu errichten sind, festhalten, um mich nicht dem Vorwurf auszusehen, bei der Berechnung der Zahl der fehlenden Wohnungen zu hoch zu greifen. Das einwandfrei vorliegende Material läßt aber die Zahl von 800 zu schaffenden Woh­nungen als unterste Grenze unbedingt an» nehmen.

Rach einer Zusammenstellung des Wohnungs­amts waren zu Beginn dieses Jahres in Gießen vorhanden:

behoben sein sollte, so bleibt das Wohnungsbau­programm für das Jahr 1928 um 90 Woh­nungen hinter der angenommenen Rormalzahl zurück.

Die Mittel aus der Sondersteuer fliehen nur ratenweise vom hessischen Staat an die Städte, weil die ©teucrcrträge auch ihrerseits nur lang­sam beim hessischen Staat cingehen. So hat die Stadt Gießen bis heute noch etwa 2/5 des ihr für das Rechnungsjahr 1927 zustehenden Betrages an Sondersteuermitteln zu bekommen. Mit der üebertoeifung der ersten Rate aus Sondersteuer - mitteln für das Jahr 1928 durch den hessischen Staat ist frühestens im September zu rechnen. 3c bis dahin unmöglich mit dem Beginn des Woh­nungsbaues 1928 gewartet werden kann, weil ja sonst die beste Bauzeit verstreichen würde, muß bis dahin die Wohnungsbautätigkeit durch ZWi­schenkredite durch die Stadt finanziert wer­den. Ob es der Stadt gelingen wird, die oben­genannten 642 500 Mark (Anleihemittel und Staatsanteil) auf dem Anleiheweg oder durch Ausnahme von Zwischenkrediten zu beschaffen, ist zur Zeit noch nicht zu übersehen. Die Aussichten sind nicht gerade günstig. Zweifellos sind kurz­fristige Zwischenkredite zu bekommen, aber zu hohem Zinsfuß (rd. 10 bis 11 Proz.). Um das

5Z. 6Z. 7 Z. 8 Z. 9Z. lOu.mehr Zus'

a) Altwohnungen: ' 1 Z. 2 Z. 3 Z. 4 Z.

1. Privat-Wohnungen 288 1277 1978 1534 1090 557 234 82 43 30 7113

2. Dienst-Wohnungen 1 87 161 48 22 9 11 6 1 14 360

3. Werkwohnungen 1 10 22 25 9 1 4 1 2 75

Summe der Altwohnungen 290 1374 2161 1607 1121 567 249 89 46 44 7548

b) Reubauwohnungen 38 155 262 160 47 21 10 4 3 3 703

Summe aller "Wohnungen 328 1529 24?3 1767 1168 588 259 93 49 47 8251

In einer Vorbesprechung des Bauausschusses I am 15. Februar 1928 wurden für den Woh­nungsbau 1928 folgende Richtlinien gut­geheißen:

I. Finanzierung im allgemeinen.

Rach Mitteilung des Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft konnten für den Wohnungsbau 1927 ursprünglich der Stadt Gießen als Staats­und Gemcindeanteil 332 000 Mark zur Verfügung gestellt werden. Da nach neuester Mitteilung des Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft sich diese Mittel der Sondersteuer 1927 auf rd. 385 000 Mk. erhöhen werden, so stehen für 1927 der Staats­anteil = = 192 500 Mark zur direkten

Kapitalhingabe zur Verfügung. Entsprechend er­niedrigte sich der Betrag aus Anleihemitteln.

Als Gemeindeanteil stehen ebenfalls =

192 500 Mark zur Verfügung. Die Stadtverord- neten-Versammlung hcttte seinerzeit beschlossen, daß der städttsche Anteil aus der Sondersteuer 1927 zur Kapitalisierung und ZinsverbiNigung für den Wohnungsbau herangezogen werden darf. Von diesen für das Jahr 1927 zur Verfügung stehenden 192 500 Mark werden für den Zcnsen- dienst benötigt 161 340,57 Mark, so daß zur Kapi­talisierung tatsächlich noch zur Verfügung stehen 31 159,43 Mark. Dieser zur Kapttalisierung bereit­zustellende Betrag erhöht sich noch durch die etngebenben Tilgung sbebcäge auf Baudarlehen und Jnstandsetzungsdarlehen von 10 390 Mark auf rd. 41 000 Mark. Mit dem Betrag von 41000 Mark könnte ein Kapital zu 9 Proz. von rd.

450 000 Mark für den Wohnungsbau verzinst werden. r

Es stehen deshalb für den Wohnungsbau 1928 zur Verfügung:

1.45Q000 Mark aus Anleihemitteln

2.192 500 Mark Sondersteuermittel 1928 (Staats­anteil Air direkt. Kapitalhingabe

642 500 Mark.

Rechnet man mit einem durchschnittlichen Be­trag eines Daudarlehens je Wohnung rd. 9000 642 500

Mark, fo könnten im Jahre 1928 rd.

70 Wohnungen finanziert werden. Da aber 160 Wohnungen im Jahr gebaut werden mühten, wenn in 5 Jahren die dringendste Wohnungsnot

ganze Wirtschaftsleben, das bekanntlich in aller­größtem Maße vorn Baugewerbe als Schlüssel­gewerbe beeinflußt wird, aber in Gang zu halten und in Gang zu bringen, werden derartige hoch­verzinsliche Zwischenkredite vorübergehend in Kauf genommen werden müssen.

In erster Linie sollen diejenigen Bauvorhaben mit Baudarlehen zu Lasten der Sondersteuer 1928 finanziert werden, deren Bauherren imstande sind, der Stadtverwaltung von dritter Seite einen Zwischenkredit zu erträglichem Zinsfuß zu be­schaffen, um es ihr überhaupt zu ermöglichen, den betreffenden Bauherren ein Baudarlehen zu gewähren. Sodann sollen diejenigen Privatbau­vorhaben, die schon im Jahre 1927 angemeldet waren, damals aber wegen Knappheit der Mittel nicht mehr finanziert werden konnten, im Jahre 1928 vorzugsweise berücksichtigt werden.

II. Die Finanzierung im besonderen.

a) Verzinsung und Tilgung. Wie im Jahre 1927, sollen auch im Jahre 1928 die Bau­darlehen mit 3 Proz. verzinst und 1 Proz. ge­tilgt werden. Vom Jahre 1931 ab soll versucht werden, wenn die Verhältnisse es gestatten, die Verzinsung auf 3Vi Proz. und Tilgung auf l1/» Prozent festzusetzen. Die Stadtverwaltung hatte im Jahre 1927 die ähnliche Bestimmung getroffen, daß die Darlehen zuerst mit 3 Proz. verzinst und 1 Proz. getilgt und bei einer allgemeinen Mietsteigerung vom 1. Januar 1930 ab mit 31/, und P/i Prvz. getilgt werden sollen. Der Grundgedanke war dabei, dem Bauherrn tn den ersten drei Jahren, wo er erfahrungsgemäß be­sonders angespannt ist, in der Verzinsung und Tilgung entgegenzukommen und auch, falls später eine allgemeine Mietsteigerung eintreten sollte, welche die Bauherren in Altwohnungen natürlich auch betroffen hätte, den Bauherren durch erhöhte Verzinsung und Tilgung in entsprechender Weise zu belasten. Die Verzinsung von 3 Proz. und 1 Proz. Tilgung stellt einen Durchschnittszinsfuß dar, der aus dem gegen Generalschuldschein vom Staat zu erhaltenden Anteil an der Sondersteuer, welcher mit 2 Proz. verzinst und 1 Proz. dem Staate getilgt werden muß, und dem Zinsfuß, den die Stadt für ihre Anleihen aufwenden muß, überschläglich ermittelt ist. Die Stadt kommt dabei nicht voll auf ihre Rech­nung, toeil der Zinsfuß für Anleihekapital und Zwischenkredit zur Zeit als sehr hoch zu bezeichnen

ihm zugeblinzt oder genickt. Er hat noch gezögert, immer noch geguckt, aber et wurd nix mit dem,zum Dritten'. Und dabei war alles spottbillig ein Schandpreis!"

Also auch der, auch der! Auch dieser junge Mensch fühlte schon das gleiche wie er, der soviel ältere. Bremm wurde vertraulicher. Ach, es tat doch wohl, sich auszusprechen mit einem, der gleichgesinnt war! Die Zunge wurde ihm lockerer, er ging näher auf die Frage des Dreis:Wie seid Ihr zufrieden?" ein. Wie konnte er zufrieden sein? Er, der ein schönes Fuder, ein ausgezeichnetes Fuder, eines, wie er noch nie eins gehabt hatte golden wie alter Rheinwein und süß im Keller liegen hatte, und es doch nicht verkaufen konnte! Einundzwanziger und den nicht verkaufen können!Et is'n Schänd!"

Der Dreis nickte. Auch er hatte noch Wein liegen, zwei Fuder sogar, aber er stand allein, er hatte keine Familie zu versorgen, für ihn war das nicht halb so schlimm wie für den Bremm hier, der die vielen Kinder hatte. Ob es wahr war, daß der hatte Geld aufnehmen müssen? Kaspar hätte es gern gewußt; aber so etwas fragt man nicht.

Bremm fing selber davon an:Et läßt mir keine Ruh, nit am Tag, nit in der Nacht, selbst bei der Arbeit nit, dat ich Zinsen zahlen muß zum Oktober. Dann find auch grob wieder die Steuern fällig. Wie soll ich dat alles bezahlen?!"

Es lag etwas in den Augen des Heiteren, das dem Jüngeren nahe ging. Herrgott, dem Bremm ging es wohl dreckig?! Teilnehmend sah er dem in das niedergeschlagene Gesicht:Mit etwas könnt ich Euch oushelfen. Ich steh allein, für mich selber brauchen ich nit Diel, und ich" .

Nein, nein," unterbrach ihn der andere hastig und schüttelte erregt den Kopf,ich borgen nit noch ein­mal. Borgen heißt noch mehr sorgen. Wozu is die Winzerkredithilf denn da? Da muß ich mich eben da melden, wenn et mir auch blutsauer wird." Er seufzte tief:Andre tun bat ja auch."

Aber doch Ihr nit, doch Ihr nit!" Lebhaft wer­dend, legte chm der Jüngere die Hand auf die Schul­ter:Einer, wie Ihr seid, doch nit! Wat is Euch denn gedient mit den paar hundert Mark, zwei­hundert Mar? im Höchstfall? Davon wird keiner fett. Ihr kommt damit nit aus der Bredullich. Wißt Ihr wat, ich geb Euch die siebenhundert Mark, die ich liegen hab. Ob die auf 8er Kreissparkatz die paar

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Mark Zinsen bringen oder nit. Ihr gebt mir bat Gelb wieder, wenn Ihr verkauft habt et gibt dies Jahr einen ganz guten Herbst. Mit einem Dreiviertel­herbst können wir rechnen."

Wat nutzt mir ein ganz guter Herbst, und wär et auch ein fehr guter, einer wie einundzwanzig und noch viel besser wir verkaufen ja doch nit." Bremm senkte den Kopf.

Mußte der herunter sein, daß der so mutlos war! Besorgt sah der junge Mann auf den düster vor sich hin Blickenden. Ein so ehrenwerter Mann, einer weit herum als fleißig und rcchtlick bekannt und es schoß Kaspar Dreis warm ins Gesicht, feine frischrote Farbe wurde noch röter und der Vater von der Maria! Er spurte ein herzliches Verlangen, Bremm aufzurichten. Aber freilich, auf dem lastete es schwer, neben dem Pack Sorgen noch der andere Kummer: zwei Söhne damals im Krieg verloren und jetzt noch den dritten. Eine Wut kam über den jungen Winzer, wie er an den Joseph dachte.

Nun wußte man es überall, daß der Joseph Bremm aus Porten sich hatte anwerben lassen. Die Mutter hat nicht Ruhe gelassen, als der Mann es nicht tun wollte, weil er sich schämte, war sie nach der Kreisstadt gefahren, bei den Behörden herumge­laufen, hatte geweint und gebeten. Der Herr Landrat hatte sie angehört, die arme Mutter dauerte ihn, aber leider Gottes er zuckte die Achseln war da nichts zu machen. Gewiß, er wollte nachforschen lassen, bei einer hohen Kommission sogar vorstellig werden: der junge Mann war ja noch nicht mündig. Aber nichts wurde mehr davon bekannt, daß ein gewisser Joseph Bremm, dieser junge unbedeutende Mensch, von den Franzosen aus ihrem Sammellager bei Griesheim schon mit dem nächsten Schub abtrans- portiert worden war.

So wütend Kaspar Dreis auf den Joseph war, den er unbesonnen, leichtsinnig schalt, einen ehrlosen Lumpen ohne Liebe für Heimat und Vaterland, so großes Mitleid hatte er mit den Eltern. Mit dem Vater noch mehr als mit der Mutter, denn für den Mann war es noch dazu eine Schande. Kein Wunder, daß der Bremm so mager geworden war, und daß ihm die Augen so eingesunken im Kopf lagen. Der junge Mann sah verstohlen den älteren von der Seite an.

Sie gingen jetzt miteinander dem Warmenberg zu, umvillküräch hatten fir den Weg dorthin genommen

ist. Dieser nicht gedeckte Teil muh im Interesse der Behebung der Wohnungsnot und im Interesse bet Belebung des Wirtschaftslebens durch das Bauen in Kauf genommen werden. Er wird zu Lasten des Wohnungskontos (also zu Lasten der Sondersteuer) verrechnet.

b) Deleihungsgrenze. Die Beleihungs^ grenze, innerhalb welcher die Bauöarlehen ge­sichert werden sollen, soll wie im Jahr 1927 für Private auf 75 Prozent, bei gemeinnützigen Dau- genofsenschasten und Kriegsbeschädigten auf 90 Prozent der Gesamtbaukoften festgelegt werden. Unter Gesamtbaukosten ist zu verstehen: Drund- ertoerb, Grunderwerbssteuer, eigentliche Bau­kosten, Straßenkostenbeitrag. DaustemHel-, Ab­nahme-, Schätzungs- und Vermessungsgebühren, Hypotheken-Eintragungskosten und Architekten­honorar. Wird städtisches Baugelände im Erb­baurecht, worüber noch besondere Vorlage erfolgt, oder in erleichterter Zahlungsform abgegeben (siehe Ziffer III unten), d. h. wird der Kauf­preis zu 4 Prozent Zins und 1 Prozent Tilgung gestundet, dann werden unter Berücksichtigung der Deleihungsgrenze die Kosten für das Bau­gelände an den Desamtbaukosten abgezogen.

c) Entgegen der Finanzierungs­form 1 9 27, wo in großzügiger Weise jedes Bauvorhaben, wenn es auch umfangreich war, mit städtischen Daudarlehen finanziert wurde, muß sich die Stadt Gießen mit Rücksicht auf die Knappheit der Mittel und die Wohnungsnot im Jahre 1928 eine gewisse Reserve auf- erlcgen. Dom Standpunkt der Wohnungsnot aus wären in erster Linie Kleinwohnungen zu finan­zieren (Zwei-, Drei- und Vierzimmerwohnungen). Auf der anderen Seite darf jedoch nicht über­sehen werden, daß bei Finanzierung der größeren Wohnungen in erheblichem Umfang Kapital von auswärts dem Gießener Wirtschaftsleben zuflieht. So konnte im Jahr 1927 an zahlreichen Bei­spielen nachgewiesen werden, daß die Bauherren, um ihre größeren Einfamilienhäuser in Gießen bauen und finanzieren zu können, in anderen Städten oder auf dem Land Baugelände, Häuser, Ackergelände usw. veräußerten. Diese zum Teil erheblichen Kapitalien wurden also dem Gießener Wirtschaftsleben zugeführt. In Erwägung alter dieser Umstände kam der Dauausschuh am 15. Februar zu dem Ergebnis, daß im allge­meinen nur Wohnungen bis zu 150 Quadrat­meter Wohnfläche zu finanzieren sind und, sofern eine Wohnung mehr als 150 Quadratmeter Wohnfläche besitzt, Darüber ein besonderer Be­schluß durch die städtischen Körperschaften herbei- zuführen ist. Im Jahr 1927 wurden die Dar­lehen nur nach der Zimmerzahl gegeben (für Dreizimmerwohnung 9000 Mk., für Vierzimmer­wohnung 10 000 Mk., für Fünf- und Mehrzimmer­wohnung 11000 Mk.). Dadurch ergab sich aber eine gewisse Ungerechtigkeit: denn der Bauherr, der eine große Dreizimmerwohnung schuf, be­kam geradesoviel wie derjenige, der eine klein«, Dreizrmmerwohnung baute usw. Der Dauaus­schuh hat deshalb den Richtlinien der Stadt­verwaltung zugestimmt, wonach die Baudarlehen nach der Wohnfläche") gestaffelt werden sollen, und zwar sollen gegeben werden: ML

für die ersten 50 Quadratmeter einer

Wohnung je 100 Mk. pro Quadratmeter 5 000 für die zweiten 50 Quadratmeter einer

Wohnung je 75 Mk. pro Quadratmeter 3 750 für die dritten 50 Quadratmeter einer

Wohnung je 40 Mk. pro Quadratmeter 2 000 zusammen für 150 Quadratmeter 10 750

Damit ist annähernd der Höchstzuschuß von 11 000 Mk., wie im letzten Jahr, erreicht.

) Unter Wohnfläche ist bei einem Mehr­familienhaus zu verstehen: die gesamte nutz­bare Wohnfläche unter Abzug der Außen- inib Jnnenmauern und des gemeinsamen Treppen­hauses: bei einem Einfamilienhaus: die gesamte nutzbare Wohnfläche unter Abzug der Mauern und der projizierten reinen Treppen­fläche.

die Häuser des Dorfes hatten sie längst hinter sich. Oben in den Weinbergen war heute niemand es war Sonntag die wurden zudem jetzt bald ge­schlossen. Sie waren ganz allein: auf der Chaussee ging kein Mensch, nur ein magerer Hund, struppig und hungrig, rannte jenseits des Wassers auf der Wiese beim Klastergemäuer herum und schnupperte nach Feldmäusen. Da wagte es Kaspar endlich, nach der Maria zu fragen. Niemand sah ihn, denn Bremm hielt den Kopf gesenkt, aber dach fühlte der junge Mann, daß es ihm bei dieser Frage wie eine feurige Lohe zu Kopf schaß.

Die Maria, die kömmt jetzt bald", antwortete Bremm. Er hab den Kopf nicht, sanft hätte er viel­leicht bemerkt, daß es in den Augen des anderen auf­leuchtete.

Für wie lang?" fragte der Kaspar.

Die bleibt jetzt zu Haus."

Da wagte der Kaspar nicht mehr weiter zu fragen: aha, die wallte nun an ihrer Aussteuer nähen, sich zu Haus alles Herrichten, bis sie dann ihren Liebsten heiratete. Vielleicht zu Weihnachten schan. Sicher dann im Frühjahr. Sie kam! Es verschlug ihm fast den Atem vor Ueberraschung und vor Grimm. Er haßte plötzlich. Haßte den, der ihm die Maria ge­nommen sein wäre sie dach geworden, wenn er geduldig gewartet hätte haßte die Sonne, die so heiter strahlte, haßte die Berge, die sich golden auf­bauten, haßte die Masel, die da unten lachte, haßte die ganze Welt. Nichts kam ihm mehr erstrebenswert vor in ihr, nichts begehrenswert. Es war ihm selbst gleichgültig, daß die Trauben an den Stöcken da schon nahezu im Wein standen, er hatte jetzt kein Auge dafür. Und ein höhnendes lautes Lachen hätte er über sich selber anschlagen mögen, daß er wieder einmal der Dumme war. Sa dumm war, dem Vater des Mädchens, das ihm untreu geworden war, nach feine Ersparnisse anzubieten, schier aufzudrävgen. Ein Glück, daß der Bremm nicht gewollt hatte!

Aber Bremm sagte jetzt, am Warmenberg ange­langt, in den sie nun hineingingen:Wenn Ihr denn wirklich so gut fein wollt und mir borgen, dann nehmen ich et doch an. Ich muß et ja annehmen. Denn seht!" Er wies mit der Hand rundum, und in seinen düsteren Augen glomm ein Licht auf:All die Trauben!"

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